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V
Hans-Dietrich Lemmel:
Die Timpfe - eine norddeutsche Münzmeistersippe
2003. - Eine gekürzte Fassung wurde gedruckt in "Genealogie" Band
26, 2003, S. 641-655 und S. 720-732.
Was
ist neu? - Juli 2008 kleine Ergänzung zu Thomas Timpf in
Königsberg.
Juni 2009: Ein Hochzeitstaler von 1649
1. Einleitung
Im 17. Jahrhundert gab es unter meinen Danziger Vorfahren den
königlich polnischen Münzmeister Andreas Timpf. Der wurde mir
besonders interessant, als ich feststellte, dass seine Familie aus
Bremervörde und Lüneburg kam, aus eben den Orten, an die es
meine Familie nach unserer Flucht hinverschlug.
Auf den selben Münzmeister Timpf stieß ich auch in einem
anderen Kapitel unserer Familiengeschichte. Meine Großtante Laura
Frost geb. Lemmel schrieb ein Buch über Johanna Schopenhauer (1),
die Mutter des Danziger Philosophen Arthur Schopenhauer, mit dem ich in
der Elbinger Kaufmannsfamilie Pfeiler eine Ahnengemeinschaft habe. In
einer Schopenhauer-Biografie (2) entdeckte ich dann, dass der
wohlhabende Danziger Kaufmann und Bankier Andreas Schopenhauer (er war
der Großvater des Philosophen) belangt wurde, weil er mit
größeren Mengen einer mangelhaften Münze, die "Timpf"
genannt wurde, unerlaubten Handel getrieben hatte. Diese "Timpfe" waren
vom Münzmeister Andreas Timpf massenhaft geprägt worden.
In Norddeutschland und Polen, zwischen Bremen, Königsberg und
Krakau, gab es im 17. Jahrhundert sieben Münzmeister aus der
Familie Timpf, deren wechselvolles Schicksal unter verschiedenen
Monarchen ich in diesem Aufsatz schildern möchte.
Für den Namen Timpf gab es variable Schreibweisen: Tympf, Timpff,
Timpfe, Timp, Timpke, Timbken, Timmeke, und andere. Im Text werde ich
neben der häufigsten Form Timpf auch andere Formen aus den
verschiedenen Urkunden anführen.
Voranstellen möchte ich eine kurze Einführung in die
Ämter und Funktionen, die in einer Münzstätte
vorkamen.
1 Laura Frost (geb. Lemmel): Johanna
Schopenhauer; ein Frauenleben aus der klassischen Zeit. Berlin, 1905.
2 Hans Georg Siegler: Der heimatlose Arthur
Schopenhauer. Droste Verlag 1994 S.34.
2. Münzmeister im 17.
Jahrhundert
Im 17. Jahrhundert gab es in Deutschland unter großen und
kleinen Fürsten eine Unzahl von Münzprägestätten,
die oft nur für kurze Zeit in Betrieb waren und teils, in der Zeit
der schwedischen Kriege, für wechselnde Herren prägten. Der
"Münzfuß", das heißt Größe und Wert der
Münzen und das Wertverhältnis zwischen Gold-, Silber- und
Kupfermünzen, schwankte erheblich, so daß das Münzwesen
recht chaotisch war und den Handel beeinträchtigte. Während
der Taler im Deutschen Reich als eine Leitmünze galt, gab es bei
den kleineren Münzen allgemeine Verwirrung, besonders als im
30-jährigen Krieg viele Münzherren ihren gesteigerten
Geldbedarf dadurch zu decken suchten, dass sie den Silbergehalt der
Münzen verringerten.
Silbermünzen waren auf die "Mark" Silber bezogen, wobei die
(kölnische) Mark eine Gewichtseinheit von etwa 234 Gramm war. Da
es keine geeichten Gewichte gab, hatte die Mark Silber in verschiedenen
Ländern ein mehr oder weniger abweichendes Gewicht. Auch war die
Definition der Münzen starken Schwankungen unterworfen. So wurden
"aus der Mark" 8 bis 10 Taler geprägt, oder 120 bis 190
"Doppelschillinge". Auf Einzelheiten kann ich hier nicht eingehen.
Der Münzmeister, der seine Bestallung vom Landesherrn erhielt, war
der Leiter einer Werkstatt mit technischem Gerät, etlichen
Angestellten und einer sicheren Schatzkammer. Vom Landesherrn oder von
dessen Münzverwalter erhielt er die Anweisung, wieviele
Münzen er in welcher Grösse zu prägen hatte.
Der Münzmeister war dafür verantwortlich, dass aus der ihm
überlassenen Menge Edelmetalls die richtige Anzahl von Münzen
geschlagen wurde und dass sie aus echtem "Schrot und Korn" waren:
"Schrot" ist das Gewicht und "Korn" der Edelmetallgehalt. Das war mit
den damaligen technischen Mitteln keine leichte Aufgabe. Denn waren die
Münzen ein wenig zu schwer, dann machte der Münzmeister
Verlust; waren sie eine Spur zu leicht, dann machte er Gewinn, aber die
Münzen gerieten in Verruf. So lagen Erfolg und Ruin eines
Münzmeisters oft dicht bei einander, wie wir auch in der Familie
Timpf sehen werden.
Nach Herstellung des Rohlings wurden die Münzen zwischen zwei
Münzstempeln mit dem Hammer geschlagen, wozu der Münzmeister
einen Schmied und einen Münzgesellen als Gehilfen hatte. Die
Münzstempel wurden von einem Künstler, dem Stempelschneider,
angefertigt. Im Münzbild findet sich oft, mehr oder weniger
versteckt, ein Münzzeichen, das den Prägeort angibt oder aber
die Initialen des Münzmeisters, so "AT" für Andreas Timpf.
Die Überwachung der Zusammensetzung der Legierung des
Münzmetalls ("Feinheit") oblag dem "Münzwardein". Das
seltsame Wort Wardein, auch Gewardeyn und ähnlich, war aus dem
mittelalterlich-lateinischen Wort guardianus entstanden, das
"Wärter" bedeutet. Einmal im Jahr war "Probationstag", an dem
Inventur gemacht und geprüft wurde, ob der Münzmeister die
richtige Anzahl Münzen abgeliefert hatte.
Der Münzmeister bekam ein Gehalt zusätzlich zu seinen
nachgewiesenen Unkosten. Wie wir aber im Falle von Andreas Timpf sehen
werden, konnte der Münzmeister unter Umständen die ganze
Münzstätte pachten. Dadurch brauchte sich der Münzherr
nicht um Einzelheiten zu kümmern; er bekam aber nur das
festgesetzte Pachtgeld, während der Münzmeister, wenn er
geschickt war,
beträchtliche Gewinne selbst einstecken konnte. Aber er trug auch
die volle Verantwortung und wurde für mangelhafte Münzen
belangt....
3. Simon Timpf,
Münzmeister in Hanau
Simon Timpf ist der Stammvater einer
Sippe von Münzmeistern;
siehe Tafel 1. Er ist ab 1607 beurkundet, und zwar als Münzmeister
der hessischen Grafschaft Hanau (3).
Über seine Herkunft gibt es widersprüchliche Angaben. Einmal
heißt es, daß er aus Minden stammt (4); an anderer Stelle
heißt es: aus Aachen (5). Jedenfalls soll seine Frau, Gertrud
geborene Forst, "aus dem Geschlecht von Forsten in der Stadt Aachen"
stammen (6).
"Aachen" ist falsch (7); es ist eine Verwechslung mit "Aken", einer
Stadt an der Elbe, nahe Dessau. Dort kommt in den Kirchenbüchern,
die freilich erst später einsetzen, eine Hufschmied-Familie
Forst(er) vor (8). Die Heirat zwischen Simon Timpf und seiner Frau
Gertrud Forst dürfte also (um 1580/1585) in Aken stattgefunden
haben.

Tafel 1: Die Münzmeister-Sippe
Timpf
Die Bestätigung erhielt ich nun aus dem Staatsarchiv Danzig. Dort
liegt der 1673 ausgestellte Geburtsbrief (9) von Thomas Timpff, in dem
erstaunlicherweise nicht nur seine Eltern angegeben sind sondern auch
seine Großeltern: "Herrn Simon Timpffen, Müntzmeistern, aus
Minden in Westphalen bürtig, und Frawen Gerdrut Timpffen, als
welche er H. Simon Timpffe in der Stadt Aken gefreyet".
Simon Timpf wurde also (etwa um 1550/1555) in Minden geboren. Über
seinen Vater konnte ich hier nichts ermitteln. Es scheint sich um eine
alteingesessene Mindener Familie zu handeln. So findet man in Minden
1497 einen "Hermann Tympen" als Besitzer eines Hauses bei St.Marien und
1525 einen Rentherr "Frederick Tympe" (10). Die Mindener Bischöfe
besaßen das Münzrecht, aber unter ihren Münzmeistern
konnte kein Tympe/Timpf gefunden werden (11).
Simon Timpf muss einen metallverarbeitenden Beruf gelernt haben, der
ihn schließlich dazu befähigte, Münzmeister zu werden.
Wo er aber zwischen seiner Hochzeit in Aken (um 1580/1585) und seiner
Münzmeister-Anstellung 1607 in Hanau lebte und wo seine Kinder
geboren wurden, das konnte ich nicht ermitteln.
Die Hanauer Münzstätte (3) lag in Münzenberg, etwa 50 km
nordwestlich von Hanau. Sie war erst um 1590 von Graf Philipp Ludwig
dem II. von Hanau in der alten Reichsburg Münzenberg
gegründet worden. Dort wurde Simon Timpf 1607 oder 1608 als
Münzmeister angestellt. Aber schon nach wenigen Dienstjahren wurde
seine Tätigkeit abrupt beendet. Im "Hanauer Dienerbuch" sind
für das Jahr seiner Anstellung als Münzmeister nur drei
Pünktchen eingetragen; dann folgt: "Anno 1612 war er schon ab. Er
mag mit Unwillen seyn erlassen worden. Denn ... die Hanauische
Münz ... wäre an Schrot und Korn nicht echt. In Nürnberg
wurde dieselbe unter den verbottenen angeschlagen ...". Also: Seine
Münzen waren so mangelhaft, daß sie in der wichtigen
Handelsstadt Nürnberg nicht mehr angenommen wurden. Aber das war
womöglich nicht dem Münzmeister anzukreiden sondern dem
Grafen Philipp Ludwig, der im Jahre 1610 eine Münzteilung
einzuführen versuchte, die sonst nicht üblich war: ein halber
Gulden zu 13½ Albus.
In seiner Amtszeit wurden Taler, Guldentaler, Dreikreuzer, Pfennige und
anderes geprägt, aber einiges davon war nicht
ordnungsgemäß zur Prüfung vorgelegt worden. 1612 wird
Simon Timpf in den Hanauer Probationsakten erwähnt, aber da war er
schon nicht mehr in Hanau. Es heißt, dass ihm die Herausgabe
seiner "Documenta" verweigert wurde, "bis der Ordnung von ihm, Timpen,
Genüge geschieht". Er hatte den Dienst verlassen, bevor ein
langwieriger Streit geklärt war: Der Graf beanspruchte 3000 Gulden
von seinem Münzverwalter Peter Arnberger/Arenburch, und dieser
behauptete, der Münzmeister hätte zu wenig abgeliefert und
schulde ihm noch 281 Mark an geprägtem Gelde.
In einer Randnotiz des Dienerbuches ist für 1614 (schwer lesbar)
ein Daniel Tym(pf?) erwähnt. Das könnte Simons Sohn sein,
über den aber weiter nichts bekannt ist. Ein anderer Timpf-Sohn
war Samuel, der schon 1609 für seinen Vater Geschäfte in
Hanau besorgte.
3 Reinhard Suchier: Die Münzen der Grafen von
Hanau. Hanau 1897. Für diesen Hinweis danke ich Frau Dr.
Löwenstein vom Hessischen Staatsarchiv Marburg. - Hanauer
Geschichtsverein, Dienerbuch, Manuskript, S.133. Für eine Kopie
danke ich Frau Monika Rademacher vom Stadtarchiv Hanau.
4 Max Bahrfeldt: Beiträge zum Münzwesen der
Erzbischöfe von Bremen. In: Archiv des Vereins für Geschichte
und Altertümer der Herzogtümer Bremen und Verden und des
Landes Hadeln zu Stade, Heft 11, Stade 1886 S.203ff. - Für diesen
und andere Hinweise danke ich Frau Dr. E. Bachmann, Bremervörde.
5 Dorothea Weichbrodt: Patrizier, Bürger,
Einwohner der Freien und Hansestadt Danzig in Stamm- und Namentafeln
vom 14.-18. Jahrhundert, Bd.4, 1991, S.446. Danziger
Verlagsgesellschaft Paul Rosenberg, Kiel. - Siehe auch Bd.5, 1993, S.95.
6 Ahnenliste Magdalena Dorothea Schliemann geb.
Niemann, geb. 1680 in Wismar. In: Deutsches Geschlechterbuch Bd.105,
1939, S.659.
7 Laut Dr. Thomas Kraus vom Stadtarchiv Aachen ist
hier der Name Timpf unbekannt.
8 Mtlg Pfarramt Aken.
9 Archiwum Panstwowe w Gdansku (Staatsarchiv Danzig),
freundliche Mitteilung 2002. Einzelheiten siehe weiter unten.
10 Kommunalarchiv Minden, Mtlg Vinzenz Lübben 2003:
KAM Stadt Minden A I Nr.428 (1497 Aug.8) und Nr.498 (1525 Okt.2).
Ferner: 1609 "Bartold Timpen Frau Catarina", Kirchstuhlbuch von
St.Martini. - Ein weiteres Namensvorkommen in Westfalen siehe Friedrich
Bamler: Bürgerbuch von Bevergern/Westfalen (westlich von
Osnabrück). In: Fam'gesch. Blätter 24.Jg. 1926, Spalte
117/118 (1478 Johann Tympe) und 145/146 (1570 "Berend Moller de olde
alias Timpe").
11 Mtlg des Vereins Münzfreunde Minden 2003.
4. Simon Timpf unter dem
Fürstbischof von Bremen
Trotz seines unrühmlichen Abganges in Hanau
finden wir Simon
Timpfe bereits 1611 als Münzmeister des Erzbischofs von Bremen.
Dass hier ein Münzmeister aus Minden angestellt wurde, dürfte
auf enge Beziehungen zwischen beiden Städten zurückgehen,
seit im Jahre 1558 der Mindener Bischof Georg von
Braunschweig-Wolfenbüttel auch Erzbischof von Bremen wurde (10).
Innerhalb des Gebietes der Freien Reichsstadt Bremen unterstand dem
Bischof nur der Dombezirk. Aus Platzmangel war die Verwaltung seines
Bistums, das den Raum zwischen Unterweser und Unterelbe umfasste, nach
Vörde, dem heutigen Bremervörde, ausgelagert. Dort errichtete
Erzbischof Johann Friedrich im Jahre 1611 seine Münzstätte
(4), in der Simon Timpfe von 1611 bis 1614 in bedeutendem Umfang
Münzen prägte (12), siehe Abb.1.

Abb.1: Münzen des Bistums
Bremen, geprägt für Erzbischof Johann Friedrich vom
Münzmeister Simon Timpf in Vörde.
- a: Ein "Bremer Grotte"
von 1611.
- b: Vier Groschen (über dem Wappenschild kaum zu sehen
"4 GROS").
- c: Ein silbernes Zwei-Schilling-Stück von 1613 (am
linken Rand: "II SL ARG 1613").
- d: Ein silberner Taler von 1612.
- e:
10 Dukaten in Gold, ohne Jahreszahl.
Fotos: Kunsthistorisches Museum Wien.
Außerdem hatte der Bremer Erzbischof eine Münze für
Holstein in Burg auf Fehmarn, die um 1612/1616 ebenfalls dem
Münzmeister Simon Timpfe unterstand. 1614 wurde die bremische
Münzstätte von Vörde nach Stade verlegt, wo unter Simon
Timpf ab 1615 gemünzt wurde (13). Dort wurde er als "Monnoyeur de
Furden" (= Münzmeister von Vörde) bezeichnet. 1619 steht
"Simon Timp de Muntmeister" in einer Liste für gezahlte Biersteuer
(14).
Nebenher fungierte er von 1615 bis 1619 auch als Münzmeister in
Harburg, wo Herzog Wilhelm von Lüneburg-Celle im Jahre 1615 eine
neue Münzstätte errichtet hatte, hauptsächlich wohl um
für seinen aufwändigen Hofstaat Einkünfte zu erzielen
(15). Er sah sich genötigt, auf einem Probationstag im Mai 1616 in
Lüneburg und auf einem Kreistag im September 1617 in Braunschweig
zusammen mit seinem Münzmeister Simon Timpfe aufzutreten, um die
Anerkennung seiner Harburger Münzstätte gegen den Widerstand
anderer Münzherren des niedersächsischen Kreises
durchzusetzen.
Er hatte aber bereits im September 1615 seine neue Münzstätte
an Simon Timpfe verpachtet. Dieser musste ihm eine jährliche Pacht
von 600 Talern zahlen sowie "zum Eingange und glücklichen Antritt"
einen ansehnlichen Pokal verehren. Timpfe erhielt von jeder
vermünzten "feinen Mark Silbers" einen bestimmten Betrag, von dem
er alle Unkosten und das Pachtgeld finanzieren musste. Er sollte auch
die Beschaffung des Edelmetalls selbst besorgen, so dass er nur durch
günstigen Silbereinkauf einigermaßen auf seine Kosten kommen
konnte. Am 4.Oktober 1615 wurde er vereidigt. Er prägte in Harburg
für Herzog Wilhelm Reichstaler und anderes mit "gekreuzten
Zainhaken" als Münzmeisterzeichen; siehe Tafel 1 und Abb.2.

Abb.2: Ein Reichstaler von Herzog
Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg,
geprägt 1617 in Harburg von
Simon Timpf.
Sein Münzmeisterzeichen ist auf
der Wappenseite oben links zu sehen,
am Ende des Spruches "Dominus
providebit" (Der Herr wird's richten).
In dieser Zeit, in der er weiterhin bremischer Münzmeister war,
wohnte er in Stade, über 60 Jahre alt, so dass ihm für sein
Amt in Harburg am 23.3.1618 altershalber sein Sohn Thomas "adjungiert"
wurde (4). Anfang 1621 starb er: Am 2.2.1621 kauften "Simon Timbkens
Erben" ein Erbbegräbnis in der Stader St.Johannes-Kirche, wo er am
4.2. begraben wurde.
Am 6.7.1623 wurde die Sterbeglocke für Simon Timpf des
Münzmeisters Frau geläutet. Und am 22.9.1625 klangen die
St.Cosmae-Sterbeglocken für Anneke Timpen; sie war eine Tochter
von Berent von Bremen aus einer bekannten Stader Familie (14). Anneke
dürfte eine Schwiegertochter des Münzmeisters gewesen sein.
1659 verbrannten im großen Stader Stadtbrand die
Kirchenbücher und die größten Teile des Stadtarchives
(16). So lässt sich die Familie Timpf nicht aus den
Kirchenbüchern erschließen. Aber aus anderen Quellen ist zu
ersehen, dass Simon mindestens die folgenden sechs Kinder hatte (siehe
Tafel 1).
1: Simon; er stirbt in Stade als "Simon Tympen, Fürstl. Gnaden
Muntzmeisters Sohn von Vorde"; weiteres siehe gegen Ende des Kapitels
5.
2: Samuel, Münzmeister in Holstein, siehe Kapitel 8.
3: Thomas, 1618 seinem Vater in Harburg als Münzmeister
adjungiert; siehe Kapitel 5.
4: Sophie: am 17.8.1614 ist "Sophie Trimpen", Tochter "du Monnoieur de
Furden", Taufpatin bei der Tochter Sara von Steffen Doppegießer
(17).
5: Peter, Münzmeister, "des vorigen Münzmeisters Sohn"; siehe
Kapitel 6.
6: Hinrich, Goldschmied und Münzwardein in Stade; siehe Kapitel 7.
Ein weiterer Sohn mag der 1614 in Hanau erwähnte Daniel Tym(pf?)
sein, über den aber sonst nichts bekannt ist.
Im Jahr 1621, als Simon Timpf starb, wurde das Land von den Schweden
besetzt, die die Bistümer Bremen und Verden säkularisierten
und dann im Westfälischen Frieden unter der schwedischen Krone das
Herzogtum Bremen-Verden mit Verwaltungssitz in Stade errichteten.
12 Frau Dr. Roswitha Denk vom Münzkabinett des
Kunsthistorischen Museums Wien danke ich für Bereitstellung von
Literatur und für die Anfertigung von Münz-Fotografien.
13 Max Bahrfeldt: Die Münzen der Stadt Stade. -
Für eine Kopie danke ich Dr. Bohmbach, 1993.
14 Niedersächsisches Staatsarchiv in Stade,
Wiesnersche Familiennamen-Kartei; Mtlg Dr. Lokers 1993. - Ein Herr
Grodau hatte um 1940 eine Stammfolge Tympf erarbeitet und sein Material
im Krieg verloren. Darauf schickte ihm am 12.6.1947 Herr Wiesner die
Abschrift eines Briefes vom 29.6.1943 mit verschiedenen Daten zur
Familie Tympf.
14a Münzstätte Hitzacker: Thomas Timpfe 1623-1625. "Die
Münzstätten der Welfen-Länder", im Internet (ohne Autor)
2007.
15 Max Bahrfeldt: Beiträge zur Münzgeschichte der
Lüneburgischen Lande. In: Numismatische Zeitschrift Bd.25, Wien
1894, S.123-372.
16 Mitteilungen Stadtarchiv Stade und Kirchenkreisamt Stade
1993. Die Stader Begräbnisbücher setzen sogar erst 1740 ein.
17 StA Stade, Manuskript des Pastors Biernatzki als Zugabe
zu dem Stader wallonischen Kirchenbuch.
5. Thomas Timpf,
Münzmeister in Harburg
Ein ungewöhnlicher Harburger Taler
von 1617 zeigt zwei
Münzmeisterzeichen (15): auf der einen Seite das von Simon Timpf,
auf der anderen das seines Sohnes Thomas; siehe Abb.3. Thomas war also
bereits Mitarbeiter seines Vaters, dem er am 23.3.1618
förmlich "adjungiert" wurde. In diesem Jahr heiratete er in der
reformierten Kirche Maria de la Ruelle (18).

Abb.3: Ein Reichstaler von Herzog
Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg,
geprägt 1617 in Harburg mit den
Münzmeisterzeichen
von Simon Timpf (rechts) und seinem
Sohn Thomas Timpf (links).
Am 1.10.1619 trat er in den Pachtvertrag seines Vaters und wurde
alleiniger Münzmeister in Harburg. Dazu überreichte er dem
Herzog als Präsent einen prächtigen Schautaler (15). Er
musste nun aber, statt der bisherigen 600 Taler, eine jährliche
Pacht von 1000 Talern an Herzog Wilhelm zahlen. Um so hohe
Einkünfte zu erzielen, musste er jährlich etliche tausend
Taler prägen (Abb.4), woraus sich alsbald ein Streit mit der
benachbarten Stadt Hamburg entwickelte.

Abb.4: Harburger Prägungen von
Thomas Timpf für Herzog Wilhelm von
Braunschweig und Lüneburg: Ein
"halber Reichs-Ort" (= 1/8 Taler)
von 1622; ein "Ort" (= 1/4 Taler),
ohne Wertangabe und ohne
Jahreszahl, wohl von 1619; und zwei
"Reichstaler" in zwei
Ausführungen von 1622 und 1624.
Das Münzmeisterzeichen befindet
sich jeweils auf der
Porträtseite oben.
In diesen Jahren münzte er auch für andere Herren (4). 1618,
1619 und 1620 gibt es Vörder Münzen mit seinem
Münzzeichen. Auch münzte er 1620 für das Domkapitel zu
Verden und 1623 für Herzog August den Jüngeren zu Hitzacker
(14a),
und zwar für beide von Harburg aus.
In dieser Zeit mitten im 30-jährigen Krieg führte der Brauch,
durch höchste Ausnützung des Münzrechts vermehrte
Einnahmen zu erzielen, zu unguten Entwicklungen. Mit der schwieriger
werdenden Beschaffung des Silbers wurden drei Juden in Altona betraut,
denen sogar Münzbefugnisse übertragen wurden. Sie konnten
aber ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, flüchteten und wurden
schließlich festgenommen. Da der Herzog seinen Münzmeister
für dieses fehlgeschlagene Unternehmen verantwortlich machte,
wurde Thomas Timpf
zum 1.4.1625 entlassen, wobei er dem Herzog eine größere
Summe schuldig blieb (15).
Ein Vetter von Herzog Wilhelm zu Harburg war Herzog Christian zu Celle,
der nebenbei auch erwählter Bischof des Stiftes Minden war und in
Winsen an der Luhe eine Münzstätte betrieb. Um diesen
Münzmeisterposten bewarb sich um die Jahreswende 1623/1624 Thomas'
Bruder "Simon Timpf der jüngere, des gestorbenen Münzmeisters
Simon Timpfens säliger Sohn". Dazu schickte Herzog Wilhelm ein
Empfehlungsschreiben (15) an Herzog Christian. Aus dieser Bewerbung
wurde aber nichts, und Simon junior starb kurz darauf in Stade, kaum
mehr als 30 Jahre alt (19).
Statt dessen bewarb sich nun Thomas Timpf, als ihm in Harburg bereits
die Entlassung drohte, am 17.1.1625 bei der Münzstätte in
Winsen. Im Oktober 1626 und im Oktober 1627 bat er abermals um
Anstellung, wobei er fünf Münzen als Probe mitschickte (15).
Aber sein Gesuch wurde abgeschlagen und die Stelle wurde anderweitig
besetzt. Thomas war noch keine 40 Jahre alt; sein weiteres Schicksal
ist nicht bekannt.
18 Weichbrodt, wie (5). Hier ist ein Sohn Peter
angegeben, der 1649 Münzmeister in Stade ist. - Richtig ist, dass
dieser Peter nicht Sohn sondern Bruder von Thomas Timpf ist.
19 In dem Wiesner-Grodau-Brief im Staatsarchiv Stade (14)
heißt es: "Am 1.4.1613 läuten die Sterbeglocken für
Simon Tympe Fürstl. Gnaden Müntzmeisters Sohn von Vorde". In
diesem Brief, der die Abschrift einer Abschrift ist, muss die Jhreszahl
1613 unrichtig sein, da dieser Simon sich noch Dez.1623/Jan.1624 um die
Münzmeisterstelle in Winsen bewirbt (15). Simon könnte
richtig am 1.4.1624 gestorben sein.
6. Peter Timpf, Münzmeister in Holstein und Stade
Simons Sohn Peter Timpf lebte zunächst in Stade.
Das Land war
nun unter schwedischer Besetzung. 1629 ließ "Peter Timmeke" sich
seiner Großmutter "Stede" (= Kirchenstuhl) zuschreiben (14).
Er ging dann aber nach Holstein, wo er im Jahre 1634 als
Münzmeister bei Herzog Friedrich zu Schleswig-Holstein beurkundet
ist. Er hatte dieses Amt von seinem älteren Bruder Samuel
übernommen, der es seit 1617 innegehabt hatte (20); siehe Kapitel
8. Am 26.4.1634 verfasste der Wardeyn Heinrich Pulß für den
Herzog eine ausführliche Abrechnung "wegen des durch Peter Timpfen
zum ersten mahl vermüntzten Silbers". Darin ist von 2476 Talern
die Rede. Und am 20.5.1634 verfassten "Heinrich Pulß und Peter
Timpfe, fürstliche holsteinische respective Wardeyn und
Müntzmeister" einen gemeinschaftlichen Revers über ihre
Verpflichtungen, nachdem sie vom Herzog eine Silberlieferung von 134
Pfund und 31 Lot erhalten
hatten, und zwar in zwei großen Stücken gegossenen Silbers
(21).
Nach wenigen Jahren bewarb sich Peter an die Münze seiner
Heimatstadt Stade. Hier war nach dem Tod von Simon Timpf 1621 ein
anderer Münzmeister tätig gewesen (22); er prägte mit
der Jahreszahl 1621 und dem Münzzeichen HB, das bisher nicht
gedeutet werden konnte. Dann ruhte die Ausmünzung und wurde erst
1640 wieder aufgenommen (13).
1638 erhielt "Peter Timpfe, des vorigen Münzmeisters Sohn" in
Stade einen "Contract" als Münzmeister. Unter anderem sollte er
prägen: "Rthaler" und "Orther" (das sind Vierteltaler) "nach
Reichs Schrot und Corn"; "Dreischillinge, 12 Loth, 136 Stück auf
die Mark". Er lebte aber noch in Fehmarn, erschien nicht in Stade und
konnte seinen Contract nicht einhalten. Darauf wurde am 11.7.1639
beschlossen, einen anderen Münzmeister zu engagieren. Doch am
9.12.1639 ließ Peter Timpfe durch einen Diener verhandeln; er gab
an, dass er nicht aus Vorsatz sondern aus Schwachheit ferngeblieben sei
und dass er sich einstellen wolle, sobald er wisse, "wie es wegen der
verflossenen Zeit solle gehalten werden". Nachdem der Rat ihm
zusicherte, dass er "ungefährdet bleiben solle", traf er 1640 in
Stade ein. Er prägte Münzen mit der Jahreszahl 1640 und dem
Münzmeisterzeichen PT. Die Münzen hatten jedoch nicht den
vorgeschriebenen Feingehalt, und im März 1641 wurde er von den
aufgebrachten Stader Bürgern bedroht, so dass der Münzmeister
sich wiederum beschwerte, "die Bürger wollten ihm den Kopf
entzweischlagen"; daher "wolle er lieber die Stempel niederlegen", was
dann wohl auch geschah.
In der Folge fungierte er von 1641 bis 1643 in Vörde als
Münzmeister für Erzbischof Friedrich von Bremen, als dieser
sich kurze Zeit gegen die Schweden behaupten konnte. Doch bereits 1645
okkupierte Schweden abermals das erzbischöflich bremische Gebiet,
das im Frieden von 1648 vollends säkularisiert wurde. In
Vörde war Peter Timpfe der letzte Münzmeister, und nach ihm
ist hier nicht mehr geprägt worden (13).
In dieser Zeit lebte er weiter in Stade, trotz seines lädierten
Ansehens bei den Stader Bürgern. Im Chor von St.Johann wurden am
12.1.1643 sein Kind und Ostern 1647 seine Frau beigesetzt (14).
Am 22.3.1649 wurde Peter Timpfe als Münzmeister in Stade von der
neuen Regierung angestellt. So münzte er 1649 und 1650 in
schwedischen Diensten für das Herzogtum Bremen-Verden. Am
22.3.1649 wurde er für zunächst drei Jahre zum
Münzmeister bestellt: "Acta betr. Bestallung des Münzmeisters
P. Timpfen für das Herzogtum Bremen" (23). Er prägte Dukaten,
Thaler, Dütchen, Doppelschillinge, Sechslinge (13).
In die Zeit der Münzmeister Timpfe, Vater Simon und Söhne,
fällt eine numismatische Eigenheit. In Stade und Bremen wurden
fremde Münzen, zum Beispiel Lübecker Doppelschillinge, mit
kleinen, etwa 6 mm großen "Gegenstempeln" versehen, die das
Stader Stadtwappen, einen aufrechten Schlüssel mit Bart nach
links, oder das Bremer Wappen, einen schrägen Schlüssel mit
Bart nach rechts oben, zeigen. Die Prägung des kleinen
Gegenstempels wurde einfach über die Originalprägung
drübergeschlagen. Den Gegenstempel bekamen nur die "guten"
Münzen, um sie von den neueren Münzen, die aus schlechter
legiertem Silber geprägt waren, unterscheiden zu können. Auch
wurde hierdurch die Prägung eigener Münzen auf einfache Weise
ergänzt.
Der Numismatiker Rudolf Meier (22) berichtete von einem Harburger
Doppelschilling (1/16 Taler) aus dem Jahre 1617, der von Simon Timpf in
Harburg geprägt worden sein muss und der später, wohl von
Peter Timpfe, einen Gegenstempel der Stader Münzstätte
erhielt (Abb.5).
Am 12.3.1657 ist in Stade ein neuer Münzmeister, Johann Schulze,
beurkundet. Peter Timpfe dürfte wohl gestorben sein.

Abb.5: Harburger
Doppelschilling (=1/16 Taler) von 1617, mit dem
Gegenstempel von Stade (kleiner
Schlüssel unterhalb der Mitte der
Münze). Die Harburger
Prägung muss von Simon Timpfe, der Stader
Gegenstempel von Peter Timpfe sein.
Vergrößert; das Original hat
27 mm Durchmesser.
20 Ed. Grimm: Münzen und Medaillen der
Stadt Rostock,
Berlin 1905, S.146; Kopie durch wiss. Archivarin Ehlers, 1993. - Walter
Hannemann: Die Münzmeister der Stadt Rostock. Nordostdeutsches
Kulturwerk Lüneburg, 1974, S.28f.
21 Landesarchiv Schleswig-Holstein (LASH), Abt.7
Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf: Nr.3047 Allgemeine und
verschiedene Münz- und Währungssachen vol.iii 1630-1708;
enthält u.a.: Hzgl. Münzbescheid von 1634 (nicht 1674!) mit
Abrechnung über Silberlieferungen von Heinrich Puls, Peter Timpe
den Bottschlotter Interessenten. - Für die Hinweise auf die
einschlägigen Urkunden des Landesarchives (siehe auch folgende
LASH-Fußnoten) danke ich Herrn Oliver Fieg, 2002.
22 Rudolf Meier: Auch Stade ließ Gegenstempel auf
Münzen schlagen; in: Der Münzen- und Medaillensammler Nr.169,
30.Jg. 1990 S.861f. - Diesen Hinweis verdanke ich Frau H. Frobeen. -
Auf S.862 findet man die Abbildung eines Stader Talers von 1621 mit dem
Münzmeisterzeichen HB. - In Abb.1 und 10 sieht man den Harburger
Doppelschilling von 1617 mit dem Stader Gegen-stempel. - Von dieser
Rarität wurde sogar in Tageszeitungen berichtet: "Numismatische
Kostbarkeit", in: Harburger Rundschau, 14. März 1990.
23 Niedersächsisches Staatsarchiv Stade, Rep.5a
(Schwedisches Archiv) Fach 130 Nr.153; ein schlecht erhaltenes Blatt. -
Mitteilung Dr. Lokers 1993.
7. Hinrich Timpke,
Münzwardein in Stade
Hinrich Timpke oder auch Timbken, Sohn von Simon, und
zwar wohl
der jüngste, erscheint in Stade ab 1625 als Goldschmiedemeister
und Siegelschneider. Unter seinen Lehrjungen sind seine Söhne
Henrich 1646-1650 und Johan 1650-1654 (24).
1649 überwachte Hinrich als Amtsmeister einen Glockenguss. In
diesem Jahr wurde er von den Schweden für ihre neue
Münzstätte in Stade als Münzwardein eingesetzt (13). In
dieser Funktion musste er dem Münzmeister, also seinem Bruder
Peter, die korrekte Zusammensetzung der Münzlegierungen
bestätigen, wozu er als Goldschmied die richtige Ausbildung hatte.
Am 3.11.1653 überließ er, nunmehr an die 60 Jahre alt, seine
Stelle als Amtsmeister seinem gleichnamigen Sohn, der am 30.6.1654 die
Heiratserlaubnis erhielt. Beide wohnten in der Hökergasse, wohl in
der Nachbarschaft zur Stader Münze. Es scheint dann aber, aus
unbekanntem Grunde, ein Zerwürfnis gegeben zu haben, denn am
19.8.1658 wird "Henrich Timpke der Ältere seines Amtes verlustig,
nachdem er sich mit Haus und Familie wegbegeben hatte". Wohin er ging,
ist nicht bekannt. Er starb 1665, sein gleichnamiger Sohn 1703 (24).
Ein "Bosche Timpke" war 1618-1623 Lehrling beim Goldschmied Claus
Alders in Stade (14). Ich vermute, dass hier der seltsame Name Bosche
ein Spitzname oder ein Lesfehler ist und dass es sich um den angehenden
Goldschmiedemeister Hinrich Timpke handelt.
Ferner gibt es einen Jürgen Jochim Timke, der 1673 bei St.Cosmae
in Stade einen Kirchenstuhl auf seinen Sohn Jürgen
überschreiben ließ (14). Jürgen Jochim dürfte ein
Enkel von Simon Timpf sein, unklar, über welchen seiner Söhne.
24 Clasen: Stader Silber, S.47. - Fotokopie durch
Dr.Bohmbach, Stadtarchiv Stade, 1993.
8. Samuel Timpf,
Münzmeister in Holstein und Rostock
Wir sahen schon, dass bereits 1609 in
Hanau Samuel Timpf für
seinen Vater Simon Geschäfte erledigte; er dürfte also
bereits vor 1590 geboren sein. 1612 bis 1616 war der Vater Simon in
Burg auf Fehmarn für die erzbischöflich-bremische Münze
tätig; dabei assistierte ihm der Sohn Samuel, der alsbald das Amt
des Vaters übernahm und am 18.2.1617 Bürger in Burg auf
Fehmarn wurde (25). Er ehelichte, wohl ebenfalls im Jahr 1617,
Magdalena, die Tochter des Burger Bürgermeisters Andreas Eler und
seiner Frau Magdalena geb. Rauert (26). Hier wurde, wahrscheinlich
1618, der Sohn Andreas geboren, auf den wir noch zu sprechen kommen
werden.
Im Landesarchiv in Schleswig findet sich ein Akt von 1616/1617
über Münzmeister Samuel Timpf und dessen "in Lübeck
vorenthaltenes Silber". In dieser Zeit errichtete der holsteinische
Herzog, der in der Stadt Schleswig auf Schloss Gottorp saß, auf
Fehmarn eine Holstein-Gottorp'sche Münzstätte (4), bei der
der (zuvor bremische) Münzmeister Samuel Timpfe am 10.9.1617
angestellt wurde (27).
Es folgten etliche Funktionen in herzoglich holsteinischen Diensten
(28). 1620 wurde Samuel Timpf beauftragt, im Dorf Steinbeke, einer
alten holsteinischen Münzstätte, eine neue Münze
einzurichten, und am 1.12.1620 wird er hier als Münzmeister
bestätigt. Am 28.12.1622 wurde er Münzmeister in Schleswig.
1625 ist er als Münzmeister in Kiel beurkundet. Noch im Jahr 1627
wird Samuel Timpe als Münzmeister in Schleswig und Kiel
erwähnt (29).
Es wird nun berichtet (20), dass er seinen Posten an seinen Bruder
Peter abtrat, der fortan als Münzmeister bei Herzog Friedrich von
Schleswig-Holstein tätig war, während Samuel sich nach Burg
auf Fehmarn begab, wo er "sich dem Ackerbau widmete". Er war also ein
"Aussteiger" - aber wohl nicht ganz freiwillig, denn aus seinen letzten
Dienstjahren gibt es zwei Prozessakte (30) über "Münzwardein
Heinrich Puls contra Münzmeister Samuel Timpe betr. Gehaltszahlung
1622-1628" sowie "Münzmeister Samuel Timpe contra Münzschmied
Fritz Engelbrecht in puncto debiti wegen veruntreuten Silbers
1625-1628".
Samuels Ackerbau währte 7 Jahre. Am 25.8.1635 bewarb er sich um
die Stelle des Münzmeisters in Rostock, die er dann über 20
Jahre bis zu seinem Tod innehatte. Mit seinem Münzzeichen ST
prägte er Doppelschillinge, Taler, Dukaten, Kupferpfennige und
andere Sorten (20), siehe Abb.6.


Abb.6: Rostocker Prägungen von
Samuel Timpf; links ein Dukat von
1636; rechts ein halber Taler von
1637. Das Münzmeisterzeichen,
S und T verschlungen, sieht man oben
in der Mitte.
In den Rostocker Ratsakten findet man über ihn nur spärliche
Nachrichten (31). 1637 ist Samuel Timpfe als Münzmeister in einer
Rostocker Baukostenrechnung genannt. In einer Liste der Rostocker
Münzmeister und Wardeine (32) werden für das Jahr 1650 Samuel
Timpke und (sein Sohn) Andreas Timpke genannt. Am 26.12.1660
heißt es in einem Schreiben der Münzherren (das heißt:
der zuständigen Rostocker Senatoren), dass die
Münzmeisterstelle durch Absterben des Samuel Timpfe vakant sei. Im
März 1661 sollte die Stelle, die "des sel. Samuel Timpfe gewesen",
wieder besetzt werden (31). Er war aber bereits 1656 gestorben, und
zwar in Güstrow. Als sein Nachfolger als Rostocker
Münzmeister wurde 1659 sein Sohn Andreas ernannt (20). Andreas
Timpf, der zu dieser Zeit bereits königlich-polnischer
Münzmeister war, sollte offenbar nach dem Tod seines Vaters die
Rostocker Münze mit versorgen, bis sie 1660 neu ausgeschrieben
wurde.
Nach einer anderen Quelle (5) wurde der Rostocker Münzmeister
Samuel Timpf(e) am 29.11.1674 in der Danziger Marienkirche unter dem
Stein 32 beigesetzt, 78 Jahre alt. - Hiernach wäre er 1598
geboren. Dieses Geburtsjahr passt nun ganz und gar nicht zu Samuel
(33), der schon 1617 heiratete und als Münzmeister bestallt wurde.
Es würde aber durchaus zu Samuels Witwe passen, die nach Samuels
Tod zu ihrem Sohn nach Danzig gezogen und in der Marienkirche
beigesetzt sein mag. Der Sterbeeintrag der Witwe wurde also
irrtümlich dem Münzmeister selbst zugeschrieben.
Mangels erhaltener Taufregister in den fraglichen Orten konnten Samuels
Kinder nur teilweise erschlossen werden. Bisher wurden vier Kinder aus
ihren Heiratseinträgen (5,6) bekannt:
1. Der schon genannte Danziger Münzmeister Andreas Timpfe/Tympf,
der um 1618 in Burg auf Fehmarn geboren wurde. Siehe Kapitel 9 bis 11.
2. Gertrud Livia Timpf, * 3.5.1625 in Kiel, + 9.2.1650 in Rostock, oo
9.10.1643 in Rostock mit Dr.jur. Ambrosius Petersen, + 24.3.1670 in
Wismar. Tochter: Magdalena Agneta, * 1647 in Rostock, oo mit Christoph
Niemann, Brauer in Wismar.
3. Magdalena Timpfe, * etwa 1627/1630 wohl in Kiel oder Burg, oo 1651
in Rostock mit dem Kaufmann und Brauer Reinhold Behn. Sohn: Stefan
Behn, * 1652, Kaufmann in Danzig.
4. Thomas Tympf, * um 1632, Kaufmann in Danzig und Münzmeister in
Polen und Ostpreußen. Siehe Kapitel 12.
Zusätzlich könnte das eine oder andere Kind um 1620 in
Schleswig geboren sein. Aber auch hier sind aus dieser Zeit keine
Taufbücher erhalten (34).
25 Bürgerbuch Burg; Mtlg K.Volkart 1969.
26 DGB Bd.105, wie (6), und Weichbrodt, wie (5).
27 LASH Abt.7, Nr.4079 Beziehungen zwischen Fehmarn und
Lübeck 1616-1696; u.a. Münzmeister Timpf und dessen in
Lübeck vorenthaltenes Silber 1616-1617.
28 LASH Abt.7, Nr.227 Bestallungen 1616-1628. - Hinweis
auch durch Mtlg K.Volkart 1969.
29 LASH Abt.7 Nr.3046 Allgemeine und verschiedene
Münz- und Währungssachen vol.ii 1620-1627.
30 LASH Abt.7 Nr.3058 und 3059.
31 Archiv der Hansestadt Rostock, Ratsakten zum
Münzwesen. - Mtlg Frau Ehlers 1993.
32 Carl Friedrich Evers: Mecklenburgische
Münzverfassung, Leipzig 1983, S.333; Reprint der Originalausgabe
Schwerin 1798. - Mtlg Frau Helga Frobeen, Hamburg, 2000.
33 Wegen Samuels irrigen Lebensdaten in der Danziger Quelle
("+1674, 78 Jahre alt", also *1596) konnte Frau Weichbrodt (5) den
Samuel Timpf nicht als Vater des Danziger Münzmeisters Andreas
Timpfe ansehen sondern ordnete beide als mutmaßliche Brüder
ein.
34 In Schleswig beginnen die Kirchenbücher 1715 (Dom),
1656 (St.Michaelis), 1667 (Friedrichsberg). - Mtlg ev.-luth.
Kirchenkreis Schleswig 1993.
<
8a. Ein Hochzeitstaler von 1649
Im Jahr 2009 erhielt ich die
Kopie eines Hochzeitstalers (34a) , der als Münzmeisterzeichen die
gekreuzten Zainhaken zeigt, eingerahmt von den Buchstaben S und T.
Eine Jahreszahl fehlt. In der Umschrift tauchen neben dem Hinweis
auf die Hochzeit zu Kanaa die Buchstaben IOHA:A:Z: auf, für deren
Deutung Herr Weber "Johannes von Anhalt-Zerbst" vorschlug. Demnach muss
der Taler 1649 geprägt worden sein, und zwar zur 1649 erfolgten
Hochzeit des Fürsten Johannes von Anhalt-Zerbst mit Sophia
Auguste, Herzogin von Holstein-Gottorp — die Braut aus Holstein, wo der
Münzmeister Samuel Timpf gewirkt hatte!
Die Zainhaken und die Buchstaben ST sprechen eindeutig für
Samuel Timpf als Münzmeister. Allerdings waren die Zainhaken das
Zeichen seines Vaters Simon Timpf gewesen, aber der war schon 1621
gestorben. Samuel war freilich 1649 nicht mehr Münzmeister in
Holstein sondern bereits ab 1635 in Rostock. Dort scheint er aber nicht
ständig anwesend gewesen zu sein, da er hier um 1650 zeitweise von
seinem Sohn Andreas vertreten wurde. Es ist also durchaus
wahrscheinlich, dass Samuel in dieser Zeit in Holstein den
Hochzeitstaler prägte. In Rostock hatte er mit dem
Münzmeisterzeichen ST geprägt, das er nun mit den in Holstein
bekannten Zainhaken seines Vaters kombinierte.
Dieser Hochzeitstaler hat 45 mm Durchmesser und 27,03 g
Gewicht (34a). Daneben gibt es einen halben Hochzeitstaler
mit 14,51 g Gewicht in der gleichen Zeichnung,
der in einer Münzauktion (34b) einen
Preis von 210 Euro erzielte. Er war im
Auktionskatalog irrtümlich unter "Hamburg-Stadt" einsortiert.
Später wurde freilich das Münzzeichen der gekreuzten
Zainhaken auch anderweitig verwendet. So 1752 vom Münzmeister
Johann Justus Jaster, der in dieser Zeit für die Stadt Lübeck
prägte und seine Initialen JJJ mit dem Zainhaken-Zeichen verband
(34c).
34a Freundliche Mitteilung von Herrn Volker
Weber, Wattenbek,
nebst Kopien.
34b Teutoburger Münzauktion Nr.43, Feb.2009, laut Mtlg
V.Weber.
34c Mitteilung V.Weber nebst Abbildung, Taler Stadt
Lübeck 1752.
>
9. Andreas Timpf,
Münzmeister in Lüneburg
Samuels Sohn Andreas Timpf wurde um 1618 in Burg auf
Fehmarn
geboren. Mit seinem Vater zog er 1625 nach Rostock und lernte bei ihm.
1643, also bereits im Alter von etwa 25 Jahren, wirkte er als
Münzmeister in Lüneburg, wo er als Nachfolger des entlassenen
Münzmeisters Jonas George zunächst einen Vertrag auf ein Jahr
erhielt. Er sollte die "goldenen und groben silbernen Sorten
(Talerwerte) schlagen". Die kleinen Münzen vom Doppelschilling
abwärts sollten "nach dem Gehalt" geprägt werden. Er
verwendete das Münzmeisterzeichen A, jedoch prägte er auch
mit dem Münzeisen des Vorgängers, ohne das Zeichen zu
ändern.
Unter Herzog Friedrich von Braunschweig und Lüneburg gab es bei
einer Münzprobe Beanstandungen der von Timpfe geprägten
Lüneburger Doppelschillinge und Schillinge, so dass Andreas Timpfe
1649 den Lüneburger Dienst verließ (35). Das Lüneburger
Bürgerrecht hatte er nicht erworben; er zog sich nach Stade
zurück, wo zu dieser Zeit sein Onkel Peter Timpf als
Münzmeister fungierte. Drei Briefe, datiert in Lüneburg im
September 1649 und in Stade im Dezember 1649, richtete er an
Bürgermeister und Rat der Stadt Lüneburg, um auf
Anschuldigungen eines Klägers zu antworten (36).
Derweil blieb seine Frau, eine gebürtige Lüneburgerin, noch
in Lüneburg zurück, wo sie 1650 einen Sohn bekam. Über
die Familie geben die Lüneburger Kirchenbücher Auskunft (37).
1646 heiratete "der Erbar und edelvest Andreaß Timpfe die ehr-
und tugendsame Jungf(rau) Anna Rachow, des S(eligen) Joachim Rachow
hinterbl. eheleib. Tochter"; ihre Eltern, Joachim Rochauwe und Anna
Wolmers hatten 1609 geheiratet. Bisher konnte ich 4 Kinder ermitteln:
1. Die Tochter Concordia wurde (nach ihrem Sterbealter) um 1646/1647
geboren; jedoch konnte ich ihren Taufeintrag in Lüneburg nicht
finden. Sie wurde am 30.6.1716 in der Danziger Marienkirche unter Stein
354 beigesetzt, 69 Jahre alt (38). Sie starb als die Witwe des Danziger
Münzwardeins Daniel Siewert, der um 1631 (in Elbing?) geboren und
am 13.8.1683 in Danzig beigesetzt wurde. Die beiden Söhne, Daniel
und Christian Siewert, wurden ebenfalls Münzwardeine in Danzig und
Königsberg.
2. Am 21.3.1648 wurde in Lüneburg die Tochter Anna geboren oder
getauft. Sie ist meine zweifache Ahnfrau. Aus zwei Ehen (39) bekam sie
in Danzig viele Nachkommen, so dass sie oftmals in Danziger Ahnentafeln
aufscheint, wobei über ihren Geburtsort falsche Angaben kursieren
(40). In erster Ehe heiratete sie 18-jährig am 28.2.1666
in der Danziger Marienkirche den Kaufmann Johann Renner aus einer
Danziger Tuchhändlerfamilie, welche um 1605 vorübergehend
auch in Lemberg ansässig gewesen war. In der selben Kirche
heiratete sie am 23.5.1688, nun bereits 40-jährig, den Leipziger
Kaufmann und Ratsherrn Hartmann Maul, der 1672 nach Danzig gekommen war
und hier ebenfalls Ratsherr und schließlich Richter wurde. -
Heinrich Renner, ein Sohn der Anna Tympf aus erster Ehe, und Anna Maul,
ihre Tochter aus zweiter Ehe, sind beides meine Vorfahren (41); siehe
Tafel 2.
3. Eine Tochter Magdalene Timpfe ist am 16.4.1649 im Lüneburger
Taufbuch eingetragen. Ihre Taufpatin war die gleichnamige Tante, die
Schwester des Vaters Andreas.
4. Am 9.12.1650 steht im Lüneburger Taufbuch: Samuel
Matthieß filius Andreas Timpff; Pate: Samuel Matthieß
Timpff. Der Taufpate ist entweder ein noch unbekannter Bruder von
Andreas; oder aber er ist identisch mit dem Großvater Samuel
Timpf, von dem freilich Matthieß als zweiter Vorname sonst
nirgends belegt ist.
Wahrscheinlich hat Andreas Timpf an seinen späteren Wohnorten
weitere Kinder bekommen.

Tafel 2: Die Abstammung des Autors
von zwei Kindern der Anna Tympf
35 Eberhard Schnuhr: Lüneburg als
Münzstätte. Lüneburg 1956, S.25f. - Mtlg Frau Dr. E.
Bachmann, Bremervörde, 1992.
36 Stadtarchiv Lüneburg, Kopien von 3 Briefen;
Einzelheiten schwer zu entziffern. - Mtlg Frau Dr.Reinhardt 1993.
37 Kirchenbücher Lüneburg-Nicolai. Trauung 1646
Dominica 19.Trinit. S.522; Taufen 21.3.1648 S.592, 16.4.1649 S.605,
9.12.1650 S.613. - Eigene Forschungen und Mtlg Frau Irmgard
Friedrich 1993. - Im Traueintrag 1646 ist der Name der Braut schwer zu
lesen. Ich las zunächst Rod(ener?); die Genealogin Irmgard
Friedrich las Rachow oder Rochow. In Danziger Quellen heißt es
Rochau; demnach muss im Traueintrag Rochow die richtige Lesart sein. -
Trauung Joachim Rochauwe 1609 in St.Johannis; Mtlg Elke Hummelt,
Kirchenbuchamt,
2003.
38 Dorothea Weichbrodt: Patrizier, Bürger, Einwohner
der Freien und Hansestadt Danzig in Stamm- und Namentafeln vom 14.-18.
Jahrhundert, Bd.4, 1991, S.446 und 304, Danziger Verlagsgesellschaft
Paul Rosenberg, Kiel. - Helmut Strehlau: Danziger Bürgermeister
des 18. Jahrhunderts, ihre Familien und Vorfahren; in: Ostdeutsche
Familienkunde Bd.8 Heft 1/1977 S.13.
39 Joachim Zdrenka, Rats- und Gerichtspatriziat der Rechten
Stadt Danzig, Verein f.Fam'fg in Ost- u. Westpreußen,
Sonderschrift Nr.63, Hamburg 1989, Teil II.
40 Sie soll am 20.3.1648 oder am 20.11.1646 in Thorn oder
in Sulstedt/Dänemark geboren sein, laut Weichbrodt (38) Bd.1 S.323
und 391, und laut H.Strehlau wie Anm.(38), und laut J.Zdrenka wie
Anm.(39). Beides ist unrichtig, wie das Lüneburger Taufbuch zeigt.
41 Hans-Dietrich Lemmel: Ahnenliste Marie v.Schumann verh.
Lemmel, geboren 1824 in Danzig. Fassung von 1965: AL8957 der Deutschen
Zentralstelle für Genealogie, Leipzig. (Ahnengemeinschaft mit
etlichen anderen Ahnenlisten). Fassung von 1990: Mikrofilm Nr.1691490
der Genealogischen Gesellschaft von Utah. Großenteils laut
Strehlau und Weichbrodt. - Eine ergänzte Neufassung liegt als
Manuskript vor.
10. Andreas Timpf,
Münzmeister in Rostock
Nach seinem unrühmlichen Abgang in Lüneburg
bemühte
sich Andreas Timpf von Stade aus um einen neuen Posten. Zunächst
erschien er 1650 bei seinem Vater Samuel in Rostock, aber nur
vorübergehend, denn noch im gleichen Jahr wurde er königlich
polnischer Münzmeister, wie wir im nächsten Kapitel sehen
werden.
Von Polen aus sollte Andreas Timpf nach dem Tod seines Vaters Samuel in
den Jahren 1659/1660 die Münzmeisterstelle in Rostock
übernehmen, wobei es aber Probleme gab (42): Im Mai 1659 mussten
seine Rostocker Schwäger Ambrosius Petersen und Reinhold Behn beim
Rostocker Rat intervenieren, weil "unser Schwäger Andreas Timpffe,
bestalter Müntzmeister alhier zu Rostock, nach erhaltener
Vocation..." sich noch nicht einfinden könne; er habe noch
Geschäfte in Polen, sei aber unterwegs und werde wohl zum
Pfingstmarkt erscheinen. Er erschien aber nicht und erbat sich am
3.Juni 1659 weitere "Dilatation".
Er war dann kurze Zeit in Rostock tätig, wie sein Münzzeichen
AT auf Doppelschillingen von 1659 und Kupfermünzen von 1660
belegt. Hier ist auch sein Wappen überliefert: 5 Pfennige im
Schild und auf dem Helm ein x zwischen zwei Hörnern.
Dann aber war er schon wieder in Polen und kümmerte sich nicht um
seine Rostocker Verpflichtungen, so dass der Rat im Mai 1660 beschloss,
ihm einen letzten Aufschub bis zum kommenden Pfingstfest zu
gewähren. Als er auch zu diesem Termin durch Abwesenheit auffiel,
ließ der Rat "seine Güter versiegeln", wobei es sich wohl um
den vom Vater ererbten Besitz handelte. Sein jüngerer Bruder
Thomas Timpfe musste sich nun beim Rostocker Rat dafür einsetzen,
"die Siegel von seines Bruders Andreas Gütern abnehmen lassen zu
wollen".
Man kann Andreas Timpf als einen Hochstapler ansehen, wenn er neben
seinen Pflichten in Polen auch die Münzmeisterstelle in Rostock
annahm, ohne in der Lage zu sein, den Rostocker Verpflichtungen
nachzukommen. Aber am 3.Mai 1660 war mit dem Frieden von Oliva der
polnisch-schwedische Krieg beendet worden, so dass der polnische
König seinem Münzmeister neue wichtige Aufgaben auftrug. So
konnte Andreas Timpf den Vertrag mit dem Rostocker Rat nicht
erfüllen und musste die Beschlagnahme seines Rostocker Besitzes in
Kauf nehmen.
42 Archiv der Hansestadt Rostock, Ratsakten zum
Münzwesen. - Ed. Grimm: Münzen und Medaillen der Stadt
Rostock, Berlin 1905, S.146; Kopie durch wiss. Archivarin Ehlers, 1993.
- Walter Hannemann: Die Münzmeister der Stadt Rostock.
Nordostdeutsches Kulturwerk Lüneburg, 1974, S.28f.
11. Andreas Timpf, Münzmeister der
polnischen Krone
Zu dieser Zeit nach dem Ende des 30-jährigen Krieges war
nicht nur ganz Norddeutschland von den protestantischen Schweden
besetzt; auch der polnische König Johann II. Kasimir, der (in der
Zeit des polnischen Wahlkönigtums) von 1649 bis 1668 regierte,
stammte aus der schwedischen Königsfamilie, freilich aus dem
katholischen Zweig des Hauses Wasa. Und die Verwandtschaft der
Monarchen in Schweden und Polen hinderte sie nicht daran, erbitterte
Kriege um die Vorherrschaft an der Ostseeküste zu führen,
besonders nachdem der Schwedenkönig Karl X. Gustav im Jahre 1655
den alten Erbfolgestreit mit Johann Kasimir wieder aufnahm und in Polen
einfiel. Es folgte der Nordische Krieg bis 1660.
In unterschiedlicher Abhängigkeit zur polnischen Krone standen die
vier Teile des deutschsprachigen Landes Preußen:
- das lutherische Herzogtum Preußen mit der Hauptstadt
Königsberg, das von Herzog Friedrich Wilhelm in den
Friedensverträgen von Wehlau 1657 und Oliva 1660 aus der
polnischen Lehnshoheit befreit wurde;
- das katholische Ermland, dessen Fürstbischof unter dem
Schutz der polnischen Krone einen nahezu selbständigen Staat
regierte;
- der westpreußische Städtebund, der seit der "Union
von Lublin" 1569 dem polnischen Staat einverleibt worden war, aber
weiter einen eigenständigen Landtag hatte
- und die Stadt Danzig, die sich unter der losen Oberherrschaft
des polnischen Königs ihre Freiheiten als Stadtstaat bewahren
konnte (43).
Von 1650 bis 1667 war Andreas Timpf königlich polnischer
Münzmeister, und zwar an vielen verschiedenen
Münzstätten (44). Während bis 1644 nur eine einzige
königlich polnische Münzstätte in Bromberg bestanden
hatte, eröffnete König Johann II. Kasimir ab 1650 weitere
neue Münzstätten, die von Andreas Timpf betreut wurden. Ihm
unterstanden aber nicht die preußischen Münzstätten.
Die preußischen Städte Danzig, Thorn und Elbing prägten
zwar mit dem Bildnis des polnischen Königs, hatten aber ihre
eigene Münzhoheit behalten, die ihnen 1457 auf ewige Zeit von
König Kasimir dem IV. bestätigt worden war. Schon Nicolaus
Copernicus hatte für den preußischen Landtag um 1525/1530 an
einer Münzreform gearbeitet (45).
Die Abb.7 zeigt einen Danziger "Ort" zu 18 Groschen von 1652, der auf
der einen Seite das Bildnis Johann Kasimirs zeigt, auf der anderen
Seite das Danziger Wappen mit der Inschrift "Civitas Gedanensis" (Stadt
Danzig). Der Danziger Münzmeister mit dem
Zeichen "GR" war Gerhard Rogge, Sohn des Danziger Bürgermeisters
Johann Rogge, der ebenfalls zu meinen Vorfahren zählt. Gerhard
Rogge hatte zuvor von der Stadt Thorn auch die dortige
Münzstätte gepachtet (46).

Abb.7.: Prägungen des Danziger
Münzmeisters Gerhard Rogge mit dem
Münzmeisterzeichen "GR" rechts
und links vom Wappen.
Unten: Ein Danziger "Ort" von
König Johann Kasimir von 1652.
Die Wappenseite zeigt das Danziger
Stadtwappen und die Umschrift "Moneta Argentea Civitatis Gedanensis"
(Silbermünze der Danziger Bürgerschaft). Die Zahl "18"
besagt, dass ein "Ort" zu 18 Groschen gerechnet wurde. Die Inschrift
"IOH CAS D G REX POL & S M D L R PR" auf der Königsseite
besagt: "Johann Kasimir, durch Gottes Gnade (Dei Gratia) König von
Polen und Schweden, Großfürst (M.D. = Magnus Dux) von
Litauen, Russland und Preußen. Nicht alle Teile dieses
anspruchsvollen Titels entsprachen der Realität.
Oben: Ein Thorner Taler von 1643 mit
dem Thorner Stadtwappen.
Gerhard Rogge hatte die Thorner
Münzstätte gepachtet.
Andreas Timpf übernahm die 1650 neu eröffneten
Münzstätte (44) in Posen. Einen Posener Taler mit dem
Münzmeisterzeichen AT zeige ich in Abb.8. Die Umschrift lautet:
"Ioan Casimirus D.G. (=Dei Gratia) Rex Polo. & Svec. M.D.L.R.P."
Hier sieht man, dass Johann Kasimir neben seinen Titeln "König von
Polen" und "M.D.L.R.P. = Großfürst (Magnus Dux) von Litauen,
Russland und Preußen" den Anspruch erhob, auch König von
Schweden ("Svec") zu sein. Selbstverständlich konnte der wirkliche
Schwedenkönig Karl X. Gustav diesen Anspruch nicht dulden und
musste gegen Polen Krieg führen.
Abb.8: Polnische Münzen von
König Johann Kasimir.
Oben: Taler geprägt von Andreas
Timpf 1652 in Posen; "Moneta Nova Reg(ni) Polo(ni) Posnan".
Die Buchstaben A T rechts und links
vom Wappenschild sind sein Münzmeister-Zeichen.
Im Schild sieht man die Wappen von
Polen (Adler) und Litauen (Reiter). Im Herzschild ist ganz
klein auch
das schwedische Wappen mit drei Kronen zu sehen, denn Johann Kasimir
stellte
Ansprüche auf den schwedischen Thron: "REX POLO &
SVEC" - König von Polen und Schweden.
Mitte links: Silbernes
Dreigroschen-Stück, geprägt von Andreas Timpf 1662.
Sein Münzmeister-Zeichen sieht
man am oberen Rand
links und rechts von der
römischen Drei: "A III T".
Mitte rechts: Zwei
Dreikreuzer-Stücke geprägt in Oppeln, 1657 von Andreas Timpf
(Buchstaben A und T links und rechts
vom Adler), 1661 von Thomas Timpf (T T).
Unten: Silbernes
Sechsgroschen-Stück, geprägt 1665 von Andreas Timpf (A T).
Selbst noch nach dem Frieden von
Oliva erhebt Johann Kasimir den Anspruch, nicht nur
König von Polen sondern auch
König von Schweden zu sein: "Rex Pol & S".
Eine andere neue Münzstätte, die Andreas Timpf 1650
übernahm, war in Fraustadt. (Fraustadt, polnisch Wschowa,
südwestlich von Posen nahe der schlesischen Grenze gelegen, kam
erst 1918 von der Provinz Posen an die preußische Provinz
Schlesien, nachdem es zuvor immer zum Königreich Polen gehört
hatte.) Wegen seiner zahlreichen Pflichten ließ sich Andreas
Timpf in Posen und Fraustadt ab 1661 durch seinen Bruder Thomas
vertreten.
Gleichzeitig war Andreas Timpf auch Wardein der königlichen
Münzen in Krakau, Bromberg und Lemberg. Letztere wurde 1656
eröffnet, nachdem einige Münzstätten von den Schweden,
die bis Krakau vordrangen, besetzt worden waren.
Als Folge von Kriegswirren war das oberschlesische Oppeln vom Wiener
Habsburger-Kaiser 1645 an Polen verpfändet worden, so dass die
Oppelner Münzstätte wieder eröffnet und von Johann
Kasimir 1657-1664 an Andreas Timpf verpachtet wurde, von diesem aber
zeitweise (1660-1661) an seinen Bruder Thomas übergeben wurde
(44), siehe Abb.8. Bald darauf kam Oppeln 1666 wieder an Habsburg.
Nach dem Friedensschluss mit Schweden am 3.Mai 1660 in Oliva bei Danzig
erhielt Andreas Timpf von König Johann Kasimir den Auftrag, die
Bromberger Münzstätte wieder zu errichten, die einige Jahre
zuvor im Krieg geschlossen worden war. Sie wurde erst dem Thomas Timpf,
dann 1662 den Brüdern Andreas und Thomas Timpf gemeinsam
übergeben. Polen war durch den schwedischen Krieg verarmt, und
für die wirtschaftliche Erholung war nun ein gutes Münzwesen
von großer Bedeutung.
Trotz des Friedensschlusses mit Schweden erteilte Johann Kasimir seinem
Münzmeister den Auftrag, im Münzbild den Anspruch auf die
schwedische Krone aufrecht zu erhalten. Auch noch nach 1660 zeigen die
Münzen in ihrer Umschrift: "Rex P&S", König von P(olen)
und S(chweden); siehe Abb.8.
1661 wurde Andreas Timpf, bis 1667, auch nomineller Leiter der Krakauer
Münzstätte (Abb.9), aber ausübender Münzmeister war
wiederum sein Bruder Thomas (44). Verschiedentlich wird er als
"Münzpächter der polnischen Krone" bezeichnet, wobei offenbar
der Bruder Thomas als Münzmeister sein Untergebener war.

Abb.9: Ein Krakauer "Ort" von
König Johann Kasimir von 1663.
Das Münzmeisterzeichen "AT" von
Andreas Timpf sieht man rechts und
links vom Wappenschild; die Zahl "18"
darüber bedeutet 18 Groschen.

Abb.9a: Die gleiche
Münze von 1658. [www.muenzauktion.info - Internet 2010]
In den folgenden Jahren wurden die meisten der polnischen
Münzstätten wieder geschlossen, so Posen 1662, Lemberg 1663,
Bromberg 1666. Damit war auch die Anstellung von Andreas Timpf beendet.
Seitdem ließ Johann Kasimir nur noch in Krakau prägen.
Zwischen den verschiedenen Münzstätten muss Andreas
ständig auf Reisen gewesen sein. Wo aber seine Familie lebte, ist
nicht klar - zeitweise wohl in Thorn, denn für seine Tochter Anna
wird bei ihrer Hochzeit in Danzig 1666 die Herkunft "aus Thorn"
angegeben (39), obgleich sie in Lüneburg geboren war.
Vielleicht lebte die Familie zeitweise auch in Bromberg oder Danzig: Im
Danziger Gymnasium wurden 1665 die aus Bromberg kommenden Brüder
Johann Andreas und Mathias Tympf und 1666 die in Danzig geborenen
Brüder Christian und Lorenz Timp eingeschrieben, die Söhne
von Andreas sein können, über die aber sonst nichts bekannt
wurde (46).
Zeitweise wird die Familie in Posen gelebt haben. Dort sind aber aus
der fraglichen Zeit weder evangelische noch katholische
Kirchenbücher erhalten (47). Matthias Timpff/Tympf "aus Posen"
heiratete die aus Hamburg-Billwerder stammende Elisabeth Janssen,
Tochter des 1704 in Billwerder gestorbenen Jacobus Janssen. Aus dieser
Ehe gab es drei Kinder: Susanna, Jacob und Elisabeth Timpf (48).
Wenn auch die Timpf-Familie zeitweise in Danzig lebte, ist Andreas
nicht Danziger Münzmeister gewesen (44). Obgleich die Danziger
Münzen dieser Zeit das Bildnis Johann Kasimirs trugen,
unterschieden sie sich seit 1656 durch einen besseren
Münzfuß von den polnischen Münzen. Das führte
schließlich dazu, dass Andreas Timpf vom Danziger Rat beschuldigt
wurde, schlechtes Geld geprägt zu haben. Seiner Gefangennahme
entkam er durch die Flucht nach Hamburg.
Die gute Qualität der Danziger Münzen stand unter der
Aufsicht des Wardeins Daniel Siewert, der erstaunlicherweise in zweiter
Ehe Concordia Timpf heiratete, die Tochter des geflüchteten
Münzmeisters.
Andreas Timpf setzte sich auf einem Gut in Dänemark zur Ruhe. Als
seine Tochter Anna in Danzig 1688 ein zweites Mal heiratete, wurde als
ihr Vater angegeben: Andreas Timpf, dänischer Erbherr auf
Sulstedt/Låland (38).
In Dänemark tauchte "Jean Andreas Timpf" als "Assessor im
Kopenhagener Kommercekollegium" auf. 1667 kaufte er vom Oberst Jacob
Gewecke, seinem Vetter, den Herrensitz Söllestedgård (49).
Nach dem Tod seiner (aus Lüneburg stammenden) Frau am 7.2.1669
heiratete Andreas Timpf (auch Anders Timphe) ein zweites Mal, und zwar
die Agneta Wagner aus Lübeck. Hierbei wurde ihm, wie es einer
hochgestellten Persönlichkeit zukam, von der "Kanzlei" in
Kopenhagen gestattet, das Begräbnis seiner Frau um 4 Wochen
aufzuschieben und seine Heirat in Söllestedgård ohne
vorheriges Aufgebot durchzuführen. Am 6.8.1674 heiratete seine (in
Lüneburg geborene) Tochter Magdalena Elsabet Timphin zu
Söllestedgård den Abraham Siverts aus Stettin (50).
Im Jahre 1690 verkaufte Timpf seinen Besitz an den Stiftsamtmann
Henning Ulrich von Lützow (49). Wo Andreas Timpf nach 1690 lebte
und wann er starb, ist nicht bekannt.
43 Vergl. Hans-Dietrich Lemmel: Die Danziger Ratsfamilie
Schumann. In: Danziger Hauskalender 1999, Danziger Verlagsgesellschaft
Paul Rosenberg, Eckernförde, S.77-83.
44 Marian Gumowski: Mennica Bydgoska (= Die Bromberger
Münze). Torun 1955, S.282. - Kopie durch Dr. Marian Lysiak, Torun,
2002. - Marian Gumowski: Handbuch der polnischen Numismatik. Graz 1960,
Kapitel XI S.57ff: Johann Kasimir 1649-1668.
45 Georg Hermanowski: Nikolaus Kopernikus, Verlag Styria
1985, S.143ff. - Hans-Dietrich Lemmel: Beiträge zu Copernicus und
seiner Verwandtschaft. In: Genealogie Heft 1-2, 1993.
46 Weichbrodt wie Anm.(38) Bd.4, S.91 (Rogge) und S.446
(Timpf).
47 Freundliche Mitteilung Dr. Krzysztof Stryjkowski,
Archiwum Panstwowe, Poznan, 2002.
48 Heirat Matth. Timpff/Tympf aus Posen "gegen Ende des
17.Jh." (ohne Angabe des Datums; Staatsarchiv Hamburg, Genealogische
Sammlungen: Berenbergsche Genealogien. - 11.4.1727 Heirat in Hamburg
(Petri S.225): Jacob von Timpff, Fenrich bey hiesiger Garnison, mit
Frau Maria Margaretha Langerman, sehl. Lorentz Langermans nachgelassene
Witwe; Hamburger Hochzeitenbücher (Wedde I,29 Bd.8 S.26). - Laut
Mtlg Hr Bollmann, Genealogische Gesellschaft Hamburg,
1997.
In Hamburger
Kirchenbüchern konnte der Heiratseintrag des Matth. Timpf nicht
gefunden werden, laut Mtlg Johannes Vogel 2002. Die Heirat mag etwa
1690/1695 gewesen sein, so dass dieser "Matth. Timpf aus Posen" wohl
identisch ist mit dem Danziger Gymnasiasten "Mathias Tympf aus
Bromberg" von 1665, der etwa um 1655/1657 geboren sein mag und wohl
nicht mit dem 1650 in Lüneburg geborenen Samuel Mattiß Timpf
gleichzusetzen ist.
49 Danske slotte og herregarde Bd.6 S.319ff; laut Hinweis
von Arne Jensen Knudby 2002, dem ich auch die Abschriften aus den
folgenden dänischen Materialien verdanke.
50 Kirchenbücher Söllested, Begräbnis 1669
S.30, Heiraten 1670 S.37 und 1674 S.169. - Und: Personalhistorisk
Tidsskrift Jg.1912 S.21 u.24; Jg.1914 S.108 u.132.
12. Thomas Tympf, Münzmeister
in Königsberg
Thomas Tympf, der jüngere Bruder von Andreas,
wurde nach
seinem Sterbealter um 1632 geboren, als der Vater Samuel noch
Münzmeister in Holstein war. Er muss dann bei seinem Vater in
Rostock aufgewachsen sein. Um 1657 lebte er als Kaufmann in Danzig, wo
er die Kaufmannstochter Ursula Wichmann heiratete; sein Sohn Andreas
wurde am 6.9.1668 in der Danziger Marienkirche getauft (46).
Wir sahen schon, dass Thomas Tympf sich im Jahre 1660 in Rostock
für seinen Bruder Andreas einsetzte. Und wie schon erwähnt
(44), leitete er vorübergehend anstelle seines älteren
Bruders Andreas die Münzstätten in Posen und Fraustadt
(1659-1662), Oppeln (1660-1661), Bromberg (1660-1666) und in Krakau
(1661-1667). Danach lebte er wieder in Danzig.
Für die drei Jahre 1669-1672 pachtete Thomas Tympf die Münze
in Königsberg (51). Hier münzte er für den
preußischen Herzog Friedrich Wilhelm (52), der einige Jahre zuvor
die Unabhängigkeit seines Herzogtums von der polnischen Krone
errungen hatte, und der in Brandenburg als "der Große
Kurfürst" bekannt wurde; er hatte 1667 eine neue Münzordnung
erlassen, jedoch ohne zwischen Brandenburg und Preußen eine
Währungseinheit herzustellen (52a). Die polnischen und
Königsberger Prägungen von Thomas Tympf zeigen das
Münzmeister-Zeichen TT (Abb.8 u.10).

Abb.10: Münzen des
Herzogtums Preußen, geprägt in Königsberg für
"Fridr. Wilh., Supremus Dux in Prussia" vom Münzmeister Thomas
Timpf.
- a: Ein Schilling von 1669, "Solid(us) Prussiae Ducalis" =
Schilling des herzoglichen Preußen.
- b: 1/3 Taler von 1669.
- c: 2/3 Taler von 1671.
- d: 1/2 Gold-Dukat von 1670.
- e: Ein Gold-Dukat von 1672.
- f: 2 Dukaten in Gold von 1670.
Das Münzmeister-Zeichen TT ist jeweils links unter dem
Porträt-Kopf zu sehen; bei dem kleinen Halb-Dukaten-Stück
sieht man das Zeichen TT auf der Adlerseite unten rechts und links von
der Schwanzspitze.
Fotos: Kunsthistorisches Museum Wien.
Nach Abschluss seines Vertrages in Königsberg kehrte er
nach Danzig zurück. Am 20.6.1673 erhielt er das Danziger
Bürgerrecht als ein Kaufmann, nachdem er sich aus seiner
Geburtsstadt Burg auf Fehmarn einen Geburtsbrief hatte kommen lassen
(53). Im Bürgerbuch ist angemerkt, dass sein Sohn Andreas (der
noch keine 5 Jahre alt war) gegen Erlegung einer Gebühr in das
Bürgerrecht mit eingeschlossen wurde. Ebenfalls im Jahr 1673
erwarb er die Grabstätte 32 in der Danziger Marienkirche, in der
er schließlich auch beigesetzt wurde.
Inzwischen hatte in Königsberg der ehemalige Königsberger
Goldschmied Christof Varenhorst von 1672 bis 1674 die Münze
gepachtet, was aber als ein "mißglücktes Zwischenspiel"
angesehen wurde. 1674 pachtete Thomas Timpf wieder die
Königsberger Münze zusammen mit seinem Freund Heinrich
Sievertz (†1694) (52a). Letzterer war ein tüchtiger Kaufmann und
hervorragender Münztechniker, der vollwertige Münzen
prägte und dem Thomas Timpf wohl die Münze
überließ, um nach Danzig zurückzukehren.
In Danzig heiratete Thomas Tympf am 13.11.1687 in zweiter Ehe die 33
Jahre jüngere Concordia Stoddart, Tochter des Danziger
Stadtsyndikus Adrian Stoddart, der 1668/1669 Danziger Resident am
polnischen Hof in Warschau gewesen war. Aus dieser Ehe wurde die
Tochter Magdalena Constantia am 24.5.1689 in der Danziger Marienkirche
getauft (46).
Thomas starb am 19.3.1690, 57 Jahre alt. Seine junge Witwe Concordia
heiratete in zweiter Ehe den Kaufmann und späteren Danziger
Ratsherrn Heinrich Renner. Der aber war ein Sohn der Anna Tympf aus
ihrer ersten Ehe. So kam es, dass Concordias zweiter Mann ein
Großneffe ihres ersten Mannes war; siehe Tafel 2.
Der um 1657 geschlossenen ersten Ehe von Thomas Timpf könnten
vielleicht noch drei weitere Kinder zugeordnet werden: Johann Andreas
Tympf, in Posen geboren, der 1671 im Danziger Gymnasium eingeschrieben
wurde; Casimir Tympf, der 1753 als Brauer in Danzig starb, 91 Jahre
alt, der also um 1662 geboren wurde; sowie eine um 1667 geborene
Tochter, die mit Oberst Hinrich Rebinder verheiratet war (46).
Thomas war der letzte Münzmeister der Timpf-Sippe, die in den
wechselvollen Jahrzehnten zwischen 1607 und 1690 sieben
Münzmeister und Wardeine stellte.
Sein Sohn Andreas erwarb am 6.11.1691 das Danziger Bürgerrecht als
ein Kaufmann (53). Er erwarb das Gut Heiligenbrunn bei Zigankenberg, am
westlichen Stadtrand auf der Danziger Höhe, wo seine Kinder und
Enkel lebten (46).
51 Dr. Knapke: Königsberger
Münzmeister. In: Mtlgn des Vereins f.Gesch.v.Ost- u. Westpr. 3/1,
1.7.1928, S.41-48, siehe S.46. - Nachdruck Hamburg 1993 als
Sonderschrift Nr.75/1 des Vereins f. Fam'fg in Ost- u.
Westpreußen.
52 Frau Dr. Roswitha Denk vom Münzkabinett des
Kunsthistorischen Museums Wien danke ich für die Anfertigung von
Münz-Fotografien.
52a Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in
Preußen, Band 1 3.Aufl. 1996, Seite 493.
53 Archiwum Panstwowe w Gdansku (Staatsarchiv Danzig),
freundliche Mitteilung Mgr Stanislaw Flis. - Bürgerbuch 1637-1709
(sygn APG 300,60/4) Seite 422: 1673, 20.Juny, Thomas Timpff von Burg
auß der Insul Femern, Kaufmann. Notandum, daß sein Sohn
nahmens Andreas gegen Erlegung 100 F. in das Bürgerrecht mit
eingeschlossen worden. - Bürgerbuch S.453: 1691, 6.Nov., Andreas
Timpff, fil. Thomas Timpffen, auf einen Kaufmann. - Beilage (sygn APG
300,60/7568) der Geburtsbrief für Thomas Timpff, ausgestellt "in
der Stadt Burgk auff Femern, 12 May Anno 1673". Sein Vater: "Samuel
Timpffen, dehro zu Schleswick Holstein regirenden Hochfürstl.
Durchl. alhir zur Burgk wollbestalten Müntzmeistern"; Mutter:
"Magdalene Ehlers"; Groseltern: "das auch der Vater H. Samuel Timpffe
von Herrn Simon Timpffen, auch Müntzmeistern undt aus Minden in
Westphalen bürtig, undt Frawen Gerdrut Timpffen, als welche er H.
Simon Timpffe in der Stadt Aken gefreyet".
13. Die "Timpfe"
Nun muss ich noch schildern, wie es zu den Münzen kam, die
als "Timpfe" bekannt wurden und in Verruf gerieten (44).
Durch die andauernden schwedisch-polnischen Kriege war König
Johann Kasimir in einer finanziellen Notlage, die ihn zwang, den
Silbergehalt der Münzen zu verschlechtern und daraus Gewinn zu
ziehen. So stellte der polnische Landtag von 1658 die
Münzanstalten vor die Aufgabe, die Summe von 150.000 Gulden
Reingewinn abzuliefern.
1659 wurde der Münzpächter Titus Livius Boratini, ein
berühmter italienischer Mathematiker, angewiesen, die
Schilling-Münzen nicht mehr in Silber sondern in Kupfer zu
prägen, was einen Gewinn von Millionen Gulden einbrachte. Als auch
dies nicht zur Kriegsfinanzierung ausreichte, ging die königliche
Münzkommission 1663 auf den Vorschlag des "Posener
Münzpächters Andreas Timpf" ein, Gulden (einem polnischen
Zloty entsprechend) aus achtlötigem (also minderwertigem) Silber
im Nominalwert von 30 Groschen zu schlagen. Diese Münzsorte, die
in Millionen-Anzahl in Umlauf gebracht wurde, warf für den
königlichen Fiskus einen gewaltigen Gewinn ab, von dem auch der
Münzpächter eine schöne Provision einstecken konnte.
Die Kupferschillinge, die "Boratinki" genannt wurden, und die
Guldenstücke aus schlechtem Silber, die alsbald "Timpfe" genannt
wurden, stießen freilich auf das Misstrauen der Bevölkerung
und der Kaufleute; sie wurden nur ungern angenommen, und es kam zu
zahlreichen Klagen.
Abb.11: Der "Timpf" genannte Gulden zu
30 Groschen,
geprägt von Andreas Timpf mit dem Münzmeister-Zeichen A T.
Oben ein "Timpf" aus dem Jahr 1663.
Man sieht die Initialen ICR für Ioan Casimirus Rex
sowie im Wappenschild den polnischen Adler und den litauischen Reiter.
Unten ein "Timpf" von 1665. Man sieht das Porträt des Königs
und den polnischen Adler.
Die Umschrift links: Ioan Casimir von (DG) Gottes Gnaden König
von Polen und Schweden, Großfürst von Litauen.
Die Wertangabe von 30 Groschen ("xxx GRO") war ein mehrfaches des
Silbergehaltes, der allenfalls 13 Groschen betrug.
Dennoch blieben die "Timpfe" über hundert Jahre in Preußen
und Polen im Umlauf.
Der "Timpf" (Abb.11) war ein silbernes Guldenstück, dessen
Inschrift "30 Groschen" lautete. Das war aber ein unechter Zwangskurs,
denn der Materialwert betrug nur 13 Groschen. In Preußen waren
die Timpfe zuerst verboten, wurden aber schließlich zu einem
Kompromiss-Kurs von 18 Groschen angenommen; das ist ein Wert, den man
auch einen "Ort" nannte. Nur in Kupfermünzen zahlte man den
Nennwert von 30 Groschen für einen "Timpf".
Die erste Version von 1663 hatte ein einfaches Münzbild, nur mit
den Initialen des Königs, aber nicht mit seinem Porträt. Eine
zweite Version von 1665 wurde von einem künstlerisch versierten
Stempelschneider mit einem gut ausgeführten
Königsporträt gestaltet, aber das elegantere Münzbild
konnte den schlechten Ruf der "Timpfe" nicht verbessern.
Alsbald führten die großen Mengen schlechter polnischer
Münzen zu einer empfindlichen Beeinträchtigung des Handels,
so dass es zu Auseinandersetzungen zwischen den preußischen
Städten und dem König kam. Unter den Danziger Ratsherren
(39), die vehement das Verbot der "Timpfe" und die Bestrafung des
Münzmeisters verlangten, waren auch meine Vorfahren Nicolaus von
Bodeck, Gabriel Borckmann und Gabriel Schumann (43). Den Streit
schilderte anschaulich der Danziger Historiker Gotthilf Löschin
(54):
"Empört forderten die zu Thorn versammelten preußischen
Landstände die Verhaftung von Andreas Tympf, der sich gerade in
Danzig aufhielt. Allein der König (der ja die schlechten
Münzen gebilligt hatte) nahm ihn in Schutz und verlangte drohend
seine Freilassung. Später, als auch der polnische Reichstag es
forderte, willigte er in die Verhaftung ein, verstand es jedoch, ihm
Zeit zu lassen, sich nach Hamburg einzuschiffen und sich so der
verdienten Strafe zu entziehen. - Dem bedrängten König aber
wurden die finanziellen Lasten immer drückender, so dass er 1668
die Krone niederlegte."
So führten die "Timpfe", die Andreas Timpf mit Zustimmung des
Königs geprägt hatte, zur Abdankung des einen und zur Flucht
des anderen. Der König trat in den geistlichen Stand und starb
1672 als Abt von St.Germain bei Paris. Derweil lebte sein
Münzmeister, der sein Vermögen gerettet hatte, als "Erbherr"
auf seinem Gut Söllestedgård in Dänemark.
Schließlich ereilte ihn aber auch hier das Geschick: Im Jahre
1690 musste er sein Gut verkaufen; dabei wurde das Kaufgeld vom
Stadtrichter arrestiert und 1691 durch königlichen Erlass an einen
Treuhänder überwiesen (55). Andreas Timpf hatte sein
Vermögen verbraucht und war nun völlig verschuldet.
So trug mein Ahnherr, Andreas Timpf, durch sein schlechtes Geld dazu
bei, dass der König von Polen abdanken musste. 30 Jahre
später aber trug ein anderer aus meiner Verwandtschaft, der
kurfürstlich sächsische General-Kriegszahlmeister Johann
Lämmel, durch sein gutes Geld dazu bei, dass August der Starke
König von Polen wurde. Aber das ist eine andere Geschichte (56)
....
In Danzig und Preußen gab es für die "Timpfe" wechselnde
Kurse: Sie waren ursprünglich Vierteltaler und sanken auf den Wert
eines Fünfteltalers oder von 18 polnischen Groschen (57). Ab 1749
wurden auch in Preußen "Tympfe" in großen Mengen
geprägt; ihr Wert aber verschlechterte sich im 7-jährigen
Krieg so stark, dass sie von der Bevölkerung nicht mehr angenommen
wurden. Zuletzt wurden sie im Jahre 1766 für einen Kurs von 27
(statt der nominellen 30) Groschen umgewechselt.
Mit solchen Kursschwankungen konnte ein gewiefter Bankier prächtig
spekulieren. Und das tat, recht erfolgreich, ein Danziger Kaufmann und
Reeder: Andreas Schopenhauer, der im Jahre 1720 geborene
Großvater des Philosophen (58). Er kaufte und verkaufte Unmengen
verschiedenster Münzen, darunter russische Rubel, bayerische
Groschen, sächsische Dütchen, "nicht wardierte Tymphe" und
anderes. Dabei heißt "nicht wardiert", dass die "Tymphe" nicht
den vorgeschriebenen und von einem Wardein bestätigten
Silbergehalt hatten. Aus der Unordnung der Wechselkurse erzielte
Schopenhauer einen solchen Reichtum, dass man ihn einen "Danziger
Fugger" nannte. Er konnte der Danziger Münzstätte
mühelos Silber im Wert von 500.000 Gulden liefern und zahlte
dafür, dass er "Tymphe" und andere minderwertige Münzen
unerlaubt in Umlauf brachte, lächelnd Strafen in der Höhe von
40.000 Gulden, freilich erst nachdem man ihn zwei Tage auf dem Danziger
Rathaus in Beugehaft festgehalten hatte.
Die "Timpfe" aber wurden 1766 eingeschmolzen, nachdem sie über 100
Jahre in Umlauf gewesen waren.

Abb.12: Ein preußischer "Tympf"
von 1758 [59].
54 Gotthilf Löschin: Geschichte der Stadt
Danzig, 2 Bände Danzig 1822/1823, 2.Auflage 1823, Bd.2 S.8. -
Unveränderter Nachdruck durch die Danziger Verlagsgesellschaft
Paul Rosenberg, Klausdorf bei Kiel.
55 Provinzialarchiv Kopenhagen, Karteikarte Timpf in Holms
Sammlung. Laut Arne Jensen Knudby 2002.
56 Hans-Dietrich Lemmel: Familie Lemmel und August der
Starke, in: Familienforschung in Mitteldeutschland, 39.Jg. 1997/1998
S.193-204. Ergänzte Fassung in: "lemlein filii" Heft 5,
Selbstverlag 1999 S.23-40.
57 Friedrich von Schrötter: Die Münzen Friedrich
Wilhelms des Großen Kurfürsten, Berlin 1913, S.154.
58 Hans Georg Siegler: Der heimatlose Arthur Schopenhauer.
Droste Verlag 1994 S.34.
59 Abbildung aus einem Programmheft des Burgtheaters Wien
zu Lessings Minna von Barnhelm, Wien 2005.
A n h a n g : Stammfolge Timpf
In dieser Stammfolge sind die genealogischen Daten der
Münzmeister-Familie Timpf zusammengefasst, die in der vorstehenden
Arbeit nebst Quellenangaben dargestellt wurden. Unbekannte Geburtsjahre
wurden abgeschätzt und in der Form * (?1550) angegeben.
Die Tympe sind eine alt eingesessene Familie in Minden/Westfalen: 1497
Hermann Tympen als Besitzer eines Hauses bei St.Marien; 1525 ein
Rentherr Frederick Tympe. Die Schreibweise des Namens ist später
vorwiegend Timpf, aber auch Timpfe, Tympf, Timp(e), Timbke und
ähnlich.
I..Simon Timpfe -
Münzmeister, * (?1550/1555) in Minden, begraben 4.2.1621 in Stade.
Als Münzmeister 1607-1611 in Hanau, 1611-1614 in Vörde (=
Bremervörde), 1614-1621 in Stade; daneben auch 1612-1616 in
Burg/Fehmarn und 1615-1619 in Harburg. oo (?1580) in Aken/Elbe mit
Gertrud Forst. - Wo Simons
Kinder geboren wurden, konnte nicht ermittelt werden; ihre Reihenfolge
ist unsicher.
1. Daniel(?), erwähnt 1614 in Hanau.
2. Simon, * (?1582), bewirbt sich 1623/1624 vergeblich um
die ünzmeisterstelle in Winsen/Luhe, † 1.4.(1624?) in Stade.
3. Samuel, * (?1585) - Münzmeister, siehe II.a.
4. Thomas, * (?1590) - Münzmeister, siehe II.b.
5. Sophie, * (?1595), 1614 als Taufpatin in Stade
erwähnt.
6. Peter, * (?1600) - Münzmeister, siehe II.c.
7. Hinrich, * (?1605) - Goldschmied, siehe II.d.
II.a Samuel Timpf -
Münzmeister, * (?1585), † 1656 in Güstrow. Holsteinischer
Münzmeister 1617 in Burg/Fehmarn, dann bis 1627 in Steinbeke,
Schleswig, Kiel. 1628 Ackerbau in Burg. Ab 1635
Münzmeister in Rostock. oo (wohl 1617) in Burg mit Magdalena,
Tochter des Burger Bürgermeisters Andreas Eler und seiner Frau Magdalena geb. Rauert. - Kinder, soweit bekannt:
1. Andreas, * um 1618 in Burg -
Münzmeister, siehe III.a.
2. Gertrud Livia, * 3.5.1625 in Kiel, †
9.2.1650 in Rostock,
oo 9.10.1643 in Rostock mit
Dr.iur. Ambrosius Petersen, †
24.3.1670 in Wismar.
Tochter: Magdalena Agneta Petersen, * 1647 in Rostock, oo mit
Christoph Niemann, Brauer in
Wismar.
3. Magdalena, * (?1627/1630), oo 1651 in
Rostock mit Reinhold Behn,
Kaufmann und
Brauer. Sohn: Stefan Behn, * 1652, Kaufmann in Danzig.
4. Thomas, * um 1632 in Burg -
Münzmeister, siehe III.b.
II.b Thomas Timpf -
Münzmeister, * (?1590), † nach 1627 wo?. 1617-1627
Münzmeister in Harburg. oo 1618 mit Maria de la Ruelle. Wahrscheinlich
Sohn (oder Neffe):
1. Jürgen Jochim Timke, * (?1615/1620), lässt
1673 bei St.Cosmae in Stade einen
Kirchenstuhl auf seinen Sohn
Jürgen überschreiben.
II.c Peter Timpf -
Münzmeister, * (?1600), † wohl 1656.
1629 lässt sich Peter "Timmeke" in Stade seiner
Großmutter Kirchenstuhl
zuschreiben. Als Münzmeister ab 1634 in
Holstein, ab 1640 in Stade, 1641-1643 in
Vörde, dann wieder in Stade. - Seine Frau
(Name unbekannt) begraben Ostern 1647 in
Stade St.Johann; ein Kind (Name und Alter
unbekannt) begraben 12.1.1643 in Stade.
Andere Kinder sind nicht bekannt geworden.
II.d Hinrich Timpke -
Goldschmied und Wardein, * (?1605), † 1665 wo?.
Ab 1625 Goldschmiedemeister und
Siegelschneider in Stade. 649 Amtsmeister und schwedischer
Münzwardein. - Söhne:
1. Henrich Timbke,
* (?1632), † 1703 wo?, 1646 Goldschmiedlehre in Stade, 3.11.1653
Amtsmeister in Stade, erhält 30.6.1654 in Stade die
Heiratserlaubnis.
2. Johann Timpfe,
* (?1636), 1650 Goldschmiedlehre in Stade.
III.a Andreas Timpf -
Münzmeister, * um 1618 in Burg/Fehmarn, † nach 1690 in
Dänemark.
Als Münzmeister 1643-1649 in
Lüneburg, 1649 in Stade, 1650 und 1659 in Rostock,
1650-1667 königlich polnischer
Münzmeister in Posen, Fraustadt, Oppeln, Krakau,
Bromberg, Lemberg. Er prägte die
"Timpfe", das sind Gulden zu 30 Groschen, die
nach ihm benannt wurden; da die "Timpfe"
aus minderwertigem Silber waren, floh er
1667 nach Dänemark, wo er
Gutsbesitzer in Söllestedgård/Laland wurde.
oo 19.p.Trin.1646 in Lüneburg mit
Anna Rachow, hinterbliebene
Tochter von Joachim
Rochauwe,
der 1609 die Anna Wolmers
geheiratet hatte;
Andreas Timpf's Ehefrau † 7.2.1669 in
Söllestedgård.
Kinder, soweit bekannt:
1. Concordia, * um 1646/1647, begraben
30.6.1716 in Danzig, Marienkirche;
oo mit Daniel Siewert, Münzwardein in Danzig,
* um 1631 (in Elbing?),
begraben 13.8.1683 in
Danzig. Söhne:
Christian, * 1678, †
1761, Münzwardein, in Königsberg und Danzig;
Daniel, * 1681, †
1750, Münzwardein in Danzig.
2. Anna, * 21.3.1648 in Lüneburg, †
20.12.1723 in Danzig,
oo1) 28.2.1666 "aus
Thorn" in Danzig mit Johann Renner,
Kaufmann in Danzig,
* 13.9.1638 in Danzig,
begraben 29.3.1687 in Danzig, Sohn von Henrich Renner,
Tuchhändler aus
Lemberg in Danzig, oo Anna Schumacher;
oo2) 23.5.1688 in
Danzig mit Hartmann Maul, *
31.7.1637 in Leipzig,
† 19.8.1715 in Danzig,
Ratsherr in Leipzig, seit um 1672 in Danzig.
5 Kinder Renner, 2 Töchter Maul und weitere Nachkommen siehe
Weichbrodt (38)
Bd.1 S.323 u. S.391.
3. Magdalena, * 16.4.1649 in
Lüneburg.
4. Samuel Matthieß, * 9.12.1650 in
Lüneburg.
Wahrscheinlich Söhne:
5. Johann Andreas, * (?1654), 1665 aus
Bromberg im Gymnasium Danzig.
6. Mathias, * (?1656), 1665 aus Bromberg
im Gymnasium Danzig,
oo "gegen Ende des 17.
Jh." "aus Posen" mit Elisabeth Janssen
aus Hamburg-
Billwerder, Tochter
von Jacobus Janssen, † 1704 in
Billwerder.
Kinder: Susanna,
Jacob, Elisabeth. - "Jacob von Timpff, Fenrich bei hiesiger
Garnison", oo
11.4.1727 in Hamburg mit Frau Maria Margaretha Langerman, sehl.
Lorentz Langermans
nachgel. Wwe.
Weiters wurden im Danziger Gymnasium 1666 die in Danzig
geborenen Brüder Christian und
Lorenz Timp
eingeschrieben, deren Zusammenhang mit dieser Familie nicht sicher ist.
III.b Thomas Timpf -
Münzmeister, * um 1632 in Burg/Fehmarn, † 19.3.1690 in Danzig
St.Marien; 1657 Kaufmann in Danzig,
1660-1667 Münzmeister in Polen unter und neben
seinem Bruder Andreas, 1669-1672
Münzmeister in Königsberg, dann wieder Kaufmann
in Danzig.
oo1) um 1657 mit Ursula Wichmann, * um 1638, begraben
3.4.1687 in Danzig
St.Marien, Tochter des Kaufmanns Michael
Wichmann, * 1602, begraben
1.11.1659 in
Danzig St.Marien.
oo2) 13.11.1687 in Danzig mit Concordia Stoddart, * 16.11.1665 in Danzig,
† 13.3.1736 in Danzig, Tochter von
Adrian Stoddart, * 1631, †
21.10.1692 in Danzig
St.Marien, 1668/1669 Danziger Resident
am polnischen Hofe in Warschau, dann
Stadtsyndikus in Danzig, oo 20.10.1659
in Danzig St.Marien mit Constantia Conrad,
* 29.1.1640 in Danzig St.Petri, begraben
23.10.1721 in Danzig St.Marien, sie oo2)
13.6.1693 in Danzig St.Marien mit dem
Danziger Kaufmann und späteren Ratsherrn
Heinrich Renner, * 1.9.1669 in Danzig
St.Marien, † 14.10.1734 in Danzig.
Vielleicht Kinder, aus 1. Ehe:
1. Johann Andreas, * Posen, * (?1660),
1671 im Danziger Gymnasium eingeschrieben.
2. Casimir, * um 1662, † 1753 in Danzig
als Brauer.
3. Tochter, * um 1667, oo mit dem Oberst
Hinrich Rebinder.
Sicher Sohn aus 1.Ehe:
4. Andreas, getauft 6.9.1668 in Danzig
St.Marien. Kaufmann in Danzig.
Nachkommen siehe
Weichbrodt (38) Bd.4 S.446.
Tochter aus 2.Ehe:
5. Magdalena Constantia, getauft
24.5.1689 in Danzig St.Marien.
Ende
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