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Die Leichenpredigten auf Johann Lämmel (+ 1705)
sowie auf seine Mutter und seine Ehefrau.
In der Sammlung Stolberg gibt es die folgenden Leichenpredigten:
LP 3129 auf Johann Lämmel, gestorben 1705, sächsisch-polnischer General-Kriegszahlmeister
LP 14804 auf Anna Lämmel geborene Neuber, gestorben 1688, Mutter des General-Kriegszahlmeisters
LP 3088 auf Aemilie Lämmel geborene Thomae, Ehefrau des General-Kriegszahlmeisters
Mikrofilm-Kopien der Lebenslauf-Kapitel aus diesen Leichenpredigten
erhielt ich 2008 von der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel.
Daraus habe ich die wesentlichen Fakten herausgeschrieben.

Die Fakten aus Johann Lämmels Leichenpredigt
>Johann Lämmel geboren 18.4.1644 auf dem freiherrlich Taubischen Gut Neukirchen, getauft am 19.4.
>Eltern: Johann Lämmel, Bürger zu Chemnitz; Anna, Tochter von Herrn Mattheus Neuber in Neukirchen.
>Er lernte bis ins 12. Jahr bei den Eltern Schreiben und Rechnen.
>Zum Neujahrs-Markt 1656, also knapp 12-jährig, ging er nach
Leipzig und kam in die Lehre zu Herrn Zacharias Crahmer, Ratsherr und
Handelsmann. Er blieb 13 Jahre, die letzten 5 Jahre als Diener, der die
letzten 3 Jahre mehrfach außer Landes verschickt wurde, u.a. nach
Pohlen, Wilda, Ukraine, Litauen. (Mit Wilda kann ein südlicher
Vorort von Posen gemeint sein. – HDL.)
>1669 demissionierte er bei Crahmer und ging nach Dresden in den
Dienst des Kurprinzen Johann Georg, und zwar zunächst als
"Hof-Handelsmann", dann 1671 als "Fourier" bei der Kurprinzlichen
Leib-Garde zu Fuß, dann als Regiments-Sekretär des
Kurprinzlichen Kürassier-Regiments.
>Regiments-Quartiermeister, als das Regiment mit der kaiserlichen
Armee gegen Frankreich zog. (Das könnte 1673 gewesen sein, als der
Kaiser Wilhelm von Oranien gegen Frankreich unterstützte. – HDL)
>Als der Kurprinz als Johann Georg der III. Kurfürst wurde
(1680 – HDL), wurde dem Johann Lämmel als Kriegs-Zahlmeister die
"Kriegs-Casse anvertraut".
>1686 gingen 5 Regimenter nach Ungarn gegen die Türken. Johann
Lämmel, der der Eroberung Ofens persönlich beiwohnte und
nicht nur die sächsischen Truppen sondern auch die Truppen von
Kaiser Leopold dem I. versorgte, wurde nun zum
General-Kriegs-Zahlmeister und Proviantmeister ernannt. Das
Proviant-Amt behielt er nicht lange.
>Nach dem Tod (1691 – HDL) von Johann Georg dem III. wurde er von
dessen Söhnen und Nachfolgern (Johann Georg der IV. 1691-1694;
Friedrich August genannt August der Starke ab 1694) im
General-Kriegs-Zahlmeister-Amt bestätigt. 1701 wurde er zum
"Geheimen Kriegsrat" ernannt.
>Am 2.5.1705 reiste er, schon krank, zur Messe nach Leipzig, wo er
am 26.5. starb. Beigesetzt "in seiner vorlängst ausgesehenen und
ausgebaueten Ruhestätte in der von dem seligen Manne iederzeit so
werthgehaltenen Kirche zu Possendorff".
>Am 19.7.1669 heiratete er in Dresden die Jungfrau Aemilia, Tochter
von Benedict Thomae, königlich schwedischer
Regiments-Quartiermeister. Sie starb am 24.7.1688. Ihre
unverheiratete Schwester lebte darauf bei Johann Lämmel.
> Am 9.6.1693 heiratete er in Wittenberg Justina Seyfried, Witwe von Christian Zahn, Kur-Kreis-Amtmann zu Wittenberg.
>3 Töchter aus erster Ehe:
>1. Johanna Margaretha, oo1) 24.10.1692 mit Georg Wilhelm
Trosch(en), Kurf.Sächs. Obrist-Lieutenant; als Witwe oo2)
21.4.1700 mit Hans Georg v.Minkwitz auf Ober-Nitzschka, Amts-Hauptmann
und Landschul-Inspektor zu Grimma. – Tochter aus erster Ehe: Aemilia
Engelburg, jung gestorben. – 4 Kinder aus 2.Ehe: Johanna Charlotte,
Johann Carl Eberhardt, George Friedrich jung gestorben, Rahel Christina.
>2. Johanna Rahel, gestorben 1696; oo 10.7.1688 mit Otto Heinrich
d'Egidii auf Badrin, Kurf.Sächs. Hauptmann, dann kgl.poln. Obrist
über ein Regiment zu Fuß, Anno 1703 von
meuchelmörderischer Hand des Gembiski zu Posen ermordet. – 4
Kinder: Johann Otto, Samuel Heinrich, Gottlob Alexander jung gestorben,
Johanna Henriette jung gestorben.
>3. Johanna Aemilie oo 30.10.1693 mit Christian Ehrenreich Nerger,
kgl.poln. und kurf.sächs. Hauptmann, dann Oberst-Lieutenant. – 4
Kinder: Johanna Aemilia, Christian Ehrenreich, Johann Joachim, Anna
Catharina.

Die Fakten aus der Leichenpredigt von Johann Lämmels Ehefrau Aemilia
>Aemilia Geb. Thomaein, Herrn Johann Lämmels auf Kahrsdorff und
Theisewitz, Sr. Churfl. Durchl. zu Sachsen wohlbestallten
General-Kriegszahlmeisters Eheliebste. Leichenpredigt in der Kirche zu
Possendorf am 7.8.1688.
>Aemilia, geboren 22.3.1640 zu Meissen. Vater: Benedictus
Thomæus, Regiments-Quartiermeister, anfangs bei dem
Kgl.Schwedischen Rhein-Gräflichen, später bei dem
Kurf.Sächsischen Regiment zu Pferde. Mutter: Engelburg, Tochter
von Nicolaus Beck, gestorben 1652, Archidiacon bei der Johanniskirche
in Flensburg, und seiner Frau Anna Catharina geb. Calixtin.
> Im Alter von 15 Jahren kam sie zu Frau Hof-Rätin Panzschmann
nach Riesa, wo sie Hauswirtschaft lernte. Nach 6 Jahren kam sie nach
Dresden in die Dienste von verschiedenen Leuten.
> Am 19.7.1669 Heirat in Dresden mit Johann Lämmel. 3
Töchter: 1. Jungfer Johanna Margaretha; 2. Johann Rachel, oo
10.7.1688 mit Otto Heinrichen Ægidii, Hauptmann in Herrn v.
Flemmings Regiment; 3. Jungfer Johanna Aemilia.
> Sie versorgte ihre Mutter, die am 10.7.1684 in Possendorf starb.
>In ihrer Krankheit wurde sie von den Ärzten D. Lehmann und D.
Erntel behandelt und von den Pfarrern M. Jerichovio und M. Johann
Seebisch. Sie hat eine unverheiratete Schwester, der sie ihre Kinder
anvertraut, und eine verheiratete Schwester, Frau Quartiermeister
Rautenberger. Gestorben am 24.7.1688. "Letzter Ehrendienst zu
Possendorf".

Die Fakten aus der Leichenpredigt von Johann Lämmels Mutter
>Frau Anna, des weiland Meister Johann Lämmels aus der Neustadt
36 Jährig gewesenen Mältzers der Stadt Chemnitz
hinterlassenen Witwe. Leichenpredigt, den 17.10.1677 in der Kirche
St.Nicolai.
>Anna Neuber geboren 5.9.1610 in Neustadt. Vater: Matthäus
Neuber, Hochherrlich Taubischer Gärtner. Mutter: Elisabeth geb.
Arnoldin. Paten: Johann Ludewig, Richter; Frau Margaretha, Felix
Ludewigs allda ehel. Hauswirtin; Jgfr Anna Maria, George Schultzens,
Bürger und Bäcker der Stadt Chemnitz, eheleibl. Tochter.
>Verheiratet 1629 mit Johann Lämmel, Mälzer hiesiger
Stadt, ein junger und ohne Kinder lebender Witwer. 4 Söhne und 4
Töchter, wovon 2 Söhne schon vor 1677 starben.
>Auf ihrem Krankenlager wurde sie besucht von ihrer kranken Tochter,
vom HochGräflich Taubischen Amtmann zu Neukirch und Höckrich
Herrn Georg Beutler, und auch von ihrem Herrn Sohn des Herrn
Regiments-Quartiermeisters. Sie starb am Morgen des 17.10.1677 und
wurde 61 Jahre und 6 Wochen alt.