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Das Waldkrankenhaus Heinschenwalde

Fotos und Text von Hans-Dietrich Lemmel, ergänzt März 2010

Die Einwohnerzahl des Kreises Bremervörde hatte sich durch den Zuzug der Flüchtlinge nahezu verdoppelt, so dass das Kreiskrankenhaus erweitert werden musste. Dazu wurde in Heinschenwalde in der ehemaligen Munitionsanstalt (auch Marine-Sperrzeugamt, Minendepot, oder kurz Muna genannt) das Waldkrankenhaus errichtet. Darüber gibt es folgenden Bericht:



[Dr. Elfriede Bachmann: Hundert Jahre Kreiskrankenhaus Bremervörde. Heimatbeilage der Bremervörder Zeitung 21.11.1992]

Unser Vater, Dr. Lemmel, war von den Engländern in Sandbostel interniert, während die Familie ohne Vater in Isenhagen in der Lüneburger Heide saß, wo wir im Februar 1945 als Flüchtlinge aus Ostpreußen  eingetroffen waren. In Sandbostel hatte Dr. Lemmel die Funktion des Lagerarztes, wobei er mit seinen Patienten regelmäßig ins Bremervörder Krankenhaus reiste, um Röntgenapparat, Labor und anderes zu benutzen. Im Dezember 1947 wurde er entlassen und bekam ab Januar 1948 die Stelle als Chefarzt der Inneren Abteilung des Kreiskrankenhauses, die nach Heinschenwalde ausgelagert wurde.

Am 6.Januar 1948 übernahm er sein Amt mit etwas über 30 Patienten. Jeden Dienstag und Donnerstag wurde er von Herrn Sprekels mit dem Krankenwagen nach Bremervörde gefahren, um im dortigen Krankenhaus die Sprechstunden für die ambulanten Patienten abzuhalten.

Im Januar 1948 war das Krankenhaus schon mit Schwestern und Personal in Betrieb, wenn auch mit dürftigster Ausstattung. Im August und Dezember 1947 waren Strohsäcke nach Heinschenwalde geliefert worden. Auch bei alten, bettlägerigen Menschen musste man sich mit einem Strohsack als Ersatz für die fehlenden Matratzen behelfen [E.Bachmann].

In einem Brief, mit recht mangelhafter uralter Schreibmaschine geschrieben, berichtete Dr.Lemmel, dass er am 2.Februar mit dem Landrat nach Sandbostel fuhr, wo das Lager aufgelöst werden sollte. Es war eine amüsante Situation, als er, der hier noch vor zwei Monaten als ein Häftling eingesperrt gewesen war, nun zusammen mit dem Landrat vom "Governor" des Lagers mit Händedruck begrüßt wurde. Dr.Lemmel sprach fließend Englisch, und der Landrat hatte seine Tochter als Dolmetscherin mitgebracht. Es ging darum, die Bestände des Lagerlazaretts zu übernehmen und nach Heinschenwalde zu bringen. Das erschien zunächst unmöglich, weil das Lager im Ganzen an die deutsche Justizverwaltung übergeben werden müsse. Der Governor versprach jedoch, die Angelegenheit noch am selben Abend mit einem höheren englischen Offizier zu besprechen. Tatsächlich kam schon am nächsten Tag die telefonische Nachricht, dass 30 Betten und Matratzen abgeholt werden können. Am Donnerstag früh um 8 erschien ein Lastwagen mit Dr.Lemmel auf dem Beifahrersitz vor dem Lagertor. Das wurde aber nicht geöffnet. Es war gerade dicke Luft, weil ein Häftling, nämlich der frühere Gauleiter Lauterbacher, über Nacht geflüchtet war. Erst nach einigen Stunden gelang es Dr.Lemmel, der die Wachposten und die englischen Offiziere persönlich kannte, in das Lager hineinzukommen und bei verschiedenen Stellen die notwendigen Papiere und Unterschriften zu erlangen, mit denen der Lastwagen hineinfahren und die Betten und Matratzen aufladen konnte. Eine zweite Fahrt am nächsten Tag musste ausfallen, weil der Lastwagen defekt war. Aber schließlich konnte Heinschenwalde doch mit einem beträchtlichen Teil des Sandbosteler Lagerlazarettes ausgestattet werden.

Trotzdem war die Ausstattung noch mangelhaft, so dass im März 1948 ein Spendenaufruf erfolgte, in dem selbst um Teller, Tassen oder Besen gebeten wurde.
 
 
Auch die Ernährung der Patienten war dürftig.

 
[E.Bachmann 1994 in einer Publikation des Heimatbundes Rotenburg/Wümme e.V.]

Im Januar 1950 erhielt Dr.Lemmel von der Krankenhaus-Belegschaft ein Wilhelm-Busch-Album als Geburtstagsgeschenk. Darin die Unterschriften:
Schwester Elsa Ebel, Schwester Gertrud Wendt, Dr.Meyer-Langsdorff und Frau, Frau E. Stift, Schwester Resi Möller, Schwester Martha Hartwich, Schwester S. Gröschel, Frau Maria Stürtz, Schwester Elisabeth Ostendorff.
 
 
Heinschenwalde lag in der Gemeinde "Einstellige Höfe", und der Bauer Lis, der als Bürgermeister fungierte, stellte unserem Vater einen Flüchtlingsausweis aus.
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Das Waldkrankenhaus Heinschenwalde wurde in einem Munitionsdepot aus den 1930er Jahren  eingerichtet, das zur Tarnung tief im Heinschenwalder Forst versteckt war, mit einzelnen ebenerdigen Klinkerhäusern, die in beträchtlichem Abstand im Wald verteilt waren. Die Familie Lemmel bekam das ehemalige Pförtner-Haus. Das große Fenster der Wachstube wurde unser Wohnzimmer-Fenster. Da das Haus erst noch etwas umgebaut werden musste, konnte die Familie erst im Sommer 1948 einziehen. Hinter dem Haus begann gleich der Wald. In der ersten Zeit konnte man noch direkt von den Fenstern auf Bäume steigen: so gut waren die Häuser zur Tarnung im Wald versteckt. Aber die zu dicht am Haus stehenden Bäume wurden alsbald gefällt, und wir konnten uns einen kleinen Garten rings um das Haus einzäunen, in dem sofort Obst und Blumen angepflanzt wurden.
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Aber bald kam die Anordnung, dass die ganze Anlage "enttarnt" werden müsse. Fünfzig Meter um jedes Haus sollte abgeholzt werden. Nach eindringlichen Protesten erhielt das Krankenhaus eine Ausnahme-Genehmigung, so dass hier die Bäume nur zwanzig Meter um jedes Haus gefällt wurden. Das Foto zeigt die Familie Lemmel am 30.4.1950. Im Hintergrund sind die gefällten Bäume noch zu sehen.

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Hier ein ungefährer Plan des Waldkrankenhauses. Im Wesentlichen bestand es aus drei Stationen, Verwaltung und Küche, die in ebenerdigen Klinkerhäusern im Wald verteilt lagen.

 Von der Hauptstraße her führte eine mit holprigen Steinen gepflasterte Straße als erstes zur Station 1, die aus zwei Häusern bestand. In der Kriegszeit waren hier die Offiziere und Leiter der Munitionsanstalt untergebracht, die außerhalb des Sperrgebietes wohnen durften. - Meine Fotos entstanden wohl Anfang der 1950er Jahre.

Station 1

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 Als nächstes kam man zum Haus Lemmel. Das war in Militärzeiten das Pförtnerhaus gewesen. Man konnte hier noch Reste des Anstaltzaunes und des Einfahrttores entdecken, und es gab noch eine Fahnenstange. Links führte der Weg zum "Moorhof", in dem zu Kriegszeiten das Wachpersonal für die hier eingesetzten Kriegsgefangenen gewohnt hatte.
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Hinter dem Lemmelhaus kam ein quer stehendes Haus, in dem im hinteren Teil der Krankenhausverwalter wohnte. Das war für kurze Zeit Herr Deichmann mit Frau (aus Ostpreußen) und zwei kleinenTöchtern. Die Familie wanderte nach Südamerika aus. Dann kam Herr Stenzel mit Frau und Tochter Gertrud. Sie stammten aus Ostpreußen, wo wir einige gemeinsame Bekannte feststellten. Im vorderen Teil des Hauses war ein großer Lagerraum, in dem allerlei Dinge des Krankenhauses abgestellt waren. Viele Fahrräder waren hier eingestellt, und bei einem Einbruch wurde ausgerechnet das meinige gestohlen. Zwischen allem Gerümpel war noch Platz für eine Tischtennis-Platte, auf der der Assistenzarzt Dr. Förster die Lemmel- und Stenzel-Jugend trainierte.
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Im Wald hinter Stenzels Wohnung waren zwei gesprengte Bunker. Zwischen nun schräg stehenden massiven Betonplatten-Trümmern konnte man in einige Hohlräume hineinkriechen. Das war natürlich verboten aber deswegen umso interessanter. An militärischen Hinterlassenschaften konnte man hier kleine Metallklötze finden, die ich sammelte.
 
Andere eigentümlich geformte Metallstücke waren magnetisch. Es hieß, dass die Minen, die hier produziert und gelagert wurden, magnetische Zünder hatten, die bei Annäherung eines Schiffes zündeten.

  Das folgende Bild zeigt den Blick vom Haus Lemmel. Links das Haus mit dem Lagerraum, in dem hinten Familie Stenzel wohnte. Rechts die Station 2, dahinter das Garagenhaus mit zwei großen Einfahrttoren. Und ganz hinten das "Personalhaus" mit der Krankenhaus-Verwaltung. In dem Garagenhaus war der Krankenwagen untergebracht, mit dem der Fahrer, Herr Sprekels, die Verbindung zum Bremervörder Krankenhaus unterhielt.
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Rechts im Bild ist die Feldbahnschiene zu sehen, die sich durch das Krankenhausgelände zog. Unten an der Hauptstraße hatte sie Anschluss an die Torfbahn, mit der der Torf aus dem Ebersdorfer Moor in langen Lorenzügen an den Heinschenwalder Bahnhof zur Verladung gefahren wurde. Das Torfwerk gehörte der Familie Strenge, mit der wir gelegentlich Kontakt hatten. Mit dieser Feldbahn wurde in Kriegszeiten die hier im Minendepot gelagerte Munition zum Bahnhof Heinschenwalde transportiert und von dort mit der Eisenbahn zu den in Bremerhaven stationierten Kriegsschiffen. Die Laderampe am Bahnhof war jetzt vom Torfwerk Strenge übernommen worden.

Das Krankenhaus hatte einen einzigen Feldbahnwagen, mit dem gelegentlich schwerere Gegenstände zwischen den Häusern transportiert wurden, von Hand geschoben. An Weihnachten bildeten Schwestern und Personal einen Chor, der von Station zu Station zog, um Weihnachtslieder zu singen. Dazu wurde ein Harmonium auf dem Feldbahnwagen transportiert, und auf diesem fuhren einige Sänger gleich mit. Zu Station 1 hin ging es etwas bergab, und bei dem Manöver, den in Schwung gekommenen Waggon zum Stehen zu bringen, purzelten einige der Sänger hinunter, und fast wäre noch das Harmonium auf sie drauf gestürzt. – Die Schienen wurden wenig später entfernt, so dass ein schöner Waldweg neben der Straße her entstand, der aber schon nach einigen Jahren zugewachsen war.

 Nun kommen die Bilder von Station 2. Von den Personen kann ich nur Schwester Gertrud Wendt benennen, im Gruppenbild die dritte von links, und weiter unten im Eckzimmer (mit zwei Fenstern) am runden Tisch sitzend.
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Hier das "Personalhaus", von der Rückseite aus gesehen, mit dem Verwaltungsbüro. Hier stand der Röntgenapparat, und hier war auch die Badewanne für Patienten und Personal. Es war meines Wissens die einzige Badewanne des ganzen Krankenhauses. Auch die Familie Lemmel ließ sich Termine zum Baden vormerken.
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Schräg gegenüber war das Heizhaus, das die ganze Anlage mit einer Fernheizung versorgte. Für damalige Zeiten eine beachtliche technische Errungenschaft. In Militärzeiten hatte das freilich der Tarnung gedient, denn wenn jedes Haus einzeln beheizt worden wäre, hätten die feindlichen Flieger die vielen Schornsteine und Rauchwolken entdecken können.
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 Eine rechts abzweigende Straße führte zur Station 3. Der lange Herr rechts ist der Assistenzarzt Dr.Ullerich.
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Schräg gegenüber war das Küchenhaus. Daneben gab es einen Schweinestall, denn damals hielt jedes Krankenhaus ein oder zwei Schweine, um übrig gebliebenes Essen zu verwerten.
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Um das Essen von der Küche zu den Stationen zu fahren, dazu war der Herr Dohrmann da.
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Mit Heizhaus, Station 3 und Küche endete das Gelände des Krankenhauses. In einem Gebäude hinter der Küche wurde zu Ostern 1951 eine Volksschule eingerichtet. Mein jüngerer Bruder Arnold, der 1949 eingeschult wurde, musste zunächst noch den weiten Weg (ca 40 Minuten) nach Hipstedt in die Schule gehen, wohin ihn unsere Mutter gelegentlich auf dem Gepäckträger des Fahrrades transportierte. So kam die Heinschenwalder Schule gerade recht, die dann auch der jüngste Bruder Andreas besuchte.

In der Schule gab es gelegentlich ein Kino: "Wanderlichtspiele Jaki". Eine sehr willkommene Abwechslung in der Waldeinsamkeit. Da gab es nur einen einzigen Projektionsapparat. Wenn eine Filmspule abgelaufen war, entstand eine längere Pause, bis der Film zurück gespult und die nächste Filmspule aufgelegt war.

Weiter draußen gab es an zwei oder drei Querstraßen etliche Häuser der Munitionsanstalt. Hier hatte die "Enttarnung", wegen der um jedes Haus 50 Meter abgeholzt worden war, zu einem weiträumigen Kahlschlag geführt. In diesen nun frei im Kahlschlag stehenden Häusern richteten einige Flüchtlingsfamilien ihre Betriebe ein. Für die Hühnerfarm Vollmer war der Waldboden mit den Baumstümpfen ein geeignetes Gelände, über dem aber zum Schutz gegen Raubvögel Maschendraht aufgespannt werden musste.  An anderen Stellen wurden die Baumstümpfe gerodet und der Boden urbar gemacht. Engeren Kontakt hatten wir mit der Familie Pottel, die eine Hemdenfabrik eröffnete. Ein besonders robustes Hemd, dass gut verkauft wurde, hieß "Archibald-Douglas-Hemd", weil Theodor Fontanes Ballade dieses Titels mit den Worten anfing: "Ich hab es getragen sieben Jahr...". Ein nicht ganz offizieller Werbespruch hieß: "Sei kein Trottel, kauf bei Pottel!" Schon Anfang der 1950er Jahre zogen Pottels fort. Im Rahmen der gleichmäßigeren Verteilung der Flüchtlinge auf alle Bundesländer kamen sie nach Rheinland-Pfalz, wo wir noch einige Zeit Briefkontakt hatten.

Weiter hinten rechts hatte Herr Erler einen kleinen Kaufladen mit einer kleinen Gastwirtschaft eingerichtet. Das war der einzige Laden weit und breit. Für alles was es hier nicht gab, musste man nach Bremervörde zum Einkaufen fahren. Dazu richtete Herr Stoss, auch ein Flüchtling, eine Buslinie ein. Aber parallel zur Bahnlinie hatte die Bundesbahn ein Monopol, und so wurde die Buslinie verboten. Die Bundesbahn musste daraufhin noch einige zusätzliche Verbindungen in den Fahrplan aufnehmen, und so fuhr, da es noch keine Triebwagen gab, eine große Dampflok mit einem Personenwagen und einem Gepäckwagen mehrmals am Tag zwischen Bremervörde und Heinschenwalde hin und her. Das war aber ein schlechter Ersatz für den Stoss-Bus, denn vom Bahnhof zum Waldkrankenhaus war es noch ein gutes Stück zu Fuß.

Es war eine Sensation, als Herr Erler in seiner Gastwirtschaft den ersten Fernseher aufstellte. Schwarz-weiß natürlich, und für heutige Verhältnisse ziemlich kleines Format und dürftige Bildqualität. Dennoch eine große Attraktion. Ein großes Gedränge gab es hier, als 1954 das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft übertragen wurde.

Innerhalb des Krankenhauses, aber auch bis Bremervörde, war man auf Fahrrädern unterwegs. Der Fahrradrahmen musste mit dem Namen des Besitzers beschriftet sein, und dazu gehörte eine "Fahrradkarte". Da gab es jemanden, der eine Stelle des Rahmens weiß lackierte und mit einem Schweißgerät in das weiße Feld den Namen einbrannte.

  
 1954 wurde der Neubau des Bremervörder Krankenhauses fertig gestellt, und das Waldkrankenhaus wurde geschlossen. Familie Lemmel verbrachte hier noch einen lausigen Winter 1954/1955 mit einem notdürftig eingebauten Ofen, mit dem Ofenrohr zum Fenster hinaus, denn die Fernheizung des Krankenhauses war nicht mehr in Betrieb. Im Sommer 1955 wurde das Eigenheim in der Hermann-Löns-Straße in Bremervörde bezogen.

In die verlassenen Krankenhaus-Gebäude zog eine Schule der Deutschen Lehranstalt für Agrartechnik (DEULA) ein, deren Leiter in das Lemmel-Haus einzog.



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Ein Patientendank

Text und Fotos von Frau Ruth Struwe aus Bremervörde
Weihnachten 1954 für Dr.Lemmel gewidmet.

Waldkrankenhaus Heinschenwalde

Kommst du auf dem Bahnhof an,
ist es längst noch nicht getan.
Erst musst durch den Wald du gehen,
um das Krankenhaus zu sehen.

  
 


Haus 1
Ach die 1, das ist ein Kummer,
hier flieht manchem Aug der Schlummer,
weil der Fragen viele sind,
die man zu bewältgen find'.
Aber man hilft sie dir tragen,
musst mal Schwester Erika fragen;
eh sie in die Schweiz wird gehn,
wird sie alles erst versehn.
 


Haus 2
Melden muss man sich auf 2,
Schlimmes ist da nicht dabei.
Freundlich wird das Bett bestimmt,
das dich nun gefangen nimmt.
Mit der Freiheit ist es aus,
du kommst nicht so bald nach Haus.
Aber du darfst darauf hoffen,
einmal steht die Tür doch offen.
 

Wichtig, dass du dich lebst ein,
weil dich alle gut betreun.
Schwester Gertrud, des Hauses Leiterin,
hat dein Gutes nur im Sinn.
Schon ist sie von einem zum anderen gesaust.
Ob ihr nicht der Kopf von braust?
      

Haus 3
Wie Dornröschen ganz versteckt,
endlich hat man es entdeckt,
liegt Haus 3.
Seht mal Schwester Thea an,
o wie flink sie laufen kann,
eh du es hast recht erfasst,
hat sie dir ne Spritz verpasst.
König ist jeder auf seiner Station,
und der Dienst trägt seinen Lohn.


Küche
Gegenüber liegt die Küche.
Daher kommen gute Gerüche.
Mancher schon am Morgen weiß,
ob es Fleisch gibt oder Reis.

 
Personalhaus
liegt am Wege.
Dorthin führen viele Stege.
Von hier aus wird das Haus geleitet,
was nicht immer Freud bedeutet.
Hier ist noch so manches drin,
was dir nicht kommt in den Sinn.
Ein Röntgenschirm ist auch im Haus.
Weh dir, du ziehst dich nicht rasch aus!
Hier wirst von innen du besehn,
ob du hässlich oder schön.

 
Auf dem Rade ohne Kette
um die Wette
fährt der Doktor, hoch im Bogen
kommt er um die Eck geflogen.
Es wird doch nicht etwa brennen?
Alles scheint hier nur zu rennen
von dem Chef des Hauses an
bis zum letzten Arbeitsmann.
Ob es frisch und jung erhält?
Ob es nötig auf der Welt?
Ob ein Kranker es euch lohnt,
dass ihr euch so wenig schont?

Nun aus Dank ist dies getan,
nehmt es bitte gerne an.
 
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Die gesamte Anlage des Waldkrankenhauses wurde um 2005 abgerissen und das Gelände aufgeforstet.
Das ehemalige Lemmel-Haus im Jahre 2003, kurz bevor es abgerissen wurde.

[ Fotos Arnold Lemmel 2003]

 
Heute ist im Luftbild kaum noch etwas vom Waldkrankenhaus zu erahnen.
[Internet 2010]

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