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Der Lemmel-Stamm Cranzahl 1500-2000

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Regesten und Stammfolge der Bauern- und Richterfamilie Lemmel in Cranzahl im Erzgebirge. 

Älterer Teil, um 1550 bis 1852.
Jüngerer Teil seit 1789 bis Gegenwart.
 

Im Januar 1981 wurde diese Cranzahler Lemmel-Stammfolge unter der Nummer A 22577/Ma bei der Leipziger Zentralstelle für Genealogie hinterlegt. Seither ergänzt.

Cranzahl, schon 1367 beurkundet, liegt an einem wichtigen Verkehrsweg über das Erzgebirge nach Prag. In Cranzahl gehört die Familie Lemmel/Lämmel zu den ältesten Bauernfamilien des Ortes. Ihre Geschichte lässt sich über vier einhalb Jahrhunderte verfolgen. Noch heute gibt es in Cranzahl den "Lämmel-Berg" und die "Lämmel-Güter".

Die erste urkundliche Erwähnung findet sich nahe am Anfang des ältesten Cranzahler Kirchenbuches. Es ist ein für die Ortsgeschichte Cranzahls sehr glücklicher Umstand, dass der Cranzahler Pfarrer bereits im Jahre 1569 anfing, ein Kirchenbuch zu führen, und dass dieses Kirchenbuch erhalten ist und nicht, wie in manchen anderen Orten, durch Krieg oder Feuersbrunst verlorenging.

Im Dezember 1569 lässt Hans Lemmel in Cranzahl eine Tochter taufen, auf die bis 1578 noch drei weitere Kinder folgen. Da Hans Lemmels Heirat vor Beginn des Kirchenbuches stattfand, gibt es für ihn keinen Heiratseintrag, und so wissen wir weder, wer sein Vater war noch wer seine Frau war. Noch vor Beginn des Kirchenbuches mag er bereits weitere Kinder getauft haben, die jedoch, wie auch die 1569 geborene Tochter, jung gestorben sein dürften. Zwei Söhne, Bartel und Michel, die 1575 und 1578 getauft wurden, führten die Stammreihe der Familie fort, über die die Kirchenbücher bis in die Gegenwart berichten.

Im Kirchenbuch ist über Hans Lemmels Beruf nichts angegeben. Aber wir wissen aus der Landsteuerliste von 1583, dass er in Cranzahl einen Grundbesitz hatte, der mit 40 Steuerschock verbucht wurde. Zu dem Hof gehörte auch das "Lämmel-Vorwerk", das im Jahre 1610 urkundlich erwähnt wird.

Sein 1578 geborener jüngerer Sohn Michel wird 1620 als Gerichtsschöppe und 1655 als Richter erwähnt. Da solche Ämter normalerweise in der Familie blieben, ist es wahrscheinlich, dass auch der ab 1569 in Cranzahl beurkundete Hans Lemmel bereits Richter war.  Das Richteramt war erblich, und das Haus des "Alten Erbgerichts" in Cranzahl war noch 1973 erhalten. Vielleicht lebten hier die ersten Cranzahler Lemmel.
Altes Erbgericht in Cranzahl [Foto Chr.Joh. Oeser]

Wann die Familie Lemmel nach Cranzahl kam und woher sie kam, lässt sich nur indirekt erschließen.

Im Steuerverzeichnis von 1583 ist neben Hans Lemmel auch ein Bartel Lemmel mit Besitz in Cranzahl verzeichnet. Bartels Familie kommt aber nicht in den Cranzahler Kirchenbüchern vor; er lebte im benachbarten Neudorf als Bauer und Richter. Hans und Bartel dürften Brüder sein, zumal Hans seinen älteren Sohn wiederum Bartel nannte. Die Brüder dürften ihren Besitz in Cranzahl bereits von ihrem Vater übernommen haben. Als Vater muss man Wolf Lemmel ansehen, der ab 1556 als Richter in Neudorf genannt wird. Einzelheiten zu Wolf Lemmel und seinen weiteren Vorfahren finden sich in einer separaten Stammfolge, siehe "Lemmel-Stamm Chemnitz" sowie "Die Richterfamilie Lemmel in Neudorf".

Wolfs Vater ist wahrscheinlich Georg Lemmel, der im Jahre 1544 als Richter im benachbarten Crottendorf lebte. Wolf und Georg Lemmel waren beide zunächst in den Bergstädten Annaberg (1534), Platten (1537/38) und Marienberg (1552) tätig. Ihr Beruf geht aus den Urkunden nicht hervor. Sie mögen entweder Bergunternehmer gewesen sein oder aber Kaufleute, die die Bergstädte mit Nahrungsmitteln und Kleidung versorgten. Ihren Grundbesitz in Crottendorf, Neudorf und Cranzahl dürften sie um 1550 erworben haben.

Ob sie diesen Besitz sogleich landwirtschaftlich nutzten, ist nicht sicher. In Crottendorf gab es mehrere Eisenhämmer, so dass Georg und Wolf Lemmel vielleicht Hammerherren waren. Falls sie Händler waren, brauchten sie Pferde, und dafür brauchten sie eine Landwirtschaft. Der erste Cranzahler Lemmel, Hans, scheint jedenfalls ein Bauer gewesen zu sein. Von der Bergbau- oder Händler-Tätigkeit seiner Vorfahren ist bei ihm und seinen Nachkommen nichts mehr zu bemerken.

Einen Lemmel-Hof gab es in Cranzahl seit um 1550 bis ins 19.Jahrhundert. Dabei konnte immer nur ein Sohn den Hof erben. Die Brüder, die nicht auf dem Hof bleiben konnten, wurden Arbeiter und Handwerker und wanderten großenteils ab, wobei in etlichen Fällen der Verbleib noch unbekannt ist.

Um 1780, teils schon früher, wandelt sich die vorwiegende Schreibweise des Namens von Lemmel zu Lämmel.

Die Cranzahler Bauernfamilie Lemmel stirbt in direkter Linie 1852 aus. Zwei Zweige mit zahlreicher Nachkommenschaft leben jedoch bis zur Gegenwart fort:

1. Christoph Lemmel, der 1630 als Bauernsohn in Cranzahl geboren wurde, wurde erst Bauer in Sehma, dann Fuhrmann in Annaberg; er starb 1679 in Buchholz, wo seine zahlreichen Nachkommen vorwiegend als Posamentiermeister lebten. Sie wurden in einer eigenen Stammfolge zusammengestellt ("Stamm Buchholz").

2. Friedrich August Lämmel, der 1789 in Cranzahl als Bauernsohn geboren wurde, ist der Stammvater der Handwerkerfamilie Lämmel in Cranzahl (siehe "Stamm Cranzahl, jüngerer Teil"). Einige seiner Nachkommen leben noch heute in Cranzahl; jedoch wanderten die weitaus meisten seiner Nachkommen in alle Teile Deutschlands ab.

Was wurde aus dem Lemmel-Hof?

Der Cranzahler Lämmel-Nachkomme Max Lämmel in Hamburg fotografierte 2008 den Lämmel-Hof am Fuße des Lämmel-Berges in Cranzahl.



Dieser Hof gleicht in Baustil und Alter dem oben gezeigten Erbgericht, ist jedoch eindeutig ein anderer.

Diesen Lämmel-Hof dürfte zuletzt der 1825 geborene August Lämmel besessen haben, der ihn wohl von seinem Onkel Carl Gotthold Lämmel übernahm, der 1852 kinderlos starb. Falls die ersten Lemmel nicht den Erbgerichtshof besaßen, dürften die Lemmel/Lämmel auf diesem Lämmel-Hof von Anfang an, also seit etwa 1550 gesessen sein.

August Lämmel starb 1908 als "Besitzer eines Bauerngutes" in Cranzahl. Vielleicht war das der Lämmel-Hof - aber vielleicht hatte er gar nicht den Lämmel-Hof seines Onkels übernommen sondern sein Gut erheiratet, und zwar von Carl Wilhelm Weigel, dem Stiefvater seiner Frau.

Es gibt also noch einiges zu erforschen für die Lämmel-Geschichte in Cranzahl. So war es durchaus üblich, dass ein Bauernsohn in einen anderen Hof einheiratete, während seines Vaters Hof womöglich an einen Schwiegersohn kam. Aus den Standesbezeichnungen "Bauer" oder "Erbbegüterter" im Kirchenbuch lassen sich keine sicheren Angaben über die Erbfolge ableiten.

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Die jüngeren Lämmel in Cranzahl stammen alle ab von Friedrich August Lämmel, der 1789 als Cranzahler Bauernsohn geboren wurde. Seine Nachkommenschaft ist recht zahlreich: Über zwei Söhne hatte er 9 männliche Enkel und 19 männliche Urenkel.

Die besonders in Sachsen aber auch in allen Teilen Deutschlands weit verbreitete Familie Lemmel/Lämmel konnte durch die Jahrzehnte lange Arbeit von mehreren Familienforschern, insbesondere Dr. Herbert E. Lemmel aus Pleißa, Dr. Gerhard Lemmel aus Königsberg/Pr. und etliche andere, weitgehend erforscht werden. Nahezu alle sächsischen Lemmel stammen ab von Mertein Lemlein/Lemel, der im Jahre 1437 als Kaufmann von Bamberg nach Chemnitz kam. In Bamberg sind die Lemblin/Lemlein ab 1323 nachweisbar. Sie kamen aus Nürnberg, wo der erste Lembelin bereits vor 1150 lebte.

Es  darauf hingewiesen werden, dass Veröffentlichungen aus den 1960er Jahren von Herbert E. Lemmel über die Herkunft der Cranzahler Lemmel, die ich in meiner ersten Cranzahler Lemmel-Stammfolge von 1967 übernommen hatte, durch neuere Forschungen überholt sind.

Für die Erforschung der Cranzahler Lemmel/Lämmel danke ich insbesondere Rolf Windisch für die Kirchenbuch-Forschungen, Kurt Wensch für Gerichtsbuch-Forschungen im Staatsarchiv Dresden, sowie vielen Forscherfreunden und Familienangehörigen für die Mitteilung von zahlreichen Einzelheiten. Die vorliegende Stammfolge wird weiter vervollständigt, so dass ich für die Mitteilung von Ergänzungen und Berichtigungen stets dankbar bin.

                                 Dr. Hans-Dietrich Lemmel
                                 Wien, 1967 - 2008
                                 A-1170 Wien, Handlirschgasse 14
10.6.08

siehe auch
Günter Otto: Das Erbgericht in Cranzahl
aus dem Sehmaer Anzeiger 2011 Nr.131 und 133
[Hinweis Heike Groß 2012]


Die Methodistengemeinde in Cranzahl
[Fotos 2014 durch F.D.]

1908. rechts oben im Bild: Louis Engert, dessen Frau Alwine eine geborene Lämmel war.


Am linken Bildrand Meta Lämmel.


1930: 25 Jahre Methodistengemeinde in Cranzahl