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Johannes
Symanski, Landgerichtsrat in Königsberg, *1832
Käte Symanski geb. Bartsch 1956 in Hildesheim
Frau Käte Symanski, Schwiegertochter von
Johannes Symanski, besuchte 1955 ihren Neffen Dr.Gerhard Lemmel in
Bremervörde, der sie nach ihren Erinnerungen befragte, das Erzählte
mitstenografierte und dann mit der Schreibmaschine niederschrieb. Diesen
Text ergänzte ich mit den aus anderen Quellen bekannten Fakten
sowie mit Fotos, die zumeist von Käte Symanski stammen.
Siehe auch einige Briefe von Johannes Symanski.
Helene Sembritzki, die jüngste Tochter von Johannes Symanski, hat selbst Erinnerungen geschrieben, die den vorliegenden Bericht ergänzen.
Hans-Dietrich Lemmel, 2013
Johannes Symanski, Landgerichtsrat in Königsberg. Seine
Unterschrift 1899.
Laufbahn.
Johannes Symanski,
geboren am 21.12.1832 in Königsberg.
Jura-Studium in Königsberg. 1851 Gründungsmitglied des
Corps Baltia.
Appellationsgerichts-Auskultator in Königsberg. 1856
zum Appellationsgerichts-Referendar ernannt. Dann
Tribunal-Referendar. 1860 zum Gerichts-Assessor
ernannt. 1863 zum königlichen Kreisrichter in
Barten Kreis Rastenburg ernannt. Landwehrleutnant. In Barten
1863 Heirat mit Ottilie Krebs.1868 an das Stadtgericht
Königsberg versetzt, Stadtgerichtsrat. 1870/1871 als Hauptmann
der Landwehr im Elsass eingesetzt. 1900 Landgerichtsrat in
Königsberg. 1913 Pensionierung, Landschaftsmaler. Gestorben
am 29.4.1917 in Königsberg.
Lebenslauf.
In Königsberg lebte auf dem Steindamm, Rechte Straße
110, der Justizrat Carl Wilhelm Symanski, der 1826 die Friederike Rinck
geheiratet hatte, Tochter des Theologen und Kant-Schülers
Theodor Rinck.
Als drittes von vier Kindern wurde am
21.12.1832 der Sohn Johannes geboren, der in der Tragheimer
Kirche getauft wurde. Als Johannes acht Jahre alt war, starb der
Vater, erst 49 Jahre alt. Die
Trauerfeier erfolgte im Dom, wo er 1791 auch getauft worden war. Er hatte ein künstlerisches Talent
gehabt, zwei Porträt-Zeichnungen seiner Söhne sind erhalten. Er muss sie 1840 kurz vor seinem Tod gezeichnet haben.
1
2
3
1. Die drei
Söhne Symanski, von rechts nach links Carl
Theodor
*1828, Johannes *1832, Friedrich Adalbert *1835.
(Ein vierter Sohn
starb einjährig. Von der 1827 geborenen Marie ist kein Bild
erhalten.)
2. Rückseitige Beschriftung der Zeichnung. - 3. Carl Theodor.
Die Witwe heiratete kein zweites Mal und
führte nun den Haushalt mit vier Kindern allein. Die älteste
Tochter,
Marie, die erst 13 Jahre alt war, ging ihr zur Hand und führte
dann der Mutter den Haushalt, bis die Mutter1879 als 80-Jährige starb.
Johannes besuchte das Altstädtische Gymnasium, bestand dort 1851
das Abitur und begann das Jura-Studium an der Königsberger
Universität. Das war noch die alte
Albertina neben dem Dom, von der sich im Besitz von Carl Wilhelm
Symanski eine Lithografie aus der Zeit um 1830 befand. (Erst 1862 wurde
die Neue Universität am Paradeplatz eröffnet.)
Die alte Albertina am Dom (rechts die Rückseite des Domes)
Sein Schul- und Studien-Kamerad war Carl Ernst
Rudolf Zimmer (später Rittergutsbesitzer auf Nausseden bei
Zinten), mit dem zusammen er beitrug, im Jahre 1851 das studentische
Corps Baltia zu gründen. Nach Abschluss des Studiums wurde er
1856 in Königsberg Gerichts-Referendar und 1860 Assessor.
Seine Schwiegetochter Käte berichtete: Er war ein vielseitig interessierter junger Mann. Er
hat geritten, war schöngeistig und literarisch interessiert,
spielte Klavier, und soll ein weniger bekanntes Werk von Byron
ins Deutsche übersetzt haben. Besonders interessierte er sich
für den 1768 in Königsberg geborenen romantischen Dichter und
Dramatiker Zacharias Werner, der ein Freund von E.T.A. Hoffmann gewesen war.
Als Assessor kam er nach Barten
im Kreis Rastenburg. In Barten lebte der Arzt Dr.Albin Rumbaum,
über den die folgende Geschichte zu erzählen ist. In Breslau
lebte um 1840 der Steueraufseher (also Finanzbeamte) August Krebs. Der hatte eine zehn Jahre jüngere hübsche Ehefrau, Ottilie geborene Wagner,
die aber etwas vergnügungssüchtig war, oft tanzen ging und
eine Anziehungskraft auf Männer hatte, unter anderen auf einen
Medizin-Studenten namens Albin Rumbaum. Das passte dem Ehemann
natürlich nicht, und einmal sei er furchtbar wütend geworden
und habe ihre gesamten Kleider verbrannt, damit sie nicht mehr ausgehen
konnte. Aber schon 1844 starb August Krebs und hinterließ die
25-jährige Witwe Ottilie mit der 8-jährigen Tochter, die auch
Ottilie hieß. Albin Rumbaum, der inzwischen in Barten in
Ostpreußen eine Arztpraxis betrieb, ließ die Witwe Ottilie Krebs mit
ihrer Tochter Ottilie nach Barten kommen, wo er sie 1853 heiratete.
Als der junge Gerichts-Assessor Johannes Symanski nach Barten kam, wurde er zum Musizieren in das Haus des Arztes Dr.
Albin Rumbaum eingeladen, wo er dessen Stieftochter Ottilie Krebs kennen
lernte. Sie hatte eine schöne Stimme und sang, und er
begleitete sie am Klavier. Am 10.7.1863 heiratete er sie. Etwa
gleichzeitig wurde er zum Königlichen Kreisrichter in Barten ernannt. Im
Heiratseintrag ist er mit dem Rang eines Landwehrleutnants verzeichnet.
Er muss also zuvor einen Militärdienst abgeleistet
haben.
Ottilies Stiefvater Dr. Rumbaum hatte ein Auge auf
seine Stieftochter geworfen. Das sei sehr unangenehm gewesen, und Ottilie habe sich
erst mit 27 Jahren, was für damalige Verhältnisse
ziemlich spät war, mit Johannes Symanski
verlobt. Noch Jahre später beklagte sich Ottilie über
ihren Stiefvater, der sich in unangenehmer Weise für das heranwachsende Mädchen interessiert habe.
In Barten bekamen Johannes und Ottilie zwei Kinder: Walter und
Hildegard. Das Leben in Barten war billig. Eine "Mandel" Eier (das sind
15 oder 16 Stück) kostete 30 Pfennig, und ein junges Hähnchen
kostete im Sommer auch nur 30 Pfennig. Johannes Symanski erhielt ein
Monatsgehalt von 180 Mark, und davon konnte das junge Ehepaar monatlich
60 Mark zurücklegen. Unter den Freunden in Barten war ein Graf Egloffstein, der auch Pate des Sohnes Walter war. Als Patengeschenk erhielt er einen schönen silbernen Becher.

Stadtplan von Königsberg um 1910. Die wichtigsten Symanski-Stätten:
D = Dom, mit Alter Universität
HiTr = Hintertragheim
K = Königstor
KhStr = Kalthöfische Straße
Kop = Kopernikusstraße
Lo = Lobeckstraße
OL = Bankhaus "Ostpreußische Landschaft"
StBr = Schlosssteich-Brücke
StdR = Steindamm Rechte Straße
Tr = Tragheimer Kirche
U = Neue Universität, 1862 eröffnet
Anfang 1868 wurde Johannes an das Königsberger Stadtgericht
versetzt. Die Familie wohnte zunächst in der Nähe des
Königstores, dann in der Lobeckstraße, wo eine Freundschaft
mit der Familie Fabianbegann,
die im Nebenhaus wohnte. (Noch um 1940 besuchte die Tochter Helene mit
Kindern und Enkeln ihre Freundin Lise Fabian in ihrem Sommerhaus in
Rauschen.) Hier in der Lobeckstraße wurden zwei weitere Kinder
geboren, Margarete und Johannes. Die Großmutter Ottilie
Rumbaum war als Witwe ebenfalls von Barten nach Königsberg
umgezogen. Sie hatte eine Wohnung auf den damals erst wenig bebauten
Hufen, wo die Enkel sie oft besuchten. Der Enkel Walter habe hier
einmal einen ganzen Sommer zugebracht.
Zum Krieg 1870 gegen Frankreich wurde Johannes zum Militär eingezogen, nunmehr als Hauptmann
der Landwehr. Derweil fuhr Ottilie mit den vier kleinen Kindern, das
jüngste erst 1/4 Jahr alt, mit der Eisenbahn nach Berlin. Die
Reise war in großer Hitze sehr beschwerlich.
Johannes kam als Reserveoffizier nach Ensisheim im Elsass. Dort soll
der Krieg sehr geruhsam gewesen sein. Er sei nicht einmal in einer
Schlacht gewesen und habe nur einmal in der Ferne Kanonendonner
gehört. Dafür erhielt er den Roten Adlerorden dritter Klasse. Nach Kriegsende 1871 ließ er seine Frau ins
Elsass kommen. Sie reisten dann nach Düsseldorf, wo Ottilies Onkel namens Julius Wagner lebte. Von dort wurde
ein Ausflug nach Bonn und auf den Drachenfels unternommen. Von diesem
Ausflug existierte eine Daguerrotypie von den beiden auf einem Esel
reitend.
Ein Foto zeigt Ottilie mit dem ältesten Sohn Walter.
Später
sagte Johannes zu den Töchtern: "So hübsch wie eure Mutter
war, ist
keine von euch."
1873 und 1875 wurden zwei weitere Söhne, Erich und Kurt, in
Königsberg geboren. 1876 starb der Studienfreund Carl Ernst Rudolf
Zimmer auf seinem Rittergut
Nausseden bei Zinten und hinterließ
drei Kinder, Anna, Ernst und Adelheid, 17 bis 12 Jahre alt, die nun von
der Familie Symanski in Königsberg aufgenommen wurden. Und dort
wurde 1878 noch als 7. Kind die Tochter Helene geboren, aber
gleichzeitig starb der jüngste Sohn, Kurt. Nun gab es neun Kinder
zu versorgen. Es musste also sparsam gewirtschaftet werden, und
Johannes musste
recht streng zu seinen Kindern sein, wie diese später
berichteten. 1881 oder 1882 begann der älteste Sohn Walter
sein Medizin-Studium an der Königsberger Universität. In
dieser Zeit (spätestens seit 1878) wohnte die Familie im Norden
Königsbergs, Hintertragheim 84, unweit der Neuen Universität, wo
1894 "Joh. Symanski, Landger.-Rath in
Königsberg" als Teilnehmer am 350.
Universitäts-Jubiläum verzeichnet ist. - In den 1880er Jahren
kam der Pflegesohn Ernst Zimmer, nunmehr Theologie-Student, zum
Musizieren ins Haus. Er spielte Geige und wurde von Johannes Symanski
am Klavier begleitet. Dabei verliebte er sich in die Symanski-Tochter
Hildegard, und 1888 heirateten sie. Ernst Zimmer wurde Pfarrer in
Memel, dann in Berlin.
Die Kinder
Symanski, um 1882.
Mitte: Walter
* 1864,
später Medizinalrat, verheiratet mit Käte Bartsch
2. von
rechts: Hildegard * 1866,
später verheiratet mit Pfarrer Ernst Zimmer
links:
Margarete * 1868,
später verheiratet mit dem Apotheker Dr.Robert Groppler
rechts:
Johannes * 1870,
später Kapitän, unverheiratet
links unten:
Erich * 1873,
bereits 1898 gestorben
(Kurt * 1875,
schon 1878
gestorben)
die kleinste:
Helene * 1878, später verheiratet mit Stadtrat Martin Sembritzki
Die Tochter Helene berichtete: Mein Vater
war ein kleiner, grazil gebauter Mann mit einem feinen Gelehrtenkopf.
Seine Haartracht war der damaligen Zeit gemäß nicht
kurz
gehalten hinten, sondern fiel bis auf den Kragen und war vorn
über
den schon gelichteten Scheitel quer herübergekämmt.
Er trug
eine Brille und das sehr kleine Gesicht wirkte
größer durch
einen nicht zu langen Vollbart.
Die Schwiegertochter Käte berichtete: Johannes Symanski
war ein kleiner zierlicher Mann mit einem schmalen Gesicht, etwas
krumm, die eine Schulter war durch das Aktenschreiben etwas
höher. Er
war außerordentlich "rechtlich". Wenn beim Spaziergang eines
der Großkinder ein Hufeisen fand, sagte er: Legt es wieder
hin, es gehört nicht euch. Oder als seine Frau einmal einen
Bindfaden suchte und einen Bindfaden nehmen wollte, mit dem ein
mitgebrachtes Aktenbündel verschnürt war, wurde das
abgelehnt: nein, der gehört dem Staat.
Johannes hatte einen jüngeren Bruder, Adalbert Symanski, der "ein
trauriges Kapitel" war. Er war Berufsoffizier, verlobt und wieder
entlobt, dann verheiratet und wieder geschieden, und als Oberleutnant
wurde er wegen Schulden vom Militär unehrenhaft entlassen. "Er hat dann
so herumgelebt" und wohnte immer wieder mal bei seinem Bruder Johannes,
der seine Schulden bezahlte. Er war das Kreuz von Johannes' Frau
Ottilie, die später erzählte, wie entsetzlich es gewesen sei. Er sei
öfter gekommen und habe dann monatelang bei ihnen gelebt. Alles, was
sie ersparten, mussten sie verwenden, um Adalberts Schulden zu
bezahlen. Sie hätten aufgeatmet, als er gestorben war.
Das war aber erst 1906.
Johannes Symanski mit seiner Frau Ottilie geb. Krebs
Seine Frau
Ottilie geb. Krebs war eine sehr liebenswürdige Frau mit gesellschaftlichem Talent. Es war immer
Besuch im Haus. Jeder Gast wurde mit offenen Armen empfangen, jeder
hatte das Gefühl, als ob man gerade auf ihn gewartet habe. Es
sei eine große Freude, dass gerade dieser Besuch gekommen
sei. Sie hatte viel Freude an der Geselligkeit mit anderen Menschen. Die
Kinder sagten, Papa sei ja zu bedauern, es sind ja immer Leute da, er
habe nie seine Ruhe. Aber auch dem Papa machte es Freude, er wurde von
älteren Damen verehrt und wurde immer "Herr Rat" genannt. Auch
das Dienstmädchen, die alte Marie, nannte ihn immer "Herr Rat".
Ein
befreundeter Nachbar, der Generalarzt Fabian erzählte
über Ottilie: So eine rührende
Frau! Mit seinem Freund Walter Symanski habe er in
einer Sofaecke ein Mäusenest anlegen dürfen. Sie
hätten damals weiße Mäuse
gezüchtet. Das war in der Lobeckstraße, wo die Symanskis und
Fabians benachbart waren. Später sind die Symanskis noch mehrmals
umgezogen. Etwa um 1885 wohnten sie vorübergehend in der
Kopernikus-Straße, dann längere Zeit (jedenfalls 1888) in der
Kalthöfischen Straße Nr.1/2. Um 1900 zogen sie in den neuen
westlichen Vorort Amalienau, in die Hufenallee. Die Hausnummer ist 1905
mit 16 angegeben, dann 1917 mit 70/2. Das muss jeweils die selbe
Wohnung sein, bei geändertem System der Hausnummern.
1905 ist Ottilie mit 69 Jahren an Darmkrebs gestorben, jedoch ohne
größeres Leiden nach nur einer Woche im Krankenhaus.
Sie wartete noch den 73. Geburtstag ihres Mannes am 21. Dezember ab, um
ihm keinen Kummer anzutun, und ist am 22. gestorben. Nach dem
Tode seiner Frau behielt er die Wohnung bei. Der Haushalt wurde weiter
vom Dienstmädchen, der alten Marie, betreut.
Ottilie Symanski geb.Krebs in Königsberg um 1902
- Johannes
Johannes Symanski
hat ein schweres Leben gehabt, dadurch dass der Haushalt mit den vielen
Kindern allerhand kostete und sein verschwenderischer Bruder Adalbert
immer wieder unterstützt werden musste. Dann brauchten die
Töchter eine Aussteuer, der älteste Sohn studierte, und der
Sohn Hans (Johannes) brauchte
Unterstützung bis er Marine-Offizier wurde, der dann aber wegen
einer Geisteskrankheit in einer Anstalt untergebracht werden musste.
(1940 wurde er von den Nazis als
"lebensunwert" getötet. Laut Medizinalrat Hans Symanski hatte er sich eine Geschlechtskrankheit zugezogen, die nicht
rechtzeitig behandelt worden war.) Johannes
bezog ein zusätzliches Gehalt als Syndikus der Bank und
Versicherung "Ostpreußische Landschaft". So hat er
stets viel gearbeitet und konnte sich keine Privatliebhabereien
leisten. Erst mit 70 Jahren hat er sich vom Dienst pensionieren
lassen. Erst dann konnte er sich seiner geliebten Malerei hingeben.
Johannes Symanski 1909 mit seiner Enkelin Hilde Groppler
Zur Illustration seiner Rüstigkeit ist von einer großen
Reise zu berichten, die Johannes Symanski mit 80 Jahren im Jahre
1913 ausführte. Er fuhr von Königsberg mit einem kleinen
Frachtdampfer über Pillau in die Ostsee, dann durch den
Kaiser-Wilhelm-Kanal in die Nordsee und nach Antwerpen. Dort in Belgien
sah er sich Städte und Museen an, unter anderen auch das
"Wiertz-Museum". Das sei ein Maler gewesen, etwa um 1830, der das
Grauen malte, hässliche Visionen, Kriegsbilder, Schmerz,
Schrecken, so auch Napoleon vor einem unübersehbaren Heer von
Menschen, die ihn verwünschen.
Antoine Wiertz: "Ein irdischer Gigant" [Internet]
Anschließend besichtigte er Paris und erzählte später
von hier frivole Witze - dass er von interessanten Damen angesprochen
worden sei; oder die Frage nach dem Unterschied zwischen einem
Diplomaten und einer Dame bezüglich der Antworten
ja/vielleicht/nein; oder die Frage nach einem Wort mit 4 Buchstaben,
das mit Po anfange, worauf er anschloss: Wie heißt die
Verlängerung des Rückens mit 4 Buchstaben - Antwort: Hals! er
habe ja nicht gesagt, dass dieses Wort mit Po anfangen solle.
Danach besichtigte er noch die Schlachtfelder um Metz. Von dort meldete
er sich zum Besuch bei seiner Schwiegertochter Käte in Gostyn bei
Posen an. Die arme Käte blieb dann aber lange ohne weitere
Nachricht und war in großer Sorge um den 80-Jährigen, bis
plötzlich ein Telegramm ihn für den nächsten Tag
anmeldete. Er erzählte dann, dass er in der Zwischenzeit noch in
Uchtspringe seinen in einer Anstalt lebenden Sohn Hans besucht habe.
Dann sei er in die Sächsische Schweiz gefahren, habe dort auf der
Bastei gut zu Mittag gegessen und ein Fläschchen des dort leicht
über die Grenze kommenden Ungarweins getrunken, und sei dann auf
einer Bank eingeschlafen, in der Brusttasche eine Brieftasche mit 500
Mark. Als er aufwachte, sei die Brieftasche noch vorhanden gewesen.
Darüber sei dann in dem Sinne gesprochen worden, dass Papa schon
ganz verkalkt sei, obwohl die große Reise ja gerade das Gegenteil
gezeigt habe.
In Gostyn habe er sich zehn Tage aufgehalten und Spaziergänge
gemacht. Dann musste zur Jahrhundertausstellung nach Breslau
gefahren werden, hin 2 3/4 Stunden, zurück 3 1/2 Stunden. Nach
Besichtigung der Stadt, der Kirchen, der Universität, des
Rathauses wurde Mittag gegessen und nachmittags die Ausstellung
besucht. Während die Schwiegertochter Käte schon sehr
überanstrengt gewesen sei, sei der 80-Jährige immer noch
frisch und interessiert gewesen. Erst gegen Mitternacht waren sie
wieder zurück in Gostyn. Am nächsten Vormittag gingen sie
drei Stunden im Wald spazieren, und abends lud Johannes Symanski sie im
Hotel Foytowicz zum Krebsessen ein, mit zwei Flaschen Wein. Am
nächsten Morgen sei der alte Herr nach Königsberg zurück
gereist.
In Königsberg hat er weiter gemalt. Die älteren Damen,
die sich dem Hause verbunden fühlten, seien sehr nett zu dem alten
Herrn gewesen. Die alte Maria versorgte den Haushalt. Dann kam der
Krieg. Er besuchte noch regelmäßig die Kneipen der "Balten".
Die Zeiten hatten sich aber seit der Gründung des Corps bis zum
Luxus der Vorkriegszeit geändert. Er habe dann den jungen
Studenten gute Ratschläge aus alter Zeit gegeben, aber es sei
fraglich, ob sich die Studenten darüber gefreut haben. Eines
Abends sei er von der Baltenkneipe in der Nähe der
Schlossteichbrücke nach seiner Wohnung auf den Hufen,
gegenüber Luisenwahl, zu Fuß nach Hause gegangen. Dabei habe
er einen leichten Schlaganfall bekommen, der sich am nächsten Tag
wiederholte. Da sei er tot gewesen. Er war eigentlich nie krank. Im
letzten Winter hatte er immer noch seine gesunden Zähne ohne
Füllungen gehabt und habe sich einmal beklagt, dass ihm zwei
gesunde Zähne ausgefallen seien. Er starb im Alter von 84
Jahren am 29.4.1917.
Der Künstler
Nach seiner Pensionierung fand er die Muße zum Malen, meist in
Aquarell aber auch in Öl. Er zog in die Landschaft hinaus mit
einem Skizzenblock (links mit Schwiegersohn Dr. Groppler) und malte zu
Hause.
.
Steilküste bei
Rauschen, 1907.
Weitere Bilder und Bilder seiner Nachkommen siehe Symanski-Galerie.
Die Vorfahren Symanski
Die Symanski-Vorfahren zeigen im 18. Jahrhundert einen bemerkenswerten sozialen Aufstieg.
Der Urururgroßvater von Johannes Symanski, dessen Vorname
unbekannt ist, saß um 1680 auf einem Bauernhof in Mierunsken, in
der südöstlichen Ecke von Masuren. Sein Vater dürfte
nach dem 30-jährigen Krieg aus dem polnischen Masowien
eingewandert sein. Der Sohn Jakob (* um 1685) und der Enkel Woytek
Symanski (* um 1720) lebten ebenfalls in Mierunsken, wo es mit
Brüdern und Vettern mehrere Symanski-Höfe gab. Der Sohn Jakob
Symanski, geboren 1754 in Mierunsken, ging nach Königsberg in die
Lehre bei einem Kaufmann. 1785 bekam er das Bürgerrecht in
Königsberg als ein Getreidekaufmann, der mit "Grannenwaren und mit
allen Produkten, die aus Polen kamen" handelte. 1786 heiratete er im
Königsberger Dom die Tochter des Kaufmanns Friedrich Pfeiler, der
aus Elbing nach Königsberg gekommen war, "auf den Handel mit Gold,
Silber, Seidenwaren und Kamelgarn".
1791 wurde der Sohn Carl Wilhelm geboren, der 1806, also mit 15 Jahren,
an der juristischen Fakultät der Königsberger
Universität eingeschrieben wurde.


Das erste Dokument ist die Aufnahme in die Universität, das zweite die Aufnahme in die juristische Fakultät.
1813 zog er als National-Kavallerist in den Freiheitskrieg gegen
Napoleon. In seiner juristischnen Laufbahn wurde er 1816 Assessor und
1826 Gerichtsrat. 1826 heiratete er in Königsberg Friederike
Rinck, Tochter des Theologie-Professors Theodor Rinck, der ein
Schüler und Freund des 1804 gestorbenen Immanuel Kant gewesen war.
Friederike Symanski geb. Rinck um 1875 mit Tochter Marie.
1832 wurde der Sohn Johannes Symanski geboren, siehe oben.
Ende
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