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Familie Lemmel - Stamm Chemnitz ab 1427

Vorwort zur Neufassung der Stammfolge der Chemnitzer Lemmel vom Juni 1997

1. Einleitung

Die vorliegende Stammfolge ist ein Teil eines umfangreichen Regestenwerkes über alle Namensträger Lemmel und Lämmel. Sie enthält die ersten Generationen der Kaufmannsfamilie Lemlein/ Lemmel aus Bamberg in Chemnitz und Umgebung ab dem Jahr 1427.

Diese Stammfolge basiert ursprünglich auf den Forschungen von Herbert E. Lemmel, die aber ergänzt und teilweise korrigiert wurden, insbesondere durch neuere Forschungen von Gerhard Lemmel, Kurt Wensch, Ernst Költzsch, Rolf Windisch, Heinz Rasch, Willy Roch, Edwin Siegel, Klaus Schröpel und anderen.

Die wesentlichen Änderungen der jetzigen Neufassung betreffen die genealogische Einordnung der Lemmel in Marienberg, Thum, Geyer und Auerbach im Erzgebirge, wozu Klaus Schröpel in Thalheim erst kürzlich (1992/1995) klärende Urkunden entdeckte.

Auf den folgenden Seiten gebe ich eine ausführliche Begründung zur Abstammung der Chemnitzer Lemmel. Darin bestätige ich die von Herbert E. Lemmel behauptete und begründete Abstammung der Chemnitzer Lemmel von der Bamberger Familie Lemlein, jedoch mit Änderungen in Detailfragen.

Im Jahrhundert von 1427 bis 1526 lebte die Familie Lemmel in Chemnitz und breitete sich ab etwa 1500 in den Dörfern südlich von Chemnitz und in den Bergstädten des Erzgebirges aus, wobei die Nachkommen um 1600 bereits außerordentlich zahlreich sind.

Ich möchte darauf hinweisen, dass auch die vorliegende Fassung dieser Stammfolge wohl noch nicht endgültig ist. Die spärlichen Quellen des 15. und 16. Jahrhunderts lassen die Erstellung einer in allen Einzelheiten gesicherten Stammfolge nicht zu. In etlichen Fällen erlauben die Quellen verschiedene Deutungen der genealogischen Zusammenhänge. Zum Beispiel lässt sich oft nicht entscheiden, ob die richtige Zuordnung Vater/Sohn oder Onkel/Neffe ist, oder ob ein durch Jahrzehnte genannter Name sich auf eine einzige Person oder auf zwei gleichnamige Personen bezieht. Ich habe mich bemüht, gesicherte, wahrscheinliche oder vermutete Zusammenhänge im Text deutlich zu unterscheiden.

Namensformen: Im fraglichen Zeitraum ist die Schreibweise des Familiennamens Lemmel sehr konstant. Die Varianten beschränken sich auf orthografische Abweichungen wie Lemel, Lämel, Lemmell und ganz vereinzelte andere Abarten wie zum Beispiel Lammelt oder Lemischer, die als einmalige Fehlleistungen der Urkundenschreiber angesehen werden müssen. Ich habe mich bemüht, die Namen stets in der Originalschreibweise wiederzugeben.


2. Frühere Veröffentlichungen über die Chemnitzer Lemmel

Von Herbert E. Lemmel gibt es drei wesentliche Arbeiten aus der Zeit 1965/1970:

Herbert E. Lemmel: Herkunft und Schicksal der Bamberger Lemmel des 15. Jahrhunderts. In: 101. Bericht des Historischen Vereins Bamberg, 1965, Seiten 13-220. Selbstverlag des Vereins. Hier zitiert als "Herkunft".

Herbert E. Lemmel: Die Nachkommen des Paul Lemmel aus Chemnitz. Maschinenschrift, Privatdruck 1968, 2 Bände. Hier zitiert als "Nachkommen".

Herbert E. Lemmel: Geschichte der erzgebirgisch-vogtländischen Lemmel im 15.-16. Jahrhundert, ihre Ausbreitung und ihre Heiratskreise. In: Deutsches Familienarchiv, Band 43, Seiten 235-348, Neustadt/Aisch 1970. Hier zitiert als "Geschichte".


Zu dem Forschungsstand von 1970 sind wesentliche neue Urkundenfunde hinzugekommen. Die schon von Herbert E. Lemmel bekannten Daten werden in der vorliegenden Stammfolge wiederholt, wobei jedoch teilweise andere Schlussfolgerungen gezogen und einige genealogische Zuordnungen geändert werden mussten.

Die bei Herbert E. Lemmel vorgenommene teilweise Gleichsetzung der Namen Lemmel, Limmer und Lehmann im Raum Chemnitz-Zwickau ist mit Sicherheit als falsch anzusehen.

Meine früheren Stammfolgen über die "Lemmel aus Chemnitz" [Zentralstelle Leipzig A 8640 (1967) und A 8898 (1968)], die noch weitgehend den Darstellungen von Herbert E. Lemmel folgten, sind überholt und zurückgezogen.

Die vorliegende Stammfolge enthält Ergänzungen und Änderungen zu der Fassung von Okt. 1979 [Leipzig: A 22494/Ma]. Die Fassung von Juni 1982 wurde beim Verein Herold in Berlin hinterlegt. Die Fassung vom 1.1.1990 wurde als Teil des "Lemmel-Archives" von der Genealogischen Gesellschaft von Utah auf Mikrofilm Nr. 1691488 aufgenommen.

Die jetzige Neufassung schließt auch den Lemmel-Stamm Neudorf ein [Leipzig: A 22578/Ma von 1982] sowie einen Teil des Lemmel-Stammes Thum [Leipzig: A 22492/Ma], die ich früher als separate Stammfolgen dargestellt hatte.


3. Übersicht

Einen ausführlichen Aufsatz über die ersten Chemnitzer Lemmel findet man an anderer Stelle. In Kürze:

"Lemel der elder", der 1437 das Chemnitzer Bürgerrecht erwirbt, und sein Sohn Merten Lemmel, der 1476 in Chemnitz beurkundet ist, sind die Stammväter der sächsischen Lemmel und Lämmel. Man mag anzweifeln, ob die überaus zahlreichen sächsischen Familien namens Lemmel und Lämmel tatsächlich auf denselben Chemnitzer Stammvater zurückgeführt werden können. Und in der Tat gibt es noch andere sächsische Lemmel-Stammväter. Aber die Nachkommen der Chemnitzer Lemmel haben sich im 16. Jahrhundert so stark vermehrt, daá die Lemmel/Lämmel anderer Herkunft dagegen kaum ins Gewicht fallen.

Andere Lemmel-Stämme, für die ebenfalls Stammfolgen vorliegen, gibt es um 1500 in Auerbach/Vogtland, in Wildenfels und in Torgau. Aber die Auerbacher und Wildenfelser Lemmel scheinen im Mannesstamm ausgestorben zu sein, und von den Torgauer Lemmeln gibt es heute in Sachsen nur wenige.

Nach derzeitiger Kenntnis hatte der vor 1495 gestorbene Merten Lemmel in Chemnitz zwei Söhne (Hans und Paul), zehn männliche Enkel namens Lemmel, 20 Urenkel, und 60 Brüder und Vettern namens Lemmel in der Ururenkel-Generation. Da gab es etliche Lemmel, die vier, fünf oder sechs Söhne hatten, die jung gestorbenen nicht gerechnet. Die Gesamtzahl der Ururenkel, inklusive Töchter und Töchterkinder, muss gigantisch gewesen sein; aber die Urkunden dieser Zeit geben über Töchter leider keine Auskunft.

Die Ururenkel lebten in den Bauerndörfern südlich von Chemnitz und in den Bergstädten des Erzgebirges. Diese Generation wurde um 1550 geboren, so dass deren Nachkommen in den nun einsetzenden Kirchenbüchern erschlossen werden konnten, hauptsächlich durch die Forschungen von Rolf Windisch. Erstaunlicherweise sind es von den 60 Ururenkeln nur zehn, die die Stammväter von heute lebenden Lemmeln und Lämmeln sind. Die anderen 50 können natürlich über Töchterlinien heute lebende Nachkommen haben. Aber etliche Familienzweige wurden durch Pest und 30-jährigen Krieg vollständig ausgelöscht.

Hier seien die zehn Stammväter der sächsischen Lemmel/Lämmel
aufgezählt.

Sechs Urenkel von Hans Lemmel, der um 1450 in Chemnitz geboren wurde:
  - Hans Lemmel, Bauer in Cranzahl, *?1540  (Cr-31/b)
  - Valten Lemmel, Förster und Schöppe in Auerbach/E, *?1555  (AE-31/d)
  - Bartel Lemmel, Bauer in Venusberg und Gelenau, *?1550  (Jb-31/e)
  - Michael Lemmel, Bauer oder Müller in Drebach, *?1560  (Jb-31/f)
  - Hans Lemmel, * 1531, und Stefan Lemmel, *?1545, Kaufleute aus
      Schneeberg in Wien  (Sn-31/a,b)

Vier Urenkel von Hans Lemmels Bruder Paul:
  - Franz Lemmel, Bauernsohn aus Stelzendorf, *?1540  (St-31/c)
  - Paul Lemmel, Bauer in Stelzendorf, *?1545  (St-31/d)
  - Ilgen Lemmel aus Jahnsdorf in Meinersdorf, *?1540  (Jd-31/h)
  - Michael Lemmel aus Jahnsdorf in Adorf, *?1550  (Jd-31/l)

Es fällt auf, dass 8 dieser 10 Lemmel-Stammväter in Dörfern lebten, zumeist als Bauern. Nur die zwei Schneeberger Lemmel in Wien scheinen die alte Fernhandelstradition der Lemmel fortzusetzen. Die Familien der Bergunternehmer Lemmel aber sind durchweg im Mannesstamm ausgestorben, vermutlich durch größere Pestanfälligkeit und höhere Kindersterblichkeit in den Bergstädten, wohl als Folge von gesundheitlichen Schädigungen des Bergbaues durch Zinnvergiftung und Ähnliches.

Die Erforschung der Lemmel vor Beginn der Kirchenbücher erfolgte hauptsächlich durch Kurt Wensch im Dresdener Staatsarchiv anhand von Gerichtsbüchern und Steuerverzeichnissen. Daraus folgt freilich nicht immer, welcher Lemmel Sohn von welchem ist, und etliche verbleibende Unsicherheiten müssen in Kauf genommen werden. Oftmals ist man auf Indizien angewiesen, wozu hier ein Beispiel gegeben sei: Wenn in Chemnitz die Hösel und Schütz Nachbarn von Merten Lemmel sind, und wenn zwei Generationen später in Marienberg die Lemmel, Hösel und Schütz im Bergbau zusammenarbeiten, dann darf man daraus folgern, daá der Marienberger Lemmel ein Enkel des Chemnitzer Merten Lemmel ist.


4. Der "Strauchritter" Michel Lemmel


Der erste in Sachsen beurkundete Lemmel ist "Michel Lemmel von Tetzschen", der 1413 im Freiberger Urkundenbuch in einer Gruppe von "Pögken" genannt ist, "die uff dem Walde gestruchet habin". Mit dem Ausdruck "Böcke" (Pögke) wurden Räuber, Wegelagerer oder Strauchritter bezeichnet. Was die geraubt hatten, ist leider nicht überliefert. Jedenfalls müssen sie nach Ansicht der Freiberger ein größeres Verbrechen begangen haben, so dass zwei von ihnen namens "Schultheiß" und "Hans Iakusch von Dux" "gehangen" wurden. Zweifellos wäre auch Michel Lemmel aufgehängt worden, falls die Freiberger ihn erwischt hätten.

Um welche Art Fehde es sich bei dem Vorfall von 1413 handelte und in welcher Funktion Michel Lemmel daran teilnahm, ist nicht bekannt; die spärlichen Quellen geben dazu keine Auskunft.

100 Jahre später ist eine andere Fehde besser dokumentiert. Sie sei hier kurz erzählt, weil die Fehde von 1413 vielleicht von ähnlicher Natur gewesen sein mag.

1510 wurde ein Zug von etlichen Frachtwagen auf dem Wege von Nürnberg nach Krakau in der Oberlausitz von adeligen Raubrittern überfallen, von denen zwei daraufhin von der Stadt Görlitz gefangen und geköpft wurden. Hieraus ergab sich eine Frontstellung: auf der einen Seite die Städte, die bemüht waren, die Handelsstrassen zu sichern; auf der anderen Seite die oberlausitzer Ritterschaft mitUnterstützung durch den Landvogt der Oberlausitz, den böhmischen Herrn Siegmund von Wartenberg auf Tetschen. Diese Parteien führten 6 Jahre lang einen Kleinkrieg mit Überfällen und Rachezügen, die sich bis nach Sachsen hinein erstreckten. [Hermann Knothe: Die Kragensche Fehde. In: Neues Archiv für Sächs. Gesch. u. Altertumskunde Bd.7, Dresden 1886, S.216.]

So mag auch 1413 ein Überfall auf einen Kaufmannszug die Ursache der Fehde gewesen sein, wobei aber Michel Lemmels Rolle unklar bleibt. Er mag ein Kaufmann gewesen sein, der nach einem Überfall sich zu rächen sucht; er mag aber auch Parteigänger von böhmischen Herren gewesen sein, die einen Streit unbekannter Ursache mit der Stadt Freiberg austrugen.

Die Bezeichnung "Michel Lemmel von Tetzschen" lässt darauf schliessen, dass er zu dieser Zeit im böhmischen Tetzschen lebte, so wie auch sein Vater, Hans Lemlein, bis 1420 Schöffe in der böhmischen Stadt Kuttenberg war.

1415 wurde der tschechische Reformator Johann Hus in Konstanz verbrannt. Die daraus folgenden Aufstände der tschechischen Hussiten nötigen Hans Lemlein, 1420 aus Kuttenberg nach Bamberg zu fliehen; und nach dem Sieg der Hussiten 1426 bei Aussig müssen auch viele Deutsche aus Nordböhmen fliehen. So ist es wohl Michel Lemmel aus Tetzschen, der 1427 als "Lemel" (ohne Vorname) in Chemnitz Bürger wird.


5. Durchgesehene Landsteuerregister

Kurt Wensch sah alle greifbaren frühen Landsteuerregister durch. Sie zeigen 1530-1554 Lemmel in den folgenden Orten:

Adorf, Auerbach, Hockericht, Jahnsbach, Neukirchen, Rurstorf, Steltzendorf, Thum

Von diesen Orten ausgehend breiteten sich die Lemmel erst nach 1554 in viele andere Orte des Erzgebirges und der Chemnitzer Umgebung aus.

Im einzelnen:

Stadtbuch Lößnitz 1479: kein Lemmel

Landsteuerregister
Kloster Kempnitz   1530 1547 1551/2 1553/4
 Adorf               +    +    +      +
 Alt Kempnitz        o    o    o      o
 Altenbach                            o
 Aldenhayn           o    o    o
 Aldendorf           o    o    o      o
 Bernnstorf          o    o    o
 Burkertsdorf        o
 Bornn               o    o    o      o
 Claffenpach         o
 Cappell             o    o    o      o
 Diethmansdorf       o    o    o      o
 Droesdorf           o    o    o      o
 Furthe              o    o    o      o
 Gabelentz           o    o    o      o
 Gasse vor St.Niclas o    o    o      o
 Gasse zum Rabensteino    o    o      o
 Gertner undern Closter        o
 Gärtner unterm Schlosse              o
 Glesa               o    o    o      o
 Grune               o    o    o      o
 Hartte                        o      o
 Helwiesdorf              o    o      o
 Hilberstorf         o    o    o      o
 Heynerstorf         o    o    o      o
 Hockericht          +    o    +      +
 Jhansdorf           o         o      o
 Kendeler            o    o    o      o
 Lebenhayn           o    o    o      o
 Leuckersdorf        o    o    o      o
 Marckerstorff       +    o    o      o
 Mittelbach          o    o    o      o
 Neukirchen          +
 Nyederhermanstorf   o    o    o      o
 Oberhermanstorf     o    o    o      o
 Olberstorf          o    o    o      o
 Pleyssa             o    o    o      o
 Reichenbrande       o    o    o      o
 Rothlauff           o    o    o      o
 Rurstorf            o    +    o      o
 Schona              o
 Sigmar              o    o    o      o
 Steynn              o    o    o      o
 Steltzendorf        o    +    o      o
 Wustenbrande        o    o    o      o

Wolff Hünerkopf              1551
 Neukirchen                    +
 Burkersdorf                   o
 Klaffenbach                   o
Anmerkung: Wolfgang Hünerkopff, Münzmeister in Annaberg, brachte
1523 "den Adel erstlich an sein Geschlecht". Hanns Hünerkopf, ein
Bürger der Stadt Annaberg, erwarb 1543 von Herzog Moritz drei
Dörfer: Burchhardtsdorff, Neukirchen und Klaffenbach. Er zahlte
dafür 18ooo fl.
[Chronik der Stadt Annaberg. Mtlg Wiebke Dannenberg 1994]

Stadt Annaberg     1530
 mit Königswalde     o
                             1551
Amt Rochlitz                   o
 Vorstädte                     o
 Erlau                         o
 Altendorf bei Geithann        o
 Bruch                         o
 Bickersheim                   o
 Obergreffenhein               o
 Rattendorf                    o
 Breitenborn                   o
 Noswitz                       o
 Die Landtsaupen               o
 Altendorf bey Kemnitz         o
 Brobschuetz                   o
 Alde Mitweide                 o
 Zedelnn                       o
 Schwartzbach                  o
 Penne                         o
 Zcolnitz                      o
 Sebenischen                   o
 Zcassnitz                     o
 Groblietz                     o
 Stobenigk                     o

Friedrich von Schonberg auf Stollberg
                        1548
 Auerbach                 +
 Bornstorf                o
 Brunloß                  o
 Dorfkempnitz             o
 Erlbach                  o
 Geillenau                o
 Hochheim                 o
 Hormersdorf              o
 Janspach                 +
 Meinnerstorf             o
 Mitteldorf               o
 Niderdorf                o
 Oberdorf                 o
 Oberdorf am Thurmb       o
 Pfaffenhainn             o
 Thum/Thurmb              +
 Zweniczsch               o

Amt Grünhain                        1553
 Grünhain                             o
 Beierfeldt                           o
 Bernsbach                            o
 Dittersdorf                          o
 Gablentz                             o
 Gruna                                o
 Gunselsdorf                          o
 Hermersdorf                          o
 Künheide                             o
 Kuerchberg                           o
 Lenckersdorf                         o
 Leugkersdorf                         o
 Lungkwitz                            o
 Ölsnitz                              o
 Pfaffenhain                          o
 Raschau                              o
 Sachsenfeldt                         o
 Schwartzbach                         o
 Seifersdorf                          o
 Underscheibe                         o
 Ursprungk                            o
 Zschocken                            o
 Zwinitz                              o

Amt Schlettau                       1553
 Schleta                              o
 Annaberger Reume                     o
 Buchholtzer Reume                    o
 Königswalda                          o
 Kraenczal                            o
 Kunersdorf                           o
 Sehma                                o
 Waltensdorf                          o

                         1542
Hormersdorf                o


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6. Die Lämmel in den Chemnitzer Bürgerbüchern 1535-1800


Nachdem die ersten Chemnitzer Lemmel ins Erzgebirge abwanderten, kehrten ab etwa 1700 etliche von dort wieder zurück nach Chemnitz.

Aus dem Register der Bürgerbücher wurden vorerst nur die Lämmel, nicht aber die Lemmel herausgeschrieben.

Es folgen die Einträge im Bürgerbuch-Register, und dahinter meine Zuordnung zu den Lämmel-Stammfolgen des Erzgebirges.

> 29.5.1640 Michael Lämel, Leinweber.
> Siehe Jd-33/p. Geboren 1622 in Jahnsdorf, dann oo 1645 in Jahnsdorf als Leinewebermeister.

> März 1774 Hans Lämmel, Mälzer von Claffenbach [A.185]
Die Jahreszahl 1774 muss richtig 1674 heißen! (HDL)
> Siehe Kl-34/d. Geboren 1647 in Klaffenbach, nach den Kirchenbüchern dort bis 1673, dann an 1675 Mälzer in Chemnitz.

> 13.3.1696 Michael Lämmel, Mälzer [A.696]
> Siehe Ns-34/m. Geboren 1655 in Neustadt, lebte als Mälzer in Neustadt; ließ schon ab 1680 seine Kinder in Chemnitz-Nikolai und Jakobi taufen. 1696 ist sein Vater Zacharias gestorben, so dass Michael sich jetzt dazu entschloss, Bürger in Chemnitz zu werden.

> Jan. 1704 Hans Lämmel, Beckerlehrjunge [A.969]
> Siehe Ns-35/a. Geboren 1687 in Neustadt als Sohn des Mälzers Franz Lämmel.

> 21.12.1711 Samuel Lämmel, aus der Niclasgasse [A.1183]
> Siehe Mk-35/g. Geboren 1681 in Neukirchen, lebt 1703 in Altendorf, 1704 in Schönau, ist ab 1705 Tagelöhner in Chemnitz. 1715 ist er Bierschröter in Chemnitz, so dass der Erwerb des Bürgerrechts 1711 wohl für den Beruf des Bierschröters nötig wurde.

> Feb. 1723 Christian Lämmel, Zeug- und Leinweber [B.166]
> Sohn das Samuel Lämmel, der 1711 Bürger wurde; siehe vorstehenden Eintrag.

> 13.11.1724 Jacob Lämmel, Tagelöhner [B.259]
> Siehe Mk-35/f. Geboren 1679 in Glösa, 1720 als Arbeiter in Chemnitz beurkundet.

> Juni 1725 Andreas Lämmel, Zeug- und Leinweber-Lehrjunge, hiesigen Pachtmanns Sohn [B.300].
> Siehe Ns-36/i. Geboren 1709 als Sohn des Chemnitzer Pachtmannes Andreas Lmmel.

> Juni 1733 Andreas Lämmel, Zeug- und Leinweber-Lehrjunge von Neustadt bei Schöna [B.855]. Mai 1741 legt der selbe den Eid ab [B.1323]
> Siehe Ns-36/d. Geboren 1718 in Neustadt als Sohn des Webers und Mälzers Andreas Lämmel.

> 8.8.1749 Johann Michael Lämmel, Sägenschmidt [B.1693]
> Siehe Ns-35/o. Geboren 1718 in Chemnitz als Sohn des Michael Lämmel, der 1696 Bürger wurde, siehe oben.

> 29.5.1750 Johann Christoph Lämmel, aus Altendorff, Zlwlj [B.1769]
> Siehe Al-35/e Gottfried Lämmel, Bauer in Altendorf, und dessen 1733 geborener Sohn Johann Christoph.

> März 1792 Christian Gotthelf Lämmel, Zeug- und Leinweber [I.557]
> Siehe Ns-37/e. Geboren 1678 als Sohn des Andreas Lämmel, der 1733 Bürger wird, siehe oben.

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7. Vergleich mit den Veröffentlichungen von Herbert E. Lemmel

Während meine Darstellung der Söhne des Paul Lemmel weitgehend mit den früheren Veröffentlichungen von Herbert E. Lemmel übereinstimmt ["Herkunft" Tafel 7, sowie "Nachkommen" Band 1 Tafel A S.41f], gibt er später [in "Geschichte" Tafel 1 Blatt 2-10] eine abweichende Darstellung, der ich nicht zustimmen kann.

Herbert E. Lemmel nimmt in Adorf zwei Nickel als Onkel und Neffe an, von denen der ältere ein Bruder des 1501 genannten Paul wäre. Außerdem identifiziert er die Chemnitzer Lemmel mit Namensträgern Limmer in Zwickau:
C
                           ┌────────────┴─────────────┐
                        Paul Lemmel                Nickel Lemmel
                        1495-1501 Chemnitz         1522-1531 Adorf
                        1501 Adorf                    │
                        1519 Neukirchen               │
                        1527 als Paul Lehmann         │
                        in Zwickau                    │
                           │                          │
    ┌───────────┬──────────┤                          ├─────────┐
Dietrich     Valten     Nickel                     Bastian   Blasius
+ 1530/1531  1530       1530 als Sohn des Paul     1522-1544 1525-1542
Markersdorf  Neukirchen in Neukirchen oder Adorf,  Adorf     Adorf
                        sonst im Zwickauer Raum
                        als Nickel Limmer ansässig

Dazu ist in erster Linie zu sagen, daß die befremdliche Gleichsetzung des Namens Lemmel mit den Zwickauer Namen Lehmann und Limmer von Herbert E. Lemmel nirgends überzeugend begründet wird; sie beruht teilweise auf einer falschen Urkunden-Deutung: er sagt, dass Paul Lemmel nicht auf seinem Besitz in Adorf/Neukirchen lebte, da 1531 sein dortiger Besitz durch verschiedene Zeugen belegt werden musste ["Geschichte" S.295/296]. Richtig ist, dass sich die Notwendigkeit der Zeugenaussage daraus ergab, dass der Gutskauf 1519 versehentlich nicht im Gerichtsbuch eingetragen worden war; Herbert E. Lemmels Schluss, dass Paul nicht auf diesem Besitz lebte (sondern eben in Zwickau), kann aus dieser Urkunde nicht abgeleitet werden. - Auf Herbert E. Lemmels unbegründete und nicht haltbare Gleichsetzung der Namen Lemmel, Lehmann und Limmer wies ich bereits an anderer Stelle hin [Mitteldeutsche Familienkunde Band 6 1981 S.409ff].

Ferner ist bei Herbert E. Lemmels Lösung unbegründet, warum der Nickel Lemmel, der 1530 als Sohn des Paul genannt ist, ein anderer sein soll als der Nickel, der in Adorf von 1522 bis 1531 erwähnt ist. Seit Herbert E. Lemmels Veröffentlichungen wurden etliche weitere Urkunden über Nickel Lemmel und seinen Umkreis gefunden, so dass Herbert E. Lemmels Darstellungen als unrichtig gelten müssen.

Leider wurden Herbert E. Lemmels Ansichten unkritisch auch in anderer Sekundärliteratur übernommen; so von K.B. Thomas in seiner Ahnenliste W. v.Rüger in: Mitteldeutsche Familienkunde Band 5 Heft 1/1976 S. 19.

Herbert E. Lemmel ordnete auch einige Leipziger Lemmel dem Chemnitzer Lemmel-Stamm zu. Diese Zuordnung erscheint mir teils unbegründet, teils eindeutig falsch zu sein, insbesondere wegen eindeutig unrichtiger Gleichsetzungen von Namen wie Lummel und Lemmel. Die genealogische Einordnung der frühen Leipziger Lemmel um 1500 konnte freilich noch nicht mit Sicherheit geklärt werden.