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Georg Jakob Lembl e722 – Klosterrichter in Gnadenberg und Neumarkt


Eltern: W-35/s Johann Georg Lembl/Lemel e753, Barbara .... e730

* um 1690 in Tännesberg, † 10.5.1753 in Gnadenberg, begr. Hagenhausen

1723-1736 Klosterschreiber in Baumburg und Altenmarkt. 1737 Klosterrichter in Gnadenberg (bei Altdorf). 1753 Kastner in Neumarkt/Oberpfalz.

∞ 6.10.1722 in Baumburg mit Maria Margareta Bredauer/Pretaur e739

* um 1689, † 23.11.1766 in Neumarkt

1760/1761 stiftet sie eine Messe und ein Benefizium in Neumarkt. Kinderlos.

ihre Eltern: Johann Caspar Pretaur e731, (* etwa ?1655)
Bürgermeister/Ratsherr ("Consul") in Neumarkt. Siehe W-35/Pre; ∞ mit Barbara Susanne .... e732, (* etwa ?1660).

Regesten:

Zusammenfassung:

 •  Geboren um 1690 in Tännesberg als Sohn des dortigen Ratsherrn Johannes Georg Lembl. 1722 heiratet er als Schreiber ("Grammateus") des Klosters Baumburg.

 •  Sein Großvater ist wahrscheinlich Gregori Lembler, der 1670 als ein Verwalter im Amt Tännesberg-Treswitz beurkundet ist (HDL).

 •  1723-1736 Georg Jakob Lembl in Baumburg und Altenmarkt als Hofschreiber. (Im bischöflichen Salzburger Archiv nicht bekannt.

 •  Ab 1737 Verwalter und Klosterrichter in Gnadenberg bei Neumarkt. Wohnsitz in Neumarkt.

 •  Gestorben 1753; seine Grabplatte wurde in Gnadenberg als Türschwelle zur Sakristei eingebaut.

→ Ähnlicher Name in ähnlicher Funktion: Ein 1687 geborener Jakob Lembler unbekannter Herkunft ist Kämmerer des Klosters in Dürnstein/Wachau.

Im einzelnen:

 •  6.10.1722 Trauung in Baumburg:

 •  Georg Jacob Lembl, Schreiber ("Grammateus") im Kloster Baumburg; Eltern: Johannes Georg Lembl, Ratsherr ("Senator") in Tännesberg in der Oberpfalz, und dessen Ehefrau Barbara; und

 •  Maria Margaretha Pretaur; Eltern: Johann(es) Caspar Pretaur, Bürgermeister/Ratsherr ("Consul") in Neumarkt in der Oberpfalz, und dessen Ehefrau Barbara Susanne;

 •  Trauzeugen: Johannes Georg Ruelandt, Rechtsgelehrter ("J.U.L.Notar") und Richter (oder: Vogt) im Kloster Baumburg; und Johannes Georg Kärpf, Kammerdiener ("Cubicularius") des Propstes und Archidiakonus in Baumburg.
[Trauungsbuch Baumburg Bd.12 S.64 verso; Mtlg Herr Weikmann, Archiv des Erzbistums München und Freising, 2005]

→ Kinder dieses Paares konnten im Taufbuch Baumburg nicht festgestellt werden. Allerdings hat dieses Buch, das nicht durch Register erschlossen ist, für die Jahre 1726-1737 eine zeitliche Lücke zwischen den Baumburger Matrikeln für den Bereich Altenmarkt. [Weikmann]

 •  1723-1736 Georg Jakob Lembl in Baumburg und Altenmarkt (wohl als bischöflich Salzburgischer Jurist), mehrfach als Zeuge beurkundet. Er hat einen unleserlichen Titel, der wie "Bfschbren"(?) oder ähnlich gelesen werden könnte.
[Urkunden aus dem Staatsarchiv München, KL Baumburg 47 e; Kopien durch Inge Höfler-Lemmel, übertragen durch Gerhard Lemmel 1985. - Siehe separate Seiten.]

→ Das Erzbischöfliche Konsistorialarchiv Salzburg, Kapitelplatz 2, teilt auf Anfrage 1996 mit, daß ein Georg Jakob Lembl (in dieser oder ähnlicher Schreibweise) oder auch ein Pascha in dortigen Urkunden und Akten nicht nachweisbar ist. Man fand:

 •  Jakob Lemble aus Villingen in Baden, † 10.2.1673 Salzburg Dompfarre, als 19-jähriger Student. (Also * um 1654.)

 •  Johann Jacob Lemble aus Überlingen am Bodensee, 1672 an der Universität Salzburg immatrikuliert. (Könnte derselbe sein, der 1673 stirbt - HDL)

→ Dessen Vater ist der etwa 1600 geborene Johannes Lämlin in Villingen, für den kein Zusammenhang mit Georg Jakob Lembl ersichtlich ist. [Stadtarchiv Villingen-Schwenningen, Mtlg 2000]

 •  In der Zeit, in der Georg Jakob Lembl in Baumburg beurkundet ist, ließ der dortige Propst Patriz Stötter, der 1707-1737 regierte, das Kloster ausbauen und die Kapelle in der Prälatur auf das Prachtvollste herrichten. (Das Kloster wurde 1802 sakularisiert.)
[Sulzbacher Kalender 1875 S.51]

 •  Georg Jakob Lemble, Klosterrichter in Gnadenberg, † 1753.

 •  23.2.1737 ist Lemble in die Pflicht genommen worden für Klosterverwaltung und Kastenamt in Neumarkt.
[StA Amberg, Kloster Gnadenberg 145. - IH]

 •  1737, Kloster Gnadenberg. - meldet eine Baufälligkeit im Richterhaus - Georgen Lembl.
[HStA München, Notiz I.Höfler 1985]

 •  1737 ist Gg Jak Lembl Verwalter und Richter in Gnadenberg, † den 10.5.1753. [Johann B. Fuchs: Pfarrgeschichte von Gnadenberg. Beilage 5: Verzeichniß der Verwalter in Gnadenberg. Verhandlungen des Hist. Vereins v. Oberpfalz u. Regensburg, Bd.14, Regensburg 1850, S.181]

 •  1744 zeigt sein (erstes) Siegel ein Osterlamm (schreitendes Lamm mit Fähnchen, Kopf im Profil) in rundem Schild unter einer Krone.

 •  1755 zeigt sein (zweites) Siegel ein Osterlamm (stehendes Lamm mit Kreuzfähnchen, Kopf mit Heiligenschein, zum Betrachter gewendet) in barockem Schild unter einem Helm mit Stern und Flügelpaar als Helmzier. Dieses Siegel wird 1755 von der Witwe Margarete benutzt.



[StsA Amberg, Bestand Kloster Gnadenberg, Fasz. Nr.177/412, Fotografien 1984 für I. Höfler-Lemmel]

→ Der Entwurf des zweiten Siegels wurde kopiert von dem Siegel des Johann Heinrich Pascha, Konsistorialdirektor in Salzburg, dessen Siegel 1688 in Baumburg vorkommt. Sowohl Pascha als auch Lembl verwenden das Osterlamm als "redendes" Wappen. Eine Verwandtschaft zwischen beiden ist nicht festzustellen.

 •  Er soll einen Sohn gehabt haben, der in Ettal zur Schule ging. [Inge Höfler]

→ In Ettal können die Namen Lemmel/Lembl/Pascha nicht festgestellt werden.
[P. Laurentius Koch OSB, Archivar der Benediktiner-Abtei Ettal, Mtlg 2000]

 •  Die 10.(?) Maji 1753 omnibus sacramentis rite munitus pie in Domino obiit ornatissimus et spectatissimus Dominus Georgius Jacobus Lembl, judex in Gnadenberg et granarius (= Kastner) in Neofori (= Neumarkt) aetatis 62 ann. Sepultus est in ipsa matrice B.V. Mariae ecclesia in Hagenhausen 13. Maji. Vivat in pace.

 •  "In Hagenhausen, 2 km von Gnadenberg entfernt, findet sich keine Spur des Grabes mehr. Jedoch sind wir in Gnadenberg im Besitz eines Kelches und eines Tabletts mit 2 Meßkännchen, die laut Eingravierung von dem Klosterrichter Georg Jakob Lembl gestiftet wurden. Weitere Angaben oder Einträge über Lembl, Laembl etc finden sich in unseren Matrikelbüchern nicht."
[Gnadenberg, Pfarrmatrikel Bd.III S.392, Mtlg kath. Pfarramt Gnadenberg 4.7.1976 an Gerhard Lemmel]

 •  Unter dem Fuß des Kelches ist Georg Jakob Lembls zweites Wappen eingraviert, umgeben von der Umschrift: "Georg Jacob Lembl, gewesten Klosterrichter / in Gnaden berg". Das Abendmahlsgerät wurde also nach seinem Tod (wohl von seiner Witwe) gestiftet. [HDL]

 •  Der Titel "granarius" steht gewöhnlich für "Kastner" (nicht für "Gutsverwalter"). Der Richter Lembl ist also zugleich Kastner der vom Kloster Seligenporten 1671 abgetrennten und dem Kloster Gnadenberg zugeschlagenen Güter; als solcher sass er in Neumarkt. Der Klosterrichter war ein weltlicher Beamter, der den Grundbesitz des ehemaligen Klosters Gnadenberg zu verwalten hatte und stellvertretend für den Grundherrn die niedere Gerichtsbarkeit im Gebiet des sog. Klosterrichteramtes ausübte. Seit 1671 gehörte der Grundbesitz des Klosters Gnadenberg dem Salesianerinnenkloster St.Anna zu München.
[Mtlg Dr. Franz Heiler, Diözesanarchiv Eichstätt, 1998]

→ Inge Höfler entdeckte die Grabplatte von Georg Jakob Lembl in Gnadenberg, eingebaut als Türschwelle zur Sakristei. Beim Einbau wurde sie behauen, aber das Wappen ist zu erkennen.

[Will: Geschichte des Klosters Gnadenberg, Altdorf 1778: enthält nichts über Lemmel/Lembl]

 •  Nach Georg Jakobs Tod 1753 sucht man dessen Testament. Sein Schwager Bredauer schreibt nach Amberg wegen Elisabeth, Schwester des Georg Jakob Lembl, die offenbar in Tännesberg lebt. (Tännesberg: östlich von Amberg, südlich von Waldthurn, südöstlich von Weiden.)
[Staatsarchiv Amberg, Notiz von Inge Höfler 1986]

→ Die Überprüfung des Personenregisters zu unseren Beständen "Gerichtsurkunden Pfreimd" und "Gerichtsurkunden Tännesberg" brachte keine Hinweise auf die Familien Lemmel und Pascha.
[Mtlg Claudia Mannsbart, BHStA München 2002]

 •  19.3.1755 bis 9.8.1756 und 8.2.1760 bis 29.5.1760 gibt es einen Schriftwechsel zwischen "Maria Margaretha Lemblin verwitwete Kloster-Richterin", ihrem Vetter Johann Christoph Bredauer (jetziger Verwalter von Gnadenberg als Nachfolger von Lembl), und Frau Josepha Theodora de Berchem, der Superiorin des Klosters "Francisci Salesii ... Maria Heimsuchung" in München. Es geht um "Lemblisches Capital ad 1800 fl", das beim Kloster Baumburg liegt, um einen "Porgschaffts-Brief" (= Bürgschaft? oder Brief über geborgtes Geld?), "Schuldbrief", "Privat Schein" und "parrata pecunia" (= Bargeld).
[Staatsarchiv Amberg, Bestand Kloster Gnadenberg Nr.380; Kopie durch Inge Höfler 1989]

 •  Sein Nachfolger als Klosterrichter ist Christoph Predauer, wohl ein Neffe seiner Frau. Dessen Epitaf ist neben dem Epitaf seiner Frau in der Neumarkter Johanniskirche.

[Regesten, Fotokopien, Siegel siehe separate Seiten]

Regesten zu Maria Margareta Bredauer/Pretaur:

 •  28.11.1760 stiftet Maria Margaretha Lemblin (Lömel) geborene Bredauer, verwitwete Klosterrichterin zu Gnadenberg, wohnhaft zu Neumarkt, eine Messe und ein Benefiz, besonders für Verwandte der Familien Bredauer und Lembl. Ihr Vetter ist Johann Christian Bredauer, Gnadenberg'scher Richter zu Neumarkt und Kastner daselbst.

 •  30.1.1761 quittiert die Stadt Neumarkt den Empfang von 7000 fl von Maria Margaretha Lemblin.

 •  18.12.1761 bestätigt der Bischof von Eichstätt die Stiftung von 7000 fl. an die Pfarrkirche Neumarkt von Maria Margaretha Lembl geb. Bredauer.
[BHStsA München, Gerichtsurkunden Neumarkt Nr. 547, 548, 549]

 •  Frau Maria Margareta Lembl geborene Bredauer, die Witwe des Klosterrichters von Gnadenberg Georg Jakob Lembl, fühlte sich 1760 veranlasst, eine Frühmesse auf dem Choraltar zu stiften.

 •  Am 28.November 1760 stiftete Margarete Maria Lemblin geb. Bredauer, Witwe des Klosterrichters zu Gnadenberg, mit 7000 Gulden Kapital ein Benefizium in der Pfarrkirche.

 •  Zu einem Himmel aus Damast spendet 1761 Frau Lemblin 175 Gulden.
[Karl Ried: Neumarkt in der Oberpfalz, Neumarkt 1960; S. 230, 373, 222]

 •  Epitaf in der Johanniskirche in Neumarkt/OPf:

 •  Hier ruhet / die in Gott verschyedtene / wohl Edle und gestrenge Frau / Maria Margaretha Lemblin / gebohrne Predauerin Geweste / Closter Richterin und Casinerin / in Gnadenberg, dan Stüffterin / der an. 1760 den 1. Nove / Anfangender Fruehr / Meess allhier ihres alterß / 71 Jahr So gestorben d. 23 / Nove Ao 1766 / Gott gebe ihr die ewige Ruhe / Amen.

 •  Darunter Wappen: von rechts nach links schreitendes Lamm mit Heiligenschein, Kreuzstab in rechtem Vorderlauf, daran unter dem Querbalken eine Fahne mit gekreuzten Bändern. Über dem Wappenschild ein Spangenhelm, darüber als Helmzier ein 8-zackiger Stern zwischen zwei Flügeln.

 •  Links daneben:

 •  Hier ruhet der in Gott Verschydten / wohl Edl und gestrenge Herr Christoph Predauer / Gewesener Closter Richter in Gnadenberg und / sothanner Cassiner allhier seines Alters / 52 Jahr. So gestorben den 8.October Ann 1765 / Gott gebe ihm die ewige Ruhe Amen.
[Abschriften von Gerhard Lemmel und HDL]
[Beschreibung der Epitafien in der Neumarkter Johanniskirche siehe auch: Michael Schrafl: Zulassungsarbeit für die 1. Staatsprüfung als Lehrer, 1981. - Kopie durch I.Höfler-Lemmel 1989]


[Das Lembl-Wappen auf dem Epitaf]

 •  Ihr Bruder ... Bredauer ist Hofmarcksverwalter zu Pilsach, † 1765, hinterlässt 3 Kinder; ∞ 1754 mit Maria Kunigunde Pöllinger, Tochter des Herrn Mathias Pollinger des Rats zu Neumarkt, und seiner Frau Susanna Barbara.
[StsA Amberg, Kloster Gnadenberg. - IH 1989]

 •  Das Frühmess- und Schulmess-Benefizium wurde von Frau Margareth Lemlin, geborenen von Bredauer, verwittibten Klosterrichtern von Gnadenberg, mit enem Fundationskapital von 7000 fl gestiftet gemäß Stiftungsbriefes vom 28.11.1770. Das Einkommen beträgt 500 fl und die Präsentation steht der v.Bredauerischen Familie zu.

 •  Zwischen Kirche und Rathaus steht das Haus für das Lemmel- und Bredauer'sche Beneficium, dessen Inhaber zugleich Lehrer der lateinischen Vorbereitungsschule ist.
[VHVO Bd.19 Regensburg 1860 S.80. - Mtlg IH]


2018 4 1