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Bartensteiner Lemmel
Die Bartensteiner Lemmel: Erinnerungen von Erich Lemmel
verfasst Ostern 1966 in Wiesbaden,
dann um 1975 von Gerhard Lemmel in Bremervörde mit der
Schreibmaschine abgeschrieben
und 2006 von Hans-Dietrich Lemmel in Wien in den Computer getippt

Erich Lemmel und seine Frau Erna 1952 in Wiesbaden
Die Jugend meines Vaters Paul
Mein Vater Paul Lemmel wurde in Bartenstein in Ostpreußen am
9.9.1853 als fünftes Kind und erster Sohn seiner Eltern geboren.
Er verlebte dort seine Jugendjahre auf der Schule bis zur Versetzung
nach Obersekunda, dem "Einjährigen". Er erzählte später
oft von dem Stadtgut Wilhelmsruh, das meinem Großvater
gehörte. Sein bester Schulfreund dort war der spätere
Generalarzt vom 5. Korps in Posen Dr. Korsch, ein Sohn des Pfarrers von
Bartenstein, der uns oft in Königsberg besuchte.
Sein "Einjähriges" diente er zunächst in Danzig beim
Infanterie-Regiment Nr.5. Da er aber selbst kränklich war und
infolge Erkrankung seines Vaters als ältester Sohn für das
Geschäft in Bartenstein gebraucht wurde, leistete er das zweite
halbe Jahr seiner militärischen Dienstzeit in Bartenstein ab,
wohin er durch Vermittlung vom späteren General v.Mischke, einem
Vetter seiner Mutter und einem Duz-Freund vom späteren Kaiser
Friedrich dem III., versetzt wurde. Da der Krieg schon 1871 zu Ende
ging, kam er nicht mehr ins Feld.
Anschließend besuchte mein Vater die Obersekunda auf der
Burgschule (Oberrealschule) in Königsberg. Als sein Vater nach
längerer Krankheit im Mai 1873 starb, musste er schon vorher mit
dem Primanerzeugnis von der Schule abgehen.
Er erlernte dann den Kaufmannsberuf in der Danziger Großhandlung
"Robert Wendt & Co, Kolonialwaren und Heringe en gros". Durch
Verwandte mütterlicherseits kam er für 2 1/2 Jahre nach
Danzig, wo er – wie er oft erzählte – nach Geschäftsschluss
nachts zwischen 24 und 1 Uhr vom englischen Pfarrer in Danzig
englischen Sprachunterricht erhielt, weil es zwischen 22 und 23 Uhr
wegen der vielen Betrunkenen längs der Mottlau am Hafen entlang zu
unsicher zu gehen war. Dort lernte er einen Engländer kennen, mit
dem er bis 1914 in Briefwechsel stand, durch dessen Vermittlung ich im
Herbst 1912 eine Volontärstelle in einem großen englischen
Holzgeschäft (Timbre-Office) in London für ein halbes Jahr
erhielt.
Mein Vater hatte in Danzig zahlreiche Schumann'sche Verwandte kennen
gelernt, darunter den Bruder seiner Mutter, Wilhelm v.Schumann, und
ihre Schwester Emilie, die ich beide später oft in Königsberg
bei Besuchen erlebt habe.
Die Geschwister meines Vaters
Die älteste Schwester meines Vaters, Marie Lemmel, die als
Witwe in späteren Jahren oft ihre Mutter in Königsberg
besuchte, heiratete noch zu Lebzeiten meines Großvaters im
Oktober 1869 den späteren Geheimen Baurat Edgar Stuertz. Nach dem
Tode meines Großvaters Carl Lemmel Mai 1873 heiratete im Dezember
1873 Tante Laura den Landgerichtsrat Frost, im April 1875 Tante Jenny
den Landgerichtsrat Lagenpusch und im April 1876 Tante Hanna den
Dr.med. Heidenhain, so dass im Haushalt meiner Großmutter
außer Tante Mila noch die drei jüngeren Brüder meines
Vaters mit lebten, soweit sie nicht die Schule in Königsberg
besuchten oder außerhalb studierten. Alle vier verheirateten
Schwestern meines Vaters hatten vor ihren Ehen ihre Lehrerinnen-Examen
gemacht. Tante Hanna zog nach dem frühen Tod ihres Mannes, der in
Bublitz in Pommern am 15.5.1878 starb, wieder zu ihrer Mutter und gab
später in Königsberg Klavierstunden. Unter ihren
Schülerinnen waren Tante Steinfurth und Frau Adde Hoffmann
geborene Heumann.
Die Firma "Paul Lemmel"
Nach seiner Dienstzeit war mein Vater 2 Jahre bei dem
Königsberger Bankhaus "Simon Witwe und Söhne", der
späteren "Ostbank für Handel und Gewerbe", als Angestellter
tätig. Zwischendurch leistete er seine acht wöchentlichen
militärischen Pflichtübungen als Unteroffizier und
Vicefeldwebel. Anschließend wurde er Reserveoffizier beim 3.
Grenadier-Regiment in Gumbinnen, später in Königsberg.
Während seiner Banktätigkeit wurde er einmal mit einem
größeren Geldtransport nach Warschau geschickt, das damals
zu Russland gehörte.
Dann ging er für ein halbes Jahr nach Bordeaux zur Weinfirma
"Stempf und Blankenburg", die er später in Königsberg
vertrat. Seine Firma "Paul Lemmel" eröffnete er um 1880 mit 27
Jahren. Im Königsberger Adressbuch von 1881 ist verzeichnet: "Paul
Lemmel, Agentur und Commissionsgeschäft, Spezialität Wein.
Weinlager: Mittel-Tragheim 39. Wohnung: Altstädt. Langgasse
35/36." Im Adressbuch von 1891 steht: "Lemmel, Paul, Firma, Agentur-,
Wein-Commission und Propre-Geschäft (d.h. eigene Wirtschaft),
Kneiphöfische Langgasse 41."
Das Grundstück Kneiphöfische Langgasse 41 hatte mein Vater
wohl um die Jahreswende 1881/1882 gekauft. Wahrscheinlich ist der Umzug
seiner Mutter mit Familienangehörigen im Herbst 1882 von
Bartenstein nach Königsberg erfolgt, so dass der Erlös des
Besitzes in Bartenstein – das Geschäft und Wilhelmsruh – zum Kauf
des Kneiphöfer Grundstücks sowie zur Übersiedlung und
zum Leben seiner Mutter und Geschwister verwendet wurde. Bei seinen
jungen Jahren hat mein Vater die Gelder seiner Mutter für sie und
seine jüngeren im Haushalt lebenden Geschwister verwaltet.
Pauls Brüder
Onkel Karl studierte Forstfach später in Eberswalde und
1879/1880 zwei Semester Jura in Königsberg, wo er auf dem
Hintertragheim Nr. 41 wohnte und bei dem Corps Masovia verkehrte.
Onkel Franz studierte seine ersten Semester Jura in Jena, wo er der
Burschenschaft Westfalia angehörte, und fünf Semester von
1881 bis 1883 in Königsberg, wo er zunächst in der
Wilhelmstr. 11 und 10, später Große Schloßteichstr. 10
und ab Herbst 1882 in der Kneiphöfischen Langgasse 41 wohnte.
(Daraus kann man entnehmen, dass der Umzug aus Bartenstein im Sommer
1882 erfolgt sein muss.)
Onkel Ernst, der ebenso wie seine älteren Brüder Karl und
Franz das Stadtgymnasium Altstadt auf den höheren Klassen bis zum
Abitur besuchte, studierte in Königsberg Jura und wohnte
während dieser Jahre bis 1892 zuletzt als Intendantur-Referendar
bei seiner Mutter. Zu seiner Hochzeit im Oktober 1898 streuten meine
Schwester (Jenny, 7 Jahre alt) und ich (Erich, 8 Jahre alt) Blumen im
Dom zu Königsberg und wurden anschließend mit Schokolade und
Kuchen im Hause der Firma Carl Peter seiner Schwiegermutter bestens
bewirtet.
Im Hause Kneiphöfische Langgasse 41 waren im Erdgeschoss zwei
Läden; in der so genannten "Hängeetage" richtete mein Vater
(noch als Junggeselle, also vor 1888) auf Wunsch der Bordeaux-Firma
eine Weinprobierstube ein. Im I.Stock zog mein Vater nach seiner Heirat
im Oktober 1888 ein, und im II.Stock wohnte die Großmutter mit
Tante Mila, Onkel Ernst und Tante Hanna. Ich und meine drei Geschwister
sind in diesem Hause geboren. Später als Junge, als wir schon in
der Königstraße wohnten, musste ich meinen Vater oft in den
Kneiphof begleiten, wo er in seinem Hause, das er erst später
verkaufte, seinen Hausverwalter Pöppel in seinem Messer- und
Scherenladen sprechen musste und ich meistens lange auf ihn warten
musste. Dann fuhr er aber mit mir vom Kaiser-Wilhelm-Platz mit der
Pferdebahn zurück.
Familie Stuertz
Onkel Edgar Stuertz, der im Oktober 1904 in Berlin als
Regierungsbaurat am Anhalter Bahnhof starb, besinne ich mich nie
gesehen zu haben. Onkel Carl Lagenpusch, der im März 1907 starb,
spielte oft bei der Großmutter auf ihrem Gebaur-Flügel und
in meiner elterlichen Wohnung auf unserm schönen
Bechstein-Flügel immer ohne Noten wunderbar Klavier. Auf Tante
Hanna, die im Februar 1894 in Königsberg starb, besinne ich mich
noch auf ihr Krankenlager. Es war die Lieblingsschwester meines Vaters
und meine Patentante. Tante Laura Frost, deren Mann noch in Bartenstein
im Februar 1885 starb, wohnte später in Königsberg in der
Lobeckstraße, wo ich sie oft besuchte. Mit ihren vier Kindern:
Walter, Dipl.-Ing. und Professor der Philosophie in Bonn und Riga;
Reinhold, Regierungsrat bei der Eisenbahn, der 1914 im Westen als
Reserve-Offizier fiel; Julius, Professor der Landwirtschaft zuletzt in
München, wo ich ihn 1945 im Januar noch kurz vor seinem Tode
besuchte; und Marie, die im September 1906 den Professor Dr.med. Walter
Rindfleisch heiratete, - habe ich alle viel bei Großmutter und
bei meinen Eltern gesehen und auch später oft erlebt.
Tante Marie Stuertz in Berlin-Wilmersdorf, Kaiserplatz 10, die ich auch
dort auf meiner ersten Reise mit meinem Vater Ostern 1906 besuchte, kam
sehr oft zur Großmutter, die wir Kinder immer "Ohmchen" nannten,
und blieb dann auch lange. Sie erzählte stets viel Interessantes
und war sehr anregend im Gespräch. Ich habe sie von Vaters
Schwestern am liebsten gehabt. Nach Ohmchens Tode 1911 kam sie zu uns
im Sommer nach Georgenswalde. Ich besinne mich noch, wie furchtbar
aufregend für sie die Abreise am 2.August 1914 von uns war, da
alle Züge ab Königsberg nach Berlin wegen des Kriegsausbruchs
stark überfüllt waren. Auf dem Ostbahnhof bei der Abfahrt sah
ich sie das letzte Mal. Sehr verehrt wurde sie von ihrem Schwiegersohn,
dem Berliner Kunstmaler Josef Lieck, der ihre älteste Tochter
Margarete in zweiter Ehe als Witwer geheiratet hatte, den ich mit
seinen zahlreichen Kindern und Enkeln sowohl in Königsberg als
auch in Berlin, wo er in der Ansbacher Str. 4 eine sehr große
Wohnung bewohnte, wiederholt erlebt habe.
Auch meine anderen Vettern: Ernst Stuertz, Professor der Medizin in
Köln; Walter, Apotheker in Duisburg zuletzt; Hans, staatlicher
Gartenoberinspektor zuletzt in Kassel, mit dem ich 1937 in Dresden
zusammen war; und Kusine Elise Höfer, die mit ihrem
Kunstmaler-Ehemann in Berlin-Steglitz wohnte, kam ich in jüngeren
Jahren oft zusammen. Vetter Ernst Stuertz besuchte ich im Oktober 1913
auf der Reise von Wiesbaden, wo wir 14 Tage uns alle sechs und Tante
Anna aus Wernigerode mit unseren Eltern zu deren Silberhochzeit trafen,
nach Paris drei Tage noch unverheiratet in Köln und mit Vetter
Walter Stuertz war ich öfter in Berlin bei Liecks noch vor seiner
Ehe zusammen, ebenso mit Kusine Lies'chen Stuertz, als sie noch nicht
verheiratet war, die mit im K.d.W. (= Kaufhaus des Westens) einen
Schlips aussuchte.
Besuch in Königsberg
Onkel Karl Lemmel aus Obernkirchen, der frühzeitig als
Forstmeister erblindete, suchte mehrmals Professor Heissrath, einen
bekannten Augenarzt in Königsberg auf, immer in Begleitung seiner
drei Kinder. Oft begleitete auch meine Mutter ihn auf seinen Wegen
durch die Stadt. Er spielte viel nach seinem Gehör auf dem
Klavier. Für mich als Jungen war er damals sehr anregend durch
seine Erzählungen. Leider konnte der Arzt ihm wenig helfen. Er
starb schon während des 1.Weltkrieges Anfang März 1916, kurz
bevor mein Bruder Paul im Osten den Heldentod starb. Mein Vater fuhr zu
seiner Beerdigung nach Obernkirchen.
Seltener kam damals Onkel Franz zu Besuch von Ohmchen. Später habe
ich ihn mehr auf den Durchfahrten in Berlin gesehen, wo ich in seiner
Wohnung in der Kaiserallee 77 häufig bei ihm übernachtet
hatte. Mit seinen vier Kindern war ich oft zusammen.
Tante Mila Lemmel, die jüngste der Bartensteiner Tanten, vertrat
oft unsere Eltern wenn sie verreist waren. In der
Königstraße haben wir Kinder sie oft unten bei der
Großmutter gern besucht. Nach deren Tode zog sie sich nach
Oberschreiberhau im Riesengebirge, wo sie sich mit finanzieller Hilfe
meines Vaters, und von Tante Anna Ostendorff in Wernigerode, ein Haus
"Rosemarie" bauen ließ und an Pensionsgäste Zimmer
vermietete. Ihre Kochkunst war bekannt. Leider wirtschaftetet sie etwas
zu sehr aus dem Vollen. Ich besuchte sie dort in Schlesien im Juli 1914
vierzehn Tage im vollbesetzten Hause kurz vor Ausbruch des Krieges im
Anschluss an meine Vive-Wachtmeister-Übung auf dem
Schießplatz Warthelager bei Posen.
Onkel Ernst besuchte Großmutter nach seiner Heirat 1898 oft, aber
immer nur kurz.
Großmutter Marie Lemmel geb. Schumann
Ganz groß und festlich wurde im März 1904 der 80.
Geburtstag von Großmutter in der größeren elterlichen
Wohnung gefeiert, zu dem viele Verwandte von auswärts gekommen
waren. Wir vier Enkelkinder führten etwas auf mit Musik.
Großmutter war überall bei Verwandten und Bekannten sehr
beliebt, immer in guter Stimmung. Bis zu letzt war sie stets sehr
tätig im Haushalt. Ich besinne mich noch, wie sie jede Woche in
der Waschküche vormittags wusch, während Tante Mila oben
Mittag kochte. Bis in ihr hohes Alter war sie geistig recht frisch und
hatte gern Besuch. Auch mit ihrem Stiefbruder Wilhelm v.Schumann aus
Danzig und ihrer Stiefschwester Emilie, die ich viele Jahre nur als
Gicht- und Ischias-Kranke kannte, stand sie sich sehr gut. Oft erhielt
Ohmchen Besuch von alten Bartensteiner Bekannten, vor allem von der
alten Tante Brockmann aus Maxkeim.

Tante Brockmann
Als die Großmutter nach kurzem Krankenlager am 15.4.1911 starb,
hatte sie 28 Großkinder und 15 Urenkel. Ich war damals gerade
fünf Tage in Rüdesheim und brach meinen Urlaub ab, um an
ihrer Beerdigung teilzunehmen. Ich habe dadurch, dass Ohmchen immer im
Hause meines Vaters wohnte, in meiner Jugend viele Verwandte und
Freunde meines Vaters kennen gelernt. Großtante Emilie v.Schumann
starb imAugust des selben Jahres in Königsberg. Sie hatte lange im
Altersheim der "Barmherzigkeit" gewohnt.
Paul Lemmels Weingeschäft und Ehrenämter
Als mein Vater sich 1879 selbständig machte, hatte er wohl zu
Anfang die Agenturen seines verstorbenen Vaters von der Thüringer
Hagelschäden-Versicherungs-Gesellschaft zu Weimar und der
Aachen-Münchener Feuerversicherung in seinem Geschäft mit
übernommen. Später hatte er nur sein
Wein-Kommissions-Geschäft und lieferte hauptsächlich an die
Offizierskasinos der Provinz bis nach Görlitz hin und an die
Großgrundbesitzer. Als er 1888 geheiratet hatte, wurde er schon
frühzeitig in den Aufsichtsrat der Union-Gießerei AG
gewählt, dem er über 40 Jahre bis 1930 angehört hatte.
Im Jahre 1903 gab er seine eigene Firma auf; er löste sie auf,
obgleich sich sieben Käufer gemeldet hatten. Schon einige Jahre
vorher war mein Vater von verschiedenen Wohltätigkeitsvereinen in
deren Vorstände berufen, so vor allem als Vorsitzender der
Ostpreußischen Blinden-Unterrichts-Anstalt, die aus dem 1819
errichteten Gräflich Bülow v.Dennewitz'schen Blindenstift
hervorgegangen ist, und als Schatzmeister oder Kassierer des
Evangelischen Johannisstift am Litauer-Baum. Ich besinne mich noch,
dass mein Vater fast täglich von diesen beiden Vereinen bis zum
Beginn des 1.Weltkrieges zwei dicke Schreibmappen zur Bearbeitung
erhielt und die Boten die erledigten Mappen später abholen mussten.
Sein Schreibtisch, an dem er ständig saß, stand im
großen, so genannten Klavierzimmer, in dem wir Kinder nachmittags
am Flügel übten, während unser Vater arbeitete und
rechnete. Er ist deswegen oft bewundert worden, aber ihn hat unsere
Musik bei seiner Arbeit nie gestört. Unser Vater führte
über alles genau Buch, schrieb alle Einnahmen und Ausgaben an und
hatte eine umfangreiche Korrespondenz mit seiner großen
Verwandtschaft und seinem Bekanntenkreis. Frühzeitig lehrte er
uns, über unser Taschengeld genau Buch zu führen, was ich
noch heute mache, weil ich es nach meinen Erfahrungen für richtig
halte.
Das Haus Königsstraße 8
Im Jahre 1895 kaufte mein Vater sein zweites Grundstück
Königsstraße Nr. 8, um für uns Kinder einen
großen Garten zu haben, in dem er selber viel und gern gearbeitet
hat. Er hielt sich auch viele Legehühner und einen Hahn. Er ging
weder spazieren noch machte er Wanderungen, aber täglich machte er
geschäftliche Besorgungen. Auf der hinteren Südseite seines
Hauses ließ er von der Union-Gießerei drei große
Glasveranden anbauen, von denen die beiden untersten durch eine
Wendeltreppe nach unten mit dem Garten verbunden waren. Im Erdgeschoss
wohnten in vier Zimmern Großmutter und Tante Mila. Die beiden
Vorderzimmer, die durch eine besondere Türe mit dem Treppenflur
verbunden waren, benutzte mein Vater zunächst als
Geschäftsbüro. Noch 1903 wohnte ich als Gymnasiast bis 1909
in dem einen Zimmer, während das andere für Logierbesuch
diente. Ich besinne mich noch, als im Sommer 1898 meine Eltern in ihrer
Glasveranda – mein Vater sagte immer Balkon – eine Abendgesellschaft
gaben, mein Vater verspätet aus einer Sitzung heimkehrte und
erzählte, dass Bismarck gestorben sei (30.7.1898). Die lebhafte
Tischgesellschaft verharrte plötzlich in tiefem Schweigen, was auf
mich damals großen Eindruck machte.
Meine Eltern liebten beide Geselligkeit und Musik, beide spielten
Klavier, auch vierhändig aus Opern. Sie hatten sich seinerzeit bei
den Konzerten im großen Börsensaal kennen gelernt, in dem
ich als Schüler auch noch oft gute Konzerte gehört habe.
Königsberg war bis 1914 anerkannte Musikstadt. Es gab damals weder
Autobahnen noch Flugzeugverkehr, und alle prominenten Musiker, die nach
Petersburg oder Moskau fuhren, machten in Königsberg halt und
gaben ein Konzert oder traten in der Oper auf.
Meine Mutter war auch im Gesang ausgebildet und hatte an Nachmittagen
ab und zu musikalische Verwandte und Bekannte eingeladen, die
während des Kaffees musizierten und meist sangen. Dadurch haben
wir schon als kleine Kinder oft gute klassische Musik gehört,
bevor wir selber Musikstunden erhielten. Auch gingen Vater oder Mutter
mit uns in die Kirchenkonzerte von Frl. Eilsberger in die
Altrossgärter Kirche, in der ich 1906 von ihrem Vater
General-Konsistorialrat D. Eilsberger eingesegnet wurde, oder in die
Künstlerquartett-Abende von Brode, Winter, der meines Bruders
Arthur Lehrer wurde, und Hopf, der meines Bruders Paul Lehrer wurde, in
den großen Logensaal von Vaters Loge "Totenkopf und Phönix"
auf dem Hintertragheim, wo der große Garten bis ans
Schlossteichufer reichte, später auch oft in die Oper.
Nach meiner Schulzeit sang ich auch ein Jahr als 2.Tenor im Chor der
Musikalischen Akademie, in der unser Vater als Schatzmeister tätig
war. Er war weiterhin viele Jahre im Hauptvorstand des
Gustav-Adolf-Vereins und im Königsberger
Armenunterstützungsverein. Später sagte mein Vater oft, er
hätte nach Aufgabe seines Geschäfts viel mehr Arbeit gehabt,
zumal er in allen Vereinen, denen er beigetreten war, ein besonderes
Amt im Vorstande auszuüben hatte. Der Zufall wollte es damals,
dass sich viele Vereine vergrößerten und mehr Raum
brauchten, so dass seine Tätigkeit oft mit Suchen von neuem
Gelände für Neubauten und deren Erstellung verbunden war.
Dabei hatte er viel mit allen zuständigen Behörden zu tun. So
wurde 1908/1909 die neue Blindenanstalt auf den Hufen und die
evangelische Kirche in Kalthof gebaut, wo ich bei beiden
Einweihungs-Feierlickeiten zugegen war. Als langjähriger
Kirchenältester in der Altrossgärter Kirche hatte mein Vater
mit den Bauten der beiden Tochter-Kirchen in Kalthof und der
Friedenskirche Königstraße 10 im Garten auf dem alten
großen Sommer'schen Grundstück zu tun.
Die Union-Gießerei wurde 1914 von der Oberlaak nach Contienen am
linken Pregelufer verlegt, wo auch ein großes Schwimmdock
entstand und, außer Lokomotiven, Dampfer gebaut wurden und vom
Stapel laufen konnten.
1905 erhielt mein Vater von der Post sein erstes Telefon (Nr.2021), so
dass manche Arbeiten dadurch erleichtert wurden. 1896 wurde die
Königstraße kanalisiert, so dass mein Vater in seinem
Grundstück Wasserleitungs- und Gas-Anschluss erhielt, etwas
später elektrisches Licht.
Cranz, Georgenswalde, Rauschen, Zoppot
Im Sommer 1910 kaufte er in Georgenswalde an der Samlandküste
nach der Parzellierung des großen Rittergutes einige Land- und
Waldparzellen zu 3 Rm, 3,50 Rm und 4 Rm und ließ sich 1911 ein
unterkellertes, einstöckiges Haus bauen, das im Sommer bezogen
wurde, mit zwei selbständigen Wohnungen. Im Erdgeschoss waren
wieder eine große Glasveranda mit einem anschließenden
offenen Balkon nach der südlichen bewaldeten Gartenseite zu,
während nach Norden hin bis zum Anfang der 20er Jahre der Blick
von einer offenen Terrasse auf die Ostsee reichte. Die Eltern hatten
dort den ganzen Sommer über bis 1925 viel Logierbesuch. Das
größte Familienfest, das dort gefeiert wurde, war wohl am
9.9.1923 der 70. Geburtstag meines Vaters. Im alten Waldhaus
Georgenswalde waren wir mittags 40 Personen. Meine älteste Tochter
Gisela war dabei, 2 1/2 Jahre alt.
Mein Vater hatte auch in Georgenswalde viel im Garten gearbeitet. Onkel
Karl Lemmel schickte aus seiner Oberförsterei in Obernkirchen
Weimutskiefern und Sittka-Fichten, die vor dem Hinterhaus nach der
Seeseite zu schnell hoch wuchsen. Während meine Mutter selten zur
Stadt fuhr, musste mein Vater während der Sommermonate sehr oft
dazwischen zu Sitzungen oder Besorgungen nach Königsberg. Ich
selbst war meistens nur Wochenende oder an Feiertagen als Lehrling und
Einjährig-Freiwilliger draußen. Mit meiner eigenen Familie
war ich zum letzten Mal im Juli 1935 in Georgenswalde, als ich bereits
in Dresden lebte.
Jetzt möchte ich dazwischen erwähnen, wo unsere Eltern mit
uns Kindern die Sommerferien früher verlebt haben: 1896 bis 1898
waren wir in Cranz, was am schnellsten mit der Eisenbahn zu erreichen
war, so dass mein Vater nach seinem Geschäftsschluss fast
täglich um 18 Uhr herausfahren und noch baden konnte, um am
nächsten Tage in aller Frühe wieder zur Stadt zu fahren. 1899
waren wir mit einer so ganannten "Packjournalière" nach
Rauschen-Kleinreich, ganz hinten am Rauschener Teich nach den
Dünen zu gelegen, gefahren. Die Samland-Eisenbahn wurde im Sommer
erst von polnischen Arbeitern gebaut durch die Katzengründe und
Forst nach Warnicken. Unser Vater kam nur jedes Wochenende uns auf dem
selben Wege besuchen. Damals wohnten auch ganz in unserer Nähe
Tante Helene Siegfried mit unseren drei Kusinen und Frau Nussbaum mit
ihren drei Kindern. [Helene Siegfried war wohl eine Schwester von Erich
Lemmels Mutter Elise geb. Ostendorff. – HDL] Unter uns im Hause des
Fischers Muschlien wohnten Professor Hilbert's, die in späeteren
Jahren die Hoffmann'sche Villa bezogen. Tante Mila war auch bei uns,
die nur in den Dünen sich mit Handarbeiten aufhielt, weil sie das
Brausen der Ostsee nicht ertragen konnte.
Das ganze große Dünengelände war noch nicht bebaut und
das Kurhaus nicht errichtet. Auch der Bahnhof Rauschen-Düne
existierte noch nicht. Onkel Walter Ostendorff [Bruder von Elise geb.
Ostendorff] und seine Frau Helene aus Antwerpen besuchten uns paar
Tage, wohnten in Bosien- oder Liedtke's Hotel im Dorf und wunderten
sich sehr über die Primitivität der Unterbringung.
1900 waren wir wieder in Cranz. 1901 war ich allein mit den Eltern im
September nach meiner Hüftgelenksentzündung in Zoppot, wo ich
in einem Krankenstuhl herumgefahren wurde. In Erinnerung ist mir dort
in der Bucht von Hela der Aufmarsch der ganzen Kriegsflotte nach dem
Kaisermanöver in der Ostsee. 1902 bis 1905 waren wir wieder in
Cranz, wo wir stets woanders wohnten, und 1906 bis 1908 in drei
Sommerferien in Zoppot, wo wir mit vielen Danziger Verwandten unseres
Vaters häufig zusammen waren, die er regelmäßig zum
Abschluss eines Nachmittags-Spazierganges jedes Mal zu Kaffee und
Kirschkuchen mit Schlagsahne einlud.
Neuhäuser bei Pillau
In den Herbstferien sind wir bis zum Tode unserer Großmutter
Charlotte Ostendorff geb. Negenborn, der Stiefmutter meiner Mutter, die
sie aber nur "Mutter" nannte, fast imme in Neuhäuser bei Pillau
gewesen, wo sich mein Großvater Ostendorff eine hübsche
Sommer-Villa mit einem großen Garten hatte bauen lassen. Vom
Bahnhof Neuhäuser wurden wir mit einem Schimmelgespann durch den
Wald am Gut Neuhäuser vorbei, das dem Bruder unserer
Großmutter gehörte, oder direkt über den
Pfannkuchenberg abgeholt. Im Lochstedter Wald gingen wir oft bis zur
Burg Lochstedt und zur Haffaussicht spazieren oder auch längs der
See am Waldesrand bis Pillau, wo es im Hafen und an der Einfahrt von
der Ostsee ins Frische Haff durch den Königsberger Seekanal immer
viel zu sehen gab. Einmal in den Herbstferien war auch Vetter Franz aus
Berlin mit, der damals Kadett in Potsdam war. In Bad Neuhäuser
waren eigentlich nur Verwandte meiner Mutter, die dort
Sommerhäuser hatten oder stets in den selben Wohnungen wohnten. In
Alt-Neuhäuser dicht an der See lebten damals Schinkelmeissers,
Sottecks, und unsere Tante Luise Ostendorff, auch oft Siegfrieds
während der Sommer- und Herbst-Monate. Ich besinne mich noch auf
den alten Onkel Schindelmeisser, den Besitzer des Königsberger
Blugerichts, mit seinem langen Vollbart, wie er in seiner Strandlaube
sitzend mit einem langen Fernrohr die Schiffe beobachtete, die von der
See aus in Pillau ein- und ausfuhren. An den Herbstnachmittagen wurden
dann zwischen See und Haff Spaziergänge von der ganzen
Verwandtschaft gemacht, Pilze und Strandblumen gesucht. Geregnet hat es
dort im Herbst niemals und wir konnten immer noch baden, wobei man sich
wegen der vielen Untiefen vorsehen musste. In Cranz war stärkerer
Wellenschlag.
Paul Lemmel im Alter
Zurück zu meinem Vater, der beim Zeitungslesen immer alle
politischen Nachrichten nur überflog, während er alle
Annoncen eingehend las. Darin habe ich ihn sehr bewundert. Er hatte
dadurch vieles auf Dachböden und in Kellern verkaufen können,
was sich inzwischen angesammelt hatte. Mein Vater hatte Möbel und
Gegenstände anderer Art und Erinnerungssachen nach den
Umzügen und Haushaltsauflösungen, nach Großmutters und
Otante Emilie v.Schumann's Tode zunächst auf seinen Böden
untergebracht und seine zahlreichen großen Weinregale im Keller
nach Aufgabe seiner Firma als Lagerungsort für unsere guten
Winteräpfel benutzt, von denen er sich im Herbst etwa 10 Tonnen
von einem befreundeten Gute vom Lande kommen ließ.
Allmählich verschenkte er von dem Restbestand seines Weinlagers zu
Weihnachten und Geburtstagen an seine vielen Neffen gute Pullen.
Überhaupt war mein Vater im Kreise der großen Verwandtschaft
auch von meiner Mutter Seite sehr beliebt, da er vielen auf Wunsch mit
Rat und Tat beiseite stand, vor allem wenn die Männer und
Väter frühzeitig verstorben waren. Sowohl die drei
Stuertz'schen als auch die drei Frost'schen Söhne haben so manche
Unterstützung von meinem Vater erhalten.
Tante Laura Frost zog noch vor 1914 von Königsberg nach Bonn und
war dort weiter schriftstellerisch tätig bis zu ihrem Tode 1924.
In Königsberg gehörte sie zu den Ersten der modernen
Frauenbewegung und machte sich dabei einen bekannten Namen. Vor allem
wurde sie allgemein bekannt durch ihr Buch "Johanna Schopenhauer, ein
Frauenleben aus der klassischen Zeit", was sogar heute noch im
Brockhaus angezeigt ist. Tante Laura hatte in der Familie immer einen
etwas schwierigen und umstrittenen Stand. Weder mochten mein Vater noch
Tante Mila ihr Wesen, oft wusste meine Mutter dann auszugleichen. Auf
den Abendgesellschaften meiner Eltern war sie stets sehr beliebt und
unterhaltend.
Nach dem Tode der Großmutter 1911 waren noch immer circa 10.ooo
RM vom großelterlichen Erbe übrig, so dass Tante Mila in
Königsberg hätte bescheiden davon leben können. Aber sie
schlug das meinem Vater ab und wollte sich lieber in Oberschreiberhau
oder Agnetendorf, was sie auf Sommerreisen nach Schlesien näher
kennen und lieben gelernt hatte, ein Haus für Pensionsgäste
bauen lassen und selbst bewirtschaften. Dazu reichte natürlich das
Geld nicht, was mein Vater ihr vorher immer wieder gesagt hatte. Tante
Mila, die sehr gut zu kochen verstand, aber stets aus dem Vollen
wirtschaften wollte, zog ihre Selbständigkeit vor. Da sie mit
ihren Mitteln nicht zu rechnen verstand, musste sie ihr mühsam
erbautes Grundstück schon in der Inflationszeit für ganz
geringen Erlös verkaufen, so dass sie später von ihren
Brüdern leidlich unterstützt werden musste und
schließlich sehr armselig lebte. Im Sommer 1925 war sie nochmal
bei ihren Eltern in Georgenswalde.
Onkel Franz und Onkel Ernst haben mir in späteren Jahren gesagt,
dass mein Vater nach dem Tode des Großvaters für ihre ganze
Familie viel Gutes getan hätte; sie erkannten seine
Ratschläge an. Da mein Vater auch an entfernten weiteren
Verwandten viel Interesse hatte, von denen oftmals Besuch ins
elterliche Haus kam, hatte er als erster "Lemmel" unseren Stammbaum
zusammengestellt und 1910 im Gotha Bürgerlicher Geschlechter
drucken lassen.
Der Anfang des Lemmel-Eintrags im
"Genealogischen Handbuch bürgerlicher Familien" Band 17, 1910.
Zu seinen entfernten Verwandten gehörte sein älterer Vetter,
der Lokomotivführer Wilhelm Lemmel, der seine Tante und meinen
Vater von Stettin aus oft besucht hat. Er erzählte, dass er
mehrmals als Zugführer den Extrazug mit Kaiser Wilhelm dem I.
begleitet hätte.
Ferner gehörten mehrere verwandte Familien von Schumann'scher
Seite dazu wie die alte Tante v.Plüskow geb. v.Groddeck mit ihren
drei älteren Kindern: Onkel Hans v.Groddeck auf Salleschen Kreis
Ortelsburg, verheiratet mit Tante Ems geb. Freiin v.Massenbach; Tante
Helene v.Plüskow und Tante Julie v.Plüskow, beide
unverheiratet. Die alte Tante Elise v.Plüskow war in erster Ehe
mit ihrem Vetter Wilhelm v.Groddeck verheiratet gewesen. Alle waren oft
bei uns in der Königstraße.
Von den Danziger Verwandten besuchten uns außer dem alten Onkel
Wilhelm und Tante Olga v.Schumann, mit der später meine Mutter
sehr befreundet war, und deren Zwillingsschwester Tante Jenny Dau nebst
Mann, Onkel Hugo Dau, und drei Töchtern, die 1913 ganz nach
Königsberg zogen, wo Onkel Dau als Regierungsrat bei der
Ansiedlungskommission tätig war; weiter unsere beiden Kusinen Eva
und Edith Sohn, deren Bruder Otto Sohn, später Rechtsanwalt in
Pommern, war während seiner Studienjahre häufig bei uns;
ebenso wie seine rechten Vettern Hermann Ramelow, später
Dipl.Landwirt, und Arthur Fliessbach, der schon 1905 als Student der
Landwirtschaft starb; Fritz Skerle und dessen Neffe Walter Skerle, der
öfter in Georgenswalde war; Anne Schlickriede, die später den
Kaufmann Baumgart in Danzig heiratete.
Auch Tante Emilie Sohn geb. Drebs und Tante Minna Drebs, die in Zoppot
wohnte, besuchten uns in Königsberg. Zum letzten Mal war ich im
Juni 1939 ein paar Tage in Zoppot auf der Seereise nach Pillau und
Memel, wo ich in Zoppot bei Köhlers wohnte. Alfred Köhler,
der 1945 umkam, war der Mann von Eva Sohn. Ihre 1942 verstorbene
Schwester Edith Sohn wohnte damals bei ihnen. In Danzig suchte ich
Fritz Skerle und seinen jüngeren Bruder den Zuckerfabrikbesitzer
Willy Skerle nebst Frau geb Gehlhorn auf. Diese Vettern und Kusinen
Drebs waren Kinder von Otto Drebs, Gutsbesitzer auf Ottomin, und seiner
Ehefrau Wilhelmine geb. v.Schumann, einer rechten Tante meiner
Großmutter Lemmel.
Den Bruder meiner Großmutter, Alexander, der 1909 in Kassel als
Geheimer Regierungs-Baurat starb, habe ich nie erlebt, aber seinen
Sohn, Onkel Paul v.Schumann, General im Großen Generalstab mit
seiner Frau und seinen drei Kindern, bei denen ich 1919 zum letzten Mal
in Berlin war. Sein Sohn Hans Heinrich v.Schumann ging als Seeoffizier
1914 bei der Seeschlacht an den Falklandinseln unter.
Im Hause meines Urgroßvaters Ludwig Wilhelm Schumann, der mit
Johanna Agathe Mischke verheiratet war, wurden außer ihren 10
Kindern noch zwei Schwestern Rentel (oder Reutel?) mit erzogen. Dessen
zweite Ehefrau Mathilde Mischke war eine jüngere Schwester meiner
Urgroßmutter. Die beiden Töchter Reutel heirateten den
Buchhändler Ferdinand Beyer in Königsberg und einen Piersig.
Beide alten Tanten und ihre Kinder, vier Tanten Beyer und drei Onkel
Piersig kamen oft zu Großmutter und zu uns, ebenso aus Oliva
Tante Margarete Mischke und aus Berlin Tante Dorothea Hoese geb.
Mischke, zwei Schwestern und Töchter von Franz Alexander Mischke,
eines Bruders meiner Urgroßmutter, besuchten uns wiederholt. Der
Mitverwalter der Schumann'schen Stiftungen, Versicherungs-Kaufmann
Martin Zernecke mit seinen beiden Töchtern Alma und Paula siedelte
von Danzig nach Königsberg über und kamen oft zu uns. –
Hiermit möchte ich schließen.

"Die alte Tante Piersig"
"Die alte Tante
Beyer"
Mein Vater ist am 15.5.1940 in Rokittnitz (Martinau) bei Beuthen in
Oberschlesien bei meinem Bruder Arthur gestorben. Zur Beisetzung seiner
Urne auf dem Domfriedhof in Königsberg, wo auch Tante Hanna, Onkel
Lagenpusch, Großmutter, Tante Emilie v.Schumann, meine Mutter und
mein Bruder Paul die letzte Ruhestätte fanden, war ich im Juni
1940 mit Jenny und Arthur zugegen. Auch Onkel Franz war da.

Ende
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"Bartensteiner Lemmel"
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