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Markgrafenkriege
1. Hans Lemlein im Markgrafenkrieg
1449-1450
Der nürnbergische Dichter Hanns
Rosenblüt lebte und schrieb um 1450. Aus einer sehr alten
handgeschriebenen Sammlung seiner Gedichte ist hier das folgende
auszugsweise wiedergegeben.
"Vom Krieg zu Nürnberg,
oder eigentlich: poetische Beschreibung des Krieges, welchen anno 1449
und 1450 die Stadt Nürnberg mit Markgraf Albrecht geführt
hat."
Gegen Schluss des über 20 Seiten langen Gedichtes:
Da nun die sach ein ende nam,
da triben wir zu hauffen unser vih.
Der Reuß und der von Kauff kam
und sprachen wir bleiben heint nicht hie.
Da waren vier Genannte und vier Ratheren:
der Linhart Mendel und Linhart
Stromer
die rieten wir solten heym hin keren
dass unter uns nicht wurde ein Jamer
dass uns nicht bey der nacht misselingen
wenn einer den andern nicht wol kent,
Iheronimus Kress und Her
Sewolt Pfintzing.
Das sein die vier Genannten genent:
Hans
Lemlein, Peter Mendel
der Jung,
der Ludwig Pfinzing was auch
mit,
die machten wieder ein ordenung,
Jobst Tetzel war das oberst
glidt.
Die ordinirten uns wider zu hauffen
dass wir wider heym zugen mit rw (=Ruhe).
Der Rewss von blawen (=Plauen)
und der von Kauffen
die hütten getrewlichen hinden zu,
dass wir mit frewden hinheim kommen
von unsern veinden awss Iren Landen.
Dass unser nicht mere schaden nomen
dann zween der ein von unsern handen,
des sey got lob und danck gesendt,
dass er unns sein gnad hat verliehen.
[Georg Ernst Waldau: Vermischte Beyträge zur Geschichte der Stadt
Nürnberg, Band 4, Nürnberg 1789, Seiten 83 ff. - GL 1980]
Anmerkung: Der "von Kauff(en)" ist Kunz von Kauffungen, der einige
Jahre später durch den sächsischen Prinzenraub bekannt wurde.
Ihn erwähne ich in Kapitel 5.2 meines Aufsatzes über die Lemmel in der Oberpfalz.
2. Die Lemblein-Kapelle in
Affalterbach
Die Auseinandersetzungen mit den Markgrafen dauerten an, bis es
1552-1555 zum Zweiten Markgrafenkrieg kam. Aber auch zwischen den
beiden Markgrafenkriegen gabe es andauernde Streitigkeiten. Daran
erinnert ein Eintrag in einer Nürnberger Chronik.
"Von den Lemblein ist Hanß
Lemblein biß uff 1473 Jahr im Rath gangen, und er ist ein
Kriegßherr und Hauptmann über die Reysingen gewessen. - Diese Lemblein haben die Kapelle zu
Affalterbach gebauet da die
Schlacht mit dem Markgraffen Casimirus und denen von Nürnberg
geschehen ist im 1502 Jahr."
[Staatsarchiv Nürnberg, Bestand Rst.Nbg. Hs.240]
Affalterbach ist ein heute kaum noch feststellbarer kleiner Ort
zwischen Ochenbruck und Rummelsberg, hart an der Grenze des
Landgebietes der Reichsstadt Nürnberg. Hier gab es ein Gut (das um
1440 dem Nürnberger Ulrich Rummel gehörte) und eine kleine
Wallfahrtskirche. Der Markgraf von Brandenburg-Kulmbach beanspruchte
Affalterbach für sich und drohte 1502 mit einem Angriff. Der
Nürnberger Rat ließ die Hauptleute Hans v.Weichsdorf und
Wolf Haller mit 2000 Mann nebst 12 Geschützen nach Affalterbach
ziehen, während der Hauptmann Ulmann Stromer mit 800 Bürgern
und 50 Reisigen den Schutz der Stadt Nürnberg übernahm. Der
Brandenburger Casimir, zukünftiger Markgraf und erst 20 Jahre alt,
zog daraufhin mit seinen 7000 Fußknechten und 450 Reisigen nicht
gegen Affalterbach sondern gegen Nürnberg, wo er einen Vorort
überfiel. Als daraufhin Ulmann Stromer mit seinen schwachen
Kräften die Brandenburger vertreiben wollte, wurde er übel
geschlagen. - Von der Kapelle in Affalterbach heißt es schon
1488, dass sie baufällig ist. Und 1495 gibt es einen Ratserlass,
der dem Nürnberger Bürger Seibolt Schürstab freie Hand
lässt, "das Kirchlein zu bauen oder nicht".
[Internet 2009, Wikipedia unter Affalterbach]
Jetzt, nach dem Streit mit dem Markgrafen, war es dem Nürnberger
Rat wichtig, seine Hoheit in Affalterbach zu demonstrieren. Dazu
gehörte der "Kirchweihschutz", und so musste nun "das Kirchlein"
gebaut werden. Warum sich nun "die Lemblein" erboten, die Kapelle zu
bauen, ist nicht bekannt. "Die Lemblein", das waren zu dieser Zeit
Caspar, der Sohn des Ratsherren Hans Lemlein, und Caspars Vetter
Michel. Beide waren kinderlos und gehörten zu den reichsten
Bürgern Nürnbergs. In der Gegend von Affalterbach hatten sie
keinen Besitz. Ging es um Mäzenatentum, als sie die Kapelle
erbauten? Oder hatten sie eine Verpflichtung gegenüber dem
Nürnberger Rat abzutragen? Hierzu ist keine Urkunde bekannt
geworden, die Auskunft geben würde.
H.D. Lemmel, März 2009
bs