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Der Schumann'sche Adelsbrief von 1633

1633 erhielten neun Brüder und Vettern der Danziger Ratsfamilie Schumann vom Habsburger-Kaiser Ferdinand in Wien einen Adelsbrief mit Bestätigung ihres Wappens.

Der Stammvater Michel Schumann war um 1400 Ritter des Deutschen Ordens gewesen. Die Ordensritter waren im allgemeinen adeliger Herkunft, so dass die Theorie der Abkunft vom Prussenfürsten Skomand passt. Nachdem Michel Schumann den Orden verließ (wohl als Folge der verlorenen Tannenberg-Schlacht von 1410), ergibt sich die Frage, ob er damit den adeligen Status aufgab oder behielt. Wenn der Adelsbrief von 1633 von einer "Bestätigung" spricht, kann das ein Bezug auf den Ritter Michael Schumann sein. Andererseits darf man den Wortlaut vielleicht nicht ganz ernst nehmen, denn es ging bei der Adelsverleihung wohl in erster Linie um wirtschaftliche und politische Argumente und Unterstützung im Krieg.

Ob die Danziger Schumänner, wie so manche Danziger Ratsfamilie, auch einen Adel vom polnischen König erhielten, scheint mir eine offene Frage zu sein, die ich nicht untersucht habe. Immerhin waren einige Schumänner königlich polnische Burggrafen in Danzig..

Viele der Danziger Ratsfamilien waren adelig, aber in der Hansestadt zeigte man das nicht, und ein "von" war nicht üblich. Erst als Danzig preußisch geworden war, legte man wert darauf, den Adel zu zeigen. Das ging nun aber nicht so ohne weiteres, denn jetzt musste man bei den preußischen Behörden den Adel erst einmal bestätigen lassen, und das taten bei den Schumännern einige, - aber andere nicht. Seither gibt es unter den Schumann-Nachkommen Zweige mit "von" und andere ohne. Meine 1824 geborene Urgroßmutter wurde als Marie Schumann getauft und heiratete 1845 als Marie Schumann. Erst 1879 erhielt ihr Familienzweig die Adelsbestätigung, so dass sie als geborene "von Schumann" starb. 


Die folgende Tafel zeigt den Schumann-Stamm zur Zeit des Adelsbriefes von 1633.

    
                        Asmus Schumann
                        *?1490 in Konitz, † 1571 Konitz
                        Richter und Ratsherr in Konitz
                               ├────────────────────────────────────────────────┐
                        Christoph Schumann                                      │
                        * 1528 Konitz, † 1602 Konitz                     Gabriel Schumann
                        Bürgermeister in Konitz                          *1530/31 Konitz, † 1601 Danzig
  ┌─────────────────────┬──────┴──────┬─────┬────────┬───────────┐       seit 1556 Kaufmann in Danzig
Gabriel                 |             │     │        │           │              │
*1559 Konitz          Caspar          │     │        │           │              │
†1631 Danzig          *?1570       Fabian  #5#       │           │              │
Ratsherr(1)       Pfarrer Konitz   *?1575 David      │           │              │
  |                                †1621  *?1582  Michael       #4#             │
  ├──────┬─────┬───────┬────────┐  Danzig †1645   * 1584       Daniel      ┌────┴──────┬─────────┐
David   #2#   #3#      │        │     |   Danzig  † 1631       * 1585    David        #8#        │
*1587  Hein-  Hans    #1#       │     │     |     Danzig       † 1657    * 1588     Salomon     #9#
in     rich  *1591   Gabriel    │     │     │     Kaufmann     Konitz    branden-   * 1594   Christoph
Danzig *1590 †1641 *1595,+1654 Georg  │     │        │           |       burgischer † 1650    * 1595
  |    †1655  Dan- Ratsherr,   *1599 Chri-  │        │           │       Rat        Danzig    † 1663
  │   Schöppe  zig oo Maria    ##### stof   │        │           │       #####                Danzig
  │    Danzig  |   Koseler,          *1606  │        │           │                               │
  │      |     │   ihre Bilder im    #####  │        │           │                               │
  │      │     │   Nationalmuseum           │        │           ├──────┬────────┬──────┐        │
  │      │     │           Danzig           │     ┌──┴────┐      │      │        │      │        │
David    │     └───────┐                    │    #6#     #7#   Michael  │        │      │        │
*1618    ├─────┐     Johann            Michael Salomon Michael *?1615 Christoph  │      │        │
##### Gabriel  │     *1622             * 1624  * 1623  *?1625  † 1657 *?1620   Daniel   │     ┌──┴───┐
      *1631    │     +1663             † 1673  † 1695  Kauf-   Stadt- venezia- *?1630 Hans  Ludwig Con-
      †1700  Gerhard Danzig            Danzig  Ratsherr mann  schrei- nischer  †1710 *?1635 *1636  stan-
     Bürger- Ludwig                            Danzig  Danzig  ber in General Danzig Danzig †1691  tin
     meister *1642                                             Konitz                      Schöffe *1637
      Danzig                                                                               Danzig  †1705
                                                                                                Ratsherr
                                                                                                  Danzig

Laut einer Abschrift im Besitz von Wilfried Kuckein waren es Gabriel, Daniel und Salomon Schumann, die "für sich und im Namen ihrer Brüder und Vettern um Bestätigung ihres Wappens und Erhebung in den Reichs- und Erbländischen Adelsstand" ansuchten.

Im Jahre 1633 stellte Kaiser Ferdinand der II. der Familie Schumann einen Adelsbrief aus. Dabei sind neun Schumänner namentlich genannt: "Gabriel, Heinrich unnd Hanß, wie auch Daniel, Davidt Gebrüdere, dan Salomon und Michael, mehr Salomon und Christoff, alle die Schumannen Gebrüder und Vettern". - In der oben gezeigten Schumann-Stammtafel sind diese neun Schumänner mit den Ziffern #1# bis #9# markiert.  Es zeigt sich, dass der Adelsbrief alle Schumann-Linien berücksichtigt, ausgenommen die 4 Linien, die mit ##### gekennzeichnet sind. Man kann annehmen, dass diese Linien ohne männliche Nachkommen bereits vor 1633 ausgestorben waren. Es kann aber auch sein, dass diese Linien in andere Länder abgewandert waren, so wie der brandenburgische Rat David Schumann, und dass sie deswegen im Adelsbrief nicht berücksichtigt wurden. - Die Nobelitierung in die Wege geleitet hatte der 1631 gestorbene Gabriel, der als erster der Familie Schumann in Danzig Ratsherr geworden war aber die Ankunft des Adelsbriefes nicht mehr erlebte.

Vom Adelsbrief gibt es mehrere Fassungen. Das Original mit Siegel und Unterschrift von Kaiser "Ferdinand dem Anderen" ist 2008 im Besitz von Wilfried Kuckein in Neubiberg. Ob es für die Schumann-Vettern je einen Originalbrief gab, ist eine offene Frage. Jedenfalls gibt es spätere Kopien.
Der Original-Wappenbrief von 1633.


  Der hier farbig und schwarz-weiß wiedergegebene Adelsbrief, in Quadratmeter-Größe, befindet sich in der Danziger Stadtbibliothek. Es ist eine im Jahre 1697 notariell beglaubigte Abschrift des Originalbriefes von 1633.
 
 
  
Einen Mikrofilm des hier schwarz-weiß wiedergegebenen Adelsbriefes habe ich aus Familienbesitz, wobei der Lagerort des Originals mir nicht bekannt ist. Aus letzterem wurde das Wappen herausvergrößert (unten).
 
Daneben in Farbe das Wappenbild aus dem Original-Adelsbrief von Wilfried Kuckein.


Hier eine Zeichnung des Wappens aus dem Besitz von Erich Lemmel, schwarz-weiß und handkoloriert. Es fällt auf, dass Hörner, Helm und Krone hier anders gestaltet sind als im Wappembrief.

Ein falsches Gerücht: Zur Schumannschen Adelsbestätigung von 1633 wird gesagt, dass Peter v.Gleißen-Derengowski im Feldlager des polnischen Königs bei Dirschau anno 1626 seinem Schwiegersohn Michael Schumann erlaubt habe, seinen (Peters) Waffen- und Adelsbrief zu führen. So steht es in Gotha, Briefadel Band 6, und wird so auch im Schumann-Aufsatz von Erich Lemmel wiedergegeben  – Das ist ein Märchen, denn der Michael Schumann, der mit einer Gleißen-Derengowski verheiratet war, lebte anderthalb Jahrhunderte früher. (HDL)


Adelsbestätigung
Nachdem der Freistaat Danzig von Preußen annektiert worden war, mussten die Danziger Adelsfamilien beim preußischen Heroldsamt in Berlin um die Bestätigung ihres Adels ansuchen. Einige Schumänner taten dies, andere nicht. 1879 erhielt Wilhelm Mischke Schumann, nunmehr v.Schumann, für sich und seine ehelichen Nachkommen die Bestätigung, deren Wortlaut hier wiedergegeben ist.

[Mtlg S. v.Schumann 2011]