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Lemmel in Riebensdorf am Don

Um 1760 gingen Siedlerfamilien aus Süddeutschland nach Dänemark und von dort weiter nach Russland, wo am Don das Dorf Riebensdorf gegründet wurde. Hier finden wir (die mutmaßlichen Brüder) Johann Georg Lemmel und Heinrich Lemmel, die als Müller und "Ladevogt" verzeichnet sind. Die erste Revision, bei der die Siedlernamen verzeichnet sind, war 1768.

Die Herkunft der Riebensdorfer Siedler ist nur in groben Zügen bekannt. Eine dokumentierte Gruppe zog 1761 von Sulzfeld in Württemberg zunächst in dänische Dienste, um dort das Moor trocken zu legen. 1765 zogen sie weiter über St.Petersburg nach Riebensdorf.

[Alles laut Mtlg Gerhard Lang 2008]


Einen ausführlichen Bericht über die Kolonisten in Schleswig und ihre teilweise Weiter-Wanderung nach Russland siehe im Internet unter  http://www.plaggenhacke.de/

1765 finden wir Johann Georg Lemmel und Heinrich Lemmel im Amt Tondern in Lügum als Kolonisten, wahrscheinlich aus Süddeutschland. Johann Georg hatte hier bereits 1764 eine Tochter bekommen. Bei Heinrich heißt es, dass er 1765 hier als Kolonist verzeichnet ist, aber noch im selben Jahr "davonlief". Diese Jahreszahl stimmt mit dem Zug der Siedler nach St.Petersburg überein.

[Hans W. Rerup: Geschichte von Lügum/Süderlügum]


Über die Herkunft der beiden Riebensdorfer Lemmel gibt es keine Nachricht. In Württemberg, wo ein Teil der Riebensdorfer Siedler herkam, ist der Name Lemmel nicht typisch. Dagegen gibt es seit etwa 1600 viele Lemmel im Elsaß und in der Rheinpfalz, von wo es vereinzelt Auswanderungen nach Norddeutschland gab, sowie etliche Auswanderungen nach USA und ins Banat.

Interessant ist, dass der 1736 in Melsheim/Elsass geborene Johann Lemmel 1763 im Moor zwischen Cuxhaven und Stade heiratet. Zeitlich würde es passen, dass er 1761 mit den württembergischen Siedlern zur Moor-Trockenlegung Richtung Dänemark zog, dann aber an der Niederelbe hängen blieb und hier heiratete.

Die Elsässer und Rheinpfälzer Lemmel sind freilich keine Müller. In der fraglichen Zeit gibt es folgende Müller namens Lemmel in Mittel- und Ostdeutschland, bei denen es allerdings keinen Hinweis auf eine Abwanderung ostwärts gibt:
>  Heinrich Lemmel, 1633 Müller in Kleinbriesen in Niederschlesien. (Herkunft und Verbleib unbekannt.)
>  Christoph Lemmel, Müller in Zwönitz/Erzgebirge, gestorben 1679. (Vorfahren bekannt. Hier in Sachsen ist die Mehrheit der Lemmel dieser Zeit ansässig.) Der Verbleib seiner Söhne Christoph und Andreas ist unbekannt.
>  Martin Lemmel *1642, Sohn Christoph *1671, Enkel Andreas *1707, Müller in Neukirchen bei Chemnitz. (Vorfahren und Nachkommen bekannt.)
>  Johann Lemmel, 1796 Müller in Sophiental bei Lebus an der unteren Oder. (Herkunft unbekannt.)

Lemmel in Riebensdorf am Don
Für die markierten Personen kann durch Anklicken das "Familienblatt" aufgerufen werden.
    Rieb-1/a
... Lemmel, *?1685 wo?
aus Süddeutschland?
vermutlich Müller?
        │
        ├────────────────────────────────┐
    Rieb-2/a                             │
Heinrich Lemmel/Lemmer           Johann Georg Lemmel 
*1717 wo?                        *?1725 wo?
bis 1765 in Lügum                1764/1765 in Lügum
1768 Müller in Riebensdorf       1768 Müller in Riebensdorf
        │                                │
Friedrich Lemmel                         │
*1750 wo?                                │
1779-1786 in Riebensdorf         Anna Regina Elisabeth
        │                        *1764 Lügum
   ┌────┴─────┐
Stephan       │
Lemmel     Johann
*1779      Lemmel
   :       *1786
   ?          :
              ?

H.D.Lemmel, 22.8.2008

Ein etwas abweichender Bericht findet sich bei  www.ahsgr "German Origins":
Lemmel/Lemmer
{Andreas/J.Heinrich}: father of {J.Georg}, arrived at Flensburg, Schleswig Royal Duchy in May 1762.  With wife and son {Georg F.} in July 1765 he deserted Denmark.  Later they were  recorded in Riebensdorf colony in Woronesh (EEE pp.501-502).
[Internet 2015]