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Die Lemmel/Laemmel-Stämme in
Elsaß und Lothringen
Lemmel / Lämmel / Laemmel aus dem Elsass und aus Lothringen
von Hans-Dietrich Lemmel, A-1170 Wien, Handlirschgasse 14
Sept.1997, mehrfach ergänzt, zuletzt Februar 2009
Die ältesten Elsässer Lemmel
Lemmel-ähnliche Familiennamen wie Lemblin oder Lemlin kommen im
Elsaß schon im 13. und 14. Jahrhundert vor (siehe separate
Materialsammlung).
Familien des Namens Lemmel sind zuerst um 1600 in Bietlenheim
nachgewiesen (zwischen Strassburg und Hagenau); siehe "Lemmel-Stamm
Bietlenheim". Um diese Zeit gibt es hier bereits 6 Familien Lemmel,
deren gemeinsamer Vorfahr hier wohl schon zwei Generationen vorher,
also bald nach 1500 gelebt haben mag. Ob er einwanderte oder ein
alt-eingesessener Elsässer ist, kann man mangels erhaltener
Urkunden nicht sagen. - Die Bietlenheimer Lemmel sind protestantisch.
Sie verschwinden im 30-jährigen Krieg; sie sind also entweder im
Krieg
gestorben oder geflohen.
Ob aus Bietlenheim geflohene Lemmel Nachkommen hatten, die später
ins Elsass zurückkehrten, ist eine offene Frage.
Die 8 Elsässer Lemmel-Stämme um 1700/1800
Nach dem 30-jährigen Krieg war das Elsass in vielen Gegenden
entvölkert. Die heute im Elsass lebenden Lemmel und Lämmel
sind offenbar im 17. Jahrhundert eingewandert, und zwar scheinen sie zu
sechs verschiedenen Lemmel-Stämmen zu gehören:
Der eine Stamm ist jüdisch. Der Stammvater lebte um 1750 in
Frohmühl bei Struth im Nordwesten des Elsass, östlich von
Saar-Union. Er hatte den Vornamen Lemmel, und einen Familiennamen hatte
er nicht. Der 1755 in Frohmühl geborene Sohn Simon nahm den
Vatersnamen Lemmel als Familiennamen an. Zahlreiche Nachkommen lebten
bis in die Gegenwart im Elsass, in Paris und in USA. Siehe
"Lemmel-Stamm Frohmühl". Ob freilich alle jüdischen Lemmel im
Elsass von dem Lemmel in Frohmühl abstammen, ist eine offene
Frage. Es könnte auch zu anderen Zeiten und an anderen Orten der
jüdische Vorname Lemmel zum Familiennamen geworden sein. (So gibt
es in Böhmen und Polen viele jüdische Lemmel-Familien.)
Dann gibt es sechs katholische Lemmel-Stämme.
1.: Simon Lemmel lebt um 1650 in Ettendorf südwestlich von
Hagenau; seine Herkunft ist unbekannt. Siehe "Lemmel-Stamm Ettendorf".
Unter den Nachkommen gibt es zwei Vögte von Ettendorf.
2.: Aus Ettendorf dürfte Mathias Lemmel stammen, dessen Nachkommen
im 18.Jh. im nahegelegenen Hochstett leben, sowie in Berstheim und
Mommenheim;siehe "Lemmel-Stamm Hochstett". Aber für die vermutete
Abstammung der Hochstetter Lemmel aus Ettendorf gibt es noch keinen
Beweis.
3.: Michel Lemmel lebt um 1700 in Hagenau und hat dort Kinder und
Enkel; siehe "Lemmel-Stamm Hagenau". Seine Herkunft ist unbekannt;
vielleicht aber stammt er aus dem unweit nördlich in der
Rheinpfalz gelegenen Waldhambach; siehe "Lämmel-Stamm
Waldhambach". Aus Waldhambach stammt auch Chrysostomus Lemmel, der um
1760 als Jäger in Siegen im Unter-Elsass lebt. Die Herkunft der
Waldhambacher Lemmel, deren Kenntnis mit dem nach 1600 geborenen
Sebastian Lemmel beginnt, ist nicht bekannt. Dieser Sebastian Lemmel
ist in einer Weinrechnung des Bistums Speyer beurkundet, und zum Bistum
Speyer gehörten auch viele Besitzungen im Elsass.
4.: Georg Lemmel "aus Böhmen" heiratet 1728 in Rahling, 12 km
östlich von Sarre-Union. Rahling gehört noch zu Lothringen,
liegt aber nahe der Elsässer Grenze. Siehe "Lemmel-Stamm Rahling".
Zahlreiche Nachkommen bis zur Gegenwart lebten in Paris, in etlichen
französischen Städten, in Algerien, und vereinzelt auch im
Elsass. Zu diesem Stamm gehört der Familienforscher André
Douge, dessen Frau eine Lemmel ist.
5.: Etwas weiter westlich in Lothringen lebt ein Hubert Lemel, dessen
(mutmaßlicher) Sohn Martin Lemmel 1696 in Laudrefang heiratet und
dessen Nachkommen
in Lothringen, in Paris, aber teils auch im Elsass leben. Siehe
"Lemmel-Stamm Laudrefang". Der Stammvater Hubert Lemel könnte als
Kriegsflüchtling aus dem Elsass gekommen sein.
6.: Heinrich Lemmel aus Reitnau im Schweizer Aargau heiratete 1739 in
Ebersheim zwischen Straßburg und Kolmar, wo seine Nachkommen noch
heute leben. Siehe "Laemmel-Stamm Ebersheim".
Die Melsheimer Lemmel
Die weitaus meisten Lemmel und Lämmel im Elsaß sind
protestantisch und stammen von Peter Lämmel ab, der 1668 in
Melsheim bei Hochfelden nordwestlich von Straßburg heiratete, und
zwar als "Hans Lämmels aus der Schweiz Sohn". Er hatte 7
Söhne. Zwei von ihnen sind wohl wieder abgewandert. Aber die
fünf in Melsheim verbliebenen Söhne hatten wiederum je drei
oder vier Söhne, so daß der Melsheimer Lemmel-Stamm sich
sehr schnell stark vermehrte. Es dürften weit über 1000
Nachkommen namens Lemmel, Lämmel oder Laemmel sein. Von Beruf
waren sie "Ackerer", also kleine Bauern, "Tagner", das sind
Tagelöhner, Schneider oder Weber. Außer in Melsheim lebten
sie in Eckwersheim, Furchhausen, Gundershofen, Hohfrankenheim, und
anderen Orten.
Etliche der Melsheimer Lemmel wanderten nach USA aus (siehe die
separate Zusammenstellung "Lemmel/Laemmel in USA"), oder auch nach
Norddeutschland in die Hamburger Gegend (siehe "Lemmel-Stamm
Bülkau"), oder auch nach Algerien (siehe "Laemmel-Stamm
Algerien"), hier in der seltenen Schreibweise Laëmmel.
Dieser "Hans Lämmel aus der Schweiz", der etwa um 1615 geboren
sein dürfte, könnte im 30-jährigen Krieg aus dem
Elsaß in die Schweiz geflüchtet sein, so dass sein Sohn
Peter, der 1668 in Melsheim heiratete, ein Rückkehrer in die alte
Heimat war.
Eine um 1618 geborene Margarete Lemmel heiratet 1650 in Wilshausen bei
Melsheim. Sie kann eine Schwester des "Hans Lämmel aus der
Schweiz" sein, und ihr etwa um 1585 geborener Vater wäre
dann der älteste Lemmel in dieser Gegend und Stammvater der
Melsheimer Lemmel.
Lemmel / Lemel in Frankreich
Naturgemäß gibt es in allen Elsässer
Lemmel-Stämmen Abwanderungen nach Paris und in andere
französische Regionen. Dort gibt es noch etliche Lemmel, die nach
den bisherigen Kenntnissen nicht sicher zugeordnet werden können.
Einige weitere Lemmel in Frankreich stammen aus Deutschland,
insbesondere aus dem "Lemmel-Stamm Lötzen" aus Ostpreußen.
Abstammung der Elsässer Lemmel aus Deutschland?
Die meisten Namensträger Lemmel und Lämmel in Deutschland und
den Nachbarländern stammen (teils nachweislich, teils mit grosser
Wahrscheinlichkeit) von Chunrad Lembelin ab, der um 1300 in
Nürnberg lebte. Sein Ururenkel Merten Lemlein/Lemmel geht 1437
nach Chemnitz in Sachsen, wo er eine überaus zahlreiche
Nachkommenschaft hat. Zwei seiner Nachkommen, die Kaufleute Hans und
Steffan Lemmel/Lämbl, leben um 1580 in Wien, der eine als
Ratsherr, der andere als aktiver Protestantenführer. Ihre
Nachkommen sind gezwungen, als Protestanten Wien zu verlassen.
Früher hatte ich es für möglich gehalten, dass einer
dieser Nachkommen der "Hans Lämmel in der Schweiz" sein
könnte, der Stammvater der Melsheimer Lemmel. Aber nach neueren
Erkenntnissen halte ich diese Hypothese für unwahrscheinlich.
Aber ein anderer Nachkomme der Wiener Lemmel begab sich in die Dienste
des Fürsten Lobkowitz in Böhmen, und sein Nachkomme
dürfte "Georg Lemmel aus Böhmen" sein, der 1728 in Rahling
heiratet und Stammvater der Rahlinger Lemmel wird. Einzelheiten hierzu
siehe die Stammfolgen der Lemmel aus Nürnberg, Bamberg, Chemnitz,
Schneeberg/Erzgebirge und Wien/Waldthurn.
Für die Ebersheimer Lämmel ist die Abstammung aus dem
Schweizer Aargau nachgewiesen. Dort hiessen die Vorfahren um 1700
Lämli/Lambli. Der Ahnherr Urs Lämli kam 1659 nach
Reitnau/Aargau, vermutlich aus einem anderen Schweizer Ort.
Forschungen, die noch weiter zurück führen könnten,
wurden nicht durchgeführt.
Entsprechend wäre es denkbar, dass "Hans Lämmel in der
Schweiz", der Stammvater der Melsheimer Lemmel, ebenfalls ein Schweizer
"Lämli" ist und nicht, wie oben diskutiert, ein Flüchtling
aus dem Elsass.
So kann also nur für zwei Elsässer Lemmel-Stamme,
nämlich die Lemmel aus Rahling und die Laemmel aus Ebersheim die
Herkunft angegeben werden. Bei allen anderen Elsässer
Lemmel-Stämmen kommt man bisher nicht über den
30-jährigen Krieg hinaus.
H.D. Lemmel
Ende
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