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Die 8 Lemmel/Laemmel-Stämme in Elsaß und Lothringen



Lemmel / Lämmel / Laemmel aus dem Elsass und aus Lothringen
von Hans-Dietrich Lemmel, A-1170 Wien, Handlirschgasse 14

Sept.1997, mehrfach ergänzt, zuletzt Dezember 2012

Die ältesten Elsässer Lemmel

Lemmel-ähnliche Familiennamen wie Lemblin oder Lemlin kommen im Elsaß schon im 13. und 14. Jahrhundert vor (siehe separate Materialsammlung).

Familien des Namens Lemmel sind zuerst um 1600 in Bietlenheim nachgewiesen (zwischen Strassburg und Hagenau); siehe "Lemmel-Stamm Bietlenheim". Um diese Zeit gibt es hier bereits 6 Familien Lemmel, deren gemeinsamer Vorfahr hier wohl schon zwei Generationen vorher, also bald nach 1500 gelebt haben mag. Ob er einwanderte oder ein alt-eingesessener Elsässer ist, kann man mangels erhaltener Urkunden nicht sagen. - Die Bietlenheimer Lemmel sind protestantisch. Sie verschwinden im 30-jährigen Krieg; sie sind also entweder im Krieg gestorben oder geflohen.

Ob aus Bietlenheim geflohene Lemmel Nachkommen hatten, die später ins Elsass zurückkehrten, ist eine offene Frage.


Die 8 Elsässer Lemmel-Stämme um 1700/1800

Nach dem 30-jährigen Krieg war das Elsass in vielen Gegenden entvölkert. Die heute im Elsass lebenden Lemmel und Lämmel scheinen zu acht verschiedenen Lemmel-Stämmen zu gehören: ein jüdischer Stamm, sechs katholische Stämme, sowie ein besonders verbreiteter protestantischer Stamm.

Der Stammvater des jüdischen Stammes lebte um 1750 in Frohmühl bei Struth im Nordwesten des Elsass, östlich von Saar-Union. Er hatte den Vornamen Lemmel, und einen Familiennamen hatte er nicht. Der 1755 in Frohmühl geborene Sohn Simon nahm den Vatersnamen Lemmel als Familiennamen an. Zahlreiche Nachkommen lebten bis in die Gegenwart im Elsass, in Paris und in USA. Siehe "Lemmel-Stamm Frohmühl".

Hier ist darauf hinzuweisen, dass es in Böhmen und Polen viele jüdische Lemmel-Familien gibt, bei denen der Familienname Lemmel ebenfalls aus dem jüdischen Vornamen Lemmel entstanden ist. Viele von ihnen sind nach Amerika ausgewandert und einige sind in Romanen von Isaac Bashevis Singer und Joseph Roth erwähnt. Sie sind mit der Elsässer jüdischen Lemmel-Familie nicht verwandt.

Dann gibt es sechs katholische Lemmel-Stämme.

1.: Simon Lemmel lebt um 1650 in Ettendorf südwestlich von Hagenau; seine Herkunft ist unbekannt. Siehe "Lemmel-Stamm Ettendorf". Unter den Nachkommen gibt es zwei Vögte von Ettendorf.

2.: Aus Ettendorf dürfte der um 1700 geborene Johannes Lemmel stammen, dessen Sohn Mathias Lemmel im nahe gelegenen Hochstett lebt, wo er viele Nachkommen hat, die im 18.Jh. in Hochstett, Berstheim und Mommenheim leben; siehe "Lemmel-Stamm Hochstett". Aber für die vermutete Abstammung der Hochstetter Lemmel aus Ettendorf gibt es noch keinen Beweis.

3.: Michel Lemmel lebt um 1700 in Hagenau und hat dort Kinder und Enkel; siehe "Lemmel-Stamm Hagenau". Seine Herkunft ist unbekannt; vielleicht aber stammt er aus dem unweit nördlich in der Rheinpfalz gelegenen Waldhambach; siehe "Lämmel-Stamm Waldhambach". Aus Waldhambach stammt auch Chrysostomus Lemmel, der um 1760 als Jäger in Siegen im Unter-Elsass lebt. Die Herkunft der Waldhambacher Lemmel, deren Kenntnis mit dem nach 1600 geborenen Sebastian Lemmel beginnt, ist nicht bekannt. Dieser Sebastian Lemmel ist in einer Weinrechnung des Bistums Speyer beurkundet, und zum Bistum Speyer gehörten auch viele Besitzungen im Elsass.

4.: Georg Lemmel "aus Böhmen" heiratet 1728 in Rahling, 12 km östlich von Sarre-Union. Rahling gehört noch zu Lothringen, liegt aber nahe der Elsässer Grenze. Siehe "Lemmel-Stamm Rahling". Zahlreiche Nachkommen bis zur Gegenwart lebten in Paris, in etlichen französischen Städten, in Algerien, und vereinzelt auch im Elsass. Zu diesem Stamm gehört der Familienforscher André Douge, dessen Frau eine Lemmel ist. Die Rahlinger Lemmel, deren Stammvater 1728 einwanderte, sind also sicher nicht mit den anderen Elsässer Lemmeln verwandt.

5.: Etwas weiter westlich in Lothringen lebt ein Hubert Lemel, dessen (mutmaßlicher) Sohn Martin Lemmel 1696 in Laudrefang heiratet und dessen Nachkommen in Lothringen, in Paris, aber teils auch im Elsass leben. Siehe "Lemmel-Stamm Laudrefang". Der Stammvater Hubert Lemel könnte als Kriegsflüchtling aus dem Elsass gekommen sein.

6.: Heinrich Lemmel aus Reitnau im Schweizer Aargau heiratete 1739 in Ebersheim zwischen Straßburg und Kolmar, wo seine Nachkommen noch heute leben. Siehe "Laemmel-Stamm Ebersheim".

Der protestantische Lemmel-Stamm geht zurück auf Peter Lämmel ab, der 1668 in Melsheim bei Hochfelden nordwestlich von Straßburg heiratete, und zwar als "Hans Lämmels aus der Schweiz Sohn". Er hatte 7 Söhne. Zwei von ihnen sind wohl wieder abgewandert. Aber die fünf in Melsheim verbliebenen Söhne hatten wiederum je drei oder vier Söhne, so daß der Melsheimer Lemmel-Stamm sich sehr schnell stark vermehrte. Siehe "Lemmel-Stamm Melsheim". Es dürften weit über 1000 Nachkommen namens Lemmel, Lämmel oder Laemmel sein. Von Beruf waren sie "Ackerer", also kleine Bauern, "Tagner", das sind Tagelöhner, Schneider oder Weber. Außer in Melsheim lebten sie in Eckwersheim, Furchhausen, Gundershofen, Hohfrankenheim, und anderen Orten.

Etliche der Melsheimer Lemmel wanderten nach USA aus (siehe die separate Zusammenstellung "Lemmel/Laemmel in USA"), oder auch nach Norddeutschland in die Hamburger Gegend (siehe "Lemmel-Stamm Bülkau"), oder auch nach Algerien (siehe "Laemmel-Stamm Algerien"), hier in der seltenen Schreibweise Laëmmel.


Die Lemmel und Lämmel im nördlichen Elsaß

Die vier Lemmel/Lämmel-Stämme im nördlichen Elsaß (Nieder-Elsaß, Bas-Rhin) könnten auf einen gemeinsamen Stammvater zurück zu führen sein, der schon vor 1500 etwa 15 Kilometer nördlich von Straßburg lebte. Hier lag die Herrschaft Lichtenberg, die etwa das Gebiet des Flusses Zorn umfasste, mit den Orten Melsheim, Mommenheim, Bietlenheim und mit der Residenz im Schloss Buchsweiler. Im Jahre 1480 kam Lichtenberg an den Grafen von Hanau (bei Frankfurt/M), und Graf Philip IV von Hanau-Lichtenberg setzte schon 1542 in Buchsweiler einen lutherischen Pfarrer ein. 1548 gab es in Buchsweiler eine Synode aller Pfarrer der Grafschaft Hanau-Lichtenberg [wikipedia]. Um 1600 gab es Kämpfe mit dem katholischen Lothringen, im 30-jährigen Krieg gab es schlimme Verwüstungen, und 1680 kam das Gebiet endgültig an Frankreich. Die Orte der Grafschaft Hanau-Lichtenberg blieben jedoch protestantisch.

In diesem protestantischen Gebiet finden wir die frühesten beurkundeten Lemmel und Lämmel schon vor dem 30-jährigen Krieg. Im Krieg scheinen einige in die Schweiz geflüchtet zu sein, von wo sie nach dem Krieg zurückkehrten.
> In Bietlenheim lebten um 1580 (die Brüder?) Claus und Jörg Lemmel, geboren etwa um 1550, deren zahlreiche Nachkommen hier bis um 1630 nachzuweisen sind, dann aber spurlos verschwinden. Sie dürften im Krieg umgekommen, vermutlich aber geflüchtet sein - wohin, ist nicht bekannt. Der Vater von Claus und Jörg, der etwa 1520 geboren sein muss, hat hier die Einführung der Reformation erlebt.
> In Weitbruch heiratet 1620 Valentin Lemmel, Sohn des etwa 1560 geborenen Bechtold Lemmel, dessen Wohnort nicht angegeben ist.
> Ein etwa 1590 geborener Lorentz Lämmel ist 1657 Bürger von Mommenheim, sein Sohn heiratet 1657 in Buchsweiler eine Schweizerin. - 1668 heiratet in Melsheim ein Peter, Sohn von "Hans Lämmel aus der Schweiz". Hans könnte ein Sohn von Lorentz sein, der im 30-jährigen Krieg mit seiner Familie in die Schweiz geflüchtet sein mag. - Im benachbarten Wilshausen heiratet 1650 ein Margarete Lemmel, die eine Tochter von Lorentz sein dürfte.
>  Die katholischen Lemmel/Lämmel-Stämme beginnen in Ettendorf mit dem um 1620 geborenen Bauern Simon Lemmel. Später beginen zwei andere katholische Stämme in Hochstett und Hagenau. Sie dürften Zweige des Ettendorfer Stammes sein, doch konnte der Zusammenhang noch nicht erforscht werden. Der Stammvater der katholischen Lemmel/Laemmel könnte von einem protestantischen Lemmel abstammen, der durch seine Heirat ins katholische Gebiet gelangte. (Es kann aber auch die Einwanderung eines katholischen Lemmel aus den angrenzenden Gebieten des Bistums Speyer nicht ausgeschlossen werden.).
                                                     o Hagenau
      Buchsweiler o         o Ettendorf              
                                          o Hochstett
                           o Wilshausen             o Weitbruch
                    Melsheim o      o Mommenheim
                                                  o o Bietlenheim
                                        Geudertheim



                                                    o Straßburg
25.12.2012
> Weiter westlich, in Laudrefang in Lothringen, beginnt ein weiterer katholischer Lemmel-Stamm mit dem etwa um 1640 geborenen Hubert Lemmel. Über seine Herkunft ist nichts bekannt, aber ein Zusammenhang mit dem Ettendorfer Lemmel-Stamm ist denkbar.


Lemmel / Lemel in Frankreich

Naturgemäß gibt es in allen Elsässer Lemmel-Stämmen Abwanderungen nach Paris und in andere französische Regionen. Dort gibt es noch etliche Lemmel, die nach den bisherigen Kenntnissen nicht sicher zugeordnet werden können. Siehe die separate Liste von Lemmel/Laemmel-Zufallsfunden in Frankreich.

Einige weitere Lemmel in Frankreich stammen aus Deutschland, insbesondere aus dem "Lemmel-Stamm Lötzen" aus Ostpreußen.


Abstammung der Elsässer Lemmel aus Deutschland?

Die meisten Namensträger Lemmel und Lämmel in Deutschland und den Nachbarländern stammen (teils nachweislich, teils mit grosser Wahrscheinlichkeit) von Chunrad Lembelin ab, der um 1300 in Nürnberg lebte. Sein Ururenkel Merten Lemlein/Lemmel ging 1437 nach Chemnitz in Sachsen, wo er eine überaus zahlreiche Nachkommenschaft hat. Zwei seiner Nachkommen, die Kaufleute Hans und Steffan Lemmel/Lämbl, lebten um 1580 in Wien, der eine als Ratsherr, der andere als aktiver Protestantenführer. Ihre Nachkommen waren gezwungen, als Protestanten Wien zu verlassen. Früher hatte ich es für möglich gehalten, dass einer dieser Nachkommen der "Hans Lämmel in der Schweiz" sein könnte, der Stammvater der Melsheimer Lemmel. Aber nach neueren Erkenntnissen muss ich diese Hypothese ausschließen.

Aber ein anderer Nachkomme der Wiener Lemmel begab sich in die Dienste des Fürsten Lobkowitz in Böhmen, und sein Nachkomme dürfte "Georg Lemmel aus Böhmen" sein, der 1728 in Rahling heiratet und Stammvater der Rahlinger Lemmel wird. Einzelheiten hierzu siehe die Stammfolgen der Lemmel aus Nürnberg, Bamberg, Chemnitz, Schneeberg/Erzgebirge und Wien/Waldthurn.

Für die Ebersheimer Lämmel ist die Abstammung aus dem Schweizer Aargau nachgewiesen. Dort hiessen die Vorfahren um 1700 Lämli/Lambli. Der Ahnherr Urs Lämli kam 1659 nach Reitnau/Aargau, vermutlich aus einem anderen Schweizer Ort. Forschungen, die noch weiter zurück führen könnten, wurden nicht durchgeführt.

So kann also nur für zwei Elsässer Lemmel-Stämme, nämlich die Lemmel aus Rahling und die Laemmel aus Ebersheim die Herkunft aus dem Ausland angegeben werden. Die anderen Elsässer Lemmel/Lämmel sind alt eingesessen, und ihr gemeinsamer Stammvater scheint um 1500 in der Herrschaft Lichtenberg nördlich von Straßburg gelebt zu haben.

H.D. Lemmel

Ende
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