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Josef Otto Lämmel
(1891-1980) - Schriftsteller in Graz
Um 1975 bei einem Vortrag in
Salzburg
Josef Otto Lämmel
Notizen von Hans-Dietrich Lemmel, Wien, August 2004, auf Grund
persönlicher Kontakte mit Josef Otto Lämmel
Geboren 22.4.1891 in Waidhofen/Ybbs, gestorben 1.7.1980 in Graz.
Josef Otto Lämmel, Rufname Otto, entstammte einer
österreichischen Beamtenfamilie. Der Vater Heinrich Lämmel,
1851 in Wien geboren, war Eisenbahn-Beamter, zunächst in Wien,
dann in Waidhofen an der Ybbs, schließlich in Villach, wo er 1923
starb. Sein Beamtengehalt reichte nicht aus, die große Familie
mit neun Kindern zu ernähren, so dass der Sohn Otto zu einem
Bauern in Eggendorf bei Hartberg gegeben wurde, wo er zu einem echten
Steirer heranwuchs.
Der weitere Lebenslauf (Steirischer Schriftstellerbund in Graz, 1939
Emigration nach England, 1962 Rückkehr nach Graz) kann seiner
selbst verfassten Kurzbiografie entnommen werden. Die darin enthaltene
Werke-Liste muss mit Folgendem ergänzt werden:
- Josef Otto Lämmel: Das Unzerstörbare. Eine Art
biographischer Roman.
Heimatland-Verlag, Wien 1981, 226 Seiten.
Ottos Vater Heinrich wurde als Beamter gelegentlich mit Heinrich
"v.Lämmel" tituliert, so auch in Ottos Kurzbiografie. Die
vermuteten adeligen Vorfahren konnte Otto Lämmel jedoch nicht
verifizieren. Er konnte weder eine Verwandtschaft mit dem
jüdischen Bankier Leopold Ritter von Lämmel feststellen, der
von 1790 bis 1867 in Prag lebte, noch mit dem österreichischen
Offizier Alfons Ritter von Lemmel aus alter Wiener Familie, der 1896
eine kaiserliche Adelsbestätigung erhielt.
Mit seiner ersten Frau Johanna Salesy hatte er zwei Söhne, von
denen einer, Gotthard, bereits als Kind starb. Der andere Sohn, Albert
Lämmel, geboren 1917, wurde Kaufmann in Mannheim, Karlsruhe und
Rastatt, wo er volkswirtschaftliche Bücher verfasste. 1994 wurde
er Vorsitzender des baden-württembergischen Landesverbandes des
Freien Deutschen Autorenverbandes [Badisches Tagblatt 20.4.1994]. Zwei
Söhne, also Enkel von Otto Lämmel, lebten in den 1990er
Jahren in München: Ralph und Frank, letzterer als Journalist und
Fernsehautor.
Bekannt wurden zwei ältere Brüder von Otto Lämmel:
Der 1875 in Wien geborene Alfred war unter dem Künstlernamen Georg
Lengbach Schauspieler in Frankfurt am Main. Interessanterweise benutzte
auch Otto Lämmel das Pseudonym Lengbach für sich selbst in
seinem biografischen Roman "Das Unzerstörbare".
Der 1879 in Wien geborene Rudolph Lämmel, später immer Rudolf
Laemmel geschrieben, war ein bedeutender Pädagoge und
wissenschaftlicher Schriftsteller in Deutschland und in Zürich, wo
seine Nachkommen leben.
Da Otto aber nicht in seinem Elternhaus aufgewachsen war, hatte er
keinen engeren Kontakt mit seinen Geschwistern gepflegt.
Zuletzt lebte er mit seiner zweiten Frau Renate geb. Engel in Graz. Bis
in sein hohes Alter von fast 90 Jahren konnte man ihn in Graz oder Wien
in anregenden Lesungen und Vorträgen erleben.

Am 23.6.2005 wurden die Burgfestspiele Güssing mit dem
Historienspiel "Ich, Andreas Baumkirchner auf Burg Güssing" von
J.O.Lämmel eröffnet, unter Regisseur Erhard Jungnikl. [Pressemitteilung
im Internet]
Im Oktober 2010 wurde in der Grazer evangelischen Heilandskirche eine
Ausstellung eröffnet, über Grazer, die christlich getauft
waren, aber als Juden verfolgt wurden. Die Kleine Zeitung: "Für
die zum Protestantismus konvertierten Juden bedeutete die
Machtübernahme der Nationalsozialisten, dass sie und ihre Kinder
der Verfolgung ausgesetzt waren... Das Spektrum reichte vom
Überleben in "geschützten Ehen", über die Flucht, wie
sie z.B. dem Leiter des steirischen Schriftstellerbundes Joseph Otto
Lämmel gelungen ist, bis zur Einweisung und Ermordung in
Konzentrationslager."
[Kleine Zeitung 13.10.2010]
Tagespost 3.7.1980





[Deutsche biografische
Enzyklopädie, dtv 2001, S.195f]