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Albrecht Lemmel n013 – zu Störnstein


Eltern unbekannt

(* etwa ?1390/1400), † vor 1435

Parsberger Pfleger zu Störnstein. Vom Halsgericht in Neu- stadt (Waldnaab) zum Tod am Galgen verurteilt, jedoch in der Gefangenschaft bei Hans von Parsberg vor 1435 gestorben.

∞ mit Margarete Redwitzer n017

(* etwa ?1405)

1435 zu Störnstein gesessen.

ihr Vater: Wenzel Redwitzer n018, (* etwa ?1370)
1435 zu Eschenbach gesessen.

Regesten:

Zusammenfassung:

→ Die einzige über ihn bekannte Urkunde ist ein Urfehdebrief von 1435: Albrecht Lemmel zu Störnstein, Schwiegersohn des Wenzel Redwitzer, der 1435 zu Eschenbach sitzt, hat ein Verbrechen unbekannter Art begangen, vermutlich schon vor etlichen Jahren. Er wurde dafür vom Halsgericht in Neustadt an der Waldnaab zum Tod am Galgen verurteilt. Dazu kam es aber nicht, denn Albrecht Lemmel saß in der Gefangenschaft bei Hans von Parsberg, wo er starb. 1435 schwören seine Witwe und sein Schwiegervater vor dem Neustädter Gericht, dass sie an Hans von Parsberg keine Rache üben werden.

→ Albrecht hat keine Kinder; etwaige Kinder hätten ebenfalls schwören müssen, von Rache abzusehen.

→ Störnstein war Parsberger Besitz, und Albrecht Lemmel muss hier Parsberger Pfleger gewesen sein. 1435 ist bereits Hans Kleinherr sein Nachfolger als Parsberger Pfleger zu Störnstein.

→ Da Albrechts Schwiegervater noch lebt, kann Albrecht nicht sehr alt sein; er könnte etwa um 1390/1400 geboren sein.

→ Albrechts Vater ist unbekannt. Beziehungen zu den Parsbergen haben die Neumarkter und die Reichertshofener Lemmel-Zweige. Es fehlt jedoch ein Ansatz, wer hier Albrechts Vater sein könnte.

Regesten:

 •  12.3.1435 bekennen Wenzel Redwitzer, gesessen zu Eschenbach, und seine Tochter Margarethe, zu dem Störnstein gesessen, Hausfrau des Albrecht Lemmel, in einem Urfehdebrief, dass sie keine Rache dafür verlangen, dass Albrecht Lemmel in der Gefangenschaft bei Ritter Hans von Parsberg "tot und vergangen ist". Das Halsgericht in Neustadt hatte ihn an den Galgen gebracht, "nachdem als er das wol verdient hett und als das einer solchen fehden mannes recht ist". Der Tote wird seinem Schwiegervater zur Bestattung im Erdreich wiedergegeben. - Hanns von Parsberg wird von seinem Bruder Christoph vertreten. Erwähnt sind: Hans Kleinherr, Pfleger zum Störnstein, Peter Geyer, Richter in Neustadt, Kuntz Kotzel, Bürgermeister in Neustadt. Es siegelt der Ehrbare und feste Jorg Trautenberger, unser lieber Herr.
[Wilhelm Brenner-Schäffer: Geschichte und Topographie der Stadt Naustadt an der Waldnaab und seiner Herrschaft der ehemaligen gefürsteten Grafschaft Störnstein. In: Verhandlungen des historischen Vereins von 0berpfalz und Regensburg, Band 24, Regensburg 1866. Beilage 13, Seite 136. - Jetzt auch Neudruck (wann? vor 2000), Kopie durch G.Schmidbauer 2001.]
[Vergl. Rudolph Freiherr von Fritzenstein: Regesten und Genealogie der von Redwitz. In: Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg, Band 33, 1878, Seite 37.]

 •  Auf den selben Vorgang zu beziehen:

 •  Lemmel, Adel, 1435 Wohnsitz Sternstein, Gericht Neustadt.
[Joseph Plaß: Der oberpfälzische Adel. In: Festgaben zum Wittelsbacher Jubiläum, Band 1, Heft 1, Donauwörth 1880.]

→ Gleich daneben: Lemmel, Adel, 1400 Wohnsitz Luppurg, Gericht Parsberg.

→ Unklar, ob die Einträge von 1400 und 1435 sich auf die selbe Person beziehen.

 •  In einer mittelalterlichen Neumarkt-Chronik [Internet 2014] heißt es bei demselben Vorgang 1435: "Albrecht Lomel alias Albrecht Lemmel". Hier wurde der Name Lemmel mit der in Neumarkt vorkommenden Variante Lomel gleichgesetzt, was nicht korrekt ist, denn in der Urkunde von 1435 kommt nur Lemmel vor. (HDL)

→ Nachdem Böhmen sich im 14.Jahrhundert bis vor die Tore Nürnbergs ausgedehnt hatte, gingen die meisten errungenen Gebiete nach dem Tod (1378) Kaiser Karls des 4. wieder verloren. Störnstein und Neustadt gehören zu den wenigen Schlössern, in denen sich Böhmen noch 1435 behauptet. Hans von Parsberg, zuvor Pfleger von Waldeck, hatte die Herrschaften Neustadt und Störnstein durch Heirat erworben. In den Hussitenkriegen der Zeit 1430/35 sind Neustadt und Störnstein, in Bayern gelegen, zu Böhmen gehörend, in besonders gefährdeter Lage. [Brenner-Schäffer, wie oben.]

→ Interessant ist, dass Jörg Trautenberger den Urfehdebrief siegelt, offenbar als Vertrauter, Vertreter oder Bürge für Wenzel Redwitz und Margarete Lemmel. Eine Beziehung Lemmel-Trautenberger besteht zu gleicher Zeit in Hermannstadt in Siebenbürgen. Dort folgt 1440 der Hermannstädter Bürgermeister Trautemberger auf Johannes Lemmel im Amt des Kammergrafen.

→ Die Schürstab sollen aus Hermannstadt gekommen sein, wo sie vordem von Trautenburg geheissen hätten. [Ute Monika Schwob: Kulturelle Beziehungen zwischen Nürnberg und den Deutschen im Südosten im 14.-16.Jh. München 1969, S.78]

Wortlaut:
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Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg
Band 24, Regensburg 1866.

Geschichte und Topographie der Stadt Neustadt an der Waldnab
von Dr. Wilhelm Brenner-Schäffer
Beilage 13, S. 136: Wenzislaus Redwitzers Urphedebrief 1435

Ich ventzel genannt redwitzer der zeit zu eschenpach gesessen und ich margaret des benannten wenzels tochter der zeit zu dem störnstein gesessen bekennen beide offenlich an dem offenen brief und wollen dass es wissenlich sei allen den di den brief sehen, hören oder lesen

wie das albrecht genannt Lemmel der vorgenannten frawen margareten eelich man von rechter warer schuld und fedlicher fehde in gefangknuss des gestrengen und festen ritters hern hanns von parsbergk und christoffen seines pruders die zeit anstat hern hannsen kommen ist und in selbiger gefangknuss tot und vergangen ist, dem selbigen benannten albrecht Lemmel unsere obgenannte herrschaft einen newen galgen hat machen lassen und auch den pan bracht hätten gen den newenstat in ir pan stat und halsgericht wold haben nachdem als er das wol verdient hett und als das einer solchen fehden mannes recht ist also komm ich egenannter wenzlaw mit sampt meiner benannten tochter margarethen für die erbern und weise hansen kleinher die zeit pfleger zum störnstein und peter geyer die zeit richter zu der newenstat und kuntzen kotzel die zeit purgermeister zu der newenstat und für den ganzen rat daselbst und paten die lewttlichen durch gottes willen das sy ansehen unsre swere grose schande und smachheit die wir empfangen hetten und auch unser willig dienst, die wir der herrschaft getan hetten und noch hiefür willichen tun wollen und uns mit den totten leichnam nicht grosser und swerlicher beschamten

also haben die benannten unser inniges und fleissiges gepete angesehen und haben unsern ayden und man totten wieder gegeben und uns vergönnt den zu dem erttreich bestaten und das wir im den freythof sullen gewinnen, als wir mügen als dann eines solchen fehden mannesrecht ist doch mit sollicher unterschaidenhait das der benannten unser lieben herschaft und den iren an irem halsgericht herrlichkeit und rechten keinen schaden sol bringen und sunders den von der newenstat und allen die darunter verdacht sein und auch von uns noch menniglichen und unserer wegen anspruch sullen noch wollen haben und wir
haben in auch des gütlichen und mit ganzen fleisse gedangket und wollen auch das hiefür willichen und gern verdienen

also gereden und geloben wir paide ich wenzlaw und margarethe mein tochter für uns und allen unsern erben und nachkommen und für mennigklichen von unsern wegen dem mergenannten und festen ritter hern hannsen von parspergk und christoffen von parspergk seinen pruder der zeit anstat herrn hannsen und allen den iren und sunder hansen kleinhern pfleger und peter geyer richter und christoffen kotzel purgermeister und allen den von der newenstat und sunderlichen allen den die darunter verdacht sein mit worten oder mit wergken dester feintter darumb nicht zu sein noch wider sy umb die sach nymmermer zu tun weder mit recht noch unrecht gaistlichen och weltlichen noch nyemand darauf weisen lesen noch stewern und sol ein veste gantze gerichte sach sein ewigklichen Nyme zu oeffne getrewlichen on alles gewerde und das alles das an dem offnen brief geschrieben stet also getrewlichen und ongewerlichen von uns und allen den unsern gantz und fest gehalden werde,

deshalb ich benannt ventzel und margarethe mein tochter paide zu den heiligen mit aufgeregkten viengern gesworen und des zu urkunde und pesser sicherheit hab ich Ventzlaw und margereth mein tochter den erbergen und festen Jörgen trauttenbergern unsern lieben herren gepeten das er sein insigel durch unser fleissige pete willen zu waren getzewgnuss an den offen brief gehangen hat, doch im und seinen erben on schaden daruntter wir uns auch verwinden alle obgeschrieben artikel getrewlichen und on alles gewerde zu halden, der brief gegeben ist nach cristi unsers lieben herrn gepurt taussend vierhundert und in dem fünf und dreissigsten jar des sampstags vor reminiscere in der heiligen fasten.


2014 7 1