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Die Lemlein-Häuser in Bamberg 1330-1600


2005/2011, nicht gedruckt

Unsere Lemmel-Vorfahren in Bamberg hießen vorwiegend "Lemlein". Der Name "Lemmel" entstand daraus erst später in Nürnberg und in Sachsen. Die große Zeit der Bamberger Lemlein, die Kaufleute und Handwerker waren und als Schöffen oder Werkmeister in der Stadtverwaltung wirkten, war im 14. und 15. Jahrhundert. Durch die Forschungen des Bamberger Stadtrates Hans Paschke um 1970 wissen wir, in welchen Straßen und Häusern die Lemlein gewohnt hatten. Das wird auf den folgenden Seiten geschildert.

Die erste Seite zeigt die Stammtafel aller Lemlein, die in Bamberg Hausbesitz hatten. Zeitweise waren es etliche Brüder und Vettern gleichzeitig. Dann aber zogen die Lemlein teils nach Nürnberg und Chemnitz, teils als Weinbauern ins Bamberger Umland, so dass um 1500 nur noch ein einziger Lemlein in Bamberg lebte. Nach 1600 kam ein Lemlein vom Lande wieder zurück in die Stadt, aber mit seinem Sohn verschwand auch diese Linie.

Die nächste Seite zeigt den Bamberger Stadtplan. Darin eingezeichnet sind die Lemlein-Häuser mit der Jahreszahl ihrer ersten Beurkundung. Zu diesen Jahreszahlen finden sich dann die Erläuterungen auf den anschließenden Seiten.

Den Schluss bildet die Geschichte und der Lageplan des "Lemleinshofes" Ecke Lange Straße / Habergasse, der von 1424 bis 1474 im Besitz der Lemlein stand, in welchem sie einen interessanten gotischen Wohnturm errichteten und der noch 1805 als Lämleinshof beurkundet ist. Die Habergasse hatte durch einige Jahrhunderte "Lämmleinsgasse" geheißen.

Auszug aus der Stammtafel der Bamberger Lemlein:
Hausbesitz der Lemlein in Bamberg


                Cunrad Lemblin, *?1290
                aus Nürnberg in Bamberg, Schöffe
               >Jesuitenstr.
                       ├──────────────────────────┬────────────────────────┐
                Conrad Lemlein, *?1325            │                        │
                Schöffe in Bamberg        Heinrich Lemlein                 │
               >Zinkenwörth 29                  ?1325              Hans Lemlein
               >Schillerplatz 2          >Schillerplatz 24              *?1330      "Lemmerlein"
               >"Lemleinsberg"                                     Werkmeister     >1375 Fleisch-
                 Altenburger Str.90                                  in Bamberg         gasse 23,
    ┌──────────────────┴──┬───────────────────────────┬──────────┐         │       >1388 seine
 Heinz Lemlein            │                           │          │         │                Witwe
 *?1360           Hans Lemlein, *?1362                │          │         │
 Schöffe Bamberg  Schöffe in Bamberg            Peter Lemlein    │      Johann Lömlein
>Schillerplatz 2 >zunächst wohl Zinkenwörth      *?1365          │       *?1365
>Stefansplatz 5  >1421 Ob.Königstr.1            >Lange Str.26 Tochter    Vikar Bamberg
    │            >1424 Concordiastr.1           >Am Sandbad   *?1375    >Sandbad 1
    │            >1428 Unt.Karolinenstr.18            │       oFranz    >Grünhunds-
    │                     │                           │        Goltsmit  brunnen 2
    │           ┌───────┬─┴───────┐                   │          │
    │        Mertein    │         │                   │          └─────────┐
    │        *?1385   Michel      │                   ├─────────┐          │
    │        ab 1437  *?1390  Hans Lemlein          Fritz       │          │
    │        Chemnitz ab 1442 *?1395                *?1395      │       Hans Lemlein
    ├───────┐        Nürnberg Ratsherr Bamberg,     Wein-     Kune      *?1400
 Conrad     │           │     ab 1440 Nürnberg      händler   *?1405    Goldschmied 
 *?1410     │           │    >1424 "Lemleinshof"    nördlich >Fleisch- >um1430 Untere 
 Schöffe Ulrich         │     Lange Str./Habergasse von       gasse 29  Karolinenstr.19 
    │    *?1420         │    >bis 1453 Lange Str.26 Bamberg
    │    Schneider      │         │                   │    
    │   >Grüner         │     Michel Lemlein          │    
    │     Markt 30      │     *?1423       
    │                   │    >"Lemleinshof"           │    
 Heinz                  │       bis 1474   
 *?1445               Michel   
    │                 *?1452                          │    
    │                Nürnberg,
 Conrad              1477-1484
 *?1480               Bamberg                         │    
 Lederer            >Maternstr.10
>Schiller-
 platz 2                                              │    
    │    
 Jakob   
 *?1515                                               │    
 Schuster
>Schiller-
 platz 2                                              │    
                                                Hans Lemlein
                                                   *?1585  
                                                Büttner Bamberg 
2.1.2011                                       >Dominikanerstr.9
┌─┴─┘├─┼─┤└─┬─┐∞│†═ëç▲▼ 

 



 Die Lemlein-Häuser in Bamberg:
(Im Plan sind die Jahreszahlen der urkundlichen Nennung der Lemlein-Häuser eingezeichnet.)

 1331:    Der Bamberger Schöffe Cunrad Lemblin ist erstmals 1331 urkundlich erwähnt. Seine Witwe, die Lemlerin, hatte 1357 ein Haus "in der Au", das im Bereich Jesuitenstraße 5 bis 11 lag. Wahrscheinlich lebte Cunrad Lemblin hier auch schon um 1331. Hier lebte wohl auch der jüngere Konrad, bis er 1373 ein Haus im Zinkenwörd kaufte.

1361:    Der Sohn Heinrich Lemblein ist 1361 als Zeuge in einer Urkunde genannt. Seine Witwe, Frau Kune Lemlerin, besaß ein Anwesen mit Haus und Hof im Zinkenwörd, heute Schillerplatz 24, das sie 1371 verkaufte. Vermutlich lebte Heinrich hier seit seiner Heirat um 1350. - Danach ist hier kein Lemlein mehr bekannt, jedoch gab es hier noch 1412 "der Lemblein Feld" nahe Regnitz und St.Clara-Kloster.

1370:    Der Schöffe Cunrad Lemblin besaß ein größeres Gelände mit Weinberg, Feld und Wiese zwischen Altenburger Straße Nr.90 und dem Teufelsgraben, "der Lemleinsberg genannt". Um 1375 wird dieser Besitz im Lehenbuch des Klosters Michelsberg verzeichnet, und zwar für "h'r Lemlein". Die ehrende Bezeichnung "Herr" ist auf den Schöffen Lemlein zu beziehen. Noch 1729 wird dieses Gelände als Lemleinsberg bezeichnet.

1373:    Der jüngere Konrad Lemlein kaufte 1373 von Hermann Sampach dessen Haus, Hof und Garten im hinteren Zinkenwerd. Es kann nicht genau lokalisiert werden. Vermutlich ist es das Haus Zinkenwörth 29, das Konrads Tochter Anna 1399 verkaufte.

1375:    Bei Fleischgasse 23, wohl durchgehend bis zur Frauengasse, hatte "der Lemmerlein" 1375 Haus und Hof. Nach seinem Tod besaß 1388 seine Witwe, "die Lemerleinin" das Haus. Über diese Lemmerleins ist sonst nichts bekannt, und diese Version des Familiennamens kommt sonst nicht vor.

1384:    Der jüngere Konrad Lemlein erweiterte seinen Besitz am Zinkenwerd. 1384 kaufte er mit seiner Frau Alheid Haus und Hof am Zinkenwerd an einem Weg zum Wasser. Wahrscheinlich lag es an der Ecke Zinkenwörth - Schillerplatz, Schillerplatz 2. Hier wohnte bis zu seinem Tod 1437 Konrads Sohn Heinrich. In seinem Obstgarten (pomerium) wurde 1431 ein Erlass des Kaisers Siegmund den Einwohnern des Zinkenwerds laut verlesen. - Noch 1529 wohnt hier Heinrichs Urenkel Conrad Lemlein, von Beruf ein "Lederer".

1395:    Konrads Sohn Peter Lemlein besaß um 1395 das Grundstück Lange Gasse 26. Im Jahre 1405 aber war er hoch verschuldet und musste sein Haus verpfänden. Nach seinem Tod 1438 wurde es zwangsversteigert, wobei es in den Besitz seiner Neffen Mertein, Michel und Hans Lemlein kam, die es noch 1446 besaßen. Von ihnen verkaufte es Hans Lemlein, der inzwischen nach Nürnberg umgezogen war, 1453 an den Büttner Heinz Swob. - Der selbe Peter Lemlein besaß auch Häuser am heutigen Sandbad, die er ebenfalls 1406 verpfänden musste.

[Paschke, Der obere Sand]
1406:    Eins der Häuser am eben genannten Sandbad, Sandbad Nr.1 (rechts unten im Bild), war als Pfründe gestiftet worden. Es gehörte dem Vikar des Bartholomäus-Altars im Dom, und dieser Vikar war Peter Lemleins Vetter Johann Lömlein. Dieser verkaufte es 1406 an das benachbarte Elisabeth-Spital und erwarb statt dessen das Haus Grünhundsbrunnen 2 (im Bild links oben). Für das Haus gegenüber,
Grünhundsbrunnen 3 (im Bild mit "Stuhlbrüder" beschriftet)  ist er 1415 und 1420 beurkundet: das Haus Grünhundsbrunnen 1 grenzt an "Hans Lemleins Garten".  Das Haus Gr'brunnen 2 verkaufte er 1428, da er nun als Pfarrer nach Altenkunstadt ging. (Womöglich aber waren die gegenüberliegenden Grundstücke Gr'brunnen 2 und 3 noch zusammen gehörig und nicht geteilt? - HDL)

(1407: Haus und Hofreit des Heinz Leublein auf dem Kaulberg, Schulplatz 6. Das ist  k e i n  Lemlein. 1435 ist hier ein Cunz Liblein. Liblein und Leublein sind wohl Varianten des selben Namens.)

1414:    Am Oberen Stefansberg ist die "Oblei Lemleinsleiten" in einer Urkunde erwähnt: ein Feld im Besitz von Heinrich Münzmeister, Chorherr von St.Stefan. Vermutlich war dieses Feld im Besitz von Conrad Lemlein und kam nach seinem Tod an den Chorherrn, der wohl ein Neffe von Conrads Frau Alheid geb. Münzmeister war.

1421:    Der Schöffe Hans Lemlein, Sohn von Konrad und Bruder von Peter Lemlein, war 1421 im Besitz "des Hauses auf dem Steinwege in der Teuerstat jenseits der Seesbrucken. Es ist das Haus Obere Königstr. 1, das später "Zum Schwarzen Adler" genannt wurde.

1424:    Der selbe Hans Lemlein besaß 1424 das Haus Concordiastr. 1.

1428:    Der selbe Hans Lemlein erwarb nun von seinem Schwager Eberhard Klieber Haus und Hof und "Kemenaten" auf dem heutigen Grundstück Untere Karolinenstraße 18. In dieser Straße unterhalb des Domplatzes lebten Familien, die erbliche Ämter in Diensten des Bischofs hatten: die so genannten Hausgenossen. Später kam dieses Haus an Hans Lemleins Neffen, den Goldschmied Hans Lemblein. Dessen Witwe heiratete den Goldschmied Berthold Staffelstein, der das Grundstück Karolinenstraße 19 im Jahre 1468 besitzt. (Wenn auch die Hausnummer einmal mit 18, dann mit 19 bestimmt wurde, dürfte es sich doch um das selbe Anwesen handeln.)

1424:    "Hans Lemlein" besitzt das Haus, heute Habergasse 3, in dem nun der "Lemleinshof" entsteht, nach welchem die heutige Habergasse ursprünglich "Lämmleinsgasse" hieß. Vermutlich ist dieser 1424 genannte Hans Lemlein der etwa 1395 geborene Sohn des vorigen.

1437:    Kune Lemlerin, die Tochter Peter Lemleins, besaß 1437 das Haus Fleischgasse 29, als Besitzfolgerin eines Hans Gresse. Es ist nicht weit vom Haus Fleischgasse 23, in dem 1375 der "Lemmerlein" saß, aber eine Erbfolge ist hier nicht festzustellen.

1438:    Heinz Lemlein, der Bruder von Hans, hatte von seinem Schwager Paul Klieber das Haus Stefansplatz 5 übernommen, das nun seine Tochter Elsbeth Lemlein, verheiratet mit Heinz Tockler, an einen Dekan verkaufte. Heinz Lemlein war also, wie auch sein Bruder Hans, in den Stadtbezirk vorgedrungen, in dem der Bischof das Sagen hatte.

1454:    Der Schneider Ulrich Lemlein erwarb 1454 das Haus Grüner Markt 30. Er hinterließ wohl keinen Sohn, denn 1487 ist das Haus nicht mehr in Lemlein-Besitz.

1471: Michel Lemleins Haus am Zinkenwerd: Konz Kun hat ein Haus in dem Zinkenwerd an der Padstuben gegen Michel Lemleins Haus gerichtet. (= einer der Söhne des Nürnberger Ratsherrn Hans Lemlein)

1477:    Der 1452 in Nürnberg geborene Michel Lemlein lebte 1477 bis 1484 in Bamberg, worauf er wieder nach Nürnberg zog. Noch 1500 ist das Haus Maternstr. 10 oberhalb des Domes in seinem Besitz.

1562:    Der Lederer Conrad Lemlein, der 1529 im Hause Schillerplatz 2 wohnte (siehe oben unter 1384) hatte einen Sohn, den Schuster Jacob Lemlein, der 1562 im Hause Austraße 2 wohnte.

1609:    Nachkommen von Peter Lemlein, geboren um 1365, lebten als Weinbauern auf dem Lande. Einer von ihnen, Hans Lemlein, kam als Büttner zurück nach Bamberg, wo er 1609 als Nachfolger des Büttners Georg Ringlein dessen Brauhaus "Zum Ringlein" besaß, Dominikanerstr. 9 Ecke Ringleingasse. Auch sein gleichnamiger Sohn lebte 1647 in Bamberg.

1804:   Nikolaus Lämmlein, Schuster, besitzt das Haus Obere Sandstraße 3. Er ist der Nachkomme eines Vetters des 1562 genannten Schusters Jacob Lemlein.

"M":    Monika Lemmel aus Wien (Nachkomme des um 1395 geborenen Hans Lemlein) lebte 1998-2005 in Bamberg: 1998 Edelstr. 6, 1999 Untere Sandstr. 2 Eingang Elisabethstr., 2004 Austr. 23 Eingang Fischstr.



Der Lemleinshof in der Lemleinsgasse
Viele der genannten Häuser blieben nur kurze Zeit in Lemlein-Besitz. Ausnahme ist das Haus am Zinkenwörth, Schillerplatz 2, in dem von 1384 bis nach 1529 fünf Generationen der Lemlein lebten. Das war freilich nur ein relativ kleines Anwesen, das für einen Handwerker geeignet war. Für die ersten Lemlein hier ist der Beruf nicht nachweisbar, aber die letzten Lemlein hier nach 1500 waren Lederer und Schuster. Ein Stück weiter stadteinwärts gab es den "Lemleinshof", der ab 1424 im Bereich der Häuser Lange Gasse 2 und Habergasse 3 entstand und der 50 Jahre im Besitz der Familie blieb. Es war ein geräumiger Komplex eines Kaufmannes, der Fernhandel betrieb.
 
[Stadtplan von Dietrich Bang nach Petrus Zweidler 1602. Aus Paschke: Der Geyersworth]
 

  [Paschke]
Am Beginn der Langen Straße, zwischen den heutigen Hausnummern Obstmarkt 12 und Lange Straße 2, zweigt die heutige Habergasse nach Süden ab und stößt auf den als Ludwigskanal ausgebauten damaligen Nonnengraben, wo die Gasse nach Osten abknickt. Im Mittelalter wurde sie als "Gäßlein zum Zinkenwörth" bezeichnet, seit um 1500 aber als "Lämmleinsgasse". Die Besiedlung dieser Gasse wurde von Hans Paschke erforscht.

In der alten Zählung war der Lemleinshof das Haus Nr.120. Ursprünglich gab es hier an der Langen Straße ein Haus "zur weißen Lilie" im Bereich der heutigen Hausnummern 2 und 4 mit unbebautem Hinterland, das längs der heutigen Habergasse bis hinab zur Regnitz reichte, wo etwas weiter flussaufwärts die alte Stadtmauer verlief.


Eine Urkunde von 1340 beschreibt ein Grundstück "in dem Zinkenwerde inwendig der Statmauer", das der "Frauen Agnesen der Münzmeisterin und ir Sune Kammermeister" gehört. Es ist wahrscheinlich das Grundstück des späteren Lemleinshofes. Die Münzmeister und Kammermeister waren "Hausgenossen"-Familien, die ursprünglich im Dienst des Bischofs standen und mit denen die Lemlein verschwägert waren.

1413 gehörte Das Haus der "Singerin", dann (undatiert) einem Braun Wagner.

1424 besaß "Hans Lemlein" zwei Häuser, die zuvor Braun Wagner und Heinrich Kammermeister in der Langen Gasse gehörten. Es sind die Grundstücke Lange Str. 2 und Habergasse 3. Hierbei muss es sich um den alten Hans Lemlein handeln, dessen Mutter eine geborene Münzmeister war. Vermutlich erwarb er das Haus Lange Str. 2 und baute dann dahinter das Haus Habergasse 3, das besonders bemerkenswert ist, weil es einen hohen gotischen Wohnturm aufweist, der in dieser Gegend das Stadtbild beherrschte. Mit Hof und geräumigem Keller war es ein beachtliches Anwesen für einen Fernkaufmann. Auf obigem Stadtplan aus der Zeit um 1600 ist hier freilich kein Turm ersichtlich: vermutlich sind nur Kirchen und andere repräsentative Gebäude realistisch wiedergegeben.

Hans Lemlein muss hier nach dem Erwerb des Grundstücks 1424 Turm und Steinhaus errichtet haben. In der nachfolgenden Zeichnung sind die ursprünglichen Bauteile des 15. Jahrhunderts schwarz gezeichnet. Die übrigen Teile sind aus dem 18.Jahrhundert, jedoch dürfte über dem rechten Teil des Kellers ein älteres Haus gestanden haben, das dann im 18. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt wurde. In späteren Urkunden ist die Rede von zwei Steinhäusern, dem Turm, einem Hof mit Nebengebäude. Noch 1805 wird der "Lämleinshof" mit Getreideboden und großem Keller, mit Turm und Mehlkammer unter dem Turm erwähnt. Offenbar wohnte hier jetzt ein Bäcker, der die Lagerräume für Getreide und Mehl verwendete. Die Lemlein im 15. Jahrhundert waren sicher keine Bäcker sondern Fernkaufleute. Aber womit sie handelten und was sie im Lemleinshof einlagerten, darüber gibt es keine urkundlichen Nachrichten.

  [Paschke] [Kunstdenkmäler Bayern S.685]

Der alte Schöffe Hans Lemlein starb 1428. Jetzt muss das Haus an seinen Bruder Heinz gekommen sein; das ist nicht direkt beurkundet, aber 1470 heißt es, dass das Haus vormals Braun Wagner und Heinz Lemlein gehört habe. Heinz starb 1437. Heinz Lemleins Sohn Kunz hatte 1450 einen unbestimmten Hausbesitz in Bamberg, bei dem es sich um den Lemleinshof handeln dürfte. Kunz starb 1451, als sein gleichnamiger Sohn noch unmündig war. Sein Vormund ist der jüngere Hans Lemlein, der seit 1440 in Nürnberg lebte aber nun 1453 für den Lemleinshof ("Haus im Zinkenwörth") beurkundet ist.

           ┌───────────────────┐
       Hans Lemlein       Heinz Lemlein
       1424 Lemleinshof   (nach 1428 Lemleinshof)
       † 1428             † 1437
           │                   │
       Hans Lemlein       Kunz Lemlein
       seit 1440 in       1450 Hausbesitz (wohl Lemleinshof)
       Nürnberg           † 1451
       1453 Lemleinshof        │
           │              Contz Lemlein, 1453 unmündig, sein
           │              Vormund: der Onkel Hans Lemlein
       Michael Lemlein
       1474 Lemleinshof

Da der junge Contz Lemlein nach Frauendorf bei Staffelstein zog, blieb nun der Nürnberger Hans Lemlein im Besitz des Bamberger Lemleinshofes. Von seinen drei Söhnen lebte einer, Michael, in Bamberg, wo er 1470 und 1474 im Lemleinshof beurkundet ist.

Derweil gab es einige Verwirrung wegen der Steuern. Für den Lemleinshof mussten Steuern an das Kloster auf dem Münchberg abgeführt werden. Im Zinsbuch des Klosters steht 1424 richtig Hans Lemlein. Als dieser nach Nürnberg fortgezogen war, steht hier für 1451 ein Heinz Lemlein: aber Heinz Lemlein war ja bereits 1437 verstorben. Das Kloster wartete daher 20 Jahre lang vergeblich auf die Zahlungen, bis zu einem Eintrag von 1471: "Dieser Zins hat lange in Irrtum gestanden...". Der Nürnberger Hans Lemlein musste eine große Summe nachzahlen, bis 1473 verzeichnet wurde, dass der Zins abgelöst sei. Im selben Jahr starb Hans Lemlein in Nürnberg.

Im Bamberger Lemleinshof wohnte dann sein Sohn Michel Lemlein, der hier bis 1474 beurkundet ist. Ob er dann fortzog oder kinderlos starb, ist nicht bekannt. Nach ihm dürfte der Lemleinshof an seinen jüngeren gleichnamigen Vetter gekommen sein (keine Urkunde bekannt), der zunächst in Nürnberg lebte, dann überraschend nach Bamberg ging (wohl um hier den Lemleinshof zu übernehmen), dann aber 1484 wieder nach Nürnberg zurückging, um Katharina Imhoff zu ehelichen.

1492 wurde der Lemleinshof im Auftrag der Nürnberger Lemlein von Hans Mulner verwaltet. Bald darauf aber muss das Anwesen verkauft worden sein. 1512 ist es im Besitz von Marx Markmüller.

Seit dieser Zeit bis um 1800 hieß die heutige Habergasse "Lemleinsgasse". Noch 1805 wird das Haus in den Urkunden als der "Lämmleinshof" bezeichnet, während die Lemleinsgasse inzwischen in Habergasse umbenannt wurde.

Die meisten der zugrundeliegenden Urkunden sind von Herbert E. Lemmel und Hans Paschke im 101. Bericht des Hist. Vereins Bamberg, 1965, genannt, wo Paschke auch einen Lageplan abgedruckt hat. Die hier von Herbert E. Lemmel und Hans Paschke angegebene Erbfolge musste freilich etwas revidiert werden, aufgrund von zusätzlichen Urkunden, die mir von Gerhard Lemmel in den 1980er Jahren mitgeteilt wurden.

Besitzfolge des Bamberger Lemleinhofes:

Zwischen 1413 und 1424 erwirbt der Bamberger Schöffe Hans Lemlein den Lemleinshof ("zwei Steinhäuser") und zahlt dafür Zinsen an das Kloster auf dem Münchberge. Zuvor hatte der Hof einem Braun Wagner gehört.
Nach seinem Tod 1428 kommt der Lemleinshof an seinen älteren Bruder Heinz, für den er 1431 belegt ist (Haus de Heinrich Lemlein im Zinkenwerd.).
Dessen Sohn Kunz hat 1450 einen unbestimmten Hausbesitz, bei dem es sich um den Lemleinshof handeln kann.
Nach Kunzens Tod 1451 kommt das Haus an seinen Vetter Hans Lemlein (zwei Steinhäuser im Zinkenwerd, vormals Braun Wagner).
Dieser Hans Lemlein wird inzwischen Ratsherr in Nürnberg und überlässt das Haus seinem ältesten Sohn Michel, der 1470 dafür Steuern zahlt (2 steierne Häuser im Zinkenwerd, vormals Hinz Lemlein und Braun Wagner).Dieser Michel (Sohn des Ratsherrn Hans Lemlein) starb vor 1473. Denn nach dem Tod des Ratsherrn 1473 werden nicht seine drei Söhne Michel, Hans und Caspar belehnt, sondern Hans und Caspar und deren Vetter Michel Lemlein.
1474 hat Michel Lemlein die zwei Steinhäuser. Und dies ist nun nicht meher der Michel, Sohn des Hans, sondern dessen jüngerer gleichnamiger Vetter, Michel Sohn des Michel., ein junger Mann, der erst 1452 geboren wurde.
                       (1) 1413 die Singerin
                     
                       (2) Braun Wagner
                     
                                ┌──────────────────────┐
                       B-25/e Hans Lemlein             │        
                       Schöffe Bamberg       B-25/b Heinz Lemlein
                       (3) 1424 Lemleinshof  Schöffe Bamberg    
                           † 1428            (4) nach 1428 Lem- 
           ┌────────────────────┤                leinshof       
B-26/f Michel Lemlein           │                † 1437         
       Nürnberg        B-26/g Hans Lemlein             │
           │           Schöffe Bamberg,      B-26/c Kunz Lemlein
           │           ab 1440 Nürnberg,     Schöffe Bamberg
           │            Ratsherr, Bgmstr.    (5) 1450 unbestimmter      
           │           (6) 1453 Haus im       Hausbesitz, wohl =
           │                Zinkenwörth        Lemleinshof
           │               = Lemleinshof         † 1451
           │                    │                      │
           │           B-27/g Michel Lemlein           │
           │           Bürger in Bamberg     B-27/ck Contz Lemlein
B-27/f Michel Lemlein  (7) 1470 Lemleinshof  1453 unmündig, sein        
1476 Bürger Nürnberg       † um 1471/72      Vormund ist B-26/g             
dann Bamberg,                                         Hans Lemlein   
(8) bis 1484 Lemleinshof                     Geht nach Frauendorf    
geht 1484 zurück nach                        bei Staffelstein       
  Nürnberg

(9) 1492 Lemleinshof verwaltet von Hans Mulner, dem Kastner der
    Nürnberger Lemlein. Dann verkauft.
(10) 1512 im Besitz von Marx Markmüllner.


Hans Paschke, der Spezialist für die Bamberger Häuserchronik, meinte, "dass die Bamberger Stadtansicht des Hartmann Schedel von 1493 links hinter dem Langgasser Tor einen hohen von vier Ecktürmen flankierten Wohnturm erkennen lässt, der der Turm des Lemleinshofes sein muss". Dazu muss ich bemerken, dass ich erstens im Schedelschen Holzschnitt die Stelle des Lemleinsturmes nicht eindeutig lokalisieren kann und dass zweitens wohl nur die Kirchen und wichtigeren Gebäude, nicht aber die Wohnhäuser einigermaßen naturgetreu wiedergegeben sind.

Das Foto zeigt am rechten Rand Stadtrat Hans Paschke, daneben Herbert Lemmel vor dem Lemleinshof beim Bamberger Familientag 1973 anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Stadt Bamberg. (Links im Bild Meili Richter geb. Lemmel)

 
Unten: Der Lemleinshof Habergasse 3 anno 2003.
Links die Straßenansicht; der ehemalige gotische Wohnturm ist jetzt ein vierstöckiges Haus.
Rechts die Hofseite mit dem Tor zur Kellertreppe.

 


Das Fürer-Wappen im Lämmleinshof
Der Lämmleinshof, Habergasse 3/3a, ist beschrieben in Kunstdenkmäler Bayern, Bd.6, Stadt Bamberg, 1997, Band 1, Seiten 683-686. Hier ist für Habergasse 3a ein Wappenrelief der "Bamberger(?) Fürer" von 1532 abgebildet, das sich 1934 an einer Außenwand befunden hatte.
[Fotografie von August Schlund] [Wappen Fürer im Siebmacher]

Zur Zeit um 1532 ist ein Christoph Fürer in Nürnberg als Lemlein-Nachkomme belegt.
       Hans Lemlein     
       seit 1440 in    
       Nürnberg      
       1453 Lemleinshof
            │
       Ursula Lemlein ∞ Hans Imhof
                      │
                 Hans Imhof
                      │
               Catharina Imhof ∞ 1513 Christoph Fürer
                                      *1479, †1537
                                      Bedeutender Nürnberger
                                      Kaufmann und Humanist,
                                      kulturgeschichtlich interessanter
                                      Briefwechsel mit Katerina Lemlin
Aber ich sehe keinen Zusammenhang, warum das Wappenrelief dieses Nürnberger Christoph Fürer an das vormalige Lemlein-Haus gekommen sein könnte. Zudem hat das Nürnberger Fürer-Wappen eine andere Helmzier (ein Tierkopf zwischen Flügeln, freilich ) als das Bamberger Relief (ein Gewächs, wohl eine Lilie, zwischen zwei Radhälften). Der Ursprung des Wappensteins im Lemleinhaus bleibt also ungeklärt.

Hans Paschke [101.BHVB 1965 S.282] schreibt hierzu: "1512 besitzt Marx Markmüllner den "Lemleshof" im Zinkenwerde. Aus seiner Besitzzeit stammt das auf das Jahr 1532 datierte eheliche Allianzwappen mit einem halben Rade und einer halben Lilie, das zu der Besitzzeit des Büttnermeisters Anton Rückel (1903-1937) bei dem Abtragen des hohen Steingiebels und Dachfirstes des Hauses und der Anlage eines Dachgartens dort aufgefunden wurde und heute das Stiegenhaus des Anwesens ziert. Das Rad stammt dabei von den Markmüllnern, die in ihrem Wappensiegel ein volles Rad führten, die halbe Lilie vielleicht von den Welsern....". Paschkes Deutung wird im "Kunstdenkmäler"-Buch als unzutreffend abgelehnt.

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1533 eine Urkunde zitiert in Leitschuh/Fischer: Katalog der Handschriften...Bamberg. - Internet 2017:
1533 August 25 (am Monntag nach Sandt Bartholomes . . . tag). Hanns
Marckmüller zu Bamberg bekennt, vom verstorbenen bischöflichen Hofrat
Wolfgang Balckmayer 100 Gulden am Montag, St. Martinstag (12. Nov.), 1532
auf ein Jahr entliehen zu haben. Durch Testament bestimmte der Gläubiger
dieses Kapital der Vikarei der Scilla f ermesse im Domstift. Mit dem Nach-
folger des Balckmacher in dieser Vicarei, Georg Amman, kommt Hans
Marckmüller überein, diese 100 Gulden in 5 Gulden jährlichen ewigen Erbzins
umzuwandeln. Als Pfand setzt er sein Haus im Zinkenwörth, zum Lemels-
hoff genannt, und den halben Teil seiner 2 Weiher zu Unteraurach. Es
siegelt der Aussteller'. Perg. Or. 1 Siegel. Vermächtnis Haupt's.

Ende
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