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Der Lämmel-Stolln in Oberwiesenthal
Die Nürnberger Gesellschaft in Oberwiesenthal
Chronik von Neudorf

siehe auch KB-Auszüge Lemmel aus
Oberwiesenthal
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Der Lämmel-Stolln in Oberwiesenthal
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In der Nähe von Oberwiesental verschwand 1877 plötzlich ein Ochsengespann im Erdboden. Es war in einen stillgelegten und überwachsenen Stollen gestürzt, der der "Lämmel-Stolln" hieß. Horst Lämmel in Thalheim besorgte im Jahr 2002 eine Landkarte, in der die Lage des Lämmel-Stollens oberhalb von Oberwiesenthal hart an der böhmischen Grenze ersichtlich ist.

1 = Lämmelstolln 


Landkarte von Lemmel-Orten in der Umgebung: 

Die Geschichte des abgestürzten Ochsengespanns wurde literarisch verarbeitet von Jens Hahn: "Gespann auf Abwegen", in: Leuchtendes Erzgebirge, Altis-Verlag 2001, Seiten 76-88. [Mitgeteilt von Horst Lämmel]

Im Jahre 2009 fand ich im Internet [www.flickr.com] ein Foto vom inzwischen abgesicherten Eingang ("Mundloch") zum "Tiefen Lämmel Stollen", als eines der letzten sichtbaren Zeugnisse der Silberbergbauzeit im Zechengrund. Die Notiz dazu: Ab 1525 befahren und 1835 in Mauerung gesetzt war dieser Stollen neben etlichen anderen Fundort für Kobalt-, Wismut-, Nickel-, und Silbererz.

Nach dieser Nachricht gab es diesen Stollen angeblich schon 1525. Es gibt aber keine Nachricht darüber, dass er schon zu dieser Zeit "Lämmel-Stollen" geheißen habe. Nach bisheriger Kenntnis ist die erste Erwähnung dieses Stollens als "Lämmelstolln" von 1792.

Schon 1540 gab es in Oberwiesenthal einen Gewerken namens Valten Lemmel. Es wäre möglich, dass dieser Valten Lemmel schon den Lämmel-Stollen besaß. Es wäre daher interessant zu erfahren, wann dieser Stollen erstmals als "Lämmel-Stollen" bezeichnet wurde. (HDL)

"Im Bestand Grubenakten der Bergamtsreviere Marienberg, Annaberg, Scheibenberg, Fach 79 Nr.1630 befindet sich eine Akte zum Tiefen Lämmel-Stolln samt Kinder Israel Stolln zu Oberwiesenthal (1833-1885). Gleichfalls wird der Lämmel-Stolln/Tiefe Reiche Trost Stolln noch in weiteren Akten des Bestandes erwähnt. Im Bestand Fiskalische Erzrisse befinden sich zwei relevante Risse zum Lämmel-Stolln. - Der Name Lämmel taucht hier in keinem bergmännischen Zusammenhang auf. Wir können jedoch nicht ausschließen, dass sich bei intensiver Suche in den Beständen unseres Hauses noch weitere Informationen über den Lämmel-Stolln bzw. über Mitglieder der Familie Lämmel finden lassen." [Mitteilung Frau Unger, Sächsisches Bergarchiv Freiberg, 2002, an H.D.Lemmel]

Valten Lemmel, der 1540 als Gewerke in
Oberwiesenthal beurkundet ist, hatte einen gleichnamigen Sohn, der 1570 in Oberwiesenthal heiratete und hier mehrere Söhne bekam, darunter wieder einen Valten Lemmel, der 1616 in Oberwiesenthal heiratete. In den diesbezüglichen Kirchenbuch-Einträgen gibt es keine Angaben über Berufe. Man kann jedoch vermuten, dass Sohn und Enkel des ersten Valten Lemmel ebenfalls im Bergbau tätig waren und Inhaber des Lämmel-Stollens waren.

1629 heiratet ein Hans Lemmel aus Kupferberg in Oberwiesenthal, für den freilich angegeben ist, dass er Organist und Musikant ist. Er kommt daher nicht als Namensgeber für den Lämmel-Stollen in Frage.


Ausschnitt aus Meyers Naturführer, Kartografisches Institut, Mannheim 1993:
[Mitgeteilt von Horst Lämmel]



1 = Lämmelstolln
2 = Mariastolln
3 = evtl Mühle
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Die Nürnberger Gesellschaft
in Oberwiesenthal

Der Hammer in Unterwiesenthal
[aus Lothar Klapper: Alte Hütten und Hämmer, in: Beiträge zur Geschichte...Annaberg, Heft 7]



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Chronik von Neudorf

Nürnberger Unternehmer in dieser Gegend
Es ist interessant, dass hier auch Nürnberger Unternehmer tätig waren.
1526 verlieh Wolf von Schönburg ein neues Freigut samt Brauhaus und Raum an Hans Brenner von Nürnberg. Dieser war Leiter der "Nürnbergischen Gesellschaft", einer Kapitalgebergruppe, die Bergwerke bei Oberwiesenthal betrieb und das Eisenhüttenwerk Hammerunterwiesenthal angelegt hatte. Brenner ist oft als Bergwerksbesitzer feststellbar. In Gottesgab besaß er einen Stolln, der 1546 aufgelassen wurde; ihm gehörte der "Lauterseifen" am Fichtelberg (1533-1541); er plante eine Saigerhütte in Oberwiesenthal, die von den Schönburgern erlaubt, jedoch von Herzog Heinrich mit Hinweis auf das Privileg der Saigerhütte Grünthal verboten wurde. Die Holzordnung von 1560 nennt Hammerunterwiesenthal "Brenners Hammer" und Oeders Karte kennt "Brenners Kohlbau". Schwarzenberger Akten besagen von Hammerunterwiesenthal: "1547 Brenners Hammer, so die Nürnbergischen erbaut, wohnt itzund Carol Frey und Kaspar Klinger darauf". - Frey, der neben dem Hammerherrn Klinger den Hammer besaß, erwarb von Georg Löwe einen Kretscham. Sein Sohn Sebald übernahm das Anwesen. 1559 hatte Wolf von Schönburg den Kretscham an Hans Brenner für 130 Schock Landeswährung verkauft. - Nach Oeders Karte war um 1600 Carol Frey, dem 1597 der Hochofen in Hammerunterwiesenthal gehörte, Besitzer des Kretschams. - Seit der Mitte des 17.Jh. war die Familie Eberwein bis 1919 hier ansässig.
[Chronik von Neudorf, Bearbeitet von M.Wannack. - Mitgeteilt von H.Groß 2012]]




Chronik von Neudorf
Bearbeitet von M.Wannack
Druck (ohne Datum) nach 1999

Auszüge

Für die Zeit von 1496 bis 1593 standen die Namen von 635 gangbaren Annaberger Ausbeutegruben fest. In Buchholz begann der Bergbau 1495, der dann im Laufe der Zeit weiter nach Süden übergriff und bis Oberwiesenthal führte.

Die ersten urkundlichen Anhaltspunkte über die Gründungsform Neudorfs erhalten wir durch das Erbbuch des Amtes Crottendorf aus dem Jahre 1559. Hier finden wir eine eindeutige Antwort: "Krachsdorf, sonsten Neudorf genannt, welches bei Herrn Ernsten von Schönburgs Zeiten neu zu bauen angefangen..."  -  60 Besessene Männer, d.h. angesessene.

Krachsdorf hatte also einst den Herren von Schönburg auf Glauchau gehört und war 1559 mit dem Verkauf der sogenannten oberwäldischen Grafschaft Hartenstein an den sächsischen Kurfürsten gekommen.

Etwa 1525-1530 sind die ersten Bauern auf der Wüstung Krachsdorf angesiedelt worden. Schätzung:
1535 = 15-20
1546 = 45 gesessene Männer und 7 Hausgenossen
1559 = 57 Ansässige

In Neudorf gab es also 1559 ein Lehenerbgut, 40 Halblehenerbgüter (kurz Erbgüter) und 10 Viertelerbgüter oder halbe Erben. Dazu kamen noch 3 Mahlmühlen und 6 Häuslein. Es waren also 60 selbständige Anwesen. Da 3 Ansässige je 2 selbständige Erbgüter besaßen, kommen wir auf "57 besessene Männer".

Ein Bauerngut wurde zum Richtergut bestimmt und mit mancherlei Vorrechten oder Freiheiten ausgestattet. Sein Besitzer sollte zu allen Zeiten der Erbrichter des Dorfes sein. Diese besonderen Zuwendungen verlieh der Grundherr an den Richter für seine mannigfaltigen Dienste, die er der Herrschaft zu leisten hatte. Gerichtsschreiber war der Küster oder Schulmeister, der dadurch mancherlei Nebeneinkünfte hatte.

1564 wurde die bisherige Crottendorfer Filialkirche selbständig und erhielt einen eigenen Pfarrer.

Kretzschmar-Rothensehma. 1455 hat Kurfürst Friedrich der Sanftmütige Freiheiten verliehen. ... Der brave Köhler Schmidt, "Triller" genannt, der den Prinzen Albert bei Grünhain aus der Hand des Raubritters Kunz von Kauffungen befreite, soll sich hier niedergelassen haben. Kurfürst Friedrich dankte dem wackeren Köhler für die Befreiung seines Sohnes u.a. damit, dass er ihm erlaubte, hier einen freien "Erbkretscham" zu errichten....

1526 verlieh Wolf von Schönburg das neue Freigut samt Brauhaus und Raum an Hans Brenner von Nürnberg. Dieser war Leiter der "Nürnbergischen Gesellschaft", die Bergwerke bei Oberwiesenthal betrieb und das Eisenhüttenwerk Hammerunterwiesenthal angelegt hatte. Brenner ist oft als Bergwerksbesitzer feststellbar. In Gottesgab besaß er einen Stolln, der 1546 aufgelassen wurde; ihm gehörte der "Lauterseifen" am Fichtelberg (1533.1541); er plante eine Saigerhütte in Oberwiesenthal, die von den Schöburgern erlaubt, jedoch von Herzog Heinrich mit Hinweis auf das Privileg der Saigerhütte Grünthal verboten wurde. Die Holzordnung 1560 nennt den Hammerunterwiesenthal "Brenners Hammer" und Oeders Karte kennt "Brenners Kohlbau". Schwarzenberger Akten besagen von Hammerunterwiesenthal: "1547 Brenners Hammer, so die Nürnbergischen erbaut, wohnt itzund Carol Frey und Kaspar Klinger darauf." Lehmann berichtet vom Jahre 1547, dass Georg Löwe in Kretscham wohnte, aber dann nach Böhmen zog. Frey, der neben dem Hammerherrn Klinger den Hammer besaß, erwarb von Löwe den Kretscham. Sein Sohn Sebald übernahm das Anwesen und ließ ein "Häuschen für sich über den Bach" bauen. Durch neue Siedler entstanden 5 andere Feuerstätten, die der Oberförster dazu verlieh. – 1559 hat Wolf von Schönburg den neuen Kretscham an Hans Brenner für 130 Schock Landeswährung verkauft und 10 Gulden Erbzins gefordert. – 1560 abgebrannt. – 1575 der neue Kretschmar.

Laut Oeders Karte war um 1600 Carol Frey, dem 1597 der Hochofen in Hammeruntwewiesenthal gehörte, Besitzer des Kretschams 1643 kaufte Hans Sachse aus Neudorf den Kretscham, gab ihn aber bald an Förster Michael Grabner aus Wiesenthal ab. Dieser baute das Anwesen ganz neu, starb aber bals darauf. Nun übernahmen Oberförster Cornelius Eberwein aus Crottendorf und Floßmeister Seligmann, Vizerichter in Neudorf, gemeinsam den Gasthof.

Lehmann: 1650 rissen der Verfolgung ihres Glaubens halber die Joachimsthaler aus. 1000 Personen, und weil sie in Wiesenthal zu enge wohnten, erlangten sie vom Kurfürsten einen Platz zu einer neuen Stadt, dreiviertel Stunde über Kretscham, war an der Straße an der "Sieben" und "Hellbächel"...  Von solchen Exulanten wurden die Gemeinden Hammerunterwiesenthal und Stahlberg gegründet.