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zu den Erinnerungen seiner Frau Helene geb. Symanski
zu seinem Schwiegervater Johannes Symanski (und die Mal-Talente in der Familie)

Martin Sembritzki   1901-1913 Stadtrat in Königsberg/Pr.
                                          1913-1921 Stadtsyndicus in Charlottenburg
                                           1921- 1933 Bezirksbürgermeister von Berlin-Steglitz
                         geboren 24.8.1872 in Königsberg/Pr., gestorben 1.8.1934 in Berlin

 "Der Lichterfelder" 19.Jg. Nr.74, Berlin 1992. Verlag Heimatverein Bot. Garten, Berlin.



Stadtteilzeitung Steglitz-Zehlendorf Nr.146 2011 Seite 2 .
Aufsatz von Wolfgang Schönebeck. (Der Druck hat einen Umlaut-Defekt)




Martin Sembritzki
sein Lebenslauf, zusammengestellt von Hans-Dietrich Lemmel

Die Familie Sembritzki gehört zu den masurischen Ureinwohnern. Der Stammvater Martin Sembriczky lebte um 1560 in der Gegend von Treuburg/Oletzko. 
Unterschrift Martin Sembriczky 1570

Der Name dürfte vom Ort Zambrzyce herzuleiten sein, der dicht bei Treuburg auf der polnischen Seite der Grenze liegt und dessen Name wiederum auf den Pruzzenstamm der Samben zurückzuführen ist. Um 1800 gab es mehrere Kaufleute Sembritzki aus Masuren in Königsberg.

Martin Rudolf Sembritzki wurde am 24. August 1872 in Königsberg geboren und in der deutsch reformierten Burgkirche getauft. Sein Vater war der Schiffbau-Ingenieur Rudolf Sembritzki, der in der Hinteren Vorstadt südlich des Pregels wohnte. Seine Mutter war Louise Krieger, Tochter eines Bäckermeisters, der in Pillau die hinaus fahrenden Schiffe mit Schiffs-Zwieback versorgte.


Königsberg, Hintere Vorstadt 8. Hier verbrachte Martin Sembritzki seine Jugend.

Er besuchte das Kneiphof-Gymnasium auf der Königsberger Dom-Insel und studierte dann Rechts- und Staatswissenschaften an der Königsberger Universität. 1894 ist er als Referendar unter den Teilnehmern des 350sten Universitätsjubiläums verzeichnet.

Martin Sembritzki als Student um 1893.

Er wurde dann bis 1900 Assessor und Richter am Landgericht Königsberg. 1899 verlobte er sich mit der Königsberger Juristen-Tochter Helene Symanski.

Martin Sembritzki und Helene Symanski 1899 als Verlobte

Ein Jahr später erfolgte die Heirat. Die standesamtliche Heiratsurkunde am 29.6.1900 lautet:

Es heiraten: der Gerichts-Assessor Martin Rudolf Sembritzki, ev., * 24.8.1872 in Königsberg, wohnhaft in Königsberg, Hintere Vorstadt 8, Sohn des Oberingenieur Rudolf Hermann und Luise Amalie geborenen Krieger-Sembritzki'schen Eheleute wohnhaft in Königsberg; und die Clara Elisabeth Helene Symanski, ohne Beruf, ev., geboren am 23.2.1878 in Königsberg, wohnhaft in Königsberg, Kopernikusstr. 9, Tochter der Landgerichtsrath Johannes und Ottilie geborenen Krebs-Symanski'schen Eheleute wohnhaft in Königsberg. Als Zeugen sind erschienen: der Landgerichtsrath Johannes Symanski, 67 Jahre alt, wohnhaft in Königsberg, Copernikusstraße 9; der Oberingenieur Rudolf Sembritzki, 64 Jahre alt, wohnhaft in Königsberg, Hintere Vorstadt 8.

Im Jahre 1901 wurde er Stadtrat in Königsberg. Zu seinem Aufgabenbereich gehörten die damals stattfindenden Eingemeindungen einiger Vororte sowie der Aus- und Umbau der Eisenbahn- und Hafenanlagen. 1904 ist der Stadtrat Sembritzki einer der führenden Mitglieder des Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs in Ostpreußen.

Um 1900 wurde "auf den Hufen" der westliche Vorort Amalienau entwickelt. Hier baute sich Martin Sembritzki ein Haus, Hufenallee 2, nicht weit von der Luisenkirche.
 
Das Haus Sembritzki in Königsberg, Hammerweg 2, fertiggestellt wohl 1901.

Das Haus ist womöglich noch heute erhalten, aber nicht zugänglich, denn durch einen veränderten Verlauf der Hufenallee wurde eine Reihe großer Häuserblocks davorgesetzt. Hier wurden zwischen 1902 und 1907 die drei Kinder geboren, Eva, Vera und Arnold.

Die Familie Sembritzki um 1912 im Garten des Hauses Hammerweg 2.

Mutter Helene war eine talentierte Malerin und porträtierte die ganze Familie.

 
Gemälde von Helene Sembritzki geb. Symanski, in Königsberg etwa um 1910.
Selbstporträt (Öl), Martin Sembritzki (Öl), die Kinder Eva und Vera (Pastell) und Arnold (Öl).

Die Freude an Haus und Garten in Königsberg endete 1913, als Martin Sembritzki zum Stadtsyndikus der damals noch selbständigen Stadt Charlottenburg bei Berlin berufen wurde, wo er Leiter des Dezernats für Wohnwesen wurde. Im Jahre 1920 wurden Charlottenburg und andere Gemeinden nach Berlin eingemeindet und bildeten den Bezirk Steglitz. Am 2.3.1921 wurde Martin Sembritzki zum Bürgermeister des neuen Stadtbezirkes gewählt, und am 1.4.1921 trat er sein Amt an, mit der schwierigen Aufgabe, die bisher selbständigen Gemeinden zusammenzuführen. Es wird berichtet, dass er von nie ermüdender Schaffenskraft war, und dass der Bezirk Steglitz damals der bestgeleitete Bezirk Berlins war.
Er war Experte für Baufragen und Siedlungswesen, und sein Rat wurde in der Berliner Zentralverwaltung und im Deutschen Städtetag geachtet. Unter seiner Leitung und Initiative entstanden
> der Steglitzer Stadtpark und Grünanlagen an Teltowkanal und Bäkepark,
> die Otto-Lilienthal-Gedächtnisstätte in Lichterfelde, die Krieger-Gedächtnisstätte im Lankwitzer Gemeindepark,
> Wohnhäuser, so das Laubenhaus in der Neuchateller Straße, ein Rentnerheim in der Rückertstraße, ein Jugendhaus in der Paulsenstraße,

> der Titania-Palast in der Schloss-Straße,
> die neue Feuerwache in der Südendstraße,
> das Lichterfelder Stadion, das 1929 eröffnet wurde...
Er interessierte sich für das kulturelle Leben in seinem Bezirk. Man sah ihn beim Lichterfelder Musikverein, bei der Volksbühne Lichterfelde-Dahlem, im Schloßparktheater, sowie
bei den örtlichen Vereinsveranstaltungen.

Martin Sembritzki um 1930

Die politischen und wirtschaftlichen Umstände waren in seiner Amtszeit äußerst schwierig. Als er nach Berlin kam, war er vermutlich parteilos. Er gehörte dann zur Deutschen Volkspartei (DVP) unter Stresemann, die zwischen rechts und links und antisemitisch wohl die einzige ideologie-freie Partei war, die aber 1933 nur noch 1 Prozent der Stimmen bekam und sich daraufhin auflöste. 1933 musste Martin Sembritzki krankheitshalber von seinem Amt zurücktreten. Mit den Nationalsozialisten, die nun an die Macht kamen, wäre er unweigerlich in Konflikt geraten. Am 1. August 1934 starb er in seiner Wohnung in Lichterfelde, Hindenburgdamm 10, nach längerer Krankheit. Er
bekam ein städtisches Ehrengrab auf dem Lichterfelder Parkfriedhof. Am 11.7.1957 wurde der im Bezirk Steglitz liegende Teil des Priesterweges in "Sembritzkistraße" umbenannt.
 
Das Ehrengrab von Martin Sembritzki
    

zu den Erinnerungen seiner Frau Helene geb. Symanski

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