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zur Stammtafel der Lemblin zu Rennertshofen
Die Lemblin/Lemble zu Rennertshofen
Genau 200 Jahre, nämlich von 1506 bis 1706, dauert die Geschichte
der Familie Lemblin/Lemble/Lämble zu Rennertshofen bei
Neuburg/Donau. Wilhelm Lemblin genannt Schedl, der Hofkellner bei
Herzog Friedrich von Neuburg war, kaufte 1506 die Hofmark
Rennertshofen, die durch sechs Generationen im Besitz der Familie
blieb. Der letzte, Franz Ignaz von Lämble, der 1676 in Wien den
Freiherrenstand erhielt, starb 1706 ohne Nachkommen. Es ist aber
durchaus möglich, dass Nebenlinien weiterblühen, jedoch ist
mir darüber nichts bekannt geworden.
Das hier vorliegende Material stammt hauptsächlich aus Forschungen
von Gerhard Lemmel um 1985 und etlichen anderen Beiträgen. Eine
Diskussion zur Herkunft der Familie siehe H.D.Lemmel, "Die Nürnberger Lemmel in der Oberpfalz".Eine
Stammtafel mit Familienblättern und
Regesten
findet sich an anderer Stelle. Hier folgen eine Sammlung von Wappen,
Siegeln und Fotografien, sowie eine ausführliche Diskussion
über die urkundlich nicht zu belegende Herkunft der Familie.
Wappen,
Siegel und Fotografien
[Siebmacher, Wappenbuch Band VI,1 Nürnberg 1906 (=Band 54) Seiten
114f und Tafel 72, Abgestorbener Bayer.Adel II.]

[Siebmacher, Wappenbuch Band 1 Seite 116, Schwäbische]

Siegel Wolf Heinrich
Lemlin 1589
[BayHSA München Pfalz-Neuburg U 1589 X 23/13]


Siegel Wolf Heinrich Lemlin
1592
[Bay HSA München Klosterurk. Bergen Nr.24]

1583: Wappen von Johannes Christoph Lemlein zu Renharzhoven
[Landes-Bibliothek Stuttgart Signatur Cod.hist. 2 o 888, Fromann'sche
Wappensammlung. Fotografien 1985 an Gerhard Lemmel. Während das
eine Wappen mit Jahreszahl und Namen beschriftet ist, ist das andere
unbeschrifttete Wappen wohl eine Zeichenübung zum ersteren.]
Rennertshofen mit dem Lämblin'schen Schloss

Skizze des Ortes von 1600, Ausschnitt aus der "Mappe von Matthäus
Stang" des Landesgerichts Gaisbach von 1600, Bay Hauptstaatsarchiv
München, Plansammlung 10006.
Diese Skizze entspricht genau dem Deckenfresko der katholischen
Pfarrkirche. Deutlich zu sehen ist das Lämblin'sche Schloss mit
Zugbrücke gegen die Ussel zu, in welchem die Lämblin von 1506
bis 1706 die Schlossherren waren.
Das Schlösschen Rennertshofen, umgürtet mit einer von
Türmen versehenen Ringmauer, stand im Westen des Marktes an der
Ussel, über welche eine Zugbrücke zum Schlosseingang
führte. 1817 wird es wie folgt beschrieben: Zweistöckig,
gemauert mit einem Turm. Im Erdgeschoss die Badstube, das
Bedienstetenzimmer, Kammer und Küche. Im 1.Stock 6 Zimmer und 1
Küche. Im 2.Stock 1 Saal und 2 Zimmer. Darüber 2 Böden.
Neben dem Schloss Stallungen und 2 Weiher. - 1827 wird das Schloss
bereits als ganz verfallen und abbruchreif bezeichnet. Es wurde auch in
diesem Jahr an Anton Kirchbauer von Rennertshofen auf Abbruch verkauft.
Beachtenswert sind das neben der Pfarrkirche an der Hauptstraße
gelegene, vom Pfleger Lämble im 17.Jh. erbaute Schulhaus, u.a....
Die Pfarrkirche ist ein Bau von 1702, der Turm jedoch um 1300. An den
Kirchenwänden zahlreiche Epitaphs, die sich von der alten Kirche
her noch erhalten haben, darunter des Christoph Lembl,
pfalzgräflichen Richters in Rennerzhofen, und des Hieronymus von
Ems mit seinem für die Rennertshofener Lokaltradition bedeutsamen
Wappen mit dem Ziegenkopf.
[Verschiedene Materialien mitgeteilt 1985 an Gerhard Lemmel,
Bremervörde, von Herrn Pierre Laemlin in Bergheim/Elsass, aus
Unterlagen des Bürgermeisteramtes Rennertshofen und von Frau
Oberlehrerin Edeltraut Riedelsheimer, Mittlere Weinbergstraße 12]
1
2
1 Epitaf von Christoph Lembl, gestorben 1584. (In der Reproduktion
irrtümlich als 1581 zu lesen.)
2 Epitaf eines Lembl, dessen Frau ein Einhorn im Wappen führt.
[Fotos von Otto Lemmel, Buxtehude, 1981]
Beginn der
Urkunde von 1506: Ich Wilhelm Lemblin genannt Schedl zu
Renhertzhofen...
[BayHStA Pfalz-Neuburg U. Lehen 998. Kopie
durch Inge Höfler]
Herkunft?
Im Jahre 1506 kauft Wilhelm Lemblin genannt Schädl die Hofmark
Rennertshofen bei Neuburg/Donau. Er ist Hofkellner bei Herzog Friedrich
von Neuburg, der kurz zuvor aus Amberg kam. Dieser Lemblin ist in der
Neuburger Gegend der erste seines Namens, und so muss man annehmen,
dass sein Vater in Amberg am dortigen Pfalzgrafenhof lebte, zumal dort
(allerdings etwas später) eine pfalzgräfliche
Hofkellnerfamilie Lembler bekannt ist; siehe Stamm Sulzbach.
Leider sind die Urkunden über den Amberger Hof vor 1500 so
spärlich, dass der Vater von Wilhelm Lemblin dort nicht
nachgewiesen werden kann – es kann mangels Urkunden freilich auch nicht
ausgeschlossen werden, dass er dort lebte.
Als in Neuburg Chroniken der dortigen Adelsfamilien aufgeschrieben
wurden, war über die Herkunft der Lemblin nichts Konkretes mehr
bekannt, und es gab allerlei Sagenhaftes und Spekulatives. Im Neuburger
Kollektaneenblatt Band 30 von 1864 ist eine alte Chronik der
Lämblin zu Rennertshofen abgedruckt, mit einigen fragwürdigen
Behauptungen über ihre Herkunft.
Am konkretesten ist die Behauptung, dass Wilhelms Großvater
Albrecht geheißen habe. Das konnte nicht verifiziert werden. Der
einzige bekannte Albrecht Lemmel saß nahe der böhmischen
Grenze auf der Burg Störnstein; er starb 1435 in der
Gefangenschaft bei Ritter Hans von Parsberg, freilich wohl ohne einen
Sohn hinterlassen zu haben. Diese Todesnachricht ist die einzige
Urkunde über ihn, seine Herkunft ist offen: Albrecht Lemmel und
der Neuburger Wilhelm Lemblin können durchaus gemeinsame Vorfahren
an einem Ort haben, wo keine Urkunden erhalten sind.
Die selbe Chronik behauptet aber auch, dass die Lemblin von
Rennertshofen von einem getauften Juden abstammen. Das ist sicher ein
Unsinn, dessen Ursprung lediglich darin liegen mag, dass es etliche
Juden namens
Lämmlein oder Lemblin gab.
Weiter wird vermutet, dass die Lemble von Rennertshofen aus Schwaben
stammen. Tatsächlich ist das Wappen der Rennertshofener "Lemblein"
bei Siebmacher bei den Schwäbischen Geschlechtern eingeordnet. Das
ist ein Irrtum, der freilich auf einem konkreten Faktum beruht:
Ludwig Andreas Lämblin zu Rennertshofen wird 1626 und 1635
Obervogt von Weinsperg und Meckmühl bei Heilbronn, sein Bruder
Philipp Wolfgang Lemlin erwirbt Horkheim bei Heilbronn. Hundert Jahre
zuvor gab es
hier einen Volmar Lemblin von Thalheim zu Horkheim, der Amtmann von
Weinsperg und Meckmühl war. Er stammt aus der ab 1220 in Heilbronn
nachweisbaren Familie Lemmel/Lemlin; siehe Stamm Heilbronn. Es gab in
Horkheim also lange die Heilbronner Lemlin, kurzzeitig aber auch die
Rennertshofener Lemlin. Kein Wunder, dass beide Geschlechter
verwechselt wurden. Angesichts
des zwischen Oberpfalz und Rheinpfalz ausgestreckten Besitzes der
Pfalzgrafen wäre eine Verwandtschaft der Heilbronner Lemlin und
der wohl in Amberg sitzenden Rennertshofener Vorfahren durchaus
denkbar. Dafür könnte auch sprechen, dass sowohl die
Heilbronner als auch die Rennertshofener Lemblin im Wappen ein Lamm auf
blauem Grund führen, während die Bamberger/Nürnberger
Lemlein das Lamm-Wappen immer auf rotem Grund haben. Aber außer
diesem Wappen-Argument fand ich keinen einzigen Hinweis auf einen
Zusammenhang.
Des weiteren wird auch angegeben, dass die Lämble von
Rennertshofen wahrscheinlich von den "adligen Patriziern" in
Nürnberg abstammen. Tatsächlich gibt es einen Zweig der
Nürnberger Patrizier Lemlein, der seit 1400 für ein
Jahrhundert auf dem Adelssitz Reichertshofen bei Neumarkt/Oberpfalz
sitzt. Der Zufall will es, dass die Rennertshofener Lämble nach
1606 auch Pfleger zu Reichertshofen sind – aber es ist ein anderes
Reichertshofen, bei Neuburg, südlich von Ingolstadt. Die
Verwechslung der beiden Reichertshofen mag zu der Annahme der
Nürnberger Abstammung geführt haben.
Auf der selben Linie liegt ein Fehler im handschriftlichen Lexikon von
Ignatz Ströller im Staatsarchiv Neuburg, wo eine Ursula Lemle,
Ehefrau des Nürnberger Hans Imhof, mit Ursula, der Schwester von
Wolf Heinrich Lemblin von Rennertshofen gleichgesetzt wird. (Ursula
Imhof ist die Tochter des Nürnberger Ratsherrn Hans Lemlein.)
Es gab ein Schreiben des 1706 gestorbenen Franz Ignaz Lemble zu
Rennertshofen, in dem er erwähnt, dass Heinrich und Lutz die
Lämblein nebst mehreren vom Adel 1393 dem Herzoge von Bayern,
Johann, quittiert hätten und dass diese, sowie Jakob Lämble
zu Schierling 1502-1511 Richter zu Kelheim, aus seinem Stamme gewesen
seien. - Die hier genannten sind aus anderen Urkunden bekannt: Heinrich
und Lutz sind Lampert/Lemplein von Gerolzhofen, und Jakob gehört
zu den Oberpfälzer-Reichertshofenern. Eine Verwandtschaft mit den
Lemble von Rennertshofen ließ sich nicht bestätigen.
Vielmehr
muss ich die Angabe des Franz Ignaz Lemble genauso als
unbegründete Behauptung ansehen wie die anderen
Herkunfts-Behauptungen der Rennertshofener Lemblin.
Eine Diskussion der Herkunft der "Lemlein von Rennertshofen" findet
sich bei Herbert E. Lemmel: "Die genetische Kontinuität des
mittelalterlichen Adels", Degener Verlag 1980, S.245. Die hier
wiedergegebenen Ansichten halte ich für völlig spekulativ und
teils nachweislich falsch (HDL).
+ + +
Weiteres zu dieser Familie findet sich im Aufsatz über "Die Nürnberger Lemmel in der Oberpfalz".
Zur Stammtafel der Lemblin zu Rennertshofen
+ + +
Michael Henker:
Zur Prosopographie der
Pfalz-Neuburgischen
Zentralbehörden im siebzehnten
Jahrhundert.
Dissertation
LMU München, 1984.
Darin auf Seiten 203-206 die Lemble zu Rennertshofen.
