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Der Lemmel-Stamm aus Melsheim

Die heutigen Elsässer Familien namens Lemmel oder Laemmel gehören zu verschiedenen Stämmen, die nicht mit einander verwandt sind. Sie sind protestantisch, katholisch oder jüdisch. Die meisten Lemmel und Laemmel im Elsaß aber sind protestantisch und stammen alle von Peter Lämmel ab, der im Jahre 1668 in Melsheim heiratete. Dabei wird er als Sohn von "Hans Lämmel aus der Schweiz" bezeichnet.

Melsheim liegt bei Hochfelden nordwestlich von Straßburg. Es ist ein kleines Dorf im sogenannten Hanauerland, der früheren Grafschaft Hanau-Lichtenberg, zwischen Brumath und Zabern im Zorn-Tal nordwestlich von Straßburg. Diese Gegend ist lutherisch. Durch den 30jährigen Krieg wurden Melsheim und viele andere Orte fast ganz entvölkert. Die hier belegte Zuwanderung aus der Schweiz in die verwüsteten Elsässer Orte ist kein Einzelfall.

Dieses Dorf Melsheim darf nicht mit dem nicht weit entfernten, etwas größeren Ort namens Molsheim verwechselt werden. Molsheim ist eine Kreisstadt am Eingang des Breuschtales westlich von Straßburg; es war bis zur Revolution bischöfliches Gebiet und ist daher katholisch. In den Urkunden einiger abgewanderter Melsheimer Lemmel ist ihr Herkunftsort mit "Moltzheim" oder "Mölssheim" angegeben. Hierdurch irregeführt hatte ein USA-Lemmel einst irrtümlich in Molsheim nach seinen Vorfahren geforscht, vergeblich.

Der erste Melsheimer Lämmel hatte 7 Söhne. Zwei von ihnen sind wohl wieder abgewandert. Aber die fünf in Melsheim verbliebenen Söhne hatten wiederum je drei oder vier Söhne, zusammen 15 (ohne die jung gestorbenen), so daß der Melsheimer Lemmel-Stamm sich sehr schnell stark vermehrte. Um 1750 findet man etwa auf jeder zweiten Seite des Melsheimer Kirchenbuches einen Lemmel-Eintrag. Und im Jahre 1861 gab es in Melsheim 9 Todesfälle, und 4 davon waren Lemmel.

Von Beruf waren sie "Ackerer", also kleine Bauern, "Tagner", das sind Tagelöhner, Schneider, Schuster oder Weber.

Die Schreibweise des Namens, die in der Heiratsurkunde von 1668 Lämmel ist, ist dann meist Lemmel, aber relativ häufig auch Lämmel oder Laemmel; oder auch Lemel oder Lämel. Gelegentlich kommen in einer Urkunde verschiedene Schreibweisen des Namens nebeneinander vor. So kann es sein, dass der Pfarrer "Michel Lemmel" einträgt, während die eigenhändige Unterschrift darunter "Michael Lämmel" lautet.

Die Kirchenbücher sind durchweg auf deutsch geführt. Nach der Revolution von 1789 werden Standesamtsakten eingeführt ("Etat Civil"), die zunächst auch auf deutsch geführt werden. Erst ab etwa 1810 sind fast alle Urkunden auf französisch, und auch die deutschen Vornamen werden französisiert. Beispielsweise findet man, dass einer, der in der Urkunde "Jean Laemmel" heisst, dieselbe Urkunde mit "Johannes Lämmel" unterschreibt. Ein häufiger Elsässer Vorname ist Diebold, der dann auf französisch als Thiebaut oder Thibault eingetragen wird. Nach 1871 erscheint der Name dann womöglich als Theobald rückübersetzt auf hochdeutsch, wobei der von Berlin aus eingesetzte preußische Beamte offenbar nicht wusste, dass Thiebault auf Elsässisch Diebold heißt.

Überhaupt enthalten Kirchenbücher und Standesamts-Urkunden viele eigenhändige Unterschriften der "Hochzeiter", der Taufpaten und anderer beteiligter Personen, so dass man von vielen Lemmeln noch ihre Handschrift sehen kann und herauskopieren könnte. Einige freilich "sind des Schreibens unkundig" und unterschreiben mit einem X als "Handzeichen". Unterschrift oder Handzeichen können gelegentlich helfen, gleichnamige Vettern von einander sicher zu unterscheiden. Manche Unterschriften sind recht eigenwillig; so bedeutet "Felden" Lemmel "Valentin" oder "Valten". Aber "Felden" kommt auch als amtlich eingetragener Vorname vor.

Die Aufstellung einer Stammfolge der Melsheimer Lemmel wird dadurch erschwert, dass immer wieder dieselben Vornamen vorkommen. Jeder vierte der Melsheimer Lemmel heisst Michael. Man muss also sehr sorgfältig vorgehen, um Verwechslungen zu vermeiden. 200 von 226 männlichen Melsheimer Lemmeln, die zwischen 1640 und 1900 geboren wurden, teilen sich in nur 6 Vornamen; dies sind:

Michel 52; Hans/Johannes 50; Georg 42; Jakob 23; Valentin/Velten 21; Diebold 12. Andere Vornamen 26.

Einige dieser Vornamen gibt es auch als Familiennamen. So gibt es einen Diebold Lemmel, der mit Margarete Diebold verheiratet ist, und Jacob Lemmel mit Catharina Jacob. Manch ein Lemmel-Verwandter heisst Diebold Diebold, Hans Hans, Jacob Jacob oder Michael Michel.

Bei den Töchtern ist es ähnlich: 80 Prozent der Lemmel-Töchter heissen Catharina, Margarete oder Marie; je 7 Prozent heissen Anna oder Eva; und nur die restlichen 6 Prozent haben andere Vornamen.

In den Kirchenbüchern und in den Etat-Civil-Einträgen sind die beteiligten Personen meist mit Altersangabe versehen, um gleichnamige zu unterscheiden; aber gelegentlich sind die Altersangaben ungenau. Oder sie sind durch den Beruf unterschieden: Ackerer (cultivateur) und Tagner/Taglöhner (journalier); aber auch das ist nicht eindeutig, wenn einer erst Tagner ist und dann Ackerer wird, weil er den väterlichen oder schwiegerväterlichen Hof übernahm. Um 1850 heisst es dann: Hans Lemmel der zweite und Hans Lemmel der dritte, um fast gleich alte Vettern zu unterscheiden. Der vierte wanderte dann nach Amerika aus. - So ist es oft mühsam, jede Lemmel-Urkunde an der richtige Stelle des Stammbaums einzuordnen.

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Wie sich die Lemmel in Melsheim vermehrten, zeigt die folgende Statistik. Der Stammvater, der 1641 geborene Peter Lemmel, hatte sieben Söhne, die zwischen 1670 und 1699 in Melsheim geboren wurden. In der Enkel-Generation sind 15 männliche Lemmel bekannt, vier jung gestorbene nicht gerechnet. 12 von ihnen wurden zwischen 1701-1737 in Melsheim geboren, 3 ausserhalb.

In der Urenkel-Generation wurden 24 Lemmel-Männer geboren, 23 in Melsheim und einer ausserhalb, und zwar 1728-1784.

In der nächsten Generation gibt es 32 Brüder und Vettern namens Lemmel; 17 davon wurden zwischen 1754-1815 in Melsheim geboren und 15 ausserhalb.

In der nächsten Generation, die zwischen 1788-1866 geboren wurde, sind 41 Lemmel-Brüder und -Vettern bekannt; von ihnen wurden 11 in Melsheim geboren und 30 ausserhalb. Die Mehrheit ist also von Melsheim in das umgebende Elsass abgewandert, andere gingen ins Ausland.

Von den abgewanderten Lemmeln sind noch längst nicht alle bekannt. Die Kirchenbuch-Forschungen im Elsass müssten noch weitergeführt werden. Viele Ergänzungen der Stammfolge, besonders auch in den jüngsten Generationen, sind daher noch zu erwarten.

Im Frühjahr 1998 sind über 1000 Nachkommen des Melsheimer Stammvaters Peter Lemmel bekannt, darunter 130 jung gestorbene Kinder und 370 "Stammhalter", also erwachsene Söhne, die den Namen Lemmel (oder Lämmel, Laemmel oder ähnlich) tragen.

(Diese Statistik erstellte ich 1998. Inzwischen sind einige Ergänzungen hinzugekommen.)

Einige Unglücke reduzierten die Zahl der Lemmel-Söhne nur unwesentlich: 1759 wurde der 16jährige Valentin Lämmel in einer Leimgrube verschüttet und getötet. 1788 starb der 28jährige Hufschmied Diebold Lämmel; Todesursache nicht angegeben. 1809 starb der 28jährige Michel Lemmel als Husar in Spanien im Spital. 1852 starb der 26jährige Georg Lemmel beim Militär in Zabern. 1859 starb der 28jährige Tagelöhner Michel Lemmel, ohne Angabe der Todesursache.

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Etliche der Melsheimer Lemmel wanderten nach USA aus, wobei in einigen Fällen die genauen genealogischen Verbindungen noch unsicher sind. Die Nachkommen der nach USA ausgewanderten Melsheimer Lemmel sind in separaten Stammfolgen zusammengestellt; siehe die Übersicht an anderer Stelle.

Die 1729 und 1736 in Melsheim geborenen Brüder Peter und Johann Lemmel gingen nach Norddeutschland an die Niederelbe in einen kleinen im Moor gelegenen Ort namens Bülkau. Die Nachkommen breiteten sich in der Gegend zwischen Hamburg und Cuxhaven aus. Von Hamburg gab es wiederum eine Abwanderung nach USA; siehe "Lemmel-Stamm Bülkau".

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Um 1750 muss es in Melsheim 5 Lemmel-Höfe gegeben haben. Wie lange die im Besitz der Familie blieben, lässt sich aus den Kirchenbuch-Eintragungen, wo nur der Beruf "Ackerer" oder "Ackermann" eingetragen ist, nicht ersehen. Oft ging der Hof an einen Schwiegersohn, während der eigene Sohn einen anderen Hof erheiratete.

Um 1850 gibt es in Melsheim ein ganzes Dutzend Lemmel-Familien, bei denen als Beruf "Ackerer" oder "cultivateur" angegeben ist. Ob die auf einem Dutzend verschiedenen Höfen lebten, oder ob mehrere Familien auf einem Hof leben mussten, ist ungewiss.

Später wurden etliche der Lemmel-Höfe aufgegeben. Im Jahre 1997 wurde berichtet, dass es, soweit erinnerlich, um 1950 vier Lemmel-Höfe gegeben habe. 1997 scheint es nur noch eine Lemmel-Witwe in Melsheim gegeben zu haben. Alle anderen Lemmel sind abgewandert.

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1880

Im Jahre1880 gab es in Melsheim eine Volkszählung, zu der Sebastian Brocker die Lemmel-Einträge kopierte und mir 2016 mitteilte. Da gab es neun Haushaltsvorstände namens Lemmel oder Lämmel. (Die Schreibweise ist willkürlich. In diesem Fall hat der Volkszähler in der Obergasse durchweg "Lämmel" geschrieben, und in der Untergasse "Lemmel".) Es gab drei Bauernhöfe Lemmel/Lämmel, von denen einer nur gepachtet war.

Obergasse 13: Der Schuster und Bannwart (= Feldhüter, Dorfpolizist) Michael Lämmel 
Margaretha Matter mit 6 Kindern und einer Pflegetochter Friederike Schneider. (Zwei weitere Töchter wurden erst nach 1880 geboren.)


Obergasse 14: Der Pächter Johann Lämmel, ein ganz entfernter Vetter des vorigen, 
Margaretha Mehl, mit Sohn Johann.


Obergasse 15: Der Ackerer Johann Huber 
Maria Catharina Lämmel. (Wer ihr Vater war, konnte noch nicht festgestellt werden. - Ein junges Paar noch ohne Kinder? Oder ein altes Paar, dessen Kinder schon aus dem Haus sind?)


Obergasse 29: Johann Lämmel, Rentner, der zuvor "Stabhalter" (= Bürgermeister) gewesen war. Ein Vetter des Michael Lämmel von Obergasse 13.


Obergasse 32: Der Ackerer Michael Lämmel 
Anna Klein, mit Sohn Michael und Tochter Margarete. Er ist ein Vetter zweiten Grades des Johann Lämmel in Obergasse 14. In einem zweiten Haushalt im selben Haus lebt Michaels Vater, der Ackerer Michel Lämmel  Margaretha Kärcher.




Untergasse 4: Der Ackerer Peter Lemmel 
Katharina Arbogast mit Tochter, Sohn und Großvater Peter Lemmel. Er ist nur ganz entfernt verwandt mit den obigen Lämmeln.


Untergasse 65: Margarete Lemmel mit ihren Eltern, dem Tagner Georg Lemmel 
Margarete Hammann. Sie ist mit dem Reisenden Remy Conchot (oder Couchet?) verheiratet ist, der vorübergehend abwesend ist, und hat eine Tochter Anna Pauline Conchot. Dieser Georg Lemmel ist ein Vetter des Johann Lämmel in Obergasse 29 und des Michel Lämmel in Obergasse 13.


Untergasse 66: Der Ackerer Jakob Mallo 
Katharina Lemmel, mit seinem Vater Jacob Mallo und einer Dienstmagd Margaretha Geyer. (Der Vater dieser Katharina Lemmel konnte noch nicht bestimmt werden.)


Untergasse 82: Der Tagner Valentin Ackermann oo Maria Lemmel mit drei Kindern. In einem zweiten Haushalt leben im selben Haus Marias Eltern, der Webermeister Michael Lemmel 
Maria Gangloff. Dieser Michael Lemmel ist mit den obigen Lämmeln und Lemmeln nur ganz entfernt verwandt. (Die Tochter Maria Ackermann wird später wieder einen Lemmel heiraten.)




Untergasse 88: Die alleinstehende Maria Lemmel. Sie hat ihr Haus im "Eigenthum". Mangels weiterer Angaben und angesichts der Häufigkeit des Vornamens Maria kann sie nicht sicher identifiziert werden. (Sie könnte vielleicht die Witwe des Kaufmanns Johann Georg Lemmel sein, die selbst eine geborene Lemmel ist. Sie wäre eine Tante des Johann Lämmel in Obergasse 14.)


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Furchhausen

Seite 1780 lebt ein Zweig der Melsheimer Lemmel in Furchhausen. Dort wird alle fünf Jahre im Restaurant Lemmel ein Familientag abgehalten, über den 2008 ein Zeitungsartikel in der örtlichen Zeitung erschien. Im Internet konnte man lesen:

Article paru dans l'édition du Vendredi 27 Juin 2008:   Saverne - Furchhausen / Fête
Tout l'amour des Lemmel
En 1998, les descendants de Michel Lemmel et de Marie-Eve Reeb s'étaient rassemblés pour la première fois, et le plaisir de la rencontre avait été si fort qu'ils avaient décidé de se retrouver tous les cinq ans. Promesse tenue en 2003 et récemment, en mai, à Furchhausen.
 A l'origine de cette grande famille, dont les ramifications actuelles s'étendent loin au-delà de notre région, à Paris, en Normandie et jusqu'au Canada, il y a eu le mariage de Michel Lemmel, né le 13 octobre 1888, avec Marie-Eve Reeb, née le 15 mai 1900. Huit enfants et 53 petits-enfants  Installé à Furchhausen vers 1920, le couple a eu huit enfants : Marie, Lina, Albert, Berthe, Charles, Mathilde, Alfred et Frida, qui à leur tour ont donné naissance à 53 petits-enfants. Le grand-père Michel ...

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Die Fassung dieser Stammfolge von 1977 wurde bei der Genealogischen Gesellschaft in Hamburg hinterlegt. Dazu findet sich eine kurze Besprechung in der Zeitschrift für Niederdeutsche Familienkunde, 53.Jg. (1978) S.22. - Die Fassung von 1990 wurde als Teil des "Lemmel-Archives" von der Genealogischen Gesellschaft von Utah auf Mikrofilm Nr.1691489 aufgenommen. - Diese Fassungen waren freilich noch sehr unvollständig, und die jetzige Fassung enthält viele Ergänzungen.

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H.D.Lemmel, 30.4.98, zuletzt ergänzt Oktober 2016


Uber die Herkunft des "Hans Lämmel aus der Schweiz"

"Hans Lämmel aus der Schweiz", der laut seinem Heiratseintrag im Kirchenbuch Stammvater der Melsheimer Familie Lemmel/Lämmel ist, mit zahlreichen Nachkommen in Elsaß, Norddeutschland und USA, dürfte etwa um 1610/15 geboren worden sein. Er dürfte, wie sein Sohn Peter in Melsheim, Calvinist gewesen sein. Sein Wohnort in der Schweiz ist unbekannt.

Irgend eine andere Urkunde, die genauere Auskunft über die Herkunft von Hans Lämmel geben könnte, wurde nicht gefunden. Im Notariat Bouxwiller finden sich Ehekontrakte und Erbschafts-Teilungen für Melsheim erst ab 1680. Trotz der so zahlreichen Lemmel in Melsheim fand sich darunter keine einzige Lemmel-Urkunde. [M.-O. Pérès 1995]

In der Schweiz gibt es den Namen Lembli bereits um 1300. Später überwiegt die Namensform Lämmli. Die Namensform Lämmel um 1600 ist mir in der Schweiz bisher nicht begegnet. Die Endung -el ist dort eher ungewöhnlich. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, daß Hans Lämmel in der Schweiz 'Lämmli' hieß, und daß die Endung -li in Melsheim zu -el verwandelt wurde. Falls aber die Namensform Lämmel tatsächlich die ursprüngliche ist, könnte man an eine Einwanderung aus Sachsen oder angrenzenden Ländern denken, wo diese Namensform heimisch und äußerst häufig ist.

In der Kartei des Staatsarchivs Basel fand ich zahlreiche Namensvorkommen der Formen Lemmlin, Lemblin, Lämmlin, auch -le oder -lein. Zwei Namensvorkommen Lemmel/Lämmel aus jüngerer Zeit sind nachweislich Rückwanderungen aus dem Elsaß.

Nimmt man an, dass die Familie Lemmel/Lämmel um 1600 in die Schweiz einwanderte, dann lassen es die Zeitumstände wahrscheinlich erscheinen, daß es sich um vertriebene Protestanten handelt. Dafür gibt es Hinweise.

Im Elsass lebten vor dem 30jährigen Krieg mehrere Lemmel-Familien in Bietlenheim, 15 km nördlich von Straßburg, 20 km östlich von Melsheim. Siehe "Lemmel-Stamm Bietlenheim". Ihr etwa um 1520 geborener Stammvater Lemmel (Vorname unbekannt) dürfte um 1550 in Bietlenheim gelebt haben. Nach 1629 verschwinden die Lemmel hier völlig. Sie sind also entweder im Krieg umgekommen oder geflohen. Tatsächlich gibt es hier zwei Vettern Hans Lemmel, die beide 1621 geboren wurden, und die mit ihren Eltern in die Schweiz geflohen sein könnten.
Es ist durchaus möglich, dass "Hans Lämmel aus der Schweiz" mit einem der beiden 1621 geborenen Hans Lemmel aus Bietlenheim identisch ist. Aber der Melsheimer "Peter Lämmel, Hans Lämmels aus der Schweiz Sohn" wurde bereits 1641 geboren. Sein Vater, wenn er mit einem Bietlenheimer Hans Lemmel isentisch ist, wäre dann bei Peters Geburt erst 20 Jahre alt gewesen.

In Wilshausen bei Melsheim heiratet eine 1618 geborene Margarete Lemmel, für die eine Elternangabe leider fehlt. Altersmäßig könnte sie eine Schwester des Hans Lämmel sein und mit ihm zusammen aus der Schweiz gekommen sein.

Früher hatte ich angenommen, dass der erste Lemmel erst nach dem 30-jährigen Krieg ins Elsaß einwanderte. In der Tat wird zwischen 1584 und 1601 eine protestantische Familie Lemmel/Lämmel aus Wien vertrieben, und es erschien durchaus möglich, den "Hans Lämmel aus der Schweiz" hier einzuordnen. Die erst 1997 erfolgte Entdeckung der Bietlenheimer Lemmel zeigte aber, dass die Lemmel schon vor
dem 30-jährigen Krieg im Elsaß ansässig waren.

Vermutlich also gehörte
"Hans Lämmel aus der Schweiz" zu den Kriegsflüchtlingen, die nach dem Krieg in ihre zerstörte Heimat zurückkehrten. Sein Vorfahr könnte der Lemmel sein, der um 1550 in Bietlenheim lebte und der vielleicht der erste Lemmel im Elsaß war. Woher er kam, wird sich mangels erhaltener Urkunden kaum noch feststellen lassen.

H.D.Lemmel, 30.4.98, zuletzt ergänzt 2010

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