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Hans Lemmel/Lämbl - Kaufmann und Ratsherr in Wien

Hans Lemmel wurde 1531 in Schneeberg im sächsischen Erzgebirge als Sohn eines Bergbau-Unternehmers geboren. 1557 wurde er Bürger in Wien als "Hans Lembl, Kramer". Aus dem "Kramer" wurde bald ein wohlhabender Handelsmann. Um 1560 heiratete er in Wien die Ursula Pirkhamer, Tochter eines Wiener Ratsherrn. Ihr Bruder wurde Rektor der Wiener Universität.

Als Nachfolger seines Schwiegervaters wurde Hans Lemmel Mitglied des Äußeren Rates, wobei er als "Grundbuchshändler" das Wiener Grundbuch führte. Zu dieser Zeit war Wien protestantisch. Hans Lemmel war "Kirchmeister" der Wiener Michaelskirche, gleich gegenüber der Hofburg.
 
Beim Familientag 1976 wurde die Michaelerkirche, in der Hans Lemmel gewirkt hatte, besichtigt.

Nicht weit von der Michaelerkirche besaß Hans Lemmel das Haus Preidenstraße Nr.138 (Habsburgerstr.3 =heutige Adresse ), nahe am Graben. Für dieses Haus war er im kaiserlichen "Hofquartierbuch" eingetragen. Er musste also gelegentlich Gäste des Hofes beherbergen. In den Akten des Oberkammeramtes ist er durch zwei Jahrzehnte als Geldgeber verzeichnet. Zum Beispiel erlegt er der Stadt Wien 300 Gulden wegen "vorgefallener Notdurft", oder 200 Gulden zu einem kaiserlichen "Anlehen des polnischen Wesens halber". 1601 stirbt er, nachdem er ein Testament verfasst hatte. Seine Kinder müssen in der nun einsetzenden Gegenreformation Wien verlassen. Sein Bruder (oder Vetter) Steffan Lemmel hatte als aktiver Protestantenführer bereits 1584 Wien verlassen müssen.

Sein Sohn Martin ging in den noch protestantisch verbliebenen Ort Eslarn im Oberpfälzer Wald, wo seine Nachkommen doch katholisch wurden und in Lobkowitzsche Dienste traten und um 1700 nach Wien zurückkehrten, als Kanzleibeamter und als kaiserlicher Leiblakai.

Ausführlich siehe den Aufsatz: Hans Lemmel in Wien - Handelsmann, Ratsherr, Protestant
Zu seinem "Familienblatt" mit Urkundenregesten.


[Johann Seivert, Ungarisches Magazin 1782, Band 2 Seite 293]