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Kaleidoskop:
Die Stiftungen der Familie 1400-1915
Ursprünglich gedruckt in "Lemlein filii" Heft 5 1999 S.45-46,
seither ergänzt, zuletzt 2011.
Um 1400 Bamberg
Der etwa um 1330 geborene Hans Lemlein war um 1380 Werkmeister des
Kapitels des Bamberger Franziskanerklosters. Seine Frau Gerhaus
stiftete in der Klosterkirche den Erhard-Altar. Über diese
Stiftung gibt es leider keine direkte Urkunde. Erst nach dem Tod des
Werkmeisters stiftete im Jahr 1405 die Witwe Gerhaus Lemlein ein
Kapital, dessen Zinsen unter anderem "zur Beleuchtung des von ihr
gestifteten Erhard-Altares" dienen sollte. Hieraus zu schließen
muss sie also schon zuvor den Altar gestiftet haben, womöglich
anlässlich des Todes ihrer Eltern zu deren Seelenheil. Leider ist
nicht bekannt, aus welcher Bamberger Familie diese Gerhaus Lemlein
stammte. – Der Werkmeister Hans Lemlein ist ein Onkel von unserem
Vorfahren, dem Bamberger Schöffen Hans Lemlein.
1451 Neumarkt-Gnadenberg
Im Jahre 1451 vermachte Barbara Lämel in Neumarkt in der
Oberpfalz eine Stiftung, die "Seelbadstiftung", wodurch arme Leute
zehnmal im Jahr ein Bad nehmen können und dabei Bier bekommen.
Barbara, die die einzige Tochter eines wohlhabenden Vaters war, ging
anschließend in ein Kloster. Von dort stiftete sie im Jahre 1478
zusammen mit zwei anderen Stiftern den Altar zwischen den Portalen in
der Klosterkirche in Gnadenberg. Leider ist diese Kirche nicht
erhalten; die Ruine wurde beim Nürnberger Familientag 1989
besichtigt, aber man konnte nur noch die Stelle ahnen, wo der
Lämelsche Altar gestanden hatte.
Familientag Lemmel/Lämmel
2003 in Gnadenberg. Rechts oben Frau
Sandra Frauenknecht, Autorin
eines Buches über Gnadenberg.
300 Jahre später erfolgte wieder eine Lemmel-Stiftung
in Gnadenberg; siehe weiter unten.
1485 Nürnberg
Mit der prächtigen Heirat von Michel Lemel und Katerina Imhof 1485
wurden zwei reiche Handelshäuser vereinigt. In einer 1610
aufgezeichneten Chronik heißt es "... wird gedacht, daß
Michael Lämmel zum Bau des Spitals zum Heiligen Geist in
Nürnberg etwas gegeben." Dieses bereits 1339 gegründete
Spital wurde 1487 durch den bekannten, über dem Nordarm der
Pegnitz errichteten Flügel erweitert. Offenbar hat Michel Lemel
anlässlich seiner Hochzeit zu diesem Bau beigetragen.
1493/1501 Nürnberg
Um 1500 war Nürnberg eine der reichsten Städte des
Deutschen Reiches. Unter den 100 reichsten Nürnbergern stand
Michel Lemel mit einem Vermögen von rund 10.000 Gulden etwa an 35.
Stelle. (Er war ein Neffe des Nürnberger Bürgermeisters Hans
Lemlein und des Chemnitzer Lemmel-Stammvaters Mertein Lemlein/Lemel.)
Im Jahre 1501 stiftete er der St.Sebaldkirche in Nürnberg "ein gut
gewurkt Altartuch mit einer gewurkten Leisten, am Tuch das Jungst
Gericht mit unserer lieben Frauen, sant Johansen dem Taufer und den
Zwelfpoten, auch die Urstend der Toten, und an der ein Seiten des Tuchs
Sankt Michael und der andern Sankt Katharina mit Lemel und Imhof
Schilden und Helmen." - Michel Lemel war mit Katharina Imhoff
verheiratet, und Michels Kusine Ursula Lemlin war mit Hans Imhoff
verheiratet. Dieser stiftete 1493 in der Nürnberger Lorenzkirche
das gotische Sakramentshaus des Bildhauers Adam Kraft, an dem neben dem
Imhoff-Wappen auch das Lemlein-Wappen zu sehen ist. Michel Lemlin
"besiegelte" den Werkvertrag zwischen Hans Imhoff und Adam Kraft.
- Das Sakramentshaus mit dem Lemlein-Wappen wurde bei den
Familientagen 1989 und 2003 von den Teilnehmern besichtigt.
In der Mitte der Brüstung das
große Imhof-Wappen, darunter die Wappen der beiden Ehefrauen
Neudung und Lemlin.
1502 Affalterbach
Die Lemblein haben die Kapelle in Affalterbach gebauet. So heißt
es in einer Nürnberger Chronik. Affalterbach (bei
Ochenbruck-Rummelsberg) lag an der Grenze des Landgebietes der
Reichsstadt Nürnberg, und die Abgrenzung zur brandenburgischen
Markgrafschaft Kulmbach war umstritten, so dass es hier zu
Streitigkeiten kam, bei denen offenbar die Kapelle in Mitleidenschaft
gezogen wurde. Um die Nürnberger Hoheit über Affalterbach zu
demonstrieren, musste Nürnberg die Kapelle wieder aufbauen. Warum
dies "die Lemblein" ausführten, ist nicht
überliefert.
1621 Geislingen
Der Ulmer Vogt Georg Valentin Lemblin stiftete 1621 der
Stadtkirche von Geislingen eine neue Kanzel. Am Schalldeckel der Kanzel
ließ er sein Wappen anbringen.

1668/1692 Chemnitz
Anno 1668 ist der Nikolaikirche in Chemnitz von Herrn Johann
Lemmeln, Handelsbedienten in Leipzig, ein grün taffetnes Altartuch
verehrt worden. - Der gleiche Johann Laemmel, nunmehr "churf.
sächs. General Kriegs Zahlmeister", stiftete 1692 eine zwei
Zentner schwere Glocke für den neu errichteten Turm der
Nikolaikirche. - So steht es in der Richter'schen Chronik der Stadt
Chemnitz unter "Wohltäter der St.Nikolaikirche". Die Glocke hat
leider den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden.
1699 Trugenhofen
Anno 1699 stiftete Franz Ignaz Freiherr von Lämble zu
Rennertshofen der Pfarrkirche Trugenhofen (bei Neuburg/Donau) eine
Glocke. Die Inschrift lautet: Sr Hochwohlgeborn Herr Franz Ignaz
Freyherr v.Lämble, churfürstl. pfalzneuburg. Kämmerer
und Hauptpfleger zu Rennertshofen.
1723 Ettendorf/Elsass
Michael Lemmel, ein Wagner in
Ettendorf im Elsass, ließ im Jahre 1723, wohl aus Anlass der
Geburt seines ältesten Kindes, ein steinernes Kreuz errichten.
[Fotos
von Marc Mathern 2010 an Sébastien Brocker]
1750 Gnadenberg
Georg Jakob Lembl, gestorben 1753 als Klosterrichter und
klösterlicher Gutsverwalter in Gnadenberg in der Oberpfalz,
stiftete der Gnadenberger Kirche einen Kelch und ein Tablett mit zwei
Messkännchen. Darin ist der Name des Stifters eingraviert. - 1989,
beim Nürnberger Lemmel-Familientag, konnten Kelch und
Kännchen besichtigt und fotografiert werden.


1752 Maffersdorf/Böhmen
Gottfried Lammel war wohlhabender Kretscham-Besitzer und
Scholze in Proschwitz bei Reichenberg in Nordböhmen. Er regierte
mit kräftiger Hand und großer Energie, galt aber als ein
Dorftyrann, und sein einziger Sohn wurde erschlagen. Darauf stiftete er
1752 den Aloisius-Altar in Maffersdorf.
1852 Mühlberg
Die alte Orgel in Mühlberg an der Elbe war baufällig.
Der wohlverdiente Senator, Tischlermeister Gottfried Lämmel hat
deshalb 1852 testamentarisch 200 Taler bestimmt, welche dann zur
Erbauung einer neuen Orgel in dieser Kirche verwendet werden sollen,
wenn sie durch Zins und Zinseszins zu der nötigen Höhe
angewachsen sein werden. Die Verwaltung dieses Lämmelschen
Orgelbaulegates erfolgt durch den Kirchenvorsteher. - 13 Jahre
später wurde eine Chronik der Stadt und des Closters Mühlberg
veröffentlicht, zu der der Senator Gottfried Lämmel
wesentliche Aufzeichnungen beigetragen hatte.
Um 1880 Chemnitz
Alexander Lemmel, Bäcker in Chemnitz, geboren 1839 in
Neukirchen, stiftete das Taufbecken in der Lutherkirche in Chemnitz.
1915 Chemnitz
"Im Jahre 1915 stiftete das Kirchenvorstandsmitglied Herr
Fabrikant Max Lämmel zum Gedächtnis an seine fürs
Vaterland gefallenen Söhne Willy Lämmel und Gerhard
Hofmann einen Geldbetrag, von dem zunächst 2 silberne
Altarleuchter, 1 Abendmahlskelch und 1 Abendmahlskanne angeschafft
wurden. Eine weitere Geldstiftung erfolgte im Jahre 1921, ebenfalls von
seiten des Herrn Max Lämmel; sie wurde dem kirchlichen Hilfsverein
zugeleitet." So steht es in einer Chronik der Lutherkirche in
Chemnitz. Max Lämmel, geboren 1864, war Wäschefabrikant in
Chemnitz-Schönau. - 1986 war Roland Lämmel, der aus einem
ganz anderen Lämmel-Zweig stammt, Mitglied des Kirchenvorstandes
an dieser Kirche und teilte mit, daß die von Max Lämmel
gestifteten silbernen Altargeräte noch existieren. 1989 besuchten
Inge und Konrad Höfler die Lutherkirche in Chemnitz und fertigten
von Kelch, Kanne und Leuchtern Fotografien an.


Ende
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