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Zur Stammtafel der Lemmel aus Leukersdorf
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Der Lemmel-Stamm aus Leukersdorf

H.D. Lemmel Nov.1978, seither ergänzt

Leukersdorf liegt im Kirchpiel Neukirchen südlich von Chemnitz.

Die Anfänge der Leukersdorfer Lemmel-Chronik gehen zurück auf Paul Lemmel, geboren 1873 in Chemnitz, der bereits 1924 eine Familiengeschichte zusammenstellte, die mit dem Strumpfwirker Carl Gottlob Lemmel, geboren 1793 in Stelzendorf, begann. Das daraus entstehende Familienarchiv mit alten Urkunden und Fotografien wurde von Pauls Neffen und Pflegesohn Erich Lemmel weitergeführt und mir 1975 übergeben. Kirchenbuchforschungen von Herbert Lemmel und Rolf Windisch, teils auch Gerichtsbuch-Auszüge von Kurt Wensch, ergaben Ergänzungen.

    
Links: Paul Lemmel, geboren 1873, um 1960. - Rechts: Erich Lemmel, 1983 im Alter von 84 Jahren.

Michael Lemmel, der Stammvater, der gegen Ende des 30-jährigen Krieges geboren wurde, war Häusler in Leukersdorf, also ein Hausbesitzer. Sein Beruf ist in den Kirchenbüchern von Neukirchen nicht angegeben, jedoch kann man annehmen, dass er ein Weber war, so wie es für seinen Enkel und Erben Christoph Lemmel in Leukersdorf verbürgt ist.

Bedingt durch die größere Mobilität der Handwerker ist der Leukersdorfer Lemmel-Stamm nicht so homogen und ortsverbunden wie die Bauern-Stämme der Familie im Kirchspiel Neukirchen. Der Wohnsitz in Leukersdorf besteht nur durch drei Generationen. Die weiteren Nachkommen wandern in die Dörfer der näheren und weiteren Umgebung ab, sowie in die nahe gelegene Stadt Chemnitz. Von ihnen wurden bisher 55 Familien namens Lemmel oder Lämmel bekannt. Bei etlichen Linien ist aber der weitere Verbleib noch ungeklärt, so dass sich noch Ergänzungen zur Stammfolge finden lassen werden.

Die Schreibweise des Namens schwankt in diesem Familienzweig häufig zwischen Lemmel und Lämmel. Für viele Personen, selbst noch um 1900, sind beide Schreibweisen belegt, und manchmal unterscheiden sich Brüder oder Vettern in der bevorzugten Schreibweise des gemeinsamen Familiennamens.

Der weitaus häufigste Beruf ist der des Strumpfwirkers; dazu kommen andere Textilberufe wie Weber, Schneider, Tuchscherer, Textilkaufmann und Strumpffabrikant. Nur vereinzelt kommen andere Berufe vor wie Schuhmacher, Schlächter, Arbeiter oder Bauer. Drei Bauernhöfe in Niederzwönitz, Neukirchen und Dietensdorf wurden durch Einheirat erworben, wurden aber in keinem Fall an einen Sohn vererbt.

In neuerer Zeit ergibt sich ein breiteres Spektrum an Berufen: Kohlenhändler, Fuhrmann, Klempner, Monteur, Feilenhauer, Werkmeister, Fotograf, Kaufmann. In den Vereinigten Staaten ist seit 1930 eine Farm in Nevada im Besitz eines Lämmels aus dem Stamm Leukersdorf. – Ein Onkel des Farmers war bereits in der Kaiserzeit aktiver Sozialdemokrat. 1912 wurde er Reichstagsabgeordneter, dann bis 1933 Regierungs-Präsident von Westfalen in Arnsberg. Aber da vorehelich geboren, trug er den Familiennamen der Mutter: Max König. Laut Auskunft seiner Brüder ist er ein echter Lemmel.

Im Jahre 1924 schrieb Paul Lemmel aus dem Stamm Leukersdorf seine Familiengeschichte auf, die weiter unten wiedergegeben ist. Darin muss freilich einiges korrigiert werden. Die von Paul Lemmel berichtete Familienüberlieferung, wonach der Stammvater ein böhmischer Adeliger war, ist unrichtig. Es ist überraschend, dass Paul Lemmel in seiner Familienforschung nicht über Carl Gottlieb Lemmel, den Strumpffabrikanten in Stelzendorf, hinauskam, denn dessen Geburt ist im Neukirchener Kirchenbuch verzeichnet, und auch der Heiratseintrag gibt seinen Geburtstag richtig an. Freilich ist das Studium der Neukirchener Kirchenbücher dadurch erschwert, dass die Lemmel hier recht zahlreich sind.

Der böhmische Adelige, den die Überlieferung als Stammvater angab, existierte tatsächlich: Simon Lämel aus Böhmen wird 1812 in Wien geadelt. Er gehört jedoch einer jüdischen Familie an, die zufällig den gleichen Familiennamen führt.

Auch ein von Paul Lemmel erwähntes Glasgemälde aus dem Neukirchener Schloss, das sich im Familienbesitz befand, kann nicht als Indiz für adelige Vorfahren gewertet werden. Laut Herbert Lemmel, der Chemnitzer Museumsfachleute befragte, wurde dieses Gemälde im Revolutionsjahr 1848 im Verlaufe einer Schlossbesetzung entwendet. Es dürfte dann aus dritter Hand von Carl Gottlieb Lemmel erworben worden sein. Als Strumpffabrikant, der sich aus eigener Kraft vom Strumpfwirker zum Fabriksbesitzer hochgearbeitet hatte, steht er nicht im Verdacht, am Raub beteiligt gewesen zu sein.

Der Strumpffabrikant C.G. Lämmel war ein Ururenkel von Michael Lemmel in Leukersdorf, dem Stammvater des Lemmel-Stammes aus Leukersdorf.
 


Einiges aus der Geschichte der Familie Lemmel

nach Urkunden, Erlebtem und mündlicher Überlieferung von Paul Lemmel, 1924.
Mit Schreibmaschine geschrieben am 3.März 1970 von Pauls Neffen und Pflegesohn Erich Lemmel
   
Carl Gottlieb Lämmel, * 1793, + 1879, Strumpffabrikant in Stelzendorf.
Von ihm und seinen Nachkommen berichtet sein Urenkel Paul Lemmel in seinem Aufsatz von 1924.

1. Teil: Allgemeines


Es ist bis jetzt leider noch nicht festgestellt, wie die Verwandtschaftslinie des Stammvaters C.G.Lemmel weiter zurückläuft. Es liegt nahe, dass derselbe ein Abkömmling des in der Urkunde besagten, geadelten böhmischen Fabrikanten ist, da ich in früherer Kindheit öfters hörte, dass die Lemmels den Adel gehabt hätten, denselben aber verkauften. Andererseits weist ein Erbstück, ein in meinem Besitz befindliches, ungefähr 350 Jahr altes Glasgemälde Baronesse v.Daube darstellend – (das Gegenstück ist im Jahre 1892 zerbrochen worden) – nach Schloss Neukirchen hin. Hierüber fehlt aber jedes Anzeichen.

Vom Stammvater ab sind die männlichen Lemmels alle nicht unter mittelgroß gewesen, sehnig, niemals dick, Haar meist dicht und schwarz, Haut bräunlich aber rein, meist intelligent, aber nicht musikalisch. – Angeborene körperliche Fehler, sowie spätere Verstümmelungen sind seit dem Jahre 1792 in keinem Fall zu verzeichnen gewesen. – Als Soldat gedient hat bis 1870 keiner, bis dahin sind dieselben losgekauft worden. Der Erste hat 1895-1897 beim 1.(Leib)Grenadier-Regiment Nr.100 in Dresden gedient.

Für das weibliche Geschlecht haben die Lemmels im Durchschnitt viel Zuneigung. Beispielsweise wurde schon der Stammvater in seinem Ort einfach nur "C.G." oder "Schmatzlemmel" genannt. Trotzdem ist im Durchschnitt die Kinderzahl nicht groß zu nennen, aber fast nur männlichen Geschlechts, denn Mädchen sind seit dem Jahre 1792 nur 5 geboren, davon sind 2 als Kind gestorben, eins starb als Erwachsene und nur 2 leben zur Zeit noch.
 
Eine Tochter von C.G.Lemmel, die vor ihrem Vater starb

Als Todesursache ist bis zur Familie Otto Lemmel sehr oft Schlaganfall zu verzeichnen gewesen. Von diesem ab sind 3 seiner Söhne jung an Lungentuberkulose gestorben. – Freiheits- oder entehrende Strafen sind seit 1792 nicht zu verzeichnen.

Am Weltkrieg 1914-1918 nahmen teil:
1.) Paul Lemmel, als Taucher bis Kriegsende, auf dem westlichen und östlichen Kriegsschauplatz (Frankreich und Russland), sowie Balkan. Dreimal leicht verwundet.
2.) Fritz Lemmel, als Jäger bis Kriegsende, in Frankreich und Italien. Schwer verwundet am rechten Arm.
3.) Rudolf Lemmel, als Infanterist. November 1917 in Frankreich gefallen.
4.) Erich Lemmel, als Infanterist bis Kriegsende in Frankreich.

Letzterer war die letzten 8 Tage im Felde mit Paul Lemmel zusammen, und beide kehrten zugleich Ende November 1918 wohlbehalten bei ihrer Frau und Mutter Hedwig Lemmel, Chemnitz, Margaretenstr.36, heim.

Nahe Verwandte sind:
August Rupf, Bruder von Amalie Lemmel geb. Rupf (= Schwiegertochter von C.G.Lemmel). Als Maikämpfer von 1848 flüchtete er als Emigrant nach Brasilien (Rio de Janeiro). Seinem letzten Wunsche folgend, die Heimat noch einmal zu sehen, war er als hochbejahrter Greis im Jahre 1896 in Chemnitz, besuchsweise beim Maschinenfabrikanten Ernst (auch ein Verwandter), Ecke Wettiner und Lerchenstraße im Kreise von 70 Verwandten anwesend und hat sich durch Kuß von allen verabschiedet (= Lemmels Ader, denn Rupf und Lemmel waren doppelt verwandt). Er war Besitzer einer Kaffeeplantage.

Hermann Hanewald, Drechslermeister, Chemnitz, Johannisplatz (Vetter von Otto Lemmel), Louise Hanewald; Curt Hanewald musste nach Amerika – warum? Er lebt zur Zeit noch.

Kunze, Hauenstein, Kämpfe, Kupfer, Ungetüm, Irmscher; und Fiedler (der dritte Mann von Amalie Lemmel geb. Rupf) starb 1894 im Hospital St.Georg.


2.Teil: Persönliches

Vom Stammvater C.G. Lemmel, Gutsbesitzer, ist bekannt, dass er ums Jahr 1850 vierzig Webstühle stehen hatte. Seine erste Frau kenne ich nicht. Er heiratete mit 83 Jahren seine 40-jährige Wirtschafterin, die Jahrzehnte bei ihm tätig war – Johanne Hauenstein – und lebte noch drei Jahre mit ihr. Er hatte seinen Grabstein schon viele Jahre fertig im Schuppen stehen. Er erlitt bei einem Ausgang einen Schlaganfall und wurde mit einer Schubkarre nach Hause gefahren, wobei seine ltzten Worte waren: "Nun muss ich noch eine Schubkarrenleiche werden."

Sein Sohn Ferdinand Lemmel. Dieser war 30 Jahre als Kaufmann bei der jetzt noch bestehenden Strumpffirma Wex & Sohn tätig. Er starb Anfang der 70er Jahre an den Folgen eines im Geschäft erlittenen Unfalls. Er war sehr sparsam, aber streng. Beim Verkauf seines jetzt noch stehenden Hauses – Ecke Plan- und Rathenau-Str. – (war einmal in früherer Zeit als Rathaus benutzt) erlitt er große Verluste und wollte sich dieserhalb aus dem mittleren Dachfenster der zweiten Reihe auf die Straße stürzen, was aber noch verhindert wurde.

Seine Ehefrau Amalie Lemmel geb. Rupf, später verehelichte Irmscher, später verehelichte Fiedler, hatte ein Kartonagengeschäft; sie war sehr lebenslustig, aber etwas leicht.

Deren erster Sohn, Otto Lemmel, war in seinen Leistungen sehr tüchtig, aber sehr leicht und schlechter Familienvater.

Deren Tochter Ida Lemmel, Schneiderin, sehr sparsam und fleißig, starb bei ihrer Tochter Ida Nestmann im Jahre 1901.

Deren zweiter Sohn, Richard Lemmel, Maschinenbauer, starb auf Wanderschaft im Jahre 1867 in Cosel am Rhein.
 
Links: Otto Lemmel mit seiner Frau Henriette geb.König, um 1891. – Rechts: Henriette Lemmel geb. König kurz nach dem Tode ihres Mannes 1892, mit ihren 5 Söhnen: Max König * 1866, Richard Lemmel * 1871, Paul Lemmel * 1873, Hans Lemmel * 1882, Alfred Lemmel * 1885.

Max, der älteste Sohn, der vorehelich geboren war und daher den Namen der Mutter trug, ging nach Hagen/Westfalen und wurde Reichstags-Abgeordneter.
 
Geburtsurkunde 1871 von Richard Lemmel (hier Lämmel geschrieben),
Sohn von Otto Lemmel und seiner Frau Henriette geb. König
     

Die Ehefrau von Otto Lemmel, meine liebe Mutter Henriette, hatte viel Geist und Herzensbildung. Sie diente im Jahre 1866 als Zofe bei General v.Witzleben in Dresden (Große Meißner Gasse), bei welchem König Johann von Sachsen oft zur Gesellschaft kam und während des Servierens mit ihr scherzte. – Sie hatte eine sehr schwere 21-jährige Ehe durchzumachen. Sie starb 1899 nach 8-jähriger Witwenschaft unter der treuen Pflege ihrer Schwiegertochter Hedwig Lemmel in Chemnitz-Gablenz, Hammerstr. 12. – Die letzte Ruhestätte unserer lieben Mutter befindet sich auf dem Andreasfriedhof 6.Reihe 13.Grab. (Grabstelle nachgelöst, lag also 40 Jahre.)

Deren erster Sohn, Richard Lemmel, Photograf, war sehr geschickt; sehr gut veranlagt in der Ölmalerei; guter Familienvater. Er starb schon im Alter von 29 Jahren.

Dessen Ehefrau Anna Lemmel geb. Etzold. Ihr 1.Sohn Fritz Lemmel, Kaufmann. Ihr 2.Sohn Rudi Lemmel, in Frankreich gefallen. Ihr 3.Sohn Erich Lemmel, Kaufmann.

Deren zweiter Sohn Paul Lemmel, Schlosser, 45 Jahre auf der Eisenbahn, 59 Jahre verheiratet, Kinder keine. (Autor dieser Familiengeschichte, die hier teilweise von Erich Lemmel ergänzt wurde.) Am 9.3.1961 ins Feierabendheim Bärenstein bei Annaberg verzogen. Ruhestätte: Krematorium Karl-Marx-Stadt.

Dessen Ehefrau Hedwig Lemmel geb. Etzold. Meine treue Gattin war sehr arbeitsam, treusorgend um mich. Peinlich ordentlich und sauber und von großer Herzensgüte. Starb am Sonnabend, dem 13.12.1958 nach 1/2 1 Uhr nach 9-wöchigem Krankenlager zu Hause in meiner Gegenwart. Hab Dank, liebe Hedwig – Dein Paul. Ruhestätte Krematorium.  (22.12.1958 Paul Lemmel)

Deren dritter Sohn Hans Lemmel war Werkführer in der Kartonagenbranche, fleißig, sparsam, guter Familienvater, guter Politiker, starb vorbildlich als Proletarier und Freidenker, wurde 1910 eingeäschert. Die Aschenurne nahm seine Ehefrau einige Monate später nach Amerika (nach Fallon im Staate Nevada), woselbst diese wieder heiratete und den Namen Ries führt.

Deren vierter Sohn Alfred Lemmel war Kaufmann, von sehr mädchenhafter Natur, in seinen Leistungen weniger tüchtig, aber desto mehr Spaßvogel, aber von sehr liebevollem Charakter. Er wurde vom Postschaffner Ernst Beckert (Bruder vom Nadelfabrikanten Beckert, Beckerstraße) an Kindesstatt angenommen. Er wurde 1908 eingeäschert und ruht mit seinen Pflegeeltern im Krematorium zu Chemnitz.
 
Todesanzeige Alfred Lemmel 1908
 
Hiermit schließe ich meine bescheidenen Ausführungen in Wort und Bild, wünschend, dass denselben eine recht lange Existenz vergönnt sein möge, und mit der Bitte, dieselben später weiterführen zu wollen.

In Verehrung unserer Ahnen!

Chemnitz, Juni 1924                Verfasser     Paul Lemmel
                        Schrift von    Erich Lemmel

Am 3.März 1970 mit Schreibmaschine geschrieben, weil die deutsche Handschrift schon jetzt viele nicht mehr lesen können.




 
Paul Lemmel, * 1873 in Chemnitz, 1897 mit seiner Verlobten Hedwig Etzold, * 1877 in Gößnitz.


Einiges aus der Geschichte der Familie Lemmel

Ergänzungen zu Paul Lemmels Bericht von Erich Lemmel, 1970

Ich bin sehr daran interessiert, die von meinem Pflegevater Paul Lemmel angelegte Familiengeschichte weiterzuführen, zumal ich bereits 1924 an den Unterlagen mitgearbeitet habe. Es war mir auch möglich, dieselbe zu erweitern und manches richtigzustellen. In der Zeit der Nazidiktatur musste jeder einen arischen Nachweis erbringen. Dadurch kann ich mit einer großen Anzahl von Geburts-, Tauf-, Trau- und Sterbeurkunden beitragen, das Gesamtbild zu ergänzen. Die von Paul Lemmel 1924 niedergeschriebenen und 1958 geänderten und ergänzten Ausführungen zur Familiengeschichte erweitere ich wie folgt:

1)  Es ist von einem Erbstück – einem ca 350 Jahre alten Glasgemälde die Rede, welches ich selbst gesehen habe. Dieses ist durch den Bombenangriff am 5.3.1945 verloren gegangen.

2)  Der erste Lemmel, welcher 1895-1897 gedient hat, war der Verfasser – Paul Lemmel – selbst.

3)  Wie es 1918 zu unserem Zusammentreffen im Weltkrieg – Paul und Erich Lemmel – kam, folgt in meinen Aufzeichnungen am Schluss.

4)  Im 2.Teil, Persönliches, schreibt der Verfasser, dass die erste Frau vom C.G. Lemmel unbekannt sei. Auf Grund der oben erwähnten Unterlagen wurde auch diese ermittelt.

5)  Von Ferdinand Lemmel schreibt d.V., dass er 30 Jahre als Kaufmann tätig gewesen sei usw. und erwähnt seine Ehefrau Amalie Lemmel. Dieser Heinrich Ferdinand ist aber nur 35 Jahre und 7 Monate alt geworden. Hier kann etwas nicht stimmen und ich bedaure, mit d.V. nicht nochmals vor seinem Tode diese offene Frage geklärt zu haben. In einer anderen persönlichen Notiz vom 25.1.1967 schreibt er das selbe. – Das genannte Haus am Plan, in welchem zuletzt das Korbwarengeschäft Rauschelbach war, ist dem Bombenterror zum Opfer gefallen.

6) Der Maschinenbauer Richard Lemmel starb auf der Wanderschaft 1867 in Cosel am Rhein. Auf einer handschriftlichen Notiz von Amalie Lemmel ist die Jahreszahl nicht eingetragen, aber 1869 nachgetragen.

7)  Mit 85 Jahren – am 22.12.1958 – 9 Tage nach dem Tode der Ehefrau d.V. machte er einige Nachtragungen in seiner Niederschrift vom Januar 1924. Die Angaben vom 1., 2. und 3. Sohn der Anna Lemmel, sowie einer Tochter und einem Enkel von Lisbeth Lemmel sind nicht ganz korrekt. Die genauen Angaben findet man in der Einzelbeschreibung sämtlicher Familien.

8)  Der Verfasser – Paul Lemmel – ist am 25.11.1969 im Feierabendheim Bärenstein früh 6 Uhr beim Gang zur Toilette gefallen. Er hatte eine Beule am Kopf, eine kleine Schramme an der echten Hand, und brach den rechten Oberschenkel. Er war bewußtlos. Man brachte ihn in das Krankenhaus nach Annaberg. Das rechte Bein wurde geröntgt, geschient und das Becken bandagiert. Am 26.11. schickte man ihn so ins Feierabendheim Bärenstein zurück und so fand ich ihn am 27.11. in seinem Bett liegend vor. (Ich war telegrafisch benachrichtigt worden.) Nun warteten wir von 9 Uhr früh bis gegen 14 Uhr auf das Krankenauto zum Transport in das Pflegeheim "Otto Buchwitz" in Annaberg. Während dieser 5 Stunden unterhielten wir uns über alle möglichen Dinge, so über seine beliebte Naturgeschichte, unsere Familiengeschichte und andere alltägliche Fragen, über seine Zukunft und baldige Wiedergenesung. Wenn er zeitweilig auch über Schmerzen im Bein klagte und ihm oft die Tränen über die Wangen rollten, so war er doch voller Hoffnung und keiner von uns beiden dachte daran, dass er nicht wieder auf die Beine kommen sollte. Er war bei vollem geistigen Bewusstsein. Manches, wie Kaffee, Honig, Tabak usw. sollte ich in seinem Schrank belassen. Er war der Meinung, bald zurück zu kommen, nur "die bittere Pille Pflegeheim muss ich eben schlucken" waren seine Worte. – Gegen 14 Uhr brachte ich meinen Pflegevater dann mit dem Krankenauto nach Annaberg. Es war ein strahlend schöner sonniger und kalter Wintertag, aber die 10 km lange Fahrt sehr schmerzhaft für ihn, weil Schneewehen und Schneelöcher die Fahrt erschwerten. Er kam ins Zimmer 6 und nach Rücksprache mit der Schwester verabschiedete ich mich – nicht im Entferntesten ahnend, dass ich ihn nie wiedersehen sollte. Seine letzten Worte waren, als ich in der Tür stand und winkte, "Grüß mir meine gute Lisbeth", und er weinte.

Am 7.12.1969 abends 23 Uhr war er bereits von seinem Leiden erlöst und wir sehr erschüttert. Die Todesursache soll ein Leberkarzinom gewesen sein, von dessen Vorhandensein ihm und uns nichts bekannt war. Nie hat er über derartige Bescgwerden geklagt.

Bis zum 24.11.1969 ging er fast täglich in den Sächsischen Hof in Bärenstein Kaffee trinken. Er liebte die Geselligkeit und es fehlten ihm Menschen, mit denen er sich geistig angeregt unterhalten konnte. Dies ließ ihn sehr einsam werden. In den letzten zwei Jahren hat er uns ca 120 Briefe und Karten geschrieben und war sehr glücklich über unseren Gedankenaustausch. Er war auch drei Tage bei uns zu Besuch in Karl-Marx-Stadt, Beethovenstr. 72. Ganz allein war er die 74 km lange Strecke mit der Bahn aus dem Erzgebirge heruntergefahren, mit seinem letzten Freifahrtschein der Eisenbahn.  Er hielt es aber nicht länger aus – vielleicht fühlte er sich nicht ganz wohl oder die Anstrengungen waren denn doch zu groß. Er war mit mir in Neukirchen auf seinen Wunsch und noch einmal bei seiner Frau am Grab im Krematorium. Früh 8 Uhr fuhren wir deshalb mit dem Autobus wieder nach Bärenstein und er war froh, wieder in seiner Ordnung zu sein.

Das höchste Alter aller Lemmels hat er mit 96 Jahren und 40 Tagen erlebt.

9)  Mein Bruder Fritz Lemmel ging mit 75 Jahren noch seinem kaufmännischen Beruf nach. Er war sehr vital und 50 Jahre nicht beim Arzt gewesen. Im Dezember 1968 musste er jedoch plötzlich ins Krankenhaus, wegen Zellgewebeentzündung an der Hand, Blasenbeschwerden und Kreislaufstörungen. Am 7.2.1969 schrieb er mir, dass er entlassen und zu Hause sei, er sei glücklich, keine Operarion sei nötig gewesen und bis 13.2. sei er noch krank geschrieben. In Erwartung weiterer Nachrichten und in der Annahme, er ginge bereits wieder zur Arbeit, kam wie der Blitz aus heiterem Himmel die unfassbare Nachricht, dass mein Bruder am 11.3.1969 gestorben sei. Todesursache: Kreislaufversagen.

10)  Mein Bruder Rudolf Lemmel ist am 6.11.1917 im ersten Weltkrieg infolge Verschüttung gestorben bezw. gefallen, und zwar bei Cheluvelt in Belgien. Er wurde begraben an der Straße Menin-Ypern – an der Kirche.

Dies wären die Berichtigungen bezw. Notizen über das Ableben des Verfassers sowie meiner beiden Brüder.

Niedergeschrieben am 15.März 1970, Karl-Marx-Stadt, Beethovenstr. 72.
                                            Erich Lemmel



 

Zur Herkunft von Michael Lemmel, dem Stammvater der Lemmel in Leukersdorf

von Hans-Dietrich Lemmel, 1978, ergänzt 1985

Der Stammvater der Leukersdorfer Lemmel ist, nach Auskunft der Neukirchener Kirchenbücher, ein Michael Lemmel, der ab 1676 in Leukersdorf genannt ist, wo er 1721 als Häusler, das heißt Hausbesitzer, stirbt. Der Vorname der Frau ist Rosina. Seine Herkunft, die nicht urkundlich belegt ist, kann indirekt erschlossen werden.

Nach den Geburtsjahren der Kinder dürfte Michael etwa 1645 geboren sein, und zwar nicht in Leukersdorf, denn seine Geburt ist in den für diesen Zeitraum erhaltenen Kirchenbüchern nicht verzeichnet.

Schon früher gab es Lemmel in Leukersdorf:
1.)  1601-1611 lebt dort ein Valten Lemmel, der zuvor in Jahnsdorf lebte und 1601 in Leukersdorf wohl den schon 1571 genannten Besitz des gleichnamigen Vaters übernahm. Valtens Kinder wandern aber von Leukersdorf ab.
2.)  1611-1617 lebt vorübergehend ein Michael Lemmel in Leukersdorf. Er stammt aus Rottluff und geht später nach Seifersdorf.
3.)  1628-1633 lebt ein Dobias Lemmel, der 1582 in Auerbach/E geboren wurde, in Leukersdorf, wo 1633 die ganze Familie an der Pest stirbt.

Michael Lemmel, der Leukersdorfer Stammvater, hat also keinen Lemmel-Besitz in Leukersdorf übernommen, denn zwischen 1633 und 1676 lebt offenbar kein Lemmel in Leukersdorf. Michael hat also seinen Besitz in Leukersdorf erworben.

In Leukersdorf fand sich nur ein einziger Hinweis auf Michaels Herkunft: Unter den Paten seiner Kinder ist 1691 Hans Lemmel aus Pfaffenhain genannt, über den aus seinem Heiratseintrag von 1690 bekannt ist, dass er ein nachgelassener Sohn von Michael Lemmel zu Pfaffenhain ist. Pfaffenhain und Leukersdorf sind unmittelbar benachbarte Orte.

Man sollte also annehmen dürfen, dass Michael Lemmel in Pfaffenhain der Vater des Leukersdorfer Michael sei, zumal der Pfaffenhainer Michael in Leukersdorf geboren wurde.

Im Sommer 1985 erbrachte Werner Lämmel, Pfarrer i.R. in Ursprung, eine Bestätigung auf Grund von Kirchenbuch-Einträgen in Kirchberg, wohin Pfaffenhain damals gehörte. 1670 heiratet in Kirchberg "Michael Lemmel von Pfaffenhain" die Rosina Kretzschmann; 1671 und 1672 bekommen sie in Pfaffenhain die Söhne Michael und Andreas. Danach sind sie im Kirchenbuch von Kirchberg nicht mehr genannt, und es muss das gleiche Paar Michael und Rosina Lemmel sein, das wenig später, ab 1676, in den Kirchenbüchern des benachbarten Leukersdorf genannt ist.

Leider ist in Michaels Heiratseintrag 1670 in Kirchberg nicht der Name seines Vaters angegeben. Jedoch ist die Angabe "von Pfaffenhain" eindeutig, da hier kein anderer Lemmel als der Pfaffenhainer Bauer Michael Lemmel als Vater des Leukersdorfer Stammvaters Michael in Frage kommt.

Nun gibt es freilich neben dem Leukersdorfer Häusler Michael Lemmel noch einen etwa gleich alten Michael Lemmel, der Häusler in Pfaffenhain ist, und der daher ebenfalls als Sohn des älteren Michael Lemmel zu Pfaffenhain angesehenwerden könnte.

Die beiden Häusler Michael Lemmel in Leukersdorf und Pfaffenhain können nicht identisch sein, und nur einer von ihnen kann ein Sohn des älteren Michael Lemmel zu Pfaffenhain sein.

Ein Gerichtsbuch-Eintrag zeigt nun, dass der Pfaffenhainer Häusler Michael sich erst 1688 in Pfaffenhain ankauft (siehe Lemmel-Stamm Jahnsdorf), nachdem er zuvor schon an einem unbekannten Ort einen Sohn Johann bekam. Er wanderte also nach Pfaffenhain zu, und so gibt es keinen Grund mehr, ihn als Sohn des älteren Michael Lemmel in Pfaffenhain anzusehen.

Übersicht:


    Michael Lemmel, * 1612 in Leukersdorf, + vor 1690
    1651 Gutsbesitzer in Pfaffenhain
    Wahrsch. Sohn:             Sicher Sohn:                Zugewandert:
           |                        |
    Michael Lemmel             Hans Lemmel                 Michael Lemmel
    (* etwa 1645)              (* etwa 1660)               (* etwa 1655)
    ab 1676 in Leukersdorf     1691 in Pfaffenhain und     kauft 1688 ein Haus
    1691 Pate: Hans L. aus     Pate bei Kind des           in Pfaffenhain,
    Pfaffenhain                Michael L. in Leukersdorf   + vor 1707
    + 1721 in Leukersdorf                                         |
           |                                                      |
    Sohn u.a.:                                             Sein Sohn:
    Johann, * 1681, oo 1717                                Johann, * 1687, oo 1707



Zur Stammtafel der Lemmel aus Leukersdorf

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