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Abb
Der Lämmel/Lämbl/Lammel-Stamm in Abbach/Donau, Niederbayern
Von 1500 bis zur Gegenwart gibt es in Abbach und einigen
benachbarten
Orten an der Donau, zwischen Kelheim und Regensburg, eine Familie,
deren Name sich von Lämbl zu Lammel entwickelt. Dabei kommen in
den Urkunden wechselnde Schreibweisen vor:
Läml, Lämbl, Lämel, Lämmel,
Lämbel, Laemel
Lamel, Lammel, Laml, Lambl
Hier habe ich die -ä- Varianten und die -a- Varianten jeweils in
der Reihenfolge ihrer Häufigkeit aufgeschrieben. Alle Varianten
kommen durcheinander vor, und gelegentlich sind in einer einzigen
Urkunde zwei oder drei Varianten gleichzeitig anzutreffen. Die
Varianten mit -ä- sind vor 1750 vorherrschend, und später die
Varianten mit -a-.
Die erhaltenen Kirchenbücher erlauben die Aufstellung gesicherter
Stammfolgen erst nach dem 30-jährigen Krieg. .
Zur Stammtafel der Abbacher Lämmel
Es ist eine kleinbäuerliche Familie mit den typischen Berufen
Winzer, Fischer, Bauer, Gastwirt, Tagelöhner (="Söldner");
hauptsächlich in den nah benachbarten Orten Abbach, Poikam,
Oberndorf, Matting, Bergmatting, Irading, Herrnsaal, Gundelshausen,
Lohstadt, Sinzing. Hinzu kommen einige Handwerke wie Hutmacher, Ziegler
und Maurer.
Für das Jahrhundert 1500-1600 gibt es einige Urkundenfunde aus
verschiedenen Archiv-Materialien.
In den Jahren 1502 bis 1512 ist ein Jacob Lembl, der "zu Schierling"
lebt, Landrichter in Kelheim. Die erhaltenen Urkunden geben keine
Auskunft darüber, ob er Nachkommen hatte. 250 Jahre später
gibt es wieder einen Jakob Lämbl als Ratsherrn in Abbach, das
halbwegs zwischen Schierling und Kelheim liegt. Ist es die selbe
Familie? Alles spricht dafür, dass es sich tatsächlich um
die selbe Familie handelt.
Um 1580 gibt es in Abbach einen Schneider Egidius Lämbl, einen
Schuhmacher Ulrich Lämbl und einen Pfarrer Johann Lämel. Sie
dürften Enkel des Landrichters Jacob Lembl sein. Die geografische
Nachbarschaft spricht dafür, denn der Name Lämbl/Lämel
kommt zu dieser Zeit in der weiteren Umgebung sonst nicht vor.
Der Pfarrer Lämel aus Abbach amtierte in verschiedenen Pfarreien
der weiteren Umgebung. Er war verheiratet und hatte einen Sohn und zwei
Töchter, denn es war die Protestantenzeit. Der Verbleib seiner
Kinder ist leider noch
unbekannt.
Seine mutmasslichen Brüder Egidius und Ulrich Lämbl blieben
in Abbach, und die hier später lebenden Lämbl und Lammel
dürften ihre Nachkommen sein. Sie sind in der Stammtafel
und
in einer ausführlichen Chronik mit allen Urkunden-Regesten
dargestellt.
Der Landrichter Jakob Lembl stammt aus der Oberpfälzer Familie
Lemel von Reichertshofen, die zwischen 1440 und 1480 verschiedene
Pflege-Ämter in der Oberpfalz innehatten, und die ihrerseits
wieder von der Nürnberger Kaufmannsfamilie
Lembelin/Lemlein/Lemmel abstammen. [Siehe "Die
Nürnberger Lemmel
in der Oberpfalz"]. Hans Lemlein von Reichertshofen, Jakob Lembls
Vater, war zeitweilig
Lehensverwalter bei Pfalzgraf Otto dem II. von Neumarkt. Dieser liess
im Jahre 1488 in Abbach(!) Quadersteine brechen. Als Jakob Lembl 1502
von Lupburg/Oberpfalz nach Schierling und Kelheim kam, dürfte auch
der Steinbruch von Abbach zu seinem Amtsbereich gehört haben. Das
mag für seinen Sohn der Anlass gewesen sein, sich in Abbach
niederzulassen, so dass Abbach zum Ursprungsort der vorliegenden
Lämmel/Lämbl/Lammel-Stammfolge wurde.
Nebenbei: Es fällt auf, dass die Familie Lemlein/Lembl offenbar
nicht die einzige Nürnberger Kaufmannsfamilie ist, die Nachkommen
in dieser Gegend hat. Unter den angeheirateten Familien und Taufpaten
kommen die Namen Rumel, Weigel und Eisvogel vor, die ebenfalls bekannte
Nürnberger und Oberpfälzer Kaufmannsfamilien sind.
* * *
Im bischöflichen Zentralarchiv Regensburg wurden Pfarrmatrikeln
von Abbach (ab 1669), Kapfelberg, Matting, Poikam, Sinzing
durchgesehen. Hierfür danke ich Herrn Dipl.Theol. Tobias Weber,
der auch die zumeist lateinischen Matrikel-Einträge
übersetzte. Viele weitere Beiträge zur Stammfolge bis in die
Gegenwart verdanke ich Frau Lydia Heinl, die selbst unter ihren
Vorfahren eine Abbacher Lammel-Linie hat, und die mit zahllosen
Kirchenbuch-Auszügen und einigen schönen Fotografien und
Urkunden wesentliche Teile zu dieser Familiengeschichte beitrug.
Einiges davon ist auf den folgenden Seiten wiedergegeben.
Wien, im Dezember
1997
Hans-Dietrich Lemmel
ergänzt 2006
1.8.2006
Aus dem Regensburger Visitationsprotokoll von 1589/90 über den
"Pfarrer in Pfakofen Joannes Lämel aus Abbach: 40 Jahre alt, 19
Jahre Priester, betet aus dem römischen Brevier... Vor einem
Jahr hat er eine Concubine weg geschickt, die einen Sohn und 3
Töchter gebar..."
[L.Heinl]
Der Weinbauernhof in Oberndorf neben dem Lämbl-Hof, der wohl
ähnlich ausgesehen hat.
[Foto L.Heinl 2003]
Dieser Hof stammt aus der Zeit um 1600. Er steht heute unter
Denkmalschutz.,
1754 heiratete Maria Magdalena Lämbl in Oberndorf den Zimmermann
Paulus Hausmann, der 1756 einen Sturz vom Kirchturm überlebte.
Über dieses Ereignis gibt es in der Oberndorfer Kirche eine
Votivtafel.

"Paulus Hausmann, Zimmermann allhier, Stürzte den 21.July anno
1756 ein Hundert und zwanzig Schuh von dem Thurm herab und auf Anrufung
der allerseligsten Jungfrau bin ich nicht zu Grunde gegangen. Ich brach
mir zwar Arm und Bein, die Mutter Gottes liß mich nicht verlohren
sein. Sie heilte mich in kurzer Zeit und hab noch ville Jahr erreicht."
[L.Heinl 2005]
In Abbach gab es einen denkwürdigen Fall eines
Dreiecks-Verhältnisses. Hier lebte der Hutmacher Martin
Lämmel/Lamel mit seiner ältesten Tochter Anna Maria Laml, geboren 1764.
Gleichzeitig lebte hier Martins Onkel, der Fischer Georg
Lämmel/Lamel mit seiner Tochter Franziska
Lamel, geboren 1767. Anna Maria
und Franziska
waren also Nichte und Tante, wobei die Tante drei Jahre jünger war
als die Nichte. In dieses liebreizende Paar verliebte sich der
Bierbrauer Franz Xaver Koller mit dem Ergebnis, dass Tante und Nichte
nahezu gleichzeitig einen Sohn bekamen, und beide Söhnchen wurden
nach dem Vater Franz Xaver genannt: der eine geboren am 13.10.1787, der
andere am 21.12.1787. Leider starb letzterer nach wenigen Tagen. Die
untröstliche Mutter Franziska
heiratete darauf den Bruder Alois ihrer Konkurrentin und Nichte Anna Maria Laml und bekam mit diesem
noch neun Kinder.
* * *

Der 1746 geborene Georg Lämmel/Lamel besaß eine Ziegelei in
Irading an der Donau als Thurn und Taxis'sches Lehen. 1812 verkaufte
der kinderlose Alois Lamel in einem "Stiftbrief" seine Ziegelhütte
zu Irrating (=Irading) an einen Frankfurter Freiherrn. Seine Schwester
Walburga Läml heiratete 1824 in Lohstadt an der Donau den Sohn des
Gastwirts Michael Poschenrieder, der an seinem Wirtshaus eine Tafel zur
Erinnerung an das Donau-Hochwasser von 1784 anbrachte. Georg Lamel und
Poschenrieder erhielten 1801 vom Kurfürsten gemeinsam die
Donauinsel, den "Wöhrd", zwischen Altwasser und Hauptdonau.
Ende
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