zurück zum Hauptindex

Dies ist die gedruckte Version von 2003. Zurück zur mehrfach ergänzten Version.


Die Timpfe - Eine norddeutsche Münzmeistersippe

Von Hans-Dietrich Lemmel

gedruckt in GENEALOGIE Band 26 2003, Seiten 641-655 und 720-732.


1. Einleitung

Auf die Münzmeisterfamilie Timpf stieß ich im Rahmen meiner
Familienforschung in Ostpreußen und Danzig (1). Und zwar gab es im
17. Jahrhundert unter meinen Danziger Vorfahren den königlich
polnischen Münzmeister Andreas Timpf. Der wurde mir besonders
interessant, als ich feststellte, dass seine Familie aus
Bremervörde und Lüneburg kam, aus eben den Orten, an die es meine
Familie nach unserer Flucht 1945 hinverschlug.

Auf den selben Münzmeister Timpf stieß ich auch in einem anderen
Kapitel unserer Familiengeschichte. Meine Großtante Laura Frost
geb. Lemmel schrieb ein Buch über Johanna Schopenhauer (2), die
Mutter des Danziger Philosophen Arthur Schopenhauer, mit dem ich in
der Elbinger Kaufmannsfamilie Pfeiler eine Ahnengemeinschaft habe.
In einer Schopenhauer-Biografie (3) entdeckte ich dann, dass der
wohlhabende Danziger Kaufmann und Bankier Andreas Schopenhauer (er
war der Großvater des Philosophen) belangt wurde, weil er mit
größeren Mengen einer mangelhaften Münze, die "Timpf" genannt
wurde, unerlaubten Handel getrieben hatte. Diese "Timpfe" waren vom
Münzmeister Andreas Timpf massenhaft geprägt worden.

In Norddeutschland und Polen, zwischen Bremen, Königsberg und
Krakau, gab es im 17. Jahrhundert sieben Münzmeister aus der
Familie Timpf, deren wechselvolles Schicksal unter verschiedenen
Monarchen ich in diesem Aufsatz schildern möchte.

Für den Namen Timpf gab es variable Schreibweisen: Tympf, Timpff,
Timpfe, Timp, Timpke, Timbken, Timmeke, und andere. Im Text werde
ich neben der häufigsten Form Timpf auch andere Formen aus den
verschiedenen Urkunden anführen.

Voranstellen möchte ich eine kurze Einführung in die Ämter und
Funktionen, die in einer Münzstätte vorkamen.


2. Münzmeister im 17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert gab es in Deutschland unter großen und kleinen
Fürsten eine Unzahl von Münzprägestätten, die oft nur für kurze
Zeit in Betrieb waren und teils, in der Zeit der schwedischen
Kriege, für wechselnde Herren prägten. Der "Münzfuß", das heißt
Größe und Wert der Münzen und das Wertverhältnis zwischen Gold-,
Silber- und Kupfermünzen, schwankte erheblich, so daß das Münzwesen
recht chaotisch war und den Handel beeinträchtigte. Während der
Taler im Deutschen Reich als eine Leitmünze galt, gab es bei den
kleineren Münzen allgemeine Verwirrung, besonders als im 30-
jährigen Krieg viele Münzherren ihren gesteigerten Geldbedarf
dadurch zu decken suchten, dass sie den Silbergehalt der Münzen
verringerten.

Silbermünzen waren auf die "Mark" Silber bezogen, wobei die
(kölnische) Mark eine Gewichtseinheit von etwa 234 Gramm war. Da es
keine geeichten Gewichte gab, hatte die Mark Silber in
verschiedenen Ländern ein mehr oder weniger abweichendes Gewicht.
Auch war die Definition der Münzen starken Schwankungen
unterworfen. So wurden "aus der Mark" 8 bis 10 Taler geprägt, oder
120 bis 190 "Doppelschillinge". Auf Einzelheiten kann ich hier
nicht eingehen.

Der Münzmeister, der seine Bestallung vom Landesherrn erhielt, war
der Leiter einer Werkstatt mit technischem Gerät, etlichen
Angestellten und einer sicheren Schatzkammer. Vom Landesherrn oder
von dessen Münzverwalter erhielt er die Anweisung, wieviele Münzen
er in welcher Grösse zu prägen hatte.

Der Münzmeister war dafür verantwortlich, dass aus der ihm
überlassenen Menge Edelmetalls die richtige Anzahl von Münzen
geschlagen wurde und dass sie aus echtem "Schrot und Korn" waren:
"Schrot" ist das Gewicht und "Korn" der Edelmetallgehalt. Das war
mit den damaligen technischen Mitteln keine leichte Aufgabe; denn
waren die Münzen ein wenig zu schwer, dann machte der Münzmeister
Verlust; waren sie eine Spur zu leicht, dann machte er Gewinn, aber
die Münzen gerieten in Verruf. So lagen Erfolg und Ruin eines
Münzmeisters oft dicht bei einander, wie wir auch in der Familie
Timpf sehen werden.

Nach Herstellung des Rohlings wurden die Münzen zwischen zwei
Münzstempeln mit dem Hammer geschlagen, wozu der Münzmeister einen
Schmied und einen Münzgesellen als Gehilfen hatte. Die Münzstempel
wurden von einem Künstler, dem Stempelschneider, angefertigt. Im
Münzbild findet sich oft, mehr oder weniger versteckt, ein
Münzzeichen, das den Prägeort angibt oder aber die Initialen des
Münzmeisters; so "AT" für Andreas Timpf.

Die Überwachung der Zusammensetzung der Legierung des Münzmetalls
("Feinheit") oblag dem "Münzwardein". Das seltsame Wort Wardein,
auch Gewardeyn und ähnlich, war aus dem mittelalterlich-
lateinischen Wort guardianus entstanden, das "Wärter" bedeutet.
Einmal im Jahr war "Probationstag", an dem Inventur gemacht und
geprüft wurde, ob der Münzmeister die richtige Anzahl Münzen
abgeliefert hatte.

Der Münzmeister bekam ein Gehalt zusätzlich zu seinen
nachgewiesenen Unkosten. Wie wir aber im Falle von Andreas Timpf
sehen werden, konnte der Münzmeister unter Umständen die ganze
Münzstätte pachten. Dadurch brauchte sich der Münzherr nicht um
Einzelheiten zu kümmern; er bekam aber nur das festgesetzte
Pachtgeld, während der Münzmeister, wenn er geschickt war,
beträchtliche Gewinne selbst einstecken konnte. Aber er trug auch
die volle Verantwortung und wurde für mangelhafte Münzen
belangt....


3. Simon Timpf, Münzmeister in Hanau

Simon Timpf ist der Stammvater einer Sippe von Münzmeistern; siehe
Tafel 1. Er ist ab 1607 beurkundet, und zwar als Münzmeister der
hessischen Grafschaft Hanau (4).


Tafel 1: Die Münzmeister-Sippe Timpf

Über seine Herkunft gab es widersprüchliche Angaben, die ich durch
eine Mitteilung aus dem Staatsarchiv Danzig klären konnte. Dort
liegt der 1673 ausgestellte Geburtsbrief (5) von Thomas Timpff, in
dem erstaunlicherweise nicht nur seine Eltern angegeben sind
sondern auch seine Großeltern: "Herrn Simon Timpffen,
Müntzmeistern, aus Minden in Westphalen bürtig, und Frawen Gerdrut
Timpffen, als welche er H. Simon Timpffe in der Stadt Aken
gefreyet".

Simon Timpffe wurde also in Minden geboren, etwa um 1550/1555. In
Aken, einer Stadt an der Elbe, nahe Dessau, heiratete er (etwa um
1580/1585) seine Frau Gertrud geborene Forst, "aus dem Geschlecht
von Forsten in der Stadt Aachen" stammen (6). Eine Hufschmied-
Familie Forst(er) kommt in Aken in den Kirchenbüchern (7) vor, die
freilich erst später einsetzen.

Den Vater von Simon Timpf konnte ich in Minden nicht ermitteln. Es
scheint sich um eine alteingesessene Mindener Familie zu handeln;
so findet man in Minden 1497 einen "Hermann Tympen" als Besitzer
eines Hauses bei St.Marien und 1525 einen Rentherr "Frederick
Tympe" (8). Die Mindener Bischöfe besaßen das Münzrecht, aber unter
ihren Münzmeistern konnte kein Tympe/Timpf gefunden werden (9).

Simon Timpf muß einen metallverarbeitenden Beruf gelernt haben, der
ihn schließlich dazu befähigte, Münzmeister zu werden. Wo er aber
zwischen seiner Hochzeit in Aken (um 1580/1585) und seiner
Münzmeister-Anstellung 1607 in Hanau lebte und wo seine Kinder
geboren wurden, das konnte ich nicht ermitteln.

Die Hanauer Münzstätte (4) lag in Münzenberg, etwa 50 km
nordwestlich von Hanau. Sie war erst um 1590 von Graf Philipp
Ludwig dem II. von Hanau in der alten Reichsburg Münzenberg
gegründet worden. Dort wurde Simon Timpf 1607 oder 1608 als
Münzmeister angestellt. Aber schon nach wenigen Dienstjahren wurde
seine Tätigkeit abrupt beendet. Im "Hanauer Dienerbuch" (10) sind
für das Jahr seiner Anstellung als Münzmeister nur drei Pünktchen
eingetragen; dann folgt: "Anno 1612 war er schon ab. Er mag mit
Unwillen seyn erlassen worden. Denn ... die Hanauische Münz ...
wäre an Schrot und Korn nicht echt. In Nürnberg wurde dieselbe
unter den verbottenen angeschlagen ...". Also: Seine Münzen waren
so mangelhaft, daß sie in der wichtigen Handelsstadt Nürnberg nicht
mehr angenommen wurden. Aber das war womöglich nicht dem
Münzmeister anzukreiden sondern dem Grafen Philipp Ludwig, der im
Jahre 1610 eine Münzteilung einzuführen versuchte, die sonst nicht
üblich war: ein halber Gulden zu 13 1/2 Albus.

In seiner Amtszeit wurden Taler, Guldentaler, Dreikreuzer, Pfennige
und anderes geprägt, aber einiges davon war nicht ordnungsgemäß zur
Prüfung vorgelegt worden. 1612 wird Simon Timpf in den Hanauer
Probationsakten erwähnt, aber da war er schon nicht mehr in Hanau.
Es heißt, daß ihm die Herausgabe seiner "Documenta" verweigert
wurde, "bis der Ordnung von ihm, Timpen, Genüge geschieht". Er
hatte den Dienst verlassen, bevor ein langwieriger Streit geklärt
war: Der Graf beanspruchte 3000 Gulden von seinem Münzverwalter
Peter Arnberger/Arenburch, und dieser behauptete, der Münzmeister
hätte zu wenig abgeliefert und schulde ihm noch 281 Mark an
geprägtem Gelde.

In einer Randnotiz des Dienerbuches ist für 1614 (schwer lesbar)
ein Daniel Tym(pf?) erwähnt. Das könnte Simons Sohn sein, über den
aber weiter nichts bekannt ist. Ein anderer Timpf-Sohn war Samuel,
der schon 1609 für seinen Vater Geschäfte in Hanau besorgte.

4. Simon Timpf unter dem Fürstbischof von Bremen

Trotz seines unrühmlichen Abganges in Hanau finden wir Simon Timpfe
bereits 1611 als Münzmeister des Erzbischofs von Bremen. Dass hier
ein Münzmeister aus Minden angestellt wurde, dürfte auf enge
Beziehungen zwischen beiden Städten zurückgehen, seit im Jahre 1558
der Mindener Bischof Georg von Braunschweig-Wolfenbüttel auch
Erzbischof von Bremen wurde (8).

Innerhalb des Gebietes der Freien Reichsstadt Bremen unterstand dem
Bischof nur der Dombezirk. Aus Platzmangel war die Verwaltung
seines Bistums, das den Raum zwischen Unterweser und Unterelbe
umfasste, nach Vörde, dem heutigen Bremervörde, ausgelagert. Dort
errichtete Erzbischof Johann Friedrich im Jahre 1611 seine
Münzstätte (11), in der Simon Timpfe von 1611 bis 1614 in
bedeutendem Umfang Münzen prägte (12), siehe Abb.1.

Außerdem hatte der Bremer Erzbischof eine Münze für Holstein in
Burg auf Fehmarn, die um 1612/1616 ebenfalls dem Münzmeister Simon
Timpfe unterstand. 1614 wurde die bremische Münzstätte von Vörde
nach Stade verlegt, wo unter Simon Timpf ab 1615 gemünzt wurde
(13). Dort wurde er als "Monnoyeur de Furden" (= Münzmeister von
Vörde) bezeichnet; 1619 steht "Simon Timp de Muntmeister" in einer
Liste für gezahlte Biersteuer (14).


Abb.1: Münzen des Bistums Bremen, geprägt für Erzbischof Johann
Friedrich vom Münzmeister Simon Timpf in Vörde. - a: Ein "Bremer
Grotte" von 1611. - b: Vier Groschen (über dem Wappenschild kaum zu
sehen "4 GROS"). - c: Ein silbernes Zwei-Schilling-Stück von 1613
(am linken Rand: "II SL ARG 1613"). - d: Ein silberner Taler von
1612. - e: 10 Dukaten in Gold, ohne Jahreszahl. - Fotos:
Kunsthistorisches Museum Wien.

Nebenher fungierte er von 1615 bis 1619 auch als Münzmeister in
Harburg, wo Herzog Wilhelm von Lüneburg-Celle im Jahre 1615 eine
neue Münzstätte errichtet hatte, hauptsächlich wohl um für seinen
aufwändigen Hofstaat Einkünfte zu erzielen (15). Er sah sich
genötigt, auf einem Probationstag im Mai 1616 in Lüneburg und auf
einem Kreistag im September 1617 in Braunschweig zusammen mit
seinem Münzmeister Simon Timpfe aufzutreten, um die Anerkennung
seiner Harburger Münzstätte gegen den Widerstand anderer
Münzherren des niedersächsischen Kreises durchzusetzen.

Er hatte aber bereits im September 1615 seine neue Münzstätte an
Simon Timpfe verpachtet. Dieser musste ihm eine jährliche Pacht von
600 Talern zahlen sowie "zum Eingange und glücklichen Antritt"
einen ansehnlichen Pokal verehren. Timpfe erhielt von jeder
vermünzten "feinen Mark Silbers" einen bestimmten Betrag, von dem
er alle Unkosten und das Pachtgeld finanzieren musste. Er sollte
auch die Beschaffung des Edelmetalls selbst besorgen, so dass er
nur durch günstigen Silbereinkauf einigermaßen auf seine Kosten
kommen konnte. Am 4.Oktober 1615 wurde er vereidigt. Er prägte in
Harburg für Herzog Wilhelm Reichstaler und anderes mit "gekreuzten
Zainhaken" als Münzmeisterzeichen; siehe Tafel 1 und Abb.2.

Abb.2: Ein Reichstaler von Herzog Wilhelm von Braunschweig und
Lüneburg, geprägt 1617 in Harburg von Simon Timpf. Sein
Münzmeisterzeichen ist auf der Wappenseite oben links zu sehen, am
Ende des Spruches "Dominus providebit" (Der Herr wird's richten).

In dieser Zeit, in der er weiterhin bremischer Münzmeister war,
wohnte er in Stade, über 60 Jahre alt, so dass ihm für sein Amt in
Harburg am 23.3.1618 altershalber sein Sohn Thomas "adjungiert"
wurde (11). Anfang 1621 starb er: Am 2.2.1621 kauften "Simon
Timbkens Erben" ein Erbbegräbnis in der Stader St.Johannes-Kirche,
wo er am 4.2. begraben wurde. Und am 6.7.1623 wurde die
Sterbeglocke für Simon Timpf des Münzmeisters Frau geläutet (14).

1659 verbrannten im großen Stader Stadtbrand die Kirchenbücher und
die größten Teile des Stadtarchives (16). So lässt sich die Familie
Timpf nicht aus den Kirchenbüchern erschließen. Aber aus anderen
Quellen ist zu ersehen, dass Simon mindestens die folgenden 6
Kinder hatte (siehe Tafel 1).

1: Simon; er stirbt in Stade als "Simon Tympen, Fürstl. Gnaden
Muntzmeisters Sohn von Vorde"; weiteres siehe gegen Ende des
Kapitels 5.

2: Samuel, Münzmeister in Holstein, siehe Kapitel 8.

3: Thomas, 1618 seinem Vater in Harburg als Münzmeister adjungiert;
siehe Kapitel 5.

4: Sophie: am 17.8.1614 ist "Sophie Trimpen", Tochter "du Monnoieur
de Furden", Taufpatin bei der Tochter Sara von Steffen Doppegießer
(17).

5: Peter, Münzmeister, "des vorigen Münzmeisters Sohn"; siehe
Kapitel 6.

6: Hinrich, Goldschmied und Münzwardein in Stade; siehe Kapitel 7.

Ein weiterer Sohn mag der 1614 in Hanau erwähnte Daniel Tym(pf?)
sein, über den aber sonst nichts bekannt ist.

Im Jahr 1621, als Simon Timpf starb, wurde das Land von den
Schweden besetzt, die die Bistümer Bremen und Verden
säkularisierten und dann im Westfälischen Frieden unter der
schwedischen Krone das Herzogtum Bremen-Verden mit Verwaltungssitz
in Stade errichteten.



5. Thomas Timpf, Münzmeister in Harburg

Ein ungewöhnlicher Harburger Taler von 1617 zeigt zwei
Münzmeisterzeichen (15): auf der einen Seite das von Simon Timpf,
auf der anderen das seines Sohnes Thomas; siehe Abb.3. Thomas war
also bereits Mitarbeiter seines Vaters, dem er am 23.3.1618
förmlich "adjungiert" wurde. In diesem Jahr heiratete er in der
reformierten Kirche die Maria de la Ruelle (18).

Am 1.10.1619 trat er in den Pachtvertrag seines Vaters und wurde
alleiniger Münzmeister in Harburg. Dazu überreichte er dem Herzog
als Präsent einen prächtigen Schautaler (15). Er musste nun aber,
statt der bisherigen 600 Taler, eine jährliche Pacht von 1000
Talern an Herzog Wilhelm zahlen. Um so hohe Einkünfte zu erzielen,
musste er jährlich etliche tausend Taler prägen (Abb.4), woraus
sich alsbald ein Streit mit der benachbarten Stadt Hamburg
entwickelte.

In diesen Jahren münzte er auch für andere Herren (11). 1618, 1619
und 1620 gibt es Vörder Münzen mit seinem Münzzeichen. Auch münzte
er 1620 für das Domkapitel zu Verden und 1623 für Herzog August den
Jüngeren zu Hitzacker, und zwar für beide von Harburg aus.

In dieser Zeit mitten im 30-jährigen Krieg führte der Brauch, durch
höchste Ausnützung des Münzrechts vermehrte Einnahmen zu erzielen,
zu unguten Entwicklungen. Mit der schwieriger werdenden Beschaffung
des Silbers wurden drei Juden in Altona betraut, denen sogar
Münzbefugnisse übertragen wurden. Sie konnten aber ihren
Verpflichtungen nicht nachkommen, flüchteten und wurden schließlich
festgenommen. Da der Herzog seinen Münzmeister für dieses
fehlgeschlagene Unternehmen verantwortlich machte, wurde Thomas
Timpf zum 1.4.1625 entlassen, wobei er dem Herzog eine größere
Summe schuldig blieb (15).

Ein Vetter von Herzog Wilhelm zu Harburg war Herzog Christian zu
Celle, der nebenbei auch erwählter Bischof des Stiftes Minden war
und in Winsen an der Luhe eine Münzstätte betrieb. Um diesen
Münzmeisterposten bewarb sich um die Jahreswende 1623/1624 Thomas'
Bruder "Simon Timpf der jüngere, des gestorbenen Münzmeisters Simon
Timpfens säliger Sohn". Dazu schickte Herzog Wilhelm ein
Empfehlungsschreiben (15) an Herzog Christian. Aus dieser
Bewerbung wurde aber nichts, und Simon junior starb kurz darauf in
Stade (19).

Statt dessen bewarb sich nun Thomas Timpf, als ihm in Harburg
bereits die Entlassung drohte, am 17.1.1625 bei der Münzstätte in
Winsen. Im Oktober 1626 und im Oktober 1627 bat er abermals um
Anstellung, wobei er fünf Münzen als Probe mitschickte (15). Aber
sein Gesuch wurde abgeschlagen und die Stelle wurde anderweitig
besetzt. Thomas war noch keine 40 Jahre alt; sein weiteres
Schicksal ist nicht bekannt.



6. Peter Timpf, Münzmeister in Holstein und Stade

Simons Sohn Peter Timpf lebte zunächst in Stade. Das Land war nun
unter schwedischer Besetzung. 1629 ließ "Peter Timmeke" sich seiner
Großmutter "Stede" (= Kirchenstuhl) zuschreiben (14).

Er ging dann aber nach Holstein, wo er im Jahre 1634 als
Münzmeister bei Herzog Friedrich zu Schleswig-Holstein beurkundet
ist. Er hatte dieses Amt von seinem älteren Bruder Samuel
übernommen, der es seit 1617 innegehabt hatte (20); siehe Kapitel
8. Am 26.4.1634 verfasste der Wardeyn Heinrich Pulß für den Herzog
eine ausführliche Abrechnung "wegen des durch Peter Timpfen zum
ersten mahl vermüntzten Silbers". Darin ist von 2476 Talern die
Rede. Und am 20.5.1634 verfassten "Heinrich Pulß und Peter Timpfe,
fürstliche holsteinische respective Wardeyn und Müntzmeister" einen
gemeinschaftlichen Revers über ihre Verpflichtungen, nachdem sie
vom Herzog eine Silberlieferung von 134 Pfund und 31 Lot erhalten
hatten, und zwar in zwei großen Stücken gegossenen Silbers (21).

Nach wenigen Jahren bewarb sich Peter an die Münze seiner
Heimatstadt Stade. Hier war nach dem Tod von Simon Timpf 1621 ein
anderer Münzmeister tätig gewesen (22); er prägte mit der
Jahreszahl 1621 und dem Münzzeichen HB, das bisher nicht gedeutet
werden konnte. Dann ruhte die Ausmünzung und wurde erst 1640 wieder
aufgenommen (13).

1638 erhielt "Peter Timpfe, des vorigen Münzmeisters Sohn" in Stade
einen "Contract" als Münzmeister. Unter anderem sollte er prägen:
"Rthaler" und "Orther" (das sind Vierteltaler) "nach Reichs Schrot
und Corn"; "Dreischillinge, 12 Loth, 136 Stück auf die Mark". Er
lebte aber noch in Fehmarn, erschien nicht in Stade und konnte
seinen Contract nicht einhalten. Darauf wurde am 11.7.1639
beschlossen, einen anderen Münzmeister zu engagieren. Doch am
9.12.1639 ließ Peter Timpfe durch einen Diener verhandeln; er gab
an, dass er nicht aus Vorsatz sondern aus Schwachheit ferngeblieben
sei und dass er sich einstellen wolle, sobald er wisse, "wie es
wegen der verflossenen Zeit solle gehalten werden". Nachdem der Rat
ihm zusicherte, dass er "ungefährdet bleiben solle", traf er 1640
in Stade ein. Er prägte Münzen mit der Jahreszahl 1640 und dem
Münzmeisterzeichen PT. Die Münzen hatten jedoch nicht den
vorgeschriebenen Feingehalt, und im März 1641 wurde er von den
aufgebrachten Stader Bürgern bedroht, so dass der Münzmeister sich
wiederum beschwerte, "die Bürger wollten ihm den Kopf
entzweischlagen"; daher "wolle er lieber die Stempel niederlegen",
was dann wohl auch geschah.

In der Folge fungierte er von 1641 bis 1643 in Vörde als
Münzmeister für Erzbischof Friedrich von Bremen, als dieser sich
kurze Zeit gegen die Schweden behaupten konnte. Doch bereits 1645
okkupierte Schweden abermals das erzbischöflich bremische Gebiet,
das im Frieden von 1648 vollends säkularisiert wurde. In Vörde war
Peter Timpfe der letzte Münzmeister, und nach ihm ist hier nicht
mehr geprägt worden (13).

In dieser Zeit lebte er weiter in Stade, trotz seines lädierten
Ansehens bei den Stader Bürgern. Im Chor von St.Johann wurden am
12.1.1643 sein Kind und Ostern 1647 seine Frau beigesetzt (14).

Am 22.3.1649 wurde Peter Timpfe als Münzmeister in Stade von der
neuen Regierung angestellt. So münzte er 1649 und 1650 in
schwedischen Diensten für das Herzogtum Bremen-Verden. Am
22.3.1649 wurde er für zunächst drei Jahre zum Münzmeister
bestellt: "Acta betr. Bestallung des Münzmeisters P. Timpfen für
das Herzogtum Bremen" (23). Er prägte Dukaten, Thaler, Dütchen,
Doppelschillinge, Sechslinge (13).

In die Zeit der Münzmeister Timpfe, Vater Simon und Söhne, fällt
eine numismatische Eigenheit. In Stade und Bremen wurden fremde
Münzen, zum Beispiel Lübecker Doppelschillinge, mit kleinen, etwa
6 mm großen "Gegenstempeln" versehen, die das Stader Stadtwappen,
einen aufrechten Schlüssel mit Bart nach links, oder das Bremer
Wappen, einen schrägen Schlüssel mit Bart nach rechts oben, zeigen.
Die Prägung des kleinen Gegenstempels wurde einfach über die
Originalprägung drübergeschlagen. Den Gegenstempel bekamen nur die
"guten" Münzen, um sie von den neueren Münzen, die aus schlechter
legiertem Silber geprägt waren, unterscheiden zu können.

Der Numismatiker Rudolf Meier (22) berichtete von einem Harburger
Doppelschilling (1/16 Taler) aus dem Jahre 1617, der von Simon
Timpf in Harburg geprägt worden sein muss und der später, wohl von
Peter Timpfe, einen Gegenstempel der Stader Münzstätte erhielt
(Abb.3).

Abb.3: Harburger Doppelschilling (= 1/16 Taler) von 1617 mit dem Gegenstempel von Stade (kleiner Schlüssek unterhalb der Mitte der Münze). Die Harburger Prägung muss von Simon Timpfe, der Stader Gegenstempel von Peter Timpfe sein. Vergrößert, das Original hat 27 mm Durchmesser.

Am 12.3.1657 ist in Stade ein neuer Münzmeister, Johann Schulze,
beurkundet. Peter Timpfe dürfte wohl gestorben sein.


7. Hinrich Timpke, Münzwardein in Stade

Hinrich Timpke oder auch Timbken, Sohn von Simon, und zwar wohl der
jüngste, erscheint in Stade ab 1625 als Goldschmiedemeister und
Siegelschneider. Unter seinen Lehrjungen sind seine Söhne Henrich
1646-1650 und Johan 1650-1654 (24).

1649 überwachte Hinrich als Amtsmeister einen Glockenguss. In
diesem Jahr wurde er von den Schweden für ihre neue Münzstätte in
Stade als Münzwardein eingesetzt (13). In dieser Funktion musste er
dem Münzmeister, also seinem Bruder Peter, die korrekte
Zusammensetzung der Münzlegierungen bestätigen, wozu er als
Goldschmied die richtige Ausbildung hatte.

Am 3.11.1653 überließ er, nunmehr an die 60 Jahre alt, seine Stelle
als Amtsmeister seinem gleichnamigen Sohn, der am 30.6.1654 die
Heiratserlaubnis erhielt. Beide wohnten in der Hökergasse, wohl in
der Nachbarschaft zur Stader Münze. Es scheint dann aber, aus
unbekanntem Grunde, ein Zerwürfnis gegeben zu haben, denn am
19.8.1658 wird "Henrich Timpke der Ältere seines Amtes verlustig,
nachdem er sich mit Haus und Familie wegbegeben hatte". Wohin er
ging, ist nicht bekannt. Er starb 1665, sein gleichnamiger Sohn
1703 (24).



8. Samuel Timpf, Münzmeister in Holstein und Rostock

Wir sahen schon, dass bereits 1609 in Hanau Samuel Timpf für seinen
Vater Simon Geschäfte erledigte; er dürfte also bereits vor 1590
geboren sein. 1612 bis 1616 war der Vater Simon in Burg auf Fehmarn
für die erzbischöflich-bremische Münze tätig; dabei assistierte ihm
der Sohn Samuel, der alsbald das Amt des Vaters übernahm und am
18.2.1617 Bürger in Burg auf Fehmarn wurde (25). Er ehelichte, wohl
ebenfalls im Jahr 1617, Magdalena, die Tochter des Burger
Bürgermeisters Andreas Eler und seiner Frau Magdalena geb. Rauert

(26). Hier wurde, wahrscheinlich 1618, der Sohn Andreas geboren,
auf den wir noch zu sprechen kommen werden.

Im Landesarchiv in Schleswig findet sich ein Akt von 1616/1617 über
den Münzmeister Samuel Timpf und dessen "in Lübeck vorenthaltenes
Silber". In dieser Zeit errichtete der holsteinische Herzog, der in
der Stadt Schleswig auf Schloss Gottorp saß, auf Fehmarn eine
Holstein-Gottorp'sche Münzstätte (11), bei der der (zuvor bremische)
Münzmeister Samuel Timpfe am 10.9.1617 angestellt wurde (27).

Es folgten etliche Funktionen in herzoglich holsteinischen Diensten
(28). 1620 wurde Samuel Timpf beauftragt, im Dorf Steinbeke, einer
alten holsteinischen Münzstätte, eine neue Münze einzurichten, und
am 1.12.1620 wurde er hier als Münzmeister bestätigt. Am 28.12.1622
wurde er Münzmeister in Schleswig. 1625 ist er als Münzmeister in
Kiel beurkundet. Noch im Jahr 1627 wird Samuel Timpe als
Münzmeister in Schleswig und Kiel erwähnt (29).

Es wird nun berichtet (20), dass er seinen Posten an seinen Bruder
Peter abtrat, der fortan als Münzmeister bei Herzog Friedrich von
Schleswig-Holstein tätig war, während Samuel sich nach Burg auf
Fehmarn begab, wo er "sich dem Ackerbau widmete". Er war also ein
"Aussteiger" - aber wohl nicht ganz freiwillig, denn aus seinen
letzten Dienstjahren gibt es zwei Prozessakte (30) über
"Münzwardein Heinrich Puls contra Münzmeister Samuel Timpe betr.
Gehaltszahlung 1622-1628" sowie "Münzmeister Samuel Timpe contra
Münzschmied Fritz Engelbrecht in puncto debiti wegen veruntreuten
Silbers 1625-1628".

Samuels Ackerbau währte 7 Jahre. Am 25.8.1635 bewarb er sich um die
Stelle des Münzmeisters in Rostock, die er dann über 20 Jahre bis
zu seinem Tod innehatte. Mit seinem Münzzeichen "ST" prägte er
Doppelschillinge, Taler, Dukaten, Kupferpfennige und andere Sorten
(20), siehe Abb.6.

In den Rostocker Ratsakten findet man über ihn nur spärliche
Nachrichten (31). 1637 ist Samuel Timpfe als Münzmeister in einer
Rostocker Baukostenrechnung genannt. In einer Liste der Rostocker
Münzmeister und Wardeine (32) werden für das Jahr 1650 Samuel
Timpke und (sein Sohn) Andreas Timpke genannt.

Am 26.12.1660 heißt es in einem Schreiben der Münzherren (das
heißt: der zuständigen Rostocker Senatoren), dass die
Münzmeisterstelle durch Absterben des Samuel Timpfe vakant sei.
Im März 1661 sollte die Stelle, die "des sel. Samuel Timpfe
gewesen", wieder besetzt werden (31). Er war aber bereits 1656
gestorben, und zwar in Güstrow. Als sein Nachfolger als Rostocker
Münzmeister wurde 1659 sein Sohn Andreas ernannt (20). Andreas
Timpf, der zu dieser Zeit bereits königlich-polnischer
Münzmeister war, sollte offenbar nach dem Tod seines Vaters
die Rostocker Münze mit versorgen, bis sie 1660 neu ausgeschrieben
wurde.

Samuels Witwe zog zu ihrem Sohn nach Danzig, wo sie 1674 starb und
am 29.11.1674 in der Danziger Marienkirche unter dem Stein 32
beigesetzt wurde, 78 Jahre alt (33).

Mangels erhaltener Taufregister in den fraglichen Orten konnten
Samuels Kinder nur teilweise erschlossen werden. Bisher wurden vier
Kinder aus ihren Heiratseinträgen (6,18) bekannt:

1. Der schon genannte Danziger Münzmeister Andreas Timpfe/Tympf,
der um 1618 in Burg auf Fehmarn geboren wurde. Siehe die Kapitel 9
bis 11.

2. Gertrud Livia Timpf, * 3.5.1625 in Kiel, + 9.2.1650 in Rostock,
oo 9.10.1643 in Rostock mit Dr.jur. Ambrosius Petersen, + 24.3.1670
in Wismar. Tochter: Magdalena Agneta, * 1647 in Rostock, oo mit
Christoph Niemann, Brauer in Wismar.

3. Magdalena Timpfe, * etwa 1627/1630 wohl in Kiel oder Burg, oo
1651 in Rostock mit dem Kaufmann und Brauer Reinhold Behn. Sohn:
Stefan Behn, * 1652, Kaufmann in Danzig.

4. Thomas Tympf, * um 1632, Kaufmann in Danzig und Münzmeister in
Polen und Ostpreußen. Siehe Kapitel 12.

Zusätzlich könnte das eine oder andere Kind um 1620 in Schleswig
geboren sein. Aber auch hier sind aus dieser Zeit keine Taufbücher
erhalten (34).


9. Andreas Timpf, Münzmeister in Lüneburg

Samuels Sohn Andreas Timpf wurde um 1618 in Burg auf Fehmarn
geboren. Mit seinem Vater zog er 1625 nach Rostock und lernte bei
ihm.

1643, also bereits im Alter von etwa 25 Jahren, wirkte er als
Münzmeister in Lüneburg, wo er als Nachfolger des entlassenen
Münzmeisters Jonas George zunächst einen Vertrag auf ein Jahr
erhielt. Er sollte die "goldenen und groben silbernen Sorten
(Talerwerte) schlagen". Die kleinen Münzen vom Doppelschilling
abwärts sollten "nach dem Gehalt" geprägt werden. Er verwendete das
Münzmeisterzeichen A; jedoch prägte er auch mit dem Münzeisen des
Vorgängers, ohne das Zeichen zu ändern.

Unter Herzog Friedrich von Braunschweig und Lüneburg gab es bei
einer Münzprobe Beanstandungen der von Timpfe geprägten Lüneburger
Doppelschillinge und Schillinge, so dass Andreas Timpfe 1649 den
Lüneburger Dienst verließ (35). Das Lüneburger Bürgerrecht hatte er
nicht erworben; er zog sich nach Stade zurück, wo zu dieser Zeit
sein Onkel Peter Timpf als Münzmeister fungierte. Drei Briefe,
datiert in Lüneburg im September 1649 und in Stade im Dezember
1649, richtete er an Bürgermeister und Rat der Stadt Lüneburg, um
auf Anschuldigungen eines Klägers zu antworten (36).

Derweil blieb seine Frau, eine gebürtige Lüneburgerin, noch in
Lüneburg zurück, wo sie 1650 einen Sohn bekam. Über die Familie
geben die Lüneburger Kirchenbücher Auskunft (37). 1646 heiratete
"der Erbar und edelvest Andreaß Timpfe die ehr- und tugendsame
Jungf(rau) Anna Rachow, des S(eligen) Joachim Rachow hinterbl.
eheleib. Tochter"; ihre Eltern, Joachim Rochauwe und Anna Wolmers
hatten 1609 geheiratet. Bisher konnte ich 4 Kinder ermitteln:

1. Die Tochter Concordia wurde (nach ihrem Sterbealter) um
1646/1647 geboren; jedoch konnte ich ihren Taufeintrag in Lüneburg
nicht finden. Sie wurde am 30.6.1716 in der Danziger Marienkirche
unter Stein 354 beigesetzt, 69 Jahre alt (38). Sie starb als die
Witwe des Danziger Münzwardeins Daniel Siewert, der um 1631 (in
Elbing?) geboren und am 13.8.1683 in Danzig beigesetzt wurde. Die
beiden Söhne, Daniel und Christian Siewert, wurden ebenfalls
Münzwardeine in Danzig und Königsberg.

2. Am 21.3.1648 wurde in Lüneburg die Tochter Anna geboren oder
getauft. Sie ist meine zweifache Ahnfrau. Aus zwei Ehen (39) bekam
sie in Danzig viele Nachkommen, so dass sie oftmals in Danziger
Ahnentafeln aufscheint, wobei über ihren Geburtsort falsche Angaben
kursieren (40). In erster Ehe heiratete sie 18-jährig am 28.2.1666
in der Danziger Marienkirche den Kaufmann Johann Renner aus einer
Danziger Tuchhändlerfamilie, welche um 1605 vorübergehend auch in
Lemberg ansässig gewesen war. In der selben Kirche heiratete sie am
23.5.1688, nun bereits 40-jährig, den Leipziger Kaufmann und
Ratsherrn Hartmann Maul, der 1672 nach Danzig gekommen war und hier
ebenfalls Ratsherr und schließlich Richter wurde. - Heinrich
Renner, ein Sohn der Anna Tympf aus erster Ehe, und Anna Maul, ihre
Tochter aus zweiter Ehe, sind beides meine Vorfahren (41); siehe
Tafel 2.

3. Eine Tochter Magdalene Timpfe ist am 16.4.1649 im Lüneburger
Taufbuch eingetragen.
4. Am 9.12.1650 steht im Lüneburger Taufbuch: Samuel Matthieß
filius Andreas Timpff.

Wahrscheinlich hat Andreas Timpf an seinen späteren Wohnorten
weitere Kinder bekommen.

Tafel 2: Die Abstammung des Autors von zwei Kindern der Anna Tympf


10. Andreas Timpf, Münzmeister in Rostock

Nach seinem unrühmlichen Abgang in Lüneburg bemühte sich Andreas
Timpf von Stade aus um einen neuen Posten. Zunächst erschien er
1650 bei seinem Vater Samuel in Rostock, aber nur vorübergehend,
denn noch im gleichen Jahr wurde er königlich polnischer
Münzmeister, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden.

Von Polen aus sollte Andreas Timpf nach dem Tod seines Vaters
Samuel in den Jahren 1659/1660 die Münzmeisterstelle in Rostock
übernehmen, wobei es aber Probleme gab (42): Im Mai 1659 mussten
seine Rostocker Schwäger Ambrosius Petersen und Reinhold Behn beim
Rostocker Rat intervenieren, weil "unser Schwäger Andreas Timpffe,
bestalter Müntzmeister alhier zu Rostock, nach erhaltener
Vocation..." sich noch nicht einfinden könne; er habe noch
Geschäfte in Polen, sei aber unterwegs und werde wohl zum
Pfingstmarkt erscheinen. Er erschien aber nicht und erbat sich am
3.Juni 1659 weitere "Dilatation".

Er war dann kurze Zeit in Rostock tätig, wie sein Münzzeichen AT
auf Doppelschillingen von 1659 und Kupfermünzen von 1660 belegen.
Hier ist auch sein Wappen überliefert: 5 Pfennige im Schild und
auf dem Helm ein x zwischen zwei Hörnern.

Dann aber war er schon wieder in Polen und kümmerte sich nicht um
seine Rostocker Verpflichtungen, so dass der Rat im Mai 1660
beschloss, ihm einen letzten Aufschub bis zum kommenden Pfingstfest
zu gewähren. Als er auch zu diesem Termin durch Abwesenheit
auffiel, ließ der Rat "seine Güter versiegeln", wobei es sich wohl
um den vom Vater ererbten Besitz handelte. Sein jüngerer Bruder
Thomas Timpfe musste sich nun beim Rostocker Rat dafür einsetzen,
"die Siegel von seines Bruders Andreas Gütern abnehmen lassen zu
wollen".

Man kann Andreas Timpf als einen Hochstapler ansehen, wenn er neben
seinen Pflichten in Polen auch die Münzmeisterstelle in Rostock
annahm, ohne in der Lage zu sein, den Rostocker Verpflichtungen
nachzukommen. Aber am 3.Mai 1660 war mit dem Frieden von Oliva der
polnisch-schwedische Krieg beendet worden, so dass der polnische
König seinem Münzmeister neue wichtige Aufgaben auftrug. So konnte
Andreas Timpf den Vertrag mit dem Rostocker Rat nicht erfüllen und
musste die Beschlagnahme seines Rostocker Besitzes in Kauf nehmen.



11. Andreas Timpf, Münzmeister der polnischen Krone

Zu dieser Zeit nach dem Ende des 30-jährigen Krieges war nicht nur
ganz Norddeutschland von den protestantischen Schweden besetzt;
auch der polnische König Johann II. Kasimir, der (in der Zeit des
polnischen Wahlkönigtums) von 1649 bis 1668 regierte, stammte aus
der schwedischen Königsfamilie, freilich aus dem katholischen Zweig
des Hauses Wasa. Und die Verwandtschaft der Monarchen in Schweden
und Polen hinderte sie nicht daran, erbitterte Kriege um die
Vorherrschaft an der Ostseeküste zu führen, besonders nachdem der
Schwedenkönig Karl X. Gustav im Jahre 1655 den alten Erbfolgestreit
mit Johann Kasimir wieder aufnahm und in Polen einfiel. Es folgte
der Nordische Krieg bis 1660.

In unterschiedlicher Abhängigkeit zur polnischen Krone standen die
vier Teile des deutschsprachigen Landes Preußen:
- das lutherische Herzogtum Preußen mit der Hauptstadt Königsberg,
das von Herzog Friedrich Wilhelm in den Friedensverträgen von Wehlau
1657 und Oliva 1660 aus der polnischen Lehnshoheit befreit wurde;
- das katholische Ermland, dessen Fürstbischof unter dem Schutz
der polnischen Krone einen nahezu selbständigen Staat regierte;
- der westpreußische Städtebund, der seit der "Union von Lublin"
1569 dem polnischen Staat einverleibt worden war aber weiter einen
eigenständigen Landtag hatte;
- und die Stadt Danzig, die sich unter der losen Oberherrschaft des
polnischen Königs ihre Freiheiten als Stadtstaat bewahren konnte (43).

Von 1650 bis 1667 war Andreas Timpf königlich polnischer
Münzmeister, und zwar an vielen verschiedenen Münzstätten (44).
Während bis 1644 nur eine einzige königlich polnische Münzstätte in
Bromberg bestanden hatte, eröffnete König Johann II. Kasimir ab
1650 weitere neue Münzstätten, die von Andreas Timpf betreut
wurden. Ihm unterstanden aber nicht die preußischen Münzstätten;
die preußischen Städte Danzig, Thorn und Elbing prägten zwar mit
dem Bildnis des polnischen Königs, hatten aber ihre eigene
Münzhoheit behalten, die ihnen 1457 auf ewige Zeit von König
Kasimir dem IV. bestätigt worden war. Schon Nicolaus Copernicus
hatte für den preußischen Landtag um 1525/1530 an einer Münzreform
gearbeitet (45).

Die Abb.7 zeigt einen Danziger "Ort" zu 18 Groschen von 1652, der
auf der einen Seite das Bildnis Johann Kasimirs zeigt, auf der
anderen Seite das Danziger Wappen mit der Inschrift "Civitas
Gedanensis" (Stadt Danzig). Der Danziger Münzmeister mit dem
Zeichen "GR" war Gerhard Rogge, Sohn des Danziger Bürgermeisters
Johann Rogge, der ebenfalls zu meinen Vorfahren zählt. Gerhard
Rogge hatte zuvor von der Stadt Thorn auch die dortige Münzstätte
gepachtet (46); einen seiner Thorner Taler zeigt die Abb.7.

Andreas Timpf übernahm die 1650 neu eröffneten Münzstätte (44) in
Posen. Einen Posener Taler mit dem Münzmeisterzeichen AT zeige ich
in Abb.8. Die Umschrift lautet: "Ioan Casimirus D.G.(=Dei Gratia)
Rex Polo. & Svec. M.D.L.R.P." Hier sieht man, dass Johann Kasimir
neben seinen Titeln "König von Polen" und "M.D.L.R.P. = Großfürst
(Magnus Dux) von Litauen, Russland und Preußen" den Anspruch erhob,
auch König von Schweden ("Svec") zu sein: selbstverständlich konnte
der wirkliche Schwedenkönig Karl X. Gustav diesen Anspruch nicht
dulden und musste gegen seinen polnischen Vetter Krieg führen.

Eine andere neue Münzstätte, die Andreas Timpf 1650 übernahm, war
in Fraustadt. (Fraustadt, polnisch Wschowa, südwestlich von
Posen nahe der schlesischen Grenze gelegen, kam erst 1918 von der
Provinz Posen an die preußische Provinz Schlesien; zuvor hatte es
immer zum Königreich Polen gehört.) Wegen seiner zahlreichen
Pflichten ließ sich Andreas Timpf in Posen und Fraustadt ab 1661
durch seinen Bruder Thomas vertreten.

Gleichzeitig war Andreas Timpf auch Wardein der königlichen Münzen
in Krakau, Bromberg und Lemberg. Letztere wurde 1656 eröffnet,
nachdem einige Münzstätten von den Schweden, die bis Krakau
vordrangen, besetzt wurden.
Als Folge von Kriegswirren war das oberschlesische Oppeln vom
Wiener Habsburger-Kaiser 1645 an Polen verpfändet worden, so dass
die Oppelner Münzstätte wieder eröffnet und von Johann Kasimir
1657-1664 an Andreas Timpf verpachtet wurde, von diesem aber
zeitweise (1660-1661) an seinen Bruder Thomas übergeben wurde (44),
siehe Abb.8. Bald darauf kam Oppeln 1666 wieder an Habsburg.
Nach dem Friedensschluss mit Schweden am 3.Mai 1660 in Oliva bei
Danzig erhielt Andreas Timpf von König Johann Kasimir den Auftrag,
die Bromberger Münzstätte wieder zu errichten, die einige Jahre
zuvor im Krieg geschlossen worden war. Sie wurde erst dem Thomas
Timpf, dann 1662 den Brüdern Andreas und Thomas Timpf gemeinsam
übergeben.

Trotz des Friedensschlusses mit Schweden erteilte Johann Kasimir
seinem Münzmeister den Auftrag, auf den Münzen den Anspruch auf die
schwedische Krone aufrecht zu erhalten. Auch noch nach 1660 zeigen
die Münzen in ihrer Umschrift: "Rex P&S", König von P(olen) und
S(chweden); siehe Abb.4.

Abb.4: Polnische Münzen von König Johann Kasimir.

Oben: Taler geprägt von Andreas Timpf 1652 in Posen; "Moneta Nova
Reg(ni) Polo(ni) Posnan". Die Buchstaben A T rechts und links vom
Wappenschild sind sein Münzmeister-Zeichen. Im Schild sieht man die
Wappen von Polen (Adler) und Litauen (Reiter). Im Herzschild ist
ganz klein auch das schwedische Wappen mit drei Kronen zu sehen,
denn Johann Kasimir stellte Ansprüche auf den schwedischen Thron:
"REX POLO & SVEC" - König von Polen und Schweden.

Mitte links: Silbernes Dreigroschen-Stück, geprägt von Andreas
Timpf 1662. Sein Münzmeister-Zeichen sieht man am oberen Rand links
und rechts von der römischen Drei: "A III T".

Mitte rechts: Zwei Dreikreuzer-Stücke geprägt in Oppeln, 1657 von
Andreas Timpf (Buchstaben A und T links und rechts vom Adler),
1661 von Thomas Timpf (T T).

Unten: Silbernes Sechsgroschen-Stück, geprägt 1665 von Andreas
Timpf (A T). Selbst noch nach dem Frieden von Oliva erhebt Johann
Kasimir den Anspruch, nicht nur König von Polen sondern auch König
von Schweden zu sein: "Rex Pol & S".


1661 wurde Andreas Timpf bis 1667 auch nomineller Leiter der
Krakauer Münzstätte (Abb.9), aber ausübender Münzmeister war
wiederum sein Bruder Thomas (44). Verschiedentlich wird er als
"Münzpächter der polnischen Krone" bezeichnet, wobei offenbar der
Bruder Thomas als Münzmeister sein Untergebener war.
In den folgenden Jahren wurden die meisten der polnischen
Münzstätten wieder geschlossen, so Posen 1662, Lemberg 1663,
Bromberg 1666. Damit war auch die Anstellung von Andreas Timpf
beendet. Seitdem ließ Johann Kasimir nur noch in Krakau prägen.

Zwischen den verschiedenen Münzstätten muss Andreas ständig auf
Reisen gewesen sein. Wo aber seine Familie lebte, ist nicht klar;
zeitweise wohl in Thorn, denn für seine Tochter Anna wird bei ihrer
Hochzeit in Danzig 1666 die Herkunft "aus Thorn" angegeben (39),
obgleich sie in Lüneburg geboren war.

Vielleicht lebte die Familie zeitweise auch in Bromberg oder
Danzig: Im Danziger Gymnasium wurden 1665 die aus Bromberg
kommenden Brüder Johann Andreas und Mathias Tympf und 1666 die in
Danzig geborenen Brüder Christian und Lorenz Timp eingeschrieben,
die Söhne von Andreas sein können, über die aber sonst nichts
bekannt wurde (46).

Zeitweise wird die Familie in Posen gelebt haben. Dort sind aber
aus der fraglichen Zeit weder evangelische noch katholische
Kirchenbücher erhalten (47). Matthias Timpff/Tympf "aus Posen"
heiratete die aus Hamburg-Billwerder stammende Elisabeth Janssen,
Tochter des 1704 in Billwerder gestorbenen Jacobus Janssen. Aus
dieser Ehe gab es drei Kinder: Susanna, Jacob und Elisabeth Timpf (48).

Wenn auch die Timpf-Familie zeitweise in Danzig lebte, ist Andreas
nicht Danziger Münzmeister gewesen (44). Obgleich die Danziger
Münzen dieser Zeit das Bildnis Johann Kasimirs trugen,
unterschieden sie sich seit 1656 durch einen besseren Münzfuß von
den polnischen Münzen. Das führte schließlich dazu, dass Andreas
Timpf vom Danziger Rat beschuldigt wurde, schlechtes Geld geprägt
zu haben. Seiner Gefangennahme entkam er durch die Flucht nach
Hamburg.

Die gute Qualität der Danziger Münzen stand unter der Aufsicht des
Wardeins Daniel Siewert, der erstaunlicherweise in zweiter Ehe
Concordia Timpf heiratete, die Tochter des geflüchteten
Münzmeisters.

Andreas Timpf setzte sich auf einem Gut in Dänemark zur Ruhe. Als
seine Tochter Anna in Danzig 1688 ein zweites Mal heiratete, wurde
als ihr Vater angegeben: Andreas Timpf, dänischer Erbherr auf
Sulstedt/Låland (38).

In Dänemark tauchte "Jean Andreas Timpf" als "Assessor im
Kopenhagener Kommercekollegium" auf. 1667 kaufte er vom Oberst
Jacob Gewecke, seinem Vetter, den Herrensitz Söllestedgård (49).
Nach dem Tod seiner (aus Lüneburg stammenden) Frau am 7.2.1669
heiratete Andreas Timpf (auch Anders Timphe) ein zweites Mal, und
zwar die Agneta Wagner aus Lübeck. Hierbei wurde ihm, wie es einer
hochgestellten Persönlichkeit zukam, von der "Kanzlei" in
Kopenhagen gestattet, das Begräbnis seiner Frau um 4 Wochen
aufzuschieben und seine Heirat in Söllestedgård ohne vorheriges
Aufgebot durchzuführen. Am 6.8.1674 heiratete seine (in Lüneburg
geborene) Tochter Magdalena Elsabet Timphin zu Söllestedgård den
Abraham Siverts aus Stettin (50).

Im Jahre 1690 verkaufte Timpf seinen Besitz an den Stiftsamtmann
Henning Ulrich von Lützow (49). Wo Andreas Timpf nach 1690 lebte
und wann er starb, ist nicht bekannt.


12. Thomas Tympf, Münzmeister in Königsberg

Thomas Tympf, der jüngere Bruder von Andreas, wurde nach seinem
Sterbealter um 1632 geboren, als der Vater Samuel noch Münzmeister
in Holstein war. Er muss dann bei seinem Vater in Rostock
aufgewachsen sein. Um 1657 lebte er als Kaufmann in Danzig, wo er
die Kaufmannstochter Ursula Wichmann heiratete; sein Sohn Andreas
wurde am 6.9.1668 in der Danziger Marienkirche getauft (46).

Wir sahen schon, dass Thomas Tympf sich im Jahre 1660 in Rostock
für seinen Bruder Andreas einsetzte. Und wie schon erwähnt (44),
leitete er vorübergehend anstelle seines älteren Bruders Andreas
die Münzstätten in Posen und Fraustadt (1659-1662), Oppeln (1660-
1661), Bromberg (1660-1666) und in Krakau (1661-1667). Danach lebte
er wieder in Danzig.

Für die drei Jahre 1669-1672 pachtete Thomas Tympf die Münze in
Königsberg (51). Hier münzte er für den preußischen Herzog
Friedrich Wilhelm (52), der einige Jahre zuvor die Unabhängigkeit
seines Herzogtums von der polnischen Krone errungen hatte, und der
in Brandenburg als "der große Kurfürst" bekannt wurde.

Seine polnischen und Königsberger Prägungen zeigen das Münzmeister-
Zeichen TT (Abb.4 u.5).


Abb.5: Münzen des Herzogtums Preußen, geprägt in Königsberg
für "Fridr. Wilh., Supremus Dux in Prussia" vom Münzmeister
Thomas Timpf. - a: Ein Schilling von 1669, "Solid(us) Prussiae
Ducalis" = Schilling des herzoglichen Preußen. - b: 1/3 Taler
von 1669. - c: 2/3 Taler von 1671. - d: 1/2 Gold-Dukat von 1670.
- e: Ein Gold-Dukat von 1672. - f: 2 Dukaten in Gold von 1670.

Das Münzmeister-Zeichen TT ist jeweils links unter dem Porträt-
Kopf zu sehen; bei dem kleinen Halb-Dukaten-Stück sieht man das
Zeichen TT auf der Adlerseite unten rechts und links von der
Schwanzspitze. - Fotos: Kunsthistorisches Museum Wien.

Nach Abschluss seines Vertrages in Königsberg kehrte er nach Danzig
zurück. Am 20.6.1673 erhielt er das Danziger Bürgerrecht als ein
Kaufmann, nachdem er sich aus seiner Geburtsstadt Burg auf Fehmarn
einen Geburtsbrief hatte kommen lassen (53).

Ebenfalls im Jahr 1673 erwarb er die Grabstätte 32 in der Danziger
Marienkirche, in der er schließlich auch beigesetzt wurde. In
zweiter Ehe heiratete Thomas Tympf am 13.11.1687 in Danzig die 33
Jahre jüngere Concordia Stoddart, Tochter des Danziger
Stadtsyndikus Adrian Stoddart, der 1668/1669 Danziger Resident am
polnischen Hof in Warschau gewesen war. Aus dieser Ehe wurde die
Tochter Magdalena Constantia am 24.5.1689 in der Danziger
Marienkirche getauft (46).

Thomas starb am 19.3.1690, 57 Jahre alt. Seine junge Witwe
Concordia heiratete in zweiter Ehe den Kaufmann und späteren
Danziger Ratsherrn Heinrich Renner; der aber war ein Sohn der Anna
Tympf aus ihrer ersten Ehe. So kam es, dass Concordias zweiter Mann
ein Großneffe ihres ersten Mannes war; siehe Tafel 2.

Der um 1657 geschlossenen ersten Ehe von Thomas Timpf könnten
vielleicht noch drei weitere Kinder zugeordnet werden: Johann
Andreas Tympf, in Posen geboren, der 1671 im Danziger Gymnasium
eingeschrieben wurde; Casimir Tympf, der 1753 als Brauer in Danzig
starb, 91 Jahre alt, der also um 1662 geboren wurde; sowie eine um
1667 geborene Tochter, die mit Oberst Hinrich Rebinder verheiratet
war (46).

Thomas war der letzte Münzmeister der Timpf-Sippe, die in den
wechselvollen Jahrzehnten zwischen 1607 und 1690 sieben
Münzmeister und Wardeine stellte.

Sein Sohn Andreas erwarb am 6.11.1691 das Danziger Bürgerrecht als
ein Kaufmann (53). Er erwarb das Gut Heiligenbrunn bei
Zigankenberg, am westlichen Stadtrand auf der Danziger Höhe, wo
seine Kinder und Enkel lebten (46).



13. Die "Timpfe"

Nun muss ich noch schildern, wie es zu den Münzen kam, die als
"Timpfe" bekannt wurden und in Verruf gerieten (44).

Durch die andauernden schwedisch-polnischen Kriege war König Johann
Kasimir in einer finanziellen Notlage, die ihn zwang, den
Silbergehalt der Münzen zu verschlechtern und daraus Gewinn zu
ziehen. So stellte der polnische Landtag von 1658 die Münzanstalten
vor die Aufgabe, die Summe von 150.000 Gulden Reingewinn
abzuliefern.

1659 wurde der Münzpächter Titus Livius Boratini, ein berühmter
italienischer Mathematiker, angewiesen, die Schilling-Münzen nicht
mehr in Silber sondern in Kupfer zu prägen, was einen Gewinn von
Millionen Gulden einbrachte. Als auch dies nicht zur
Kriegsfinanzierung ausreichte, ging die königliche Münzkommission
1663 auf den Vorschlag des "Posener Münzpächters Andreas Timpf"
ein, Gulden (einem polnischen Zloty entsprechend) aus achtlötigem
(also minderwertigem) Silber im Nominalwert von 30 Groschen zu
schlagen. Diese Münzsorte, die in Millionen-Anzahl in Umlauf
gebracht wurde, warf für den königlichen Fiskus einen gewaltigen
Gewinn ab, von dem auch der Münzpächter eine schöne Provision
einstecken konnte.

Die Kupferschillinge, die "Boratinki" genannt wurden, und die
Guldenstücke aus schlechtem Silber, die alsbald "Timpfe" genannt
wurden, stießen freilich auf das Misstrauen der Bevölkerung und der
Kaufleute; sie wurden nur ungern angenommen, und es kam zu
zahlreichen Klagen.

Abb.6: Der "Timpf" genannte Gulden zu 30 Groschen, geprägt von
Andreas Timpf mit dem Münzmeister-Zeichen A T.

Oben ein "Timpf" aus dem Jahr 1663. Man sieht die Initialen ICR für
Ioan Casimirus Rex sowie im Wappenschild den polnischen Adler und
den litauischen Reiter.

Unten ein "Timpf" von 1665. Man sieht das Porträt des Königs und
den polnischen Adler. Die Umschrift links: Ioan Casimir von (DG)
Gottes Gnaden König von Polen und Schweden, Großfürst von Litauen.

Die Wertangabe von 30 Groschen ("xxx GRO") war ein mehrfaches des
Silbergehaltes, der allenfalls 13 Groschen betrug. Dennoch blieben
die "Timpfe" über hundert Jahre in Preußen und Polen im Umlauf.


Der "Timpf" (Abb.6) war ein silbernes Guldenstück, dessen Inschrift
"30 Groschen" lautete. Das war aber ein unechter Zwangskurs, denn
der Materialwert betrug nur 13 Groschen. In Preußen waren die
Timpfe zuerst verboten, wurden aber schließlich zu einem
Kompromiss-Kurs von 18 Groschen angenommen; das ist ein Wert, den
man auch einen "Ort" nannte. Nur in Kupfermünzen zahlte man den
Nennwert von 30 Groschen für einen "Timpf".

Die erste Version von 1663 hatte ein einfaches Münzbild, nur mit
den Initialen des Königs aber nicht mit seinem Porträt. Eine zweite
Version von 1665 wurde von einem künstlerisch versierten
Stempelschneider mit einem gut ausgeführten Königsporträt
gestaltet; aber das elegantere Münzbild konnte den schlechten Ruf
der "Timpfe" nicht verbessern.

Alsbald führten die großen Mengen schlechter polnischer Münzen zu
einer empfindlichen Beeinträchtigung des Handels, so dass es zu
Auseinandersetzungen zwischen den preußischen Städten und dem König
kam. Unter den Danziger Ratsherren (39), die vehement das Verbot
der "Timpfe" und die Bestrafung des Münzmeisters verlangten, waren
auch meine Vorfahren Nicolaus von Bodeck, Gabriel Borckmann und
Gabriel Schumann (43). Den Streit schilderte anschaulich der
Danziger Historiker Gotthilf Löschin (54):

"Empört forderten die zu Thorn versammelten preußischen Landstände
die Verhaftung von Andreas Tympf, der sich gerade in Danzig
aufhielt. Allein der König (der ja die schlechten Münzen gebilligt
hatte) nahm ihn in Schutz und verlangte drohend seine Freilassung.
Später, als auch der polnische Reichstag es forderte, willigte er
in die Verhaftung ein, verstand es jedoch, ihm Zeit zu lassen, sich
nach Hamburg einzuschiffen und sich so der verdienten Strafe zu
entziehen. - Dem bedrängten König aber wurden die finanziellen
Lasten immer drückender, so dass er 1668 die Krone niederlegte."

So führten die "Timpfe", die Andreas Timpf mit Zustimmung des
Königs geprägt hatte, zur Abdankung des einen und zur Flucht des
anderen. Der König trat in den geistlichen Stand und starb 1672 als
Abt von St.Germain bei Paris. Derweil lebte sein Münzmeister, der
sein Vermögen gerettet hatte, als "Erbherr" auf seinem Gut
Söllestedgård in Dänemark. Schließlich ereilte ihn aber auch hier
das Geschick: Im Jahre 1690 musste er sein Gut verkaufen; dabei
wurde das Kaufgeld vom Stadtrichter arrestiert und 1691 durch
königlichen Erlass an einen Treuhänder überwiesen (55). Andreas
Timpf hatte sein Vermögen verbraucht und war nun völlig
verschuldet.

So trug mein Ahnherr, Andreas Timpf, durch sein schlechtes Geld
dazu bei, dass der König von Polen abdanken musste. 30 Jahre später
aber trug ein anderer aus meiner Verwandtschaft, der kurfürstlich
sächsische General-Kriegszahlmeister Johann Lämmel, durch sein
gutes Geld dazu bei, dass August der Starke König von Polen wurde.
Aber das ist eine andere Geschichte (56) ....

In Danzig und Preußen gab es für die "Timpfe" wechselnde Kurse: Sie
waren ursprünglich Vierteltaler und sanken auf den Wert eines
Fünfteltalers oder von 18 polnischen Groschen (57). Ab 1749 wurden
auch in Preußen "Tympfe" in großen Mengen geprägt; ihr Wert aber
verschlechterte sich im 7-jährigen Krieg so stark, dass sie von der
Bevölkerung nicht mehr angenommen wurden. Zuletzt wurden sie im
Jahre 1766 für einen Kurs von 27 (statt der nominellen 30) Groschen
umgewechselt.

Mit solchen Kursschwankungen konnte ein gewiefter Bankier prächtig
spekulieren. Und das tat, recht erfolgreich, ein Danziger Kaufmann
und Reeder: Andreas Schopenhauer, der im Jahre 1720 geborene
Großvater des Philosophen (58). Er kaufte und verkaufte Unmengen
verschiedenster Münzen, darunter russische Rubel, bayerische
Groschen, sächsische Dütchen, "nicht wardierte Tymphe" und anderes.
Dabei heißt "nicht wardiert", dass die "Tymphe" nicht den
vorgeschriebenen und von einem Wardein bestätigten Silbergehalt
hatten. Aus der Unordnung der Wechselkurse erzielte Schopenhauer
einen solchen Reichtum, dass man ihn einen "Danziger Fugger"
nannte. Er konnte der Danziger Münzstätte mühelos Silber im Wert
von 500.000 Gulden liefern und zahlte dafür, dass er "Tymphe" und
andere minderwertige Münzen unerlaubt in Umlauf brachte, lächelnd
Strafen in der Höhe von 40.000 Gulden, freilich erst nachdem man
ihn zwei Tage auf dem Danziger Rathaus in Beugehaft festgehalten
hatte.

Die "Timpfe" aber wurden 1766 eingeschmolzen, nachdem sie über 100
Jahre in Umlauf gewesen waren.


Quellen und Anmerkungen

1 Eine andere Fassung dieser Arbeit mit zusätzlichen
genealogischen Einzelheiten aber mit weniger Münzen-
Abbildungen erscheint unter der selben Überschrift in der
Zeitschrift "Genealogie", Verlag Degener, Neustadt/Aisch, 2003.

2 Laura Frost (geb. Lemmel): Johanna Schopenhauer; ein
Frauenleben aus der klassischen Zeit. Berlin, 1905.

3 Hans Georg Siegler: Der heimatlose Arthur Schopenhauer. Droste
Verlag 1994 S.34.
4 Reinhard Suchier: Die Münzen der Grafen von Hanau. Hanau 1897.
Für diesen Hinweis danke ich Frau Dr. Löwenstein vom
Hessischen Staatsarchiv Marburg.
5 Archiwum Panstwowe w Gdansku (Staatsarchiv Danzig),
freundliche Mitteilung 2002. Einzelheiten siehe weiter unten.
6 Ahnenliste Magdalena Dorothea Schliemann geb. Niemann, geb. 1680
in Wismar. In: Deutsches Geschlechterbuch Bd.105, 1939, S.659.

7 Mtlg Pfarramt Aken.

8 Kommunalarchiv Minden, Mtlg Vinzenz Lübben 2003: KAM Stadt
Minden A I Nr.428 (1497 Aug.8) und Nr.498 (1525 Okt.2).

9 Mtlg des Vereins Münzfreunde Minden 2003.

10 Hanauer Geschichtsverein, Dienerbuch, Manuskript, S.133. Für
eine Kopie danke ich Frau Monika Rademacher vom Stadtarchiv Hanau.
11 Max Bahrfeldt: Beiträge zum Münzwesen der Erzbischöfe von
Bremen. In: Archiv des Vereins für Geschichte und Altertümer
der Herzogtümer Bremen und Verden und des Landes Hadeln zu
Stade, Heft 11, Stade 1886 S.203ff. - Für diesen und andere
Hinweise danke ich Frau Dr. E. Bachmann, Bremervörde.

12 Frau Dr. Roswitha Denk vom Münzkabinett des Kunsthistorischen
Museums Wien danke ich für Bereitstellung von Literatur und
für die Anfertigung von Münz-Fotografien.

13 Max Bahrfeldt: Die Münzen der Stadt Stade. - Für eine Kopie
danke ich Dr. Bohmbach, 1993.
14 Niedersächsisches Staatsarchiv in Stade, Wiesnersche
Familiennamen-Kartei; Mtlg Dr. Lokers 1993. - Ein Herr Grodau
hatte um 1940 eine Stammfolge Tympf erarbeitet und sein
Material im Krieg verloren. Darauf schickte ihm am 12.6.1947
Herr Wiesner die Abschrift eines Briefes vom 29.6.1943 mit
verschiedenen Daten zur Familie Tympf.

15 Max Bahrfeldt: Beiträge zur Münzgeschichte der Lüneburgischen
Lande. In: Numismatische Zeitschrift Bd.25, Wien 1894, S.123-372.
16 Mitteilungen Stadtarchiv Stade und Kirchenkreisamt Stade 1993.
Die Stader Begräbnisbücher setzen sogar erst 1740 ein.
17 StA Stade, Manuskript des Pastors Biernatzki als Zugabe zu dem
Stader wallonischen Kirchenbuch.
18 Dorothea Weichbrodt: Patrizier, Bürger, Einwohner der Freien
und Hansestadt Danzig in Stamm- und Namentafeln vom 14.-18.
Jahrhundert, Bd.4, 1991, S.446. Danziger Verlagsgesellschaft
Paul Rosenberg, Kiel. - Siehe auch Bd.5, 1993, S.95.

19 In dem Wiesner-Grodau-Brief im Staatsarchiv Stade (14) heißt
es: "Am 1.4.1613 läuten die Sterbeglocken für Simon Tympe
Fürstl. Gnaden Müntzmeisters Sohn von Vorde". In diesem Brief,
der die Abschrift einer Abschrift ist, muss die Jhreszahl 1613
unrichtig sein, da dieser Simon sich noch Dez.1623/Jan.1624 um
die Münzmeisterstelle in Winsen bewirbt (15). Simon könnte
richtig am 1.4.1624 gestorben sein.
20 Ed. Grimm: Münzen und Medaillen der Stadt Rostock, Berlin
1905, S.146; Kopie durch wiss. Archivarin Ehlers, 1993. -
Walter Hannemann: Die Münzmeister der Stadt Rostock.
Nordostdeutsches Kulturwerk Lüneburg, 1974, S.28f.
21 Landesarchiv Schleswig-Holstein (LASH), Abt.7 Herzöge von
Schleswig-Holstein-Gottorf: Nr.3047 Allgemeine und
verschiedene Münz- und Währungssachen vol.iii 1630-1708;
enthält u.a.: Hzgl. Münzbescheid von 1634 (nicht 1674!) mit
Abrechnung über Silberlieferungen von Heinrich Puls, Peter
Timpe den Bottschlotter Interessenten. - Für die Hinweise auf
die einschlägigen Urkunden des Landesarchives (siehe auch
folgende LASH-Fußnoten) danke ich Herrn Oliver Fieg, 2002.
22 Rudolf Meier: Auch Stade ließ Gegenstempel auf Münzen
schlagen; in: Der Münzen- und Medaillensammler Nr.169, 30.Jg.
1990 S.861f. - Diesen Hinweis verdanke ich Frau H. Frobeen. -
Auf S.862 findet man die Abbildung eines Stader Talers von
1621 mit dem Münzmeisterzeichen HB. - In Abb.1 und 10 sieht
man den Harburger Doppelschilling von 1617 mit dem Stader
Gegenstempel. - Von dieser Rarität wurde sogar in
Tageszeitungen berichtet: "Numismatische Kostbarkeit", in:
Harburger Rundschau, 14. März 1990.
23 Niedersächsisches Staatsarchiv Stade, Rep.5a (Schwedisches
Archiv) Fach 130 Nr.153; ein schlecht erhaltenes Blatt. -
Mitteilung Dr. Lokers 1993.
24 Clasen: Stader Silber, S.47. - Fotokopie durch Dr.Bohmbach,
Stadtarchiv Stade, 1993.
25 Bürgerbuch Burg; Mtlg K.Volkart 1969.

26 DGB Bd.105, wie (6), und Weichbrodt, wie (18).

27 LASH Abt.7, Nr.4079 Beziehungen zwischen Fehmarn und Lübeck
1616-1696; u.a. Münzmeister Timpf und dessen in Lübeck
vorenthaltenes Silber 1616-1617.

28 LASH Abt.7, Nr.227 Bestallungen 1616-1628. - Hinweis auch
durch Mtlg K.Volkart 1969.

29 LASH Abt.7 Nr.3046 Allgemeine und verschiedene Münz- und
Währungssachen vol.ii 1620-1627.

30 LASH Abt.7 Nr.3058 und 3059.

31 Archiv der Hansestadt Rostock, Ratsakten zum Münzwesen. - Mtlg
Frau Ehlers 1993.

32 Carl Friedrich Evers: Mecklenburgische Münzverfassung, Leipzig
1983, S.333; Reprint der Originalausgabe Schwerin 1798. - Mtlg
Frau Helga Frobeen, Hamburg, 2000.

33 Weichbrodt, wie (18); hier war der Begräbniseintrag 1674
irrtümlich dem Samuel selbst zugeordnet und nicht seiner
Witwe; daher wurde Samuel nicht als Vater sondern als Bruder
des Andreas Timpf angesehen.

34 In Schleswig beginnen die Kirchenbücher 1715 (Dom), 1656
(St.Michaelis), 1667 (Friedrichsberg). - Mtlg ev.-luth.
Kirchenkreis Schleswig 1993.

35 Eberhard Schnuhr: Lüneburg als Münzstätte. Lüneburg 1956,
S.25f. - Mtlg Frau Dr. E. Bachmann, Bremervörde, 1992.

36 Stadtarchiv Lüneburg, Kopien von 3 Briefen; Einzelheiten
schwer zu entziffern. - Mtlg Frau Dr.Reinhardt 1993.
37 Kirchenbücher Lüneburg-Nicolai. Trauung 1646 Dominica
19.Trinit. S.522; Taufen 21.3.1648 S.592, 16.4.1649 S.605,
9.12.1650 S.613. - Eigene Forschungen und Mtlg Frau Irmgard
Friedrich 1993. - Im Traueintrag 1646 ist der Name der Braut
schwer zu lesen. Ich las zunächst Rod(ener?); die Genealogin
Irmgard Friedrich las Rachow oder Rochow. In Danziger Quellen
heißt es Rochau; demnach muss im Traueintrag Rochow die
richtige Lesart sein. - Trauung Joachim Rochauwe 1609 in
St.Johannis; Mtlg Elke Hummelt, Kirchenbuchamt, 2003.

38 Dorothea Weichbrodt: Patrizier, Bürger, Einwohner der Freien
und Hansestadt Danzig in Stamm- und Namentafeln vom 14.-18.
Jahrhundert, Bd.4, 1991, S.446 und 304, Danziger
Verlagsgesellschaft Paul Rosenberg, Kiel. - Helmut Strehlau:
Danziger Bürgermeister des 18. Jahrhunderts, ihre Familien und
Vorfahren; in: Ostdeutsche Familienkunde Bd.8 Heft 1/1977 S.13.

39 Joachim Zdrenka, Rats- und Gerichtspatriziat der Rechten Stadt
Danzig, Verein f.Fam'fg in Ost- u. Westpreußen, Sonderschrift
Nr.63, Hamburg 1989, Teil II.

40 Sie soll am 20.3.1648 oder am 20.11.1646 in Thorn oder in
Sulstedt/Dänemark geboren sein, laut Weichbrodt (38) Bd.1
S.323 und 391, und laut H.Strehlau wie Anm.(38), und laut
J.Zdrenka wie Anm.(39). Beides ist unrichtig, wie das
Lüneburger Taufbuch zeigt.
41 Hans-Dietrich Lemmel: Ahnenliste Marie v.Schumann verh.
Lemmel, geboren 1824 in Danzig. Fassung von 1965: AL8957 der
Deutschen Zentralstelle für Genealogie, Leipzig.
(Ahnengemeinschaft mit etlichen anderen Ahnenlisten). Fassung
von 1990: Mikrofilm Nr.1691490 der Genealogischen Gesellschaft
von Utah. Großenteils laut Strehlau und Weichbrodt. - Eine
ergänzte Neufassung liegt als Manuskript vor.

42 Archiv der Hansestadt Rostock, Ratsakten zum Münzwesen. - Ed.
Grimm: Münzen und Medaillen der Stadt Rostock, Berlin 1905,
S.146; Kopie durch wiss. Archivarin Ehlers, 1993. - Walter
Hannemann: Die Münzmeister der Stadt Rostock. Nordostdeutsches
Kulturwerk Lüneburg, 1974, S.28f.

43 Vergl. Hans-Dietrich Lemmel: Die Danziger Ratsfamilie
Schumann. In: Danziger Hauskalender 1999, Danziger
Verlagsgesellschaft Paul Rosenberg, Eckernförde, S.77-83.

44 Marian Gumowski: Mennica Bydgoska (= Die Bromberger Münze).
Torun 1955, S.282. - Kopie durch Dr. Marian Lysiak, Torun,
2002. - Marian Gumowski: Handbuch der polnischen Numismatik.
Graz 1960, Kapitel XI S.57ff: Johann Kasimir 1649-1668.

45 Georg Hermanowski: Nikolaus Kopernikus, Verlag Styria 1985,
S.143ff. - Hans-Dietrich Lemmel: Beiträge zu Copernicus und
seiner Verwandtschaft. In: Genealogie Heft 1-2, 1993.

46 Weichbrodt wie Anm.(38) Bd.4, S.91 (Rogge) und S.446 (Timpf).

47 Freundliche Mitteilung Dr. Krzysztof Stryjkowski, Archiwum
Panstwowe, Poznan, 2002.

48 Heirat Matth. Timpff/Tympf aus Posen "gegen Ende des 17.Jh."
(ohne Angabe des Datums; Staatsarchiv Hamburg, Genealogische
Sammlungen: Berenbergsche Genealogien. - 11.4.1727 Heirat in
Hamburg (Petri S.225): Jacob von Timpff, Fenrich bey hiesiger
Garnison, mit Frau Maria Margaretha Langerman, sehl. Lorentz
Langermans nachgelassene Witwe; Hamburger Hochzeitenbücher
(Wedde I,29 Bd.8 S.26). - Laut Mtlg Hr Bollmann, Genealogische
Gesellschaft Hamburg, 1997. - In Hamburger Kirchenbüchern
konnte der Heiratseintrag des Matth. Timpf nicht gefunden
werden, laut Mtlg Johannes Vogel 2002. Die Heirat mag etwa
1690/1695 gewesen sein, so dass dieser "Matth. Timpf aus
Posen" wohl identisch ist mit dem Danziger Gymnasiasten
"Mathias Tympf aus Bromberg" von 1665, der etwa um 1655/1657
geboren sein mag und wohl nicht mit dem 1650 in Lüneburg
geborenen Samuel Mattiß Timpf gleichzusetzen ist.

49 Danske slotte og herregarde Bd.6 S.319ff; laut Hinweis von
Arne Jensen Knudby 2002, dem ich auch die Abschriften aus den
folgenden dänischen Materialien verdanke.

50 Kirchenbücher Söllested, Begräbnis 1669 S.30, Heiraten 1670
S.37 und 1674 S.169. - Und: Personalhistorisk Tidsskrift
Jg.1912 S.21 u.24; Jg.1914 S.108 u.132.

51 Dr. Knapke: Königsberger Münzmeister. In: Mtlgn des Vereins f.
Gesch. v. Ost- u. Westpr. 3/1, 1.7.1928, S.41-48, siehe S.46.
- Nachdruck Hamburg 1993 als Sonderschrift Nr.75/1 des Vereins
f. Fam'fg in Ost- u. Westpreußen.
52 Frau Dr. Roswitha Denk vom Münzkabinett des Kunsthistorischen
Museums Wien danke ich für die Anfertigung von Münz-Fotografien.

53 Archiwum Panstwowe w Gdansku (Staatsarchiv Danzig),
freundliche Mitteilung Mgr Stanislaw Flis. - Bürgerbuch 1637-
1709 (sygn APG 300,60/4) Seite 422: 1673, 20.Juny, Thomas
Timpff von Burg auß der Insul Femern, Kaufmann. Notandum, daß
sein Sohn nahmens Andreas gegen Erlegung 100 F. in das
Bürgerrecht mit eingeschlossen worden. - Bürgerbuch Seite 453:
1691, 6.November, Andreas Timpff, fil. Thomas Timpffen, auf
einen Kaufmann. - Beilage (sygn APG 300,60/7568) der
Geburtsbrief für Thomas Timpff, ausgestellt "in der Stadt
Burgk auff Femern, 12 May Anno 1673". Sein Vater: "Samuel
Timpffen, dehro zu Schleswick Holstein regirenden Hochfürstl.
Durchl. alhir zur Burgk wollbestalten Müntzmeistern"; Mutter:
"Magdalene Ehlers"; Groseltern: "das auch der Vater H. Samuel
Timpffe von Herrn Simon Timpffen, auch Müntzmeistern undt aus
Minden in Westphalen bürtig, undt Frawen Gerdrut Timpffen, als
welche er H. Simon Timpffe in der Stadt Aken gefreyet".

54 Gotthilf Löschin: Geschichte der Stadt Danzig, 2 Bände Danzid
1822/1823, 2.Auflage Danzig 1823, Bd.2 S.8. - Unveränderter
Nachdruck durch die Danziger Verlagsgesellschaft Paul
Rosenberg, Klausdorf bei Kiel.

55 Provinzialarchiv Kopenhagen, Karteikarte Timpf in Holms
Sammlung. Laut Arne Jensen Knudby 2002.

56 Hans-Dietrich Lemmel: Familie Lemmel und August der Starke,
in: Familienforschung in Mitteldeutschland, 39.Jg. 1997/1998
S.193-204. Ergänzte Fassung in: "lemlein filii" Heft 5,
Selbstverlag 1999 S.23-40.

57 Friedrich von Schrötter: Die Münzen Friedrich Wilhelms des
Großen Kurfürsten, Berlin 1913, S.154.

58 Hans Georg Siegler: Der heimatlose Arthur Schopenhauer. Droste
Verlag 1994 S.34.


Abbildungsnachweis:

Abb.1 und 5: Fotos Münzkabinett Kunsthistorisches Museum Wien

Abb.2: Zeichnung nach Bahrfeldt (15) S.138.

Abb.3: Meier (22) S.861

Abb.4:Zeichnungen nach Gumowski, Handbuch (44), Katalognummern
1789 (Taler 1652), 1675 (Dreigroschen), 1893/1896 (Dreikreuzer). - Unten (Sechsgroschen) eigene Zeichnung.

Abb.6 oben: eigene Zeichnung; unten Zeichnung nach Gumowski,

Handbuch (44), Katalognummer 1772 (Timpf).


A n h a n g :  Stammfolge Timpf

In dieser Stammfolge sind die genealogischen Daten der Münzmeister-Familie Timpf zusammengefasst, die in der vorstehenden Arbeit nebst Quellenangaben dargestellt wurden. Unbekannte Geburtsjahre wurden abgeschätzt und in der Form * (?1550) angegeben.

Die Tympe sind eine alt eingesessene Familie in Minden/Westfalen: 1497 Hermann Tympen als Besitzer eines Hauses bei St.Marien; 1525 ein Rentherr Frederick Tympe. Die Schreibweise des Namens ist später vorwiegend Timpf, aber auch Timpfe, Tympf, Timp(e), Timbke und ähnlich.

I..Simon Timpfe - Münzmeister, * (?1550/1555) in Minden, begraben 4.2.1621 in Stade. Als Münzmeister 1607-1611 in Hanau, 1611-1614 in Vörde (= Bremervörde), 1614-1621 in Stade; daneben auch 1612-1616 in Burg/Fehmarn und 1615-1619 in Harburg. oo (?1580) in Aken/Elbe mit Gertrud Forst. - Wo Simons Kinder geboren wurden, konnte nicht ermittelt werden; ihre Reihenfolge ist unsicher.

   1. Daniel(?), erwähnt 1614 in Hanau.

   2. Simon, * (?1582), bewirbt sich 1623/1624 vergeblich um die Münzmeisterstelle in Winsen/Luhe, † 1.4.(1624?) in Stade.

   3. Samuel, * (?1585) - Münzmeister, siehe II.a.

   4. Thomas, * (?1590) - Münzmeister, siehe II.b.

   5. Sophie, * (?1595), 1614 als Taufpatin in Stade erwähnt.

   6. Peter, * (?1600) - Münzmeister, siehe II.c.

   7. Hinrich, * (?1605) - Goldschmied, siehe II.d.

II.a Samuel Timpf - Münzmeister, * (?1585), † 1656 in Güstrow. Holsteinischer Münzmeister 1617 in Burg/Fehmarn, dann bis 1627 in Steinbeke, Schleswig, Kiel.     1628 Ackerbau in Burg. Ab 1635 Münzmeister in Rostock. oo (wohl 1617) in Burg mit Magdalena, Tochter des Burger Bürgermeisters Andreas Eler und seiner Frau Magdalena geb. Rauert. - Kinder, soweit bekannt:

     1. Andreas, * um 1618 in Burg - Münzmeister, siehe III.a.

     2. Gertrud Livia, * 3.5.1625 in Kiel, † 9.2.1650 in Rostock,
        oo 9.10.1643 in Rostock mit Dr.iur. Ambrosius Petersen, † 24.3.1670 in Wismar.
        Tochter: Magdalena Agneta Petersen, * 1647 in Rostock, oo mit Christoph Niemann, Brauer in Wismar.

     3. Magdalena, * (?1627/1630), oo 1651 in Rostock mit Reinhold Behn, Kaufmann und
        Brauer. Sohn: Stefan Behn, * 1652, Kaufmann in Danzig.

     4. Thomas, * um 1632 in Burg - Münzmeister, siehe III.b.

II.b Thomas Timpf - Münzmeister, * (?1590), † nach 1627 wo?. 1617-1627 Münzmeister in Harburg. oo 1618 mit Maria de la Ruelle. Wahrscheinlich Sohn (oder Neffe):

     1. Jürgen Jochim Timke, * (?1615/1620), lässt 1673 bei St.Cosmae in Stade einen
        Kirchenstuhl auf seinen Sohn Jürgen überschreiben.

II.c Peter Timpf - Münzmeister, * (?1600), † wohl 1656.
     1629 lässt sich Peter "Timmeke" in Stade seiner Großmutter Kirchenstuhl
     zuschreiben. Als Münzmeister ab 1634 in Holstein, ab 1640 in Stade, 1641-1643 in
     Vörde, dann wieder in Stade. - Seine Frau (Name unbekannt) begraben Ostern 1647 in
     Stade St.Johann; ein Kind (Name und Alter unbekannt) begraben 12.1.1643 in Stade.
     Andere Kinder sind nicht bekannt geworden.

II.d Hinrich Timpke - Goldschmied und Wardein, * (?1605), † 1665 wo?.
     Ab 1625 Goldschmiedemeister und Siegelschneider in Stade. 649 Amtsmeister und
      schwedischer Münzwardein. - Söhne:

     1. Henrich Timbke, * (?1632), † 1703 wo?, 1646 Goldschmiedlehre in Stade,
         3.11.1653 Amtsmeister in Stade, erhält 30.6.1654 in Stade die Heiratserlaubnis.

     2. Johann Timpfe, * (?1636), 1650 Goldschmiedlehre in Stade.

III.a Andreas Timpf - Münzmeister, * um 1618 in Burg/Fehmarn, † nach 1690 in Dänemark.
      Als Münzmeister 1643-1649 in Lüneburg, 1649 in Stade, 1650 und 1659 in Rostock,
      1650-1667 königlich polnischer Münzmeister in Posen, Fraustadt, Oppeln, Krakau,
      Bromberg, Lemberg. Er prägte die "Timpfe", das sind Gulden zu 30 Groschen, die
      nach ihm benannt wurden; da die "Timpfe" aus minderwertigem Silber waren, floh er
      1667 nach Dänemark, wo er Gutsbesitzer in Söllestedgård/Laland wurde.
      oo 19.p.Trin.1646 in Lüneburg mit Anna Rachow, hinterbliebene Tochter von Joachim
      Rochauwe, der 1609 die Anna Wolmers geheiratet hatte;
      Andreas Timpf's Ehefrau † 7.2.1669 in Söllestedgård.
      Kinder, soweit bekannt:

      1. Concordia, * um 1646/1647, begraben 30.6.1716 in Danzig, Marienkirche;
         oo mit Daniel Siewert, Münzwardein in Danzig, * um 1631 (in Elbing?),
         begraben 13.8.1683 in Danzig. Söhne:
         Christian, * 1678, † 1761, Münzwardein, in Königsberg und Danzig;
         Daniel, * 1681, † 1750, Münzwardein in Danzig.

      2. Anna, * 21.3.1648 in Lüneburg, † 20.12.1723 in Danzig,
         oo1) 28.2.1666 "aus Thorn" in Danzig mit Johann Renner, Kaufmann in Danzig,
         * 13.9.1638 in Danzig, begraben 29.3.1687 in Danzig, Sohn von Henrich Renner,
         Tuchhändler aus Lemberg in Danzig, oo Anna Schumacher;
         oo2) 23.5.1688 in Danzig mit Hartmann Maul, * 31.7.1637 in Leipzig,
         † 19.8.1715 in Danzig, Ratsherr in Leipzig, seit um 1672 in Danzig.
         5 Kinder Renner, 2 Töchter Maul und weitere Nachkommen siehe Weichbrodt (38)
         Bd.1 S.323 u. S.391.

      3. Magdalena, * 16.4.1649 in Lüneburg.

      4. Samuel Matthieß, * 9.12.1650 in Lüneburg.

      Wahrscheinlich Söhne:
      5. Johann Andreas, * (?1654), 1665 aus Bromberg im Gymnasium Danzig.
      6. Mathias, * (?1656), 1665 aus Bromberg im Gymnasium Danzig,
         oo "gegen Ende des 17. Jh." "aus Posen" mit Elisabeth Janssen aus Hamburg-
         Billwerder, Tochter von Jacobus Janssen, † 1704 in Billwerder.
         Kinder: Susanna, Jacob, Elisabeth. - "Jacob von Timpff, Fenrich bei hiesiger
         Garnison", oo 11.4.1727 in Hamburg mit Frau Maria Margaretha Langerman, sehl.
         Lorentz Langermans nachgel. Wwe.

  Weiters wurden im Danziger Gymnasium 1666 die in Danzig geborenen Brüder Christian und
  Lorenz Timp eingeschrieben, deren Zusammenhang mit dieser Familie nicht sicher ist.

III.b Thomas Timpf - Münzmeister, * um 1632 in Burg/Fehmarn, † 19.3.1690 in Danzig
      St.Marien; 1657 Kaufmann in Danzig, 1660-1667 Münzmeister in Polen unter und neben
      seinem Bruder Andreas, 1669-1672 Münzmeister in Königsberg, dann wieder Kaufmann
      in Danzig.
      oo1) um 1657 mit Ursula Wichmann, * um 1638, begraben 3.4.1687 in Danzig
      St.Marien, Tochter des Kaufmanns Michael Wichmann, * 1602, begraben 1.11.1659 in
      Danzig St.Marien.
      oo2) 13.11.1687 in Danzig mit Concordia Stoddart, * 16.11.1665 in Danzig,
      † 13.3.1736 in Danzig, Tochter von Adrian Stoddart, * 1631, † 21.10.1692 in Danzig
      St.Marien, 1668/1669 Danziger Resident am polnischen Hofe in Warschau, dann
      Stadtsyndikus in Danzig, oo 20.10.1659 in Danzig St.Marien mit Constantia Conrad,
      * 29.1.1640 in Danzig St.Petri, begraben 23.10.1721 in Danzig St.Marien, sie oo2)
      13.6.1693 in Danzig St.Marien mit dem Danziger Kaufmann und späteren Ratsherrn
      Heinrich Renner, * 1.9.1669 in Danzig St.Marien, † 14.10.1734 in Danzig.

      Vielleicht Kinder, aus 1. Ehe:
      1. Johann Andreas, * Posen, * (?1660), 1671 im Danziger Gymnasium eingeschrieben.
      2. Casimir, * um 1662, † 1753 in Danzig als Brauer.
      3. Tochter, * um 1667, oo mit dem Oberst Hinrich Rebinder.

      Sicher Sohn aus 1.Ehe:
      4. Andreas, getauft 6.9.1668 in Danzig St.Marien. Kaufmann in Danzig.
         Nachkommen siehe Weichbrodt (38) Bd.4 S.446.

      Tochter aus 2.Ehe:
      5. Magdalena Constantia, getauft 24.5.1689 in Danzig St.Marien.



 
┌─┴─┘├─┼─┤└─┬─┐∞│†═ëç▲▼►◄ 18.6.2017
.
.