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Familienchronik Sembritzki

von Hans-Dietrich Lemmel, unveröffentlicht, 1985, seither ergänzt.

Die Sembritzki-Personendaten  aus diesem Internet-Eintrag (Stand Anfang 2008) wurden abgedruckt in: Altpreußische Geschlechterkunde, Familienarchiv Band 30, 2008, Seiten 9-10 und 39-150, Selbstverlag des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, jedoch ohne die grafischen Stammtafeln und ohne die folgenden Texte.


Inhalt:

A. Die ältesten Sembritzki-Urkunden 1526, 1570, 1664.

B. Wortlaut der Sembritzki-Urkunden von 1570 und 1664

C. Familienchronik Sembritzki

D. Adressbücher

E.  Der Sembritzki-Stamm vom Masergut


F.  Die Stammtafeln Sembritzki, siehe  Stammtafeln Sembritzki

Anhang:  Erinnerungen von Helene Sembritzki geb. Symanski


A. Die ältesten Sembritzki-Urkunden 1526, 1570, 1664.


Die Sembritzki's stammen aus Masuren, und zwar aus dem Norden des Kreises Lyck und dem angrenzenden Südwesten des Kreises Treuburg (=Oletzko), wo sie bereits um 1750 recht zahlreich sind, mit einzelnen Abwanderungen in die umliegenden Kreise Johannisburg, Lötzen und Angerburg. Die Sembritzki-Orte sind so sehr auf einem kleinen Gebiet konzentriert, dass man annehmen muss, dass alle Sembritzki-Stämme einen gemeinsamen Ursprung haben.




Neben der deutschen Schreibweise des Namens Sembritzki findet man gelegentlich auch die polnische Schreibweise: Zembrzycki. Die polnische Version wird fast genau so wie die deutsche ausgesprochen, nämlich 'Sembrzitzki', wobei rz wie ein stimmhaftes sch ausgesprochen wird (wie in Journal oder Etage). Weiter gibt es wechselnde Varianten in der Schreibweise, da man es mit der Rechtschreibung nicht so genau nahm.

Die älteste urkundliche Erwähnung des Namens stammt aus dem Jahre 1526, als Peter Schwarz in Rydzewen ein Waldstück verkauft, das vormals dem Stanislaw Szembrzitzky aus Masowien gehört hatte [1]. Der kleine Ort Rydzewen, der später in Schwarzberge umbenannt wurde, liegt im Süden des Amtes Treuburg (= Oletzko), auf halbem Weg zwischen Treuburg und Lyck. Stanislaw Szembrzitzky ist also vor geraumer Zeit, vielleicht schon um oder vor 1500, aus dem polnischen Herzogtum Masowien in das Ordensland gekommen, wo er vom Orden einen Besitz verschrieben bekam, zu dem auch das Waldstück gehört hatte, das 1526 verkauft wurde. Der in dieser Urkunde genannte Peter Schwarz war Burggraf von Stradaunen. Das war der Amtssitz, bevor das Schloss Oletzko gebaut wurde.

Die nächste bekannt gewordene Sembritzki-Urkunde [2] stammt aus dem Jahr 1570, als "Martin Sembriczky aus dem olieczischen gebitte", also aus dem Amt Oletzko (= Treuburg), eine Eingabe an das Kammeramt Oletzko macht, wegen eines Gutes von 4 Huben. Die Eingabe ist in deutscher Sprache, und Martin Sembriczky scheint sie selbst geschrieben zu haben.

 Unterschrift Martin Sembriczky 1570

Damals schrieb man im Deutschen statt des heutigen -tz- stets -cz-. Der Name erscheint also 1570 in deutscher Schreibweise. Martin Sembriczky, den man als Enkel des Stanislaw Szembrzitzky ansehen kann, ist offenbar inzwischen eingedeutscht.

In der Urkunde von 1570 wird erwähnt, dass Martin Sembriczky sieben Söhne hat, so dass es recht wahrscheinlich ist, dass er tatsächlich der Stammvater aller späteren Sembritzki's ist. Er beantragt, das Frey-Gut seines Schwiegervaters Jan Hesnick übernehmen zu dürfen, was wohl auch genehmigt wird, da fast alle späteren Sembritzki's Freye sind, das heißt freie Gutsbesitzer, die direkt dem preußischen Herzog in Königsberg unterstehen.

Leider wird nicht erwähnt, wo das Gut lag, das Martin Sembriczky von Jan Hesnick übernahm. Da die nächste Sembritzki-Urkunde ein Gut in Schikorren (= Wellheim) betrifft, kann man vermuten, dass das 1570 erwähnte Gut auch in oder um Schikorren lag. Zudem liegt Schikorren nur 7 km entfernt von Rydzewen, dem Sembritzki-Ort von 1526. - Die Gegend um Schikorren und Rydzewen liegt im Süden des damaligen Amtes Oletzko und kam erst 1818 an den Kreis Lyck. Diese Gegend liegt genau in der Mitte des Gebietes, in dem sich später die Sembritzki-Vorkommen häufen, und noch im 20. Jahrhundert gab es in Schikorren (= Wellheim) zwei Sembritzki-Höfe.

Die Schikorrener Sembritzki-Urkunde [3] stammt aus dem Jahre 1664. In diesem Jahr wird ein Peter Sembrisky auf einem Scharwerks-Freygut in Schikorren im Amt Oletzko genannt. Dieses Gut hat 2 Huben, wovon aber Peter Sembrisky 15 Morgen (das ist eine halbe Hube) an einen Lucas Wytt verkauft hat. Es ist angegeben, dass Peter sein Gut bereits von den Eltern geerbt hat. Demnach saß auf diesem Gut bereits um 1630 Peters Vater, und dessen Vater muss einer der sieben Söhne  des 1570 genannten Martin Sembriczky gewesen sein.

Im alten Preußen gab es kaum leibeigene Bauern (wie andernorts in Deutschland) sondern vorwiegend "Freye", die dem Herzog unterstanden, der durch einen Amtmann vertreten war. Die Rechte und Pflichten der Freyen waren in "Handfesten" niedergelegt, wobei man einige Abstufungen unterscheiden muss. Es gab Freye nach kulmischem Recht ("Köllmer") und Freye nach magdeburgischem Recht, zu denen auch die beiden Sembritzki's von 1570 und 1664 gehören. Die Sembritzki-Urkunde von 1664 ist ein Verzeichnis aller "Scharwerks-Freyen"; diese müssen an den herzoglichen Amtmann regelmäßig genau festgesetzte Naturalien als Steuer abführen, können aber auch zu Kriegsdienst und zu Scharwerks-Arbeiten, das sind Bauarbeiten an der Amtsburg und an Grenzbefestigungen, herangezogen werden.

Im Jahre 1664 ist Peter Sembrisky der einzige Sembritzki unter den Scharwerks-Freyen des Amtes Oletzko. Er dürfte daher der Ahnherr aller Sembritzki's im Kirchspiel Straudaunen sein, zu dem Schikorren (= Wellheim) gehört. Gleichzeitig mit Peter kann es aber weitere Sembritzki's gegeben haben, die köllmische Freye waren und daher in dem Verzeichnis der Scharwerks-Freyen nicht enthalten sind; von ihnen dürften die Köllmer Sembritzki abstammen, die später in der näheren Umgebung nachzuweisen sind.

Nur etwa 12 km nördlich von Schikorren und Rydzewen liegt das kleine Gut Masergut/Masergüttgen (= Klein-Wessolowen = Klein-Fronicken) im Amt Polommen, Kirchspiel Schwentainen, Kreis Oletzko. Auf diesem Gut sitzt um 1735 Piotr/Peter Zembrzicky/Sembritzki und wird Stammvater des größten Sembritzki-Zweiges. Er könnte ebenfalls ein Nachkomme des Peter Sembrisky im benachbarten Schikorren sein.

Die Sembritzki's gehören also zu den ältesten Familien Masurens.

Noch im 15. Jahrhundert war das südöstliche Ostpreußen eine Wildnis, die fast keine Einwohner hatte. Der Deutsche Orden kolonisierte das Land durch die Errichtung von Ordensburgen, Städten und Dörfern. Die Kolonisation der Wildnis erfolgte zunächst durch preußische Ureinwohner, aber auch durch eingewanderte Deutsche [4]. Der anfangs recht starke Zustrom von deutschen Bauern ließ aber nach, wohl weil in Deutschland der Bevölkerungs-Überschuss als Folge der seit 1348 auftretenden Pest versiegte. Andererseits gab es im südlich angrenzenden polnischen Herzogtum Masowien eine Überbevölkerung unter den polnischen Bauern und Kleinadels-Familien, deren Güter durch Erbteilung in kleinste Parzellen zerstückelt waren [5].

So wurden besonders nach dem 2. Thorner Frieden 1466, als das Ordensland unter polnische Lehenshoheit kam, viele neu gegründete Frey-Dörfer an zugewanderte masowische Familien verschrieben [6] [3], so dass das Land durch die masowischen Zuwanderer erst den Namen Masuren erhielt [5]. Nach und nach nahmen diese Zuwanderer größtenteils die deutsche Sprache an, wie auch die Sembritzki-Urkunde von 1570 zeigt. 1525, als der Deutsch-Ordens-Staat in ein weltliches Herzogtum umgewandelt wurde, traten sie mit diesem zur protestantischen Konfession über. Nun also gab es das deutschsprachige, protestantische Herzogtum Preußen unter der Lehnshoheit des katholischen polnischen Königs (1525 bis 1657). Trotz dieses Gegensatzes erhielten auch noch im 16. Jahrhundert eingewanderte Masowier die soziale Stellung eines Freyen [6].

Nur teilweise führte die Lehenshoheit des polnischen Königs zu vermehrtem Einfluss der polnischen Sprache und Kultur. Aber nach der Entvölkerung Ostpreußens um 1700 durch Kriege und Pest wanderten weitere Polen ein, die nun großenteils die polnische Sprache und die katholische Konfession beibehielten. Zu dieser Zeit wurden sogar deutsche und altpreußische Namen polonisiert. Zum Beispiel gehören zu meinen masurischen Vorfahren die Waschul, deren altpreußischer Name in einigen Zweigen zu Waschulewski polonisiert wurde.

Man kann daher aus dem polnisch aussehenden Namen Sembritzki nicht ohne weiteres schließen, dass es sich um eine polnisch-masowische Familie handelt. Es könnte auch die polonisierte Form eines altpreußischen Namens sein. So leitet Max Mechow [6] den Namen Sembritzki von dem altpreußischen Stamm der Samben her, dessen Name noch in "Samland" überliefert ist.

Nachdem nun aber der Name Sembritzki bereits 1526 urkundlich belegt ist, dürfte der erste Sembritzki tatsächlich aus Masowien zugewandert sein.

Nicht weit von Rydzewen und Schikorren gibt es gleich hinter der preußisch-masowischen Grenze einen kleinen Fluss Zambrzyce, dessen Name vermutlich mit dem Preußenstamm der Samben zusammenhängt. Angeblich wurden hier zwischen 1416 und 1446 die Brüder Mathias und Wielislaw de Kolaki (= Kolakowski) mit 60 Kulmer Morgen (= 2 Huben) am Flusse Zambrzyce belehnt, wo sie das Gut Zambrzyce gründeten und den Familiennamen Zambrzycki annahmen. Das Gut Zambrzyce, das der Stammsitz der polnischen Adelsfamilie Zambrzycki wurde [7], liegt in der Gemeinde Chlebiotki und der Pfarrei Rudki.

Angesichts der geringen Entfernung zwischen Zambryce und Rydzewen/Schikorren und angesichts der historisch gesicherten Einwanderungswelle aus Masowien um 1500 erscheint es durchaus glaubhaft, dass der erste Sembritzki in Masuren aus dem masowischen Adelsgeschlecht Zambrzycki stammte.

Es kann aber auch anders gewesen sein. So kann der Name Sembritzki einen Einwanderer aus Zambrzyce bezeichnen, der gar nicht ein Angehöriger der dortigen Familie Zambrzycki war sondern nach seinem Herkunftsort benannt wurde. Schließlich kann auch ein Angehöriger des preußischen Samben-Stammes, der in polnisches Sprachgebiet kam, dort Zambrzycki genannt worden sein, woraus dann bei der Rückwanderung nach Preußen Sembritzki wurde. Aber das sind freilich schon Spekulationen.

Festzuhalten bleibt, dass die urkundlich genannten
 - Stanislaw Szembrzitzky von 1526,
 - Martin Sembriczky von 1570 mit seinen 7 Söhnen, und
 - Peter Sembrisky von 1664 mit 4 Söhnen
die Stammväter aller ostpreußischen Sembritzki's sind.



Literatur

[1] Eine "Handfeste" (= Verleihungsurkunde) zitiert bei Robert Stein: Die ländliche Verfassung Ostpreußens am Ende des 18. Jh., Königsberg 1918, Nachdruck: Sonderschrift Nr.92 des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, Hamburg 1997, S.73, Fußnote 4.

[2] Staatliches Archivlager Göttingen (später nach Berlin-Dahlem verlegt), Etat-Ministerium 103 a-d 1181 I, rote Paket-Nr.2937; Fotokopie durch Gerhard Lemmel.

[3] Manfred Kwalo: Die Spezifikation der Kleinen Freien im Amt Oletzko von 1664; in: Altpreußische Geschlechterkunde, Neue Folge Band 14 1983 S.3.

[4] Helmut Mewe: Lötzener Zeitung, Beilage 'Aus der Heimat', 1936 S.5ff, nachgedruckt in der Sonderschrift Nr.32 des Vereins f. Fam'fg in Ost- u.WEstpr, Hamburg 1976 S.8.

[5] Helmut Walsdorff: Die Familie Dolenga in Sdunken Kreis Lyck; in: Altpr. Geschl'kde NF Bd.14 1983 S.67.

[6] Max Mechow: Prussische Namen als deutsche Familiennamen; in: Altpr. Geschl'kde NF Bd.8 1975 S.313. - Und: Mitteilung Max Mechow an H.D. Lemmel.

[7] Die Familie Zambrzyce-Zambrzycki. Manuskript eines namentlich nicht genannten Genealogen für die Familie Sembritzki, um 1935.


B. Wortlaut der Sembritzki-Urkunden von 1570 und 1664



 






 




C. Familienchronik Sembritzki

Die Geschichte einer ostpreußischen Familie, die vor 40 Jahren ihre Heimat verlassen mußte.

von Hans-Dietrich Lemmel, Wien, 1985, seither mehrfach ergänzt

Dieser Aufsatz wurde ausgeschickt, als ich Sembritzki-Adressen aus den Telefonbüchern anschrieb und nach ihren Vorfahren befragte. 1985 reichte ich den Aufsatz bei verschiedenen Tages- und Wochen-Zeitungen ein, aber er wurde nicht angenommen. In einem persönlichen Brief bedauerte Marion Gräfin Dönhof, den Aufsatz nicht in der ZEIT unterbringen zu können, da sie zu dem Thema "40 Jahre Vertreibung" schon zu viel Material habe.


Als Flüchtlinge, Vertriebene und Spätaussiedler trafen 1945 und in den Jahren danach zwei Millionen Ostpreußen in West- und Mitteldeutschland ein - sofern sie Krieg, Kälte und Hunger überlebt hatten. Stellvertretend für alle schildert der Autor, dessen Mutter eine geborene Sembritzki aus Königsberg war, die 400-jährige Geschichte einer typischen ostpreußischenen Familie.


1.

Die Familie Sembritzki gehört zu den ältesten Bauerngeschlechtern Ostpreußens. Bis 1945 gab es in Masuren eine stattliche Anzahl von Bauernhöfen im Besitz von verschiedenen Zweigen der Familie, aus der auch Handwerker, Lehrer, Kaufleute, Akademiker, Schriftsteller und preußische Verwaltungsbeamte hervorgingen. Aus geretteten Familienpapieren und erhaltenen Beständen des Königsberger Staatsarchives konnte die Geschichte dieser Familie erforscht werden.

Noch im 15. Jahrhundert war das südöstliche Ostpreußen eine Wildnis, die nach heutigen Maßstäben kaum Einwohner hatte. Der Deutsche Orden kolonisierte das Land durch Errichtung von Burgen und Dörfern. Die Besiedlung der Dörfer erfolgte durch preußische Ureinwohner, zuströmende deutsche Bauern und, besonders nach dem 2. Thorner Frieden 1466, als das Ordensland unter polnische Lehenshoheit kam, durch Bauern und Kleinadelsfamilien aus dem südlich angrenzenden polnischen Herzogtum Masowien. Durch die masowischen Zuwanderer erhielt dieser Teil des Ordenslandes schließlich den Namen Masuren.

Aus der polnischen Namensendung zu schließen, mag die Familie Sembritzki zu den masowischen Zuwanderern gehören. Der Name wird aber auch von dem altpreußischen Stamm der Samben hergeleitet, der noch in dem Namen der Landschaft "Samland" zu erkennen ist. Da es aber auf der masowischen Seite der ostpreußisch-polnischen Grenze bei Rudki den Ort Zambrzyce gibt, neige ich zu der Annahme, daß der erste Sembritzki aus Zambrzyce kam und daß sein Familienname aus der Herkunftsbezeichnung entstand.

Auf dem Gut Zambrzyce saß schon vor 1500 eine polnische Adelsfamilie namens Zambrzycki. Ob nun der erste ostpreußische Sembritzki ein Angehöriger dieser Familie war, oder ob er sich nach seinem Herkunftsort benannte, ohne mit der Familie Zambrzycki verwandt zu sein, kann heute nicht mehr beantwortet werden. Offen ist auch die Frage, ob nicht der Ortsname Zambrzyce von dem Preußen-Stamm der Samben abzuleiten wäre. Denn das ursprüngliche Siedlungsgebiet der preußischen Stämme erstreckte sich beträchtlich über die Grenzen Ostpreußens hinaus.

 2.

Die erste erhaltene Sembritzki-Urkunde stammt aus dem Jahr 1526, als ein Peter Schwarz in "Rydzewen" ein Waldstück verkaufte, das "vormals Stanislaw Szembrzitzky auß der Masuren hat angenommen und wiederumb übergeben". Zu dieser Zeit stand das Wort "Masuren" noch für das polnische Herzogtum Masowien. Stanislaw Szembrzitzky stammte also aus Masowien und war, vielleicht um 1500, als ein junger Mann in das Ordensland gekommen, wo er mit einem Bauerngut belehnt worden sein muss; dazu wurde er mit dem erwähnten Waldstück bei Rydzewen belehnt, das er später wieder "übergab", das heisst, er gab das Waldstück wieder an den Lehnsherrn, den Deutschen Orden, zurück.

Nachdem Albrecht von Hohenzollern im Jahre 1525 den Staat des Deutschen Ordens in das Herzogtum Preussen umwandelte, führte er eine neue Landesverwaltung ein, der es zu verdanken ist, dass der Verkauf des Waldstückes "vormals Stanislaw Szembrzitzky" in einer "Handfeste" aufgeschrieben wurde, die bis heute erhalten blieb.

Die alten masurischen Ortsnamen wurden im Laufe der Geschichte geändert; zuletzt wurden sie von den Nazis systematisch "eingedeutscht". In einer historischen Arbeit müssen daher immer der alte und der neue Ortsname genannt werden. Der hier erwähnte Ort Rydzewen, der etwa halbwegs zwischen Lyck und Treuburg liegt, hiess zuletzt Schwarzberge. Rings um Rydzewen liegen all die Orte, in denen bis 1945 die meisten Sembritzkis ansässig waren, deren Stammvater dieser Stanislaw Szembrzitzky aus Masowien sein dürfte.

Vermutlich ist es sein Enkel, den die nächste erhaltene Sembritzki-Urkunde im Jahre 1570 nennt: Ein Martin Sembriczky richtete eine Eingabe an den Burggrafen von Oletzko/Treuburg, und zwar "für sich und seine sieben Söhne". Die Eingabe ist in deutscher Sprache und vermutlich eigenhändig. Es geht darin um ein Bauerngut von 4 Huben (etwa 120 Morgen), das Martin Sembriczky von seinem Schwiegervater Jan Hesnick übernehmen möchte. In welchem Dorf dieses Gut lag, ist in der Eingabe nicht erwähnt.

Darin wird leider auch nicht erwähnt, in welchem Stand Martin Sembriczky lebte. Er bezeichnet sich als einen armen Mann, der aber einen seiner Söhne die Schule besuchen lasse, "wie es der vorige Hauptmann geraten habe". Er scheint also ein engeres Verhältnis zur Obrigkeit zu haben, könnte also beispielsweise der Verwalter eines herzoglichen Gutes (einer Domäne) gewesen sein, der nun durch den Erwerb des Bauerngutes seines Schwiegervaters zu eigenem Besitz kommen möchte. Wahrscheinlich hat er das Gut dann auch bekommen, aber darüber ist keine Urkunde erhalten geblieben.


3.

Im 18. Jahrhundert gibt es im Grenzbereich der Kreise Lyck und Treuburg so viele Bauerngüter in Sembritzki-Besitz, daß man den Martin Sembriczky von 1570 mit seinen sieben Söhnen als Vorfahren aller dieser Sembritzki-Familien ansehen muß.

Sembritzki-Höfe gab es in Schikorren/Wellheim (erste bekannte Sembritzki-Urkunde 1664), Czarnowken/Grundensee (um 1680), Drygallen/ Drigelsdorf (1705), Lesniken/Kleinheinrichstal (1719), Masergut bei Schwentainen (1737), Grünheide (1742), Bartossen/Bartendorf (1750), Gorlen/Aulacken (1750), Graywen (1756), Grondzken/Funken (1756), Friedrichsheide (1763), Pietzarken/Bergensee (1780), Duttken/Sargensee (1810), Plotzitznen/Bunhausen (1823), Rumeyken (1847), Upalten (1853), Sawadden/Auglitten (1856), Kukowken/ Heinrichstal (1885) und viele mehr. Die hier angegebenen Jahreszahlen sind die der ältesten bekannt gewordenen Sembritzki-Urkunden; in vielen Fällen kann man annehmen, daß der Hof schon geraume Zeit vorher im Familienbesitz war.

Alle diese Orte liegen im Norden des Kreises Lyck und im Süden des angrenzenden Kreises Treuburg, teils auch in den benachbarten Kreisen Lötzen, Johannisburg und Angerburg. Zusätzlich gab es Sembritzki-Höfe in zahlreichen weiteren Orten dieser Gegend, wobei aber bisher keine frühe Urkunde aufgefunden wurde.


4.

Großenteils waren sie "Köllmer", das sind freie Bauern nach "Kulmer Recht", oder "Freye" nach "magdeburgischem Recht", die direkt dem preußischen Herzog oder, ab 1701, dem König unterstanden, der durch einen Amtmann vertreten war.

Sehr wohlhabend waren sie nicht. 1719 hatte Peter Sembritzki, einer von elf Freyen in Schikorren/Wellheim, 2 1/2 Huben (etwa 70 Morgen) Land, dazu 2 Ochsen, 1 Kuh, 1 Pferd, 3 Schafe. Das ist der drittgrößte Besitz im Dorf. So ist es im "Generalhubenschoß" des Amtes Oletzko von 1719 verzeichnet.

Einige der Familie saßen auf einem Schulzen-Hof; sie bekleideten also ein Ehrenamt, das mit einem dörflichen Bürgermeister zu vergleichen ist. Ein Zembritzki, dessen Vorname nicht bekannt ist, war um 1680 Schulze in Czarnowken/Grundensee. Selbst als Schulze besaß er nicht mehr als 1 weißbunten Ochsen, 1 rote Kuh, 1 schwarzes Pferd, 4 Schweine, 1 altes Wohnhaus, 1 Ställchen, 1 Scheune, 1 alten "abgebrauchten" Wagen ohne Beschlag, 1 messingnen Mörser, sowie 1 eisernen Dreifuß, wie es 1713 im Erbvertrag seiner acht Kinder, der "Zembritzschen Erben", angegeben ist.

Sein Neffe Johannes besaß den Schulzenhof in Drygallen/Drigelsdorf im Amt Johannisburg, wo er selbst, sein Sohn und auch noch sein Enkel das ganze 18. Jahrhundert hindurch als Landschöppen und Amtskämmerer wirkten. Hier schrieben sie ihren Namen meist auf polnische Art: "Ziembrzicki" oder "Zembrzyczki", was zur Barockzeit als vornehm galt.

Die Besitz-Verhältnisse fluktuierten stark. Oft erbte den Hof ein Schwiegersohn, während der Sohn einen anderen Hof erheiratete. Die Söhne, die keinen Hof übernehmen konnten, wurden Arbeiter ("Losmann" oder "Instmann"), Handwerker, besonders häufig Schuster oder Schneider, die in die Städte Lyck und Königsberg abwanderten. Häufig findet man Sembritzkis als Lehrer, gelegentlich auch als Förster oder Kaufmann. Erwähnenswert sind im 19. Jahrhundert der "königliche Salz-Controlleur" Friedrich Sembritzki in Neufahrwasser bei Danzig und der "Domänenrentmeister und Landschaftsrat" Daniel Jakob Sembritzki in Fischhausen bei Königsberg. Zu den masurischen Sembritzki-Höfen kamen dann auch Güter in Hinterwalde im Kreis Kreuzburg und Nodems im Kreis Fischhausen hinzu.

Zwischen 1765 und 1799 tauchten in Königsberg gleich sechs Kaufleute Sembritzki auf, die alle aus dem Raum um Treuburg und Lyck stammten und im Bürgerbuch als "Händler mit polnischen Waren" eingetragen wurden, als "Gewürzapotheker" oder "auf den Handel mit seidenen, baumwollenen, wollenen und sonstigen Manufactur-Waaren".

Der Handel führte sie bis nach Übersee. Einer von ihnen, Gottfried Sembritzki, Lehrerssohn aus Oletzko/Treuburg, heiratete 1799 in Schottland. Von seinen sieben Söhnen blieb einer in Schweden und ein anderer in Amerika; von den fünf in Ostpreußen bleibenden Söhnen wurde einer Papierfabrikant in Königsberg, und dessen Sohn wurde Direktor einer Papierfabrik am Semmering in Österreich. Hier erkennt man die weitläufigen Beziehungen, die die Königsberger Kaufleute damals unterhielten.

 5.

Verschwägert mit der Familie Sembritzki sind die beiden masurischen Heimatdichter Fritz und Richard Skowronnek. Von letzterem gibt es den Roman "Der weiße Adler", in dem in dramatischer Weise das Vordringen des Polentums in Masuren in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg geschildert wird. Nachdem Preußen in der "Polnischen Teilung" slawische Gebiete annektiert hatte, war Masuren für polnische Einwanderer offen und durch keine Grenze geschützt. In diesem Roman ist der erste Pole, der einen zuvor deutschen Grundbesitz in der Gegend von Lyck kauft, ein "Graf Zembricki" aus dem Posenschen. Soviel ich erfahren konnte, ist dieser Graf erdichtet, und Richard Skowronnek hat dabei den Familiennamen Sembritzki aus seiner Verwandtschaft verwendet, wohl in der damals verbreiteten Annahme, daß diese Familie von polnischem Adel abstamme.

Der gleichen Problematik widmeten sich auch die beiden Schriftsteller Johannes und Emil Sembritzki. Der letztere, der zeitweise Schulleiter in Kamerun war, schrieb ein Buch über "Slawenspuren auf deutschen Fluren".

Der Schriftsteller Johannes Sembritzki ist wohl der berühmteste Sohn der Familie. Sein Lebenslauf und seine Herkunft illustrieren die deutsch-polnische Problematik in Ostpreußen.
 
Die alteingesessenen masurischen Familien wie die Sembritzkis mögen zwar einen polnisch aussehenden Namen haben, waren aber deutschsprachig und protestantisch. Später zugewanderte Polen behielten oft die polnische Sprache und ihre katholische Religion bei. Durch Mischheirat gab es dann auch einen polnisch sprechenden Zweig der zuvor seit der Urkunde von 1570 nachweislich deutschen Familie Sembritzki. Aus diesem Zweig stammt Jan Zembrzicki, ein Arbeiter (Instmann) in Kruglanken, der Großvater des Schriftstellers Johannes Sembritzki.

Jans Sohn Carl, der Vater des Schriftstellers, sprach zunächst nur polnisch; er wurde dann deutscher Schullehrer in Mierunsken/Merunen Kreis Lyck und in Marggrabowa/Treuburg. Seine 1856 und 1858 geborenen Söhne aber wurden Apotheker und Arzt - ein bemerkenswertes Beispiel für einen in Ostpreußen damals möglichen sozialen Aufstieg, vom Instmann zum Doktor.


Der Pharmazeut Johannes Sembritzki verwendete die Einnahmen aus seiner Apotheke zur Schriftstellerei, teils nebenberuflich, zeitweise hauptberuflich. Er war deutsch aufgewachsen, erlernte dann aber die polnische Sprache, fing an, seinen Namen in polnischer Schreibweise zu schreiben, und gründete in Osterode die Wochenzeitschrift "Mazur", in der er sich dafür einsetzte, die polnisch sprechenden Bevölkerungsanteile Masurens nicht zu germanisieren. Er hatte aber mit seinen Ideen und Taten keinen Erfolg und zog sich 1893 aus der Öffentlichkeit zurück. Er kehrte zur deutschen Schreibweise seines Namens und zum Protestantismus zurück, lebte fortan als Apotheker in Memel und widmete sich den historischen Wissenschaften.

Seine wichtigsten Arbeiten, die teils noch nach seinem Tod 1919 in zweiter Auflage erschienen, sind gründliche Geschichtswerke über die Stadt Memel, den Kreis Memel und den Kreis Heydekrug, die auch heute noch in Nachdruck durch den Verlag Harro v.Hirschheydt in Hannover zu haben sind. Über Johannes Sembritzki gibt es einen Eintrag im "Biographischen Heraldiker-Lexikon", das vom Herolds-Ausschuß der Deutschen Wappenrolle in Berlin zur Veröffentlichung vorbereitet wird.

 6.

Mit der Industrialisierung wanderten um 1900 etliche Sembritzki-Söhne nach Schlesien oder Westdeutschland ab. Es ist nicht immer richtig, wenn man hinter den auf -ski endenden Namen im Ruhrgebiet polnische Einwanderer vermutet. In vielen Fällen sind es alte ostpreußische Familien, die zwar noch ihren ursprünglich polnischen Familiennamen tragen, die aber schon seit einigen Jahrhunderten ostpreußische Deutsche sind. So ist auch im Ruhrgebiet der Name Sembritzki nicht selten. Einige von ihnen aber schämten sich ihres polnisch klingenden Namens und nannten sich fortan Sembritz oder Sembert.

Eine besondere Sembritzkische Ehrengalerie ergab sich durch Straßenbenennungen in vier Städten. In Memel wurde eine Straße nach dem dort wirkenden Schriftsteller Johannes Sembritzki benannt. Aber auch die Polen benannten nach ihm eine Straße in Treuburg (polnisch Olecko), in Anerkennung seines Bemühens um die polnische Minderheit in Masuren.

In Fürstenwalde an der Spree wurde eine Straße nach dem Juristen Gustav Sembritzki aus Hinterwalde Kreis Kreuzburg benannt, der 1898 als Stadtrat und Stadtverordneten-Vorsteher in Fürstenwalde starb.

Schließlich wurde in Berlin eine Straße nach dem Juristen Martin Sembritzki aus Königsberg benannt, der von 1901 bis 1921 Stadtrat in Königsberg, dann bis 1933 Bezirksbürgermeister von Berlin-Steglitz war. Er muss recht populär gewesen sein: Er bekam ein Ehrengrab und noch 1992 widmete man ihm eine Ausgabe der Berliner Bezirkszeitung "Der Lichterfelder" (19. Jahrgang, Nr.74).
"Der Lichterfelder" 19.Jg. Nr.74, Berlin 1992. Verlag Heimatverein Bot. Garten, Berlin. 

Als Kuriosum ist zu vermelden, daß nach dem "Grafen Zembricki", dem Romanhelden von Richard Skowronnek, abermals ein Sembritzki in der Literatur auflebte. Der Schweizer Krimi-Schriftsteller Peter Zeindler erfand 1984 den aus Masuren stammenden BND-Agenten Konrad Sembritzki als den Helden seines Thrillers "Die Ringe des Saturn", zu dem ein Fortsetzungsband unter dem Titel "Schattenagent" erschien.



 7.

Eine große Zahl von Sembritzki-Söhnen ist in den beiden Weltkriegen gefallen. Manche Familienzweige wurden dadurch dezimiert oder ganz ausgelöscht. Andere Sembritzki-Familien kamen auf der Flucht um oder wurden nach der Eroberung Ostpreußens durch die sowjetische Armee erschossen. In Stradaunen bei Lyck wurde der 71-jährige Gottlieb Sembritzki mit vielen anderen in eine Scheune eingeschlossen, die dann angezündet wurde.

Die Sembritzki-Geschichte in Ostpreußen endete 1965 mit der Aussiedlung des Bauern Walter Sembritzki aus Schwentainen Kreis Treuburg, vier ein halb Jahrhunderte nachdem der erste urkundlich belegte Sembritzki in Rydzewen sesshaft wurde.

Heute leben über 150 Sembritzki-Familien in den verschiedensten Berufen in allen Gegenden Deutschlands und in Amerika.


 8.

Eine umfassende Chronik der Familie Sembritzki existiert als ein Manuskript von 300 Seiten, das vorerst auf Mikrofilm Nummer 1691491 der Genealogischen Gesellschaft von Utah gesichert wurde. Das Material dazu stammt teilweise bereits aus Vorkriegs-Forschungen einiger Familienangehöriger, teils aus Nachkriegs-Forschungen in den geretteten Teilen des Königsberger Staatsarchives, die zunächst in Göttingen lagerten, jetzt aber in Berlin sind. Anderes entstammt den sehr verdienstvollen Veröffentlichungen des jetzt in Hamburg ansässigen Vereines für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, der Kartei von Gerhard Kilanowski von der Kreisgemeinschaft Lyck und, nicht zuletzt, Beiträgen von vielen Familienangehörigen.

Zur Vervollständigung dieser Chronik werden alle Leser, die Angaben zu Vorfahren oder Bekannten des Namens Sembritzki machen können, gebeten, sich mit dem Autor in Verbindung zu setzen: Dr. Hans-Dietrich Lemmel, Handlirschgasse 14, A-1170 Wien, Österreich.




Nachtrag:
Der Autor Peter Zeindler, Zürich, teilte 1986 mit, dass das Modell für seinen Romanhelden Konrad Sembritzki ein Herr Hubertus Kampf in Bern sei: ein gebürtiger Masure, bei dem er den Namen Sembritzki gefunden habe. Herr Kampf hat leider auf eine Anfrage nicht geantwortet.





D. Adressbücher


Kreis Lyck

Reinhold Weber teilte 1986 mit:
Nach den mir zugänglichen Unterlagen u.a. aus dem "Einwohner-Adreßbuch der Stadt und des Kreises Lyck" von 1938 gab es Sembritzki's in den nachstehend aufgeführten Orten.

(Bei denen, die ich in einen der bekannten Sembritzki-Stämme einordnen konnte, habe ich das Stamm-Kürzel in Kursiv hinter den Namen geschrieben. – HDL)

8 Haushalte in Lyck: August S., Arbeiter; Ernst S., Arbeiter; Friedrich S., Schneidermeister (Gro); Fritz S., Bäcker; Johann S. (ohne Berufsangabe); Johann S, Arbeiter; Kurt S., San.Truppführer; Paul S., Arbeiter.

Auglitten/Sawadden: Johann S., Landwirt (Saw).

Aulacken/Gorlen: Marie S., Witwe (Gorl).

5 Haushalte in Bunhausen/Plotzitznen: Gustav S., Tischler; Otto S., Bauer; Franz S., Bauer; Otto S., Stellmacher; Johann S., Altsitzer. (alle Schi).

Fließdorf/Jucha: Marie S., Witwe.

Herrnbach/Panistrugga: Michael S., Arbeiter (Stra); Friedrich S., Arbeiter (Stra?).

Kalgendorf/Ogrodtken: Ludwig S., Bauer.

Seefrieden/Przytullen: Fritz S., Bauer; Gottlieb S., Altsitzer. (beide Saw)

Sonnau/Schedlisken: Hermann S., Deputant; Adolf S., Arbeiter; Minna S., Rentnerin.

Steinberg/Sczeczinowen: Hier kein Sembritzki.

Stradaunen: Fritz S., Arbeiter; Gottlieb S., Arbeiter.

Wellheim/Schikorren: Friedrich S., Bauer; Julius S., Landwirt. (beide Schi)



Königsberg

Die Königsberger Verlagsanstalt, Abteilung Einwohnerbuch, teilte 1941 die Königsberger Sembritzki-Adressen mit.
Alfred S., Oberstfeldmeister, Hindenburgstr. 69a.
Anna S., Witwe, Palvendorf 179.
Fritz S., Arbeiter, Löbauer Str. 13.
Gustav S., Sattler, Jerusalemer Str. 24.
Karl S., Invalide, Sackheimer Mittelstr. 43.
Kurt S., Justizangestellter, Hohenzollernstr. 7.
Paul S., Schlosser, Reifschlägerstr. 35/36.
Waldemar S., Lehrer a.D., Tenkitter Str. 8.
Walter S. (ohne Berufsangabe), Kalthöfsche Str. 51.

(Nur Alfred und Waldemar konnte ich in den Zintener Zweig des Sembritzki-Stammes vom Masergut einordnen. – HDL)




E. Der Sembritzki-Stamm vom Masergut

von Hans-Dietrich Lemmel, 1987, nicht veröffentlicht

1. Die Sembritzki-Kaufmannschaft in Königsberg um 1800


In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts tauchten in Königsberg sechs Kaufleute namens Sembritzki auf:

1765 wird Gottfried Zembritzky aus Polommen Bürger als "Pohl.handl." in der Altstadt, also wohl als Kaufmann, der im Polenhandel tätig ist.

1772 wird Daniel Rudolf Zembritzky aus Drigallen Bürger als Speicherhändler in der Altstadt [siehe Stamm Drygallen].

1773 stirbt der Kaufgesell Albrecht Sembritzki.

1780 wird Mich. Zembritzki aus Polomen Bürger in Königsberg im Kneiphof; sein Beruf, der schwer zu entziffern ist, war wohl Gewürzkrämer.

1796 heiratet in Königsberg der Handlungsdiener Fridrich Sembritzki aus Lyck, der sich seit zwei Jahren in Königsberg aufhielt [siehe Stamm Lyck].

1799 wird Gottfried Sembritzki aus Oletzko Bürger in Königsberg, im Kneiphof, und zwar "auf den handel mit seidenen, baumwollenen, wollenen und sonstigen Manufactur-Waaren".

Diese Sembritzkis wurden glücklicherweise bereits 1936 von Gerhard Lemmel nach den Bürgerbüchern im Königsberger Stadtarchiv und nach den Königsberger Kirchenbüchern weitgehend erforscht.

Soweit die Herkunft angegeben ist, zeigt es sich, dass diese Königsberger Sembritzkis aus der Gegend von Lyck stammen und daher mit den anderen dort lebenden Selbritzki-Stämmen verwandt sein dürften. Auch daraus, dass sie bei den Kindstaufen gegenseitig Pate stehen, kann man schließen, dass sie alle mit einander verwandt sind.

Der jüngere Gottfried, der 1799 Bürger wurde, hatte 7 Söhne. Vier von ihnen hatten wiederum zusammen 10 Söhne. Sie und ihre Nachkommen sind Gegenstand der Stammfolge des Sembritzki-Stammes vom Masergut.

Gottfried Sembritzki muss tüchtig und wohlhabend gewesen sein. Seine Frau stammte aus Schottland: Elizabeth Anderson aus Newcastle-upon-Tyne. Aus dieser schottischen Familie Anderson gab es schon seit einem Jahrhundert Kaufleute in Ostpreußen, so in Memel und in Angerburg. Vielleicht also war Gottfried Sembritzki bei einem der schottischen Kaufleute in Königsberg in die Lehre gegangen, wobei er wohl auch nach Schottland reiste. Da seine Ehe nicht in Königsberg verzeichnet ist, dürfte er in Schottland geheiratet haben. Die in Königsberg getauften Kinder erhielten vorwiegend englische Vornamen oder solche, die im Englischen und im Deutschen gebräuchlich sind.

Der dritte Sohn wurde 1803 in Whickham in Schottland geboren, und zu den Taufen in Königsberg 1800 und 1804 kam die schottische Großmutter angereist: eine erstaunliche Reisetätigkeit, über die sonst leider keine Einzelheiten überliefert sind.

Zwei von Gottfrieds Söhnen, von denen die Königsberger Kirchenbücher nichts weiter berichten, sollen nach Schweden und nach Amerika ausgewandert sein: ebenfalls ein Indiz für den Umfang des Sembritzkischen Handels.

87/10/3


2. Gerüchte über die Herkunft


Der Reichtum des Kaufmanns Gottfried Sembritzki, seine schottische Frau und seine Reisen haben offenbar die Fantasie der Nachkommen beflügelt, so dass sagenhafte Überlieferungen über die Herkunft der Familie entstanden, in denen sich Wahres mit Erfundenem mischt.

In den Aufzeichnungen von Kurt Sembritzki (* 1910) ist der Stammvater ein "v.Zembrycki", der mit einer Russin verheiratet war. Sein Sohn war der Kaufmann Gottfried Sembritzki, der aus Warschau eingewandert war, nach England ging und in Newcastle die Anderson heiratete. Gottfrieds neun Kinder sind dann in diesen Aufzeichnungen richtig angegeben.
[Stammtafdel Sembritzki, Mitteilung Lina S. 1987]

1936 berichtete Arnold Sembritzki über ein "Interview des Fritz Sembritzki in Berlin, Uhrmacher, ein netter gemütlicher Mann, der sich vorzugsweise seinen Uhren und seinem großen Obstgarten widmet. Seine Familienkenntnisse gründen sich auf Erzählungen seiner Tante Mathilde Plessien, die ihm als Junge in den 80er Jahren in Wehlau das Folgende berichtete." Arnold S. merkt dazu an: "Dieses alles will Onkel Fritz noch genau wissen, nur Tante Mathilde habe es leider inzwischen vergessen." – Also: "Gottfried Sembritzki soll 1766 in Memel geboren sein. Sein Vater (Vorname unbekannt) sei dort Schiffseigentümer und Kapitän gewesen. Er soll anlässlich der polnischen Teilung aus Polen nach Memel ausgewandert sein. Er soll zu den Patrioten Polens gehört haben und dort nicht mehr sicher gewesen sein. Vermutet wird, dass er aus der Grafschaft Zembricki bei Suwalki stammt. Ob selber adliger Herkunft, ist unbekannt, wird aber vermutet, da er in Memel das Geld zur Anschaffung eines Schiffes hatte. Er sei viel zur See in England gewesen und habe dabei seinen Sohn Gottfried mitgenommen. Dieser habe in England geheiratet und auch seine Söhne dort erziehen lassen. – Albert Sembritzki, der Vater des Uhrmachers Fritz S., soll in den 70er Jahren mit Arnold Sembritzkis Großvater Rudolf S. wegen Wiederaufnahme des Adelsprädikates verhandelt haben."
[Brief Arnold Sembritzki 26.7.1936 an Gerhard Lemmel (Aktenz. C32b)]

Die Überlieferung, dass die Sembritzkis adeliger Herkunft seien, rührt also zum einen von der Tatsache, dass Gottfried recht reich war, zum andern aber davon, dass es in Polen zwar keine Grafschaft Zembricki aber doch eine Kleinadelsfamilie Zambrzycki gab. Dass Kaufleute oftmals reicher als Adelige waren, war im Familienkreis offenbar nicht bekannt.

Die adelige Abstammung der Sembritzkis, die gerüchteweise auch in anderen Familienzweigen behauptet wird, stellte sich jedenfalls als unrichtig heraus. Jedoch mag, wie gezeigt werden wird, ein Sembritzki eine Adelige zur Frau gehabt haben: war dies der Ursprung des Gerüchtes über die adelige Herkunft?

Die wahre Herkunft des Kaufmannes Gottfried Sembritzki konnte noch vor dem Krieg von Arnold Sembritzki, seinem Vetter Ulrich Sembritzki und seinem Schwager Gerhard Lemmel ermittelt werden.
87/10/3

In der Sembritzki-Linie vom Masergut ist ein Sembritzki-Wappen überliefert, das einen "wilden Mann" zeigt. Ein Mann mit einer Keule auf der Schulter und einem Bündel Pfeile in der linken Hand, darüber ein Spangenhelm mit zwei Büffelhörnern. Links ein Siegelabdruck (der nur am Bildschirm zu erkennen ist aber nicht auf Papier ausgedruckt), rechts eine ungefähre Zeichnung des Siegels. Beides ist hier vergrößert. Das Original hat nur einen Durchmesser von 10 Millimetern. Der Ursprung dieses Wappens lässt sich nicht mehr feststellen.
                 
Einen Wachsabdruck von einem gleichen Petschaft erhielt ich 1987 von Frau Lina Sembritzki, Hamburg, aus dem Besitz ihres Schwiegervaters Konstantin Sembritzki (Stamm Masergut). Es ist freilich selbst am Bildschirm nicht zu erkennen. Konstantin Sembritzki hatte diesen Siegelring von seinem Vetter Otto Sembritzki, dem Dünenbaumeister in Stralsund, bekommen. Otto war der Meinung, dass das Wappen des Ringes kein Sembritzki'sches Familienwappen sei.
                      
2007/5/27


3. Die Herkunft vom Masergut


Von Gottfried Sembritzki ist urkundlich nur belegt, dass er in Oletzko (= Treuburg) geboren wurde [laut Bürgerbuch], und zwar um 1766 [laut Sterbealter]. Eine in seinem Hause sterbende Schullehrers-Witwe Catharina Sembritzki geborene Wilkewitz dürfte seine Mutter sein.

Bei der Taufe seines ältesten Sohnes ist ein Daniel Sembritzki, der sonst in Königsberg nicht genannt ist, der erste der Taufpaten. Da es mehrfach geübte Sitte ist, dass der Großvater bei seinem ältesten Enkel Taufpate ist, könnte Daniel Gottfrieds Vater sein, der also 1766 in Oletzko gelebt haben muss und der ein Schullehrer gewesen sein muss. Entsprechende Nachforschungen in Oletzko=Treuburg führten dort zu keinem Ergebnis. Zielführend war dann aber der Geburtsort "Polomen" des älteren Kaufmannes Gottfried Zembritzky, der bereits 1765 in Königsberg Bürger wurde. Im zuständigen Pfarramt Schwentainen im Kreis Treuburg fand man die Geburtseinträge von vier Geschwistern Zembrzicky, von den zwei (Gottfried und Albrecht) als Kaufleute in Königsberg auftauchten, ebenso die Schwester Lovisa, die 1776 in Königsberg stirbt; das vierte der Geschwister ist Daniel, und das muss der Schullehrer in Oletzko sein, der Vater des reichen Kaufmannes Gottfried Sembritzki junior. – Der Vater dieser vier Geschwister ist "Piotr Zembrzicky von Masergüttgen", der um oder kurz nach 1700 geboren sein muss.


           Piotr Zembrzicky
           *?1705
           1737-1744 auf dem Masergut
     ┌───────────┴────┬──────────────────────┬─────────────┐
Gottfried             │                      │             │
*1737             Daniel                     │             │
wird 1765 Bürger  *1739                   Albrecht         │
in Königsberg,    Lehrer in Oletzko,      *1741          Lovisa
Kaufmann          1800 Pate in Kbg bei    stirbt 1773 in *1744
                  seinem ältesten Enkel   Königsberg als stirbt 1776
                  oo mit Cath. Witkowitz, Kaufgesell     in Königsberg
                  die 1817 bei ihrem Sohn
                  in Königsberg stirbt
               ┌──────┴─────────────────┐
          Gottfried                     │
          *1766 in Oletzko           Samuel
          Kaufmann in Königsberg     *1770
          oo mit Elizabeth Anderson  Kaufmann in
          aus Schottland             Königsberg

Wo ist "Masergüttgen"?

Die Lage des Masergutes, die lange nicht bestimmt werden konnte, wurde nun durch ein neues Buch geklärt:
[Helmut Bieber: Wronken – Chronik eines Dorfes in Masuren. Selbstverlag des Autors, 1986. (44 Münster, Sudmühlenstr. 68)]


Da Ortsnamen in Masuren immer wieder geändert wurden, muss ich hier mehrfach zwei Namen angeben.

Westlich des Dorfes Wronken (= Fronicken) liegt das Gut Wessolowen (= Kleinfronicken), von dem bald nach der Gründung das 5 Hufen große adlige "Masergut" im Jahre 1575 abgeteilt wurde. Es ist ein recht kleines Gut, so dass es nicht überrascht, wenn es im Kirchenbuch als "Masergütchen" (Masergüttgen) bezeichnet wird. Gelegentlich wird es "Klein-Wessolowen" genannt. Um 1820 wurde es mit dem Gut Wessolowen wieder vereinigt. Es gehört zum Kirchspiel Schwentainen, zum Amt Polommen und zum Kreis Oletzko (= Treuburg) in der südöstlichsten Ecke Masurens.



                   o   Grünheide
    Friedrichsheide    o
                          . Masergut
                          o
                 Wessolowen    o Wronken
                                =Fronicken        Oletzko
                                         o        =Treuburg O
                                      Schwentainen
                           Polommen o

Im Jahre 1818 ist "Maserguth" ein "adliges Hauptgut" mit einer Feuerstelle und 5 Seelen.
[Der Reg.Bez. Gumbinnen..., Gumbinnen 1818, Neudruck Hamburg 1981]


Vom Masergut stand 1870 nur noch eine Scheune; das Gut ist eingegangen.
[F.Gause: Neue Ortsnamen in Ostpreußen seit 1800, Königsberg 1935, Neudruck Hamburg 1983]


Quer über das Masergut wurde 1907 die Eisenbahn Lötzen-Treuburg gebaut, wobei auch die letzten Gutsgebäude abgerissen wurden.

87/10/3


4. Piotr Zembrzicky und das Masergut

Im Jahre 1936 teilte das Pfarramt Schwentainen mit, dass "Piotr Zembrzicky von Masergüttgen" dort 1737 bis 1744 vier Kinder taufen ließ. Der Name der Ehefrau war im Kirchenbuch nicht eingetragen worden. Dieser Bezeichnung nach muss Piotr der Gutsbesitzer gewesen sein, zumal "Masergüttgen" ein kleines Gut war, auf dem keine zwei Familien leben konnten. Heirat und Herkunft ließen sich aus den Schwentainer Kirchenunterlagen nicht feststellen.
[Forschungen Gerhard Lemmel 1936, Aktenzeichen C46e]

Nach H.Bieber [S.27 und S.212 seines Buches, nach Urkunden im Staatsarchiv Königsberg] war 1735 die verwitwete Frau von Bergen die Eigentümerin des "Masergütchens". 1768 ist es im Besitz zweier Brüder v.Bergen, die es an den Sohn des verstorbenen dritten Bruders, den Capitän Johann Christoph v.Bergen verkaufen. Es findet sich dabei keine Erklärung, warum für Piotr Zembrzicky 1737 bis 1744 im Kirchenbuch "von Masergüttgen" angegeben ist.

Gerhard Lemmel forschte weiter nach Urkunden über das Masergut und bekam 1986 vom Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem folgende Auskünfte.

Hans Albrecht v.Bergen, der 1664 geboren wurde, saß 1732 auf dem Gut Wessolowen und besaß wohl auch das benachbarte kleine Masergut. Bald darauf starb er. 1746 und 1749 ist für das Masergütchen die Witwe v.Bergen beurkundet; 1749 sind drei Söhne angeführt: Georg Fridrich, 47 Jahre alt, Adam Otto, 35, und Johann Jakob, 29. Die Kinder sind also zwischen 1702 und 1720 geboren, so dass die Mutter, die spätere Witwe v.Bergen, etwa um oder kurz nach 1680 geboren sein muss. Sie ist also wesentlich jünger als ihr Mann und hat ihn dann auch um rund 20 Jahre überlebt. Vor- und Geburtsname der Witwe v.Bergen sind hier nicht angegeben; nur ihr Vorname ist in einer weiteren Urkunde verzeichnet. In einer Vasallen-Tabelle von 1753 steht für "Klein-Wessolowen" (das ist ein anderer Name des Masergutes): Catharina Barbara v.Bergen.
[Die Kartei Quassowski, Buchstabe B, S.202, Hamburg 1983]

Der erste Besitzer des Masergutes war um 1570 Mertten Maaß, der dem Masergut den Namen gab. Seitdem war das Gut immer im Besitz der Familie Maaß/v.Maaßen. Die Witwe von Bergen muss also eine Tochter v.Maaßen gewesen sein, die dem Hans Albrecht v.Bergen das Masergut in die Ehe mitbrachte. Der Vorbesitzer des Masergutes war Wolf Friedrich v.Maaßen, nach dessen Tod 1714 die "Maaß. Erben" als Besitzer angegeben sind. Eine dieser "Maaß. Erben" muss also die Frau des Hans Albrecht v.Bergen sein.

Das ergibt die folgende Tafel für die Familie v.Bergen auf dem Masergut.


                                         Wolf Friedrich v.Maaßen
                                         auf dem Masergut, † 1714
           Hans Albrecht                         │       
           v.Bergen      verheiratet mit Catharina Barbara v.Maaßen
           *1664                         *?1680
           1732 auf                      1735-1753 Witwe v.Bergen      
           Wessolowen                    auf dem Masergut
                └────────────────┬───────────────┘
                ┌──────────────┬─┴───────────────┐───────────────┐
           Georg Friedr.       │                 │               │
           v.Bergen            │                 │               │
           *1702           Adam Otto             │            Tochter v.Bergen
                           v.Bergen          Johann Jakob     *?1710/1718
                           *1714             v.Bergen         oo mit Piotr Zembr.
                           †vor1768          *1720               │
                               │                                 │
                           Johann Christoph                   Kinder Zembrzicky
                           v.Bergen, *?1740/45                * 1737 bis 1744
                           bekommt 1768 Masergut von
                           den Brüdern des Vaters


Wenn nun für den etwa 1705 geborenen Piotr Zembrzicky "von Masergüttgen" angegeben wird, dann muss er eine Tochter v.Bergen geheiratet haben und mit ihr auf dem Masergut gelebt haben, wo er 1737-1744 seine vier Kinder bekam. Die Tochter v.Bergen mag etwa zwischen 1710/1718 geboren sein.

Piotr Zembrzicky lebte auf dem Masergut offenbar nur vorübergehend, sicher in den Jahren 1737-1744. In dieser Zeit ist die "Witwe v.Bergen" als Besitzerin verzeichnet. Da Töchter nicht immer erbberechtigt waren, konnte Piotr das Gut nicht erben. Es blieb im Besitz der Brüder v.Bergen, die es 1768 ihrem Neffen Johann Christoph v.Bergen verkauften. 

Es wäre nun interessant, den Vertrag von 1768 mit der Übergabe des Masergutes zu studieren, ob darin vielleicht der Schwager Zembrzicky erwähnt wird. Bieber gab hierzu als Quelle den Ostpreußen-Folianten Nr.8527 an. Nach Rückfrage beim Staatsarchiv Dahlem stellte sich leider heraus, dass die Biebersche Quellenangabe nicht richtig ist, so dass man den Masergut-Vertrag von 1768 nicht auffinden konnte. Glücklicherweise erhielt ich im Jahre 2005 doch noch eine Kopie des Vertrages von Achim Tutlies in Hamburg, Archivar der "Kreiskartei" der Kreisgemeinschaft Treuburg e.V. Der Vertrag ist ein Anhängsel zu einem späteren Vertrag von 1795, als Johann Christoph v.Bergen das Gut weiterverkaufte, mangels eigener Kinder an seine Stieftochter Marie Helena Hartknoch verehelichte Saffrans. In diesen Schriftstücken sind nur Käufer und Verkäufer namentlich genannt. Andere Namen sind nicht erwähnt, und leider gab es hier also keine Erwähnung des Schwagers Piotr Zembrzicky.

87/10/3, revidiert 07/5/29



5. Ahnentafel der Kinder Zembrzicky vom Masergut


Aus dem zuvor Gesagten und den weiteren Angaben im Buch von Helmut Bieber ergibt sich die folgende Ahnentafel.

Ambrosius v.Kolbitz erhält 1565 das Gut Wessolowen verschrieben, das seine Kinder aus
erster Ehe erben. In zweiter Ehe heiratet er die Witwe eines Freien aus Neu-Jucha, dessen
Name nicht bekannt ist. Die Tochter dieser Witwe aus Neu-Jucha erhält vom Stiefvater
v.Kolbitz als Leibgedinge 5 Hufen, die 1575 vom Gut Wessolowen abgeteilt werden. Sie
heiratet den Mertten Maaß, nach dem dieses Gut von 5 Hufen fortan Masergut genannt wird.


Martin Sembriczky
*?1525                                     Mertten Maaß
1570 mit 7 Söhnen                          *?1540               Stieftochter des
im Amt Oletzko=Treuburg               1576 erster Besitzer      Ambrosius v.Kolbitz,
beurkundet                            des Gutes seiner Frau,    1575 erhält sie 5 Hufen
       :                              das nach ihm den Namen    als Leibgedinge
                                      Masergut erhält.                 │
       :                                          ├────────────────────┘
                                           Michel Maaßen
       :                                   *?1575
                                           1599 auf Masergut
       :                                   1609: das Masergut
                                           behält adelige Qualität
       :                                          │
                                           ... v.Maaßen
       :                                   *?1610
                                                  │              
       :                                   Wolf Friedrich
                                           v.Maaßen
       :                                   *?1650, †1714
                                           1714 Maaß Erben
       :                                   auf dem Masergut      
                       Hans Albrecht              │
       :               v.Bergen            Catharina Barbara v.Maaßen
                       *1664               *?1680     
       :               1732 Wessolowen     1735-1753 Witwe v.Bergen
                             │             auf dem Masergut   
Piotr Zembrzicky             ├────────────────────┘  
*?1705                 Tochter v.Bergen
1737-1744 Masergut     *?1710/1718
       ├─────────────────────┘
Kinder Zembrzicky
* 1737-1744 auf dem
Masergut; sie gehen
nach Königsberg und
Oletzko


31.3.2007

zur Stammtafel der Sembritzkis vom Masergut


F.  Die Stammtafeln Sembritzki, siehe  Stammtafeln Sembritzki



Ende
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