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Kaleidoskop:

Der  Lemmel  in  der  Literatur


Arno Holz Arno Holz, geboren 1863 in Ostpreußen, gestorben 1929 in Berlin, parodierte in seinen berühmt gewordenen Dafnis-Gedichten (erschienen 1904) die Schäfer-Lyrik der Barockzeit. In diesem Werk voll lästerlicher Daseinsfreude kommt in etlichen Gedichten, von denen eines oben auszugsweise wiedergegeben ist, der "Lemmel" vor. Es ist nicht überliefert, mit welchem unserer ostpreußischen Lemmel Arno Holz Bekanntschaft gemacht haben muss, dass er "so manchem Lemmel die Hölle wünschte".
[dtv 96, 1961]


Theodor Fontane

In "Mathilde Möhring", geschrieben von Theodor Fontane 1891, wird im 15. Kapitel in Woldenstein in Westpreußen ein Prediger Lämmel genannt. Im Roman wird Woldenstein von Berlin aus erreicht mit Übernachten in Küstrin und in Bromberg. Freilich ist Woldenstein auf der Landkarte nicht zu finden, so dass es wohl ein Fantasiename ist.

Wie kommt Fontane dazu, seinem Pastor den Namen Lämmel zu geben?

Im Jahre 1832 kam der junge Fontane in das Gymnasium in Neuruppin. An diesem Gymnasium war Johann Andreas Lämmel aus Chemnitz als Magister und Oberlehrer tätig gewesen. Er starb zwar schon 1819, so dass Fontane ihn nicht mehr antraf, aber die Erinnerung des Magisters Lämmel wird zu Fontanes Zeit noch lebendig gewesen sein, zumal die zwei Lämmel-Töchter noch in Neuruppin lebten.
[Fontane, Werke, Nymphenburg 1968, Band 2 Seite 890]


Hoffmann von Fallersleben

Bäh Lämmel bäh
es stieß sich an ein Steinel
da tat ihm weh sein Beinel
da schrief das Lämmel "bäh!"
aus Breslau , bei Hoffmann von Fallersleben und Ernst Richter : Schlesische Volkslieder 1842 , S. 323.

[Internet 2010]


Isaac Bashevis Singer

Dieser jiddische Autor und Nobelpreisträger schildert in vielen Erzählungen das jüdische Leben in der Gegend von Warschau und dann das Leben ausgewanderter Juden in New York. Unter diesen Juden war der Familienname Lemmel oder Lemel recht häufig, und viele von ihnen sind in den Bremerhavener Auswandererlisten genannt. So kommen auch einige Lemmel in den Singerschen Erzählungen vor.

Die Erzählung "Der Hexenmeister": Lemel, der Großvater des Erzählers, war Hofjude auf dem Hof eines reichen Gutsbesitzers.
[I.B.Singer: Leidenschaften – Geschichten aus der neuen und der alten Welt, Hanser 1977]

Die Erzählung "The Blasphemer": Der Uhrmacher Lemmel im Dorf Malopol bei Lublin.
[I.B.Singer: A Friend of Kafka and other Stories, Delta Book 1970]

In einem Brief an Singer fragte ich ihn, ob die in den Erzählungen genannten Lemmel reale Vorbilder gehabt hätten. Aber ich erhielt keine Antwort. (HDL)



Joseph Roth

Wie auch I.B.Singer schildert Roth in seienm 1930 geschriebenen Roman "Hiob" das jüdische Leben in Galizien. Als der Romanheld namens Mendel Singer nach Amerika auswandert, ist dort einer seiner Nachbarn der Fleischer Lemmel, ebenfalls emigrierter Jude, dessen Sohn als junger amerikanischer Offizier gegen die Deutschen kämpft. - Gott hat "Mendel Singer gestraft, warum nicht Lemmel den Fleischer?"
[Joseph Roth: Hiob, Kiepenheuer und Witsch, 1974, 1982; siehe Seiten 147, 162, 171, 208]



Der Lämmel im Kriminalroman

Hansjörg Martin: Die grünen Witwen von Rothenfelde. Rowohlt-Verlag rororo thriller Nr. 2609, Sept. 1982. In diesem Kriminalroman kommen Manfred K. Lämmel ("der schöne Lämmel") und sein Sohn Volker Lämmel vor. Um beim Leser die Spannung des Krimis nicht zu stören, kann hier natürlich Näheres nicht verraten werden.

Stefan Jahnke: Isergold. "Books on Demand" 2009, 296 Seiten. In diesem Kriminalroman spielen Rolf Lämmel und seine Familie die Hauptrolle. Der Erzählstil ist spannend und originell, aber ich fand die Lösung doch zu absurd, bis zur Geschmacklosigkeit. (HDL)

 


Ende  
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