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Georg/Jorge Lemmel e102 – Chemnitz, Platten, Richter in Krottendorf


Vater: C-28/a Hans Lemmel c057

(* etwa ?1475), † nach 1544

1501 Hausgenosse in Neukirchen. 1502-1504 in Chemnitz. 1530 in Hockericht bei Neustadt. 1534 in Platten. 1544 Gerichts- verwalter (und Hammerherr?) in Krottendorf.

Kinder:

1. Wolf, (* etwa ?1505) - Platten, Marienberg, dann Richter in Neudorf, siehe C-30/a

2. Valten, (* etwa ?1510) - in Auerbach/E, siehe AE-30/b

wahrscheinlich:

3. Bartel Lemel, (* etwa ?1515) - Gutsbesitzer in Jahnsbach und Gelenau, siehe Jb-30/c

Regesten:

Zusammenfassung: 1501-1504 Jorge Lemmel in Chemnitz und Neukirchen. 1530 George Lemmel in Hockericht. War er schon zu dieser Zeit im Bergbau im Erzgebirge tätig? 1537 (wohl schon 1534) Hausbesitz in der Bergstadt Platten auf der böhmischen Seite des Erzgebirges. (Das Haus wird 1538 von seinem Sohn Wolf wieder verkauft.) Im Plattener Häuserbuch, dessen Schreiber recht mangelhaft schreibt, ist der Name zu Lemischer und Lenitzsch verstümmelt. 1544 Georg Lemmel Gerichtsverwalter des Amtes Hartenstein in Krottendorf; hier gab es 15 Eisenhämmer.

Im einzelnen:

 •  1501 wird Jorge Lemmell in der Türkensteuerliste von Neukirchen unter der Überschrift "Hausgenossen" angeführt. (In der gleichen Liste findet sich Pauel Lemmell, dieser jedoch nicht als Hausgenosse.)
[StsA Dresden, Türkensteuerliste 1501, Bl.256a. Mtlg Lothar Wunderwald 1988 und Fotokopie durch K.Wensch 1988]

 •  1502 im Chemnitzer Geschoßbuch: Hans Lemmel (Hans gestrichen, Jorg darüber geschrieben), ubir die Brücke.
1503 und 1504: Hans Lemmel, Ubir dy Brücke; Jorge Lemmel, Ubir dy Brücke.
[Ratsarchiv Chemnitz, Kap.III, Sekt.II, Nr.42a: f.156(1502), f.178a(1503), f.201(1504). Laut Herbert E. Lemmel, "Herkunft" S.183]

→ Die Korrektur des Eintrags von 1502 läßt sich so deuten, daß Jorg den Besitz von Hans übernimmt, so daß man Hans als Jorgs Vater ansehen kann. Der ab 1503 genannte Hans kann Jorgs Bruder sein.

 •  1504 wird Jorge Lemel als Vormund der Witwe seines Bruders Nickel erwähnt.
[siehe Regest bei Nickel]

 •  1530 in Hockericht: George Lemmel hat einen Besitz von 9 ßo, wofür er 6 g Steuern zahlt [Wensch]; Georg Lemmel gibt 6 Pf von 40 ß [Wunderwald]. - 1547 ist kein Lemmel in Hockricht genannt.
[StsA Dresden, Landsteuerregister 309 Lage 46 Kloster Kempnitz Bl.153. - 1547: LSR 328/2. - Laut K.Wensch u. L.Wunderwald. Vergl. Herbert E.Lemmel, "Herkunft" S.196]

→ Ab 1551 ist Valten Lemmel als Gärtner in Heckericht genannt, siehe C-29/f.3. Da 1547 dort kein Lemmel genannt ist, läßt sich keine Besitznachfolge feststellen, so daß dieser Valten wohl kein Sohn von Georg ist.

→ Fehlerhinweis: Bei Herbert E. Lemmel ["Geschichte" Tafel 1 Blatt 9] ist dieser Georg als Sohn des Chemnitzer Paul Lemmel eingeordnet, was nicht richtig ist: 1504 hat Georg einen bereits gestorbenen Bruder Nickel; ein anderer Nickel ist Sohn von Paul, der daher nicht auch Vater der Brüder Georg/Nickel sein kann.

→ Dann wohl Bergbau im Erzgebirge:
Wohl identisch mit Jürge Lemischer/Lemel, der 1537 in der Bergstadt Platten auf der böhmischen Seite des Erzgebirges Besitz hat. Sein Nachbar in Platten ist Georg Thiel: die Chemnitzer Nachbarschaft Thiel-Lemmel setzt sich also in Platten fort.
Dann wohl identisch mit Georg Lemmel, der 1544 Gerichtsverwalter in Krottendorf bei Annaberg ist, wo er Stammvater der Lemmel-Stämme Neudorf, Cranzahl und Buchholz wird.

 •  1531-1532 sammelten sich die Bergleute in Platten, da man neue Gänge erschürft hatte. Viel Volk kam namentlich von Schneeberg, so daß man Platten mit Recht eine Kolonie von Schneeberg nennen kann.
[Viktor Karell: Das Erzgebirge und seine Besiedlung, Verlag Vinzenz Uhl, Kaaden 1924]

→ Wenig später, 1537, ist Georg Lemmels Haus (= Jürge Lemischer) in Platten genannt. Er selbst kam zwar nicht aus Schneeberg, aber sein Bruder Hans Lemmel war zu dieser Zeit Bergunternehmer in Schneeberg.

 •  1534 erfolgt die Stadtgründung von Platten, das bis 1546 zum Kurfürstentum Sachsen gehörte. Zunächst gab es kaum Häuser, und die Bauplätze wurden erst vergeben. Ein erhaltenes Häuserlehnbuch beginnt 1535. Im Mai 1537 ist in Platten Peter Engers Hofstatt zwischen dem Silberprucher und Jürge Lemischer genannt (Nr.31). Im November 1537 gehört diese Hofstatt zwischen Gregor Silberbrenner und Jorge Lenitzsch dem Mattes Beher (Nr.8).
[Erich Matthes: Das Häuserlehnbuch der sächsisch-böhmischen Bergstadt Platten im Erzgebirge, Degener, Neustadt, 1967]

→ Es ist ersichtlich, daß die Namen Lemischer/Lenitzsch genauso identisch sind wie Silberprucher/Silberbrenner. Andere schlampige Namensveränderungen sind Krieg/Kriegisch oder Reyß/Reisich/Reißiger, so daß man auch Lemel und Lemischer als identisch ansehen kann, zumal es offenbar das Haus des Jürge Lemischer ist, das 1538 von Wolf Lemel (also wohl Jürge Lemischers Sohn) verkauft wird. (Vergl. Regest bei Wolf Lemel.)

→ Wann Jürge Lemischer seinen Besitz erwarb, ist nicht verzeichnet. Der Erwerb muß also vor 1535, dem Beginn des Buches erfogt sein, also bereits als die erste Hofstättenausteilung an etwa 50 Mann durch die kurfürstlichen Beamten vom Bergrevier Schneeberg und Schwarzenberg erfolgte.

→ Nachbar von Jürge Lemischer's Nachbar Peter Enger ist Peter Schön (Matthes Nr.102). In Schneeberg sind 1529 Ullrich Schön und Hans Lemmel Amtskollegen als Richter und Schöppe.

 •  1544, Donnerstag nach Jakobi, sind Georg Lemmel und Peter Wanderer Gerichtsverwalter (oder -verwandte) des Amtes Hartenstein in Krottendorf. Schöppen sind Mattes Schreiber, Albrecht und Christoph Öser und Heinz Schmidt.
[StsA Dresden, Gerichtsbuch Amt Hartenstein Nr.8, Amtshandelsbuch 1544-1554, Bl.14, laut E.Költzsch, K.Wensch u.a.]

→ Im folgenden Buch Nr.9 ist 1557 (der Enkel) Barthel Lemmel als Schwager des Brosius Wanderer zu Krottendorf erwähnt.

→ Zu Öser und Wander(er) siehe [Christoph Johannes Oeser: Familie Oeser aus Crottendorf; in: Gen.Jb. Bd.44 2004 S.107ff].

→ Krottendorf gehörte damals zur Schönburgischen Herrschaft und hatte 15 Eisenhämmer. 13 schönburgische Hämmer gab es dort schon 1493. Wömöglich war also schon Georgs Vater in Krottendorf tätig. 1559 kam Krottendorf ins Amt Schwarzenberg, nachdem der Kurfürst die schönburgischen Herrschaftsteile um Krottendorf kaufte. [Mtlg E.Költzsch]

→ Söhne: Nach Georg ist 1556 Wolf Lemmel als Richter im benachbarten Neudorf genannt; er verkaufte auch Georgs Haus in Platten. Wolf ist also Georgs Sohn. Wolf ist Vormund der Witwe von Valten Lemmel in Auerbach/E, so daß auch Valten Georgs Sohn sein muß. Wahrscheinlich ist Bartel Lemmel in Jahnsbach (dicht bei Auerbach) ebenfalls Georgs Sohn: Unter Bartels Nachkommen ist der Vorname Georg relativ häufig. (Vergl. Einleitung zum Stamm Jahnsbach.)


2011 10 22