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Franz Lemmel  - Kellerhauswirt in Chemnitz


Franz Lemmel wurde in Neustadt bei Chemnitz geboren und in der Chemnitzer Niklaskirche am 3.3.1650 getauft. Sein Vater Hans Lemmel war ein "Mälzer" in Neustadt. Er produzierte Malz, das er an die brauberechtigten Chemnitzer Bürger verkaufte. Auch der Sohn Franz wurde ein Mälzer. Am 29.10.1672 heiratete er in der Niklaskirche die Justina Gräfner, hinterlassene Tochter von Hans Gräfner, der ein Schäfer auf dem Gut Höckricht gewesen war.

Der Familienname, der in seinem Taufeintrag "Lemmel" geschrieben wurde, kommt in den Urkunden meist als "Lämmel", seltener "Lemmel", gelegentlich auch als "Lämbler" oder "Lamel" vor.

Bis 1697 lebte Franz Lemmel als Mälzer in Neustadt, wo er das Ehrenamt eines Gerichtsschöffen bekleidete. Er muss als Mälzer gute Geschäfte gemacht haben, denn 1698 kaufte er in Chemnitz einen "freien" Erbgarten mit einem "Kellerhaus", einer Bierwirtschaft unter dem Schloss. Dabei erhielt er die Erlaubnis, hier fremdes Weißbier auszuschenken, wofür er jedoch Abgaben an die Chemnitzer Braugewerkschaft entrichten musste. Er zog jetzt ganz in die Stadt und verkaufte 1699 sein bisheriges Anwesen in Neustadt.

Um das Jahr 2000 wurde das Kellerhaus von seinem Eigentümer Peter Fritzsche liebevoll saniert. Aus einem Aufsatz hierüber in der Freien Presse ist zu entnehmen, dass der Kellerhaus-Wirt Franz Lämmel schon 1680 einen "Bierstreit" auslöste, weil er neben eigenem auch fremdes Bier ausschenkte. Demnach muss er das Kellerhaus schon vor 1680 gepachtet haben. Als er dann 1680 das Kellerhaus kaufte, ließ er, nach leidvoller Erfahrung, sich die Erlaubnis, fremdes Bier auszuschenken, eigens bestätigen.

Dass der Erbgarten als "frei" bezeichnet wird, bedeutet, dass er abgabenfrei war und direkt dem Kurfürsten unterstand. 1711 wird Franz Lämmel als "Freigärtner in Chemnitz unter dem Schlosse" bezeichnet, einmal sogar, etwas hochtrabend, als Besitzer des "Königl. u. fürstl. Sächs. Gutes" unter dem Schloss.

1717 starb er im Alter von 67 Jahren. Er hinterließ vier Töchter und zwei Söhne: Johann Lemmel, Bäcker in Chemnitz, der 1733 nach Stelzendorf zog; und Christoph Lemmel, der 1715 vom Vater Erbgarten und Kellerhaus übernahm, beides aber bereits 1719 an den Gastwirt Christoph Klingisch verkaufte, um sich 1723 ein Bauerngur in Stelzendorf zu kaufen.

So hat Franz Lemmel ein unscheinbares bürgerliches Leben geführt. Aber er war der Bruder eines bedeutenden Mannes. Sein älterer Bruder Johann Lemmel war mit dem Mälzerberuf seines Vaters nicht zufrieden. Als junger Mann ging er nach Leipzig, wurde dort Handelsbedienter, dann ein erfolgreicher Kaufmann. 1681 trat er in Dresden in den Dienst von Kurfürst Johann Georg dem Dritten und wurde dessen "General-Kriegszahlmeister". Alsbald erwarb er Rittergüter in der Umgebung von Dresden.1692 stiftete er der Chemnitzer Niklaskirche eine Glocke. Als August der Starke Kurfürst wurde, war es Johann Lemmels Finanzierungsgeschick zu verdanken, dass August 1697 die polnische Königskrone erringen konnte. Johann Lemmel war nun nicht nur kurfürstlich sächsischer sondern auch königlich polnischer Kriegsrat und General-Kriegszahlmeister.

Der Chemnitzer Franz Lemmel hat es vermutlich der Protektion seines einflussreichen Bruders zu verdanken, dass er 1698, also kurz nach der 1697 erfolgten Königskrönung Augusts des Starken, das "Königl. u. fürstl. Sächs. Gut" unter dem Chemnitzer Schloss erwerben konnte. Aber es blieb nicht in der Familie, und die beiden Söhne gingen nach Stelzendorf.

H.D.Lemmel
1.3.2001, revidiert 1.3.2002

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