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Der Lämmel-Stamm aus Waldhambach/Rheinpfalz

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Der Lämmel-Stamm aus Waldhambach in der Rheinpfalz


H.D.Lemmel 1999, seither ergänzt

Während für die meisten Lemmel/Lämmel erwiesen ist, daß sie von Chunrad Lembelin abstammen, der um 1300 in Nürnberg lebte, ist der Ursprung der Waldhambacher Lämmel noch unklar. In den im Jahre 1735 einsetzenden Kirchenbüchern gibt es hier bereits mehrere Brüder und Vettern Lämmel, woraus man folgern kann, daß ihr gemeinsamer Großvater schon um 1650 in Waldhambach lebte. In dieser Zeit nach dem 30-jährigen Krieg war das deutsch-französische Grenzland ziemlich entvölkert, so daß Bauern aus anderen Gegenden einwanderten. So mag der erste Lämmel nach Waldhambach gekommen sein.

Die Waldhambacher Lämmel sind katholisch. In den Kirchenbüchern ist leider kein Beruf angegeben; man muß annehmen, daß sie Bauern waren. Einige von ihnen hatten dörfliche Ehrenämter inne wie "Anwalt", ein dem Schultheißen ähnliches Amt, oder Schöffe.

In kurzer Zeit vermehrte sich die Familie stark: In der um 1750 geborenen Generation gibt es in Waldhambach bereits über 20 Brüder und Vettern namens Lämmel. Die Nachkommen leben bis zur Gegenwart in der Rheinpfalz, jedoch gibt es auch einige abgewanderte Zweige:

1. Chrysostomus Lämmel aus Waldhambach wird 1752 "hochfürstlich speyrischer Revierjäger". Sein Sohn Johann Baptist Lemmel wird Weinhändler in Kiel. Die Nachkommen lebten als Apotheker in Holstein, in USA, und als Schriftsteller ("Hanns Landt-Lemmél") in Wiesbaden. Siehe Lemmel-Stamm Waldhambach-Kiel. Dieser Zweig ist in den Nachkommen namens Lemmel ausgestorben.

2. Um 1750 gab es zwei Abwanderungen in das damals ungarische Banat (heute serbische Wojwodina), wo um 1880 achtzehn (!) Brüder und Vettern namens Lämmel lebten. Siehe Lämmel-Stamm Waldhambach-Banat.

3. In jüngerer Zeit gab es Abwanderungen nach München, Nürnberg und Hannover.


Die ersten Lämmel in Waldhambach

Waldhambach liegt bei Landau in der Rheinpfalz, am westlichen Fuße der Madenburg. Die Einwohner sind katholisch. Die Landesherrschaft war das Bistum Speier. (Ein anderes Waldhambach liegt im Elsaß im Kreis Zabern, Kanton Lützelstein, franz: Petit Pierre; dieses Waldhambach ist protestantisch und gehört zur Pfarre Tieffenbach.)
[Charles Schillinger, Pfarrer in Siegen Post Trimbach, Unterelsaß, Mtlg 1938 an Hans-Heinrich Lemmél]

Die Kirchenbücher von Waldhambach sind nur ab 1735 erhalten. Um die älteren Waldhambacher Lämmel zu erforschen, müssen daher andere Akten herangezogen werden. Das Landesarchiv Speyer schrieb 1976, daß dafür die Rechnungen der speyerischen Kellerei Madenburg aus den Jahren 1660 bis 1700 (Best. D 3 Nr. 118 - 123) in Betracht kommen und im Archiv eingesehen werden können. Andere einschlägige Unterlagen seien im Landesarchiv nicht zu ermitteln.

Tatsächlich fand Herr Albert Fischer im Jahre 1999 in diesen Kellerei-Rechnungen die Erwähnung von
  Sebastianus Lemmel 1660 und
  Hans Michel Lemmel 1684 in Waldhambach,
die Vater und Sohn sein dürften und wohl die Vorfahren der im Kirchenbuch genannten Lämmel sind. Die Herkunft des Sebastian Lemmel ist freilich weiter unbekannt.


Die ersten Generationen

Aus den Kellerei-Rechnungen sind bekannt:

  Sebastian Lemmel 1660

  Hans Michel Lemmel 1684

In den erst ab 1735 erhaltenen Kirchenbüchern von Waldhambach gibt es bereits mehrere Brüder und Vettern Lämmel. Aus den Sterbe-Einträgen der ersten verzeichneten Lämmel und aus den Bräutigams-Eltern in den ersten Einträgen von Lämmel-Heiraten lassen sich die folgenden Lämmel als die ältesten erschliessen:

  Philipp Lämmel, (* etwa ?1670)

  Johann Lämmel, (* etwa ?1690)

  Johann Adam Lämmel Senior, * um 1695

  Johann Adam Lämmel, (* etwa ?1700)

  Nikolaus Lämmel, * um 1708

Dabei bezeichnet die Schreibweise (* etwa ?1670) ein grob abgeschätztes Geburtsdatum, während die Schreibweise  * um 1695  aus einer Altersangabe errechnet wurde.

Die beiden nahezu gleich alten Johann Adam Lämmel, von denen der eine mit Senior bezeichnet wird, müssten Vettern sein. Daher müsste man in der vorangegangenen Generation bereits zwei Brüder annehmen, von denen der eine Philipp sein kann. Demnach können die oben genannten ältesten Lemmel/Lämmel wie folgt zuzuordnen sein:

 
                 Sebastian Lemmel (* etwa ?1605)
                 wohl nach 1648 eingewandert
                                │
                 Hans Michel Lemmel (* etwa ?1635)
                 ┌──────────────┴───────────────┐
         NN (* etwa ?1660)                      │
                 │                   Philipp (* etwa ?1670)
       ┌─────────┴─────┐                        │
    Johann             │                        │
(* etwa ?1690)  Johann Adam, Senior         ┌───┴────────┐
                   * um 1695           Johann Adam       │
                                      (* etwa ?1700)  Nikolaus
                                                      * um 1708


Ein Nachweis, ob das die richtige Zuordnung ist, lässt sich derzeit nicht erbringen.

In der oben stehenden Stammfolge wird der Generation des Sebastian (im Einklang mit anderen Lemmel/Lämmel-Stammfolgen) die Generationszahl 33 zugeordnet. Die verschiedenen Brüder und Vettern der selben Generation werden durch kleine Buchstaben unterschieden.

In den ältesten Waldhambacher Kirchenbüchern ab 1735 ist die Schreibweise des Namens vorwiegend Lämmel, jedoch gelegentlich auch

   Laemmel, Lamell, Laemell, Lemmel, Lemel, Lemell, Leml.

In einem Zweig, der über Siegen/Elsass nach Kiel abwanderte, überwiegt die Schreibweise Lemmel, auch mal Lemmél, während in allen anderen Zweigen fast ausschliesslich Lämmel geschrieben wird.

Um 1750 gab es in dem kleinen Waldhambach eine stattliche Anzahl von Lämmel-Vettern, was einerseits zu Auswanderungen führte, andererseits aber zu einem Netz von Verwandten-Ehen, wie die folgende Tafel zeigt. Da ich aber nur wenige Töchter-Nachkommen verfolgt habe, zeigt die Tafel nur einen kleinen Ausschnitt der Verwandten-Ehen.


                                 36/v Nikolaus Lämmel *1708
   ┌─────────────────────────────────────────┴────────────────────────────────────────┐
   │                                                                                  │
   │                                          36/a Johann Lämmel *1690                │
   │                      37/j               ┌─────────┬─┴────────────┐               │
   │                      Georg            37/a        │            37/c              │
   │                      Lämmel           Mathäus   37/g           J.Adam          37/s
37/p                      *1713            Lämmel    Philipp        Lämmel          J.Thomas
Simon L.                    │              *1720     Lämmel         *1722           Lämmel
*1729               ┌───────┤                │       *1727            │             *1737
   │      Val.Nau∞Gertrud 38/j   Andreas     │         │       ┌──────┤               │
   │         │    Lämmel  Johann Meyerer ∞ Benedikta   │       │    38/d            38/s
   │         │    *1745   Lämmel *1750     Lämmel      │     Kath.  Gg.Anton∞Marg.  J.Leonh.
   │         ├──────┘     *1750    │       *1754     38/g    Lämmel Lämmel   Lämmel Lämmel
   │         │              │      └───┬─────┘       Philipp *1760  *1763    *1761  *1765
             │            39/j         │             Lämmel    │      └────────┘    ∞1) ∞2)
38/q      Gertrud         Josef        │             *1767     └─────────────────────┘   │
Ägidius     Nau           Lämmel       │               │                                 │
Lämmel     *1776          *1775 ∞1)Chr.Meyerer       ┌─┴──────┐                        39/s
*1780        │                  ∞2)- - - - - - - - Elisabeth  │     Georg              Josef
   └─────────┘              │                      Lämmel   Juliana∞Roth               Lämmel
                            │                      *1791    Lämmel    │                *1795
                            └────────────────────────┘      *1805     │           ┌──────┘     
                                                              └───┬───┘         40/s
                                                              Margarethe Roth ∞ Johann Lämmel
                                                                *1831           *1826
                                                                  └───────────────┘


Waldhambach

[nach Rolf Übel: Chronik von Waldrohrbach, 2007 im Internet]

Waldhambach, zu Füßen der Madenburg, gehört zusammen mit dem Nachbardorf Waldrohrbach zum Bistum Speyer. Im Bauernkrieg 1525 wurde die bischöfliche Madenburg abgebrannt, aber kurz darauf mussten sich die Bauern bereits wieder dem Bischof unterwerfen. Ob es zu dieser Zeit hier schon einen Lemmel gab, lässt sich mangels erhaltener Urkunden nicht mehr feststellen. Der 30-jährige Krieg brachte eine fast vollständige Entvölkerung, die einige Jahrzehnte anhielt. Ein Zeichen dafür ist, dass Waldrohrbach noch 1663 überhaupt kein Steuer-Aufkommen hatte und Waldhambach nur 3 Gulden statt der normalen 28 Gulden. 1702 war wieder Krieg, so dass das Steuer-Aufkommen "aus Mangel an Untertanen" reduziert war. Die Steuern wurden vom "Anwalt" eingehoben und an den Bischof abgeführt. Dadurch gibt es beim Bischof kein Steuerregister mit den Namen der Bauern. Das gibt es erst ab 1740, aber zu dieser Zeit sind die Einwohner schon aus den 1735 einsetztenden Kirchenbüchern bekannt.

1720 war der "Anwalt" Philipp Lemmel, der das Amt schon zehn Jahre für Waldhambach und Waldrohrbach innehatte. Er gab an, die Schatzung für die Beede (= Grundsteuer) mit 9 Gulden im Quartal anzusetzen. Darauf wurde er gefragt, warum es mal mehr und mal weniger Einkünfte für die Herrschaft seien, und er antwortete lapidar: Weil die Zahl der Unterthanen mal abnimmt und mal zunimmt.

Das erste bischöfliche Steuerregister für Waldhambach und Waldrohrbach von 1740 beginnt mit Johannes Lemmel der alt, Velten Ney, Johannes Lemmel der jung, ... und weiter hinten folgt noch Nikglaus Lemell. Es gab zu dieser Zeit also drei Lemmel-Höfe. In der Steuerliste kommen aber die beiden Johannes Lemmel noch ein zweites Mal vor, jetzt in der Schreibweise Hans Lemell der alte und der junge. Womöglich zeigt dies, dass sie noch einen zweiten, leerstehenden Hof innehatten.

1767 wird ein Lämmel (leider ohne Vorname) unter den Gerichtsleuten von Waldhambach/Waldrohrbach genannt.

1754 gibt es eine lustige Episode. Philipp Lämmel, ledigen Standes zu Waldrohrbach, beschwert sich in einem Gerichtsverfahren gegen Apolonia Müllerin zu Eschbach, auch ledigen Standes. Sie habe ihn fälschlich als Vater ihres unehelichen Kindes angegeben und fälschlich behauptet, er habe ihr ein Eheversprechen gegeben. Nach Anhören von etlichen Zeugen wird geurteilt, dass Philipp Lämmel nicht der Vater sei und auch nicht für den Unterhalt des Kindes aufkommen müsse. Die Pointe folgt wenige Monate später, als der Philipp Lämmel doch noch die Apolonia Müller ehelichte.

[HDL 7.4.2007]


Dank

Die Kirchenbuch-Forschungen in Waldhambach und einigen Nachbar-Orten erfolgten 1983 durch Jacob Schuy in Kaiserslautern. Viele Beiträge kamen von etlichen Familienangehörigen und Forscherfreunden. Allen sei herzlich gedankt.
                                                   H.D.Lemmel
18.1.99


Weitere Lämmel, die wahrscheinlich zum Waldhambacher Lämmel-Stamm gehören:

1983 lebt ein Lämmel aus Annweiler in Vorderweidenthal.

Die Witwe eines Vetters lebt 1983 in Annweiler.

Ein weiterer Vetter wurde in Lug (gehört zu Hauenstein) geboren und lebt 1983 in Bergzabern.

In Bergzabern lebt 1983 ein Lämmel, dessen in Bergzabern geborener Vater 1983 in Böllenborn lebt.

Zwei Brüder aus Bergzabern leben 1983 in Otterberg.

[alles laut Mitteilung J.Schuy 1983]


Lämmel dieser Gegend, die  n i c h t  zum Waldhambacher Lämmel-Stamm gehören:

In Alzey und Winnweiler leben Lämmel, deren Vorfahren aus der Gegend von Metz kamen und zuvor in Bautzen in Sachsen lebten; siehe den Lämmel-Stamm aus Borna bei Chemnitz.

In Kirrweiler leben Lämmel aus Sachsen; siehe den Lämmel-Stamm aus Cranzahl/Erzgebirge.


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