zurück zum Chronik-Index

A. Die ältesten Sembritzki-Urkunden 1526, 1570, 1664.

B. Wortlaut der Sembritzki-Urkunden von 1570 und 1664

A. Die ältesten Sembritzki-Urkunden 1526, 1570, 1664.


Die Sembritzki's stammen aus Masuren, und zwar aus dem Norden des Kreises Lyck und dem angrenzenden Südwesten des Kreises Treuburg (=Oletzko), wo sie bereits um 1750 recht zahlreich sind, mit einzelnen Abwanderungen in die umliegenden Kreise Johannisburg, Lötzen und Angerburg. Die Sembritzki-Orte sind so sehr auf einem kleinen Gebiet konzentriert, dass man annehmen muss, dass alle Sembritzki-Stämme einen gemeinsamen Ursprung haben.




Neben der deutschen Schreibweise des Namens Sembritzki findet man gelegentlich auch die polnische Schreibweise: Zembrzycki. Die polnische Version wird fast genau so wie die deutsche ausgesprochen, nämlich 'Sembrzitzki', wobei rz wie ein stimmhaftes sch ausgesprochen wird (wie in Journal oder Etage). Weiter gibt es wechselnde Varianten in der Schreibweise, da man es mit der Rechtschreibung nicht so genau nahm.

Die älteste urkundliche Erwähnung des Namens stammt aus dem Jahre 1526, als Peter Schwarz in Rydzewen ein Waldstück verkauft, das vormals dem Stanislaw Szembrzitzky aus Masowien gehört hatte [1]. Der kleine Ort Rydzewen, der später in Schwarzberge umbenannt wurde, liegt im Süden des Amtes Treuburg (= Oletzko), auf halbem Weg zwischen Treuburg und Lyck. Stanislaw Szembrzitzky ist also vor geraumer Zeit, vielleicht schon um oder vor 1500, aus dem polnischen Herzogtum Masowien in das Ordensland gekommen, wo er vom Orden einen Besitz verschrieben bekam, zu dem auch das Waldstück gehört hatte, das 1526 verkauft wurde. Der in dieser Urkunde genannte Peter Schwarz war Burggraf von Stradaunen. Das war der Amtssitz, bevor das Schloss Oletzko gebaut wurde.

Die nächste bekannt gewordene Sembritzki-Urkunde [2] stammt aus dem Jahr 1570, als "Martin Sembriczky aus dem olieczischen gebitte", also aus dem Amt Oletzko (= Treuburg), eine Eingabe an das Kammeramt Oletzko macht, wegen eines Gutes von 4 Huben. Die Eingabe ist in deutscher Sprache, und Martin Sembriczky scheint sie selbst geschrieben zu haben.

 Unterschrift Martin Sembriczky 1570

Damals schrieb man im Deutschen statt des heutigen -tz- stets -cz-. Der Name erscheint also 1570 in deutscher Schreibweise. Martin Sembriczky, den man als Enkel des Stanislaw Szembrzitzky ansehen kann, ist offenbar inzwischen eingedeutscht.

In der Urkunde von 1570 wird erwähnt, dass Martin Sembriczky sieben Söhne hat, so dass es recht wahrscheinlich ist, dass er tatsächlich der Stammvater aller späteren Sembritzki's ist. Er beantragt, das Frey-Gut seines Schwiegervaters Jan Hesnick übernehmen zu dürfen, was wohl auch genehmigt wird, da fast alle späteren Sembritzki's Freye sind, das heißt freie Gutsbesitzer, die direkt dem preußischen Herzog in Königsberg unterstehen.

Leider wird nicht erwähnt, wo das Gut lag, das Martin Sembriczky von Jan Hesnick übernahm. Da die nächste Sembritzki-Urkunde ein Gut in Schikorren (= Wellheim) betrifft, kann man vermuten, dass das 1570 erwähnte Gut auch in oder um Schikorren lag. Zudem liegt Schikorren nur 7 km entfernt von Rydzewen, dem Sembritzki-Ort von 1526. - Die Gegend um Schikorren und Rydzewen liegt im Süden des damaligen Amtes Oletzko und kam erst 1818 an den Kreis Lyck. Diese Gegend liegt genau in der Mitte des Gebietes, in dem sich später die Sembritzki-Vorkommen häufen, und noch im 20. Jahrhundert gab es in Schikorren (= Wellheim) zwei Sembritzki-Höfe.

Die Schikorrener Sembritzki-Urkunde [3] stammt aus dem Jahre 1664. In diesem Jahr wird ein Peter Sembrisky auf einem Scharwerks-Freygut in Schikorren im Amt Oletzko genannt. Dieses Gut hat 2 Huben, wovon aber Peter Sembrisky 15 Morgen (das ist eine halbe Hube) an einen Lucas Wytt verkauft hat. Es ist angegeben, dass Peter sein Gut bereits von den Eltern geerbt hat. Demnach saß auf diesem Gut bereits um 1630 Peters Vater, und dessen Vater muss einer der sieben Söhne  des 1570 genannten Martin Sembriczky gewesen sein.

Im alten Preußen gab es kaum leibeigene Bauern (wie andernorts in Deutschland) sondern vorwiegend "Freye", die dem Herzog unterstanden, der durch einen Amtmann vertreten war. Die Rechte und Pflichten der Freyen waren in "Handfesten" niedergelegt, wobei man einige Abstufungen unterscheiden muss. Es gab Freye nach kulmischem Recht ("Köllmer") und Freye nach magdeburgischem Recht, zu denen auch die beiden Sembritzki's von 1570 und 1664 gehören. Die Sembritzki-Urkunde von 1664 ist ein Verzeichnis aller "Scharwerks-Freyen"; diese müssen an den herzoglichen Amtmann regelmäßig genau festgesetzte Naturalien als Steuer abführen, können aber auch zu Kriegsdienst und zu Scharwerks-Arbeiten, das sind Bauarbeiten an der Amtsburg und an Grenzbefestigungen, herangezogen werden.

Im Jahre 1664 ist Peter Sembrisky der einzige Sembritzki unter den Scharwerks-Freyen des Amtes Oletzko. Er dürfte daher der Ahnherr aller Sembritzki's im Kirchspiel Straudaunen sein, zu dem Schikorren (= Wellheim) gehört. Gleichzeitig mit Peter kann es aber weitere Sembritzki's gegeben haben, die köllmische Freye waren und daher in dem Verzeichnis der Scharwerks-Freyen nicht enthalten sind; von ihnen dürften die Köllmer Sembritzki abstammen, die später in der näheren Umgebung nachzuweisen sind.

Nur etwa 12 km nördlich von Schikorren und Rydzewen liegt das kleine Gut Masergut/Masergüttgen (= Klein-Wessolowen = Klein-Fronicken) im Amt Polommen, Kirchspiel Schwentainen, Kreis Oletzko. Auf diesem Gut sitzt um 1735 Piotr/Peter Zembrzicky/Sembritzki und wird Stammvater des größten Sembritzki-Zweiges. Er könnte ebenfalls ein Nachkomme des Peter Sembrisky im benachbarten Schikorren sein.

Die Sembritzki's gehören also zu den ältesten Familien Masurens.

Noch im 15. Jahrhundert war das südöstliche Ostpreußen eine Wildnis, die fast keine Einwohner hatte. Der Deutsche Orden kolonisierte das Land durch die Errichtung von Ordensburgen, Städten und Dörfern. Die Kolonisation der Wildnis erfolgte zunächst durch preußische Ureinwohner, aber auch durch eingewanderte Deutsche [4]. Der anfangs recht starke Zustrom von deutschen Bauern ließ aber nach, wohl weil in Deutschland der Bevölkerungs-Überschuss als Folge der seit 1348 auftretenden Pest versiegte. Andererseits gab es im südlich angrenzenden polnischen Herzogtum Masowien eine Überbevölkerung unter den polnischen Bauern und Kleinadels-Familien, deren Güter durch Erbteilung in kleinste Parzellen zerstückelt waren [5].

So wurden besonders nach dem 2. Thorner Frieden 1466, als das Ordensland unter polnische Lehenshoheit kam, viele neu gegründete Frey-Dörfer an zugewanderte masowische Familien verschrieben [6] [3], so dass das Land durch die masowischen Zuwanderer erst den Namen Masuren erhielt [5]. Nach und nach nahmen diese Zuwanderer größtenteils die deutsche Sprache an, wie auch die Sembritzki-Urkunde von 1570 zeigt. 1525, als der Deutsch-Ordens-Staat in ein weltliches Herzogtum umgewandelt wurde, traten sie mit diesem zur protestantischen Konfession über. Nun also gab es das deutschsprachige, protestantische Herzogtum Preußen unter der Lehnshoheit des katholischen polnischen Königs (1525 bis 1657). Trotz dieses Gegensatzes erhielten auch noch im 16. Jahrhundert eingewanderte Masowier die soziale Stellung eines Freyen [6].

Nur teilweise führte die Lehenshoheit des polnischen Königs zu vermehrtem Einfluss der polnischen Sprache und Kultur. Aber nach der Entvölkerung Ostpreußens um 1700 durch Kriege und Pest wanderten weitere Polen ein, die nun großenteils die polnische Sprache und die katholische Konfession beibehielten. Zu dieser Zeit wurden sogar deutsche und altpreußische Namen polonisiert. Zum Beispiel gehören zu meinen masurischen Vorfahren die Waschul, deren altpreußischer Name in einigen Zweigen zu Waschulewski polonisiert wurde.

Man kann daher aus dem polnisch aussehenden Namen Sembritzki nicht ohne weiteres schließen, dass es sich um eine polnisch-masowische Familie handelt. Es könnte auch die polonisierte Form eines altpreußischen Namens sein. So leitet Max Mechow [6] den Namen Sembritzki von dem altpreußischen Stamm der Samben her, dessen Name noch in "Samland" überliefert ist.

Nachdem nun aber der Name Sembritzki bereits 1526 urkundlich belegt ist, dürfte der erste Sembritzki tatsächlich aus Masowien zugewandert sein.

Nicht weit von Rydzewen und Schikorren gibt es gleich hinter der preußisch-masowischen Grenze einen kleinen Fluss Zambrzyce, dessen Name vermutlich mit dem Preußenstamm der Samben zusammenhängt. Angeblich wurden hier zwischen 1416 und 1446 die Brüder Mathias und Wielislaw de Kolaki (= Kolakowski) mit 60 Kulmer Morgen (= 2 Huben) am Flusse Zambrzyce belehnt, wo sie das Gut Zambrzyce gründeten und den Familiennamen Zambrzycki annahmen. Das Gut Zambrzyce, das der Stammsitz der polnischen Adelsfamilie Zambrzycki wurde [7], liegt in der Gemeinde Chlebiotki und der Pfarrei Rudki.

Angesichts der geringen Entfernung zwischen Zambryce und Rydzewen/Schikorren und angesichts der historisch gesicherten Einwanderungswelle aus Masowien um 1500 erscheint es durchaus glaubhaft, dass der erste Sembritzki in Masuren aus dem masowischen Adelsgeschlecht Zambrzycki stammte.

Es kann aber auch anders gewesen sein. So kann der Name Sembritzki einen Einwanderer aus Zambrzyce bezeichnen, der gar nicht ein Angehöriger der dortigen Familie Zambrzycki war sondern nach seinem Herkunftsort benannt wurde. Schließlich kann auch ein Angehöriger des preußischen Samben-Stammes, der in polnisches Sprachgebiet kam, dort Zambrzycki genannt worden sein, woraus dann bei der Rückwanderung nach Preußen Sembritzki wurde. Aber das sind freilich schon Spekulationen.

Festzuhalten bleibt, dass die urkundlich genannten
 - Stanislaw Szembrzitzky von 1526,
 - Martin Sembriczky von 1570 mit seinen 7 Söhnen, und
 - Peter Sembrisky von 1664 mit 4 Söhnen
die Stammväter aller ostpreußischen Sembritzki's sind.



Literatur

[1] Eine "Handfeste" (= Verleihungsurkunde) zitiert bei Robert Stein: Die ländliche Verfassung Ostpreußens am Ende des 18. Jh., Königsberg 1918, Nachdruck: Sonderschrift Nr.92 des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, Hamburg 1997, S.73, Fußnote 4.

[2] Staatliches Archivlager Göttingen (später nach Berlin-Dahlem verlegt), Etat-Ministerium 103 a-d 1181 I, rote Paket-Nr.2937; Fotokopie durch Gerhard Lemmel.

[3] Manfred Kwalo: Die Spezifikation der Kleinen Freien im Amt Oletzko von 1664; in: Altpreußische Geschlechterkunde, Neue Folge Band 14 1983 S.3.

[4] Helmut Mewe: Lötzener Zeitung, Beilage 'Aus der Heimat', 1936 S.5ff, nachgedruckt in der Sonderschrift Nr.32 des Vereins f. Fam'fg in Ost- u.WEstpr, Hamburg 1976 S.8.

[5] Helmut Walsdorff: Die Familie Dolenga in Sdunken Kreis Lyck; in: Altpr. Geschl'kde NF Bd.14 1983 S.67.

[6] Max Mechow: Prussische Namen als deutsche Familiennamen; in: Altpr. Geschl'kde NF Bd.8 1975 S.313. - Und: Mitteilung Max Mechow an H.D. Lemmel.

[7] Die Familie Zambrzyce-Zambrzycki. Manuskript eines namentlich nicht genannten Genealogen für die Familie Sembritzki, um 1935.


B. Wortlaut der Sembritzki-Urkunden von 1570 und 1664



 






 

Ende
zurück zum Chronik-Index

Zurück zum Haupt-Index