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Die  Bartensteiner  Lemmel
H.D. Lemmel 2006/2014. Letzte Änderung Feb.2015                                                        (Original in Composer)


1. Johannisburg
Unsere Lemmel-Vorfahren waren durch die Jahrhunderte immer Tischler gewesen, nachweislich seit 1583, zuletzt der um 1780 geborene Gottlieb Lemmel, Tischlermeister in Johannisburg, mitten im ostpreußischen Masuren. Seine Frau war Johanna Steinbach, Tochter eines Johannisburger Nadlermeisters, der Nadeln und Nägel herstellte.

Sein Vater Friedrich Lemmel, ein Tischlergeselle aus dem sächsischen Belgern an der Elbe, war im 7-jährigen Krieg als preußischer Soldat nach Ostpreußen gekommen, wo er nach Ende des Krieges hängen blieb. Auf einem Rittergut, wo er als Tischler arbeitete, hatte er die prussische Leibeigene Eleonore Waschul geheiratet, mit der er sich in Masuren als Tischlermeister in Lötzen niederließ. Sein jüngster Sohn war obiger Gottlieb, der als Tischler nach Johannisburg ging.

Gottlieb Lemmel in Johannisburg hatte im Jahre 1815 bereits 5 Kinder bekommen, wovon die älteste Tochter freilich schon nach 6 Monaten gestorben war. Drei Monate nach der Geburt des jüngsten Sohnes geschah etwas Furchtbares. Der Vater Gottlieb starb am 17.8.1815, wobei im Kirchenbuch als Todesursache eingetragen wurde: "den Hals abgeschnitten". Mehr als diese Notiz ist nicht bekannt.

Dass er bei einem Unfall in seiner Tischlerwerkstatt sich den Hals abschnitt, ist kaum denkbar. War er ein Selbstmörder? War er einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Oder hatte er selbst ein Verbrechen begangen, so dass er hingerichtet wurde?
Oder aber war er dem preußischen Armeedienst entflohen und war fahnenflüchtig, was mit dem Tode bestraft werden konnte? Nichts dergleichen hat der Pfarrer im Kirchenbuch eingetragen.

Drei Jahre zuvor, 1812, war Napoleon mit seiner Armee durch Ostpreußen marschiert, um Russland zu erobern, flüchtete aber als Geschlagener durch Ostpreußen zurück. Nun kämpften die Preußen in den Freiheitskriegen 1813 bis 1815 gegen die Franzosen.
War Gottlieb als Soldat gefallen? Kaum. Denn als Gottlieb Lemmel im August 1815 starb, gab es kein Gefecht in Ostpreußen. Die letzten Kämpfe gab es im Juni 1815 im fernen Frankreich. Allenfalls könnte er, zum Beispiel in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813, eine Verwundung am Hals erlitten haben, und zwar so, dass er noch zurück nach Johannisburg gelangen konnte, wo er dann im August 1815 an den Spätfolgen der Verwundung starb. Ist das eine plausible Deutung des Eintrages im Kirchenbuch?

Wie auch immer, der frühe Tod des Vaters brachte schlimme Zeiten über seine Familie. Die Witwe Johanna heiratete einen anderen Johannisburger Tischlermeister, Johann Casparini. Von ihm bekam sie einen Sohn, der blind und taubstumm war aber lange lebte und das Unglück der Familie vermehrte. Noch 1850 wurde ihr Haus in Johannisburg, Warschauer Str.84, verpfändet und im Grundbuch
"als Kaution zur Sicherstellung der Komune wegen der für den blödsinnigen Sohn Gottfried Casparini zu tragenden Kosten" eingetragen, wobei Frau Johanna geborene Steinbach verwitwete Lemmel und verwitwete Casparini mit drei Kreuzen unterschreibt.

So entschloss sich die Mutter, zwei ihrer Kinder, die 1810 geborene Tochter Charlotte und den 1812 geborenen Sohn Carl, zu ihrer kinderlosen Schwester in Pflege zu geben, die freilich weit weg in Bartenstein lebte und deren Mann ebenfalls gestorben war, am 11.12.1815, also nur 4 Monate nach dem Tod von Gottlieb Lemmel.

2. Bartenstein

Bartenstein an der Alle, 7000 Einwohner, liegt mitten in Ostpreußen, 120 km nordwestlich von Johannisburg, 50 km südlich von Königsberg.

 
Die Tante in Bartenstein war Regina Elisabeth geborene Steinbach. Sie hatte den Kaufmann Johann Michael Richter geheiratet, der in Bartenstein das wichtigste Geschäft der kleinen Stadt innehatte, in einem stattlichen Haus am Marktplatz. Nach seinem Tod 1815 führte die Witwe das Geschäft fort, wobei ihr die beiden so jungen Pflegekinder zur Hand gehen mussten.

So kam es, dass Karlchen Lemmel als erster der Familie nicht Tischler sondern Kaufmann wurde. Das lernte er von klein auf und er dürfte ein recht tüchtiger Kaufmann geworden sein. (Seine beiden in Johannisburg gebliebenen Brüder wurden natürlich Tischler.)


3. Marie Schumann aus Danzig

Carls Schwester Charlotte Lemmel heiratete 1828 in Bartenstein den Offizier Carl Weidmann, der später zur Garnison Marienburg versetzt wurde, 100 km westlich von Bartenstein. Jahre später lernte Carl Lemmel in dessen Haus in Marienburg die Offiziers- und Kaufmanns-Tochter Marie Schumann aus Danzig kennen, die er 1845 in Marienburg heiratete. Carl war 32 Jahre alt, seine Frau Marie erst 21.

Carl Lemmels Frau, Marie Schumann, stammte aus einer hanseatischen Kaufmannsfamilie, die in der Geschichte des Danziger Stadtstaates zwischen 1600 und 1800 mit elf Ratsherren und fünf Bürgermeistern eine bedeutende Rolle gespielt hatte. Gleich neben dem Rathaus hatte die Familie ein stattliches Renaissance-Haus besessen, das die Zerstörung Danzigs überdauerte und heute als "Schumann-Haus" bekannt ist.
 
                                                    links im Bild: das Schumann-Haus           

Die Familie war adelig, aber in der hanseatischen Danziger Tradition wurde ein "von" nicht benutzt. Seit in den Jahren 1793/1814 Danzig von Preußen annektiert wurde, mussten die alten Danziger Familien ihren Adel bei den preußischen Behörden bestätigen lassen. Das taten einige der Schumann-Vettern, aber wohl erst später. So gibt es von Marie Schumann zwei (später ausgestellte) Taufscheine, der eine mit "Schumann", der andere mit "von Schumann", und auch in ihrer Sterbeurkunde von 1911 steht "von Schumann". So um 1860 hatten ihre Brüder für ihren Familienzweig von den preußischen Behörden die Adelsbestätigung eingeholt.

Eine Tochter aus gutem Hause musste "Kreuzstich" sticken können. Und so stickte Marie Schumann zu ihrer Hochzeit eine schöne Tischdecke mit weisen Sprüchen. Die Decke war bis 1945 im Besitz von Lotte Lemmel in Königsberg, die sie mitnahm, als sie nach der Bombardierung Königsbergs im August 1944 nach Schlesien evakuiert wurde. Auch als sie nach der polnischen Besetzung Schlesiens in einem Güterzug in den Westen transportiert wurde, schaffte sie es, diese Tischdecke mitzunehmen. So ist sie noch heute bei Hans-Dietrich Lemmel in Wien an festlichen Ereignissen in Benützung.


 

 4. Carl und Marie

Hier der Trauschein von Karl Lemmel und Marie Schumann, 1845 in Marienburg. Darunter die Taufscheine von Carl Heinrich Lemmel, 1812 in Johannisburg, und Marie Elise Schumann, 1824 in der Danziger Marienkirche.

 
 
Marie Lemmel geb. Schumann und Carl Lemmel in Bartenstein

Zur Aussteuer von Marie gehörte ihr Silberbesteck mit ihrem Monogramm MS.


Marie und Carl Lemmel bekamen in Bartenstein von 1846 bis 1868 zwölf Kinder. Drei Töchter starben im Kindesalter, aber die anderen, 5 Töchter und 4 Söhne, gediehen prächtig. Vom ältesten Sohn, dem 1853 geborenen Paul, ist der 1908 in Bartenstein ausgestellte Taufschein erhalten.

Carl Lemmels Kaufmanns-Geschäft in Bartenstein florierte. Zusätzliches Einkommen hatte er als Versicherungs-Vertreter für Feuer- und Hagel-Versicherungen. Zu dem Geschäft im Stadthaus gehörte eine kleine Brauerei, und hinzu kam ein kleines Stadtgut namens Wilhelmsruh.

Wilhelmsruh war ein außerhalb der Stadt gelegenes altes Vorwerk, in dem die Familie im Sommer wohnte. Man kann sich ausmalen, wie die Eltern mit 9 Kindern im Alter zwischen 2 und 22 mit Pferdefuhrwerken hinausfuhren, wobei Bettzeug und Hausrat mitgeführt werden musste. Draußen angekommen, wurde zunächst das Haus gelüftet und geputzt. Der Sohn Franz erinnerte sich besonders, dass die Holzdielen gescheuert wurden, bis sie weiß waren, und dass sie dann mit weißem Sand oder Sägemehl bestreut wurden.

 
Das ehemalige Vorwerk in Bartenstein, in dem Carl Lemmel mit seiner
Familie im Sommer wohnte. Aufgenommen in den 1930er Jahren, also
mehr als 60 Jahre nach Carls Tod. Auf dem zweiten Bild Carls Sohn Franz Lemmel.
 
Durch die Verwandtschaft der Mutter gab es enge Beziehungen nach Danzig, von wo Handelswaren für das Bartensteiner Geschäft bezogen wurden. Es war eine Kutschenfahrt von 200 Kilometern, wobei man in Marienburg die Nogat überqueren musste und in Dirschau die Weichsel. Im Juni 1867 reiste die ganze Familie nach Danzig, weil die 15-jährige Tochter Laura in der Marienkirche konfirmiert wurde. Der Konfirmationsschein ist erhalten.
 
Hier in der Marienkirche gab es einige Grabsteine und Denkmäler der Schumann-Vorfahren, darunter das große Epitaf des Bürgermeisters Gabriel Schumann und seines gleichnamigen Sohnes, die 1631 und 1654 starben.
 

Schumann-Epitaf in der Danziger Marienkirche

5. Königsberg

Dann aber, 1873, starb der Vater Carl Lemmel im Alter von 60 Jahren, "an Gehirnerweichung". Der jüngste Sohn Ernst war erst 7 Jahre alt. Die Witwe betrieb das Geschäft weiter, unterstützt von den älteren Töchtern, die freilich nach und nach heirateten.

Der älteste Sohn Paul war nach Königsberg auf das Gymnasium geschickt worden, auf die Burgschule. Als der Vater starb, musste er die Schule abbrechen, um rasch den Kaufmannsberuf zu erlernen und dann das väterliche Geschäft in Bartenstein zu übernehmen. Er absolvierte nun eine Kaufmannslehre in Danzig bei Bekannten seiner Mutter Marie geb. Schumann, die ja aus Danzig stammte. Dort aber lernte er die weltoffene Handelsstadt kennen, so dass er das Geschäft in der Provinzstadt Bartenstein nicht mehr als ein lohnendes Ziel ansehen konnte. Statt dessen lernte er nun in Königsberg im Bankhaus Simon, und famulierte schließlich in Frankreich bei der Weinfirma Stempf und Blankenburg in Bordeaux. Von dort kam er nach Königsberg zurück und eröffnete 1879, im Alter von 26 Jahren, eine Weinhandlung, für die er mitten in der wichtigsten Königsberger Geschäftsstraße das Haus "Kneiphöfische Langgasse 41" kaufte. Er muss also ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann gewesen sein.
Kneiphof hieß der auf der Pregelinsel gelegene Stadtteil: Hier befand sich am östlichen Ende der Dom und die alte Universität, wo Immanuel Kant bis zu seinem Tod 1804 gelehrt hatte. Am westlichen Ende der Pregelinsel lag die Kneiphöfische Langgasse mit den Wohnungen und Geschäften der vornehmsten Kaufleute. Gleich daneben standen am Pregelufer die Speicher, an denen die Ostseeschiffe anlegten.



Königsberg, Kneiphöfische Langgasse
[Wikipedia, creative commons ID003296_A201]

 
Die Kneiphöfische Langgasse um 1900. Blick von der südlichen Pregelbrücke nach Norden. Im Hintergrund der Kneiphöfischen Langgasse sieht man das Schloss, im Bild unten um 1895.

[Der Spiegel Nr.5 2007]

1882 ließ Paul seine Mutter und die jüngeren Geschwister aus Bartenstein kommen, wo das Geschäft und das Gut Wilhelmsruh verkauft wurden. Die Großfamilie wohnte nun in dem Haus in der Kneiphöfischen Langgasse. Für seine 3 jüngeren Brüder Carl, Franz und Ernst besorgte Paul Bankkredite, womit ihnen das Universitäts-Studium ermöglicht wurde. Nach Beendigung des Studiums mussten sie von ihren ersten Einkünften die Kredite zurückzahlen.

So also kamen die Lemmels nach Königsberg, in die Kneiphöfische Langgasse 41.


6.  Die Kinder von Carl Lemmel und Marie Schumann

Die Nachkommen von Carl Lemmel und Marie Schumann

Die älteste Tochter Marie Lemmel heiratete 1869 in Bartenstein den späteren Baurat Edgar Stuertz. Sie lebten in Berlin und in verschiedenen anderen Orten. Von 1870 bis 1882 bekamen sie 7 Kinder.
Marie Lemmel oo Baurat Edgar Stuertz
 
Marie Stuertz geb. Lemmel, ihre Schwiegereltern Adolf Stuertz oo Emma Buddenbrock v.Tiedemann

 Die zweite Tochter Jenny Lemmel heiratete 1875 in Bartenstein Carl Lagenpusch, Landgerichtsrat in Bartenstein und später in Königsberg. Aber 1885 starb Jenny, 38-jährig und kinderlos.
  

Hier ein besonders schönes Bild der drei Lemmel-Schwestern Jenny, Laura und Hanna, die so als die "drei Damen" in der "Zauberflöte" hätten auftreten können.

 links: Jenny Lemmel, *1847, +1885, oo 1875 mit Carl Lagenpusch

Mitte: Laura Lemmel, *1851. Sie heiratete 1873 in Bartenstein den Juristen Hermann Frost.

rechts: Hanna Lemmel, *1855. Sie heiratete 1876 in Bartenstein den Arzt Dr. Georg Heidenhain, mit dem sie nach Bublitz in Pommern zog. Aber der Mann starb schon 1878, und der einzige Sohn starb 3-jährig 1880. So kehrte die Witwe nach Königsberg zurück, wo sie als Klavierlehrerin lebte.
 
 
 
Hanna Heidenhain geb. Lemmel,
Klavierlehrerin in Königsberg


Die dritte Tochter
Laura lebte mit ihrem Mann Hermann Frost in Bartenstein, aber zwei Jahre nach der Geburt des vierten Kindes erlitt der Mann einen Gehirnschlag und starb. Die erst 33-jährige Witwe wurde Schriftstellerin und Frauenrechtlerin: in der Königsberger "Hartungschen Zeitung" richtete sie eine Ecke "Für die Frau" ein, eine Aufsehen erregende Neuerung. Sie verfasste ein Buch über die Persönlichkeit Friedrich Nietzsches, eine Biografie über Johanna Schopenhauer, die in mehreren Auflagen gedruckt wurde, viele Aufsätze "Von der Mutterliebe", über "Takt und guten Ton" und anderes, sowie Novellen und zwei Romane. Zuletzt lebte sie in Bonn und starb 1924 in Dortmund. – In der konservativen Lemmel-Familie wurde ihre Schriftstellerei als unpassend empfunden; sie war vor ihrer Heirat Lehrerin gewesen und hätte diesen "für eine Frau passenden Beruf" als Witwe wieder aufnehmen sollen. – Zu ihrem Werkeverzeichnis  klick.

Der eine Sohn, Walter Frost, wurde Philosophie-Professor in Riga. Der andere, Julius Frost, wurde Professor für Agrarpolitik in München. Die Tochter Marie Frost heiratete in Königsberg den Medizin-Professor Walter Rindfleisch, der 1911 ein Krankenhaus in Dortmund übernahm. Die Tochter Lotte Rindfleisch lebte als verheiratete Quenzer in Kalifornien, wo die Nachkommen heute noch leben.
 
Lotte Quenzer geb.Rindfleisch 1986. Waltraut Guenther geb. Quenzer 2014.

Paul Lemmel, geboren 1853 als ältester Sohn von Carl und Marie, heiratete 1888 in Königsberg die Industriellen-Tochter Elise Ostendorff. Er war Kaufmann und Offizier.
Vier Kinder: Erich, Kaufmann und Offizier, der 1985 in Wiesbaden starb, 95 Jahre alt; Jenny, Klavierlehrerin, die 1945 in Ostpreußen verschollen ist; Arthur, der Arzt wurde und 1980 in München starb; und Paul, der 1916 in Russland gefallen ist.
 
Paul Lemmel und Elise geb. Ostendorf

Carl Lemmel, geboren 1858, (ohne Bild), heiratete 1880 in Eberswalde die Anna Beelitz (Bild). Er war Forstmeister und hatte drei Kinder: Edith; Hans, Forst-Professor in Eberswalde und nach 1945 Hannoversch-Münden; und Käthe. Als Forstmeister war Carl in Obernkirchen bei Hannover, wo noch in den 1960er Jahren seine Töchter Edith und Käthe als pensionierte Lehrerinnen lebten. Carl erblindete und lebte zeitweilig bei seiner Mutter Marie Lemmel in Königsberg. Als diese 1911 starb, ging er nach Obernkirchen zurück, bis zu seinem Tod 1916.
Anna Lemmel geb. Beelitz
 
Franz Lemmel, geboren 1860, heiratete 1890 Hedwig Weidmann, die seine Nichte zweiten Grades und gleichzeitig Kusine dritten Grades war. Er war Jurist im preußischen Militärverwaltungsdienst und wurde Geheimer Kriegsrat im Kriegsministerium in Berlin. Kinder: Franz in Berlin; Hans-Georg, Oberst, gefallen 1941; Kurt, gefallen 1918; und Lotte verheiratete Rudl in Innsbruck.
 

 Und hier die beiden kleinsten Geschwister Mila Lemmel, * 1864, und Ernst, * 1866, der spätere Stadtrat in Posen.
 

Mila Lemmel, die jüngste Tochter, pflegte in Königsberg ihre Mutter bis zu ihrem Tod 1911 und blieb unverheiratet. Sie erwarb dann eine Pension, "Haus Rosemarie", in Oberschreiberhau im Riesengebirge, wo nun auch die Verwandtschaft ihren Urlaub verbringen konnte. So erinnerte sich Heinz Lemmel, dass er hier im Sommer 1917 die Schulferien verbrachte. Und auch der 1909 geborene Hans Stuertz erlernte hier mit 6 oder 7 Jahren den Schilauf. Der Tante Mila wurde aber ein mangelhafter Geschäftssinn nachgesagt, so dass die Pension nicht gehalten werden konnte. Sie betrieb dann in ihrem Haus eine Leihbücherei. Sie lebte hier noch 1941 und ist vermutlich bei Kriegsende umgekommen.
 

 
Die Mutter Marie Lemmel geborene Schumann ließ sich in Königsberg mehrfach fotografieren. Leider sind die Bilder ohne eine Jahreszahl. Das letzte Bild entstand wohl um 1900. Sie starb 1911 in Königsberg im hohen Alter von 87 Jahren.
 
Sie ließ sich aber auch im Kreise ihrer Kinder und Schwiegerkinder fotografieren...
  Die Familie Lemmel in Königsberg, Frühjahr 1888. Unten das selbe Bild ohne Beschriftungen.

 
In den Jahren 1870 bis 1907 bekam Marie Lemmel 28 Enkelkinder, von denen 2 im Kindesalter starben.
1911 starb sie. In der Todesanzeige sind die Kinder angegeben.
 

 Es folgen Fotos der Nachkommenschaft.


                                         *     *     *
7. Die Enkel
a. Marie Stuertz
Die älteste Tochter Marie, verheiratete Stuertz, um 1877 mit ihren ersten vier Kindern
 - Ernst (später Arzt und Professor in Königsberg),
 - Grete (später verheiratete Lieck, die Söhne wurden Künstler,  Schriftsteller und Schauspieler),
 - Walter (später Apotheker in Duisburg), und
 - Hans (später Garteninspektor in Kassel).
   
Mitte: Hans Stuertz, * 1876, Garteninspektor in Kassel, mit seiner Frau Freia geb. Funcke. - Rechtes Bild: Freia 1926.

Jenny Lemmel, Freya Stuertz, Hans Stuertz und Erna Stuertz, August 1927


                                                                          *     *     *

b. Paul

Paul Lemmel, geboren 1853 in Bartenstein, hatte von 1879 bis 1903 eine Weinhandlung in Königsberg, Kneiphöfische Langgasse 41, wo er nach dem frühen Tod des Vaters (1873) die Mutter und die jüngeren Geschwister aus Bartenstein unterbrachte. Daneben war er Premier-Leutnant bei der Landwehr, im Ersten Weltkrieg dann Hauptmann. - 1895 erwarb er das Grundstück Königstr. 8, wo die Familie lange lebte. Das Haus in der Kneiphöfischen Langgasse war nun nur noch Geschäftshaus. Um dort hinzukommen, konnte man von der Königstraße die Pferdebahn nehmen und am Kaiser-Wilhelm-Platz aussteigen.

Pauls Sohn Erich Lemmel schrieb 1969: Großvater Carl Lemmel hatte in Bartenstein verschiedene Vermögenswerte besessen. Bei seinem Tod 1873 waren seine jüngsten Kinder noch keine 10 Jahre alt. Der älteste Sohn Paul, auch erst 20 Jahre alt, verwaltete nun das Vermögen und sorgte dann Jahrzehnte lang für das Leben und den Unterhalt seiner Mutter, seiner Geschwister, sowie später oft auch für eventuellen Bedarf der Kinder seiner älteren Geschwister. So unterstützte er einige Vettern der Stuertz- und Frost- Familien ebenso wie Mila, die jüngste der Lemmel-Geschwister, und die Schwester seiner Mutter, Großtante Emilie v.Schumann, die ihre letzten Lebensjahre in Königsberg verbrachte. Er ermöglichte, dass seine drei jüngeren Brüder und später je drei Söhne Frost und Stuertz studieren konnten. Von seinen jüngeren Brüdern wählten Franz und Ernst nach dem Jurastudium statt des Gerichtsassessors den (militärischen) Intendanturassessor, weil das damals schneller zum Examen ging. Mit der lange dauernden Ausbildung zum Forstmeister seines Bruders Carl war Paul zunächst nicht sehr einverstanden. Alles war nur möglich durch die damalige äußerst sparsame Lebensweise.

Als Paul mit 26 Jahren seine Weinhandlung gründete, geschah dies wohl noch mit väterlichem Kapital. Er muss dann aber hervorragend gewirtschaftet haben und kam so in Kontakt mit den führenden Wirtschaftskreisen Königsbergs. 1888 heiratete er die Königsberger Industriellen-Tochter Elise Ostendorff. Dadurch kam er für 40 Jahre in den Aufsichtsrat der Union-Gießerei in Königsberg, die von seinem Schwiegervater Gottfried Ostendorff geleitet wurde und von dessen Schwiegervater Gustav Schnell gegründet worden war. In der Union-Gießerei wurden nicht nur Dampfmaschinen und Lokomotiven hergestellt sondern 1896 auch die aufklappbaren Pregelbrücken.

Paul Lemmel besaß ein Haus in Georgenswalde an der Ostsee, das von einer Haushälterin geführt wurde. Im Garten gab es einen Tennisplatz. Hier traf sich im Sommer die ganze Familie.

Franz Lemmel, geboren 1860 in Bartenstein, ging nach dem Jura-Studium in den Militär-Verwaltungsdienst. Ab 1910 war er Wirklicher Geheimer Kriegsrat im Kriegsministerium in Berlin. 1890 hatte er seine Nichte Hedwig Weidmann geheiratet.

Im Sommer 1907 trafen sich die Familien von Paul und Franz Lemmel in Zoppot-Langfuhr im Garten von Friedrich Rovenhagen, einem Schwager von Hedwig ("Hete") Weidmann.

Im Bild stehend: Franz junior (später Bankkaufmann in Berlin), Franz senior, sowie Pauls Kinder Jenny (später Konzertpianistin, 1945 in Ostpreußen verschollen), Erich (später Kaufmann und Oberst in Wiesbaden) und Arthur (später Arzt in Oberschlesien und Bayern).

Sitzend: Paul, Franzens Frau Hedwig geb. Weidmann, und Pauls Frau Elise geb. Ostendorff.

Vorne: Franzens Kinder Lotte im Kinderwagen (später verh. Rudl in Innsbruck), Hans Georg (später Oberst in Kassel und Dresden), Kurt (1918 in Frankreich gefallen), und Pauls Sohn Paul (1916 in Russland gefallen).

 
 Die Familie Paul Lemmel in Königsberg, Königstr. 8. - Stehend: Paul und seine Frau Elise geb. Ostendorff, die Kinder Erich (im Hintergrund), Arthur (rechts), Jenny und Paul (am Tisch). Links zu Besuch: die Schwägerin Freia Stuertz geb. Funcke.
 
 
Arthur Lemmel, links 1912 Medizinstudent in München, im Corps Suevia;
rechts 1952 in Brückenau.

Arthur wurde Arzt in Schlesien und lebte zuletzt mit seiner Frau Erna geb. Andree in München, wo beide im hohen Alter von 87 und 96 starben. Die Tochter Ruth lebte als Ärztin in Augsburg, ihren Sohn Wend Kässens hört man gelegentlich als kulturpolitischen Kommentator im Norddeutschen Rundfunk.

Die Familie Paul Lemmel im Jahre 1914, zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Links Vater Paul, rechts die Mutter Elise geb. Ostendorff,dazwischen sitzend Paul junior, stehend Arthur, Jenny, Erich.
 
 
Ein knappes Jahr später war der Sohn Paul schon in Russland gefallen, und sein Bild wurde aus obigem Familienbild herauskopiert. Paul war als Freiwilliger und Unteroffizier in der selben Feldartillerie-Einheit, in der sein älterer Bruder Erich als Leutnant und Zugführer eingesetzt war.
Nach dem Krieg heiratete Erich 1919 Erna von der Horst. Sie wohnten lange im elterlichen Haus in Königsberg Königstraße 8. Erich war Kaufmann und Bankbeamter bei der Königsberger Filiale der Deutschen Bank. Er war einer der ersten Mitglieder des "Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen" und fungierte hier als Kassenprüfer. In der Wirtschaftskrise 1930 verlor er seine Anstellung bei der Bank und wurde Berufsoffizier als Hauptmann und schließlich Oberst. Nach dem Krieg lebte er in Wiesbaden.
Weihnachten 1952 in Wiesbaden, von links: Schwiegertochter Lilo, Erna, Erich, Tochter Gisela. An der Wand Fotos von Königsberg.

Erich und Erna konnten 1979 die Diamantene Hochzeit und 1984 die Eiserne Hochzeit (nach 65 Ehejahren) feiern. Zu diesem Ereignis kam eine Gratulation vom Bundespräsidenten.
  

                                                      
Schließlich starben Erich im Alter von 95 Jahren und Erna ein halbes Jahr vor ihrem 100sten Geburtstag.

Ihre in Königsberg geborenen Kinder:
Gisela in Düsseldorf; Eberhard, Bauingenieur in Wiesbaden mit Kindern Ute und Jörg; und Karin verheiratete Hyzdael v.Miserony in Berlin mit Kindern Michael, Patricia und Renée.

c. Franz
Franz Lemmel und seine Frau Hedwig geb. Weidmann, mit Sohn Franz, 1892
 
 
 
Franz Lemmel: eine Tischkarte um 1910/1918

 
Links: Kriegsrat Franz Lemmel und sein Sohn Leutnant Hans-Georg Lemmel trafen sich im 1.Weltkrieg im Hauptquartier in Belgien.
Rechts: Franz Lemmel 1935 an seinem 75. Geburtstag.

Franz Lemmel erlebte die russische Eroberung Berlins und starb 1946 an Hunger-Ödemen, 86 Jahre alt.

Unten zwei Bilder seiner Frau Hedwig geb. Weidmann, links in guten Jahren, rechts im Hungerwinter 1945/1946.
  
 
Franz Lemmel und Hedwig geb. Weidmann hatten die Kinder
 - Franz, geboren 1891, Bankkaufmann in Berlin. Sein Sohn Jürgen Lemmel lebte zuletzt bei seiner Kusine Ingeborg Höfler-Lemmel in Neumarkt/Opf.
 - Hans-Georg, geboren 1895, Oberst, mit den Töchtern Ingeborg (verh. Höfler) und Meinrade (verh. Richter).
 - Kurt, 1918 in Frankreich gefallen.
 - Lotte, geboren 1906, verheiratete Rudl in Innsbruck.

Der jüngere Franz Lemmel mit seiner Frau Alice geb. Bache, um 1918 in Berlin,
und ihr Sohn Jürgen um 1930.
 
Links: Heirat Hans-Georg Lemmel und Herta Roemert 1920 in Berlin.
Rechts: Herta Lemmel mit den Töchtern Inge (*1921) und Meinrade (*1924).

1 2 3
1 Heirat Lotte Lemmel 1939 mit dem Innsbrucker Arzt Dr. Franz Rudl.
2 Dr. Franz Rudl.
3 Lotte Rudl 1953 in Innsbruck.

    

Hochzeit Lotte Lemmel oo Franz Rudl am 20.5.1939. Die Tischgesellschaft bei Kempinski in Berlin.
[Foto aus dem Besitz von Inge Höfler-Lemmel, die auch die Personen benannte.]
 
Am Tisch sitzend von rechts vorn nach hinten links:
Tante Anderson: eine "Nenntante" (Vorname unbekannt); sie war nicht verwandt aber stets mit Franz Lemmel zusammen
Franz Lemmel, *1860, Kriegsrat in Berlin, der Brautvater
seine Frau Hedwig geb. Weidmann
Dr.med. Franz Rudl, der Bräutigam, Arzt in Innsbruck
Lotte Lemmel, *1906, die Braut
General v.Hutter, Stiefvater von Franz Rudl
Lotte Lemmel geb. Peter aus Königsberg, *1870, aus Königsberg. (Ihr Mann Ernst Lemmel, Bruder von Franz, starb 2 Monate später. Er war wohl krankheitshalber nicht dabei.)
Hanna Lemmel, *1905, Tochter von Lotte und Ernst
Herr Schäfer? [Name und Fragezeichen laut Inge Höfler]
Anneliese Evers und ihre Schwester
Eva Zernecke (mit einem Pfarrer verheiratet). (Kusinen der Braut über die Weidmannsche Seite)
Die beiden am Tischende sind unbekannt.
Stehend von rechts vorne nach hinten:
Jürgen Lemmel, *1925
Franz Lemmel, *1891, Bankkaufmann in Berlin; Bruder der Braut, Vater von Jürgen und Sohn von Franz
Franzens Frau Ally geb. Bache
Hertha Lemmel geb. Roemert, Hans Georgs Frau
Hans Georg Lemmel, *1895, Oberst in Dresden, Bruder der Braut
Lotte Hensel, eine Freundin von Lotte Lemmel
Mieze Holderegger, eine Kusine (von wem?)
Erna Lemmel geb. von der Horst, Frau von Erich
Erich Lemmel, *1890, Oberst in Dresden, Vetter der Braut.


Hans-Georg Lemmel als Oberst. Rechts seine Frau Herta.

Als die Hitlertruppen Polen überfielen und Ostpolen an Stalin abtraten, war Hans-Georg Lemmel als Oberstleutnant der Kommandeur bei der Übergabe von Brest-Litowsk. Aus dem Internet stammt ein Foto mit folgendem Text:
Am 22.9.39 wurde die vom Inf.Rgt.76 eingenommene Zitadelle von Brest-Litowsk den Russen übergeben. Die Russischen Offiziere bei den Übergabeverhandlungen. Hinter dem Dolmetscher von Rechts Oberstleutnant Lemmel Kommandeur II./76.


Am 22.6.1941 erfolgte der deutsche Angriff auf Russland, und schon am 17.7.1941 war Hans-Georg gefallen: offiziell durch ein Artillerie-Geschoss, gerüchteweise aber von den Nazis ermordet, da an diesem Tag keine Kämpfe gewesen waren. In den 20er und 30er Jahren hatte es unter anderem zu seinen Aufgaben gehört, russische Offiziere auszubilden, für die er nun wohl Sympathien gehabt haben mag. Die Witwe Hertha lebte bis zu ihrem Tod 1993 in Hodenhagen, wo auch die Tochter Meinrade ("Meili") mit ihrem Mann Felix Richter lebte. 2010 besuchte sie in hohem Alter den Familientag in Dresden (Bild 1).
1  2  3
Ihre ältere Schwester, Ingeborg, geboren 1923 in Marienburg, lernte Landwirtschaft und hatte 1960-1972 einen landwirtschaftlichen Lehrbetrieb in Ritzelsdorf in der Oberpfalz (Bild 3), bis sie dann mit ihrem Mann Konrad Höfler nach Neumarkt zog. Sie organisierte den Lemmel-Lämmel-Familienverband mit zehn Familientagen 1969 bis 2003 (Bild 2).

Hans-Georg Lemmel und seine Frau Herta Roemert waren Vetter und Kusine dritten Grades, aber Hans-Georg war auch ein Onkel seiner Frau, wie die folgende Tafel zeigt. Sie stammten von drei Kindern des Johannisburger Tischlers Gottlieb Lemmel ab.

   Gottlieb Lemmel, *1780
   Tischler in Johannisburg
        ┌────┴─────────────────────┬───────────────────────────┐
        │                          │                           │
        │               Carl       │                           │
   Carl Lemmel      Weidmann oo Charlotte                      │
   *1812               *1795    Lemmel                    Wilhelm Lemmel
   Kaufmann in   Offizier in    *1810                       *1815
   Bartenstein    Marienburg       │                      Tischler in
        │                └────┬────┘                        Berlin
        │               Carl Weidmann                          │
        │                   *1832               Wilhelm        │
        │               Justizrat in            Bönnhoff       │
        │                  Karthaus             *1836          │
        │                     │                 Brauerei- oo Marie Lemmel 
        │                     │                 besitzer     *1853
        │                     │                 in Berlin      │
   Franz Lemmel               │                     └──┬───────┘
   *1860 Bartenstein oo Hedwig Weidmann   Georg        │
   Offizier                 *1869         Roemert oo Clara
        └─────────┬───────────┘           *1868      Bönnhoff
                  │                       Arzt in    *1878
                  │                       Berlin       │
           Hans-Georg Lemmel                └────┬─────┘
                *1895              oo      Herta Roemert             
               Offizier                   *1901 in Berlin
                  └──────┬────────────────┬──────┘
                         │                │
                     Ingeborg         Meinrade
                *1921 Marienburg    *1924 Kassel      
                     oo Höfler        oo Richter


Hier einige Bilder aus dieser Verwandtschaft:
1 2  3  4  5

1. Wilhelm Bönnhoff und Clara geb. Lemmel.
2.-4. Georg Roemerts Eltern: Eduard Roemert (mit Orden!) und Augusta Charlotte geb. Schulz.
5. Clara Roemert geb. Bönnhoff.

Eduard Roemert war zur Kaiserzeit Garnisons-Verwaltungsinspektor in Berlin. Er war Ritter des Preußischen Kronenordens und des Russischen Stanislaus-Ordens. Seine Frau Augusta Charlotte (Bild 2) bekam einen Orden wegen ihrer Verdienste in Wohltätigkeits-Vereinen.
 

Dieses Bild wurde, etwa um 1910, vor dem Potsdamer Schloss aufgenommen. Rechts Georg Roemert, in der Mitte in Schwarz seine Frau Clara geborene Bönnhoff. Eine der anderen Damen ist Franz Lemmels Frau Hedwig – vermutlich rechts die in Weiß (die Beschriftung des Fotos ist unklar).

Hier die Kinder von Georg Roemert und Clara geb, Bönnhoff:

Hertha, Eva und Irmingard (genannt Taddel) Roemert, um 1907

Franz Lemmels Schwager war der Kaufmann Carl Weidmann aus Karthaus/Westpreußen. Seine Tochter Ruth ging nach Brasilien, wo sie mit ihrem Bruder Günther und ihrer Mutter Adele ("Dela") Weidmann geborene Sommerlatte lebte.
  
Links: Ruth Weidmann, geboren 1905, in Rio.
Rechts: ihre Mutter Dela Weidmann, geboren 1868, die 1961 in Rio starb. 

Hier folgen Kopien von einigen noch erhaltenen Original-Urkunden.
1. Der Taufschein von Hans-Georg Lemmel von der evangelischen Kirche zu Karthaus in Westpreußen von 1895.
2. Die Geburtsurkunde seiner Tochter Ingeborg vom Standesamt Marienburg 1921, und
3. ihre Tauf-Bescheinigung von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin, 1921.

 
  
Eine Schwägerin von Hans-Georg Lemmel war Eva Roemert, die 1930 in Berlin den Generalmajor Max von Viebahn heiratete. Hier ein Bild der Familie von 1940 mit den Kindern Dietrich, Sabine und Christine. Erst 1941 wurde die dritte Tochter geboren, Brigitte, die 1969 den Italiener Marcello Rogai heiratete und dann in der Nähe von Florenz lebte.

  
Max von Viebahn mit seiner Frau Eva geborene Roemert, links mit Kindern 1940 in Berlin (das Bild ist leider etwas beschädigt), rechts in Korntal, Schillerstr. 19, anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit am 22.10.1980.

d. Carl
Vom 1858 geborenen Carl Lemmel junior habe ich keine Fotos. Als einziger der Brüder ging er nach dem Jura-Studium nicht zum Militär. Die Familien der vier Bartensteiner Brüder Paul, Carl, Franz und Ernst waren mehr oder weniger in Königsberg konzentriert, mit Ausnahme von Carl, der als Forstmeister erst in Pommern dann in Obernkirchen in der Grafschaft Schaumburg bei Hannover lebte. Sein Sohn Hans wurde Forstprofessor in Eberswalde.

In Eberswalde wohnten sie in einem schönen Haus, der "Sonnenvilla", jedoch blieb ihm der Kriegsdienst nicht erspart. Seine Frau Mira nahm hier im Januar/Februar 1945 die aus Thorn flüchtende Familie von Gerhard Lemmel für einige Wochen auf: Mutter Vera mit vier kleinen Kindern, von denen das jüngste erst 5 Wochen alt war. Sie kamen hier erschöpft, krank und ohne Gepäck an. Mira stattete sie mit dem Notwendigsten aus, insbesondere mit einem Kinderwagen, bis sie die weitere Flucht in den Westen fortsetzen konnten.

Als Eberswalde von den Russen besetzt wurde, musste auch Mira mit den vier Kindern flüchten, und zwar nach Hannoversch Münden, wo Professor Hans Lemmel nach Rückkehr aus der Gefangenschaft in der Forstfakultät der Göttinger Universität einen Lehrstuhl bekam.

Zu seinen runden Geburtstagen gab es gedruckte Ehrungen, die auf einer separaten Hans-Lemmel-Seite gesammelt sind. Seine vier Kinder Dieter (Filmregisseur), Hartmann (Forstmeister), Renate (mit dem Forstmeister Christoph Jahn verheiratet) und Lieselotte (Dolmetscherin) verfassten ein Gedenkblatt zu seinem 100. Geburtstag.



e. Ernst

Ernst Lemmel, um 1889 und um 1893.

Ernst Lemmel, der jüngste Bartensteiner Sohn, war 13, als die Familie von Bartenstein nach Königsberg umzog, zum älteren Bruder Paul in dessen Haus Kneiphöfische Langgase 41. Nicht weit davon, im Haus Kneiphöfische Langgasse 36, hatte der Tabakkaufmann Carl Peter Wohnung und Geschäft, das nach und nach auf die stattliche Anzahl von 50 Filialen in Ostpreußen und Danzig anwuchs. Der Sohn Waldemar Peter wurde Ernst Lemmels Freund, und beide besuchten das Altstädtische Gymnasium, wo sie zusammen das Abitur bestanden. Nach seinem Jura-Studium heiratete Ernst dann Waldemars Schwester Charlotte Peter. Zu ihrer Aussteuer gehörten einige Tischtücher mit den eingewirkten Monogrammen CP und EL des Brautpaares. Sie waren aus wertvollem Baumwolldamast mit eingewebten Ornamenten, deren Erscheinung sich bei geändertem Blickwinkel änderte. Das Tischtuch mit dem Monogramm EL des Bräutigams zeigte relativ einfache pflanzliche Ornamente.

Aber das Tischtuch mit dem Monogramm CP der Braut zeigte kunstvolle bildliche Darstellungen eines Storchenpaares und einer Entengruppe an einem Seeufer.
      
Am 27.10.1898 schmückten diese Decken in Königsberg die Hochzeitstafel von Ernst Lemmel und Charlotte Peter. Und noch 112 Jahre später schmückten diese Decken
in Schloss Ebenfurt bei Wien die Hochzeitstafel des Urenkels Hartmut Lemmel mit Franziska Schädelin.
  

Wie der ältere Bruder Franz ging Ernst als Jurist in den Militär-Verwaltungsdienst, wechselte dann aber in die zivile Verwaltung und wurde Stadtrat in Posen.


Ernst Lemmel und seine Frau Charlotte geb. Peter
mit Sohn Gerhard 1902 in Posen
 
 
Die Posener Kinder Heinz, Gertrud, Hanna, Gerhard, wohl 1912

Als die vier Geschwister im Januar 1982 in Lüneburg wieder einmal beisammen waren, ließen sie sich in der selben Anordnung fotografieren:

   
Stadtrat Ernst Lemmel baute sich in Posen ein schönes Haus, Clausewitzstr. 5, in das die Familie 1913 einzog. 
  1 2 
3
Das Lemmel-Haus in Posen. 1,2: Zwei unterschiedlich gute Reproduktionen der selben Aufnahme. 3: die Gartenseite.

Die Freude dauerte freilich nicht lange, denn 1919 wurde Posen polnisch und das Haus musste aufgegeben werden. Die Familie floh nach Königsberg, während Ernst Lemmel selbst zur Einweisung der polnischen Stadtverwaltung noch ein Jahr in Posen blieb.

Gerhard Lemmel erinnerte sich: "Wir beiden Söhne, mein Bruder Heinz und ich, mussten im Alter von 16 und 17 Jahren Posen verlassen, um nicht zur Polnischen Truppe eingezogen zu werden. In Stettin – es war damals der letzte Zug, der Posen verließ – sollten wir entscheiden, ob wir zu Onkel Franz nach Berlin oder zu Onkel Paul nach Königsberg weiter fahren wollten. Da gerade am Stettiner Bahnhof aus Berlin Schießereien gemeldet wurden, entschlossen wir uns zur Fahrt nach Königsberg. Dort kamen wir zur Familie unseres Onkels Paul in der Königstraße. – Hier begann unser Interesse an der Familiengeschichte. Onkel Paul "machte in Familie", wie man so sagt. Er zählte in Königsberg etwa 500 Verwandte von ihm und seiner Frau, und es war tatsächlich so, dass wir in unseren Tanzkränzchen fast mit jedem eine – manchmal weit hergeholte – Verwandtschaft ermitteln konnten. Das wurde von uns damals mehr als belustigend empfunden."
 
Im Haus von Paul Lemmel in Königsberg, Königstr. 8:
Gerhard, Mutter Lotte, Gertrud, Paul, rechts Hanna.
 


In Königsberg fand die Lemmel-Familie aus Posen Zuflucht bei Paul Lemmel in der Königstraße Nr.8 (oberes Bild). So wuchsen die 4 Kinder Gerhard, Heinz, Hanna und Gertrud schließlich auch in Königsberg auf und feierten 1923 die Silberhochzeit der Eltern (unteres Bild).

 
In jedem Sommer fuhren die Lemmel-Familien an die Ostsee. 1910 war zum letzten Mal die nun 86-jährige Marie Lemmel geb. Schumann dabei, gepflegt von ihrer jüngsten Tochter Mila. Heinz Lemmel erinnerte sich 1986, dass man in Neukuhren im Haus Scheffler wohnte, zusammen mit der 73-jährigen Großmutter Mathilde Peter geb. Kadgiehn. Auch Marie Lemmels älteste Tochter Marie verwitwete Stuertz hielt sich hier auf, zusammen mit ihrer Tochter Grete Lieck und ihren vier kleinen Kindern. Von letzteren wurden Kurt und Walter Schauspieler und Kabarettisten, die von den Nazis verfolgt wurden.
Ein mit "1914" datiertes Foto zeigt die Steilküste bei Warniken.

Ein Foto, wahrscheinlich von 1913, zeigt die elf Lemmel-Kinder
von Paul: Erich, Jenny, Arthur, Paul; - von Carl: Edith (Ditta), Hans, Käte; - und
von Ernst: Gerhard, Heinz, Hanna, Gertrud (Trudchen).

Von links nach rechts,
hintere Reihe: Paul (18), Ditta (25), Hans (24), Jenny (22),
vorne: Hanna (7), Gerhard (11), Trudchen (6), Arthur (20),
       Käte (20), Heinz (9), Erich (23).
(Die Altersangaben sind errechnet, als ob das Bild im Sommer 1913 aufgenommen wurde.)
 
 

Fortsetzung: Erinnerungen von Erich Lemmel über die Bartensteiner Lemmel


Zufallsfund;
Josef Hyzdal, geboren in Znaim, 
2004 in Brühl, Weiße Burg, Journalist und Dokumentarfilmer, oo in Wiesbaden mit Karin Lemmel aus Königsberg/Pr., Tochter eines Obersten. Kinder: Renee, Michael de Miserony (Designer), Patricia Miserony (Schauspielerin).
[aus www.jurziczek.de, 2006]

Josef Hyzdal v. Miserony ist Nachkomme des Steinschneiders Ottavio Miseroni (1624), siehe http://www.jurziczek.de
O.Miseroni: Rudolf II. (Kunsthist.Museum Wien)


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