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Oletzko - Marggrabowa - Treuburg
  
Eine Stadt mit mehreren Namen.

H.D.Lemmel 2015

Martin Sembriczky lebte um 1570  "im Gebiet von Oletzko". Später hieß die Stadt "Marggrabowa", schließlich "Treuburg", und nach 1945 polnisch "Olecko". 

Oletzko hieß ursprünglich nur der See. Das Wort dürfte prussischen Ursprungs sein, und die Prussen hatten hier wohl schon eine befestigte Siedlung. In der Deutschordens-Zeit war hier eine Wildnis, über die keine Urkunden erhalten sind. Nachrichten gibt es erst aus der Zeit nach der Gründung des protestantischen Herzogtums 1525.

Woher kam der Name Marggrabowa = Markgrafenstadt?

Albrecht von Hohenzollern wurde 1490 in Ansbach geboren, mit dem Titel "Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach". Im Alter von 21 Jahren wurde er zum Hochmeister des Deutschen Ordens in Königsberg gewählt. Sein Onkel mütterlicherseits war König Sigismund von Polen, und die Verwandtschaft hinderte Onkel und Neffe nicht, gegen einander Kriege zu führen, in die auch Nikolaus Copernicus als Administrator des Bistums Ermland verwickelt wurde. 1525 säkularisierte Albrecht den Ordensstaat zu einem protestantischen Herzogtum, wobei er seinem Onkel Sigismund in Krakau den Huldigungseid leisten musste. Sigismunds Nachfolger wurde sein Sohn Sigismund II August. Mit ihm vertrug Albrecht sich besser. Die beiden Vettern Albrecht und Sigismund August trafen sich am Oletzko-See, wo beide ihre Jagdgründe hatten. Und sie beschlossen, hier Städte zu gründen und damit ihre Namen zu verewigen: Marggrabowa auf der preußischen Seite der Grenze, und Augustow auf der polnischen Seite. Zu dieser Zeit war Preußen im Vergleich zu Polen ein armseliges Land, und die polnische Sprache galt als vornehm. Daher wurde die Stadt nicht Markgrafenstadt sondern auf polnisch Marggrabowa genannt.
 
Markgraf Albrecht (Gemälde von Cranach) und sein Vetter Sigismund August, König von Polen. [wikipedia]


Im Jahre 1560 wurde am Oletzkosee die Stadt Marggrabowa (= Markgrafenstadt) gegründet. Aber: Im Ostpreußischen Pfarrerbuch wird berichtet, dass es hier schon 1552, also vor der offiziellen Gründung von Marggrabowa, eine Kirche mit zwei Geistlichen gab. Also muss es hier schon eine größere Siedlung mit einer Kirche gegeben haben. Vermutlich also gab es hier seit der Prussenzeit eine Siedlung, die nach der Christianisierung der Prussen auch eine Kirche bekommen haben muss, die dann 1525 evangelisch wurde. Die Gründung der Stadt Marggrabowa dürfte dann so erfolgt sein, dass die seit altersher bestehende Siedlung Oletzko das Stadtrecht bekam, nun aber ausgebaut wurde und insbesondere einen großen Marktplatz bekam, sowie eine große Kirche, die die alte, wohl hölzerne Kirche ersetzte.

Am See gab es ein herzogliches Jagdgebiet mit einer Jagdhütte, die 1619 zum Schloss Oletzko ausgebaut wurde.
Durch einige Jahrhunderte hieß die Stadt Marggrabowa, und der umgebende Landkreis Oletzko.

Im Ostpreußen-Wegweiser von Hermanowski heißt es, dass seit 1560 die Namen Treuburg und Marggrabowa  fast gleichzeitig auftauchten und dann wechselnd benutzt wurden, bis die Stadt 1832 offiziell Marggrabowa benannt wurde.
Nach dem ersten Weltkrieg gab es die Volksabstimmung über den Verbleib bei Deutschland, und in Marggrabowa gab es nur 2 Stimmen für Polen. Darauf wurde die Stadt 1928 in Treuburg umbenannt. Der schon früher belegte Name Treuburg erschien nun passend, um die Treue zu Deutschland zu dokumentieren.

Das Gut Zambrzyce, von dem vermutlich die Sembritzkis stammen, ist ein Ortsteil von Rudki. Als 1526 der Ort Rydzewen erstmals erwähnt wird, heißt es, dass hier Stanislaw Szembrzitzky aus Masowien "vormals" ein Waldstück besessen habe, also vielleicht schon um 1500. Sein mutmaßlicher Enkel Martin Sembriczky ist dann 1570 "im Oletzischen Gebiet" beurkundet, leider ohne genaue Ortsangabe. Seine "sieben Söhne" sind die Vorfahren der zahlreichen Sembritzkis, die in dieser Gegend bis 1945 lebten.  
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Unterschrift von Martin Sembriczky 1570.

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