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Der Sembritzki-Stamm vom Masergut

von Hans-Dietrich Lemmel, 1987, ergänzt 2007, 2010, nicht gedruckt

1. Die Sembritzki-Kaufmannschaft in Königsberg um 1800

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts tauchten in Königsberg sechs Kaufleute namens Sembritzki auf:

1765 wird Gottfried Zembritzky aus Polommen Bürger als "Pohl.handl." in der Altstadt, also wohl als Kaufmann, der im Polenhandel tätig ist.

1772 wird Daniel Rudolf Zembritzky aus Drigallen Bürger als Speicherhändler in der Altstadt [siehe Stamm Drygallen].

1773 stirbt der Kaufgesell Albrecht Sembritzki.

1780 wird Mich. Zembritzki aus Polomen Bürger in Königsberg im Kneiphof; sein Beruf, der schwer zu entziffern ist, war wohl Gewürzkrämer.

1796 heiratet in Königsberg der Handlungsdiener Fridrich Sembritzki aus Lyck, der sich seit zwei Jahren in Königsberg aufhielt [siehe Stamm Lyck].

1799 wird Gottfried Sembritzki aus Oletzko Bürger in Königsberg, im Kneiphof, und zwar "auf den handel mit seidenen, baumwollenen, wollenen und sonstigen Manufactur-Waaren".

Diese Sembritzkis wurden glücklicherweise bereits 1936 von Gerhard Lemmel nach den Bürgerbüchern im Königsberger Stadtarchiv und nach den Königsberger Kirchenbüchern weitgehend erforscht.

Soweit die Herkunft angegeben ist, zeigt es sich, dass diese Königsberger Sembritzkis aus der Gegend von Lyck/Marggrabowa stammen und daher mit den anderen dort lebenden Sembritzki-Stämmen verwandt sein dürften. Auch daraus, dass sie bei den Kindstaufen gegenseitig Pate stehen, kann man schließen, dass sie alle mit einander verwandt sind.

Der jüngere Gottfried, der 1799 Bürger wurde, hatte 7 Söhne. Vier von ihnen hatten wiederum zusammen 10 Söhne. Sie und ihre Nachkommen sind Gegenstand der Stammfolge des Sembritzki-Stammes vom Masergut.

Gottfried Sembritzki muss tüchtig und wohlhabend gewesen sein. Seine Frau stammte aus Schottland: Elizabeth Anderson aus Newcastle-upon-Tyne. Aus dieser schottischen Familie Anderson gab es schon seit einem Jahrhundert Kaufleute in Ostpreußen, so in Memel und in Angerburg. Vielleicht also war Gottfried Sembritzki bei einem der schottischen Kaufleute in Königsberg in die Lehre gegangen, wobei er wohl auch nach Schottland reiste. Da seine Ehe nicht in Königsberg verzeichnet ist, dürfte er in Schottland geheiratet haben. Die in Königsberg getauften Kinder erhielten vorwiegend englische Vornamen oder solche, die im Englischen und im Deutschen gebräuchlich sind.

Der dritte Sohn wurde 1803 in Whickham in Schottland geboren, und zu den Taufen in Königsberg 1800 und 1804 kam die schottische Großmutter angereist: eine erstaunliche Reisetätigkeit, über die sonst leider keine Einzelheiten überliefert sind.

Zwei von Gottfrieds Söhnen, von denen die Königsberger Kirchenbücher nichts weiter berichten, sollen nach Schweden und nach Amerika ausgewandert sein: ebenfalls ein Indiz für den Umfang des Sembritzkischen Handels.

87/10/3


2. Gerüchte über die Herkunft

Der Reichtum des Kaufmanns Gottfried Sembritzki, seine schottische Frau und seine Reisen haben offenbar die Fantasie der Nachkommen beflügelt, so dass sagenhafte Überlieferungen über die Herkunft der Familie entstanden, in denen sich Wahres mit Erfundenem mischt.

In den Aufzeichnungen von Kurt Sembritzki (* 1910) ist der Stammvater ein "v.Zembrycki", der mit einer Russin verheiratet war. Sein Sohn war der Kaufmann Gottfried Sembritzki, der aus Warschau eingewandert war, nach England ging und in Newcastle die Anderson heiratete. Gottfrieds neun Kinder sind dann in diesen Aufzeichnungen richtig angegeben.
[Stammtafdel Sembritzki, Mitteilung Lina S. 1987]

1936 berichtete Arnold Sembritzki über ein "Interview des Fritz Sembritzki in Berlin, Uhrmacher, ein netter gemütlicher Mann, der sich vorzugsweise seinen Uhren und seinem großen Obstgarten widmet. Seine Familienkenntnisse gründen sich auf Erzählungen seiner Tante Mathilde Plessien, die ihm als Junge in den 80er Jahren in Wehlau das Folgende berichtete." Arnold S. merkt dazu an: "Dieses alles will Onkel Fritz noch genau wissen, nur Tante Mathilde habe es leider inzwischen vergessen." – Also: "Gottfried Sembritzki soll 1766 in Memel geboren sein. Sein Vater (Vorname unbekannt) sei dort Schiffseigentümer und Kapitän gewesen. Er soll anlässlich der polnischen Teilung aus Polen nach Memel ausgewandert sein. Er soll zu den Patrioten Polens gehört haben und dort nicht mehr sicher gewesen sein. Vermutet wird, dass er aus der Grafschaft Zembricki bei Suwalki stammt. Ob selber adliger Herkunft, ist unbekannt, wird aber vermutet, da er in Memel das Geld zur Anschaffung eines Schiffes hatte. Er sei viel zur See in England gewesen und habe dabei seinen Sohn Gottfried mitgenommen. Dieser habe in England geheiratet und auch seine Söhne dort erziehen lassen. – Albert Sembritzki, der Vater des Uhrmachers Fritz S., soll in den 70er Jahren mit Arnold Sembritzkis Großvater Rudolf S. wegen Wiederaufnahme des Adelsprädikates verhandelt haben."
[Brief Arnold Sembritzki 26.7.1936 an Gerhard Lemmel (Aktenz. C32b)]

Die Überlieferung, dass die Sembritzkis adeliger Herkunft seien, rührt also zum einen von der Tatsache, dass Gottfried recht reich war, zum andern aber davon, dass es in Polen zwar keine Grafschaft Zembricki aber doch eine Kleinadelsfamilie Zambrzycki gab. Dass Kaufleute oftmals reicher als Adelige waren und in einem besseren Stande lebten, war im Familienkreis offenbar nicht bekannt.

Die adelige Abstammung der Sembritzkis, die gerüchteweise auch in anderen Familienzweigen behauptet wird, stellte sich jedenfalls als unrichtig heraus. Jedoch mag, wie gezeigt werden wird, ein Sembritzki eine Adelige zur Frau gehabt haben.

Die wahre Herkunft des Kaufmannes Gottfried Sembritzki konnte noch vor dem Krieg von Arnold Sembritzki, seinem Vetter Ulrich Sembritzki und seinem Schwager Gerhard Lemmel ermittelt werden.
87/10/3

In der Sembritzki-Linie vom Masergut ist ein Sembritzki-Wappen überliefert, das einen "wilden Mann" zeigt. Ein Mann mit einer Keule auf der Schulter und einem Bündel (Pfeile?) in der linken Hand, darüber ein Spangenhelm mit zwei Büffelhörnern. Links ein Siegelabdruck (der nur am Bildschirm zu erkennen ist aber nicht auf Papier ausgedruckt), rechts eine ungefähre Zeichnung des Siegels. Beides ist hier vergrößert. Das Original hat nur einen Durchmesser von 10 Millimetern. Der Ursprung dieses Wappens lässt sich nicht mehr feststellen.
                 
Einen Wachsabdruck von einem gleichen Petschaft erhielt ich 1987 von Frau Lina Sembritzki, Hamburg, aus dem Besitz ihres Schwiegervaters Konstantin Sembritzki. Es ist freilich selbst am Bildschirm nicht zu erkennen. Konstantin Sembritzki hatte diesen Siegelring von seinem Vetter Otto Sembritzki, dem Dünenbaumeister in Stralsund, bekommen. Otto war der Meinung, dass das Wappen des Ringes kein Sembritzki'sches Familienwappen sei.

Schließlich erhielt ich im Jahr 2014 einen schönen Siegelabdruck aus der Familie von Enno Sembritzki in Oldenburg (einem Sohn von Ulrich Sembritzki).
.
Es ist das gleiche Motiv, zeigt aber kleine Unterschiede in den Ornamenten, muss also von einem anderen Petschaft stammen als der obige Wachsabdruck. Nachdem also dieses Wappen mit dem "Wilden Mann" in verschiedenen Familienzweigen auftauchte, müsste man annehmen, dass es schon von dem 1803 geborenen Ferdinand Sembritzki, dem Königsberger Schuhfabrikanten, geführt wurde.

29.6.2014


3. Die Herkunft vom Masergut


Von Gottfried Sembritzki ist urkundlich nur belegt, dass er in Oletzko (= Treuburg) geboren wurde [laut Bürgerbuch], und zwar um 1766 [laut Sterbealter]. Eine in seinem Hause sterbende Schullehrers-Witwe Catharina Sembritzki geborene Wilkewitz dürfte seine Mutter sein.

Bei der Taufe seines ältesten Sohnes ist ein Daniel Sembritzki, der sonst in Königsberg nicht genannt ist, der erste der Taufpaten. Da es mehrfach geübte Sitte ist, dass der Großvater bei seinem ältesten Enkel Taufpate ist, könnte Daniel Gottfrieds Vater sein, der also 1766 in Oletzko gelebt haben muss und der ein Schullehrer gewesen sein muss. Entsprechende Nachforschungen in Oletzko=Treuburg führten dort zu keinem Ergebnis. Zielführend war dann aber der Geburtsort "Polomen" des älteren Kaufmannes Gottfried Zembritzky, der bereits 1765 in Königsberg Bürger wurde. Im zuständigen Pfarramt Schwentainen im Kreis Treuburg fand man die Geburtseinträge von vier Geschwistern Zembrzicky, von denen zwei (Gottfried und Albrecht) als Kaufleute in Königsberg auftauchten, ebenso die Schwester Lovisa, die 1776 in Königsberg stirbt; das vierte der Geschwister ist Daniel, und das muss der Schullehrer in Oletzko sein, der Vater des reichen Kaufmannes Gottfried Sembritzki junior. – Der Vater dieser vier Geschwister ist "Piotr Zembrzicky von Masergüttgen", der um oder kurz nach 1700 geboren sein muss.


           Piotr Zembrzicky
           *?1705
           1737-1744 auf dem Masergut
     ┌───────────┴────┬──────────────────────┬─────────────┐
Gottfried             │                      │             │
*1737             Daniel                     │             │
wird 1765 Bürger  *1739                   Albrecht         │
in Königsberg,    Lehrer in Oletzko,      *1741          Lovisa
Kaufmann          1800 Pate in Kbg bei    stirbt 1773 in *1744
                  seinem ältesten Enkel   Königsberg als stirbt 1776
                  oo mit Cath. Witkowitz, Kaufgesell     in Königsberg
                  die 1817 bei ihrem Sohn
                  in Königsberg stirbt
               ┌──────┴─────────────────┐
          Gottfried                     │
          *1766 in Oletzko           Samuel
          Kaufmann in Königsberg     *1770
          oo mit Elizabeth Anderson  Kaufmann in
          aus Schottland             Königsberg

Wo ist "Masergüttgen"?

Die Lage des Masergutes, die lange nicht bestimmt werden konnte, wurde nun durch ein neues Buch geklärt:
[Helmut Bieber: Wronken – Chronik eines Dorfes in Masuren. Selbstverlag des Autors, 1986. (44 Münster, Sudmühlenstr. 68)]


Da Ortsnamen in Masuren immer wieder geändert wurden, muss ich hier mehrfach zwei Namen angeben.

Westlich des Dorfes Wronken (= Fronicken) liegt das Gut Wessolowen (= Kleinfronicken), von dem bald nach der Gründung das 5 Hufen große adlige "Masergut" im Jahre 1575 abgeteilt wurde. Es ist ein recht kleines Gut, so dass es nicht überrascht, wenn es im Kirchenbuch als "Masergütchen" (Masergüttgen) bezeichnet wird. Gelegentlich wird es "Klein-Wessolowen" genannt. Um 1820 wurde es mit dem Gut Wessolowen wieder vereinigt. Es gehört zum Kirchspiel Schwentainen, zum Amt Polommen und zum Kreis Oletzko (= Treuburg) in der südöstlichsten Ecke Masurens.


                   o   Grünheide
    Friedrichsheide    o
                          . Masergut
                          o
                 Wessolowen    o Wronken
                                =Fronicken        Oletzko
                                         o        =Treuburg O
                                      Schwentainen
                           Polommen o

Im Jahre 1818 ist "Maserguth" ein "adliges Hauptgut" mit einer Feuerstelle und 5 Seelen.
[Der Reg.Bez. Gumbinnen..., Gumbinnen 1818, Neudruck Hamburg 1981]


Vom Masergut stand 1870 nur noch eine Scheune; das Gut ist eingegangen.
[F.Gause: Neue Ortsnamen in Ostpreußen seit 1800, Königsberg 1935, Neudruck Hamburg 1983]


Quer über das Masergut wurde 1907 die Eisenbahn Lötzen-Treuburg gebaut, wobei auch die letzten Gutsgebäude abgerissen wurden.

87/10/3

4. Piotr Zembrzicky und das Masergut


Im Jahre 1936 teilte das Pfarramt Schwentainen mit, dass "Piotr Zembrzicky von Masergüttgen" dort 1737 bis 1744 vier Kinder taufen ließ. Der Name der Ehefrau war im Kirchenbuch nicht eingetragen worden. Dieser Bezeichnung nach muss Piotr der Gutsbesitzer gewesen sein, zumal "Masergüttgen" ein kleines Gut war, auf dem keine zwei Familien leben konnten. Heirat und Herkunft ließen sich aus den Schwentainer Kirchenunterlagen nicht feststellen.
[Forschungen Gerhard Lemmel 1936, Aktenzeichen C46e]

Nach H.Bieber [S.27 und S.212 seines Buches, nach Urkunden im Staatsarchiv Königsberg] war 1735 die verwitwete Frau von Bergen die Eigentümerin des "Masergütchens". 1768 ist es im Besitz zweier Brüder v.Bergen, die es an den Sohn des verstorbenen dritten Bruders, den Capitän Johann Christoph v.Bergen verkaufen. Es findet sich dabei keine Erklärung, warum für Piotr Zembrzicky 1737 bis 1744 im Kirchenbuch "von Masergüttgen" angegeben ist.

Gerhard Lemmel forschte weiter nach Urkunden über das Masergut und bekam 1986 vom Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem folgende Auskünfte.

Hans Albrecht v.Bergen, der 1664 geboren wurde, saß 1732 auf dem Gut Wessolowen und besaß wohl auch das benachbarte kleine Masergut. Bald darauf starb er. 1746 und 1749 ist für das Masergütchen die Witwe v.Bergen beurkundet; 1749 sind drei Söhne angeführt: Georg Fridrich, 47 Jahre alt, Adam Otto, 35, und Johann Jakob, 29. Die Kinder sind also zwischen 1702 und 1720 geboren, so dass die Mutter, die spätere Witwe v.Bergen, etwa um oder kurz nach 1680 geboren sein muss. Sie ist also wesentlich jünger als ihr Mann und hat ihn dann auch um rund 20 Jahre überlebt. Vor- und Geburtsname der Witwe v.Bergen sind hier nicht angegeben; nur ihr Vorname ist in einer weiteren Urkunde verzeichnet. In einer Vasallen-Tabelle von 1753 steht für "Klein-Wessolowen" (das ist ein anderer Name des Masergutes): Catharina Barbara v.Bergen.
[Die Kartei Quassowski, Buchstabe B, S.202, Hamburg 1983]

Der erste Besitzer des Masergutes war um 1570 Mertten Maaß, der dem Masergut den Namen gab. Seitdem war das Gut immer im Besitz der Familie Maaß/v.Maaßen. Die Witwe von Bergen muss also eine Tochter v.Maaßen gewesen sein, die dem Hans Albrecht v.Bergen das Masergut in die Ehe mitbrachte. Der Vorbesitzer des Masergutes war Wolf Friedrich v.Maaßen, nach dessen Tod 1714 die "Maaß. Erben" als Besitzer angegeben sind. Eine dieser "Maaß. Erben" muss also die Frau des Hans Albrecht v.Bergen sein.

Das ergibt die folgende Tafel für die Familie v.Bergen auf dem Masergut.


                                         Wolf Friedrich v.Maaßen
                                         auf dem Masergut, † 1714
           Hans Albrecht                         │       
           v.Bergen      verheiratet mit Catharina Barbara v.Maaßen
           *1664                         *?1680
           1732 auf                      1735-1753 Witwe v.Bergen      
           Wessolowen                    auf dem Masergut
                └────────────────┬───────────────┘
                ┌──────────────┬─┴───────────────┐───────────────┐
           Georg Friedr.       │                 │               │
           v.Bergen            │                 │               │
           *1702           Adam Otto             │            Tochter v.Bergen
                           v.Bergen          Johann Jakob     *?1710/1718
                           *1714             v.Bergen         oo mit Piotr Zembr.
                           †vor1768          *1720               │
                               │                                 │
                           Johann Christoph                   Kinder Zembrzicky
                           v.Bergen, *?1740/45                * 1737 bis 1744
                           bekommt 1768 Masergut von
                           den Brüdern des Vaters

Wenn nun für den etwa 1705 geborenen Piotr Zembrzicky "von Masergüttgen" angegeben wird, dann muss er eine Tochter v.Bergen geheiratet haben und mit ihr auf dem Masergut gelebt haben, wo er 1737-1744 seine vier Kinder bekam. Die Tochter v.Bergen mag etwa zwischen 1710/1718 geboren sein.

Piotr Zembrzicky lebte auf dem Masergut offenbar nur vorübergehend, sicher in den Jahren 1737-1744. In dieser Zeit ist die "Witwe v.Bergen" als Besitzerin verzeichnet. Da Töchter nicht immer erbberechtigt waren, konnte Piotr das Gut nicht erben. Es blieb im Besitz der Brüder v.Bergen, die es 1768 ihrem Neffen Johann Christoph v.Bergen verkauften. 

Es wäre nun interessant, den Vertrag von 1768 mit der Übergabe des Masergutes zu studieren, ob darin vielleicht der Schwager Zembrzicky erwähnt wird. Bieber gab hierzu als Quelle den Ostpreußen-Folianten Nr.8527 an. Nach Rückfrage beim Staatsarchiv Dahlem stellte sich leider heraus, dass die Biebersche Quellenangabe nicht richtig ist, so dass man den Masergut-Vertrag von 1768 nicht auffinden konnte. Glücklicherweise erhielt ich im Jahre 2005 doch noch eine Kopie des Vertrages von Achim Tutlies in Hamburg, Archivar der "Kreiskartei" der Kreisgemeinschaft Treuburg e.V. Der Vertrag ist ein Anhängsel zu einem späteren Vertrag von 1795, als Johann Christoph v.Bergen das Gut weiterverkaufte, mangels eigener Kinder an seine Stieftochter Marie Helena Hartknoch verehelichte Saffrans. In diesen Schriftstücken sind nur Käufer und Verkäufer namentlich genannt. Andere Namen sind nicht erwähnt, und leider gab es hier also keine Erwähnung des Schwagers Piotr Zembrzicky.
87/10/3, revidiert 2007/5/29


5. Ahnentafel der Kinder Zembrzicky vom Masergut

Aus dem zuvor Gesagten und den weiteren Angaben im Buch von Helmut Bieber ergibt sich die folgende Ahnentafel.

Ambrosius v.Kolbitz erhält 1565 das Gut Wessolowen verschrieben, das seine Kinder aus
erster Ehe erben. In zweiter Ehe heiratet er die Witwe eines Freien aus Neu-Jucha, dessen
Name nicht bekannt ist. Die Tochter dieser Witwe aus Neu-Jucha erhält vom Stiefvater
v.Kolbitz als Leibgedinge 5 Hufen, die 1575 vom Gut Wessolowen abgeteilt werden. Sie
heiratet den Mertten Maaß, nach dem dieses Gut von 5 Hufen fortan Masergut genannt wird.
                                          
Martin Sembriczky                     Michel Maas/Maß in Jucha und Wessolowen
*?1525                                         *?1525
1570 mit 7 Söhnen                     (siehe unten, Kapitel 6.)
im Amt Oletzko=Treuburg                           │
beurkundet                                 Mertten Maaß
                                               *?1550           Stieftochter des
       :                              1576 erster Besitzer      Ambrosius v.Kolbitz,
                                      des Gutes seiner Frau,    1575 erhält sie 5 Hufen
       :                              das nach ihm den Namen    als Leibgedinge
                                      Masergut erhält.                 │
       :                                          ├────────────────────┘
                                           Michel Maaßen
       :                                       *?1575
                                           1599 auf Masergut
       :                                   1609: das Masergut
                                           behält adelige Qualität
       :                                          │
                                           ... v.Maaßen
       :                                       *?1610
                                                  │              
       :                                   Wolf Friedrich
                                           v.Maaßen
       :                                   *?1650, †1714
                                           1714 Maaß Erben
       :                                   auf dem Masergut      
                       Hans Albrecht              │
       :               v.Bergen            Catharina Barbara v.Maaßen
                       *1664                   *?1680     
       :               1732 Wessolowen     1735-1753 Witwe v.Bergen
                             │             auf dem Masergut   
Piotr Zembrzicky             ├────────────────────┘  
*?1705                 Tochter v.Bergen
1737-1744 Masergut     *?1710/1718
       ├─────────────────────┘
Kinder Zembrzicky
* 1737-1744 auf dem
Masergut; sie gehen
nach Königsberg und
Oletzko
                                                                 31.3.2007/18.12.2010


6. Michel Maß von der Juch außem Holetzschen
 .
Im Dezember 2010 teilte mir Herr Kuno Rogalla von Bieberstein folgende Urkunden-Regesten mit:

1593.xx.xx. Jucha: Datzbog Gollubs Weib Katharina Michel Maßens Tochter.  (GstA XX EM 103 Nr. 75 S. 195.)
Einklagen der von Michel Maas nicht korrekt gehaltenen Schicht und Teilung durch seine Tochter Catharina Gollub, Andreas Strolinski, Dorothea Wittinsky deren Ehegatten und den Sohn Marczin Maas.
 
1590.10.30. Kutzen.  Gottfried  Gollub zu Kutzoff Hausfrau Catharina Tochter des Michel Massens. (EM 103 j Nr. 75 S. 195)
Durchlauchtigster hochgeborener Fürst gnädigster Herr E. F. d. kann ich armes und betrübtes Weib, aus hochdringend  not , mein  ...ingen  und hochbeschwer unterthänigst für  zutragen keinen umbgang haben, demütigst bittende E.H.D. solches  aller gnädigst beherzigen, wegen meines lieben vatters Michel Maßen von der  Juch  außem Holetzschem, davon ich offen und mannichmal, mich kindtlicher bitten angelauffen, umb   Gotteswillen gebeten, weil er mich in den Ehestand gegeben, und mir in meinen Haushaltung allerley  handtmanges  hinfallen  hörte, mir und meinem armen Mann sambt unseren kleinen unerzogenen kinderchen,  mit väterlicher hülfe zuerscheinen.  hatt er sich daß zur keiner erbarmung lenken lassen ... und sein verwerfliches frage, ... kegen mir seinem Kind  genzlichen verschlossen.  
So mich meinem freien Erbe mutter....      da er zur Juch 8 Huben cölmisch . 4 Huben Magdeburgischen zur beiden Kindern nebenst einer gutten und nützlichen Mühlen wie 5 Huben in der  Wilddnuß zur Weßelowen, diß alles er nach unserer seeligen Mutter todt, und nach den er nun in die Lehen ist, Da mein Vater wiederumb gefreiet, mich allen und jeden Nutzungen innegehabt, und  one schichtung gebrauchet. . Mir armen   so eine leibliche Tochter nicht den geringsten heller auß oggenannten Gründen zurgeben begrl... . allein mid meinen wenig kleidern  ab zu weisen ver .. ........... Ob nun solches und ..mein Vater aber  ....hung der güter in demselben moment gebe ich SHD: in aller ....... zu erkennen. Habe die so unbarmherzigkeit meines Vaters , ... und offensichtlich, beim H.. H  , so eines Eignen Erb-Landgericht, um zu meiner Mütterlichen  zuerhoffen mit  ... gelege und gesuche,  habe ich das so war meine andre Geschwister weniger alß nicht  lichten mögen und manchem wegk und ...  ...ten thun müßen.  Dieweil den allergnädigsten ... und Herr mir und meinen Geschwistern, wegen   
Katharina Gottfried Golubien eheliche Hausfrau zu Kutzoffs außem Holetzkischen (GstA XX 103 j Nr. 75 S. 195)


Hieraus ergibt sich folgendes. 1590 ist Katharina Maß mit Gottfried(Datzbog) Gollub verheiratet und hat "kleine unerzogene Kinderchen". Sie kann also 25-40 Jahre alt sein, geboren etwa 1550-1565. Ihr Vater ist "Michel Maß von der Juch außem Holetzschen", also aus Jucha im Gebiet von Oletzko. Seine erste Frau, die Mutter der Katharina, ist schon gestorben, und er ist in zweiter Ehe verheiratet. Von der verstorbenen ersten Ehefrau hat er einen Besitz übernommen, von dem die Tochter Katharina einen Beitrag für sich und ihre Kinder verlangt. Der Besitz umfasst in Jucha 8 Huben cölmisch, 4 Huben magdeburgisch "zu beiden Kindern", eine "gute und nützliche Mühle", sowie 5 Huben in der Wildnis zu Weßelowen. - 1593 wird erwähnt, dass Katharina Gollub geb. Maas einen Bruder hat: Marczin Maas. Der muss identisch sein mit dem Mertten Maaß, der 1576 das 5-Hufen-Gut in Wessolowen erheiratete, das dann Masergut genannt wird. (Dieses 5-Hufen-Gut, das Mertten von seiner Frau übernahm, kann nicht identisch sein mit den "
5 Huben in der Wildnis zu Weßelowen", die sein Vater besaß.) - Michel Maß, der 1590/1593 erwähnte Vater von Katharina und Marczin/Mertten, mag also etwa 1525 geboren sein. Mit ihm kann die bisher bekannte v.Maaßen-Stammtafel um eine Generation ergänzt werden.
18.12.2010

7. Die Sembritzki-Linie in Zinten

Vermutlich ein Bruder von Piotr Zembrzicky, oder allenfalls sein Vetter, ist Andreas Zembrzicky, der 1750 als Schuhmacher-Geselle in Königsberg heiratet. Er stammt aus Marggrabowa (=Treuburg/Oletzko) oder der nahen Umgebung, denn zu seiner Heirat in Königsberg erfolgte das Aufgebot in Marggrabowa. Der 1751 geborene Gottfried Sembritzki, der sein Sohn sein muss, wurde Schuhmacher in Zinten südlich von Königsberg. Unter seinen Nachkommen ist auch eine Sembritzky-Linie in Greifswald.
Zum Text über die Sembritzkis in Zinten.
Zum Text über die Sembritzkys in Greifswald.
25.9.2011

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