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Katerina Lemlin geb. Imhof, * 1466

Inhalt:

1. Katerina Lemlin im Birgittenorden 1516-1532 Aufsatz von Hans-Dietrich Lemmel 2008
2. Von der erfolgreichen Geschäftsfrau zur Nonne in Maihingen Augsburger Allgemeine 2009
3. Edle Stifterin und kluge Geschäftsfrau Nürnberger Zeitung 2009

siehe auch: Britta-Juliane Kruse, Eine Witwe als Mäzenin - Briefe und Urkunden zum Aufenthalt der Nürnberger Patrizierin Katharina Lemlin im Birgittenkloster Maria Mai (Maihingen). -In: "Literarische Leben", Rollenentwürfe in der Literatur des Hoch- und Spätmittelalters. Hrsg. Matthias Meyer und Hans-Jochen Schiewer, Tübingen 2002, S.465-506. ISBN 3-484-64021-9.
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1. Katerina Lemlin im Birgittenorden 1516-1532
(Aus dem Aufsatz von Hans-Dietrich Lemmel: Die Nürnberger Lemmel in der Oberpfalz, Genealogisches Jahrbuch 2008)

Im Jahre 1516 trat die reiche Nürnberger Bürgerswitwe Katerina Lemlin geborene Imhof in den Birgittenorden ein, ging jedoch in das Gnadenberger Tochterkloster Maria Maihingen im Nördlinger Ries, wo sie am 28.4.1533 starb. Tore Nyberg berichtete über sie in seiner Geschichte der Birgittenklöster Bayerns [143].
    Katerina war die kinderlose Erbin von beträchtlichem Kapital aus den Handelshäusern der Nürnberger Lemlein und Imhof. Bei ihrer Heirat am 21.8.1484 brachte Michel Lemlein ein Heiratsgut von 1000 fl in die Ehe, während Katharina Imhof 800 fl einbrachte [145]. Beides wurde gewinnbringend in die Gesellschaft von Hans Imhof eingelegt. Hans Imhof, gestorben 1499 und "Hans IV." in der Imhof-Genealogie [146], war der Onkel von Katerina Imhof und der Schwiegersohn des Nürnberger Ratsherrn Hans Lemlein, der 1473 gestorben war.
    Die Nürnberger Verwandtschaft der Katerina Lemlein ist in Tafel 9 dargestellt.
    Die Familien Lemlein und Imhof waren durch zwei Heiraten verbunden. Katerinas Schwiegervater, der ältere Michel Lemlein, hatte erst im hohen Alter von über 60 Jahren geheiratet: um die entstehenden Generationsverschiebungen zu verdeutlichen, sind die Personen in Tafel 9 so eingetragen, dass die Höhe in der Tafel etwa dem Geburtsjahr entspricht. - Die Schreibweise "Katerina" ist übrigens die von ihr selbst verwendete. Ihr Familienname wurde meist in der femininen Form "Lemlin" angegeben.

  
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│                            Hans Lemlein, *?1360, †1428                             │
│                            Schöffe in Bamberg                                      │
│                        ∞1)?1380/1385    ∞2)?1390/1395                              │
│                           ... Tockler      Kath.Klieber                            │
│      ┌──────────────────────────┘             └─────────────────────────┐          │
│      │                                                                  │          │
Michel Lemlein                                                           │          │
│*?1385/90, †1456                        Conrad Imhof              Hans Lemlein      │
│1427 in Chemnitz,                       *?1390, †1449             *?1395, †1473     │
│ab 1442 Nürnberg,                       Nürnberg,                 1429 Bamberg,     │
│∞1451 mit                               Stiftungen                  1434 Ratsherr,  │
Katharina Hegner                              │                   ab 1440 Nürnberg, │
│      │                                       │                     ab 1447 Ratsherr│
│      │                                       │                     Bürgermeister   │
│      │                                 ┌─────┴────┐              ∞ mit Kath. Haller
│      │                                 │      Hans Imhof                │          │
│      │                           Paulus Imhof *1419,†1499            ┌──┴─────┐    │
│      │             Ursula  ∞1462 *1426,†1478  Handelsherr  ∞2)1460 Ursula   Caspar
│      │           Holzschuher     Nürnberg     Nürnberg,            Lemlein, Lemlein
│      │       sie ∞2)1481 └───┬─────────┘      1493 Stifter des     *?1435,  *?1435,│
│      │       Nicl.Tetzel     │                Sakramentshauses     †1494    †1510, │
│      │                       │                in St.Lorenz           │    Nürnberg,│
Michel Lemlein                │                    └───┬──────────────┘      Imhof- │
│*1452, †1513                  │                        │                  Teilhaber,│
│bis 1476 Nürnberg, ∞1484 Katerina Imhof           Hans Imhof               kinderlos│
│1476-1484 Bamberg,       *1466, †1533             *1461, †1522                      │
│ab 1484 Nürnberg,        ab 1516 Kloster          Bankier von                       │
│1493 Zeuge des           Maihingen,               Willibald Pirkheimer              │
│Auftrags für das         Stifterin                und Albrecht Dürer                │
│Sakramentshaus,                                        │                            │
│ kinderlos                                        Kath.Imhof  ∞1512 Christoph Fürer,│
│                                                  *1494, †1533      †1537 Gnadenberg│
└────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────┘
 Tafel 9: Die Verwandtschaft der Stifterin Katerina Lemlin geb. Imhof

    Über den Ursprung von Michel Lemleins Vermögen gibt es keine direkten Nachrichten. Da aber seine Mutter Katharina eine Tochter von Ulman Hegner dem Älteren war, dem bedeutenden oberpfälzer Eisenhändler, dürfte auch Michel Lemlein in diesem Bereich tätig gewesen sein. Als er 1513 im Alter von 60 Jahren starb, führte die nun 47-jährige Witwe Katerina die Geschäfte fort. Sie muss eine beachtliche Frau gewesen sein, die das ererbte Vermögen noch erheblich vermehrte.
    Ihr Vater Paulus Imhof war Teilhaber der Handelsgesellschaft der Imhof-Brüder gewesen [146]. Seine Witwe Ursula geborene Holzschuher, wieder verheiratet mit Niclas Tetzel, starb am 18.4.1504 und vererbte ihrer Tochter Katerina Lemlin ein gutes Vermögen, darunter unter anderem eine "Drahtmühle zu Ockersmul" [147] – ein Beispiel für die kommerziellen Aktivitäten der Katerina.
    Nach drei Jahren als Witwe trat sie 1516, 50-jährig, in den Birgitten-Orden ein und verwaltete als Nonne ihr Vermögen, von dem ein beträchtlicher Teil in den Orden eingebracht und zum Bau eines Flügels des Maihinger Klostergebäudes verwendet wurde [148]. Im Jahre 1517 erhielt sie dazu 3ooo Gulden ausbezahlt, die sie bei den Nürnberger Ratsherren Gebrüdern Peter, Conradt und Hans Im Hof und ihren Mitgesellschaftern in ihrem Handel zu Gewinn und Verlust angelegt hatte [148a]. 
    Von Katerina sind 62 Briefe erhalten, die einen Einblick in das materielle, kulturelle und theologische Leben des spätmittelalterlichen Birgittinnenklosters gewähren. Sie werden derzeit von Corine Schleif und Volker Schier aus dem Zentrum für mittelalterliche und Renaissance-Studien der Staatsuniversität von Arizona in ausführlichen Publikationen wissenschaftlich dargestellt [149]. Darin wird auch das "Imhof-Holzschuher" Epitaf abgehandelt, das in der
Nürnberger Sebaldkirche hängt. Es ist die Votivtafel nach dem Tod von Katerinas Mutter Ursula geb. Holzschuher: sie selbst ist mit ihrem Holzschuher-Wappen auf der rechten Bildseite dargestellt, links stehen ihre beiden Ehemänner Paulus Imhof und Niklas Tetzel mit ihren Wappen, und dazwischen sieht man Katerina Lemlin als mittelste in der Reihe der fünf Imhof-Töchter in ihrer Nonnentracht abgebildet, mit dem Imhof-Wappen und dem Lemmelschen Lamm-Wappen im Schilde [150].

      
Die Imhof-Holzschuher-Tafel in der Nürnberger Sebaldkirche.
Rechts die 1504 gestorbene Ursula geb. Holzschuher;
links ihre beiden Ehemänner Paulus Imhof und Niclas Tetzel;
 dazwischen die fünf Töchter Imhof. -
Katerina Lemlin im Ordenskleid (rechts vergrößert) ist die mittlere der fünf Töchter.


    Ebenfalls mit einer Katharina Imhof verheiratet war der Nürnberger Ratsherr Christoph Fürer, der 1537 in Gnadenberg beigesetzt wurde. Seine Tante Barbara Fürer war von 1489 bis zu ihrem Tod 1509 Äbtissin von Gnadenberg gewesen. Aus dem Briefwechsel der Maihinger Schwester Katerina Lemlin mit ihrem Oheim Hans Imhof und ihrem Verwandten Christoph Fürer sind verschiedene Geldangelegenheiten der Katerina ersichtlich [151]. So überwies Katerina 500 fl an ihre leibliche Schwester Magdalena Imhof, Priorin des Klosters Pillenreuth, und dieses Geld wurde von Hans Imhof beim Nürnberger Rat nutzbringend angelegt [152].
    Dieser "Oheim" Hans Imhof war ihr sechs Jahre älterer Vetter, gestorben 1522 und "Hans V." im Imhof-Stammbaum, Handelsherr und Bankier des Humanisten Willibald Pirkheimer und von Albrecht Dürer.
     Im Verlauf der Reformation und des Bauernkriegs 1525 musste Katerina Lemlin aus Maihingen nach Öttingen flüchten, wo sie sich mit ihren Schwestern der Armen und Kranken annahm. Aus dieser Zeit ist ein Brief von Christoph Fürer an die Klosterfrau Lemlin erhalten, in dem es "wider das unchristlich Closterleben auch wider den Mißbrauch zum Papstthum und wider den Lutherischen Mißglauben" geht [153]. Er prangerte also die Missstände in beiden Konfessionen an.
    Nach Katerinas Tod berichtete die Maihinger Priorin: "Schwester Katharina Lemlin von Nürnberg kam nach dem Tode ihres Mannes zu uns, brachte mit ihr Hab und Gut, bauet von Grund auf das Zwerchhaus, gab daran 1000 Gulden nach Notdurft zu bauen, legt ihr Gut dem armen Konvent treulich an in Ewigkeit aufzuheben." Es folgte eine langatmige Schilderung ihrer letzten Lebensjahre und ihrer tödlichen Krankheit. Sie starb am 28.4.1533 im Alter von 67 Jahren und war 17 Jahre im Orden gewesen [154].

 
Die Klosteranlage Maihingen: der Franziskaner-Bau des 17. Jahrhunderts. -
Vom Birgittinnen-Bau, für den Katerina Lemlin ein "Querhaus" finanzierte,  ist nichts mehr zu sehen.

    Das hier erwähnte "Zwerchhaus", dessen Bau von Katerina Lemlin finanziert wurde, ist ein "Querhaus" mit Gewölben, aber es ist nicht eindeutig, welcher Flügel der Klosteranlage damit gemeint ist. Vieles wurde 1525 im Bauernkrieg wieder zerstört, und Katerina half "mit den geringen ihr gebliebenen Mitteln mit an der Aufrichtung ihres alten Klosters". So gering waren die ihr gebliebenen Mittel freilich nicht; nur konnte sie über ihr Vermögen, das bei der Stadt Nürnberg und bei der Imhof-Gesellschaft fest angelegt war, nicht ohne weiteres verfügen.
    Von der birgittinischen Klosteranlage blieb nichts übrig, nachdem die Franziskaner das Kloster Maihingen übernahmen und in barockem Stil neu errichteten [155].

143    Tore Nyberg: Dokumente und Untersuchungen zur Inneren Geschichte der drei Birgittenklöster Bayerns 1420-1570; in: Quellen und Erörterungen zur Bayr. Geschichte Band NF 26, München 1972/1974, Teil 1 Seite 417, Teil 2 Seiten 229, 238, 258, 260f.
145    Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Imhof-Archiv Fasc.26 (Lemlein-Archiv), Urk.Nr. 32b, Versicherungsbrief 1485. - Vergl. Herbert E. Lemmel, "Herkunft" Seiten 150f. Hier sind freilich einige verwandtschaftliche Zusammenhänge nicht richtig dargestellt.
146    Christoph Frhr.v. Imhoff: Die Imhoff – Handelsherren und Kunstliebhaber; in: MVGN Band 62, 1975, Seiten 1-42, hier Stammtafel und Seite 23.
147    Salbuch des Elisabeth-Spitals zu Nürnberg von 1398 mit Nachträgen bis 1469.
148    Georg Grupp: Maihinger Brigitterinnen aus Nürnberg; in: MVGN Band 13, Nürnberg 1899, Seiten 79ff. - Johann Kamann: Der Nürnberger Patrizier Christoph Fürer der Ältere und seine Denkwürdigkeiten; in: MVGN Band 28, Nürnberg 1928, Seiten 226 und 237.
148a  Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Imhof-Archiv Fasc.27 Nr.4b.
149    Corine Schleif und Volker Schier: Katerina Lemmels Briefe als Spiegel Nürnberger Privatfrömmigkeit; in: F.M. Kammel (Herausgeber): Ergebnisse der Ausstellung "Spiegel der Seligkeit", Nürnberg 2003, Seiten 109-112. - Corine Schleif und Volker Schier: Katerina's Windows; Donation and Devotion, Art and Music, as heard and seen in the writings of a Brigitte nun; University of Chicago Press, zur Veröffentlichung 2007. - Weitere Veröffentlichungen sind unter "Katerina Lemmel" (in dieser Schreibweise!) im Internet zu finden.
150    Fotografien des Imhof-Holzschuher-Epitafs von Corine Schleif und Volker Schier, Arizona State University, im Internet. - Zeichnungen von H.D.Lemmel.
151    Johann Kamann: Der Nürnberger Patrizier Christoph Fürer der Ältere und seine Denkwürdigkeiten; in: MVGN Band 28, Nürnberg 1928, Seiten 226, 237.
152    Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Imhof-Archiv Fasc.25, Urk. Nr. 17, 18.
153    Georg Wolfgang Karl Lochner: Aus dem Leben Christoff Fürers des Älteren; in: Geschichtliche Studien Teil 3, Nürnberg 1836.
154    Georg Grupp: Maihinger Brigitterinnen aus Nürnberg; in: MVGN Band 13, Nürnberg 1899, Seiten 79ff. - Und Tore Nyberg, wie oben.
155    Die Klosteranlage Maihingen aus der Vogelschau. Retuschiert von H.D.Lemmel nach einer Bleistiftzeichnung der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, Fürstliche Bibliothek Harburg, gedruckt in: Sandra Frauenknecht, Kloster Gnadenberg, 2004, Seite 168.


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2. Internet: Augsburger Allgemeine/Rieser Nachrichten (Nördlingen) 11.10.2009

Von der erfolgreichen Geschäftsfrau zur Nonne in Maihingen

Arizona/Maihingen (RN) - Nach jahrhundertelanger Forschung in den Geisteswissenschaften scheint es kaum möglich, dass in den Archiven unbekannte historische Persönlichkeiten schlummern, die es noch wert sind, entdeckt zu werden. In der Tat ergeben sich jedoch nach wie vor wichtige archivalische Funde, die die Frage aufwerfen, welche verborgenen Schätze nach wie vor gefunden werden müssen.

Im Jahr 1998 stießen Corine Schleif und Volker Schier - beide an der Arizona State University tätig - im Archiv der Nürnberger Familie Imhoff, das im Archiv des Germanischen Nationalmuseums deponiert ist, auf eine Sammlung von Briefen aus dem frühen 16. Jahrhundert, die in der Forschung größtenteils nicht bekannt war.

Geschrieben wurden sie von Katerina Lemmel, die als Nonne im Birgittenkloster in Maihingen lebte. Die Briefe gingen an ihren Cousin Hans V. Imhoff in Nürnberg. Er war Geschäftsführer der Imhoff Handelsgesellschaft, Mitglied im Kleinen Rat Nürnbergs und einer der einflussreichsten Männer der Reichsstadt. Nach mehrjährigen Forschungen ist nun eine ausführliche Monografie von Schleif und Schier über die Person und die Korrespondenz der Katerina Lemmel erschienen. Die Kunsthistorikerin und der Musikwissenschaftler konnten das ereignisreiche Leben der Nürnberger Patrizierin durch eine Vielzahl von Quellen in Archiven und Bibliotheken in mehreren Ländern Europas detailliert nachzeichnen. Zum ersten Mal sind alle Briefe Katerina Lemmels zugänglich und ausführlich kommentiert.

Internationaler Gewürzhandel

Geboren wurde Katerina Lemmel im Jahr 1466 in Nürnberg als Tochter des Teilhabers und Vorstandsmitglieds der Imhoff Handelsgesellschaft, Paulus Imhoff, und seiner Frau Ursula geb. Holzschuher. Die Familiengesellschaft war zu einer der führenden internationalen Handelsgesellschaften aufgestiegen und war besonders im Gewürzhandel sehr erfolgreich aktiv. Katerina heiratete mit 18 Jahren Michel Lemmel, Spross einer aufstrebenden Bamberger Handelsfamilie, die sich besonders im Handel mit Metallen einen Namen gemacht hatte und Wirtschaftsbeziehungen vom Erzgebirge bis nach Ungarn unterhielt. Katerina betätigte sich sehr erfolgreich als Geschäftsfrau.

Einzige Alternative

Das vermutlich glückliche Leben der Familie fand ein abruptes Ende im Jahr 1513, als Michel verstarb. Die Zwänge der ständischen Gesellschaft Nürnbergs machten eine Neuorientierung für Katerina Lemmel notwendig.

Eine baldige neue Heirat war für verwitwete Patrizierinnen der Zeit die soziale Norm. Fast die einzige Alternative war der Eintritt in einen Orden. Im Jahr 1516 gelobte die mittlerweile 50-jährige Katerina Lemmel, ihr restliches Leben nach der Regel des Ordo Sanctissimi Salvatoris, des Birgittenordens, im Kloster in Maihingen im Ries zu führen. Sie hatte sich offensichtlich sehr bewusst für diesen relativ neuen, aber damals populären Orden entschieden, der im 14. Jahrhundert in Schweden gegründet worden war. Auf der Grundlage der Offenbarungen der heiligen Birgitta übernahmen die Ordensfrauen, repräsentiert durch die Äbtissin, die alleinige wirtschaftliche Kontrolle über das Kloster. Katerina Lemmel konnte somit nicht nur ihren umfangreichen Besitz einbringen, sondern auch ihre wirtschaftlichen Kenntnisse direkt zum Wohl des Klosters nutzen.

Unmittelbar nach ihrem Eintritt in das Kloster begann Katerina damit, Briefe an ihren Cousin zu schreiben. Bis zu dessen Tod im Jahr 1522 schrieb sie mindestens 58 Briefe, die alle im Imhoff-Archiv erhalten sind und einen tiefen Einblick in das klösterliche Leben, in die Finanzierung eines Klosters, in das reziproke System der spätmittelalterlichen spirituellen Ökonomie, aber auch in familiäre Details der Imhoffs in Nürnberg zulassen. Ein Großteil von Katerina Lemmels Vermögen wurde für den Neubau eines Teils des Klosters in Maihingen verwendet.

Sie entwickelte ein Programm für die Stiftung von Glasfenstern für den neu gebauten Kreuzgang in Maihingen. Der Glasfensterzyklus wurde von Familienmitgliedern im Gegenzug für das ewige Gedächtnis und die Fürsprache der Nonnen finanziert. Zwar wurde die Stiftung im Jahr 1520 realisiert, doch die Nonnen konnten sich nicht lange daran erfreuen. Die Glasfenster wurden im Bauernkrieg von 1525 zerstört. Das Buch enthält aus der Originalquelle erschlossene Schilderungen der Maihinger Nonnen über den Aufstand der Bauernschaft und den Sturm der Rebellen auf das Kloster.

„Bild der Nonnen in zentralen Teilen muss revidiert werden“

„Die Briefe Katerina Lemmels erlauben bis jetzt nicht bekannte Einblicke in das klösterliche Leben am Vorabend der Reformation. Durch diese ‘Fenster’ zurück in die Vergangenheit wird jedoch deutlich, dass das sowohl im populären wie auch im wissenschaftlichen Bereich gezeichnete Bild mittelalterlicher Nonnen (zumindest in zentralen Teilen) revidiert werden muss“, schildern die Autoren: „Die Nonnen kümmerten sich aktiv um ihre eigenen wirtschaftlichen Belange und nutzten die Möglichkeiten, die ihnen das klösterliche Umfeld bot, weitestgehend aus, um eine finanzielle Grundlage für ihr Leben zu schaffen. Auch initiierten und planten sie den Erwerb hochwertiger Kunstgegenstände und sorgten für deren Finanzierung“.

Über das Buch: Corine Schleif und Volker Schier: Katerina’s Windows. - Penn State University Press, 2009, 623 Seiten, 231 Abbildungen. Das Buch ist über viele deutsche Versandbuchhändler für 70 bis 110 Euro erhältlich. Da es nicht der Preisbindung unterliegt, lohnt sich ein Preisvergleich.
 
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3. (Sabine Göb in der Nürnberger Zeitung vom 28.10.2009):



                           

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