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Lemmel und Lämmel als Strumpfwirker

In Auerbach trafen sich zwei Strumpfwirker Lämmel: Herbert Lämmel, geboren 1916 und Willi Lämmel, geboren 1908. Sie sind beide Nachkommen des Chemnitzer Kaufmanns Merten Lemmel, der um 1415 geboren wurde. Herbert Lämmel stammt von dessen Sohn Hans Lemmel ab, Willi von dessen Sohn Paul Lemmel.


Bald nach 1700 breitete sich das Gewerbe der Strumpfwirker im Erzgebirge aus.

Gabriel Lämmel, Leineweber in Niederrabenstein bei Chemnitz (Lämmel-Stamm Altendorf), ließ als erster seine Söhne das Strumpfwirken erlernen: 1729 heiratet Gottlieb Lämmel, 1734 sein Bruder Christof, und in beiden Heiratseinträgen steht als Beruf: Strumpfwirker. Sie waren die ersten Strumpfwirker namens Lämmel. Die Nachkommen übten diesen Beruf in Rabenstein und Lößnitz bis in das 20. Jahrhundert aus. 1755 war Gottlieb Lämmel in Lößnitz Beisitzer der Strumpfwirker-Innung.

Ab 1780 gab es in Neukirchen bei Chemnitz die ersten drei Lemmel-Strumpfwirker, die aus drei verschiedenen Lemmel-Zweigen stammten. Unter ihren Nachkommen finden sich sogar Fabrikanten. Ab 1881 betrieb Johann Wilhelm, der sich manchmal Lemmel, manchmal Lämmel schrieb (Lemmel-Stamm Neukirchen, Neuk-39/f), eine Strumpffabrik in Neukirchen. Der Strumpfwirker Karl Hermann Lemmel aus Neukirchen eröffnete 1863 eine Handschuhfabrik in Limbach, aus der die Stickereifabrik von Theodor Max Lämmel hervorging; sie bestand noch nach 1945 in Limbach, Burgstädter Str.2a.

In Gornsdorf und Jahnsdorf gab es Lämmel-Strumpfwirker ab 1793, in Bernsdorf ab 1801, in Stelzendorf ab 1810, in Reichenbrand ab 1812. Einige Lämmel waren Schlechtwetter-Strumpfwirker: Bei gutem Wetter arbeiteten sie als Maurer oder Zimmermann.

In Stelzendorf (Lemmel-Stamm Leukersdorf, Lk-32/f) wurden zwei Söhne des Handarbeiters Gottlob Lemmel Strumpfwirker. Der eine von ihnen, Gottlieb, war auch Strumpfwarenhändler, Schwarz- und Schönfärber, bis er schließlich zusammen mit seinem Sohn Carl Heinrich Lemmel/Lämmel eine Strumpffabrik in Stelzendorf gründete, mit der er 1862 nach Hormersdorf und schließlich 1867 nach Bärenstein übersiedelte.

In Schönau gab es den ersten Strumpfwirker Lämmel im Jahre 1814. Sein Nachkomme, Hermann Lämmel, gründete 1906 eine Trikotagenfabrik in Schönau.

Karl Lämmel, 1819 in Gornsdorf geboren, wurde Strumpfwirker-Geselle und 1846 Meister in Auerbach/E. Vier Söhne wurden Strumpfwirker in Auerbach, wohl alle bei der Strumpffabrik Albin Keller, die 1927 ihr 60-jähriges Bestehen feierte.
 [Kopie aus "Nodelzang und Maschenfang", Auerbacher Strumpfgeschichte und Strumpfgeschichten. Eine Auerbacher Strumpf-Chronik, herausgegeben Nov.2001. - Mitgeteilt von Falk Drechsel 2003]

Auf dem Jubiläumsbild sieht man Max Lämmel (geboren 1872 in Auerbach), sitzend links im Bild, und seine beiden Söhne Willy und Arthur, stehend rechts. In der Mitte stehend der Firmen-Inhaber Herbert Keller. Ferner Max Rau und Otto Walther, stehend links, und Emil Uhlmann, sitzend rechts im Bild.

Weitere Strumpfwirker Lämmel gab es in Thalheim ab 1829, in Klaffenbach ab 1845, in Markersdorf ab 1849 und auch in Gelenau, wo ab 1847 gleich sechs Brüder und Vettern Lämmel die Strumpfwirkerei betrieben. Gelenau wurde so mit Lämmelscher Beteiligung zum Zentrum der Strumpfwirkerei. Zu dieser Zeit wurde hier die Gelenauer Strumpfwirkerinnung mit 120 Meistern gegründet, unter denen die 6 Lämmel 5 Prozent ausmachten. Hier gibt es nun das Erste Deutsche Strumpfwirkermuseum.

Vereinzelte Lämmel-Strumpfwirker gab es an etlichen weiteren Orten. Insgesamt gab es zwischen 1729 und dem 20. Jahrhundert rund 150 Strumpfwirker namens Lemmel und Lämmel.

H.D. Lemmel, Wien, 9.3.96, ergänzt bis 2018

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