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Ritter v.Lämel aus Tuschkau in Böhmen
Aus dem Lemmel-Archiv, von Hans-Dietrich Lemmel, Wien, Dezember 2008

  zum Aufsatz über die jüdischen Lemmel
                                                                       Tus
                                                              Stamm Tuschkau
Tus-1/a
 Lemel
*?1735
ein Jude ohne Familiennamen
in Tuschkau bei Pilsen
    │
    │
    ├────────────────────────┬────────────┬───────────┬────────────────┬──────────┐
   2/a                       │           2/c          │                │          :
Simon Edler v.Lämel      Emanuel       Joachim       2/j               │          │
*1766 Tuschkau           Lemelsfeld    Lemelsfeld   Regina/Rosalia  Magdal.   Eleonore
+1845 Wien               *?1768        *?1770       *1774           ∞Zappert  Mauthner
Großhändler              Kaufmann      Kaufmann     ∞Jeitteles
Duschenes               in Prag       in Prag
    │                    ∞Baruch
    │
    │
  ┌─┴───────┬────────────────┬─────────────┬───────────┬────────┬─────────┐
 3/a       3/b               │             │           │        │         │
Elise    Leopold            3/d           3/e          │        │         │
Herz    Ritter v.Lämel    Therese       Franziska    3/f       │         │
  │      *1790 Prag        *?1793        *1796       Louise  Karoline    3/j
  │      +1867 Prag        ∞v.SalemsfelsWiener     *1801   ∞Ebers      Anna
  │      Bankier in Wien                             ∞Marx              ∞Karl Jontof
  │         │                                                           Seine Schwester ist
  │         │                                                           die Großmutter von
Wilhel-     │                                                           Arnold Schönberg
mine     Töchter, kein Sohn                                               │
v.Hof-  Eine der Töchter stiftete                                       4/j
manns-   die Lämel-Schuleund                                           Regine Jontof
thal     das Lämel-Spital                                               ∞Eckstein
         in Jerusalem                                                     │
                                                                         5/j
                                                                        Valerie Eckstein
                                                                        ∞Fuchs
                                                                          │
                                                                        Gerta Fuchs
                                                                        Schriftstellerin
                                                                        in Wien
                                                                        ∞Hartl
30.12.2008
      Ein jüdischer Lämel-Stamm aus Tuschkau bei Pilsen

  
Simon Lämmel, Porträt (Öst.Nat.Bibl., Porträtsammlung NB 514.309 B(R)F)
sein Adelsbrief mit Wappen (Fotos unbekannter Herkunft im Lemmel-Archiv)


Ein Blatt "zur Erinnerung an die Aufhebung der böhmischen Judensteuer" durch Kaiser Ferdinand, mit einer eingedruckten Widmung "Herrn Leopold Edlen v.Lämmel und dem Andenken an dessen seel. Vater Herrn Simon Edlen v.Lämmel". (Foto unbekannter Herkunft im Lemmel-Archiv)

      
            [Deutsche biographische Enzyklopädie, dtv 2001, S.195]

Goethe äußerte sich über das Judentum 1812 in Karlsbad zu dem Prager Juden Simon
von Lämel
: "Der Eindruck, den ich in früher Jugend in meiner Vaterstadt Frankfurt empfing,
war mir ein mehr erschreckender. Die Gestalten der engen und finstern Judenstadt waren
 mir gar sehr befremdlich..."
[Arnd Müller: Geschichte der Juden in Nürnberg 1146-1945, Seite 119. Beiträge zur Geschichte und
Kultur der Stadt Nürnberg, Band 12, 1968. – GL1977]


März 1848 in Prag: Graf Stadion erließ eine neue Gemeindeverfassung, nach der Ende
März 1848 gewählt wurde. Am 30.August wurde aus einem 149-gliedrigen Bürgerausschuss
ein engerer 48-gliedriger Ausschuss gewählt, darunter: "der bekannte jüdische Philantrop und
spätere Präsident der jüdischen Kultusgemeinde Leopold von Lämmel".
[Leo Epstein: Die Deutschen in der Prager Stadtvertretung von 1827 bis 1927. Kopie eines
Aufsatzes in einer Druckschrift, deren Titel nicht notiert wurde, Seite 72f.]

zu Simon v.Lämel

In der antijüdischen Naziliteratur wird Simon Lämel erwähnt, wobei, von der antisemitischen Tendenz abgesehen, einiges historisch Interessante über ihn berichtet wird.

Aus dem  "Giftschrank" der Bibliotheken:
Peter Deeg: Hofjuden
(Herausgeber: Julius Streicher)
Verlag Der Stürmer, Nürnberg 1939

S.27: 1869 gibt es die "Rothschild-Lämelsche österreichische Kreditanstalt für Handel und Gewerbe".

S.285ff: Duschenes, ein Bruder des einstigen Hofjuden Augusts des Starken, Geschäftsvertreter des jüdischen Handelshauses Duschenes in Prag, verehelichte seine Tochter Babette mit dem Bankier Simon Lämel. Der Sprößling beider, Leopold, nimmt die Sophie Seeligmann zum Weib, eine Tochter Aron Elias Seeligmanns, Baron von Eichthal, und Nichte des Dresdener Lemle Elias Seeligmann.

Lämel ist es, der sich schon frühzeitig eine gewichtige Stellung beim habsburgischen Kaiserhaus gesichert hat. In den 1780er Jahren gründet er die Prager Lämel-Bank, errichtet dazu ein Großhandelshaus, beherrscht damit bald die diametralsten Warenmärkte, wie Tuchmanufaktur, Tabak, Wolle, Salz und figuriert außerdem in den napoleonischen Kriegen gegen Österreich auch noch als einer der bedeutendsten Armee-Lieferanten der habsburgischen Heere, deren Rüstungsmaterial durch anderthalb Jahrzehnte hindurch immer wieder von Napoleon erobert oder zerschlagen wird.

Der Jude Lämel liefert da ohne Unterlaß Kriegsbekleidung, Fertig- und Halbfertigfabrikate aller Art, Nahrungsmittel, Stoffe, Gewehre, Wolle, Munition, Geschütze und sonstigen Kriegsbedarf. Die Millionen kapitalisierter Steuern und anderer versilberter Staatswerte, die ihm als Entgelt dafür aus den staatlichen Kassen zufließen, nützt er sogleich doppelt. Denn durch die Lämel-Bank gehen sie den Staatskassen umgehend in Form von hochverzinslichen Darlehen wieder zu, um als Zahlgelder Österreichs an Frankreich für die von Napoleon verlangten Kriegsentschädigungen verwendet zu werden.

Besonders Leopold, der Sohn, versteht sich auf diese doppelten Kapitaltransaktionen. Schon im Knabenalter tritt der 1788 geborene Judenjunge in das väterliche Geschäft ein, wird Mitinhaber des Großhandels- wie des Bankhauses, kontrolliert später gleichzeitig als Direktor die Prager Filial-Escompte-Anstalt der Österreichischen Nationalbank und dirigiert als Vorstand des Prager Handelsstandes die böhmische Wirtschaft.

(aus dem Buch von Deeg)

Simon Lämel, den Vater, befördert Kaiser Franz von Österreich am 5.Dezember 1811 in den Adelsstand. Ein Jahr später ernennt der Feldmarschall Fürst von Schwarzenberg ihn zum kaiserlichen Armeelieferungskommissär. Leopold, den Sohn und Parlamentsabgeordneten, macht Kaiser Franz Joseph am 17. April 1856 zum Österreichischen Ritter von Lämel. Einer seiner Schwiegersöhne wird der französische Kammerabgeordnete Leon Israel; ein anderer der Ritter Edmund Wiener von Welten, Vorstand der Moses Montefiore'schen "Alliance Israelite" und Präsident der Österreichischen Bodenkreditanstalt.

Kaum ist in den Jahren 1814 und 1815 der Krieg gegen Napoleon beendigt und der Wiener Kongreß eröffnet, als auch schon Simon von Lämel und sein Sprößling sich einstellen, um im Verein mit den Eichthals, Rothschilds, Arnsteins und übrigen hofjüdischen Kriegsgewinnlern das Werk der Emanzipation des Gesamtjudentums in den Staaten Europas zu vollenden.

S.425: ...Österreich verkauft für 77 Mio. Gulden die Staatsbahnen dem neuen jüdischen Trust, dem Crédit-Mobilier-Conzern. Gemeinschaftlich mit dem jüdischen Bank-Ritter von Lämel und den Fürsten von Schwarzenberg, Auersperg, Fürstenberg sowie mit anderen vom Hochadel und der Regierung im Bunde, kommt das Haus Rothschild nun einem vom Gesandten Baron Hübner geförderten Isaak Pereira'schen Plan zur Gründung eines neuen gewaltigen Österreichischen Kreditinstituts zuvor.

Dieses, die Rothschild'sche Österreichische Kreditanstalt, wird mit 200 Mio Mark Aktienkapital ins Leben gerufen.

Kurze Zeit später schon kauft das neue, "für Handel und Gewerbe" eingetragene Unternehmen dem österreichischen Staat den Rest seiner Bahnen in Oberitalien für 100 Mio Lire ab...; bald verschleudert der Kaiserstaat auch die Südbahn an die Rothschild-Lämel-Gruppe.