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Waschul/Waschulewski in Masuren seit 1700
H.D.Lemmel, Oktober 2008

                                                            Wasl
Wasl-33/e
... Waschulle
*?1650
Leibeigener auf dem
Gut Adlig Groß Blaustein
    ├──────────────────────────┐
34/e                   Mathias Waschulle
... Waschulle          1719 entflieht er nach Polen
*?1685
Leibeigener
Groß Blaustein
    │
35/e
... Waschul
*?1715
Leibeigener
Groß Blaustein
    │
Eleonore
*1749
∞ um 1770/1773 mit
Friedrich Lemmel
   &&&

14.8.2012┌─┴─┘├─┼─┤└─┬─┐∞│†═ëç▲▼


1719 Matthias Waschulle:
1719 sind die Waschulle Leibeigene auf dem Adeligen Gut Groß Blaustein, das dem Baron von Micrander gehört. Mathias Waschulle erscheint in einer Liste von 14 Männern, die nach Polen geflüchtet sind.
[Otto Wank: Bevölkerungsfluktuation zwischen Ostpreußen und den Nachbarländern. Altpr.Geschl'kde Bd.24 1994 S.125-218; S.149.]

Groß Blaustein liegt östlich von Rastenburg und nordwestlich von Lötzen und Kruglanken, und in diesem Gebiet häufen sich die Vorkommen von Namen wie Waschulle, Waschul, Waschulewski.

Der Name Waschul dürfte prussischen Ursprungs sein.

Da Leibeigene nicht ohne weiteres den Ort wechseln durften, kann man annehmen, dass die Familie Waschul auf dem Gut Groß Blaustein schon seit langem, womöglich seit Jahrhunderten lebte. Die Notiz von 1719 zeigt, dass Leibeigene nur entkommen konnten, wenn sie über die Grenze nach Polen flohen. Dort wurde ihr Name zu Waschuleski polonisiert, und offenbar sind dann einige als freie Menschen und als polnische Untertanen  wieder nach Masuren zurückgekehrt. Und die für 1719 dokumentierte Flucht mag nicht die erste gewesen sein.

Unter "polnischen Leuthen und Unterthanen", die 1719 ins Amt Angerburg kamen, wird genannt: Anthon Waschilewsky beim Krüger Nähring in Gleißgarben.
[Wank, wie oben, Seite 148]

Da unsere Ahnfrau die Eleonore Waschul ist, die um 1770 den Tischler Friedrich Lemmel heiratete, hat mein Vater um 1975/1985 versucht, den Ursprung dieser Familie zu erforschen. Er hat in Masuren kein Namensvorkommen vor etwa 1750 gefunden. Es erscheint daher möglich, dass die Waschul und Waschulewski tatsächlich von dem Gut Groß-Blaustein stammen und von dort geflüchtet sind. Der Tischler Friedrich Lemmel war als preußischer Soldat nach dem 7-jährigen Krieg abgemustert und in Masuren hängen geblieben. Man kann annehmen, dass er auf dem Gut Groß-Blaustein zeitweise als Tischler arbeitete und hier seine Braut fand.

Der Name Waschul in dieser Schreibweise wurde zu dieser Zeit nur einmal gefunden:
Johann Waschul: er ist im Dezember 1777/Januar 1778 ein Dienstjung in Gneist bei Rhein, 15 Jahre alt, also geboren um 1762,
[Reinhold Heling: Die männliche Bevölkerung in den 48 ländlichen Kirchspielen der Diözesen Rastenburg und Kreuzburg im Jahre 1778. In: VfFOW Sonderschrift Nr.41, Hamburg 1979, Seite 142]

Er könnte ein naher Verwandter von Eleonore Waschul sein.

Wilhelm Waschull, ein Gerbergesell "aus Pultuk" wandert 1855 aus, von Ostpreußen nach Polen. "Pultuk" ist unklar.
[Siegfried Hungferecker: Auswanderer aus Ostpreußen ... 1833-1876; in: Altpr. Geschl'kde Bd.30, 2000, S.387]


Die polonisierte Form des Namens kommt dann öfters vor.



Notizen meines Vaters Gerhard Lemmel:











Eine Stammfolge WaschullFerdinand Waschull in Grabnick, *?1825, mit den Söhnen August und Albert. (Bitte anklicken.)



(untere Kante nicht lesbar)

Gratulationen im Ostpreußenblatt:
1973: Elisabeth Bonsa verheiratete Waschull, aus Kehlen-Karlshöhe bei Angerburg, geboren 9.9.1898, jetzt 2174 Hechthausen, Eichenweg 4c oder 42.
1985 zum (82.?) Geburtstag: Mumme, Käthe, geb. Waschulewski, aus Gumbinnen, Moltkestr. 12, jetzt am Brückenbach 26, 3340 Wolfenbüttel, am 28.August.
1987 zum 80.Geburtstag: Waschul, Bruno, aus Neuhausen-Tiergarten, Kreis Königsberg-Land, jetzt Brunnenstraße 9, 5012 Bedburg-Königshoven, am 26.März.
1987 zum 85.Geburtstag: Waschull, Johanna, geb. Schulz, aus Blinkersee Kreis Angerapp, jetzt Tegelplatz 4a, 2800 Bremen, am 7.Jamuar.
1999 zum 94.Geburtstag: Waschull, Charlotte, geb. Skorzinski, aus Rosenheide Kreis Lyck, jetzt Siedlung 5, 24214 Noer, am 24.Juni. (Dasselbe auch schon 1986 zum 81.Geburtstag.)


Bei Neidenburg gibt es dicht nordöstlich den Ort Waschulken. Erwähnt im Jahr 1579 im Ostpr.Folianten Nr.1283 Seite 729. - 1762 hat Waschulken 40 Huben mit 17 Freien, siehe Prästationstabelle Neidenburg Band 1 Seite 407. - Ein Zusammenhang mit dem Familiennamen Waschul/Waschulewski ist nicht ersichtlich.