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Kaleidoskop:


Schlimmes: Unglücke und Verbrechen 1337-1944
Ursprünglich gedruckt als "Denkwürdigkeiten" in "Lemlein filii" Heft 5 1999 S.47-52, seither ergänzt, zuletzt 2011.

1337 Verbannung

Im Juni 1337 wird Heinrich Lemblin für ein Jahr aus Nürnberg verbannt: "Dem Heinrich der Lemblinne sun wird diu stat verpoten ain jar fünf meile hindan bei einer hant." Das heißt: Wenn er im kommenden Jahr der Stadt näher als 5 Meilen kommt, dann hat er eine Hand verwirkt. – Leider ist nicht überliefert, was er ausgefressen hatte. Über seine Mutter, die Lemblinne, wird im folgenden berichtet.



1341 Urkundenfälschung

Irmel die Lemblinne, Bürgerin zu Nürnberg, setzt im Oktober 1341 vor den Geschworenen der Stadt Nürnberg einen Vertrag auf, in dem sie einen Verkauf bestätigt. "Des zur Urkunde versiegele ich diesen Brief mit meinem Insiegel, das daran hanget." So heißt es am Ende des Vertrages. Diese Urkunde mit Siegel ist erhalten und befindet sich im Nürnberger Staatsarchiv. 1986 besorgte Gerhard Lemmel (Bremervörde) davon eine Fotografie. Die Umschrift auf dem Siegel war sehr schwer zu entziffern, und es musste eine zweite, noch bessere Fotografie bestellt werden. Nun stellte es sich heraus, daß das Siegel an der Urkunde gar nicht das Siegel der Frau Irmel Lemblin war, sondern das ihres Sohnes Seifrid Lemlin. Nun ist es durchaus üblich, daß ein Sohn für seine Mutter siegelt; aber das hätte dann auch in der Urkunde so erwähnt werden müssen. An der Urkunde hing also eindeutig ein falsches Siegel, was heute gleichbedeutend mit einer falschen Unterschrift wäre. Es hat aber niemand die Beurkundung beanstandet, und das falsche Siegel wurde erst 1987, also 646 Jahre später bemerkt.  [N-23/c]



1374 Hurerey

Friedrich Lämblein, ein anderer Sohn obiger Irmel, ist einer von 67 Genannten des Größeren Rates von Nürnberg. 1374 wird er "Hurerey halber" seines Amtes entsetzt.  [N-24/b]



1413 Strauchritter

Eintrag im Stadtbuch von Freiberg in Sachsen 1413: "Pögke" [= Böcke, Räuber, Strauchritter], "die uff dem Walde gestruchet haben". Einer von 14 namentlich genannten Strauchrittern ist "Mich. Lemmel von Tetzschen". Hinter zwei Namen steht: "ist gehangen". Dieser Vermerk findet sich nicht hinter dem Namen von Michael Lemmel, der also entkommen konnte. Das war ein großes Glück, denn sein Sohn ist der reiche Michel Lemel in Nürnberg, von dem ich schon weiter oben unter dem Stichwort "Stiftungen" berichtete.



1434 Messerstecher

Papst Eugen der IV. hatte einen Spruch gegen die Privilegien der Bamberger Stadtbürger und zugunsten des Bamberger Bischofs Anton erlassen. Als im Januar 1434 Kaiser Sigmund in Basel den Bischof Anton feierlich mit dem Bamberger Bistum belehnte, waren in Basel die Bamberger Bürgermeister und Ratsherren anwesend, und diese ließen ihren Unmut an Bischof Anton in so handgreiflicher Weise aus, dass es sogar zu einer Messerstich-Verletzung des Fürstbischofs kam und dieser fliehen musste. Einer von den gewalttätigen Ratsherren in Basel war Hans Lemlein. In der Folge musste die Familie Lemlein Bamberg verlassen. Darauf zog Hans Lemlein nach Nürnberg, wo er Bürgermeister wurde, und sein Bruder Mertein ging nach Chemnitz.



1435 Galgen

1435 geriet Albrecht Lemmel in der Oberpfalz in die Gefangenschaft bei Ritter Hans von Parsberg, wo er "tot und vergangen ist". Das Halsgericht in Neustadt an der Waldnaab hätte ihn "an den Galgen" gebracht, "nachdem als er das wol verdient hett und als das einer solchen Fehden Mannes recht ist". Dazu kam es aber nicht, da er im Kerker verstarb. Näheres über seine Untat und die erwähnten Fehden ist leider nicht bekannt. Seine Witwe, Margarethe Lemmel geborene Redwitz aus Eschenbach/Oberpfalz, muss "Urfehde" schwören, dass sie für ihren Mann keine Rache verlangen wird.



1446 Gefängnis

Haintz Lämmell aus Kötzting in der Oberpfalz geriet in Cham ins Gefängnis von Herzog Christof von Neumarkt, der 1439 auch König von Dänemark geworden war. Er hatte an einem Gefolgsmann des Fürsten eine Untat begangen. 1446 muss Haintz Lämmell in einem "Urfehdebrief" bekennen, dass er die Strafe wohl verdient habe. Er wird freigelassen und muss zusammen mit seinen Brüdern Hanns und Peter Lämmell Wohlverhalten schwören.  [B-26/k]



1460 Galgen

In Grünhain im Erzgebirge wurde im Mai 1460 der Markus Lemlein zusammen mit einem Spießgesellen mit dem Richtstrick vom Leben zum Tode gebracht. Leider ist weder bekannt, was er verbrochen hatte, noch wie er im Familienstammbaum einzuordnen ist. Vielleicht aber war er ein Kumpan des "Prinzenräubers" Kunz von Kaufungen, wie in "lemlein filii" Heft 7 berichtet wird.



1521 Pest

In einer Chronik von Schneeberg im Erzgebirge, wo der Bergunternehmer Hans Lemmel lebte, wird berichtet: "Von denkwürdiger Gottlosigkeit und Frevelthat einiger rohen und losen Pursche. Anno 1521 rumorte die Pest in Schneeberg also, daß etliche 100 daran auffgerieben wurden. In der Pest-Zeit fanden sich einige gute Schmauß-Brüder in Hannß Lemmels Haus zusammen, waren lustig und guter Dinge, trieben also ohne Furcht der Seuche Tag und Nacht, haben die ganze Sterbens-Zeit über gefressen und gesoffen, lustig und guter Dinge gewesen, und diese alle sind gleichwohl von der Seuche unangetastet und lebendig geblieben."  [Sn-29/a]



1526 Bergwerksunglück

In Schneeberg im Erzgebirge gibt es ein Bergwerk namens "Rappolt". Seine Tiefe wird in "Lachter" (etwa 1,90 Meter) gemessen. In einer Chronik des Schneeberger Geschichtsschreibers Peter Albinus heißt es: 1526 ist Jacob Lemmel, itziger Berggeschworener in Schneeberg, damals ungefehr 12 Jahre alt, ins tiefste uffm Rappolt, in die 34 Lachter tief gefallen, und bey 3/4 Stunden gelegen. Sind seine Gesellen ausgefahren und sich verkrochen. Ist ihm doch in solchem hohen Falle nichts widerfahren, als daß er an dem linken Ohr übelhörendt worden. [Sn-30/b]



1535 Kindermord

Im Chemnitzer "Achtbuch" heißt es: 1535 ist Steffan Schumann in der Acht; er wird von Paul Lemmel mit recht wegen eines Mordes gefordert, der an Paul Lemmels Vetter, einem unmündigen Kinde, desselben Steffan Schumanns Stiefsohn, geschehen ist.  [C-29/d]


1556 Dieberei

In Rochlitz in Sachsen hat Urban Lemmel mit Wolf Morgenstern Diebereien begangen, ist körperlich gestraft und gefangen gesetzt worden. 1556 schwört er "Urfehde" und muß das Amt Rochlitz auf eine Meile meiden.



1570 beim Baumfällen erschlagen

Am 31. März 1570 wird in Schwabach der Zimmermann Leonhard Lemell aus dem Bayerischen beerdigt: "ein Baum, so er gefellett, hatt ime Arm und Bein einzwey geschlagen".



1574 Selbstmord

Christoph Lemlein, Schüler bei dem Rotschmied Cuntz Streng in Nürnberg, hat sich am 21.August 1574 selbst erstochen. So steht es in einer Abhandlung über die "Bestrafung der Selbstmörder im Territorium der Reichsstadt Nürnberg".



1584 Bergwerksunglück

In Schwarzenberg im Erzgebirge lebte der Bergmann Wolf Lemmel. 1584 heißt es im Kirchenbuch: "Wolff Lemmel ist auch im Berge verschüttet und doch lebendig herausgebracht und etliche Tage noch gelebet, den 4.März gestorben.


1586 Mord

Anno 1586 ist in Joachimsthal im Erzgebirge der Müller Matthes Engelmann erstochen worden von Georg Lemmel zu Weynachten. Anno 1587 zu dreyenmalen öffentlich Halsgericht gehalten über "Georg Lemmeln dem flüchtigen Mörder". 



1609 Hurerei

In Neukirchen bei Chemnitz gab es ein Rittergut mit einem Schloß. Der Schloßherr Heinrich Gröbel war ein Schurke, und sein Knecht Paul Lemmel ein ebensolcher. "Anno 1609 den 5.April ist Paul Lemmell zu Neukirch hinweggegangen, weil er ein Zeitlang zuvor mit Katha. Roscher Hurerey getrieben und sie geschwengert, welche gleichfalls auch davongelaufen." Also: Flucht nach Ehebruch. Zwei Jahre später aber kehrte Paul Lemmel wieder zurück. "Anno 1611 umb Pfingsten ist Paul Lemmel welcher vor zweien Jahren wegen begangenen Ehebruchs weggelauffen, von Heinrich Grebel wider ahngenommen", mußte aber ein "Rever", also eine Verpflichtung abgeben, daß er niemals erzählen würde, "worüber er gesündiget hat". Er wurde auch als Pfarrkind wieder angenommen. Als Dank dafür, daß der Schloßherr Gröbel ihn wieder aufnahm, übernahm Paul Lemmel am 14.8.1611 die Durchführung einer nächtlichen Beerdigung des an der Pest verstorbenen Sohnes Jochim seines Schloßherrn. Einen Monat später wurde auch eine Tochter "von Paul Lemmel dem Totengräber" in Neukirchen begraben, die wohl auch die Pest bekommen hatte. - Ein Jahr später wird alles gesühnt: "Anno 1612 den 19.7. Paul Lemmel wegen seines Ehebruchs mit Catharina Roscher, welches er öffentlich bekennt, auch öffentlich Buß tun mußte." Mit dem Schloßherrn nahm es ein schlimmes Ende. Er mußte seine Tochter Sibilla nach Böhmen schicken, damit die Geburt eines unehelichen Kindes verborgen blieb. Andreas Kuzscher aber, der sie "uff dem Hof geschwengert hatte, ist hernach erschossen worden". Heinrich Gröbel mußte wenig später das Gut Neukirchen an den Kurfürsten von Sachsen abtreten und wurde in der Augustusburg in Haft genommen. Der Pfarrer aber trug in sein Buch ein: "Gott sey Lob, Ehr und Dank, daß dieser Tyran und gröbste Bauer hinweg ist. Ist auch hierauf ein Lobgesang in beyden Kirchen gesungen worden." - Dies alles ist deswegen so genau überliefert worden, weil sich im Pfarrarchiv von Neukirchen zwei Büchlein fanden: Das "Malefizbüchlein der Gutsherrschaft" und ein Verzeichnis der "Huren und Buben im Kirchspiel Neukirchen", wo hinein der Pfarrer alles eingetragen hatte.  [Jd-32/d]



1612 im Schacht ertrunken

In Rübenau im oberen Erzgebirge an der böhmischen Grenze gab es um 1600 einen Zinn-Bergbau. Im Jahre 1612 ist verzeichnet, dass Christoff Lemmel "im Schacht ertrunken" ist. Er hinterließ die Witwe und drei kleine Töchter. Er stammte aus Drebach, siehe Lemmel-Stamm Jahnsbach.



1614 hinterrücks erschossen

Schon vor Beginn des 30-jährigen Krieges wurden die Protestanten auf der böhmischen Seite des Erzgebirges unterdrückt, so daß sie zu religiösen Feiern über die Grenze auf die sächsische Seite des Erzgebirges gehen mussten. Kupferberg liegt auf der böhmischen Seite, Wiesenbad auf der sächsischen Seite. - Am 20.6.1614 "ist Hansen Lemmels Weib von Kupferberg in Wiesenbad in Uffbrechung unseres lieben Herrns (wohl Fronleichnam), als sie denselben zugesehen, hinderwärts mitt einer Kugel gegen die Brust durchgeschossen worden. Und also balt auch todt geblieben und folgents, den Donnerstag hernach nach gehaltener Leich-Predigt ehrlich allhier zur Erden bestattet worden."



1615 Donner und Blitz

Am 9.7.1615 in Cranzahl im Erzgebirge: Christina Lemmel, Hausfrau des Gerichtsschöppen Michel Lemmel, wurde "nachmittags 2 Uhr vom Donner im Hause getroffen und blieb tot liegen". So steht es im Kirchenbuch. [Cr-32/b]



1625 Hexerei

Die Hausfrau Anna Grosmann geborene Lemmelin aus Haigerloch in Württemberg wurde 1625 als Hexe "justifiziert". Über die Untersuchung gibt es ein viele Seiten langes Protokoll, das mit "Güetliche Examination" überschrieben ist, wobei die vermeintliche Hexe aber auch "auf die Folter gespannt" wurde: "Als man sie an der Tortur um etwas ufgezogen, hat sie bekendt". Durch 6 Jahre sei immer wieder "ihr Buel" zu ihr gekommen, der "kolschwarz gewesen undt Gaisfües gehabt und lange schwarze dick Klauwen an den Händen". Er habe von ihr verlangt, Kinder totzuschlagen, was sie aber "nit gethan hab". Sie habe aber ein Kind "in des Besen Namen angeblasen, so erkranket". Zweimal sei sie "zu dem Tanzen gegangen", da habe man "ein Kind ausgegraben, und es alda gesotten, Salben daraus gemacht". Dies sind nur einige Kostproben aus dem Protokoll.



1660 ein Grab für zwei

Am 11.3.1660 wurden in Zwönitz in Sachsen "zwei alte verlebte Eheleute Martin Lemmel und sein Weib Catharina in ein Grab verscharret, nachdem sie nur 12 Stunden nacheinander gestorben sind." So steht es 1699 in Lehmann's "Historischem Schauplatz derer natürlichen Merkwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Ertzgebirge".  [AE-32/b]



1666/1779/1881 in der Elbe ertrunken

Auf dem Torgauer Lemmel-Stamm scheint ein Fluch zu lasten. Etwa alle 100 Jahre ertrank einer von ihnen in der Elbe. 1666 wird in Torgau Jakob Lemmel begraben, und im Kirchenbuch ist verzeichnet: am 20.9.1666 in der Elbe ertrunken. Nähere Umstände sind hier nicht bekannt, wohl aber im nächsten Fall: "Zur Nachricht wird hier angemerkt, daß Meister Johann David Lemmel, ein Tischler und Bauer allhier in Canitz, den 8.Dezember 1779 von seinem Hause weggegangen, freitags darauf aber als den 10.Dezember vom Mühlensteg in Gröba allem Ansehen nach verunglückt und hinuntergefallen und, da das Wasser damals ziemlich groß gewesen, ertrunken ist. Sein Leichnam aber ist erst 19 Tage später gefunden, gleich an dem Ort, wo er hinuntergefallen, und, weil sich die Witwe seiner nicht annehmen wollte, in der Stille auf hiesigem Kirchhof in Gröba am 30.Dezember begraben worden. Er war dem Trunk sehr ergeben, daher zu verstehen, daß er in solchen Umständen sein Leben einbüßet." Unweit dieser Stelle ist dann, 101 Jahre später, Carl Eduard Lämmel, Schneider in Riesa, in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1881 in der Elbe ertrunken. Inzwischen sind wieder 100 Jahre um, aber von einem erneuten Unglücksfall eines Lemmels aus dem Torgauer Stamm wurde noch nichts verlautbart.



1675 Tod im Kindbett

Michael Lemmel, Weber in Raschau im Erzgebirge, geboren 1650, heiratete erstmals im Alter von knapp 24 Jahren. Er bekam einen gut gedeihenden Sohn, aber bei der Geburt des zweiten Kindes starben erst die Frau und dann das Kind. Im Alter von 31 Jahren heiratete er das zweite Mal, aber 10 Monate später starben Frau und Kind im Kindbett. Im Alter von 33 Jahren heiratete er das dritte Mal, aber wieder starb nach einem Jahr die Frau im Kindbett, das Kind kurz darauf. Im Alter von 37 Jahren heiratete er ein viertes Mal, eine 40-jährige Jungfer, bis zu deren sanftem Tod er eine 18-jährige aber kinderlose Ehe führte. Danach heiratete er im Alter von 56 Jahren ein fünftes und letztes Mal, wieder eine Jungfer, aber die Ehe blieb kinderlos.



1678 Bierkrieg

In Auerbach im Erzgebirge lag der Richter mit der Gemeinde und deren Vertretern bereits 6 Jahre im Streit um das Bier und dessen Braugerechtigkeit. Jeder, der ein Braurecht hatte, durfte nur festgesetzte Mengen brauen, und der Import von "fremdem" Bier war verboten. Der Auerbacher Richter, dem selbst vorgeworfen wurde, mehr als erlaubt gebraut zu haben, wollte Ordnung schaffen. Erst belagerte er mit Hilfe von Bürgern aus dem Nachbarort Stollberg eine Kindstaufe, bei der er vermutete, dass dort "fremdes" Bier ausgeschenkt würde. Doch der Kindsvater war schlauer: "so hat gedachter Kindesvater seine Gefattern und Gäste genommen und ist mit ihnen nach dem Thumb spatzieret", und feierte in Thum mit dortigem Bier. Darauf unternahm der Richter mit den Stollberger Gehilfen einen erneuten Versuch und versuchte, die Hochzeitsfeierlichkeiten von Martin Lämmel und Sophia Weisbach zu stören. Sie belagerten "daß Hochzeits-Hauß biß nach Mittage umb 3 Uhr". Diesmal fanden sie auch fremdes, nämlich Thumer Bier vor, welches sie "hinweg genommen". Daraufhin liefen die Auerbacher Bauern zusammen und "schlügen an die Glocke das leichtlich Mord und Todtschlag erfolgen können, wo Gott es nicht in Gnaden abwendet". Pfarrer Otto schrieb an den Schluss seiner Eintragung: "Gott wolle auch endlich des Streits ein Ende machen, und dem Gerechten beystehn".  [Mtlg Falk Drechsel 2008]


1719 Tod im Kindbett

Anna Maria Lämmel geb. Müller, zweite Frau des Bergmannes Gabriel Lämmel in Hormersdorf im Erzgebirge, nach 10-jähriger kinderloser Ehe: "Sie hat ein Hartes an Kindesnöthen erfahren und nachdem sie etliche Tage unbeschreibliche Marter erlitt, gleichzeitig aber bei menschlichem Verstand, keine Möglichkeit zu gebären, ist sie mit ihrer Leibesfrucht am 2.6.1719 verstorben." So der Eintrag des Pfarrers im Kirchenbuch.  [AE-34/e]



1730 unachtsamer Schuß

Im Juni 1730 gab August der Zweite von Sachsen und Polen bei Belgern an der Elbe ein Fest zu Ehren des preußischen Königs. Unter anderem wurde hier der preußische Kronprinz Friedrich (später Friedrich der Große) von seinem Vater in aller Öffentlichkeit so hart behandelt, daß er seine Flucht beschloß. Das nur nebenbei. Aus einem Bericht über das Fest: "Am 27. Juni fuhr Seine Majestät der König von Polen mit seiner Majestät dem König von Preußen aus dem Lager auf der Elbe an Belgern vorbei zur Jagd nach Lichtenberg. Die Belgerner Bürgerschaft machte dieserhalb am Ziegelberge Parade und gab Salve, wobei aber der Tischler Samuel Lämmel den Ackersmann Fröber aus Unachtsamkeit durch einen Schuß in die linke Hälfte 2 1/2 Zoll tief hart verwundete. Wiewohl Fröber kuriert wurde, so mußte der vielen Kur- und sonstigen Kosten wegen doch Lämmels Haus zur Subhastation (Zwangsverkauf) gebracht werden."  [T-35/b]



1737 Bergwerksunglück

Zunächst einige Erläuterungen. In Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge gab es ein Bergwerk mit einem Schacht, der der "Junge Bierkrug" genannt wurde, etwa 50 "Lachter" tief. Ein Lachter ist ein Längenmaß von etwa 1,90 Meter Länge. Die Bergleute, die zum Schutz einen "Schachthut" auf dem Kopf hatten, fuhren "von tag", (also "hinunter"), über eine "Fahrt", das ist ein System von beweglichen Leitern. Von einem Mühlrad angetrieben bewegen sich von zwei langen Leitern immer abwechselnd eine aufwärts, die andere abwärts, und der Bergmann, der hinunter will, muss ständig zwischen den beiden Leitern hin und her umsteigen.


Ein Eintrag im Totenbuch 1737: "Johann Christoph Keller, juvenis Metallicus, 20 1/4 Jahre alt, und Johann Christoph Lämmel, Bergknab, 14 1/4 Jahre alt. Beide sind Sonnabend den 29. Juni früh 3/4 5 Uhr aufn jungen Bierkrug nach verrichteten Gebet eingefahren, an ihre Arbeit zu gehen, nachdem aber dieser nomine Lämmel kaum 1 1/2 Lachter von tag gefahren, so fället Er, ohne daß es jemand gewahr wird, von der Fahrt, Gott weiß, wie es zugegangen, hinweg, und da noch zwey purschen in der mitten eingefahren, berührt er diese nicht, den untersten aber, nomine Kellern, nimmt er mit hinein, daß sie beiderseits so elendiglich umbkommen müssen, da Lämmel in die 48 Lachter, Keller aber 35 Lachter gefallen. Keller ist dergestalt elendiglich zugerichtet gewesen, daß sein Gehirn im Schachthut zusammengelesen werden mußte, beyde sind aber tod herausgezogen und nach Hause gebracht worden zum größten Leidwesen ihrer Eltern."  [Ra-35/e]


1754 Eheversprechen

Philipp Lämmel, ledigen Standes zu Waldrohrbach in der Rheinpfalz, beschwert sich in einem Gerichtsverfahren gegen Apolonia Müllerin zu Eschbach, auch ledigen Standes. Sie habe ihn fälschlich als Vater ihres unehelichen Kindes angegeben und fälschlich behauptet, er habe ihr ein Eheversprechen gegeben. Nach Anhören von etlichen Zeugen wird geurteilt, dass Philipp Lämmel nicht der Vater sei und auch nicht für den Unterhalt des Kindes aufkommen müsse. Die Pointe folgt wenige Monate später, als der Philipp Lämmel im Januar 1755 doch noch die Apolonia Müller ehelichte.



1756 Sturz vom Kirchturm

1754 heiratete Maria Magdalena Lämbl in Oberndorf (Niederbayern) den Zimmermann Paulus Hausmann, der 1756 einen Sturz vom Kirchturm überlebte. Über dieses Ereignis gibt es in der Oberndorfer Kirche eine Votivtafel.

 
"Paulus Hausmann, Zimmermann allhier, Stürzte den 21.July anno 1756 ein Hundert und zwanzig Schuh von dem Thurm herab und auf Anrufung der allerseligsten Jungfrau bin ich nicht zu Grunde gegangen. Ich brach mir zwar Arm und Bein, die Mutter Gottes liß mich nicht verlohren sein. Sie heilte mich in kurzer Zeit und hab noch ville Jahr erreicht."
[L.Heinl 2005]


1757 Sturz in den Brunnen

Johann Gottfried Lämmel, zweijähriger Sohn des Nachbars (das ist die hiesige Bezeichnung für den Besitzer eines Bauerngutes) Christian Lämmel auf dem Gut Gestewitz bei Eula, ist am 18.4.1757 in den Brunnen gefallen und nachdem herausgezogen worden bald verstorben.



1759 verschüttet

In Duntzenheim im Elsass wurde 1759 im Kirchenbuch verzeichnet: Hat sein Leben unglücklicherweise in der allhiesigen Leimen=Grube schnell und unvermuthet eingebüsst: Valentin Lämmel, weiland Valentin Lämmels des gewesenen Bürgers zu Melßheim nachgelassener ehelicher lediger Sohn, seines Alters 16 Jahre 3 Monate 2 Wochen 3 Tage. Dann, als derselbe Leimes gegraben, so sind ohn versehens bey 20 Wagen voll Grund und Leimes über ihm zusammengefallen, daß er von demselben sogleich erschlagen und auf einmal getötet worden ist. (Lemmel-Stamm Melsheim/Elsaß)



1764 Dorftyrann

In Proschwitz bei Reichenberg in Nordböhmen gab es den Dorfscholzen, der die Funktionen eines Bürgermeisters und Richters ausübte, und der hieß von 1732-1764 Gottfried Lammel. Der name Lämmel seiner Vorfahren war hier, dem Dialekt entsprehend, in Lammel abgewandelt worden. Über ihn berichtet die Chronik: "Lammel war der Mann, eine gesunkene Sache mit kräftiger Hand wieder aufzurichten. Als Muster eines Dorftyrannen verband Lammel mit großer Energie unbarmherzige Strenge. Er regierte in Proschwitz 32 Jahre mit einer Willkür, um welche ihn mancher König beneiden könnte. 1763 schrieb er sein Testament, aus dem hervorgeht, dass sein einziger Sohn erschlagen worden war. Im April 1764 starb er. Die Sage berichtet, dass während seines Hinscheidens böse Geister in Gestalt schwarzer Raben das Haus umflatterten. An seinem Begräbnistage tobte ein fürchterliches Unwetter, welches alsogleich dem schönsten Sonnenschein wich, sobald die Leiche in die Erde gesenkt war. Sein Geist soll nun ruhelos umher spuken und allerlei Schabernak nach Rübezahls Manier treiben." [Rbg-35/o]
[Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, Prag 1872]



1765 Tod im Kindbett

Gottlob Friedrich Lämmel, Weber in Mülsen in Sachsen, geboren 1738, heiratete erstmals im Alter von 27 Jahren. Ein Jahr später starb die Frau im Kindbett. Im Alter von 31 Jahren heiratete er ein zweites Mal, aber wieder starb die Frau nach nur kurzer Ehe von 2 1/2 Jahren. Im Alter von fast 36 Jahren heiratete er das dritte Mal. Die Frau aber brachte Zwillinge zur Welt und starb zusammen mit diesen innerhalb weniger Tage. Ein knappes Jahr später heiratete er das vierte Mal und bekam aus dieser Ehe 8 Kinder, von denen 4 erwachsen wurden. Der jüngste aber, der beim Tod der Eltern 14 Jahre alt war, hatte keinen Verstand und mußte durch Almosen und Betteln versorgt werden, bis er 45-jährig starb.



1772 Gefängnis

Am 1.8.1772 starb in Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge der Bergmann Johann Carl Lämmel, 42 Jahre alt, im Gefängnis. Was er ausgefressen hatte, ist leider nicht bekannt.  [Ra-36/f]



1777 Holzdiebstahl

Chrysostomus Lämmel aus Waldhambach in der Rheinpfalz wird 1774 als hochfürstlich Speyrischer Revierjäger nach Pfauhausen in Schwaben versetzt, wo aber die Besoldung für seine große Familie zu gering ist. "Da er ja von denen von gnädigster Herrschaft zu beziehen habenden 12 Sr. Besoldungsfrucht nicht einmal einen Hund das Jahr hindurch erhalten können", ist er zur Deckung seiner Schulden gezwungen, Holz zu unterschlagen. Nach Verkauf und Pfändung seines Hausrates wird er mit Frau und Kindern laut Beschluß vom Heiligabend 1777 "in ihre Heymath abgeführet", wobei "ihnen ihr weniges Bettzeug mitgegeben werden dörffe".


 
1787 Dreiecks-Verhältnis

In Abbach in Niederbayern gab es einen denkwürdigen Fall eines Dreiecks-Verhältnisses. Hier lebte der Hutmacher Martin Lämmel/Lamel mit seiner ältesten Tochter Anna Maria Laml, geboren 1764. Gleichzeitig lebte hier Martins Onkel, der Fischer Georg Lämmel/Lamel mit seiner Tochter Franziska Lamel, geboren 1767. Anna Maria und Franziska waren also Nichte und Tante, wobei die Tante drei Jahre jünger war als die Nichte. In dieses liebreizende Paar verliebte sich der Bierbrauer Franz Xaver Koller mit dem Ergebnis, dass Tante und Nichte nahezu gleichzeitig einen Sohn bekamen, und beide Söhnchen wurden nach dem Vater Franz Xaver genannt: der eine geboren am 13.10.1787, der andere am 21.12.1787. Leider starb letzterer nach wenigen Tagen. Die untröstliche Mutter Franziska heiratete darauf den Bruder Alois ihrer Konkurrentin und Nichte Anna Maria Laml und bekam mit diesem noch neun Kinder.



1814/1854 unglücklicher Fall

In Buchholz im Erzgebirge gab es zwei Vettern, die beide Christian Gottlob Lämmel hießen, geboren 1782 und 1788. Beide waren von Beruf Posamentiermeister. Beide starben an den Folgen "eines unglücklichen Falles", wohl auf Glatteis, der eine im Februar 1814, der andere genau 40 Jahre später im Februar 1854.



1810 Venusberg

Der 1784 geborene Schneider (im Winter) und Maurer (im Sommer) Carl Gottlieb Lämmel hatte aus 4 unehelichen Beziehungen 6 Kinder, bevor er sich im Alter von 31 Jahren entschloß, die Mutter seines 6. Kindes zu heiraten. Es folgten dann noch 8 eheliche Kinder. Er lebte in Venusberg im Erzgebirge.



1815 Hals ab

1815 stirbt in Johannisburg in Ostpreußen der Tischlermeister Gottlieb Lemmel, wobei im Kirchenbuch in der Rubrik "Krankheit" eingetragen wurde: "den Hals abgeschnitten". Näheres hierzu ist leider nicht bekannt. Sein Neffe, der Tischlermeister Friedrich Lemmel in Lötzen, stirbt 1860 "an Trunksucht".



1840 Zuchthaus

Gotthold Friedrich Lämmel war Strumpfwirkermeister in Bernsdorf in Sachsen. Er starb am 31.3.1840, und der Pfarrer trug folgendes ins Kirchenbuch ein: "Starb im Zuchthaus zu Zwickau, wo seiner zur Verhaftung abgeführt worden war. Er war ein eitler, stolzer Mensch, ein Verächter und Spötter des Heiligen." Was er ausgefressen hatte, ist leider nicht überliefert.  [Rö-39/e]



1856 Brunnensturz

In Matting in Niederbayern lebt ein bäuerlicher Familienzweig, in dem der Familienname zu Lammel geändert wurde. Am 29.4.1856 zwischen 10 und 11 Uhr stürzte der 10-jährige Sohn Wolfgang des Bauern Alois Lammel in den Brunnen des Nachbarhofes und konnte nicht mehr gerettet werden.  



1873 Tod beim Salutschießen

Valentin Lemmel, 1845 in Melsheim im Elsaß geboren, wanderte als junger Mann nach Ohio aus, wo er heiratete und eine Tochter und einen Sohn bekam. 1873 wurden bei einem Volksfest mit Kanonen Salutschüsse abgefeuert. Dabei wurde Valentin Lemmel von einer Kanonenkugel getroffen und getötet. Seine Kinder waren erst 3 Jahre und 1 Jahr alt.



1875 Sturz in den Stollen

In Oberwiesenthal im Erzgebirge gab es seit 1525 durch einige Jahrhunderte den Lämmel-Stollen, der dann allmählich in Vergessenheit geriet und von Gestrüpp überwuchert wurde. 1875 wurde er wieder entdeckt, als das Ochsengespann eines Bauern plötzlich verschwand und in die Schachtöffnung hinabstürzte.


1879 Schubkarrenleiche

Gottlieb Lemmel war Strumpffabrikant in Stelzendorf bei Chemnitz. Im Alter von 86 Jahren erlitt er bei einem Ausgang einen Schlaganfall und wurde mit einer Schubkarre nach Hause gefahren, wobei seine letzten Worte waren: "Nun muss ich noch eine Schubkarrenleiche werden." Das erzählte sein Urenkel Paul Lemmel.


1881 später Stammhalter

Wilhelm Lämmel, geboren 1807, Schneider in Jahnsdorf im Erzgebirge, bekam im Alter von über 74 Jahren noch einen Sohn, der wiederum 5 Söhne bekam, die alle heirateten und Kinder bekamen. – Dieser Wilhelm Lämmel hatte bereits mit 23 Jahren geheiratet, bekam aus dieser Ehe aber nichts als einen totgeborenen Sohn. Erst im Alter von 67 1/2 Jahren, als er verwitwet war, heiratete er wieder und bekam noch 4 Kinder, darunter im Alter von 74 Jahren den oben genannten Sohn. [Ra-28/g].        



1897 ertrunken

Johannes Lemmel, 1878 in Husum geboren, wurde Seemann und versank um 1897 mit seinem Schiff. [WhK-40/f.2]


1985 Trunkenheit

In Huttendorf im Elsass lebte der Schmied Laurent Laemmel, der hier 1959 mit seinen Brüdern den Schützenverein gegründet hatte. Am 30.Juli 1985 ging er nach einem schönen Tag in der Gastwirtschaft zu Fuß und betrunken nach Hause, zusammen mit seinem Dackel namens Waldi. Beim Josef-Zirn-Platz stolperte er und schlug mit dem Kopf an den Bordstein. Zwei Männer, die das beobachteten, erkannten nicht den Ernst der Verletzung, holten aber schließlich Laurents Brüder, die ihn nach Hause brachten. Doch starb er dort noch am selben Abend. [Hoc-40/ll]


1800 Räuberkumpan: Der Wildschütz Karl Stülpner und sein Kumpan Gottlieb Lämmel
von Horst Lämmel und Detlef Lämmel

Im Dresdener Militärarchiv befinden sich Musterungslisten der verschiedenen Regimenter der sächsischen Armee. Für das Infanterie-Regiment Prinz Maximilian, Jahrgang 1801, sind die Zugänge in der 8. Mousquetier-Kompanie aufgelistet, darunter als Nummer 007:

"Carl Gottlieb Lämmel, Alter 37 Jahre, Geburtsort Neukirchen bei Chemnitz, im Regiment gedient bereits 16 Jahre und 2 Monate; er wurde am 20.Juni 1800 aufs Neue engagiert und kapitulierte (das heißt verpflichtete sich) auf 6 Jahre bis 1806."

Der darauf folgende Eintrag, Nummer 8, lautet:
"Carl Heinrich Stülpner, Alter 39 Jahre, Geburtsort Scharfenstein, ..." usw.

 
 
Links: Carl Gottlieb Lämmel und Carl Stülpner in der Militär-Musterungsliste des Regiments "Prinz Maximilian" von 1800. – Rechts: Der Wilderer Carl Stülpner.

Dieser Karl Stülpner aber, der hier zusammen mit Gottlieb Lämmel in das Prinz-Max-Regiment eintrat, war ein steckbrieflich gesuchter Wilderer und Räuberhauptmann, der beim Bauernaufstand von 1790 als Volksheld gefeiert und in späteren Erzählungen glorifiziert wurde. Verschiedene Höhlen und Bergwerks-Eingänge, in denen Stülpner gehaust haben soll, sind noch heute Touristen-Attraktionen. Im Stülpner-Museum im Zschopauer Tor in Marienberg findet sich ein Brief, den Stülpner an seine Frau gerichtet hatte. Darin steht: "Mein Kamerad C.G.L. aus Neukirchen, der mit mir bei den Maxern war und welcher mich vor den Häschern verstecket, habe ich selbst mit Wildbret versorget, denn er ist wie wir ein armes Luder." - Das "arme Luder" "C.G.L. aus Neukirchen" ist kein anderer als unser Carl Gottlieb Lämmel.

Hier die Geschichte des Wildschützen Karl Stülpner, der sich auf seinen Lämmel verlassen konnte. Das Material wurde von Horst Lämmel in Thalheim zusammengestellt und von Detlef Lämmel am Familientag
vorgetragen.

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Am 30. September 1762 wurde Karl Stülpner in Scharfenstein im Gänsewinkel, unterhalb der Burg, geboren. Es war eine Kindheit in großer Armut. Schon mit sechs Jahren mußte er Gesinde- und Fronarbeiten auf der Burg verrichten. Mit 10 Jahren dann nahm ihn der Ehrenfriedersdorfer Förster auf. Dieser Mann war der Stülpner-Familie wohlgesinnt und wollte damit helfen, deren Hunger und Armut zu lindern. Auch bekam hier der Stülpner das Waidwerk beigebracht.

Um aber die große Armut der Familie zu entlasten, meldete sich Stülpner spontan am 16.11.1779 freiwillig beim Prinz Maximilian Regiment. Denn als Freiwilliger bekam er 2 Taler und 16 Groschen Handgeld. Seinen Dienst begann er beim Regiment in Chemnitz. Auch da begann er schon zu wildern. Dies war dann auch der Grund, dass er nach Zschopau strafversetzt wurde. Da er aber trotzdem das Wildern nicht lassen konnte, wurde Stülpner in Arrest genommen.

Durch die Mithilfe einiger Kameraden gelang Stülpner bei Döbeln die Flucht. In Sachsen konnte er nicht bleiben. Die dichten Wälder Böhmens boten guten Unterschlupf. Da Stülpner die arme Lendbevölkerung mit Wild versorgte, fand er immer wieder ein Versteck und konnte sich somit immer wieder seinen Häschern entziehen.

Während seiner Fluchtzeit kam er durch halb Europa. So war er in Böhmen, Ungarn, Wien, Bayern, Tirol, Schweiz, Baden, Hessen, Hannover. Doch eines Tages packte Stülpner das Heimweh. Durch die lange Abwesenheit, so dachte er, sei über seine Fahnenflucht Gras gewachsen. Leider aber wurde Stülpner bei Hof in Bayern dingfest gemacht und in die Dienste der preußischen Armee gepresst.

Mit den Preußen nun zog er 1793 gegen die Franzosen in den Krieg. Es gelang ihm wiederum die Flucht. So zieht er quer durch Deutschland gen Scharfenstein. Ostern 1794 wollte Karl seine Mutter besuchen, musste aber schon wieder vor seinen Häschern fliehen. Somit begann sein eigentliches Wildererleben.

Die heimatlichen Wälder und, vor allem, die Bauern boten ihm immer wieder Unterschlupf und Versteck. Kurze Zeit versteckte sieh Stülpner in einem alten Bergbaustollen bei den Greifensteinen, der heute als "Stülpnerhöhle" ein bekanntes Ausflugsziel ist.

Zu dieser Zeit wurde Karl auch per Steckbrief gesucht.

Nach sechs Jahren seiner Wildschützenzeit erfährt Karl, dass er begnadigt wurde und der Steckbrief aufgehoben war. Also meldete sich Stülpner am 11.8.1800 bei seinem alten Regiment zu Diensten. Hier nun wird Carl Gottlieb Lämmel aus Neukirchen sein Regiments-Kamerad. Dies ist in einer alten Militärmusterliste ersichtlich.

Beide nun, sowohl Karl Stülpner als auch Gottlieb Lämmel nehmen an der Doppelschlacht gegen Napoleon bei Jena und Auerstedt teil. Auch hier entzog sich Stülpner durch Flucht der Gefangenschaft. Wenn man auf Flucht ist, braucht man auch etaws zu essen. So erlegte er für sich hin und wieder ein Stück Wild.

Kurz vor seiner Heimat besann sich Karl Stülpner auf seinen Kameraden. Für kurze Zeit fand Stülpner bei Carl Gottlieb Lämmel Unterkunft. Ehe er dann Scharfenstein erreichte, wurde ihm mitgeteilt, dass er schon wieder gesucht würde. Somit setzte er sich gleich nach Böhmen ab. Hier heiratete er und betrieb einige Jahre eine Gastwirtschaft.

1828 kehrt Karl Stülpner augenkrank nach Sachsen zurück. Die Scharfensteiner besannen sich der guten Taten Stülpners, und die Gemeinde sorgte für seinen Lebensunterhalt.

Am 24.9.1841 verstirbt Karl Stülpner. In Großolbersdorf wird der Wildschütz und Volksheld des Erzgebirges zur letzten Ruhe gebettet. Der Wildschütz Karl Stülpner ist noch heute bei den Erzgebirglern einer von ihnen, ein Helfer der Armen.
 


1944 abgeschossen

Am 2.März 1944 wurde in Hessen ein deutsches Jagdflugzeug abgeschossen. Das Wrack mit der Leiche des Piloten wurde erst im November 1995 gefunden und geborgen. Der Pilot war Unteroffizier Hans Lämmel, der am 13.3.1921 in Chemnitz geboren wurde und aus dem Lämmel-Stamm Borna stammte. Trotz intensiven Suchens konnten keine nahen Verwandten gefunden werden, denen man die Nachricht dieses Fundes hätte übermitteln können. Die Eltern in Chemnitz waren längst gestorben und Geschwister gab es keine.




Ende
 
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