H.D. Lemmel, 22.12.1999, seither ergänzt. Nicht gedruckt.
In Nordböhmen, in der engeren und weiteren Umgebung von
Reichenberg, war bis 1945 der Familienname Lammel häufig. Daneben
gab es auch (in Wernsdorf) die Familie Lämmel.
Beide Namen kommen
bereits im 16. Jahrhundert hier vor; sie gehören zu den
ältesten Namen dieser Gegend.
Nach Anton Fr. Ressel sind die Familien namens Lammel und Lämmel
desselben Ursprungs. Ressel schreibt über die Schulzenfamilie
Lammel in Grenzendorf, dass der Name "früher stets Lemmel
geschrieben" wurde. Während in einigen Fällen Fragen der
Identität unsicher sind, kommen um 1600 tatsächlich die
Namensformen Lemmel, Lembel, Lämmel, Lammel wechselnd für die
selben Personen vor.
Der ostfränkisch-sächsische-böhmische Name Lemmel (in
Bamberg ursprünglich Lemlein) ist die Dialektform für ein
kleines Lamm. In einigen Fällen lässt sich nachweisen, dass
einem Lemlein/Lemmel, der in eine andere Landschaft mit anderem Dialekt
abwandert, sein Name in die örtliche Dialektform für ein
kleines Lamm abgewandelt wird. So entspricht es auch dem
nordböhmischen Dialekt, wenn hier ein eingewanderter Lemmel
alsbald Lammel genannt wird.
Der nordböhmische Dialekt, etwa östlich der Elbe, ist dem
schlesischen ähnlich und hat als kleines Lamm: Lamml oder Lammel.
(Entsprechend heisst ein kleines Kalb: Kalbl.)
Der Name Lemmel kommt zwischen 1550 und 1587 einmal in Hanichen
und einmal in Ruppersdorf vor.
[E. Gierach: Zur Frage nach der Urheimat der ersten Ansiedler
des Reichenberger Gaues. In: Jahrbuch des Deutschen Gebirgsvereins
für das Jeschken- und Isergebirges, Jg.19, 1909, S.128. –
Ausgewertet wurde ein Band im Archiv Reichenberg, der 1909 die
Bandnummer 90 trug, mit der Aufschrift "Gemeinderechnungen 1556-1587,
Inwohnerverzeichnis 1550".]
In zwei Orten bei Reichenberg, auf tschechischer Seite gegenüber
von Zittau, kommen unter den ältesten Familien auch Lämmel
vor, und zwar:
in Oberhanischen: älteste Familiennamen: Kaulfersch, Lämmel,
Menzel, Pilz, Schönfelder, Tischer, Ulrich. – Das wüste
Bauerngut des Reichenberger Malers Christian Kaulfersch wurde 1683 mit
zur Anlegung des Ortes Neu-Paulsdorf 1691 herangezogen.
in Reinowitz: erster Erbrichter: Michael Pfeifer; älteste
Familiennamen: Altmann, Effenberger, Gärtner, Hoffmann, Horn,
Klement, Kratzig, Lämmel, Neumann.
[Georg Rosenberger: Reichenberger Tuchmacher und ihre Familien.
Archiv für Sippenforschung..., Mai 1944, Heft 5, Seite 85ff.]
Das Graupner Bergbuch von 1530 enthält keinen Lemmel.
[Wilhelm Weizsäcker: Das Graupner Bergbuch von 1530,
Sudetendeutsche Geschichtsquellen Bd.5, Reichenberg und Komotau 1932]
1627 führen der Reichenberger Herrschaftshauptmann und der
Friedländer Forstmeister Neurodungen in Luxdorf, Gränzendorf
und Friedrichswald durch und verkaufen die Rodungsanteile je nach
Größe der Fläche, nach der Güte der Krume, nach
Befindung des Bodens und wo Holz ist oder nicht, "stainicht" oder eben.
In Gränzendorf kaufen sich an:
Kaufsumme
Jährl.Tilgungsrate
Mathes Lembel
30
Schock 2 Schock
Hieronymus Lembel
12
Schock 1 Schock
Hieronymus Lembel, Schulthes
51 Schock 3
Schock
Hieronymus Lembel der Alte
10 Schock
1 Schock
[Anton Ernstberger: Aus den Tagen Wallensteins. - Neurodungen in
Luxdorf, Gränzendorf und Friedrichswald (Herrschaft Reichenberg).
Schriften des Instituts für fränkische Landesforschung an der
Universität Erlangen, Bd.1, Kallmünz 1959, S.357]
Aus den hier genannten Namen kann man die folgende Stammfolge vermuten:
Hieronymus Lembel der Alte
(* etwa ?1545), † nach 1627
│
│
Hieronymus Lembel, Schulthes
(* etwa ?1575)
┌─────┴───────────────┐
Hieronymus Lembel
Mathes Lembel
(* etwa 1605)
(* etwa 1605)
Die Namensform Lembel kommt auch andernorts als Nebenform von Lemmel
vor. Tatsächlich ist der Schulthes Hieronymus Lembel aus anderen
Quellen als Richter Hieronimus Lemmel
belegt; sein Amtsnachfolger wird
Mathes Lemmel, also der obige
etwa 1605 geborene Mathes Lembel.
Nun gibt es eine weitere Namensvariante. Ressel berichtet, dass der
(später in Reichenberg recht häufige) Name Lammel
"früher stets Lemmel
geschrieben" wurde. Wie in der
ausführlichen Stammfolge zu sehen ist, gibt es etliche Nachweise,
wonach die selbe Person wechselnd Lemmel und Lammel genannt wird. Das
lässt sich dadurch erklären, dass die Diminutiv-Form für
ein kleines Lamm in Sachsen Lemmel oder Lämmel lautet, im
Reichenberger Dialekt aber Lammel.
Ich habe noch keinen Nachweis, ob alle Reichenberger Lammel
genealogisch auf Hieronimus Lemmel zurückzuführen sind, aber
ich halte das für möglich.
Der Richter Mathes Lemmel, der in Urkunden Lemmel, Lembel und
Lämmel genannt wird, ist auf einer Kirchenglocke als Matteus
Lammel verewigt. Die weiteren Nachkommen dieser Sippe, die bis 1945 in
und um Reichenberg lebten, heißen meist Lammel, teils aber wohl
auch Lämmel.
Über die Herkunft der Reichenberger Lemmel
Hieronimus Lemmel/Lammel/Lembel, der älteste namentlich
bekannte Lemmel in der Reichenberger Gegend, ist ab 1590 urkundlich
belegt. Aus den Lebensdaten seiner mutmaßlichen Söhne
abzuschätzen, müsste er etwa um 1540/1550 geboren sein.
Gierach berichtet, dass der Name Lemmel bereits zwischen 1550 und 1587
in Hanichen und Ruppersdorf bei Reichenberg vorkommt. (Ob die zugrunde
liegenden Urkunden erhalten sind, ist mir nicht bekannt.) Diese
fühere Nennung des Namens Lemmel könnte sich auf obigen
Hieronimus, oder aber bereits auf seinen Vater beziehen, der etwa um
1510 geboren sein müsste.
Woher kann der erste Reichenberger Lemmel gekommen sein?
In der um 1480 geborenen Generation gibt es mehrere Vettern Lemmel in
den Tuchmacherstädten Chemnitz und Zwickau, sowie Vettern Lemmel
in den Bergstädten Annaberg, Auerbach/Vogtland, Goldkronach,
Joachimstal, Platten, Marienberg, Schneeberg, Schwarzenberg. Von einem
dieser Orte dürfte ein Lemmel nach Reichenberg abgewandert sein.
Der einzige verwertbare Hinweis ist der, dass es in Zwickau einen um
1500/1510 geborenen Jeronimus Lämmel gibt, von dem dort eine
Tochter stirbt, von dem aber sonst nichts bekannt ist. Er scheint von
Zwickau abgewandert zu sein. Es ist das erste Mal, dass in der Familie
Lemmel der Vorname Jeronimus/Hieronimus auftaucht, der dann in der
Reichenberger Gegend in drei Generationen wieder vorkommt. Mit allem
Vorbehalt kann man also annehmen, dass Jeronimus Lämmel aus
Zwickau nach 1539 nach Reichenberg ging, wo er um 1540/1550 der Vater
des dortigen Hieronimus Lemmel wurde. Da Zwickau und Reichenberg
Tuchmacherstädte sind, mag Jeronimus Tuchmacher gewesen sein. – Es
muss aber betont werden, dass diese Darstellung nur eine
Möglichkeit ist, die einige Wahrscheinlichkeit für sich hat,
die man aber nicht beweisen kann.
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