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Hans-Dietrich Lemmel:
Die Timpfe - eine norddeutsche Münzmeistersippe
2003. - Eine gekürzte Fassung wurde gedruckt in "Genealogie" Band 26, 2003, S. 641-655 und S. 720-732.

                                Was ist neu? - Juli 2008:  Kleine Ergänzung zu Thomas Timpf in Königsberg (Kapitel 12).
                                                         Juni 2009: Ein Hochzeitstaler von 1649 (Abb.6a)..
                                                         Juli 2012:  Ein Lüneburger Portugaleser von Andreas Timpf (Abb.6c).
                                                         April 2013: Ein Schautaler von Thomas Timpf (Abb.3a),
                                                                           einige Schleswiger Timpf-Taler (Abb.2a, 4a, 5a).
1. Einleitung
2. Münzmeister im 17.Jahrhundert
3. Simon Timpf, Münzmeister in Hanau
4. Simon Timpf unter dem Fürstbischof von Bremen
5. Thomas Timpf, Münzmeister in Harburg
6. Peter Timpf, Münzmeister in Holstein, Stade und Vörde
7. Hinrich Timpke, Münzwardein in Stade
8. Samuel Timpf, Münzmeister in Holstein und Rostock
8a. Ein Hochzeitstaler von 1649
9. Andreas Timpf, Münzmeister in Lüneburg
10. Andreas Timpf, Münzmeister in Rostock
11. Andreas Timpf, Münzmeister der polnischen Krone
12. Thomas Timpf, Münzmeister in Königsberg
13. Die "Timpfe"
Anhang: Stammfolge Timpf

1. Einleitung

Im 17. Jahrhundert gab es unter meinen Danziger Vorfahren den königlich polnischen Münzmeister Andreas Timpf. Der wurde mir besonders interessant, als ich feststellte, dass seine Familie aus Bremervörde und Lüneburg kam, aus eben den Orten, an die es meine Familie nach unserer Flucht hinverschlug.

Auf den selben Münzmeister Timpf stieß ich auch in einem anderen Kapitel unserer Familiengeschichte. Meine Großtante Laura Frost geb. Lemmel schrieb ein Buch über Johanna Schopenhauer (1), die Mutter des Danziger Philosophen Arthur Schopenhauer, mit dem ich in der Elbinger Kaufmannsfamilie Pfeiler eine Ahnengemeinschaft habe. In einer Schopenhauer-Biografie (2) entdeckte ich dann, dass der wohlhabende Danziger Kaufmann und Bankier Andreas Schopenhauer (er war der Großvater des Philosophen) belangt wurde, weil er mit größeren Mengen einer mangelhaften Münze, die "Timpf" genannt wurde, unerlaubten Handel getrieben hatte. Diese "Timpfe" waren vom Münzmeister Andreas Timpf massenhaft geprägt worden.

In Norddeutschland und Polen, zwischen Bremen, Königsberg und Krakau, gab es im 17. Jahrhundert sieben Münzmeister aus der Familie Timpf, deren wechselvolles Schicksal unter verschiedenen Monarchen ich in diesem Aufsatz schildern möchte.

Für den Namen Timpf gab es variable Schreibweisen: Tympf, Timpff, Timpfe, Timp, Timpke, Timbken, Timmeke, und andere. Im Text werde ich neben der häufigsten Form Timpf auch andere Formen aus den verschiedenen Urkunden anführen.

Voranstellen möchte ich eine kurze Einführung in die Ämter und Funktionen, die in einer Münzstätte vorkamen.     

 1   Laura Frost (geb. Lemmel): Johanna Schopenhauer; ein Frauenleben aus der klassischen Zeit. Berlin, 1905.

 2   Hans Georg Siegler: Der heimatlose Arthur Schopenhauer. Droste Verlag 1994 S.34.



2. Münzmeister im 17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert gab es in Deutschland unter großen und kleinen Fürsten eine Unzahl von Münzprägestätten, die oft nur für kurze Zeit in Betrieb waren und teils, in der Zeit der schwedischen Kriege, für wechselnde Herren prägten. Der "Münzfuß", das heißt Größe und Wert der Münzen und das Wertverhältnis zwischen Gold-, Silber- und Kupfermünzen, schwankte erheblich, so dass das Münzwesen recht chaotisch war und den Handel beeinträchtigte. Während der Taler im Deutschen Reich als eine Leitmünze galt, gab es bei den kleineren Münzen allgemeine Verwirrung, besonders als im 30-jährigen Krieg viele Münzherren ihren gesteigerten Geldbedarf dadurch zu decken suchten, dass sie den Silbergehalt der Münzen verringerten.

Silbermünzen waren auf die "Mark" Silber bezogen, wobei die (kölnische) Mark eine Gewichtseinheit von etwa 234 Gramm war. Da es keine geeichten Gewichte gab, hatte die Mark Silber in verschiedenen Ländern ein mehr oder weniger abweichendes Gewicht. Auch war die Definition der Münzen starken Schwankungen unterworfen. So wurden "aus der Mark" 8 bis 10 Taler geprägt, oder 120 bis 190 "Doppelschillinge". Auf Einzelheiten kann ich hier nicht eingehen.

Der Münzmeister, der seine Bestallung vom Landesherrn erhielt, war der Leiter einer Werkstatt mit technischem Gerät, etlichen Angestellten und einer sicheren Schatzkammer. Vom Landesherrn oder von dessen Münzverwalter erhielt er die Anweisung, wieviele Münzen er in welcher Größe zu prägen hatte.

Der Münzmeister war dafür verantwortlich, dass aus der ihm überlassenen Menge Edelmetalls die richtige Anzahl von Münzen geschlagen wurde und dass sie aus echtem "Schrot und Korn" waren: "Schrot" ist das Gewicht und "Korn" der Edelmetallgehalt. Das war mit den damaligen technischen Mitteln keine leichte Aufgabe. Denn waren die Münzen ein wenig zu schwer, dann machte der Münzmeister Verlust; waren sie eine Spur zu leicht, dann machte er Gewinn, aber die Münzen gerieten in Verruf. So lagen Erfolg und Ruin eines Münzmeisters oft dicht bei einander, wie wir auch in der Familie Timpf sehen werden.

Nach Herstellung des Rohlings wurden die Münzen zwischen zwei Münzstempeln mit dem Hammer geschlagen, wozu der Münzmeister einen Schmied und einen Münzgesellen als Gehilfen hatte. Die Münzstempel wurden von einem Künstler, dem Stempelschneider, angefertigt. Im Münzbild findet sich oft, mehr oder weniger versteckt, ein Münzzeichen, das den Prägeort angibt oder aber die Initialen des Münzmeisters, so "AT" für Andreas Timpf.

Die Überwachung der Zusammensetzung der Legierung des Münzmetalls ("Feinheit") oblag dem "Münzwardein". Das seltsame Wort Wardein, auch Gewardeyn und ähnlich, war aus dem mittelalterlich-lateinischen Wort guardianus entstanden, das "Wärter" bedeutet. Einmal im Jahr war "Probationstag", an dem Inventur gemacht und geprüft wurde, ob der Münzmeister die richtige Anzahl Münzen abgeliefert hatte.

Der Münzmeister bekam ein Gehalt zusätzlich zu seinen nachgewiesenen Unkosten. Wie wir aber im Falle von Andreas Timpf sehen werden, konnte der Münzmeister unter Umständen die ganze Münzstätte pachten. Dadurch brauchte sich der Münzherr nicht um Einzelheiten zu kümmern; er bekam aber nur das festgesetzte Pachtgeld, während der Münzmeister, wenn er geschickt war, beträchtliche Gewinne selbst einstecken konnte. Aber er trug auch die volle Verantwortung und wurde für mangelhafte Münzen belangt....



3. Simon Timpf, Münzmeister in Hanau

Simon Timpf ist der Stammvater einer Sippe von Münzmeistern; siehe Tafel 1. Er ist ab 1607 beurkundet, und zwar als Münzmeister der hessischen Grafschaft Hanau (3).

Über seine Herkunft gibt es widersprüchliche Angaben. Einmal heißt es, daß er aus Minden stammt (4); an anderer Stelle heißt es: aus Aachen (5). Jedenfalls soll seine Frau, Gertrud geborene Forst, "aus dem Geschlecht von Forsten in der Stadt Aachen" stammen (6).

"Aachen" ist falsch (7); es ist eine Verwechslung mit "Aken", einer Stadt an der Elbe, nahe Dessau. Dort kommt in den Kirchenbüchern, die freilich erst später einsetzen, eine Hufschmied-Familie Forst(er) vor (8). Die Heirat zwischen Simon Timpf und seiner Frau Gertrud Forst dürfte also (um 1580/1585) in Aken stattgefunden haben.

 
Tafel 1: Die Münzmeister-Sippe Timpf

Die Bestätigung erhielt ich aus dem Staatsarchiv Danzig. Dort liegt der 1673 ausgestellte Geburtsbrief (9) von Thomas Timpff, in dem erstaunlicherweise nicht nur seine Eltern angegeben sind sondern auch seine Großeltern: "Herrn Simon Timpffen, Müntzmeistern, aus Minden in Westphalen bürtig, und Frawen Gerdrut Timpffen, als welche er H. Simon Timpffe in der Stadt Aken gefreyet".

Simon Timpf wurde also (etwa um 1550/1555) in Minden geboren. Über seinen Vater konnte ich hier nichts ermitteln. Es scheint sich um eine alteingesessene Mindener Familie zu handeln. So findet man in Minden 1497 einen "Hermann Tympen" als Besitzer eines Hauses bei St.Marien und 1525 einen Rentherr "Frederick Tympe" (10). Die Mindener Bischöfe besaßen das Münzrecht, aber unter ihren Münzmeistern konnte kein Tympe/Timpf gefunden werden (11).

Simon Timpf muss einen metallverarbeitenden Beruf gelernt haben, der ihn schließlich dazu befähigte, Münzmeister zu werden. Wo er aber zwischen seiner Hochzeit in Aken (um 1580/1585) und seiner Münzmeister-Anstellung 1607 in Hanau lebte und wo seine Kinder geboren wurden, das konnte ich nicht ermitteln.

Die Hanauer Münzstätte (3) lag in Münzenberg, etwa 50 km nordwestlich von Hanau. Sie war erst um 1590 von Graf Philipp Ludwig dem II. von Hanau in der alten Reichsburg Münzenberg gegründet worden. Dort wurde Simon Timpf 1607 oder 1608 als Münzmeister angestellt. Aber schon nach wenigen Dienstjahren wurde seine Tätigkeit abrupt beendet. Im "Hanauer Dienerbuch" sind für das Jahr seiner Anstellung als Münzmeister nur drei Pünktchen eingetragen; dann folgt: "Anno 1612 war er schon ab. Er mag mit Unwillen seyn erlassen worden. Denn ... die Hanauische Münz ... wäre an Schrot und Korn nicht echt. In Nürnberg wurde dieselbe unter den verbottenen angeschlagen ...". Also: Seine Münzen waren so mangelhaft, daß sie in der wichtigen Handelsstadt Nürnberg nicht mehr angenommen wurden. Aber das war womöglich nicht dem Münzmeister anzukreiden sondern dem Grafen Philipp Ludwig, der im Jahre 1610 eine Münzteilung einzuführen versuchte, die sonst nicht üblich war: ein halber Gulden zu 13½ Albus.

In seiner Amtszeit wurden Taler, Guldentaler, Dreikreuzer, Pfennige und anderes geprägt, aber einiges davon war nicht ordnungsgemäß zur Prüfung vorgelegt worden. 1612 wird Simon Timpf in den Hanauer Probationsakten erwähnt, aber da war er schon nicht mehr in Hanau. Es heißt, dass ihm die Herausgabe seiner "Documenta" verweigert wurde, "bis der Ordnung von ihm, Timpen, Genüge geschieht". Er hatte den Dienst verlassen, bevor ein langwieriger Streit geklärt war: Der Graf beanspruchte 3000 Gulden von seinem Münzverwalter Peter Arnberger/Arenburch, und dieser behauptete, der Münzmeister hätte zu wenig abgeliefert und schulde ihm noch 281 Mark an geprägtem Gelde.

In einer Randnotiz des Dienerbuches ist für 1614 (schwer lesbar) ein Daniel Tym(pf?) erwähnt. Das könnte Simons Sohn sein, über den aber weiter nichts bekannt ist. Ein anderer Timpf-Sohn war Samuel, der schon 1609 für seinen Vater Geschäfte in Hanau besorgte.

 3   Reinhard Suchier: Die Münzen der Grafen von Hanau. Hanau 1897. Für diesen Hinweis danke ich Frau Dr. Löwenstein vom Hessischen Staatsarchiv Marburg. - Hanauer Geschichtsverein, Dienerbuch, Manuskript, S.133. Für eine Kopie danke ich Frau Monika Rademacher vom Stadtarchiv Hanau.
    
 4   Max Bahrfeldt: Beiträge zum Münzwesen der Erzbischöfe von Bremen. In: Archiv des Vereins für Geschichte und Altertümer der Herzogtümer Bremen und Verden und des Landes Hadeln zu Stade, Heft 11, Stade 1886 S.203ff. - Für diesen und andere Hinweise danke ich Frau Dr. E. Bachmann, Bremervörde.

 5   Dorothea Weichbrodt: Patrizier, Bürger, Einwohner der Freien und Hansestadt Danzig in Stamm- und Namentafeln vom 14.-18. Jahrhundert, Bd.4, 1991, S.446. Danziger Verlagsgesellschaft Paul Rosenberg, Kiel. - Siehe auch Bd.5, 1993, S.95.
    
 6   Ahnenliste Magdalena Dorothea Schliemann geb. Niemann, geb. 1680 in Wismar. In: Deutsches Geschlechterbuch Bd.105, 1939, S.659.

 7   Laut Dr. Thomas Kraus vom Stadtarchiv Aachen ist hier der Name Timpf unbekannt.
    
 8   Mtlg Pfarramt Aken.
    
 9   Archiwum Panstwowe w Gdansku (Staatsarchiv Danzig), freundliche Mitteilung 2002. Einzelheiten siehe weiter unten.

10   Kommunalarchiv Minden, Mtlg Vinzenz Lübben 2003: KAM Stadt Minden A I Nr.428 (1497 Aug.8) und Nr.498 (1525 Okt.2). Ferner: 1609 "Bartold Timpen Frau Catarina", Kirchstuhlbuch von St.Martini. - Ein weiteres Namensvorkommen in Westfalen siehe Friedrich Bamler: Bürgerbuch von Bevergern/Westfalen (westlich von Osnabrück). In: Fam'gesch. Blätter 24.Jg. 1926, Spalte 117/118 (1478 Johann Tympe) und 145/146 (1570 "Berend Moller de olde alias Timpe").

11   Mtlg des Vereins Münzfreunde Minden 2003.

 

4. Simon Timpf unter dem Fürstbischof von Bremen

Trotz seines unrühmlichen Abganges in Hanau finden wir Simon Timpfe bereits 1611 als Münzmeister des Erzbischofs von Bremen. Dass hier ein Münzmeister aus Minden angestellt wurde, dürfte auf enge Beziehungen zwischen beiden Städten zurückgehen, seit im Jahre 1558 der Mindener Bischof Georg von Braunschweig-Wolfenbüttel auch Erzbischof von Bremen wurde (10).

Innerhalb des Gebietes der Freien Reichsstadt Bremen unterstand dem Bischof nur der Dombezirk. Aus Platzmangel war die Verwaltung seines Bistums, das den Raum zwischen Unterweser und Unterelbe umfasste, nach Vörde, dem heutigen Bremervörde, ausgelagert. Dort errichtete Erzbischof Johann Friedrich im Jahre 1611 seine Münzstätte (4), in der Simon Timpfe von 1611 bis 1614 in bedeutendem Umfang Münzen prägte (12), siehe Abb.1.
 
Abb.1: Münzen des Bistums Bremen, geprägt für Erzbischof Johann Friedrich vom Münzmeister Simon Timpf in Vörde.
 - a: Ein "Bremer Grotte" von 1611.
 - b: Vier Groschen (über dem Wappenschild kaum zu sehen "4 GROS").
 - c: Ein silbernes Zwei-Schilling-Stück von 1613 (am linken Rand: "II SL ARG 1613").
 - d: Ein silberner Taler von 1612.
 - e: 10 Dukaten in Gold, ohne Jahreszahl.

Fotos: Kunsthistorisches Museum Wien.

Außerdem hatte der Bremer Erzbischof eine Münze für Holstein in Burg auf Fehmarn, die um 1612/1616 ebenfalls dem Münzmeister Simon Timpfe unterstand. 1614 wurde die bremische Münzstätte von Vörde nach Stade verlegt, wo unter Simon Timpf ab 1615 gemünzt wurde (13). Dort wurde er als "Monnoyeur de Furden" (= Münzmeister von Vörde) bezeichnet. 1619 steht "Simon Timp de Muntmeister" in einer Liste für gezahlte Biersteuer (14).

Nebenher fungierte er von 1615 bis 1619 auch als Münzmeister in Harburg, wo Herzog Wilhelm von Lüneburg-Celle im Jahre 1615 eine neue Münzstätte errichtet hatte, hauptsächlich wohl um für seinen aufwändigen Hofstaat Einkünfte zu erzielen (15). Er sah sich genötigt, auf einem Probationstag im Mai 1616 in Lüneburg und auf einem Kreistag im September 1617 in Braunschweig zusammen mit seinem Münzmeister Simon Timpfe aufzutreten, um die Anerkennung seiner Harburger Münzstätte gegen den Widerstand anderer Münzherren des niedersächsischen Kreises durchzusetzen.

Er hatte aber bereits im September 1615 seine neue Münzstätte an Simon Timpfe verpachtet. Dieser musste ihm eine jährliche Pacht von 600 Talern zahlen sowie "zum Eingange und glücklichen Antritt" einen ansehnlichen Pokal verehren. Timpfe erhielt von jeder vermünzten "feinen Mark Silbers" einen bestimmten Betrag, von dem er alle Unkosten und das Pachtgeld finanzieren musste. Er sollte auch die Beschaffung des Edelmetalls selbst besorgen, so dass er nur durch günstigen Silbereinkauf einigermaßen auf seine Kosten kommen konnte. Am 4.Oktober 1615 wurde er vereidigt. Er prägte in Harburg für Herzog Wilhelm Reichstaler und anderes mit "gekreuzten Zainhaken" als Münzmeisterzeichen; siehe Tafel 1 und Abb.2.

"Zaine" nannte man die glühenden oder heißen Münzplatten im Rohzustand, die mit einem "Zainhaken" genannten Werkzeug bewegt wurden. Zainhaken zusammen mit Buchstaben findet man mehrfach als Münzmeisterzeichen. Gekreuzte Zainhaken waren das Zeichen von Simon Timpf, wurden aber auch andernorts gelegentlich von anderen Münzmeistern verwendet (siehe zum Beispiel weiter unten Abb.6b).

Abb.2: Ein Reichstaler von Herzog Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg,
geprägt 1617 in Harburg von Simon Timpf.
Sein Münzmeisterzeichen ist auf der Wappenseite oben links zu sehen,
am Ende des Spruches "Dominus providebit" (Der Herr wird's richten).

Im Jahr 1617 gibt es außer dem Harburger Taler auch einen halben Reichstaler mit gekreuzten Zainhaken von Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein (15a). Im Katalog heißt es "Von größter Seltenheit". In diesem Jahr wurde Simons Sohn Samuel als Herzog Friedrichs Münzmeister angestellt. Hat hier Simon eine Probeprägung für die Anstellung seines Sohnes geliefert? Oder hat Samuel hier das Münzmeisterzeichen seines Vaters verwendet, bevor er sein eigenes Zeichen ST einführte? 

Abb.2a: Ein halber Reichstaler 1617 von Herzog Friedrich von
Schleswig-Holstein mit gekreuzten Zainhaken als Münzmeisterzeichen (15a).


In dieser Zeit, in der er weiterhin bremischer Münzmeister war, wohnte er in Stade, über 60 Jahre alt, so dass ihm für sein Amt in Harburg am 23.3.1618 altershalber sein Sohn Thomas "adjungiert" wurde (4). Anfang 1621 starb er: Am 2.2.1621 kauften "Simon Timbkens Erben" ein Erbbegräbnis in der Stader St.Johannes-Kirche, wo er am 4.2. begraben wurde.

Am 6.7.1623 wurde die Sterbeglocke für Simon Timpf des Münzmeisters Frau geläutet. Und am 22.9.1625 klangen die St.Cosmae-Sterbeglocken für Anneke Timpen; sie war eine Tochter von Berent von Bremen aus einer bekannten Stader Familie (14). Anneke dürfte eine Schwiegertochter des Münzmeisters gewesen sein.
 
1659 verbrannten im großen Stader Stadtbrand die Kirchenbücher und die größten Teile des Stadtarchives (16). So lässt sich die Familie Timpf nicht aus den Kirchenbüchern erschließen. Aber aus anderen Quellen ist zu ersehen, dass Simon mindestens die folgenden sechs Kinder hatte (siehe Tafel 1).

1: Simon; er stirbt in Stade als "Simon Tympen, Fürstl. Gnaden Muntzmeisters Sohn von Vorde"; weiteres siehe gegen Ende des Kapitels 5.

2: Samuel, Münzmeister in Holstein, siehe Kapitel 8.

3: Thomas, 1618 seinem Vater in Harburg als Münzmeister adjungiert; siehe Kapitel 5.

4: Sophie: am 17.8.1614 ist "Sophie Trimpen", Tochter "du Monnoieur de Furden", Taufpatin bei der Tochter Sara von Steffen Doppegießer (17).

5: Peter, Münzmeister, "des vorigen Münzmeisters Sohn"; siehe Kapitel 6.

6: Hinrich, Goldschmied und Münzwardein in Stade; siehe Kapitel 7.

Ein weiterer Sohn mag der 1614 in Hanau erwähnte Daniel Tym(pf?) sein, über den aber sonst nichts bekannt ist.

Im Jahr 1621, als Simon Timpf starb, wurde das Land von den Schweden besetzt, die die Bistümer Bremen und Verden säkularisierten und dann im Westfälischen Frieden unter der schwedischen Krone das Herzogtum Bremen-Verden mit Verwaltungssitz in Stade errichteten.


12   Frau Dr. Roswitha Denk vom Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien danke ich für Bereitstellung von Literatur und für die Anfertigung von Münz-Fotografien.

13   Max Bahrfeldt: Die Münzen der Stadt Stade. - Für eine Kopie danke ich Dr. Bohmbach, 1993.
    
14   Niedersächsisches Staatsarchiv in Stade, Wiesnersche Familiennamen-Kartei; Mtlg Dr. Lokers 1993. - Ein Herr Grodau hatte um 1940 eine Stammfolge Tympf erarbeitet und sein Material im Krieg verloren. Darauf schickte ihm am 12.6.1947 Herr Wiesner die Abschrift eines Briefes vom 29.6.1943 mit verschiedenen Daten zur Familie Tympf.

14a  Münzstätte Hitzacker: Thomas Timpfe 1623-1625. "Die Münzstätten der Welfen-Länder", im Internet (ohne Autor) 2007.

15   Max Bahrfeldt: Beiträge zur Münzgeschichte der Lüneburgischen Lande. In: Numismatische Zeitschrift Bd.25, Wien 1894, S.123-372.

15a  Internet 2013, Numismatischer Verlag Künker, Auktion 176, 2010 Osnabrück, Nr.5679.

16   Mitteilungen Stadtarchiv Stade und Kirchenkreisamt Stade 1993. Die Stader Begräbnisbücher setzen sogar erst 1740 ein.
    
17   StA Stade, Manuskript des Pastors Biernatzki als Zugabe zu dem Stader wallonischen Kirchenbuch.

 

5. Thomas Timpf, Münzmeister in Harburg

Ein ungewöhnlicher Harburger Taler von 1617 zeigt zwei Münzmeisterzeichen (15): auf der einen Seite das von Simon Timpf, auf der anderen das seines Sohnes Thomas; siehe Abb.3. Thomas war also bereits Mitarbeiter seines Vaters, dem er am 23.3.1618 förmlich "adjungiert" wurde. In diesem Jahr heiratete er in der reformierten Kirche Maria de la Ruelle (18).

Abb.3: Ein Reichstaler von Herzog Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg,
geprägt 1617 in Harburg mit den Münzmeisterzeichen
von Simon Timpf (rechts) und seinem Sohn Thomas Timpf (links).

Am 1.10.1619 trat er in den Pachtvertrag seines Vaters und wurde alleiniger Münzmeister in Harburg. Dazu überreichte er dem Herzog als Präsent einen prächtigen Schautaler (15). Der hier erwähnte Schautaler ist vermutlich identisch mit einem als "sehr selten" bezeichneten Taler ohne Jahreszahl, der in einem Versteigerungskatalog von 1930 abgebildet ist, dort jedoch irrtümlich dem Münzmeister Simon Timpf zugeordnet wurde (18a). Das Münzzeichen ist das des Thomas Timpf.

Abb.3a: Ein Taler von Herzog Wilhelm, ohne Jahreszahl (18a), mit dem Münzmeisterzeichen von Thomas Timpf.
 
Thomas musste nun aber, statt der bisherigen 600 Taler, eine jährliche Pacht von 1000 Talern an Herzog Wilhelm zahlen. Um so hohe Einkünfte zu erzielen, musste er jährlich etliche tausend Taler prägen (Abb.4), woraus sich alsbald ein Streit mit der benachbarten Stadt Hamburg entwickelte.

Abb.4: Harburger Prägungen von Thomas Timpf für Herzog Wilhelm von
Braunschweig und Lüneburg: Ein "halber Reichs-Ort" (= 1/8 Taler)
von 1622; ein "Ort" (= 1/4 Taler), ohne Wertangabe und ohne
Jahreszahl, wohl von 1619; und zwei "Reichstaler" in zwei
Ausführungen von 1622 und 1624. Das Münzmeisterzeichen befindet
sich jeweils auf der Porträtseite oben.

In diesen Jahren münzte er auch für andere Herren (4). 1618, 1619 und 1620 gibt es Vörder Münzen mit seinem Münzzeichen. Auch münzte er 1620 für das Domkapitel zu Verden und 1623-1625 für Herzog August den Jüngeren zu Hitzacker (14a,18b), und zwar für beide von Harburg aus.

In dieser Zeit mitten im 30-jährigen Krieg führte der Brauch, durch höchste Ausnützung des Münzrechts vermehrte Einnahmen zu erzielen, zu unguten Entwicklungen. Mit der schwieriger werdenden Beschaffung des Silbers wurden drei Juden in Altona betraut, denen sogar Münzbefugnisse übertragen wurden. Sie konnten aber ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, flüchteten und wurden schließlich festgenommen. Da der Herzog seinen Münzmeister für dieses fehlgeschlagene Unternehmen verantwortlich machte, wurde Thomas Timpf zum 1.4.1625 entlassen, wobei er dem Herzog eine größere Summe schuldig blieb (15).

Ein Vetter von Herzog Wilhelm zu Harburg war Herzog Christian zu Celle, der nebenbei auch erwählter Bischof des Stiftes Minden war und in Winsen an der Luhe eine Münzstätte betrieb. Um diesen Münzmeisterposten bewarb sich um die Jahreswende 1623/1624 Thomas' Bruder Simon Timpf der jüngere. Dazu schickte Herzog Wilhelm ein Empfehlungsschreiben (15) an Herzog Christian. Aber die Bewerbung war vergeblich, und statt dessen bewarb sich nun Thomas Timpf, als ihm in Harburg bereits die Entlassung drohte, am 17.1.1625 bei der Münzstätte in Winsen. Im Oktober 1626 und im Oktober 1627 bat er abermals um Anstellung, wobei er fünf Münzen als Probe mitschickte (15). Aber sein Gesuch wurde abgeschlagen und die Stelle wurde anderweitig besetzt. Thomas war noch keine 40 Jahre alt; sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt.

18   Weichbrodt, wie (5). Hier ist ein Sohn Peter angegeben, der 1649 Münzmeister in Stade ist. - Richtig ist, dass dieser Peter nicht Sohn sondern Bruder von Thomas Timpf ist.

18a  Internet 2013: digi.ub.uni-heidelberg, Münzenversteigerungskatalog 1930, Nr.1535.

18b  In Harburg wurde von 1615 bis 1631 geprägt, und zwar 1615-1619 unter "Simon Timpf d.Ä.", und 1618-1624 unter "Thomas Timpf d.J.".  Thomas Timpfe auch 1623-1625 in Hitzacker, wo von 1617-1625 geprägt wurde. Internet 2013: Die Münzprägestätten der Welfenländer.


5a. Simon Timpf, Münzmeister in Glückstadt

"Simon Timpf der jüngere, des gestorbenen Münzmeisters Simon Timpfens säliger Sohn" hatte sich 1624/1625 vergeblich um die Münzmeisterstelle in Winsen an der Luhe beworben. Dann schweigen die Quellen über ihn. Nach geraumer Zeit taucht er bei König Christian dem IV. von Dänemark als Münzmeister von dessen Schlesiwg-Holsteiner Münzstätte in Glückstadt auf, die an der Niederelbe gleich gegenüber von Stade liegt. Bei einer Münzauktion im Jahre 2015 (kü) wurden einige Silberstücke, geprägt von Simon Timpf dem Jüngeren in Glückstadt, angeboten: 8 Schilling von 1641 und 1642, sowie ein 1/16 Taler (Düttchen, 3 Schilling) von 1643. Sein Münzmeister-Zeichen enthält die nur mühsam zu erkennenden verschlungenen Buchstaben ST, in etwa anderer Anordnung als das ST-Zeichen seines Bruders Samuel Timpf, wie wir sehen werden.

           
Abb.4a: 8 Schilling und 3 Schilling (kü) geprägt 1641-1643 von Simon Timpf dem Jüngeren in Glückstadt für König Christian den IV. von Dänemark.

1644 tauchen hier in Glückstadt auf einem silbernen 3-Schilling-Stück als Münzmeister-Zeichen wieder die gekreuzten Zainhaken auf. Dieses Zeichen wird im einen Fall (Al) dem Simon Timpf mit Fragezeichen zugeordnet, im anderen Fall (kü) dem Münzmeister Jakob Schwiegelt. Was ist richtig?
 
Abb.4b: 3 Schilling, Glückstadt 1644, mit gekreuzten Zainhaken als Münzmeister-Zeichen.

Simon dürfte um 1643/1644 gestorben sein. In einem Brief (19) im Stader Staatsarchiv heißt es:  "Am 1.4.1613 läuten die Sterbeglocken für Simon Tympe Fürstl. Gnaden Müntzmeisters Sohn von Vorde". In diesem Brief, der die Abschrift einer Abschrift ist, ist die Jahreszahl 1613 sicher unrichtig. Allenfalls könnte Simon am 1.4. 1643 oder 1644 gestorben sein.

kü   Katalog der Künker-Auktion Nr.261, 2015 in Osnabrück. S.49 Nr.4158 ff Münzmeister Simon Timpf der Jüngere. - S.49 Nr.4159 und 4162. -  S.50 Nr.4163, 3 Schilling von 1644 mit Zainhaken, dem Münzmeister Jakob Schwiegelt zugeordnet, von dem auch 1645-1647 Münzen mit Zainhaken abgebildet sind.  (Internet unter books.google.at, 2016)

Al   Museum Altona, III Schilling, König Christian IV, Glückstadt 1644, gekreuzte Zainhaken als Zeichen von "Simon Timpf(?), Münzmeister in Glückstadt". (Internet unter museum-nord.de, 2016)

19   Wiesner-Grodau-Brief im Staatsarchiv Stade (14).

Simon junior starb kurz darauf in Stade, kaum mehr als 30 Jahre alt (19).


6. Peter Timpf, Münzmeister in Holstein, Stade
und Vörde

Simons Sohn Peter Timpf lebte zunächst in Stade. Das Land war nun unter schwedischer Besetzung. 1629 ließ "Peter Timmeke" sich seiner Großmutter "Stede" (= Kirchenstuhl) zuschreiben (14).

Er ging dann aber nach Holstein, wo er im Jahre 1634 als Münzmeister bei Herzog Friedrich zu Holstein-Gottorp beurkundet ist. Er hatte dieses Amt von seinem älteren Bruder Samuel übernommen, der es seit 1617 innegehabt hatte (20); siehe Kapitel 8. Am 26.4.1634 verfasste der Wardeyn Heinrich Pulß für den Herzog eine ausführliche Abrechnung "wegen des durch Peter Timpfen zum ersten mahl vermüntzten Silbers". Darin ist von 2476 Talern die Rede. Und am 20.5.1634 verfassten "Heinrich Pulß und Peter Timpfe, fürstliche holsteinische respective Wardeyn und Müntzmeister" einen gemeinschaftlichen Revers über ihre Verpflichtungen, nachdem sie vom Herzog eine Silberlieferung von 134 Pfund und 31 Lot erhalten hatten, und zwar in zwei großen Stücken gegossenen Silbers (21).

In Auktionen (21a) fand ich 1/4, 1/8 und ganze Reichstaler, die vom Münzmeister Peter Timpf 1634 und 1635 in Schleswig geprägt wurden. Als sein Münzmeisterzeichen findet man die Buchstaben PT, die bei dem Reichstaler rechts und links vom Wappenschild versteckt sind. 
             
Abb.4a: Peter Timpf, 1/4  und 1/8 Reichstaler, Schleswig 1635. 1 Reichstaler, Schleswig 1634. 

Im Auktionskatalog von 2010 (21a) gab es auch einen ganzen Schleswiger Reichstaler von 1622, angeblich von Peter Timpf. Hier halte ich die angegebene Zuordnung zu Peter Timpf für einen Irrtum, denn 1622 kann er noch kaum in Schleswig Münzmeister gewesen sein, und das Münzmeisterzeichen dieses Reichstalers, das zwar den Buchstaben T enthält, ist in der Timpf-Sippe nicht anzutreffen.
 
Abb.4b: 1 Reichstaler, Schleswig 1622, nebst vergößertem Münzmeisterzeichen, dem Peter Timpf (wohl irrtümlich) zugeschrieben. (21a)

Etwa 1635/1637 bewarb sich Peter an die Münze seiner Heimatstadt Stade. Hier war nach dem Tod von Simon Timpf 1621 ein anderer Münzmeister tätig gewesen (22); er prägte mit der Jahreszahl 1621 und dem Münzzeichen HB, das bisher nicht gedeutet werden konnte. Dann ruhte die Ausmünzung und wurde erst 1640 wieder aufgenommen (13).

1638 erhielt "Peter Timpfe, des vorigen Münzmeisters Sohn" in Stade einen "Contract" als Münzmeister. Unter anderem sollte er prägen: "Rthaler" und "Orther" (das sind Vierteltaler) "nach Reichs Schrot und Corn"; "Dreischillinge, 12 Loth, 136 Stück auf die Mark". Er lebte aber noch in Fehmarn, erschien nicht in Stade und konnte seinen Contract nicht einhalten. Darauf wurde am 11.7.1639 beschlossen, einen anderen Münzmeister zu engagieren. Doch am 9.12.1639 ließ Peter Timpfe durch einen Diener verhandeln; er gab an, dass er nicht aus Vorsatz sondern aus Schwachheit ferngeblieben sei und dass er sich einstellen wolle, sobald er wisse, "wie es wegen der verflossenen Zeit solle gehalten werden". Nachdem der Rat ihm zusicherte, dass er "ungefährdet bleiben solle", traf er 1640 in Stade ein. Er prägte Münzen mit der Jahreszahl 1640 und dem Münzmeisterzeichen PT. Die Münzen hatten jedoch nicht den vorgeschriebenen Feingehalt, und im März 1641 wurde er von den aufgebrachten Stader Bürgern bedroht, so dass der Münzmeister sich wiederum beschwerte, "die Bürger wollten ihm den Kopf entzweischlagen"; daher "wolle er lieber die Stempel niederlegen", was dann wohl auch geschah.

In der Folge fungierte er von 1641 bis 1643 in Vörde als Münzmeister für Erzbischof Friedrich von Bremen, als dieser sich kurze Zeit gegen die Schweden behaupten konnte. Doch bereits 1645 okkupierte Schweden abermals das erzbischöflich bremische Gebiet, das im Frieden von 1648 vollends säkularisiert wurde. In Vörde war Peter Timpfe der letzte Münzmeister, und nach ihm ist hier nicht mehr geprägt worden (13).

In dieser Zeit lebte er weiter in Stade, trotz seines lädierten Ansehens bei den Stader Bürgern. Im Chor von St.Johann wurden am 12.1.1643 sein Kind und Ostern 1647 seine Frau beigesetzt (14).

Am 22.3.1649 wurde Peter Timpfe als Münzmeister in Stade von der neuen Regierung angestellt. So münzte er 1649 und 1650 in schwedischen Diensten für das Herzogtum Bremen-Verden. Am 22.3.1649 wurde er für zunächst drei Jahre zum Münzmeister bestellt: "Acta betr. Bestallung des Münzmeisters P. Timpfen für das Herzogtum Bremen" (23). Er prägte Dukaten, Thaler, Dütchen, Doppelschillinge, Sechslinge (13).

In die Zeit der Münzmeister Timpfe, Vater Simon und Söhne, fällt eine numismatische Eigenheit. In Stade und Bremen wurden fremde Münzen, zum Beispiel Lübecker Doppelschillinge, mit kleinen, etwa 6 mm großen "Gegenstempeln" versehen, die das Stader Stadtwappen, einen aufrechten Schlüssel mit Bart nach links, oder das Bremer Wappen, einen schrägen Schlüssel mit Bart nach rechts oben, zeigen. Die Prägung des kleinen Gegenstempels wurde einfach über die Originalprägung drübergeschlagen. Den Gegenstempel bekamen nur die "guten" Münzen, um sie von den neueren Münzen, die aus schlechter legiertem Silber geprägt waren, unterscheiden zu können. Auch wurde hierdurch die Prägung eigener Münzen auf einfache Weise ergänzt.

Der Numismatiker Rudolf Meier (22) berichtete von einem Harburger Doppelschilling (1/16 Taler) aus dem Jahre 1617, der von Simon Timpf in Harburg geprägt worden sein muss und der später, wohl von Peter Timpfe, einen Gegenstempel der Stader Münzstätte erhielt (Abb.5).

 Abb.5: Harburger Doppelschilling (=1/16 Taler) von 1617, mit dem
Gegenstempel von Stade (kleiner Schlüssel unterhalb der Mitte der
Münze). Die Harburger Prägung muss von Simon Timpfe, der Stader
Gegenstempel von Peter Timpfe sein. Vergrößert; das Original hat
27 mm Durchmesser.

Am 12.3.1657 ist in Stade ein neuer Münzmeister, Johann Schulze, beurkundet. Peter Timpfe dürfte wohl gestorben sein.


20   Ed. Grimm: Münzen und Medaillen der Stadt Rostock, Berlin 1905, S.146; Kopie durch wiss. Archivarin Ehlers, 1993. - Walter Hannemann: Die Münzmeister der Stadt Rostock. Nordostdeutsches Kulturwerk Lüneburg, 1974, S.28f.
                                                          
21   Landesarchiv Schleswig-Holstein (LASH), Abt.7 Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf: Nr.3047 Allgemeine und verschiedene Münz- und Währungssachen vol.iii 1630-1708; enthält u.a.: Hzgl. Münzbescheid von 1634 (nicht 1674!) mit Abrechnung über Silberlieferungen von Heinrich Puls, Peter Timpe den Bottschlotter Interessenten. - Für die Hinweise auf die einschlägigen Urkunden des Landesarchives (siehe auch folgende LASH-Fußnoten) danke ich Herrn Oliver Fieg, 2002.

21a  Internet 2013/2016, Numismatischer Verlag Künker, Auktion 176, 2010 Osnabrück, Nr.5684 und 5673. - Der Reichstaler von 1622 erzielte 2012 einen Auktionspreis von 390,- Euro. - Ein Reichstaler von 1622 irrtümlich dem Peter Timpf zugeordnet. -
Auktion Nr.261, 2015 in Osnabrück, S.70 Nr.4260 und S.72 Nr.4275.
    
22   Rudolf Meier: Auch Stade ließ Gegenstempel auf Münzen schlagen; in: Der Münzen- und Medaillensammler Nr.169, 30.Jg. 1990 S.861f. - Diesen Hinweis verdanke ich Frau H. Frobeen. - Auf S.862 findet man die Abbildung eines Stader Talers von 1621 mit dem Münzmeisterzeichen HB. - In Abb.1 und 10 sieht man den Harburger Doppelschilling von 1617 mit dem Stader Gegen-stempel. - Von dieser Rarität wurde sogar in Tageszeitungen berichtet: "Numismatische Kostbarkeit", in: Harburger Rundschau, 14. März 1990.
    
23   Niedersächsisches Staatsarchiv Stade, Rep.5a (Schwedisches Archiv) Fach 130 Nr.153; ein schlecht erhaltenes Blatt. - Mitteilung Dr. Lokers 1993.

 


7. Hinrich Timpke, Münzwardein in Stade

Hinrich Timpke oder auch Timbken, Sohn von Simon, und zwar wohl der jüngste, erscheint in Stade ab 1625 als Goldschmiedemeister und Siegelschneider. Unter seinen Lehrjungen sind seine Söhne Henrich 1646-1650 und Johan 1650-1654 (24).

1649 überwachte Hinrich als Amtsmeister einen Glockenguss. In diesem Jahr wurde er von den Schweden für ihre neue Münzstätte in Stade als Münzwardein eingesetzt (13). In dieser Funktion musste er dem Münzmeister, also seinem Bruder Peter, die korrekte Zusammensetzung der Münzlegierungen bestätigen, wozu er als Goldschmied die richtige Ausbildung hatte.

Am 3.11.1653 überließ er, nunmehr an die 60 Jahre alt, seine Stelle als Amtsmeister seinem gleichnamigen Sohn, der am 30.6.1654 die Heiratserlaubnis erhielt. Beide wohnten in der Hökergasse, wohl in der Nachbarschaft zur Stader Münze. Es scheint dann aber, aus unbekanntem Grunde, ein Zerwürfnis gegeben zu haben, denn am 19.8.1658 wird "Henrich Timpke der Ältere seines Amtes verlustig, nachdem er sich mit Haus und Familie wegbegeben hatte". Wohin er ging, ist nicht bekannt. Er starb 1665, sein gleichnamiger Sohn 1703 (24).

Ein "Bosche Timpke" war 1618-1623 Lehrling beim Goldschmied Claus Alders in Stade (14). Ich vermute, dass hier der seltsame Name Bosche ein Spitzname oder ein Lesfehler ist und dass es sich um den angehenden Goldschmiedemeister Hinrich Timpke handelt.

Ferner gibt es einen Jürgen Jochim Timke, der 1673 bei St.Cosmae in Stade einen Kirchenstuhl auf seinen Sohn Jürgen überschreiben ließ (14). Jürgen Jochim dürfte ein Enkel von Simon Timpf sein, unklar, über welchen seiner Söhne.

24   Clasen: Stader Silber, S.47. - Fotokopie durch Dr.Bohmbach, Stadtarchiv Stade, 1993.  
  
  



8. Samuel Timpf, Münzmeister in Holstein und Rostock

Wir sahen schon, dass bereits 1609 in Hanau Samuel Timpf für seinen Vater Simon Geschäfte erledigte; er dürfte also bereits vor 1590 geboren sein. 1612 bis 1616 war der Vater Simon in Burg auf Fehmarn für die erzbischöflich-bremische Münze tätig; dabei assistierte ihm der Sohn Samuel, der alsbald das Amt des Vaters übernahm und am 18.2.1617 Bürger in Burg auf Fehmarn wurde (25). Er ehelichte, wohl ebenfalls im Jahr 1617, Magdalena, die Tochter des Burger Bürgermeisters Andreas Eler und seiner Frau Magdalena geb. Rauert (26). Hier wurde, wahrscheinlich 1618, der Sohn Andreas geboren, auf den wir noch zu sprechen kommen werden.
 
Im Landesarchiv in Schleswig findet sich ein Akt von 1616/1617 über Münzmeister Samuel Timpf und dessen "in Lübeck vorenthaltenes Silber". In dieser Zeit errichtete der holsteinische Herzog, der in der Stadt Schleswig auf Schloss Gottorp saß, auf Fehmarn eine Holstein-Gottorp'sche Münzstätte (4), bei der der (zuvor bremische) Münzmeister Samuel Timpfe am 10.9.1617 angestellt wurde (27).

Es folgten etliche Funktionen in herzoglich holsteinischen Diensten (28). 1620 wurde Samuel Timpf beauftragt, im Dorf Steinbeke, einer alten holsteinischen Münzstätte, eine neue Münze einzurichten, und am 1.12.1620 wird er hier als Münzmeister bestätigt.

Am 28.12.1622 wurde er Münzmeister in Schleswig. Er prägt hier noch 1622 als erstes einen halben Reichstaler, wobei er als Münzmeister-Zeichen die gekreuzten Zainhaken seines Vaters benutzte (28a). Das ist aber ein Einzelfall, denn fortan sind seine Münzen mit den Buchstaben ST gekennzeichnet.
       
Abb.5: Samuel Timpf, Schleswig, 1/2 Reichstaler 1622, mit gekruzten Zainhaken als Münzmeister-Zeichen (28a). Später benutzte er stets die Buchstaben ST über einander als sein Zeichen.

1625 ist er als Münzmeister in Kiel beurkundet. Noch im Jahr 1627 wird Samuel Timpe als Münzmeister in Schleswig und Kiel erwähnt (29). Entsprechend gibt es Reichstalermünzen von Samuel Timpf in den Jahren 1622-1628. Diese wurden in Schleswig geprägt, während halbe, viertel und achtel Reichstaler in Steinbeke geprägt wurden (29a).

Abb.5b: Samuel Timpf, Schleswig, Reichstaler 1623, Steinbeke 1/2 Reichstaler 1625, Reichstaler 1628, 1/8 Reichstaler 1625 (29a).

Es wird nun berichtet (20), dass er seinen Posten an seinen Bruder Peter abtrat, der fortan als Münzmeister bei Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein tätig war, während Samuel sich nach Burg auf Fehmarn begab, wo er "sich dem Ackerbau widmete". Er war also ein "Aussteiger" - aber wohl nicht ganz freiwillig, denn aus seinen letzten Dienstjahren gibt es zwei Prozessakte (30) über "Münzwardein Heinrich Puls contra Münzmeister Samuel Timpe betr. Gehaltszahlung 1622-1628" sowie "Münzmeister Samuel Timpe contra Münzschmied Fritz Engelbrecht in puncto debiti wegen veruntreuten Silbers 1625-1628".

Samuels Ackerbau währte 7 Jahre. Am 25.8.1635 bewarb er sich um die Stelle des Münzmeisters in Rostock, die er dann über 20 Jahre bis zu seinem Tod innehatte. Mit seinem Münzzeichen ST prägte er Doppelschillinge, Taler, Dukaten, Kupferpfennige und andere Sorten (20), siehe Abb.6.

 
Abb.6: Rostocker Prägungen von Samuel Timpf; links ein Dukat von
1636; rechts ein halber Taler von 1637. Das Münzmeisterzeichen,
S und T verschlungen, sieht man oben in der Mitte.

In den Rostocker Ratsakten findet man über ihn nur spärliche Nachrichten (31). 1637 ist Samuel Timpfe als Münzmeister in einer Rostocker Baukostenrechnung genannt. In einer Liste der Rostocker Münzmeister und Wardeine (32) werden für das Jahr 1650 Samuel Timpke und (sein Sohn) Andreas Timpke genannt. Am 26.12.1660 heißt es in einem Schreiben der Münzherren (das heißt: der zuständigen Rostocker Senatoren), dass die Münzmeisterstelle durch Absterben des Samuel Timpfe vakant sei. Im März 1661 sollte die Stelle, die "des sel. Samuel Timpfe gewesen", wieder besetzt werden (31). Er war aber bereits 1656 gestorben, und zwar in Güstrow. Als sein Nachfolger als Rostocker Münzmeister wurde 1659 sein Sohn Andreas ernannt (20). Andreas Timpf, der zu dieser Zeit bereits königlich-polnischer Münzmeister war, sollte offenbar nach dem Tod seines Vaters die Rostocker Münze mit versorgen, bis sie 1660 neu ausgeschrieben wurde.

Nach einer anderen Quelle (5) wurde der Rostocker Münzmeister Samuel Timpf(e) am 29.11.1674 in der Danziger Marienkirche unter dem Stein 32 beigesetzt, 78 Jahre alt. - Hiernach wäre er 1598 geboren. Dieses Geburtsjahr passt nun ganz und gar nicht zu Samuel (33), der schon 1617 heiratete und als Münzmeister bestallt wurde. Es würde aber durchaus zu Samuels Witwe passen, die nach Samuels Tod zu ihrem Sohn nach Danzig gezogen und in der Marienkirche beigesetzt sein mag. Der Sterbeeintrag der Witwe wurde also irrtümlich dem Münzmeister selbst zugeschrieben.

Mangels erhaltener Taufregister in den fraglichen Orten konnten Samuels Kinder nur teilweise erschlossen werden. Bisher wurden vier Kinder aus ihren Heiratseinträgen (5,6) bekannt:

1. Der schon genannte Danziger Münzmeister Andreas Timpfe/Tympf, der um 1618 in Burg auf Fehmarn geboren wurde. Siehe Kapitel 9 bis 11.

2. Gertrud Livia Timpf, * 3.5.1625 in Kiel, + 9.2.1650 in Rostock, oo 9.10.1643 in Rostock mit Dr.jur. Ambrosius Petersen, + 24.3.1670 in Wismar. Tochter: Magdalena Agneta, * 1647 in Rostock, oo mit Christoph Niemann, Brauer in Wismar.

3. Magdalena Timpfe, * etwa 1627/1630 wohl in Kiel oder Burg, oo 1651 in Rostock mit dem Kaufmann und Brauer Reinhold Behn. Sohn: Stefan Behn, * 1652, Kaufmann in Danzig.

4. Thomas Tympf, * um 1632, Kaufmann in Danzig und Münzmeister in Polen und Ostpreußen. Siehe Kapitel 12.

Zusätzlich könnte das eine oder andere Kind um 1620 in Schleswig geboren sein. Aber auch hier sind aus dieser Zeit keine Taufbücher erhalten (34).

25   Bürgerbuch Burg; Mtlg K.Volkart 1969.

26   DGB Bd.105, wie (6), und Weichbrodt, wie (5).

27   LASH Abt.7, Nr.4079 Beziehungen zwischen Fehmarn und Lübeck 1616-1696; u.a. Münzmeister Timpf und dessen in Lübeck vorenthaltenes Silber 1616-1617.

28   LASH Abt.7, Nr.227 Bestallungen 1616-1628. - Hinweis auch durch Mtlg K.Volkart 1969.

28a  Künker, Auktion  Nr.261, 2015 in Osnabrück, S.70 Nr.4261. Da Samuel Timpf sonst immer das Münzmeister-Zeichen ST benutzt, wurde im Katalog dieser halbe Reichstaler einem "Unbekannten Münzmeister" zugeordnet.

29   LASH Abt.7 Nr.3046 Allgemeine und verschiedene Münz- und Währungssachen vol.ii 1620-1627.

29a  Internet 2013/2016, Numismatischer Verlag Künker, Auktion 176, 2010 Osnabrück, Nr.5674-5682. - Auktion Nr.261, 2015 in Osnabrück, Seiten 67-70.

30   LASH Abt.7 Nr.3058 und 3059.

31   Archiv der Hansestadt Rostock, Ratsakten zum Münzwesen. - Mtlg Frau Ehlers 1993.

32   Carl Friedrich Evers: Mecklenburgische Münzverfassung, Leipzig 1983, S.333; Reprint der Originalausgabe Schwerin 1798. - Mtlg Frau Helga Frobeen, Hamburg, 2000.

33   Wegen Samuels irrigen Lebensdaten in der Danziger Quelle ("+1674, 78 Jahre alt", also *1596) konnte Frau Weichbrodt (5) den Samuel Timpf nicht als Vater des Danziger Münzmeisters Andreas Timpfe ansehen sondern ordnete beide als mutmaßliche Brüder ein.

34   In Schleswig beginnen die Kirchenbücher 1715 (Dom), 1656 (St.Michaelis), 1667 (Friedrichsberg). - Mtlg ev.-luth. Kirchenkreis Schleswig 1993.



8a. Ein Hochzeitstaler von 1649

I
m Jahr 2009 erhielt ich die Kopie eines Hochzeitstalers (34a) , der als Münzmeisterzeichen die gekreuzten Zainhaken zeigt, eingerahmt von den Buchstaben S und T.
           
Abb.6a: Hochzeitstaler

Eine Jahreszahl fehlt. In der Umschrift tauchen neben dem Hinweis auf die Hochzeit zu Kanaa die Buchstaben IOHA:A:Z: auf, für deren Deutung Herr Weber "Johannes von Anhalt-Zerbst" vorschlug. Demnach muss der Taler 1649 geprägt worden sein, und zwar zur 1649 erfolgten Hochzeit des Fürsten Johannes von Anhalt-Zerbst mit Sophia Auguste, Herzogin von Holstein-Gottorp — die Braut aus Holstein, wo der Münzmeister Samuel Timpf gewirkt hatte!

Die Zainhaken und die Buchstaben ST sprechen eindeutig für Samuel Timpf als Münzmeister. Allerdings waren die Zainhaken das Zeichen seines Vaters Simon Timpf gewesen, aber der war schon 1621 gestorben. Samuel war freilich 1649 nicht mehr Münzmeister in Holstein sondern bereits ab 1635 in Rostock. Dort scheint er aber nicht ständig anwesend gewesen zu sein, da er hier um 1650 zeitweise von seinem Sohn Andreas vertreten wurde. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass Samuel in dieser Zeit in Holstein den Hochzeitstaler prägte. In Rostock hatte er mit dem Münzmeisterzeichen ST geprägt, das er nun mit den in Holstein bekannten Zainhaken seines Vaters kombinierte.

Dieser Hochzeitstaler hat 45 mm Durchmesser und 27,03 g Gewicht (34a). Daneben gibt es
einen halben Hochzeitstaler mit 14,51 g Gewicht in der gleichen Zeichnung, der in einer Münzauktion (34b) einen Preis von 210 Euro erzielte. Er war im Auktionskatalog irrtümlich unter "Hamburg-Stadt" einsortiert.

Später wurde freilich das Münzzeichen der gekreuzten Zainhaken auch anderweitig verwendet. So 1752 vom Münzmeister Johann Justus Jaster, der in dieser Zeit für die Stadt Lübeck prägte und seine Initialen JJJ mit dem Zainhaken-Zeichen verband (34c).

Abb.6b: Zainhaken eines anderen Münzmeisters
34a   Freundliche Mitteilung von Herrn Volker Weber, Wattenbek, nebst Kopien.
34b  Teutoburger Münzauktion Nr.43, Feb.2009, laut Mtlg V.Weber.  
34c   Mitteilung V.Weber nebst Abbildung, Taler Stadt Lübeck 1752.



9. Andreas Timpf, Münzmeister in Lüneburg

Das Münzhaus in Lüneburg, An der Münze 3 (jetzt Sparkasse) [34d].
Hier wirkte der Münzmeister Andreas Timpf 1643-1649.

Samuels Sohn Andreas Timpf wurde um 1618 in Burg auf Fehmarn geboren. Mit seinem Vater zog er 1625 nach Rostock und lernte bei ihm.

1643, also bereits im Alter von etwa 25 Jahren, wirkte er als Münzmeister in Lüneburg, wo er als Nachfolger des entlassenen Münzmeisters Jonas George zunächst einen Vertrag auf ein Jahr erhielt. Am 27.7.1643 trat er sein Amt an (34e). Er sollte die "goldenen und groben silbernen Sorten (Talerwerte) schlagen". Die kleinen Münzen vom Doppelschilling abwärts sollten "nach dem Gehalt" geprägt werden. Er verwendete das Münzmeisterzeichen A, jedoch prägte er auch mit dem Münzeisen des Vorgängers, ohne das Zeichen zu ändern.

Eine interessante Gold-Prägung von Andreas Timpf ist ein Lüneburger "Portugaleser" (34e). Das waren Nachprägungen von portugiesischen Golddukaten, die in Norddeutschland (z.B. Hamburg 1574) und Schweden in Mode waren. Die eine Seite mit einem Kreuzmotiv ist eine Kopie des portugiesischen Originals, mit der Umschrift "In Christo Crucifixo Pendet Salus Nostra" (IN XPO CRUCIFIXO PENDET SALUS NRA - "Im Kruzifix ist unser Heil"). Die andere Seite hat zwei Umschriften, und zwar die Angabe der Münzstätte (MONETA  AUREA  CIVITATIS  LUNEBURGENSIS) sowie ein Qualitätshinweis "NACH PORTUGALIS SCHROT UND KORN", also Gewicht und Feingehalt des portugiesischen Originals. Auf der Kreuzseite kann man das Zeichen AT des Münzmeisters erkennen.
 
Abb.6c: Viertelportugaleser der Stadt Lüneburg. Ohne Jahreszahl. (34d)
Münzmeister Andreas Timpfe, rechts sein Münzzeichen AT.

Unter Herzog Friedrich von Braunschweig und Lüneburg gab es bei einer Münzprobe Beanstandungen der von Timpfe geprägten Lüneburger Doppelschillinge und Schillinge, so dass Andreas Timpfe 1649 den Lüneburger Dienst verließ (35). Das Lüneburger Bürgerrecht hatte er nicht erworben; er zog sich nach Stade zurück, wo zu dieser Zeit sein Onkel Peter Timpf als Münzmeister fungierte. Drei Briefe, datiert in Lüneburg im September 1649 und in Stade im Dezember 1649, richtete er an Bürgermeister und Rat der Stadt Lüneburg, um auf Anschuldigungen eines Klägers zu antworten (36). Die Stadt aber berief 1649 erneut den Münzmeister George, den sie 1643 entlassen hatte (34e).

Derweil blieb seine Frau, eine gebürtige Lüneburgerin, noch in Lüneburg zurück, wo sie 1650 einen Sohn bekam. Über die Familie geben die Lüneburger Kirchenbücher Auskunft (37). 1646 heiratete "der Erbar und edelvest Andreaß Timpfe die ehr- und tugendsame Jungf(rau) Anna Rachow, des S(eligen) Joachim Rachow hinterbl. eheleib. Tochter"; ihre Eltern, Joachim Rochauwe und Anna Wolmers hatten 1609 geheiratet. Bisher konnte ich 4 Kinder ermitteln:

1. Die Tochter Concordia wurde (nach ihrem Sterbealter) um 1646/1647 geboren; jedoch konnte ich ihren Taufeintrag in Lüneburg nicht finden. Sie wurde am 30.6.1716 in der Danziger Marienkirche unter Stein 354 beigesetzt, 69 Jahre alt (38). Sie starb als die Witwe des Danziger Münzwardeins Daniel Siewert, der um 1631 (in Elbing?) geboren und am 13.8.1683 in Danzig beigesetzt wurde. Die beiden Söhne, Daniel und Christian Siewert, wurden ebenfalls Münzwardeine in Danzig und Königsberg.

2. Am 21.3.1648 wurde in Lüneburg die Tochter Anna geboren oder getauft. Sie ist meine zweifache Ahnfrau. Aus zwei Ehen (39) bekam sie in Danzig viele Nachkommen, so dass sie oftmals in Danziger Ahnentafeln aufscheint, wobei über ihren Geburtsort falsche Angaben kursieren (40). In erster Ehe heiratete sie 18-jährig am 28.2.1666 in der Danziger Marienkirche den Kaufmann Johann Renner aus einer Danziger Tuchhändlerfamilie, welche um 1605 vorübergehend auch in Lemberg ansässig gewesen war. In der selben Kirche heiratete sie am 23.5.1688, nun bereits 40-jährig, den Leipziger Kaufmann und Ratsherrn Hartmann Maul, der 1672 nach Danzig gekommen war und hier ebenfalls Ratsherr und schließlich Richter wurde. - Heinrich Renner, ein Sohn der Anna Tympf aus erster Ehe, und Anna Maul, ihre Tochter aus zweiter Ehe, sind beides meine Vorfahren (41); siehe Tafel 2.

3. Eine Tochter Magdalene Timpfe ist am 16.4.1649 im Lüneburger Taufbuch eingetragen. Ihre Taufpatin war die gleichnamige Tante, die Schwester des Vaters Andreas.
 
4. Am 9.12.1650 steht im Lüneburger Taufbuch: Samuel Matthieß filius Andreas Timpff; Pate: Samuel Matthieß Timpff. Der Taufpate ist entweder ein noch unbekannter Bruder von Andreas; oder aber er ist identisch mit dem Großvater Samuel Timpf, von dem freilich Matthieß als zweiter Vorname sonst nirgends belegt ist.

Wahrscheinlich hat Andreas Timpf an seinen späteren Wohnorten weitere Kinder bekommen.

 
Tafel 2: Die Abstammung des Autors von zwei Kindern der Anna Tympf


34d   Foto H.-C.Sarnighausen 2014

34e  Eberhard Schnuhr: Portugaleser in Lüneburg; in: Lüneburger Blätter 1967 Heft 18. -  Mitteilung Rudolf Meier, mit Fotos, 2012.

35   Eberhard Schnuhr: Lüneburg als Münzstätte. Lüneburg 1956, S.25f. - Mtlg Frau Dr. E. Bachmann, Bremervörde, 1992.

36   Stadtarchiv Lüneburg, Kopien von 3 Briefen; Einzelheiten schwer zu entziffern. - Mtlg Frau Dr.Reinhardt 1993.
 
37   Kirchenbücher Lüneburg-Nicolai. Trauung 1646 Dominica 19.Trinit. S.522; Taufen 21.3.1648 S.592, 16.4.1649 S.605, 9.12.1650 S.613.  - Eigene Forschungen und Mtlg Frau Irmgard Friedrich 1993. - Im Traueintrag 1646 ist der Name der Braut schwer zu lesen. Ich las zunächst Rod(ener?); die Genealogin Irmgard Friedrich las Rachow oder Rochow. In Danziger Quellen heißt es Rochau; demnach muss im Traueintrag Rochow die richtige Lesart sein. - Trauung Joachim Rochauwe 1609 in St.Johannis; Mtlg Elke Hummelt, Kirchenbuchamt, 2003.               

38   Dorothea Weichbrodt: Patrizier, Bürger, Einwohner der Freien und Hansestadt Danzig in Stamm- und Namentafeln vom 14.-18. Jahrhundert, Bd.4, 1991, S.446 und 304, Danziger Verlagsgesellschaft Paul Rosenberg, Kiel. - Helmut Strehlau: Danziger Bürgermeister des 18. Jahrhunderts, ihre Familien und Vorfahren; in: Ostdeutsche Familienkunde Bd.8 Heft 1/1977 S.13.

39   Joachim Zdrenka, Rats- und Gerichtspatriziat der Rechten Stadt Danzig, Verein f.Fam'fg in Ost- u. Westpreußen, Sonderschrift Nr.63, Hamburg 1989, Teil II.

40   Sie soll am 20.3.1648 oder am 20.11.1646 in Thorn oder in Sulstedt/Dänemark geboren sein, laut Weichbrodt (38) Bd.1 S.323 und 391, und laut H.Strehlau wie Anm.(38), und laut J.Zdrenka wie Anm.(39). Beides ist unrichtig, wie das Lüneburger Taufbuch zeigt.
 
41   Hans-Dietrich Lemmel: Ahnenliste Marie v.Schumann verh. Lemmel, geboren 1824 in Danzig. Fassung von 1965: AL8957 der Deutschen Zentralstelle für Genealogie, Leipzig. (Ahnengemeinschaft mit etlichen anderen Ahnenlisten). Fassung von 1990: Mikrofilm Nr.1691490 der Genealogischen Gesellschaft von Utah. Großenteils laut Strehlau und Weichbrodt. - Eine ergänzte Neufassung liegt als Manuskript vor.        

 

10. Andreas Timpf, Münzmeister in Rostock

Nach seinem unrühmlichen Abgang in Lüneburg bemühte sich Andreas Timpf von Stade aus um einen neuen Posten. Zunächst erschien er 1650 bei seinem Vater Samuel in Rostock, aber nur vorübergehend, denn noch im gleichen Jahr wurde er königlich polnischer Münzmeister, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden.

Von Polen aus sollte Andreas Timpf nach dem Tod seines Vaters Samuel in den Jahren 1659/1660 die Münzmeisterstelle in Rostock übernehmen, wobei es aber Probleme gab (42): Im Mai 1659 mussten seine Rostocker Schwäger Ambrosius Petersen und Reinhold Behn beim Rostocker Rat intervenieren, weil "unser Schwäger Andreas Timpffe, bestalter Müntzmeister alhier zu Rostock, nach erhaltener Vocation..." sich noch nicht einfinden könne; er habe noch Geschäfte in Polen, sei aber unterwegs und werde wohl zum Pfingstmarkt erscheinen. Er erschien aber nicht und erbat sich am 3.Juni 1659 weitere "Dilatation".

Er war dann kurze Zeit in Rostock tätig, wie sein Münzzeichen AT auf Doppelschillingen von 1659 und Kupfermünzen von 1660 belegt. Hier ist auch sein Wappen überliefert: 5 Pfennige im Schild und auf dem Helm ein x zwischen zwei Hörnern.

Dann aber war er schon wieder in Polen und kümmerte sich nicht um seine Rostocker Verpflichtungen, so dass der Rat im Mai 1660 beschloss, ihm einen letzten Aufschub bis zum kommenden Pfingstfest zu gewähren. Als er auch zu diesem Termin durch Abwesenheit auffiel, ließ der Rat "seine Güter versiegeln", wobei es sich wohl um den vom Vater ererbten Besitz handelte. Sein jüngerer Bruder Thomas Timpfe musste sich nun beim Rostocker Rat dafür einsetzen, "die Siegel von seines Bruders Andreas Gütern abnehmen lassen zu wollen".

Man kann Andreas Timpf als einen Hochstapler ansehen, wenn er neben seinen Pflichten in Polen auch die Münzmeisterstelle in Rostock annahm, ohne in der Lage zu sein, den Rostocker Verpflichtungen nachzukommen. Aber am 3.Mai 1660 war mit dem Frieden von Oliva der polnisch-schwedische Krieg beendet worden, so dass der polnische König seinem Münzmeister neue wichtige Aufgaben auftrug. So konnte Andreas Timpf den Vertrag mit dem Rostocker Rat nicht erfüllen und musste die Beschlagnahme seines Rostocker Besitzes in Kauf nehmen.

42   Archiv der Hansestadt Rostock, Ratsakten zum Münzwesen. -  Ed. Grimm: Münzen und Medaillen der Stadt Rostock, Berlin 1905, S.146; Kopie durch wiss. Archivarin Ehlers, 1993. - Walter Hannemann: Die Münzmeister der Stadt Rostock. Nordostdeutsches Kulturwerk Lüneburg, 1974, S.28f.




11. Andreas Timpf, Münzmeister der polnischen Krone


Zu dieser Zeit nach dem Ende des 30-jährigen Krieges war nicht nur ganz Norddeutschland von den protestantischen Schweden besetzt; auch der polnische König Johann II. Kasimir, der (in der Zeit des polnischen Wahlkönigtums) von 1649 bis 1668 regierte, stammte aus der schwedischen Königsfamilie, freilich aus dem katholischen Zweig des Hauses Wasa. Und die Verwandtschaft der Monarchen in Schweden und Polen hinderte sie nicht daran, erbitterte Kriege um die Vorherrschaft an der Ostseeküste zu führen, besonders nachdem der Schwedenkönig Karl X. Gustav im Jahre 1655 den alten Erbfolgestreit mit Johann Kasimir wieder aufnahm und in Polen einfiel. Es folgte der Nordische Krieg bis 1660.

In unterschiedlicher Abhängigkeit zur polnischen Krone standen die vier Teile des deutschsprachigen Landes Preußen:
 
 - das lutherische Herzogtum Preußen mit der Hauptstadt Königsberg, das von Herzog Friedrich Wilhelm in den Friedensverträgen von Wehlau 1657 und Oliva 1660 aus der polnischen Lehnshoheit befreit wurde;
 - das katholische Ermland, dessen Fürstbischof unter dem Schutz der polnischen Krone einen nahezu selbständigen Staat regierte;
 - der westpreußische Städtebund, der seit der "Union von Lublin" 1569 dem polnischen Staat einverleibt worden war, aber weiter einen eigenständigen Landtag hatte;
 - und die Stadt Danzig, die sich unter der losen Oberherrschaft des polnischen Königs ihre Freiheiten als Stadtstaat bewahren konnte (43).

Von 1650 bis 1667 war Andreas Timpf königlich polnischer Münzmeister, und zwar an vielen verschiedenen Münzstätten (44). Während bis 1644 nur eine einzige königlich polnische Münzstätte in Bromberg bestanden hatte, eröffnete König Johann II. Kasimir ab 1650 weitere neue Münzstätten, die von Andreas Timpf betreut wurden. Ihm unterstanden aber nicht die preußischen Münzstätten. Die preußischen Städte Danzig, Thorn und Elbing prägten zwar mit dem Bildnis des polnischen Königs, hatten aber ihre eigene Münzhoheit behalten, die ihnen 1457 auf ewige Zeit von König Kasimir dem IV. bestätigt worden war. Schon Nicolaus Copernicus hatte für den preußischen Landtag um 1525/1530 an einer Münzreform gearbeitet (45).

Die Abb.7 zeigt einen Danziger "Ort" zu 18 Groschen von 1652, der auf der einen Seite das Bildnis Johann Kasimirs zeigt, auf der anderen Seite das Danziger Wappen mit der Inschrift "Civitas Gedanensis" (Stadt Danzig). Der Danziger Münzmeister mit dem Zeichen "GR" war Gerhard Rogge, Sohn des Danziger Bürgermeisters Johann Rogge, der ebenfalls zu meinen Vorfahren zählt. Gerhard Rogge hatte zuvor von der Stadt Thorn auch die dortige Münzstätte gepachtet (46).
 
Abb.7.: Prägungen des Danziger Münzmeisters Gerhard Rogge mit dem
Münzmeisterzeichen "GR" rechts und links vom Wappen.

Unten: Ein Danziger "Ort" von König Johann Kasimir von 1652.
Die Wappenseite zeigt das Danziger Stadtwappen und die Umschrift "Moneta Argentea Civitatis Gedanensis" (Silbermünze der Danziger Bürgerschaft). Die Zahl "18" besagt, dass ein "Ort" zu 18 Groschen gerechnet wurde. Die Inschrift "IOH CAS D G REX POL & S M D L R PR" auf der Königsseite besagt: "Johann Kasimir, durch Gottes Gnade (Dei Gratia) König von Polen und Schweden, Großfürst (M.D. = Magnus Dux) von Litauen, Russland und Preußen. Nicht alle Teile dieses anspruchsvollen Titels entsprachen der Realität.

Oben: Ein Thorner Taler von 1643 mit dem Thorner Stadtwappen.
Gerhard Rogge hatte die Thorner Münzstätte gepachtet.
 
Andreas Timpf übernahm die 1650 neu eröffneten Münzstätte (44) in Posen. Einen Posener Taler mit dem Münzmeisterzeichen AT zeige ich in Abb.8. Die Umschrift lautet: "Ioan Casimirus D.G. (=Dei Gratia) Rex Polo. & Svec. M.D.L.R.P." Hier sieht man, dass Johann Kasimir neben seinen Titeln "König von Polen" und "M.D.L.R.P. = Großfürst (Magnus Dux) von Litauen, Russland und Preußen" den Anspruch erhob, auch König von Schweden ("Svec") zu sein. Selbstverständlich konnte der wirkliche Schwedenkönig Karl X. Gustav diesen Anspruch nicht dulden und musste gegen Polen Krieg führen.

 
Abb.8: Polnische Münzen von König Johann Kasimir.

Oben: Taler geprägt von Andreas Timpf 1652 in Posen; "Moneta Nova Reg(ni) Polo(ni) Posnan".
Die Buchstaben A T rechts und links vom Wappenschild sind sein Münzmeister-Zeichen.
Im Schild sieht man die Wappen von Polen (Adler) und Litauen (Reiter). Im Herzschild ist ganz
klein auch das schwedische Wappen mit drei Kronen zu sehen, denn Johann Kasimir stellte
Ansprüche auf den schwedischen Thron: "REX POLO & SVEC" - König von Polen und Schweden.


Mitte links: Silbernes Dreigroschen-Stück, geprägt von Andreas Timpf 1662.
Sein Münzmeister-Zeichen sieht man am oberen Rand
links und rechts von der römischen Drei: "A III T".

Mitte rechts: Zwei Dreikreuzer-Stücke geprägt in Oppeln, 1657 von Andreas Timpf
(Buchstaben A und T links und rechts vom Adler), 1661 von Thomas Timpf (T T).

Unten: Silbernes Sechsgroschen-Stück, geprägt 1665 von Andreas Timpf (A T).
Selbst noch nach dem Frieden von Oliva erhebt Johann Kasimir den Anspruch, nicht nur
König von Polen sondern auch König von Schweden zu sein: "Rex Pol & S".

Eine andere neue Münzstätte, die Andreas Timpf 1650 übernahm, war in Fraustadt. (Fraustadt, polnisch Wschowa, südwestlich von Posen nahe der schlesischen Grenze gelegen, kam erst 1918 von der Provinz Posen an die preußische Provinz Schlesien, nachdem es zuvor immer zum Königreich Polen gehört hatte.) Wegen seiner zahlreichen Pflichten ließ sich Andreas Timpf in Posen und Fraustadt ab 1661 durch seinen Bruder Thomas vertreten.

Gleichzeitig war Andreas Timpf auch Wardein der königlichen Münzen in Krakau, Bromberg und Lemberg. Letztere wurde 1656 eröffnet, nachdem einige Münzstätten von den Schweden, die bis Krakau vordrangen, besetzt worden waren.
 
Als Folge von Kriegswirren war das oberschlesische Oppeln vom Wiener Habsburger-Kaiser 1645 an Polen verpfändet worden, so dass die Oppelner Münzstätte wieder eröffnet und von Johann Kasimir 1657-1664 an Andreas Timpf verpachtet wurde, von diesem aber zeitweise (1660-1661) an seinen Bruder Thomas übergeben wurde (44), siehe Abb.8. Bald darauf kam Oppeln 1666 wieder an Habsburg.
  
Nach dem Friedensschluss mit Schweden am 3.Mai 1660 in Oliva bei Danzig erhielt Andreas Timpf von König Johann Kasimir den Auftrag, die Bromberger Münzstätte wieder zu errichten, die einige Jahre zuvor im Krieg geschlossen worden war. Sie wurde erst dem Thomas Timpf, dann 1662 den Brüdern Andreas und Thomas Timpf gemeinsam übergeben. Polen war durch den schwedischen Krieg verarmt, und für die wirtschaftliche Erholung war nun ein gutes Münzwesen von großer Bedeutung.

Trotz des Friedensschlusses mit Schweden erteilte Johann Kasimir seinem Münzmeister den Auftrag, im Münzbild den Anspruch auf die schwedische Krone aufrecht zu erhalten. Auch noch nach 1660 zeigen die Münzen in ihrer Umschrift: "Rex P&S", König von P(olen) und S(chweden); siehe Abb.8.

1661 wurde Andreas Timpf, bis 1667, auch nomineller Leiter der Krakauer Münzstätte (Abb.9), aber ausübender Münzmeister war wiederum sein Bruder Thomas (44). Verschiedentlich wird er als "Münzpächter der polnischen Krone" bezeichnet, wobei offenbar der Bruder Thomas als Münzmeister sein Untergebener war.

 
Abb.9: Ein Krakauer "Ort" von König Johann Kasimir von 1663.
Das Münzmeisterzeichen "AT" von Andreas Timpf sieht man rechts und
links vom Wappenschild; die Zahl "18" darüber bedeutet 18 Groschen.

Abb.9a: Die gleiche Münze von 1658. [www.muenzauktion.info - Internet 2010]

In den folgenden Jahren wurden die meisten der polnischen Münzstätten wieder geschlossen, so Posen 1662, Lemberg 1663, Bromberg 1666. Damit war auch die Anstellung von Andreas Timpf beendet. Seitdem ließ Johann Kasimir nur noch in Krakau prägen.

Zwischen den verschiedenen Münzstätten muss Andreas ständig auf Reisen gewesen sein. Wo aber seine Familie lebte, ist nicht klar - zeitweise wohl in Thorn, denn für seine Tochter Anna wird bei ihrer Hochzeit in Danzig 1666 die Herkunft "aus Thorn" angegeben (39), obgleich sie in Lüneburg geboren war.
 
Vielleicht lebte die Familie zeitweise auch in Bromberg oder Danzig: Im Danziger Gymnasium wurden 1665 die aus Bromberg kommenden Brüder Johann Andreas und Mathias Tympf und 1666 die in Danzig geborenen Brüder Christian und Lorenz Timp eingeschrieben, die Söhne von Andreas sein können, über die aber sonst nichts bekannt wurde (46).

Zeitweise wird die Familie in Posen gelebt haben. Dort sind aber aus der fraglichen Zeit weder evangelische noch katholische Kirchenbücher erhalten (47). Matthias Timpff/Tympf "aus Posen" heiratete die aus Hamburg-Billwerder stammende Elisabeth Janssen, Tochter des 1704 in Billwerder gestorbenen Jacobus Janssen. Aus dieser Ehe gab es drei Kinder: Susanna, Jacob und Elisabeth Timpf (48).

Wenn auch die Timpf-Familie zeitweise in Danzig lebte, ist Andreas nicht Danziger Münzmeister gewesen (44). Obgleich die Danziger Münzen dieser Zeit das Bildnis Johann Kasimirs trugen, unterschieden sie sich seit 1656 durch einen besseren Münzfuß von den polnischen Münzen. Das führte schließlich dazu, dass Andreas Timpf vom Danziger Rat beschuldigt wurde, schlechtes Geld geprägt zu haben. Seiner Gefangennahme entkam er durch die Flucht nach Hamburg.

Die gute Qualität der Danziger Münzen stand unter der Aufsicht des Wardeins Daniel Siewert, der erstaunlicherweise in zweiter Ehe Concordia Timpf heiratete, die Tochter des geflüchteten Münzmeisters.

Andreas Timpf setzte sich auf einem Gut in Dänemark zur Ruhe. Als seine Tochter Anna in Danzig 1688 ein zweites Mal heiratete, wurde als ihr Vater angegeben: Andreas Timpf, dänischer Erbherr auf Sulstedt/Låland (38).

In Dänemark tauchte "Jean Andreas Timpf" als "Assessor im Kopenhagener Kommercekollegium" auf. 1667 kaufte er vom Oberst Jacob Gewecke, seinem Vetter, den Herrensitz Söllestedgård (49). Nach dem Tod seiner (aus Lüneburg stammenden) Frau am 7.2.1669 heiratete Andreas Timpf (auch Anders Timphe) ein zweites Mal, und zwar die Agneta Wagner aus Lübeck. Hierbei wurde ihm, wie es einer hochgestellten Persönlichkeit zukam, von der "Kanzlei" in Kopenhagen gestattet, das Begräbnis seiner Frau um 4 Wochen aufzuschieben und seine Heirat in Söllestedgård ohne vorheriges Aufgebot durchzuführen. Am 6.8.1674 heiratete seine (in Lüneburg geborene) Tochter Magdalena Elsabet Timphin zu Söllestedgård den Abraham Siverts aus Stettin (50).

Im Jahre 1690 verkaufte Timpf seinen Besitz an den Stiftsamtmann Henning Ulrich von Lützow (49). Wo Andreas Timpf nach 1690 lebte und wann er starb, ist nicht bekannt. 

43   Vergl. Hans-Dietrich Lemmel: Die Danziger Ratsfamilie Schumann. In: Danziger Hauskalender 1999, Danziger Verlagsgesellschaft Paul Rosenberg, Eckernförde, S.77-83.

44   Marian Gumowski: Mennica Bydgoska (= Die Bromberger Münze). Torun 1955, S.282. - Kopie durch Dr. Marian Lysiak, Torun, 2002. - Marian Gumowski: Handbuch der polnischen Numismatik. Graz 1960, Kapitel XI S.57ff: Johann Kasimir 1649-1668.

45   Georg Hermanowski: Nikolaus Kopernikus, Verlag Styria 1985, S.143ff. - Hans-Dietrich Lemmel: Beiträge zu Copernicus und seiner Verwandtschaft. In: Genealogie Heft 1-2, 1993.

46   Weichbrodt wie Anm.(38) Bd.4, S.91 (Rogge) und S.446 (Timpf).

47   Freundliche Mitteilung Dr. Krzysztof Stryjkowski, Archiwum Panstwowe, Poznan, 2002.

48   Heirat Matth. Timpff/Tympf aus Posen "gegen Ende des 17.Jh." (ohne Angabe des Datums; Staatsarchiv Hamburg, Genealogische Sammlungen: Berenbergsche Genealogien. - 11.4.1727 Heirat in Hamburg (Petri S.225): Jacob von Timpff, Fenrich bey hiesiger Garnison, mit Frau Maria Margaretha Langerman, sehl. Lorentz Langermans nachgelassene Witwe; Hamburger Hochzeitenbücher (Wedde I,29 Bd.8 S.26). - Laut Mtlg Hr Bollmann, Genealogische
Gesellschaft Hamburg, 1997.  --  In Hamburger Kirchenbüchern konnte der Heiratseintrag des Matth. Timpf nicht gefunden werden, laut Mtlg Johannes Vogel 2002. Die Heirat mag etwa 1690/1695 gewesen sein, so dass dieser "Matth. Timpf aus Posen" wohl identisch ist mit dem Danziger Gymnasiasten "Mathias Tympf aus Bromberg" von 1665, der etwa um 1655/1657 geboren sein mag und wohl nicht mit dem 1650 in Lüneburg geborenen Samuel Mattiß Timpf gleichzusetzen ist.

49   Danske slotte og herregarde Bd.6 S.319ff; laut Hinweis von Arne Jensen Knudby 2002, dem ich auch die Abschriften aus den folgenden dänischen Materialien verdanke.
50   Kirchenbücher Söllested, Begräbnis 1669 S.30, Heiraten 1670 S.37 und 1674 S.169. - Und: Personalhistorisk Tidsskrift Jg.1912 S.21 u.24; Jg.1914 S.108 u.132.
 



12. Thomas Tympf, Münzmeister in Königsberg

Thomas Tympf, der jüngere Bruder von Andreas, wurde nach seinem Sterbealter um 1632 geboren, als der Vater Samuel noch Münzmeister in Holstein war. Er muss dann bei seinem Vater in Rostock aufgewachsen sein. Um 1657 lebte er als Kaufmann in Danzig, wo er die Kaufmannstochter Ursula Wichmann heiratete; sein Sohn Andreas wurde am 6.9.1668 in der Danziger Marienkirche getauft (46).

Wir sahen schon, dass Thomas Tympf sich im Jahre 1660 in Rostock für seinen Bruder Andreas einsetzte. Und wie schon erwähnt (44), leitete er vorübergehend anstelle seines älteren Bruders Andreas die Münzstätten in Posen und Fraustadt (1659-1662), Oppeln (1660-1661), Bromberg (1660-1666) und in Krakau (1661-1667). Danach lebte er wieder in Danzig.

Für die drei Jahre 1669-1672 pachtete Thomas Tympf die Münze in Königsberg (51). Hier münzte er für den preußischen Herzog Friedrich Wilhelm (52), der einige Jahre zuvor die Unabhängigkeit seines Herzogtums von der polnischen Krone errungen hatte, und der in Brandenburg als "der Große Kurfürst" bekannt wurde; er hatte 1667 eine neue Münzordnung erlassen, jedoch ohne zwischen Brandenburg und Preußen eine Währungseinheit herzustellen (52a). Die polnischen und Königsberger Prägungen von Thomas Tympf zeigen das Münzmeister-Zeichen TT (Abb.8 u.10).

 
Abb.10: Münzen des Herzogtums Preußen, geprägt in Königsberg für "Fridr. Wilh., Supremus Dux in Prussia" vom Münzmeister Thomas Timpf.
 - a: Ein Schilling von 1669, "Solid(us) Prussiae Ducalis" = Schilling des herzoglichen Preußen.
 - b: 1/3 Taler von 1669.
 - c: 2/3 Taler von 1671.
 - d: 1/2 Gold-Dukat von 1670.
 - e: Ein Gold-Dukat von 1672.
 - f: 2 Dukaten in Gold von 1670.
Das Münzmeister-Zeichen TT ist jeweils links unter dem Porträt-Kopf zu sehen; bei dem kleinen Halb-Dukaten-Stück sieht man das Zeichen TT auf der Adlerseite unten rechts und links von der Schwanzspitze.

Fotos: Kunsthistorisches Museum Wien.

Nach Abschluss seines Vertrages in Königsberg kehrte er nach Danzig zurück. Am 20.6.1673 erhielt er das Danziger Bürgerrecht als ein Kaufmann, nachdem er sich aus seiner Geburtsstadt Burg auf Fehmarn einen Geburtsbrief hatte kommen lassen (53). Im Bürgerbuch ist angemerkt, dass sein Sohn Andreas (der noch keine 5 Jahre alt war) gegen Erlegung einer Gebühr in das Bürgerrecht mit eingeschlossen wurde. Ebenfalls im Jahr 1673 erwarb er die Grabstätte 32 in der Danziger Marienkirche, in der er schließlich auch beigesetzt wurde.

Inzwischen hatte in Königsberg der ehemalige Königsberger Goldschmied Christof Varenhorst von 1672 bis 1674 die Münze gepachtet, was aber als ein "mißglücktes Zwischenspiel" angesehen wurde. 1674 pachtete Thomas Timpf wieder die Königsberger Münze zusammen mit seinem Freund Heinrich Sievertz (†1694) (52a). Letzterer war ein tüchtiger Kaufmann und hervorragender Münztechniker, der vollwertige Münzen prägte und dem Thomas Timpf wohl die Münze überließ, um nach Danzig zurückzukehren.

In Danzig heiratete Thomas Tympf am 13.11.1687 in zweiter Ehe die 33 Jahre jüngere Concordia Stoddart, Tochter des Danziger Stadtsyndikus Adrian Stoddart, der 1668/1669 Danziger Resident am polnischen Hof in Warschau gewesen war. Aus dieser Ehe wurde die Tochter Magdalena Constantia am 24.5.1689 in der Danziger Marienkirche getauft (46).

Thomas starb am 19.3.1690, 57 Jahre alt. Seine junge Witwe Concordia heiratete in zweiter Ehe den Kaufmann und späteren Danziger Ratsherrn Heinrich Renner. Der aber war ein Sohn der Anna Tympf aus ihrer ersten Ehe. So kam es, dass Concordias zweiter Mann ein Großneffe ihres ersten Mannes war; siehe Tafel 2.

Der um 1657 geschlossenen ersten Ehe von Thomas Timpf könnten vielleicht noch drei weitere Kinder zugeordnet werden: Johann Andreas Tympf, in Posen geboren, der 1671 im Danziger Gymnasium eingeschrieben wurde; Casimir Tympf, der 1753 als Brauer in Danzig starb, 91 Jahre alt, der also um 1662 geboren wurde; sowie eine um 1667 geborene Tochter, die mit Oberst Hinrich Rebinder verheiratet war (46).

Thomas war der letzte Münzmeister der Timpf-Sippe, die in den wechselvollen Jahrzehnten zwischen 1607 und 1690 sieben Münzmeister und Wardeine stellte.

Sein Sohn Andreas erwarb am 6.11.1691 das Danziger Bürgerrecht als ein Kaufmann (53). Er erwarb das Gut Heiligenbrunn bei Zigankenberg, am westlichen Stadtrand auf der Danziger Höhe, wo seine Kinder und Enkel lebten (46). 

51   Dr. Knapke: Königsberger Münzmeister. In: Mtlgn des Vereins f.Gesch.v.Ost- u. Westpr. 3/1, 1.7.1928, S.41-48, siehe S.46. - Nachdruck Hamburg 1993 als Sonderschrift Nr.75/1 des Vereins f. Fam'fg in Ost- u. Westpreußen.

52   Frau Dr. Roswitha Denk vom Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien danke ich für die Anfertigung von Münz-Fotografien.

52a Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen, Band 1 3.Aufl. 1996, Seite 493.

53   Archiwum Panstwowe w Gdansku (Staatsarchiv Danzig), freundliche Mitteilung Mgr Stanislaw Flis. - Bürgerbuch 1637-1709 (sygn APG 300,60/4) Seite 422: 1673, 20.Juny, Thomas Timpff von Burg auß der Insul Femern, Kaufmann. Notandum, daß sein Sohn nahmens Andreas gegen Erlegung 100 F. in das Bürgerrecht mit eingeschlossen worden. - Bürgerbuch S.453: 1691, 6.Nov., Andreas Timpff, fil. Thomas Timpffen, auf einen Kaufmann. - Beilage (sygn APG 300,60/7568) der Geburtsbrief für Thomas Timpff, ausgestellt "in der Stadt Burgk auff Femern, 12 May Anno 1673". Sein Vater: "Samuel Timpffen, dehro zu Schleswick Holstein regirenden Hochfürstl. Durchl. alhir zur Burgk wollbestalten Müntzmeistern"; Mutter: "Magdalene Ehlers"; Groseltern: "das auch der Vater H. Samuel Timpffe von Herrn Simon Timpffen, auch Müntzmeistern undt aus Minden in Westphalen bürtig, undt Frawen Gerdrut Timpffen, als welche er H. Simon Timpffe in der Stadt Aken gefreyet".  



 
13. Die "Timpfe"
 
Nun muss ich noch schildern, wie es zu den Münzen kam, die als "Timpfe" bekannt wurden und in Verruf gerieten (44).

Durch die andauernden schwedisch-polnischen Kriege war König Johann Kasimir in einer finanziellen Notlage, die ihn zwang, den Silbergehalt der Münzen zu verschlechtern und daraus Gewinn zu ziehen. So stellte der polnische Landtag von 1658 die Münzanstalten vor die Aufgabe, die Summe von 150.000 Gulden Reingewinn abzuliefern.

1659 wurde der Münzpächter Titus Livius Boratini, ein berühmter italienischer Mathematiker, angewiesen, die Schilling-Münzen nicht mehr in Silber sondern in Kupfer zu prägen, was einen Gewinn von Millionen Gulden einbrachte. Als auch dies nicht zur Kriegsfinanzierung ausreichte, ging die königliche Münzkommission 1663 auf den Vorschlag des "Posener Münzpächters Andreas Timpf" ein, Gulden (einem polnischen Zloty entsprechend) aus achtlötigem (also minderwertigem) Silber im Nominalwert von 30 Groschen zu schlagen. Diese Münzsorte, die in Millionen-Anzahl in Umlauf gebracht wurde, warf für den königlichen Fiskus einen gewaltigen Gewinn ab, von dem auch der Münzpächter eine schöne Provision einstecken konnte.

Die Kupferschillinge, die "Boratinki" genannt wurden, und die Guldenstücke aus schlechtem Silber, die alsbald "Timpfe" genannt wurden, stießen freilich auf das Misstrauen der Bevölkerung und der Kaufleute; sie wurden nur ungern angenommen, und es kam zu zahlreichen Klagen.

 
Abb.11: Der "Timpf" genannte Gulden zu 30 Groschen,
geprägt von Andreas Timpf mit dem Münzmeister-Zeichen A T.

Oben ein "Timpf" aus dem Jahr 1663.
Man sieht die Initialen ICR für Ioan Casimirus Rex
sowie im Wappenschild den polnischen Adler und den litauischen Reiter.

Unten ein "Timpf" von 1665. Man sieht das Porträt des Königs und den polnischen Adler.
Die Umschrift links: Ioan Casimir von (DG) Gottes Gnaden König von Polen und
Schweden, Großfürst von Litauen.

Die Wertangabe von 30 Groschen ("xxx GRO") war ein mehrfaches des
Silbergehaltes, der allenfalls 13 Groschen betrug.
Dennoch blieben die "Timpfe" über hundert Jahre in Preußen und Polen im Umlauf.
 
Der "Timpf" (Abb.11) war ein silbernes Guldenstück, dessen Inschrift "30 Groschen" lautete. Das war aber ein unechter Zwangskurs, denn der Materialwert betrug nur 13 Groschen. In Preußen waren die Timpfe zuerst verboten, wurden aber schließlich zu einem Kompromiss-Kurs von 18 Groschen angenommen; das ist ein Wert, den man auch einen "Ort" nannte. Nur in Kupfermünzen zahlte man den Nennwert von 30 Groschen für einen "Timpf".

Die erste Version von 1663 hatte ein einfaches Münzbild, nur mit den Initialen des Königs, aber nicht mit seinem Porträt. Eine zweite Version von 1665 wurde von einem künstlerisch versierten Stempelschneider mit einem gut ausgeführten Königsporträt gestaltet, aber das elegantere Münzbild konnte den schlechten Ruf der "Timpfe" nicht verbessern.

Alsbald führten die großen Mengen schlechter polnischer Münzen zu einer empfindlichen Beeinträchtigung des Handels, so dass es zu Auseinandersetzungen zwischen den preußischen Städten und dem König kam. Unter den Danziger Ratsherren (39), die vehement das Verbot der "Timpfe" und die Bestrafung des Münzmeisters verlangten, waren auch meine Vorfahren Nicolaus von Bodeck, Gabriel Borckmann und Gabriel Schumann (43). Den Streit schilderte anschaulich der Danziger Historiker Gotthilf Löschin (54):

"Empört forderten die zu Thorn versammelten preußischen Landstände die Verhaftung von Andreas Tympf, der sich gerade in Danzig aufhielt. Allein der König (der ja die schlechten Münzen gebilligt hatte) nahm ihn in Schutz und verlangte drohend seine Freilassung. Später, als auch der polnische Reichstag es forderte, willigte er in die Verhaftung ein, verstand es jedoch, ihm Zeit zu lassen, sich nach Hamburg einzuschiffen und sich so der verdienten Strafe zu entziehen. - Dem bedrängten König aber wurden die finanziellen Lasten immer drückender, so dass er 1668 die Krone niederlegte."

So führten die "Timpfe", die Andreas Timpf mit Zustimmung des Königs geprägt hatte, zur Abdankung des einen und zur Flucht des anderen. Der König trat in den geistlichen Stand und starb 1672 als Abt von St.Germain bei Paris. Derweil lebte sein Münzmeister, der sein Vermögen gerettet hatte, als "Erbherr" auf seinem Gut Söllestedgård in Dänemark. Schließlich ereilte ihn aber auch hier das Geschick: Im Jahre 1690 musste er sein Gut verkaufen; dabei wurde das Kaufgeld vom Stadtrichter arrestiert und 1691 durch königlichen Erlass an einen Treuhänder überwiesen (55). Andreas Timpf hatte sein Vermögen verbraucht und war nun völlig verschuldet.

So trug mein Ahnherr, Andreas Timpf, durch sein schlechtes Geld dazu bei, dass der König von Polen abdanken musste. 30 Jahre später aber trug ein anderer aus meiner Verwandtschaft, der kurfürstlich sächsische General-Kriegszahlmeister Johann Lämmel, durch sein gutes Geld dazu bei, dass August der Starke König von Polen wurde. Aber das ist eine andere Geschichte (56) ....

In Danzig und Preußen gab es für die "Timpfe" wechselnde Kurse: Sie waren ursprünglich Vierteltaler und sanken auf den Wert eines Fünfteltalers oder von 18 polnischen Groschen (57). Ab 1749 wurden auch in Preußen "Tympfe" in großen Mengen geprägt; ihr Wert aber verschlechterte sich im 7-jährigen Krieg so stark, dass sie von der Bevölkerung nicht mehr angenommen wurden. Zuletzt wurden sie im Jahre 1766 für einen Kurs von 27 (statt der nominellen 30) Groschen umgewechselt.

Mit solchen Kursschwankungen konnte ein gewiefter Bankier prächtig spekulieren. Und das tat, recht erfolgreich, ein Danziger Kaufmann und Reeder: Andreas Schopenhauer, der im Jahre 1720 geborene Großvater des Philosophen (58). Er kaufte und verkaufte Unmengen verschiedenster Münzen, darunter russische Rubel, bayerische Groschen, sächsische Dütchen, "nicht wardierte Tymphe" und anderes. Dabei heißt "nicht wardiert", dass die "Tymphe" nicht den vorgeschriebenen  und von einem Wardein bestätigten Silbergehalt hatten. Aus der Unordnung der Wechselkurse erzielte Schopenhauer einen solchen Reichtum, dass man ihn einen "Danziger Fugger" nannte. Er konnte der Danziger Münzstätte mühelos Silber im Wert von 500.000 Gulden liefern und zahlte dafür, dass er "Tymphe" und andere minderwertige Münzen unerlaubt in Umlauf brachte, lächelnd Strafen in der Höhe von 40.000 Gulden, freilich erst nachdem man ihn zwei Tage auf dem Danziger Rathaus in Beugehaft festgehalten hatte.

Die "Timpfe" aber wurden 1766 eingeschmolzen, nachdem sie über 100 Jahre in Umlauf gewesen waren.
 
 
Abb.12: Ein preußischer "Tympf" von 1758 [59].

54   Gotthilf Löschin: Geschichte der Stadt Danzig, 2 Bände Danzig 1822/1823, 2.Auflage 1823, Bd.2 S.8. - Unveränderter Nachdruck durch die Danziger Verlagsgesellschaft Paul Rosenberg, Klausdorf bei Kiel.

55   Provinzialarchiv Kopenhagen, Karteikarte Timpf in Holms Sammlung. Laut Arne Jensen Knudby 2002.

56   Hans-Dietrich Lemmel: Familie Lemmel und August der Starke, in: Familienforschung in Mitteldeutschland, 39.Jg. 1997/1998 S.193-204. Ergänzte Fassung in: "lemlein filii" Heft 5, Selbstverlag 1999 S.23-40.

57   Friedrich von Schrötter: Die Münzen Friedrich Wilhelms des Großen Kurfürsten, Berlin 1913, S.154.

58   Hans Georg Siegler: Der heimatlose Arthur Schopenhauer. Droste Verlag 1994 S.34.

59   Abbildung aus einem Programmheft des Burgtheaters Wien zu Lessings Minna von Barnhelm, Wien 2005.           


 

A n h a n g :  Stammfolge Timpf

In dieser Stammfolge sind die genealogischen Daten der Münzmeister-Familie Timpf zusammengefasst, die in der vorstehenden Arbeit nebst Quellenangaben dargestellt wurden. Unbekannte Geburtsjahre wurden abgeschätzt und in der Form * (?1550) angegeben.

Die Tympe sind eine alt eingesessene Familie in Minden/Westfalen: 1497 Hermann Tympen als Besitzer eines Hauses bei St.Marien; 1525 ein Rentherr Frederick Tympe. Die Schreibweise des Namens ist später vorwiegend Timpf, aber auch Timpfe, Tympf, Timp(e), Timbke und ähnlich.

I..Simon Timpfe - Münzmeister, * (?1550/1555) in Minden, begraben 4.2.1621 in Stade. Als Münzmeister 1607-1611 in Hanau, 1611-1614 in Vörde (= Bremervörde), 1614-1621 in Stade; daneben auch 1612-1616 in Burg/Fehmarn und 1615-1619 in Harburg. oo (?1580) in Aken/Elbe mit Gertrud Forst. - Wo Simons Kinder geboren wurden, konnte nicht ermittelt werden; ihre Reihenfolge ist unsicher.

   1. Daniel(?), erwähnt 1614 in Hanau.

   2. Simon, * (?1582), bewirbt sich 1623/1624 vergeblich um die ünzmeisterstelle in Winsen/Luhe, † 1.4.(1624?) in Stade.

   3. Samuel, * (?1585) - Münzmeister, siehe II.a.

   4. Thomas, * (?1590) - Münzmeister, siehe II.b.

   5. Sophie, * (?1595), 1614 als Taufpatin in Stade erwähnt.

   6. Peter, * (?1600) - Münzmeister, siehe II.c.

   7. Hinrich, * (?1605) - Goldschmied, siehe II.d.

II.a Samuel Timpf - Münzmeister, * (?1585), † 1656 in Güstrow. Holsteinischer Münzmeister 1617 in Burg/Fehmarn, dann bis 1627 in Steinbeke, Schleswig, Kiel.     1628 Ackerbau in Burg. Ab 1635 Münzmeister in Rostock. oo (wohl 1617) in Burg mit Magdalena, Tochter des Burger Bürgermeisters Andreas Eler und seiner Frau Magdalena geb. Rauert. - Kinder, soweit bekannt:

     1. Andreas, * um 1618 in Burg - Münzmeister, siehe III.a.

     2. Gertrud Livia, * 3.5.1625 in Kiel, † 9.2.1650 in Rostock,
        oo 9.10.1643 in Rostock mit Dr.iur. Ambrosius Petersen, † 24.3.1670 in Wismar.
        Tochter: Magdalena Agneta Petersen, * 1647 in Rostock, oo mit Christoph Niemann, Brauer in Wismar.

     3. Magdalena, * (?1627/1630), oo 1651 in Rostock mit Reinhold Behn, Kaufmann und
        Brauer. Sohn: Stefan Behn, * 1652, Kaufmann in Danzig.

     4. Thomas, * um 1632 in Burg - Münzmeister, siehe III.b.

II.b Thomas Timpf - Münzmeister, * (?1590), † nach 1627 wo?. 1617-1627 Münzmeister in Harburg. oo 1618 mit Maria de la Ruelle. Wahrscheinlich Sohn (oder Neffe):

     1. Jürgen Jochim Timke, * (?1615/1620), lässt 1673 bei St.Cosmae in Stade einen
        Kirchenstuhl auf seinen Sohn Jürgen überschreiben.

II.c Peter Timpf - Münzmeister, * (?1600), † wohl 1656.
     1629 lässt sich Peter "Timmeke" in Stade seiner Großmutter Kirchenstuhl
     zuschreiben. Als Münzmeister ab 1634 in Holstein, ab 1640 in Stade, 1641-1643 in
     Vörde, dann wieder in Stade. - Seine Frau (Name unbekannt) begraben Ostern 1647 in
     Stade St.Johann; ein Kind (Name und Alter unbekannt) begraben 12.1.1643 in Stade.
     Andere Kinder sind nicht bekannt geworden.

II.d Hinrich Timpke - Goldschmied und Wardein, * (?1605), † 1665 wo?.
     Ab 1625 Goldschmiedemeister und Siegelschneider in Stade. 649 Amtsmeister und schwedischer Münzwardein. - Söhne:

     1. Henrich Timbke, * (?1632), † 1703 wo?, 1646 Goldschmiedlehre in Stade, 3.11.1653 Amtsmeister in Stade, erhält 30.6.1654 in Stade die Heiratserlaubnis.

     2. Johann Timpfe, * (?1636), 1650 Goldschmiedlehre in Stade.

III.a Andreas Timpf - Münzmeister, * um 1618 in Burg/Fehmarn, † nach 1690 in Dänemark.
      Als Münzmeister 1643-1649 in Lüneburg, 1649 in Stade, 1650 und 1659 in Rostock,
      1650-1667 königlich polnischer Münzmeister in Posen, Fraustadt, Oppeln, Krakau,
      Bromberg, Lemberg. Er prägte die "Timpfe", das sind Gulden zu 30 Groschen, die
      nach ihm benannt wurden; da die "Timpfe" aus minderwertigem Silber waren, floh er
      1667 nach Dänemark, wo er Gutsbesitzer in Söllestedgård/Laland wurde.
      oo 19.p.Trin.1646 in Lüneburg mit Anna Rachow, hinterbliebene Tochter von Joachim
      Rochauwe, der 1609 die Anna Wolmers geheiratet hatte;
      Andreas Timpf's Ehefrau † 7.2.1669 in Söllestedgård.
      Kinder, soweit bekannt:

      1. Concordia, * um 1646/1647, begraben 30.6.1716 in Danzig, Marienkirche;
         oo mit Daniel Siewert, Münzwardein in Danzig, * um 1631 (in Elbing?),
         begraben 13.8.1683 in Danzig. Söhne:
         Christian, * 1678, † 1761, Münzwardein, in Königsberg und Danzig;
         Daniel, * 1681, † 1750, Münzwardein in Danzig.

      2. Anna, * 21.3.1648 in Lüneburg, † 20.12.1723 in Danzig,
         oo1) 28.2.1666 "aus Thorn" in Danzig mit Johann Renner, Kaufmann in Danzig,
         * 13.9.1638 in Danzig, begraben 29.3.1687 in Danzig, Sohn von Henrich Renner,
         Tuchhändler aus Lemberg in Danzig, oo Anna Schumacher;
         oo2) 23.5.1688 in Danzig mit Hartmann Maul, * 31.7.1637 in Leipzig,
         † 19.8.1715 in Danzig, Ratsherr in Leipzig, seit um 1672 in Danzig.
         5 Kinder Renner, 2 Töchter Maul und weitere Nachkommen siehe Weichbrodt (38)
         Bd.1 S.323 u. S.391.

      3. Magdalena, * 16.4.1649 in Lüneburg.

      4. Samuel Matthieß, * 9.12.1650 in Lüneburg.

      Wahrscheinlich Söhne:
      5. Johann Andreas, * (?1654), 1665 aus Bromberg im Gymnasium Danzig.
      6. Mathias, * (?1656), 1665 aus Bromberg im Gymnasium Danzig,
         oo "gegen Ende des 17. Jh." "aus Posen" mit Elisabeth Janssen aus Hamburg-
         Billwerder, Tochter von Jacobus Janssen, † 1704 in Billwerder.
         Kinder: Susanna, Jacob, Elisabeth. - "Jacob von Timpff, Fenrich bei hiesiger
         Garnison", oo 11.4.1727 in Hamburg mit Frau Maria Margaretha Langerman, sehl.
         Lorentz Langermans nachgel. Wwe.

  Weiters wurden im Danziger Gymnasium 1666 die in Danzig geborenen Brüder Christian und
  Lorenz Timp eingeschrieben, deren Zusammenhang mit dieser Familie nicht sicher ist.

III.b Thomas Timpf - Münzmeister, * um 1632 in Burg/Fehmarn, † 19.3.1690 in Danzig
      St.Marien; 1657 Kaufmann in Danzig, 1660-1667 Münzmeister in Polen unter und neben
      seinem Bruder Andreas, 1669-1672 Münzmeister in Königsberg, dann wieder Kaufmann
      in Danzig.
      oo1) um 1657 mit Ursula Wichmann, * um 1638, begraben 3.4.1687 in Danzig
      St.Marien, Tochter des Kaufmanns Michael Wichmann, * 1602, begraben 1.11.1659 in
      Danzig St.Marien.
      oo2) 13.11.1687 in Danzig mit Concordia Stoddart, * 16.11.1665 in Danzig,
      † 13.3.1736 in Danzig, Tochter von Adrian Stoddart, * 1631, † 21.10.1692 in Danzig
      St.Marien, 1668/1669 Danziger Resident am polnischen Hofe in Warschau, dann
      Stadtsyndikus in Danzig, oo 20.10.1659 in Danzig St.Marien mit Constantia Conrad,
      * 29.1.1640 in Danzig St.Petri, begraben 23.10.1721 in Danzig St.Marien, sie oo2)
      13.6.1693 in Danzig St.Marien mit dem Danziger Kaufmann und späteren Ratsherrn
      Heinrich Renner, * 1.9.1669 in Danzig St.Marien, † 14.10.1734 in Danzig.

      Vielleicht Kinder, aus 1. Ehe:
      1. Johann Andreas, * Posen, * (?1660), 1671 im Danziger Gymnasium eingeschrieben.
      2. Casimir, * um 1662, † 1753 in Danzig als Brauer.
      3. Tochter, * um 1667, oo mit dem Oberst Hinrich Rebinder.

      Sicher Sohn aus 1.Ehe:
      4. Andreas, getauft 6.9.1668 in Danzig St.Marien. Kaufmann in Danzig.
         Nachkommen siehe Weichbrodt (38) Bd.4 S.446.

      Tochter aus 2.Ehe:
      5. Magdalena Constantia, getauft 24.5.1689 in Danzig St.Marien.

Ende

Simon Timpf der Jüngere

Im Katalog der Künker-Auktion 2015 (kü) gibt es Münzen zu 8 Schilling von 1641 und 1642, sowie 1/16 Taler (3 Schilling) von 1643, geprägt von Simon Timpf dem Jüngeren in Glückstadt, Schleswig-Holstein, für König Christian den IV. von Dänemark. Sein Münzmeisterzeichen enthält die nur mühsam zu erkennenden verschlungenen Buchstaben ST.

1644 tauchen hier in Glückstadt auf einem silbernen 3-Schilling-Stück als Münzmeister-Zeichen wieder die gekreuzten Zainhaken auf. Dieses Zeichen wird im einen Fall (Al) dem Simon Timpf mit Fragezeichen zugeordnet, im anderen Fall (kü) dem Münzmeister Jakob Schwiegelt.
 

kü   Katalog der Künker-Auktion Nr.261, 2015 in Osnabrück. S.49 Nr.4158 ff Münzmeister Simon Timpf der Jüngere. - S.50 Nr.4163, 3 Schilling von 1644 mit Zainhaken, dem Münzmeister Jakob Schwiegelt zugeordnet, von dem auch 1645-1647 Münzen mit Zainhaken abgebildet sind.  (Internet unter books.google.at, 2016)

Al   Museum Altona, III Schilling, König Christian IV, Glückstadt 1644, gekreuzte Zainhaken als Zeichen von "Simon Timpf(?), Münzmeister in Glückstadt". (Internet unter museum-nord.de, 2016)

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