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Die Lemblin/Lemble zu Rennertshofen

von Hans-Dietrich Lemmel, 1982, seither ergänzt, zuletzt 2015
. . [Fotos Otto Lemmel, Buxtehude]
Die Lämblingasse in Rennertshofen

Genau 200 Jahre, nämlich von 1506 bis 1706, dauert die Geschichte der Familie Lemblin/Lemble/Lämble zu Rennertshofen bei Neuburg/Donau. Wilhelm Lemblin genannt Schedl, der Hofkellner bei Herzog Friedrich von Neuburg war, kaufte 1506 die Hofmark Rennertshofen, die durch sechs Generationen im Besitz der Familie blieb. Der letzte, Franz Ignaz von Lämble, der 1676 in Wien den Freiherrenstand erhielt, starb 1706 ohne Nachkommen. Es ist aber durchaus möglich, dass Nebenlinien weiterblühen, jedoch ist mir darüber nichts bekannt geworden.

Das hier vorliegende Material stammt hauptsächlich aus Forschungen von Gerhard Lemmel um 1985 und etlichen anderen Beiträgen. Eine Diskussion zur Herkunft der Familie siehe H.D.Lemmel, "Die Nürnberger Lemmel in der Oberpfalz". Eine Stammtafel mit Familienblättern und Regesten findet sich an anderer Stelle. Hier folgen eine Sammlung von Wappen, Siegeln und Fotografien, sowie eine ausführliche Diskussion über die urkundlich nicht zu belegende Herkunft der Familie.

Wappen, Siegel und Fotografien
    
[Siebmacher, Wappenbuch Band VI,1 Nürnberg 1906 (=Band 54) Seiten 114f und Tafel 72, Abgestorbener Bayer.Adel II.]

 [Siebmacher, Wappenbuch Band 1 Seite 116, Schwäbische]

Siegel Wolf Heinrich Lemlin 1589
[BayHSA München Pfalz-Neuburg U 1589 X 23/13]


Siegel Wolf Heinrich Lemlin 1592
[Bay HSA München Klosterurk. Bergen Nr.24]

a b  c
a und b: Wappen von Johannes Christoph Lemlein zu Renharzhoven 1583.
Während das eine Wappen mit Jahreszahl und Namen beschriftet ist, ist das andere unbeschrifttete Wappen wohl eine Zeichenübung zum ersteren.
c:  Wappen von Wolf Heinrich Lemble zu Renhertzhofen 1613
[Landes-Bibliothek Stuttgart Signatur Cod.hist. 2 o 888, Fromann'sche Wappensammlung. Fotografien 1985 an Gerhard Lemmel.]

Rennertshofen mit dem Lämblin'schen Schloss


Skizze des Ortes von 1600, Ausschnitt aus der "Mappe von Matthäus Stang" des Landesgerichts Gaisbach von 1600, Bay Hauptstaatsarchiv München, Plansammlung 10006.
Diese Skizze entspricht genau dem Deckenfresko der katholischen Pfarrkirche. Deutlich zu sehen ist das Lämblin'sche Schloss mit Zugbrücke gegen die Ussel zu, in welchem die Lämblin von 1506 bis 1706 die Schlossherren waren.

Das Schlösschen Rennertshofen, umgürtet mit einer von Türmen versehenen Ringmauer, stand im Westen des Marktes an der Ussel, über welche eine Zugbrücke zum Schlosseingang führte. 1817 wird es wie folgt beschrieben: Zweistöckig, gemauert mit einem Turm. Im Erdgeschoss die Badstube, das Bedienstetenzimmer, Kammer und Küche. Im 1.Stock 6 Zimmer und 1 Küche. Im 2.Stock 1 Saal und 2 Zimmer. Darüber 2 Böden. Neben dem Schloss Stallungen und 2 Weiher. - 1827 wird das Schloss bereits als ganz verfallen und abbruchreif bezeichnet. Es wurde auch in diesem Jahr an Anton Kirchbauer von Rennertshofen auf Abbruch verkauft.

Beachtenswert sind das neben der Pfarrkirche an der Hauptstraße gelegene, vom Pfleger Lämble im 17.Jh. erbaute Schulhaus, u.a.... Die Pfarrkirche ist ein Bau von 1702, der Turm jedoch um 1300. An den Kirchenwänden zahlreiche Epitaphs, die sich von der alten Kirche her noch erhalten haben, darunter des Christoph Lembl, pfalzgräflichen Richters in Rennerzhofen, und des Hieronymus von Ems mit seinem für die Rennertshofener Lokaltradition bedeutsamen Wappen mit dem Ziegenkopf.

[Verschiedene Materialien mitgeteilt 1985 an Gerhard Lemmel, Bremervörde, von Herrn Pierre Laemlin in Bergheim/Elsass, aus Unterlagen des Bürgermeisteramtes Rennertshofen und von Frau Oberlehrerin Edeltraut Riedelsheimer, Mittlere Weinbergstraße 12]

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1 Epitaf von Christoph Lembl, gestorben 1584. (In der Reproduktion irrtümlich als 1581 zu lesen.)
2 Epitaf eines Lembl, dessen Frau ein Einhorn im Wappen führt.

[Fotos von Otto Lemmel, Buxtehude, 1981]


Beginn der Urkunde von 1506: Ich Wilhelm Lemblin genannt Schedl zu Renhertzhofen...
[BayHStA Pfalz-Neuburg U. Lehen 998. Kopie durch Inge Höfler]

Einige der vorkommenden Orte:



Herkunft?


Im Jahre 1506 kauft Wilhelm Lemblin genannt Schädl die Hofmark Rennertshofen bei Neuburg/Donau. Er ist Hofkellner bei Herzog Friedrich von Neuburg, der kurz zuvor aus Amberg kam. Dieser Lemblin ist in der Neuburger Gegend der erste seines Namens, und so muss man annehmen, dass sein Vater in Amberg am dortigen Pfalzgrafenhof lebte, zumal dort (allerdings etwas später) eine pfalzgräfliche Hofkellnerfamilie Lembler bekannt ist; siehe Stamm Sulzbach.

Leider sind die Urkunden über den Amberger Hof vor 1500 so spärlich, dass der Vater von Wilhelm Lemblin dort nicht nachgewiesen werden kann – es kann mangels Urkunden freilich auch nicht ausgeschlossen werden, dass er dort lebte.

Als in Neuburg Chroniken der dortigen Adelsfamilien aufgeschrieben wurden, war über die Herkunft der Lemblin nichts Konkretes mehr bekannt, und es gab allerlei Sagenhaftes und Spekulatives. Im Neuburger Kollektaneenblatt Band 30 von 1864 ist eine alte Chronik der Lämblin zu Rennertshofen abgedruckt, mit einigen fragwürdigen Behauptungen über ihre Herkunft.

Am konkretesten ist die Behauptung, dass Wilhelms Großvater Albrecht geheißen habe. Das konnte nicht verifiziert werden. Der einzige bekannte Albrecht Lemmel saß nahe der böhmischen Grenze auf der Burg Störnstein; er starb 1435 in der Gefangenschaft bei Ritter Hans von Parsberg, freilich wohl ohne einen Sohn hinterlassen zu haben. Diese Todesnachricht ist die einzige Urkunde über ihn, seine Herkunft ist offen: Albrecht Lemmel und der Neuburger Wilhelm Lemblin können durchaus gemeinsame Vorfahren an einem Ort haben, wo keine Urkunden erhalten sind.

Die selbe Chronik behauptet aber auch, dass die Lemblin von Rennertshofen von einem getauften Juden abstammen. Das ist sicher ein Unsinn, dessen Ursprung lediglich darin liegen mag, dass es etliche Juden namens Lämmlein oder Lemblin gab.

Weiter wird vermutet, dass die Lemble von Rennertshofen aus Schwaben stammen. Tatsächlich ist das Wappen der Rennertshofener "Lemblein" bei Siebmacher bei den Schwäbischen Geschlechtern eingeordnet. Das ist ein Irrtum, der freilich auf einem konkreten Faktum beruht: Ludwig Andreas Lämblin zu Rennertshofen wird 1626 und 1635 Obervogt von Weinsperg und Meckmühl bei Heilbronn, sein Bruder Philipp Wolfgang Lemlin erwirbt Horkheim bei Heilbronn. Hundert Jahre zuvor gab es hier einen Volmar Lemblin von Thalheim zu Horkheim, der Amtmann von Weinsperg und Meckmühl war. Er stammt aus der ab 1220 in Heilbronn nachweisbaren Familie Lemmel/Lemlin; siehe Stamm Heilbronn. Es gab in Horkheim also lange die Heilbronner Lemlin, kurzzeitig aber auch die Rennertshofener Lemlin. Kein Wunder, dass beide Geschlechter verwechselt wurden. Angesichts des zwischen Oberpfalz und Rheinpfalz ausgestreckten Besitzes der Pfalzgrafen wäre eine Verwandtschaft der Heilbronner Lemlin und der wohl in Amberg sitzenden Rennertshofener Vorfahren durchaus denkbar. Dafür könnte auch sprechen, dass sowohl die Heilbronner als auch die Rennertshofener Lemblin im Wappen ein Lamm auf blauem Grund führen, während die Bamberger/Nürnberger Lemlein das Lamm-Wappen immer auf rotem Grund haben. Aber außer diesem Wappen-Argument fand ich keinen einzigen Hinweis auf einen Zusammenhang.

Des weiteren wird auch angegeben, dass die Lämble von Rennertshofen wahrscheinlich von den "adligen Patriziern" in Nürnberg abstammen. Tatsächlich gibt es einen Zweig der Nürnberger Patrizier Lemlein, der seit 1400 für ein Jahrhundert auf dem Adelssitz Reichertshofen bei Neumarkt/Oberpfalz sitzt. Der Zufall will es, dass die Rennertshofener Lämble nach 1606 auch Pfleger zu Reichertshofen sind – aber es ist ein anderes Reichertshofen, bei Neuburg, südlich von Ingolstadt. Die Verwechslung der beiden Reichertshofen mag zu der Annahme der Nürnberger Abstammung geführt haben.

Auf der selben Linie liegt ein Fehler im handschriftlichen Lexikon von Ignatz Ströller im Staatsarchiv Neuburg, wo eine Ursula Lemle, Ehefrau des Nürnberger Hans Imhof, irrtümlich mit Ursula, der Schwester von Wolf Heinrich Lemblin von Rennertshofen gleichgesetzt wird. (Ursula Imhof ist die Tochter des Nürnberger Ratsherrn Hans Lemlein.)

Es gab ein Schreiben des 1706 gestorbenen Franz Ignaz Lemble zu Rennertshofen, in dem er erwähnt, dass Heinrich und Lutz die Lämblein nebst mehreren vom Adel 1393 dem Herzoge von Bayern, Johann, quittiert hätten und dass diese, sowie Jakob Lämble zu Schierling 1502-1511 Richter zu Kelheim, aus seinem Stamme gewesen seien. - Die hier genannten sind aus anderen Urkunden bekannt: Heinrich und Lutz gehören zur fränkischen Ritterfamilie Lampert/Lemplein von Gerolzhofen, und Jakob gehört zu den Oberpfälzer-Reichertshofener Lemmeln. In beiden Fällen ließ sich eine Verwandtschaft mit den Lemble von Rennertshofen nicht bestätigen. Vielmehr muss ich diese Angabe des Franz Ignaz Lemble genauso als unbegründete Behauptung ansehen wie die anderen Herkunfts-Behauptungen der Rennertshofener Lemblin.

"1392: Heinrich und Luz Lämleinnebst mehreren andern vom Adel quittieren Herzog Johann in Bayern." - Dieses Regest wurde in einem Aufsatz über den Markt Rennertshofen irrtümlich den Herren Lemblin von Rennertshofen zugeordnet.  [Internet 2015, "rennertshofen.doc" in https:// hvneuburg.files.wordpress.com]

Eine Diskussion der Herkunft der "Lemlein von Rennertshofen" findet sich bei Herbert E. Lemmel: "Die genetische Kontinuität des mittelalterlichen Adels", Degener Verlag 1980, S.245. Die hier wiedergegebenen Ansichten halte ich für völlig spekulativ und teils nachweislich falsch (HDL).

Die wahrscheinliche Herkunft der Rennertshofener Lemblin aus Amberg wird in meinem
Aufsatz über "Die Nürnberger Lemmel in der Oberpfalz" diskutiert.
 
Von 1608 bis 1616 waren die Rennertshofener Lemblin auch Pfleger zu Reichertshofen. Diese Orte werden oft Renhertzhofen und Reichertzhofen geschrieben, und da kann ein falsch gesetzter i-Punkt eine Verwechslung erzeugen. Und tatsächlich gibt es in der Literatur Verwechslungen.

Ein i-Punkt verwandelt "Renhertzhofen" in "Reichertzhofen":
Anlass für etliche Verwechslungen in der Literatur.

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