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Das Testament der Charlotte Caroline Sembritzki geb. Zimmermann, Königsberg 1879.

Das ist unsere Urururgroßmutter, geboren 1808 als Tochter eines Gutsbesitzers in der Nähe von Königsberg. Verheiratet war sie mit Ferdinand Sembritzki, einem Königsberger Schuhmacher, der schließlich ein wohlhabender Schuhfabrikant war.



Copia

Mein Testament

Ich, die Wittwe Charlotte Caroline Sembritzki geb. Zimmermann bin weder durch Testament noch Erbvertrag noch sonst in irgend einer Weise in der freien Verfügung über meinen dereinstigen Nachlaß beschränkt, und bestimme auf meinen Todesfall, wie folgt:

§1.
Zu meinen Erben ernenne ich meine sechs Kinder:
1. Civil Ingenieur Rudolph Herrmann Sembritzki, hier wohnhaft.
2. Bahnhofs Inspektor John Otto Sembritzki auf Bahnhof Buchholz in Hannover wohnhaft.
3.Schauspieler Robert William Sembritzki, dessen gegenwärtiger Wohnort mir unbekannt ist und der schon seit mehreren Jahren Nichts von sich hat hören lassen.
4. Maria Elisabeth Sembritzki, bei mir wohnhaft,
5. Ingenieur Otto Marshall Sembritzki in Blochhagen auf Rügen wohnhaft.
6. Architekt Ernst Alfred Sembritzki in Berlin, unter sich zu gleichen Theilen.
Sollte eines meiner Kinder vor mir versterben, so substituiere ich demselben seine ehelichen Defiendenten.

§2.
Meine Tochter Marie Elisabeth Sembritzki soll mein gesamtes Mobiliar, Betten, Wäsche, Kleider, Hausgeräth und Pretiosen und 1000 (Ein Tausend) Mark baar als Praelegat erhalten.

§3.
Zu meinem Testaments Vollstrecker ernenne ich den Buchhalter Herrn Philipp Moritzsohn in der Schimmelfengschen Tabakfabrik, derselbe soll sofort nach meinem Tode meinen gesammten Nachlaß, mit Ausnahme der meiner Tochter Maria Elisabeth zum Voraus ausgesetzten Sachen in seinen Besitz nehmen, und bis zur Theilung verwalten: zu diesem Zwecke ermächtige ich ihn den Nachlaß resp. die Erben in Prozessen in allen Instanzen zu vertreten, und dabei alles dasjenige vorzunehmen, was die Gerichte von einem im Namen einer abwesenden Partei erscheinenden Bevollmächtigten zu verlangen, berechtigt sind, Erkenntnisse in Empfang zu nehmen, Forderungen des Gegners anzuerkennen, Eide zu erlassen, oder für geschworen anzunehmen, Vergleiche über streitige Rechte abzuschließen, Rechte einem Dritten abzutreten, Sachen, Gelder und Documente von wem es sei auch aus gerichtlichen Depositorien in Empfang zu nehmen und darüber zu quittieren, Subhastationen, Sequestrationen und Arreste auszubringen, auf Grundstücke zu bieten und für ein Meistgebot den Zuschlag zu bewilligen und zu beantragen: endlich soll er auch berechtigt sein, die zum Nachlaß gehörigen Grundstücke aus freier Hand und unter beliebigen Bedingungen zu verkaufen und zu übergeben, Kaufgelder zu preditieren, Eintragungen und Löschungen im Grundbuche zu bewilligen und zu beantragen und die Auflassungs Erklärung zu verlautbaren.
Bis zu dem Zeitpunkte, in welchem der Herr Testaments Vollstrecker den Verkauf der Nachlaß Grundstücke für angemessen hält und bewirkt - und hierüber selber ganz allein nach seinem Ermessen zu entscheiden befugt sein, und ist an keine Instruktion und Aufträge der Erben gebunden - sollen dieselben für Rechnung der Erben verwaltet werden.
Insbesondere mache ich dem Herrn Testaments Vollstrecker zur Pflicht, sich die Ermittlung meines Sohnes Robert William angelegen sein zu lassen, namentlich denselben in einer Koenigsberger, Lübecker, und Berliner Zeitung zur Meldung aufzufordern und falls ihm die Ermittlung nicht gelingt, dessen Todeserklärung zu veranlassen.
Zu allen ihm vorstehend eingeräumten Befugnissen und auferlegten Pflichten soll mein Herr Testaments Vollstrecker berechtigt sein sich auf Kosten des Nachlasses einen Substituten zu bestellen.

§4.
Ich behalte mir das Recht vor,dieses Testament durch außergerichtliche Aufsätze abzuändern und zu ergänzen, namentlich auch einen anderen Testaments Vollstrecker zu ernennen, und sollen degleichen Aufsätze giltig sein, wenn sie von mir nur eigenhändig unterschrieben sind.

Koenigsberg d. 21.Mai 1879.
..
(Eine Unterschrift fehlt. Es ist wohl nur eine Abschrift des Testamentes.)

Anmerkung zum vermissten Sohn Robert William Sembritzki, Schauspieler:  Er wurde 1893 für tot erklärt. Tatsächlih aber fand Gerhard Lemmel, dass er bereits 1865 imAlter von 28 Jahren im Königsberger Haus der Barmherzigkeit starb. Vermutlich hatte er als Schauspieler den Kontakt mit seiner konservativen Familie abgebrochen. (HDL)

27.5.2020