T-30/d zur Stammtafel T T-30/d

Caspar Lemmel/Lemmelius t204 – Pfarrer in Niederösterreich


Vater: T-29/b Caspar Lemmel t349

* 1530 in Torgau, † nach 1580 wo?

Univ. Wittenberg, Tübingen, Strassburg. 1562 Kantor in Giengen/Brenz. 1564 Ordination Regensburg. Pfarrer in Nieder österreich: Ottenschlag, 1569 Rabenstein, 1580 Opponitz.

Regesten:

Zusammenfassung: 1530 in Torgau geboren. Studierte (etwa ?1547-1555) Theologie und Sprachen in Wittenberg, Tübingen und Straßburg. In Wittenberg muss er Theologie und Griechisch bei Philipp Melanchthon studiert haben.
"Vor 1562" Kantor in Giengen/Brenz.
1564-1569 Prädikant und Pfarrer in Ottenschlag. 1564/1565 Ordination in Regensburg. 1567 bittet er als ein "vertriebener Pfarrer" um einen Kirchendienst in Württemberg; bleibt aber bis 1569 in Ottenschlag.
1569 nach Rabenstein berufen, dort noch 1580 evangelischer Pfarrer und Schullehrer. Dann in Opponitz. Unklar, ob in Opponitz nach 1580 gestorben? oder von dort vertrieben? und wohin?

Ausführlich:

 •  Caspar Lemmel, geboren 1530 zu Torgau. Studierte zu Wittenberg, Tübingen und Straßburg Theologie und Sprachen.

 •  1564 wurde er zu Regensburg von Nicolaus Gallo ordiniert, war dann vier Jahre Prediger zu Ottenschlag (Niederösterreich, Waldviertel, 30 km westlich von Krems). Die Pfarrei Ottenschlag im Dechanat an der Krems stand unter dem Patronat des Hofkammerrates Melchior von Habereck und Gutmannsdorf. Die Visitation des Jahres 1544 fand die Pfarrei gut katholisch. Das Patronat ging an die Familie Rogendorf über. In der Person des Prädikanten Kaspar Lemmelius aus Torgau wurde 1564 ein Pfarrer eingesetzt, der bis 1569 amtierte und den Prädikanten Thomas Karer zum Nachfolger hatte.

 •  Im August 1580 wird in der Schallaburg eine Visitation des Viertels Ob Wienerwald abgehalten. Unter den evangelischen Predigern, die 1580 im öffentlichen Lehramt gestanden, erscheint Kaspar Lemmel (Caspar Lemmelius), Pfarrer zu Rabenstein, und gibt an: Geboren 1530 zu Torgau, hatte zu Wittenberg, Tübingen und Straßburg Theologie und Sprachen studiert, wurde 1564 zu Regensburg von Nicolaus Gallo ordiniert, sei darauf erst zu Ottenschlag vier Jahre Prediger gewesen, sei dann von dort nach Rabenstein berufen worden. Evangelischer Pfarrer in Rabenstein unter Herrn von Mamming. Hält auch die Schule in seiner Gemeine.

 •  Das Patronat über die Pfarrei Rabenstein, Dechanat Tulnerfeld, übte das Kloster Göttweig aus. Zu Rabenstein gehörte auch die südlich von Rabenstein auf dem Wege nach Kirchberg gelegene Sankt-Andreas-Kapelle.
[Bernhard Raupach: Evangelisches Österreich, 1.-3. Forts. (1732-1740), 2 Bde Hamburg 1741, Bd.1 S.89, 244, 261]
[Theodor Wiedemann: Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns, Bd.1-5, Prag 1879-1886, Bd.4 S.174, Bd.1 S.412, Bd.3 S.4]


[Bernhard Raupach: Presbyterologia Austriaca oder Historische Nachricht von dem Leben, Schicksalen und Schriften der Evangelisch-Lutherischen Prediger, Hamburg 1741, Seite 89. - Kopie 1984 durch W.Hofr. Dr. Alois Zauner, Dir. Oberöst. Landesarchiv Linz]

 •  Vor 1562 war er Kantor in der Reichsstadt Giengen an der Brenz.

 •  Im Juli 1567 bat Kaspar Lemelius, ein vertrieberner Pfarrer aus Ottenschlag in Österreich, um einen Kirchendienst in Württemberg, wo er schon zuvor tätig gewesen war. 1569 wurde er aber nach Rabenstein berufen (offenbar ohne zuvor ein Amt in Württemberg erhalten zu haben). - Rabenstein in Niederösterreich, 20 km südwestlich von St.Pölten.
[Gustav Bossert: Die Liebestätigkeit der evangelischen Kirche Württembergs für Österreich bis 1650. In: Jb. d. Ges. f. d. Gesch. des Protestantismus in Österreich, Jg.26, Wien 1905, S.3]

 •  10.4.1565 in Regensburg: Entwurf des Ordinationsdekrtes von Nikolaus Gallus für Kaspar Lemmel.
[Mtlg Dr. Hable, Statdtarchiv Regensburg]

→ Gallus, der Reformator von Regensburg, ordinierte in dieser Zeit die meisten evangelischen Geistlichen von Ober- und Niederösterreich. Er war nach dem Tode Luthers einer der führenden Köpfe der lutherischen Kirche. [Vgl. Hartmut Veit: Nikolaus Gallus, Neustadt/Aisch, 1977]

 •  "Aus der Zeit der großen Religionsspaltung kam der Nahme eines gewissen Caspar Lemmel auf uns, der 1580 auf den Ruf eines Herrn von Mainburg nach Rabenstein kam und der Pfarre als protestantischer Prediger und Schullehrer vorstand." Dies ist die erste Erwähnung der Schule in Rabenstein, in der Pastor Lemmel den Schuldienst versah.
[Ambros Besziczka: Das Decanat Wilhelmsburg, 1825. - Internet 2014]

 •  Rabenstein bei Kirchberg an der Pielach: Hier war im Jahre 1580 Pastor Kaspar Lemmelius zugleich auch Schulmeister. (Wiedem.IV,174)
[Jahrbuch der Gesellschaft f.d.Gesch. des Protestantismus im ehemaligen und im neuen Österreich Bd.53 1932 S.25. - GL 1980]

 •  Die Herrschaft Rabenstein mit einer Burg, die heute Ruine ist, gehörte 1498-1571 den Herren von Wolfstein, 1571-1581 den Herren Cäsy, 1591-1641 den Freiherren von Gienger. [Erika und Walter Burger, Rabenstein, Mtlg um 1980]

 •  Kaspar Lemmel ist der erste namentlich bekannte Schullehrer, der in Rabenstein wirkte. Bei einer Visitation wurde es ihm als besonderen Verdienst angerechnet, dass er selbst in der Schule der Jugend den Unterricht erteilte.
[Internet 2015, "Gemeinde Rabenstein an der Pielach"]

 •  Offenbar im Anschluß an die Visitation auf der Schallaburg 1580 verließ er Rabenstein. "Um das Jahr 1580" ist Caspar Lemmel evangelischer Prädikant in Opponitz; Geburtsort Torgau; ordiniert in Regensburg.
[Anton Kerschbaumer: Geschichte des Bistums St.Pölten, Bd.1, Wien-Krems 1875, S.396. - GL 1980]

 •  Weiterer Verbleib und Kinder unbekannt. Starb er (50 Jahre alt) in Opponitz? oder wurde er im Zuge der Gegenreformation vertrieben?

 •  In Opponitz konnte weder in den Pfarrmatriken noch im pfarrlichen Gedenkbuch der Name Lemmel oder dessen Varianten festgestellt werden.

 •  Kaspar Lemmel erwähnt in:
[Hans-Dietrich Lemmel und Gerhard Lemmel: Hans Lemmel in Wien, Handelsmann, Ratsherr, Protestant. In: Wiener Geschichtsblätter 35.Jg. 1980 S.69-81]
[Roman Daxböck, historische Diplomarbeit über die Pfarre Rabenstein, Wien 2008, im Internet. Hier u.a. als Quelle für Kaspar Lemmel angegeben: Anton Kerschbaumer in der Theologischen Monatsschrift "Hippolytus", 3.Jg. 1860 Seite 238 und 4.Jg. 1861 Seite 452f]


2017 9 19