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zur Stammtafel Lemmel-Chemnitz mit dem Zweig in
Neudorf am linken Rand der Tafel
Die Richterfamilie Lemmel in
Neudorf bei Annaberg ab 1544
Von 1544 bis 1671 ist das Erbrichteramt in Neudorf im oberen Erzgebirge
im Besitz der Familie Lemmel. Von diesem Lemmel-Stamm gibt es etliche
Zweige, und zwar einige rasch aussterbende Zweige in Aue,
Schwarzenberg, Schneeberg und Ehrenfriedersdorf, sowie drei Zweige mit
zahlreichen Nachkommen in Auerbach/E, Jahnsbach und Cranzahl.
Die Neudorfer Lemmel stammen von den Chemnitzer Lemmeln ab. Das ist
zwar nicht urkundlich belegt, folgt aber aus Indizien.
Wie zuvor gezeigt, geben die etwa 1475 geborenen Brüder Hans und
Georg Lemmel ihren in Chemnitz vom Vater Hans geerbten Besitz um die
Jahreswende 1504/1505 auf. Der eine von ihnen, Hans, wird
Bergbau-Unternehmer in Schneeberg; siehe die Stammfolge des
Lemmel-Stammes Schneeberg. Der andere, Georg, geht zunächst nach
Platten, kehrt dann aber nach Crottendorf auf die sächsische Seite
des Erzgebirges zurück, wo er der Stammvater der Neudorfer Lemmel
wird.
1537 gibt es in der Bergstadt Platten einen Hausbesitzer, der im recht
schlampig geführten Häuserlehnbuch einmal Jürge
Lemischer, ein anderes Mal Jorge Lenitzsch genannt wird. Da der selbe
Besitz ein Jahr später von Wolf Lemel verkauft wird, handelt es
sich bei dem Lemischer/Lenitzsch in Wahrheit um einen Georg Lemel. Auch
andere Namen wurden vom Schreiber des Plattener Häuserlehnbuches
in ähnlicher Art verstümmelt.
In Platten waren 1531/1532 zahlreiche Bergleute zusammengeströmt,
als man in neuen Gängen fündig geworden war. Es ist bekannt,
dass die meisten von ihnen aus Schneeberg kamen. Hieraus zu
schließen ist Georg Lemmel in Platten der schon 1504 bekannte
Bruder des Schneeberger Hans Lemmel. Da das 1535 einsetzende Plattener
Häuserlehnbuch nicht den Erwerb von Georg Lemmels Besitz
verzeichnet, muss er zu den ersten Siedlern von Platten gehören,
das 1534 als Stadt gegründet wurde.
Zuvor war Georg offenbar in der Chemnitzer Gegend verblieben: In
Neustadt-Hockericht bei Chemnitz ist 1530 ein Georg Lemmel mit einem
Besitz nachgewiesen, der im nächsten erhaltenen Steuer-Register
von 1547 nicht mehr einem Lemmel gehört. Georg dürfte also
Anfang der 1530er Jahre den Schneeberger Bergunternehmern nach Platten
gefolgt sein und daher seinen Wohnsitz in der Chemnitzer Gegend
aufgegeben haben.
1538 wird Georg Lemmels Haus in Platten von Wolf Lemmel verkauft.
Dieselbe Namensfolge Georg-Wolf wiederholt sich wenig später in
Crottendorf und Neudorf, zwei Dörfern auf der sächsischen
Seite des Erzgebirgkammes, dort wo auf der böhmischen Seite
Platten liegt. Der Bergbau in Platten dürfte also einen
finanziellen Erfolg gebracht haben, der in Crottendorf und Neudorf in
Grundbesitz und wohl auch in eisenverarbeitenden Betrieben angelegt
wurde: In Crottendorf gab es 15 Eisenhämmer. Dort ist Georg Lemmel
1544 als Richter genannt. Zu dieser Zeit muss er bereits 70 Jahre alt
gewesen sein, und bald darauf starb er.
Vom Gerichtsbezirk Crottendorf wurde um 1550 das Gericht Neudorf
abgespalten, nachdem Neudorf zwischen 1513/1529 auf dem Gebiet einer
alten schon lange wüst liegenden Siedlung Krachsdorf
gegründet worden
war. Georg Lemmels Sohn Wolf wird hier vor 1556 Richter, nachdem er
kurz zuvor in der Bergstadt Marienberg einen Besitz gehabt hatte. Wolf
Lemmel war also, wie sein Vater Georg, im Bergbau tätig, bevor er
sich
auf seinen Landbesitz in Neudorf zurückzog und dort das Richteramt
ausübte.
Nach ihm kommt das Neudorfer Gericht an seinen Sohn Bartel und bleibt
von vor 1556 bis 1671 durch 5 Generationen im Erbbesitz der Familie.
Albinus Lemmel, der 1671 kinderlos stirbt, vermacht das Erbgericht
durch Schenkung der Familie Eberwein.
Auch im benachbarten Cranzahl liegt das Richteramt zeitweilig bei der
Familie Lemmel. Deren Stammvater, der Cranzahler Hans Lemmel,
dürfte ein Sohn des Neudorfer Richters Wolf Lemmel sein. Die
Nachkommen der Cranzahler Lemmel siehe Stamm Cranzahl älterer
Teil, Stamm Cranzahl jüngerer Teil, und Stamm Buchholz.
Der Neudorfer Richter Wolf Lemmel stirbt in Schwarzenberg, wo ein
jüngerer Wolf Lemmel, den man als seinen Sohn ansehen muss, als
Bergmann tätig ist. Mit dessen Söhnen, Wolf in Aue und Georg
in Schneeberg, stirbt diese Linie rasch aus.
Zwei Brüder des Neudorfer Richters Wolf Lemmel sind der Bauer
Valten Lemmel in Auerbach/E und der Bauer Bartel Lemmel in Jahnsbach.
Beide haben zahlreiche Nachkommen; siehe die Lemmel-Stämme
Auerbach/E und Jahnsbach.
Im Unterschied zu den Nachkommen des Schneeberger Hans Lemmel, die sich
mehr städtisch entwickeln und an Universitäten studieren,
leben die Nachkommen seines Bruders Georg Lemmel im ländlichen,
bäuerlichen Bereich. Während die Schneeberger Lemmel
städtische Ratsherren stellen, treten die Neudorfer Lemmel als
dörfliche Richter hervor.
H.D.Lemmel, Okt. 1979, seither ergänzt
Das Gemeindewappen von
Neudorf
Das Wappen der Gemeinde Neudorf zeigt ein Lamm mit einer
Fahne auf einem steilen Berg.
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1 - Ein Siegelabdruck von 1917. Im Archiv
sind Abdrücke eines ähnlichen Siegels aus den
Jahren 1657 bis 1801 bekannt,
so dass die Jahreszahl 1657 in das Siegel aufgenommen wurde.
2 - Ein Kirchenstempel von 1954.
3 - Im Titel des "Neudorfer Anzeigers" um
1993.
4 - Das Gemeindewappen von 1998. (2002
wurde Neudorf ein Teil der Gemeinde Sehmatal.)
[Alles laut Mtlg H.Groß 2011]
Ursprung und Alter des Wappens ist nicht belegt. Pfarrer Dr. Zimmermann
habe gemeint, es sei ursprünglich das Privatsiegel eines Neudorfer
Pfarrers zur Zeit des 30-jährigen Krieges gewesen. In der Tat gibt
es ein "Osterlamm" mit einem Fähnchen als ein kirchliches Wappen
recht häufig. Aber der Übergang des Wappens eines
evangelischen Pfarrers auf eine Gemeinde wäre doch recht
ungewöhnlich.
Nachdem nun der erste Neudorfer Richter 1556 Wolf Lemmel war und das
Richteramt durch fünf Generationen im Besitz der Familie Lemmel
blieb, halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass es das
Lamm-Wappen der Familie Lemmel ist, das zum Gemeindewappen von Neudorf
wurde. In Sachsen sind nur wenige Lemmel-Wappen erhalten, diese teils
nur auf Siegel-Bruchstücken. Sie zeigen zu dem ursprünglichen
Lamm-Wappen verschiedene Zutaten, und ein Lamm mit Fahne kommt auch vor.
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1 - Das ursprüngliche Lemmel-Wappen,
Bamberg/Nürnberg 15.Jh.
2 - Hans Lemmel aus Schneeberg in Wien 1592
3 - Magister Petrus Lemmel in Schneeberg
1614
4 - Zahlmeister Johann Lämmel, Dresden
um 1700
5 - Pfarrer Michael Lämmel in Raschau
1746
6 - Verwalter Georg Jakob Lemmel, Oberpfalz
1744
So kann aus dem Lemmel-Wappen durchaus das Neudorfer Gemeindewappen
hervorgegangen sein. Wenn also die Familie Lemmel in Neudorf ihr Wappen
hinterlassen hat, so muss man dies in Zusammenhang mit zwei anderen
Hinterlassenschaften sehen. So kann man im nahe gelegenen
Hammerunterwiesenthal ein Kalkwerk aus dem 19. Jahrhundert besichtigen,
bei dem es heißt, dass an dieser Stelle einst "Lemmels Kalkofen"
stand, der schon 1522 beurkundet ist. Und in Oberwiesenthal kann man
das Mundloch des "Lämmel-Stolln" besichtigen, der angeblich schon
1525 befahren wurde.
H.D.Lemmel, 2012
"Petersilie"
Ein Enkel des Neudorfer Georg Lemmel war wohl ein jüngerer
Georg, der 1571 "aus Lößnitz" in Platten heiratet und sich
dort als Bäcker niederlässt. (1587 wird er in Joachimstal als
"flüchtiger Mörder" gesucht.) Seine in Platten geborenen
Söhne tauchen nach 1600 in Ehrenfriedersdorf auf. Mit einem von
ihnen geschieht dort ein sonderbarer Namenswechsel: er stirbt 1626 als
"Fleischer Yörg Petersillig sonst Lämmell". Später lebt
dort Christof Petersilge, Sohn des verstorbenen Fleischers Georg
Petersilge.
Offenbar gab es in Ehrenfriedersdorf einen Fleischer, der den
Spitznamen "Petersilie" hatte. Als Georg Lämmel dessen Tochter
heiratete und das Fleischergeschäft übernahm, übertrug
sich der Spitzname auch auf ihn und seine Nachkommen. - Während in
früheren Jahrhunderten mancher Familienname auf ähnliche
Weise entstanden sein mag, ist dies in der Zeit nach 1600 ein
äußerst seltener und bemerkenswerter Vorgang. - Die weiteren
Nachkommen namens Petersillig habe ich nicht untersucht.
Warnung vor
Doppelgängern!
1.: Georg Lemmel in Crottendorf, geboren etwa 1475, Bergunternehmer und wohl Besitzer
eines Eisenhammers, mit einem Sohn Wolf. Er hat einen seltsamen
Doppelgänger:
In Bruck an der Mur in der Steiermark lebt Georg Lempel, geboren etwa 1460, mit
einem Besitz in Krottendorf an
der Mur, Bergunternehmer,
Besitzer von Eisenhämmern,
mit einem Sohn Wolf.
Beide Familien haben ein Lamm im
Wappen.
Trotz der vielen Übereinstimmungen handelt es sich um zwei
verschiedene Familien. Von der steirischen Familie Lempel kommen zwei
als Pfarrer in das sächsische Erzgebirge. Dadurch war es
naheliegend, einen gemeinsamen Ursprung dieser Familien anzunehmen, was
sich jedoch nicht verifizieren ließ.
2.: Außer dem hier besprochenen Georg/Jorg Lemmel im Erzgebirge
wurde im Jahre 1988 im "Lemmel-Stamm Bayreuth" ein Jorg Lemmel
entdeckt, der (wie der Chemnitzer Georg Lemmel) etwa 1480 geboren wurde
und 1515 beurkundet ist, als sein Bruder Hans sich in "Schlackenwerth"
aufhält. Die
Bayreuther Lemmel sind ebenfalls im Bergbau tätig.
Schlackenwerth auf der böhmischen Seite des Erzgebirges? Nein! Bei
Bayreuth gibt es auch ein Schlackenwerd. Wieder ein Zufall, dass die
selben Namen an verschiedenen Orten auftauchen und leicht zu
Verwechslungen führen.