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Die sächsischen Lemmel-Urkunden des 15. Jahrhunderts

Von Hans-Dietrich Lemmel  

Gedruckt in "lemlein filii" Heft 6, 2001, S.61-71. Seither geringfügig ergänzt.

Ergänzung zu "Die Chemnitzer Lemmel seit 1427".

1. Einleitung

Im Jahre 1413 gibt es in Freiberg die erste sächsische Lemmel-Urkunde. Von 1427 bis 1525 lebte die Familie Lemmel in Chemnitz, von wo sie sich ab etwa 1500 in den südlich angrenzenden Dörfern und in den Bergstädten des Erzgebirges ausbreitete. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts und am Beginn der Kirchenbuch-Aufzeichnungen gibt es im sächsischen Erzgebirge bereits über 60 Männer namens Lemmel, deren Nachkommen in vielen sächsischen Ahnenlisten auftauchen.

Über die Chemnitzer Lemmel gab es von Herbert E. Lemmel umfangreiche Veröffentlichungen (1-4), die kritisch gesichtet werden müssen und aufgrund neuer Urkundenfunde ergänzt und korrigiert werden können (5,6).

Aus dem umfangreichen vorhandenen Material möchte ich hier über die ersten Urkunden der sächsischen Lemmel berichten sowie über die Argumente, die für ihre Herkunft aus Bamberg sprechen.

2. Die frühesten Urkunden 1413-1526

Die ersten sächsischen Lemmel-Urkunden sind rasch aufgezählt:

 > 1413/1416: "Cunr. von der Yle (=Eybe) von Tetzschen und Mich. Lemmel von Tetzschen" (7). Sie werden in einer Freiberger Urkunde in einer Gruppe von 14 Männern genannt, die von den Freibergern als Strauchdiebe ("Böcke") angesehen werden: "Pögke die uff dem walde gestruchet habin". Zwei von ihnen werden gehenkt.

 > 1427 zahlen "Lemel" 15 Groschen und 1437 "Lemel der elder" 10 Groschen für Burgrechte in Chemnitz (8). Leider sind beide ohne Vornamen und ohne Herkunftsangabe eingetragen.

 > Michael Lemmel aus Chemnitz wird 1452 an der Universität Leipzig (9) immatrikuliert und 1456 an der Universität Erfurt (10). Von 1460 bis 1501 ist er als Geistlicher und Jurist in Chemnitz beurkundet (11).

 > 1476: Merten Lemmel in der Webergasse in Chemnitz (12).

 > 1496/1497: Die Merten Lemelyn verkauft 1496 ihr Haus am Salzmarkt an Nicl Philipp. 1496/97 hat sie einen Grundbesitz "uff der alden Steyngruben" bei St.Nikolai. 1497 wohnt sie mit Valty Tyl (= Schwiegermutter oder Schwägerin von Ulrich Schütz) in einem kleineren Haus in der Klostergasse (13). Dann wird sie nicht mehr genannt. Am Salzmarkt lebten auch Nickel Thiel und Ulrich Schütz, die führenden Chemnitzer Unternehmer dieser Zeit. Das Lemmelsche Haus am Salzmarkt hatte zuvor (1466) einem Viermeister der Tuchmacherzunft, Peter Hösel, gehört (1).

 > 1495-1501: Pauel Lemmel hat in Chemnitz einen Besitz, der mit "Ebtey", "Beym Closter Ebtey" oder "Brudergasse" bezeichnet ist. 1497 Andreas Uhl/Uhlich und Paul Lemmel in einem Haus am Salzmarkt. Dann wird er nicht mehr in Chemnitz genannt (13).

 > 1495-1497: Hans Lemmel/Lemel/Lämel mit einem Besitz "bey Sanct Nicl". 1498-1499: Hans Lemmel "ubir die Brück bei S.Niclauß, Paul Lemmel dis jar in geschos". 1500-1504: Hans Lemmel und Jorg Lemmel abwechselnd oder gemeinsam für diesen Besitz genannt (13). In dem Gelände "bei Sankt Niklas", südlich der Chemnitzer Stadtmauer am Chemnitz-Fluss, gab es Mühlen und metallverarbeitende Betriebe, insbesondere der Unternehmerfamilie Thiel (1).

 > 1501: Pauel Lemmell und Jorge Lemmell in der Türkensteuerliste (14) von Neukirchen (südlich von Chemnitz), der letztere unter den "Hausgenossen" angeführt.

 > 1503: Hans Lemmel wird Bürger in Chemnitz (15).

 > 1526: "Hans Lemmelyn" in Chemnitz unter den Hausgenossen erwähnt (16).

 > Ab 1530 sind 6 Söhne des Paul Lemmel in Neukirchen beurkundet, die etwa zwischen 1475 und 1495 geboren sein müssen.


3. Genealogische Deutung dieser Urkunden


Zunächst müssen die genannten Personen zeitlich eingeordnet werden. Die ab 1495 genannten Pauel und Hans Lemmel muss man als Söhne des Merten Lemmel von 1476 ansehen, dessen Witwe noch 1496/97 lebt. Mit dem Hans Lemmel, der 1503 Bürger wird (was normalerweise anlässlich der Heirat geschieht), und mit Jorg Lemmel, der ab 1500 genannt ist, scheint eine neue Generation aufzutauchen. Damit kann man folgende Stammtafel aufstellen:
 
Die mit Fragezeichen versehenen Geburtsjahre sind Abschätzungen, die von den nicht bekannten wahren Geburtsjahren natürlich abweichen können. Der 1476 genannte Merten Lemmel mag also um 1415 geboren sein, vielleicht auch etwas früher oder später. Sein Vater dürfte der eine der beiden "Lemel" sein, die 1427 und 1437 das Chemnitzer Bürgerrecht erwerben. Demnach wäre Merten noch nicht in Chemnitz geboren sondern an dem unbekannten Herkunftsort seines Vaters.

Sieht man sich die Einträge von 1427 im Chemnitzer Bürgerbuch an, so stellt man fest, dass in diesem Jahr viele der Neubürger aus Böhmen kommen, wo die 1420 begonnenen Hussiten-Unruhen in der Schlacht bei Aussig 1426 einen Höhepunkt fanden, so dass viele Deutsche aus Nordböhmen nach Sachsen flüchteten (17). Sollte es also der Michel Lemmel aus Tetschen sein, der 1427 als "Lemel" Bürger von Chemnitz wird?

4. Herkunft aus Bamberg


Den Chemnitzer Urkunden kann man nichts über die Herkunft der Familie entnehmen. Wenn man dennoch eine Aussage über ihre Herkunft machen kann, dann nur auf Grund einer jahrzehnte lang durchgeführten systematischen Namensträger-Lemmel-Forschung.

Vor 1400 gibt es Vorkommen des Namens Lemmel vor allem in Nürnberg, wo sich die Entwicklung des mittelhochdeutschen Namens Lembelin zum neuhochdeutschen Lemlein und Lemmel nachweisen lässt (18). Familien mit Lemlein-ähnlichen Namen gibt es schon seit dem 12. Jahrhundert in vielen oberdeutschen Städten, so dass dieser Name einerseits einer der ältesten bürgerlichen Familiennamen ist, andererseits aber sicherlich mehrmals unabhängig entstanden ist.

Unter den verschiedenen oberdeutschen Familien dieses Namens gibt es um 1400 eine Familie Lemlein in Bamberg, bei der einige Urkunden nahtlos mit den sächsischen Lemmel-Urkunden zusammenpassen. Ein solches Zusammenpassen gibt es nur hier und in keiner der anderen Städte mit alt eingesessenen Lemlein-Familien. Somit möchte ich die schon von Herbert E. Lemmel angegebene Herkunft der Chemnitzer Lemmel aus Bamberg (19) bestätigen, dabei jedoch einige Einzelheiten richtigstellen.

Die Chemnitzer Lemmel-Vornamen Martin und Michael kommen zu dieser Zeit bei keiner anderen Lemlein/Lemmel-Familie vor, außer in Bamberg. Hier werden die Brüder Mertein, Michel und Hanns Lemlein ab 1431 in verschiedenen Urkunden genannt (20). 1433 werden sie gemeinschaftlich belehnt, wobei Hanns, der jüngste, die Lehen in Empfang nimmt, und zwar im Namen seiner Brüder, die nicht anwesend sind. Ab 1442 werden nur noch die nunmehr in Nürnberg lebenden Michel und Hans Lemlein belehnt; Mertein hat seinen Lehensanteil aufgegeben, wird aber noch 1446 und 1447 in Bamberg als Auswärtiger erwähnt. Während in Bamberg der Familienname fast ausschließlich "Lemlein" lautet, werden die von Bamberg nach Nürnberg abgewanderten Lemlein dort mehrfach auch "Lemel" oder "Lemmel" genannt, so dass es nicht überrascht, dieselbe Namenswandlung auch in Sachsen vorzufinden.

Der Grund dafür, dass die drei Brüder aus Bamberg fortziehen, liegt im ungünstigen Ausgang eines jahrelangen Privilegienstreites zwischen den Bürgern und dem Fürstbischof. Dabei war Hans, der jüngste der Lemlein-Brüder, einer der Bamberger Ratsherren, die den Bischof bei seiner feierlichen Belehnung durch Kaiser Sigmund in Basel tätlich angriffen; der Bischof floh mit einer Messerstich-Verletzung zurück nach Bamberg (21). Darauf mussten, besonders im Jahre 1437, viele vermögende Bamberger ihre Stadt verlassen. Und es ist gerade im Jahre 1437, dass "Lemel der elder", also Mertein, der älteste der drei Brüder, das Chemnitzer Bürgerrecht erwirbt. Er wird nun in den Bamberger Urkunden als Auswärtiger erwähnt.

Ein jüngerer "Martinus Lemlein de Pabenberga" ist 1431 an der Wiener Universität immatrikuliert (22). Nach der Herkunftsangabe muss er der Sohn eines der drei Bamberger Lemlein-Brüder sein. Dabei kommt als sein Vater nur Mertein in Frage, da die Söhne der beiden anderen aus späteren Quellen bekannt sind. Nach seinem Studium in Wien taucht Martinus Lemlein nicht wieder in Bamberg auf. Entweder starb er jung, oder aber er ging mit seinem Vater nach Chemnitz und ist mit dem Chemnitzer Merten Lemmel von 1476 identisch.

Was aber ist mit dem Michel Lemmel 1413 in Tetschen? Für die Bamberger Lemlein sind vielfältige Beziehungen nach Böhmen belegt. Schon seit 1355 lebte ein Zweig der Bamberger Lemlein in Prag (23). Im Jahre 1420 ist ein Hans Lemlein einer der 13 Schöffen der Kupferbergbau-Stadt Kuttenberg in Böhmen (24). Wegen der Hussiten-Unruhen muss er nach Bamberg zurückkehren, wo er ab 1421 Schöffe ist (25). Er ist der Vater der Brüder Mertein, Michael und Hanns, und es muss dieser Bamberger Michael sein, der 1413/1416 im böhmischen Tetschen lebt und der 1427 wegen der Hussiten-Gefahr nach Chemnitz überwechselt, bevor er nach Nürnberg zieht, wo er ab 1442 in vielen Urkunden belegt ist.

Nach den geschilderten Umständen ist die Identität des Tetschener Michel Lemmel zwar nicht restlos gesichert aber doch recht wahrscheinlich. Über den Wasserweg der Elbe wurde das Kuttenberger Kupfer verschifft, so dass Michael Lemmel in Tetschen womöglich als Beauftragter der Kuttenberger Handelsherrn saß (26). Worum es aber in der Fehde mit den Freibergern ging, in der er beinah gehenkt worden wäre, das ist nicht überliefert. In dieser Zeit wurden freilich viele Streitigkeiten nicht vor Gericht sondern mit dem Schwert ausgetragen (27).

Mit den Hussiten-Unruhen war der historische Nürnberger Handelsweg über Prag nach Breslau und Krakau behindert, und nun zogen die Kaufleute bevorzugt über Chemnitz und Freiberg Richtung Osten (28). Im Jahre 1425 gab es einen Nürnberger Kaufmannszug, von dem wir wiederum nur deshalb wissen, weil er überfallen wurde, und zwar bei Chemnitz. Diesem Zug gehörten ein Stromer und ein Imhof an, beides Handelspartner der Nürnberger und Bamberger Lemlein, sowie Fritz Held von Bamberg (29), dessen Frau Agnes Lemmlin war, eine Base oder Schwester der drei Bamberger Lemlein-Brüder.

Die hier belegte Handelsbeziehung der Bamberger Lemlein nach Chemnitz ist ein weiteres Indiz dafür, dass die beiden Chemnitzer "Lemel" von 1427 und 1437 aus Bamberg kamen. Die Chemnitzer Lemel-Niederlassung wird, zumindest anfangs, mit fränkischen Handelshäusern in enger Verbindung gestanden haben. Hanns, der jüngste der drei Lemlein-Brüder, der in Nürnberg Ratsherr wurde, hatte 1451 und 1457 mit Herzog Wilhelm von Sachsen zu verhandeln (30). Wenn er vom Rat mit dieser Aufgabe betraut wurde, kann man schließen, dass er hierfür wegen seiner persönlichen Beziehungen geeignet war. Schon Conrad Lemlein, der bereits vor 1400 gestorbene Großvater der drei Lemlein-Brüder, hatte ein Lehen des "Markgrafen von Meichsen" (31), das wohl darauf zurückzuführen ist, dass 1366-1374 Ludwig von Meißen Bischof von Bamberg war.

Ich glaube, dass die geschilderten Zusammenhänge ausreichen, um die Herkunft der Chemnitzer Lemmel aus Bamberg behaupten zu dürfen. Es ergibt sich die folgende Tafel, in der, soweit bekannt, auch die weiteren Lemlein-Vorfahren (32) eingetragen sind.           
 

5. Die Nachkommen von Hans und Paul Lemmel


Während Hans Lemmels Söhne als Bergunternehmer im Erzgebirge auftauchen, finden wir Pauls Söhne in den Bauerndörfern südwestlich von Chemnitz.

Ab 1501 ist Paul Lemmel in Neukirchen und Adorf beurkundet (33); in Neukirchen lebt 1501 auch (sein Neffe) Georg Lemmel, aber als "Hausgenosse", das heisst ohne eigenen Besitz. Auf ihn komme ich noch zu sprechen.

1519 kauft Paul Lemmel in Neukirchen das Bauerngut des Anders Wayner/Wagner (34). Durch den Glücksfall, dass in Neukirchen eines der ältesten dörflichen Gerichtsbücher erhalten ist, sind hier für Paul Lemmel sechs Söhne beurkundet: Paul, Valten, Bastian, Blasius, Dietrich und Nickel, die etwa im Zeitraum 1475-1495 geboren sein dürften. Im einzelnen:

1530 ist Paul Lemmel gestorben; seine Witwe lebt in Adorf, wo der Sohn Nickel Lemmel ihr Vormund ist.

1531 wird Paul Lemmels Gutskauf von 1519, der versehentlich nicht aufgeschrieben worden war, im Gerichtsbuch nachgetragen, und Valten Lemmel (der hierdurch als weiterer Sohn erwiesen ist) verkauft das Gut an Georg Seydel. Valten übernimmt gleichzeitig in Markersdorf das verschuldete Gut seines Bruders Dietrich, der nach Lichtenstein geht.

1532 tritt ein Nickel Thümer als Vormund der Lemmelyn auf, und auf der folgenden Seite des Gerichtsbuches wird Blasius Lemmel in Adorf genannt, den man als weiteren Sohn ansehen muss. (Bei Nickel "Thümer" kann es sich um den schon zuvor genannten Sohn Nickel Lemmel handeln, dessen gleichnamiger Sohn wenig später mit einem Gutsbesitz in Thum (35) nachgewiesen ist.)

Weiters sind im Gerichtsbuch Bastian Lemmel in Adorf (1511 und 1544) genannt sowie 1539 Paul Lemmel, der auch 1543 und 1544 als Paul "Lemle" in Neukirchen das Amt eines Schöppen innehat. Letzterer verklagt 1535 den Steffan Schumann wegen eines Mordes, der an Paul Lemmels Vetter (= Neffen), einem unmündigen Kinde, desselben Steffan Schumanns Stiefsohn, geschehen ist (36).

Die weiteren Lemmel-Einträge in Landsteuerverzeichnissen und Gerichtsbüchern lassen nicht in allen Fällen erkennen, wer Sohn von wem ist, so dass bis zum Beginn der Kirchenbücher einige Unsicherheiten bestehen bleiben. Zahlreiche Nachkommen leben bis zur Gegenwart im Kirchspiel Neukirchen sowie in den südlich angrenzenden Orten Jahnsdorf, Adorf, Gornsdorf u.a.

Neben Paul Lemmels Sohn Nickel gibt es einen zweiten Nickel: Dessen Witwe, die Nickel Lemelin, wird 1504 im Neukirchener Gerichtsbuch (34) zusammen mit "Jorge Lemel als seines Bruders natürlichen Vormund" genannt. Dieser Nickel, der wohl als jung Verheirateter kinderlos starb, tritt also neben Hans und Georg Lemmel, die schon in den Chemnitzer Urkunden (siehe oben) als Söhne des Chemnitzer Hans Lemmel festgestellt wurden. Diese dürften identisch sein mit Hans und Georg Lemmel, die alsbald im Bergbau von Schneeberg und Platten auftauchen.

1512 wird Hans Lemmel mit einer Fundgrube in Schneeberg belehnt (37). (In den vorherigen Berglehenbüchern von 1503 und ab 1509 ist hier noch kein Lemmel verzeichnet.) 1522 sind Schneeberger Gemeinde-Vorsteher: Hans Lemmel, Nicol Wagner, Wolf Thiel und Nicol Barthel (38), und dies sind Familiennamen, die auch in den Chemnitzer und Neukirchener Urkunden in enger Beziehung zur Familie Lemmel stehen. Der Schneeberger Hans Lemmel steht hier in einer Gruppe von Chemnitzer Unternehmern, die um 1500 im Schneeberger Bergbau tätig sind. Ich konnte ihn nicht der Gruppe von finanzkräftigen Nürnberger Bergwerks- und Metallhandels-Unternehmern zuordnen, die von Theodor Gustav Werner (39) untersucht wurde. Hans Lemmels Nachkommen sind dann, insbesondere durch die Schneeberger Regesten von Ernst Költzsch, bekannt. Es ist der gebildetste Zweig der Familie: Von den zehn Söhnen und Vettern der dritten Schneeberger Lemmel-Generation besuchten neun die dortige Lateinschule (40). Von den 19 Männern (ohne die, die als Kind starben) der 3. bis 5. Generation besuchten acht eine Universität. Abgesehen von einem nach Wien abgewanderten Lemmel-Zweig (41) fielen die Nachkommen namens Lemmel nach wenigen Generationen der Pest zum Opfer; ob Töchterkinder überlebten, wurde nicht untersucht.

Auf der böhmischen Seite des Erzgebirges strömten in den Jahren 1531/1532 zahlreiche Bergleute in Platten zusammen, als man in neuen Gängen fündig wurde; die meisten kamen von Schneeberg, so dass man Platten eine Kolonie von Schneeberg nennen kann (42). Unter ihnen ist Georg Lemmel, wohl der schon aus Chemnitz bekannte Bruder des Schneeberger Hans Lemmel. Lemmels Nachbar in Platten ist Georg Thiel, womit die Lemmel-Thiel-Beziehung aus Chemnitz und Schneeberg fortgesetzt wird. Im Häuserlehnbuch der Bergstadt Platten (43), das recht schlampig geführt wurde und schlimme Verstümmelungen der Namen aufweist, ist Georg Lemmel 1537 einmal als Jürge Lemischer, dann als Jorge Lenitzsch verzeichnet; dasselbe Haus wird 1538 durch (Georgs Sohn) Wolf Lemel/Demel verkauft. Da die Häuser durch Angabe der Nachbarn bezeichnet werden, ist es sicher, dass es sich jeweils um einen Lemmel handelt. Vater Georg und Sohn Wolf Lemmel tauchen wenig später auf der sächsischen Seite des Erzgebirges auf und lassen sich in der Nähe von Annaberg in Krottendorf und Neudorf nieder (44). Zahlreiche Nachkommen leben dann in Cranzahl, Buchholz, Auerbach, Gelenau, Drebach u.a.

Erst 1995 entdeckte Klaus Schröpel neben Hans und Georg Lemmel einen dritten Bergunternehmer: Jakob Lemmel, der 1530 als Gewerke in Geyer beurkundet ist (45), wo ihm 1538 sein Sohn Bendix folgt. Seine Witwe Margarete Lemlin ist dann als Gewerkin in Marienberg genannt, zusammen mit Nickel Schütz, Georg Hösel und anderen (46). Lemmel-Schütz-Hösel: Diese Kombination gab es schon zuvor in Chemnitz, wodurch die Einordnung des Jakob Lemmel als Chemnitzer Lemmel bestätigt wird. Wenig später lebt (Jakobs Sohn) Hans Lemmel mit stattlichem Besitz 1552 in Marienberg und 1557 in Geyer (47). Die zahlreichen Lemmel-Nachkommen, die in den bereits 1551 einsetzenden Marienberger Kirchenbüchern verzeichnet sind, sterben größtenteils an der Pest; nur wenige bis etwa 1700 führende Linien sind bekannt.

Ich muss mich in dieser Abhandlung auf die Enkel des jüngeren Chemnitzer Martin Lemmel beschränken. In der Urenkel-Generation gibt es 20 Lemmel-Vettern, und Ururenkel gibt es über 60. Aber nur 10 der 60 Ururenkel sind Stammväter von heute noch blühenden Lemmel/Lämmel-Stämmen geworden; bei den anderen, die über Töchter-Nachkommen ebenfalls in Ahnentafeln auftauchen, sind die männlichen Nachkommen-Linien ausgestorben.

Die zehn Stammväter der sächsischen Lemmel/Lämmel seien hier aufgezählt. Dabei ist anzumerken, dass in den meisten Zweigen die Schreibweise des Namens um 1700 von Lemmel zu Lämmel wechselt.

Sechs Urenkel von Hans Lemmel, der um 1450 in Chemnitz geboren wurde:
  1. Hans Lemmel, Bauer in Cranzahl, * um 1540.
  2. Valten Lemmel, Förster und Schöppe in Auerbach, * um 1555.
  3. Bartel Lemmel, Bauer in Venusberg und Gelenau, * um 1550.
  4. Michael Lemmel, Bauer oder Müller in Drebach, * um 1560.
  5. Hans Lemmel, Kaufmann und Ratsherr aus Schneeberg in Wien, * 1531.
  6. Dessen Bruder Stefan Lemmel, Kaufmann aus Schneeberg in Wien, * um 1545.

Vier Urenkel von Hans Lemmels Bruder Paul:
  7. Franz Lemmel, Bauernsohn aus Stelzendorf, * um 1540.
  8. Paul Lemmel, Bauer in Stelzendorf, * um 1545.
  9. Ilgen Lemmel, aus Jahnsdorf in Meinersdorf, * um 1540.
 10. Michael Lemmel, aus Jahnsdorf in Adorf, * um 1550.        
            
 Aus den Steuerverzeichnissen, Gerichtsbüchern und aus den ältesten Kirchenbüchern kann man erschließen, in welche Orte die Chemnitzer Lemmel im 16. und 17. Jahrhundert nach und nach abwanderten. Die folgende Tafel soll dies illustrieren.    


┌───────────────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ Die ersten Lemmel-Vorkommen in der Chemnitzer Gegend                      │
│ ====================================================                      │
│                                                                           │
│ Leipzig                                                                   │
│ nur 1477-1555                                                             │
│ dann spätere Einwanderungen                                               │
│                                                                           │
│                       Röhrsdorf           Ebersdorf                       │
│                       nur 1547            nur 1577-1583                   │
│                                                                           │
│           Rabenstein Rottluff   Chemnitz                                  │
│           1577       1575-1613  1427-1526          Niederhermersdorf      │
│                                 dann 1600-Gegenw.  1601                   │
│                                                                           │
│                     Schönau Altendorf Neustadt                            │
│                     1607    1604      um 1550 –1642                       │
│                                                                           │
│         Mittelbach        Stelzendorf       Höckericht                    │
│         1530-1554 kein L. 1530 kein Lemmel  nur 1530                      │
│         1626              ab 1535 -1635     1547 kein Lemmel              │
│                                             1551-1580                     │
│                                Markersdorf                                │
│                                nur 1530-1531                              │
│                                dann kein L.                               │
│             Leukersdorf        ab 1609                                    │
│             1554 kein L.                                                  │
│ Seifersdorf 1571-1576    Neukirchen    Klaffenbach                        │
│ 1642-       dann kein L. 1501-Gegenw.  nur 1608-1612                      │
│             ab 1601                    dann ab 1642                       │
│                                                                           │
│             Pfaffenhain  Adorf         Burkhardtsdorf                     │
│             1548 kein L. 1501-1564     nur 1607-1623                      │
│             1551-1596    dann ab 1583                                     │
│             1678-1693                                                     │
│                                                                           │
│             Jahnsdorf    Meinersdorf   Gornsdorf     Gelenau              │
│             1554 kein L. 1564-1599     nur 1567      1548 kein L.         │
│             ab 1555      dann ab 1722  dann ab 1602  ab 1599 –Gegenwart   │
│             bis 1718                                                      │
│                          Thalheim      Auerbach      Venusberg            │
│                          nur 1576-1594 ab 1546       1585-1599            │
│                          nur 1612-1613               dann ab 1629         │
│                          dann ab 1764                             Drebach │
│                                                      Herold       1588-   │
│                                                      ab 1622      Gegenw. │
│                          Jahnsbach    Thum                                │
│                          1548-1625    1548: Witwe Lemmel                  │
│ Ortmannsdorf                          bis Gegenwart                       │
│ aus Rottluff                                                              │
│ ab 1645                                                                   │
│                                                                           │
│ Gruna                                                                     │
│ 1555-1605                                                                 │
│                                                                           │
│ Lößnitz                                                                   │
│ 1574-1626                                                        1990/9/2     │
│                                                                           │
└───────────────────────────────────────────────────────────────────────────┘

  6. Andere Lemmel-Familien in Sachsen


Es liegt nahe, anzuzweifeln, ob die zahlreichen sächsischen Familien namens Lemmel und Lämmel tatsächlich alle denselben Ursprung haben und auf die Chemnitzer Lemmel des 15.Jahrhunderts zurückzuführen sind. Solch ein Zweifel ist berechtigt, und in der Tat gibt es in Sachsen etliche Lemmel-Stämme, die einen anderen Ursprung haben. Diese hatten aber überraschenderweise nur wenig Nachkommen, so dass sie gegenüber den söhnereichen Chemnitzer Lemmeln kaum in Erscheinung treten.

Im folgenden sind die Lemmel-Stammväter anderer Herkunft aufgezählt.

1460 macht der Fleischer Hans Lemmel in Zwickau eine Stiftung (48) für das Seelenheil seines Vaters Hencze. Nachkommen sind nur über drei Generationen zu verfolgen. Der erwähnte Hencze Lemmel ist vielleicht identisch mit Heinz Lemlein in Bamberg, einem Onkel der Chemnitzer Lemmel.

Am 14.5.1460 wird Markus Lemlein in Grünhain mit dem Stricke vom Leben zum Tode gebracht (49). Da außer dieser betrüblichen Meldung nichts über ihn bekannt ist, weiß man nicht, in welchen Familienzweig er einzuordnen ist.

1477 lebt ein Lemmel unbekannter Herkunft in Leipzig, als sein Sohn Conrad Lemmel als Presbyter im Hochstift Merseburg immatrikuliert wird (50). Danach findet man 1506 Steffan Lembel (51) und 1555 Wolff Lemmel (52) in Leipzig. Weitere Nachkommen sind nicht bekannt. Spätere Lemmel in Leipzig sind Nachkommen der Chemnitzer Lemmel.

Um 1500 lebt ein Lemmel in Auerbach im Vogtland, dessen Sohn Hans Lemmel ab 1532 als Gewerke beurkundet ist (53). Er könnte ein Enkel des Nürnberger Ratsherrn Hans Lemlein sein, dessen Sohn Hans 1475 in der Bergstadt Kremnitz in den Karpaten lebt, und der möglicherweise von dort nach Auerbach kam. Nachkommen sind bis nach 1600 in den böhmischen Bergstädten des Erzgebirges festzustellen.

1529-1542 lebt der Kürschner Michel Lemmel in Torgau (54), vermutlich ein naher Verwandter der Lemmel in Auerbach/Vogtland. Aus diesem Stamm gab es um 1800 zehn Vettern namens Lämmel, heute aber nur noch zwei. Ein Lemmel des Torgauer Stammes gelangte durch den 7-jährigen Krieg nach Ostpreußen (55); seine zahlreichen Nachkommen leben heute in allen Teilen Deutschlands sowie in Frankreich, Spanien, Amerika und Südafrika.

Ein Fritz Lemlein/Lemmel unbekannter Herkunft ist 1542 Vogt in Brambach, hat 1549 einen Geleitsdienst in Buttelstedt bei Weimar, und ist schließlich Bürgermeister und Richter in Wildenfels (56). Seine Nachkommen sind bis 1700 in Hartenstein bei Schneeberg zu festzustellen.

1604 kommt Johann Lembler aus Sulzbach/Oberpfalz nach Dornburg/Saale, wo er fürstlich-sächsischer Amts-Schösser wird (57). Seine Vorfahren in der Oberpfalz sind wahrscheinlich ein Zweig der Bamberger Lemlein. Die Nachkommen in Dornburg und Altenburg sind im Mannesstamm nur über zwei Generationen zu verfolgen.
                                 
            
 Quellen und Anmerkungen

1  "Herkunft". Herbert E. Lemmel: Herkunft und Schicksal der Bamberger Lemmel des 15. Jahrhunderts. In: 101. Bericht des Historischen Vereins Bamberg, Bamberg 1965, S.13-220. Hier besonders S.160-192.

2  "Nachkommen". Herbert E. Lemmel: Die Nachkommen des Paul Lemmel aus Chemnitz (und seiner Brüder), Privatdruck, 2 Bände, Bad Homburg 1967/1968.

3  "Miszellen". Herbert E. Lemmel: Miszellen zur Geschichte der Bamberger Lemmel. In: Bl. f. fränk. Fam'kde Bd.9, 1968, S.263-286.

4  "Geschichte". Herbert E. Lemmel: Geschichte der erzgebirgisch-vogtländischen Lemmel im 15.-16. Jahrhundert. In: Deutsches Familienarchiv Bd.43, Degener Neustadt/Aisch 1970, S.235-348.

5  Hans-Dietrich Lemmel: Lemmel, Limmer und andere. In: Mitteldeutsche Familienkunde Bd.6 1981 S.409 ff. - Hier wird auf einige Fehler bei Herbert E. Lemmel hingewiesen; insbesondere wird seine wiederholt behauptete Gleichsetzung des Namen Lemmel mit Limmer, Lehmann u.a. widerlegt.

6  Hans-Dietrich Lemmel, Regesten und Stammfolgen aller Lemmel und Lämmel, Hektografien in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie, Leipzig, und Mikrofilme Nr. 1628279 bis 1628282 (1990) der Genealogischen Gesellschaft von Utah.

7  1413: "Pögke die uff dem walde gestruchet habin: Ha. Iakusch von Dux, Ha. Clopatsch, Pa. Förster, Merten der Iürgen knecht von Scheren was, Wolff, Cunr. von der Yle (=Eybe) von Tetzschen, Schultheiß ist gehangen, Harberg, Mich. Lemmel von Tetzschen, N. Frasser (=Fresser) von Bischoffswerde, Knor von Bischoffswerde, Ha. Beheme ein bader von Dippoldiswalde, Halbesiar, Slesener". - 1416: "Ha. Iakusch, der gehangen worde, der besagit die hernach geschriben steht:" (Es folgen dieselben Namen wie 1413 außer Iakusch und Schultheiß). - Hubert Ermisch: Aus dem Stadtbuch II (1404-1472), (Handschrift im Ratsarchiv Freiberg), in: Urkundenbuch der Stadt Freiberg in Sachsen Bd.3, Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae 2.Hauptteil Bd.14, Leipzig 1891; S.307 Nr.47 (fol.13b) von 1413 und S.310 Nr.81 von 1416.

8  Ratsakten Chemnitz Kap.III Sekt.II Nr.53a Bd.1, Einnahme-Manual 1426-1438 f.13 und 73'. 1427: "cv gl zen burgrechte von Lemel". 1437: "c gl zen burgrechte vo Lemel dem elder". - Ich zitiere hier die Chemnitzer Urkunden laut Herbert E. Lemmel: "Herkunft" Seite 174. Nach Auskunft des Chemnitzer Stadtarchivs im Jahr 2000 sind die fraglichen Urkunden so fragil, dass Kopien oder Fotografien nicht angefertigt werden konnten.

9  Georg Erler: Die Matrikel der Universität Leipzig 1409-1559, Leipzig 1895,    S.178.

10 J.C.Herman Weißenborn: Acten der Universität Erfurt, Studentenmatrikel. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen Bd.8 (1881-1899) S.259 Zeile 33.

11 Hubert Ermisch: Urkundenbuch der Stadt Chemnitz und ihrer Klöster. In: Codex diplomaticus Saxoniae Regiae, 2.Hauptteil Bd.6, Leipzig 1879, S.152 Regest 186 und S.401 Regest 437.

12 Stadtarchiv Chemnitz, Locat 9831, Schöffenbuch der Stadt Chemnitz 1458-1483, Register des Marktrechts.

13 Stadtarchiv Chemnitz Kap.III Sekt.II Nr.42a, Geschoßbuch der Stadt Chemnitz. "Herkunft" S.188.

14 Staatsarchiv Dresden, Türkensteuerliste 1501, Bl.256a; Fotokopie durch K.Wensch 1988.

15 Bürgerbuch Chemnitz.

16 Stadtarchiv Chemnitz Locat 9831, Markbuch der Stadt Chemnitz Nr.2, mit Register aller Einwohner der Stadt vom Jahre 1526, Blatt 125b.

17 "Miszellen" S.274.

18 "Nürnberger Lemlein". Hans-Dietrich Lemmel: Nürnberger Lemlein im 14. Jahrhundert. Fernhändler und Montanunternehmer bereits um 1300? In: Bl.f.deutsche Langesgesch. Bd.120, 1984, S.329-370. Und in: "lemlein filii" Heft 4, Kallmünz 1991, zu beziehen von I.Höfler-Lemmel, Parkstr.6, D-92318 Neumarkt/OPf.

19 "Herkunft" Kapitel V-VI; "Miszellen" Kapitel III.

20 1431: Katharina, Witwe des Hanns Lemlein, kauft ein Ewiggeld für die Söhne Hanns, Mertein, Michel. (Stadtarch. Bamberg, Urk. 12.11.1431.) Hanns ist Katharinas leiblicher Sohn; die älteren Mertein und Michel sind ihre Stiefsöhne. - 1433,1434: Die Söhne des verstorbenen Hanns Lemlein werden vom Bamberger Bischof belehnt, wobei der Sohn Hanns die Lehen im Namen seiner Brüder bestätigt. Ab 1442 leben Michel und Hans Lemlein in Nürnberg und werden belehnt, ohne dass der Bruder Mertein noch erwähnt wird. (Germ. Nationalmuseum Nürnberg, Imhoff-Archiv Fsc.26 (Lemlein-Archiv) Urk. 13b u. 14. und folgende.) - 1446: Hans und Martin Lemlein in Bamberg durch einen Anwalt vertreten. 1447: Bamberger Häuser im Besitz von Auswärtigen, darunter "hannsen lemlein et fratres hewser"; da "fratres" im Plural steht, sind Mertein und Michel gemeint. (Hist.Verein Bamberg, Rep.2/1 Nr.2).

21 Heinrich Joachim Jäck: Bambergische Jahrbücher vom Jahre 741-1833, Jg.1
   1829 S.192.

22 Die Matrikel der Univ. Wien, Verlag Böhlhaus Graz-Köln, Bd.1 1956.

23 "Nürnberger Lemlein" Kapitel 8.

24 Wolfgang v.Stromer: Fränkische und schwäbische Unternehmer in den Donau- und Karpatenländern im Zeitalter der Luxemburger 1347-1437. In: Jahrbuch f. fränk. Landesforschung Bd.31, Neustadt/Aisch 1971, S.355-365. Hier S.364.

25 Adalbert Decker: Das ehemalige Karmelitenkloster zu Bamberg. In: 91. Ber. d. Hist. Vereins Bamberg, Bamberg 1952, S.265.

26 Dass Michel Lemmel "ein Kriegsmann der böhmischen Könige" (so Herbert E. Lemmel, "Miszellen" S.275) gewesen sei, halte ich für abwegig.

27 Die Fehde mag ähnlicher Art gewesen sein wie die "Kragensche Fehde" 100 Jahre später. 1510 wurde ein Kaufmannszug auf dem Wege von Nürnberg nach Krakau von adeligen Raubrittern überfallen, von denen zwei von der Stadt Görlitz gefangen und geköpft wurden. Hieraus ergab sich eine Frontstellung: auf der einen Seite die Städte, die bemüht waren, die Handelsstraßen zu sichern; auf der andern Seite die oberlausitzer Ritterschaft mit Unterstützung durch den Landvogt der Oberlausitz, den böhmischen Herrn Siegmund von Wartenberg auf Tetschen. Diese Parteien führten sechs Jahre lang einen Klein-krieg mit Überfällen und Rachezügen, die sich bis nach Sachsen hinein erstreckten. - Hermann Knothe: Die Kragensche Fehde, in: Neues Archiv für Sächs. Gesch. u. Altertumskunde Bd.7, Dresden 1886, S.216.

28 Vergl. "Herkunft" S.163f.

29 Roth: Geschichte des Nürnbergischen Handels, Teil 1, Nürnberg 1800, S.163. Laut Helmut Frhr Haller v.Hallerstein: Landadel und Stadtadel... in: Bl. f. fränk. Fam'forschung Bd.9, 1967, S.78.

30 Nürnberger Briefbücher Bd.22 f.26', Bd.27 f.146'. Vergl. "Herkunft" S.141.

31 Erbvertrag von 1406. Germ. Nationalmuseum Nürnberg, Imhoff-Archiv Fsc.26 (Lemlein-Archiv) Urk. 2. - Vergl. "Herkunft" S.46, 68.

32 "Nürnberger Lemlein", Kapitel 2.

33 Neukirchen: Staatsarchiv Dresden, Türkensteuerverzeichnis 1501, S.256a. - Adorf: Mitteilung des Genealogen Alfred Maschke, Chemnitz, an Werner Hartmann, Nürnberg.

34 "GB Neukirchen": Staatsarchiv Dresden, Gerichtsbuch Chemnitz Nr.211 für Neukirchen 1491-1553. Laut Kurt Wensch und Herbert E. Lemmel. - 1504 Nickel Lemelin mit Vormund Jorge Lemel: Blatt 7 Nr.4. - 1511 Bastian: Blatt 11b. - 1519/1531: Blatt 60. - 1530 Sohn Nickel: Blatt 55b. - 1532: Blatt 71 und 72. - 1539-1544 Paul: Blatt 153b und 160b. - 1544 Bastian: Blatt 163. - Und weitere Stellen. - Dietrich in Lichtenstein: Kirchenbücher Chemnitz-Jakobi 1556-1561.

35 1571 in Thum: "Nickel Lemmels hinderlasene Erben und ihre Stifmutter". Staatsarchiv Dresden, Gerichtsbuch Ehrenfriedersdorf Nr.168 für Thum Blatt 61f. Fotokopie durch Gerhard Lemmel.

36 H. Ermisch: Das Chemnitzer Achtbuch; in: Mitteilungen des Vereins für Chemnitzer Geschichte, Jahrbuch 7, Chemnitz 1891, Seiten 23ff.

37 Bergarchiv Freiberg 234 c (3), Berglegenbuch Schneeberg 1509-1513. Laut Ernst Költzsch, Willy Roch, Herbert E. Lemmel.

38 Carl Lehmann: Chronik der freien Bergstadt Schneeberg, Schneeberg 1837/1838, Bd.1 S. 125, 138, 145. - Christian Meltzer: Historia Schneebergensis Renovata, Schneeberg 1716, S. 426, 475, 477; jetzt auch Reprint Verlag v.Elterlein, Stuttgart.

39 Theodor Gustav Werner: Regesten und Urkunden über Beteiligungen von Nürnbergern an der Zeche Rappolt und anderen Schneeberger Bergwerks- und Metallhandelsunternehmen; in: Mitteilungen desVereins für Geschichte der Stadt Nürnberg Band 59, 1972, und Band 60, 1973.

40 Schneeberger Kämmerei- und Kastenrechnungen; laut Ernst Költzsch.

41 Hans-Dietrich Lemmel und Gerhard Lemmel: Hans Lemmel in Wien; Handelsmann, Ratsherr, Protestant; in: Wiener Geschichtsblätter, 35. Jg. 1980, S. 69-81.

42 Viktor Karrell: Das Erzgebirge und seine Besiedlung. Verlag Vinzenz Uhl, Kaaden 1924.

43 Erich Matthes: Das Häuserlehnbuch der sächs.-böhm. Bergstadt Platten im Erzgebirge 1535-1570. Verlag Degener, Neustadt/Aisch 1967. - Herbert E. Lemmel, der das Original im Böhmischen Landesarchiv in Prag unter Loc.2806 einsah, las Wolf "Lemel", wo Matthes Wolf "Demel" angibt.

44 1544 Georg Lemmel und Peter Wanderer Gerichtsverwandte des Amtes Hartenstein in Krottendorf. 1556 Wolff Lemmel Richter in Neudorf. Staatsarchiv Dresden, Gerichtsbuch Amt Hartenstein Nr. 8, Amtshandelsbuch 1544-1554, Blatt 14; und Nr. 11 1552-1574 Reg.Nr. 121 Blatt 80; laut Kurt Wensch und Ernst Költzsch. - Wolf Lemmel oo 1534 in Annaberg; Kirchenbuch 1534 Nr.42. - Sowie viele weitere Urkunden.

45 Bergarchiv Freiberg, Bergbuch des Bergamtes Geyer 1529-1540, Rep.62 Sect. XXXV Nr.17 Raum 10; S. 76b, 85b, 86a, 229b; laut Mtlg K.Schröpel 1995.

46 Handschrift im Ernestinischen Gesamtstaatsarchiv zu Weimar: Irrungen und Gebrechen auf St.Annaberg und Marienberg 1503-1546, Blatt 84. - Zitiert bei Walter Bogsch: Der Marienberger Bergbau in der ersten Hälfte des 16.Jh., Dissertation Leipzig 1933, gedruckt Schwarzenberg 1933; siehe Seite 142 Anm.648. Laut Mitteilung von Willy Roch. - Die Gewerkin Margarete Lemlin wurde in den Arbeiten von Herbert E. Lemmel nicht richtig eingeordnet.

47 Staatsarchiv Dresden: Landsteuer-Verzeichnis 384 Lage 27, Marienberg 1552; Gerichtsbuch Geyer Nr.9 1548-1566 fol.164, Geyer 1557. Laut Kurt Wensch und Ernst Költzsch.

48 Totenbuch der Zwickauer Franziskaner, Stadt Zwickau, unter "Erbar Hantwerg der fleyscher"; ein Eintrag, der laut Ernst Költzsch auf 1460 datiert werden muss: "Hencze lemmel Dorothea uxor parentes Hans lemmels/ Margarethe uxor Hans lemmels vor 10 sy kynder / gerdrut uxor Hans lemmels, Nickel Ylgner ir vater." Das heißt: Hans Lemmel, Sohn von Heinz Lemmel, hat im Jahre 1460 bereits zwei Frauen und zehn Kinder überlebt und stiftet etwas für ihr Seelenheil. - Stadtarchiv Zwickau, Signatur 3 Nr.1 fol.47a; laut Ernst Költzsch und Edwin Siegel.

49 Frau Ava; zwei unterschiedliche Blätter aus dem Tagebüchlein des Malefizschreibers zu Grünhain A.D.1460-1500. Aufgefunden und zum Druck befördert von Dr. Walter Fröbe, Glückauf-Verlag Schwarzenberg (ohne Jahreszahl). - Laut Mtlg Willy Roch 1972.

50 Georg Buchwaldt: Die Matrikel des Hochstifts Merseburg 1469-1558; Verlag Böhlau, Weimar, 1926. - Laut Mtlg Ernst Költzsch.

51 Steffan Lembel 1506 Besitzer eines Grundstückes in Leipzig vor dem Peterstor als Lehen des Thomas- oder Georgen-Nonnenklosters. - Mitteilung Herbert E. Lemmel, ohne Quellenangabe.

52 Wolff Lemmel wird 1555 Neubürger in Leipzig als ein Bürgerssohn. - Annelore Franke: Leipziger Neubürgerlisten 1502-1556 Bd.A-M S.85; Stadtarchiv Leipzig 1981, laut Mtlg Erhard Werndl 1988.

53 Staatsarchiv Weimar Reg. Pp 459, Türkensteuerregister 1532. - Erich Wild: Das Stadtbuch des Rates zu Auerbach vom Jahre 1535; Auerbach, 1935. - Erich Wild: Geschichte und Volksleben des Vogtlandes; Plauen, 1936. - Aus einem 1565 erwähnten "großväterlichen" Erbe folgt, dass schon der etwa 1450 geborene Vater des ab 1532 beurkundeten Gewerken Hans Lemmel in Auerbach ansässig gewesen sein muss.

54 Stadtarchiv Torgau. Mitteilungen Jürgen Herzog an Kurt Wensch. - In der Torgauer Steuerliste von 1495 im Staatsarchiv Weimar ist noch kein Lemmel verzeichnet.

55 Hans-Dietrich Lemmel: Die Familie Lemmel und August der Starke; in: Familienforschung in Mitteldeutschland, 39.Jg. 1997/1998 S.193-204.

56 1542 Fritz Lemmel Vogt zu Brambach: Stadtarchiv Zwickau, Stadtbuch Nr.24 1539-1541, III x 1, Nr.24 Bl.100b. - 1549 Fritz Lemlein zu Buttelstedt: Staatsarchiv Weimar, Dienersachen, Mitteilung 1980. - Ab 1551 Friedrich Lemlein Bürgermeister Ronneburg: Christian Löber, Historie von Ronneburg; Altenburg 1722.

57 Staatsarchiv Düsseldorf, Fürstlich Stolberg-Stolbergsche Leichenpredigten-Sammlung N3.15022. - Fritz Roth: Auswertungen von Leichenpredigten Bd.6 R5662 und R5856. - Und andere Quellen.

Ende

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