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Hans Lemmel/Lemmer e809 – Bergmann und Schöffe in Schneeberg


Vater: C-28/a Hans Lemmel c057

(* etwa ?1475/1480) (Chemnitz), † zwischen 1538/1541 (Schneeberg)

Wird 1503 Bürger in Chemnitz,dort noch 1504,dann nicht mehr. Ab 1512 mit Fundgruben in Schneeberg belehnt, dort dann Vor- steher der Gemeinde, Schöffe und Steiger.

∞ vor 1512 mit ... Bleinitzer e806

(* etwa ?1485), † nach 1543

ihr Vater: ... Bleinitzer/Plawnizer e805, (* etwa ?1445), † vor 1512
In Burkersdorf zwischen Zwickau und Schneeberg. Siehe Pltz-28/a

Kinder:

1. Hans Lemmel, (* etwa ?1503) - Bergmann in Schneeberg, siehe Sn-30/a

2. Fritz/Friedrich Lemmel/Lemlein, (* etwa ?1505) - in Brambach, Buttelstedt, Ronneburg, siehe Wild-30/f

3. Valten Lemmel, (* etwa ?1510) - Gewerke in Oberwiesenthal, siehe Joa-30/e

4. Jacob Lemmel, * um 1514 - Berggeschworener in Schneeberg, siehe Sn-30/b

5. Mertten Lemmel/Lemlein, (* etwa ?1520) - in Joachimsthal, siehe Joa-30/m

Regesten:

 •  Schreibweise des Namens:
Lemmel: 1503, 1504 in Chemnitz, dann vorwiegende Schreibweise 1512 - 1538 in Schneeberg
Lemmer: 1512, 1519 in Burkersdorf, 1521 in Schneeberg
Lembl: 1525-1530
Lemel: 1531
Lämmel: 1534/35
Lemell, Lemmell: 1535
Seine Frau: Lemlin.

Zusammenfassung: Um 1475/1480 in Chemnitz geboren, wird Hans Lemmel 1503 Bürger von Chemnitz, wo er noch 1504 mit einem Besitz beurkundet ist, dann aber nicht mehr. Seine Frau ist eine Bleinitzer/Planitzer aus Burkersdorf zwischen Schneeberg und Zwickau. Sie ist eine Verwandte des sächsischen Diplomaten Hans v.d.Planitz, der Besitz in Schneeberg hat. Ab 1512 (zuletzt 1535) wird Hans Lemmel in Schneeberg mit Fundgruben belehnt - 1503 ist im Schneeberger Berglehenbuch noch kein Lemmel verzeichnet. 1521/1522 ist er einer der Vorsteher der Gemeinde; er überlebt die Pest. Er ist um 1525/1530 Berggeschworener, 1526 einer der Vorsteher der Knappschaft, 1529 Schöppe, 1534/1535 Steiger. Um 1540 stirbt er. Nach ihm leben (seine Söhne) Hans und Jakob in Schneeberg. Ein weiterer Sohn ist Merten, der 1548 "aus Schneeberg" in Joachimstal heiratet. Wahrscheinlich ein weiterer Sohn ist Valten, der um 1545 aks Gewerke in Oberwiesenthal lebt. Schließlich muss ein weiterer Sohn Friedrich Lemmel sein, der der Stammvater des Lemmel-Stammes Wildenstein wird (Begründung siehe dort).

→ Die Identität von Hans Lemmel in Chemnitz, in Burkersdorf und in Schneeberg ist nicht urkundlich gesichert sondern nur aufgrund von Indizien als wahrscheinlich anzusehen.

Im einzelnen:

 •  1503 wird Hans Lemmel Bürger in Chemnitz.
[Bürgerbuch Chemnitz laut Herbert E. Lemmel, "Geschichte" S.297]

→ 1501/1502 war der gleichnamige Vater gestorben, und der Sohn erhält nun das Bürgerrecht. Herbert E. Lemmel bezog diesen Eintrag auf den älteren Hans, was ich für unbegründet halte [HDL].

 •  Bis 1501 hat (der ältere) Hans Lemmel Besitz in Chemnitz "über die Brücke bei Sankt Niklas". (Siehe C-28/a.) 1502 ist Hans durchgestrichen und Jorg drübergeschrieben. 1503 und 1504 haben Hans Lemmel und Jorge Lemmel diesen Besitz.
[Ratsarchiv Chemnitz Kap.III Sekt.II Nr.42a. Siehe Herbert E. Lemmel, "Herkunft" S.183, wo aber die Deutung der Einträge teilweise anders ist.]

→ Den durchgestrichenen Hans Lemmel von 1502 kann man so deuten, daß der ältere Hans Lemmel gestorben ist und der Besitz dann an dessen Söhne Jorge und Hans übergeht, von denen Hans 1503 das Bürgerrecht erwirbt. [HDL]

 •  Danach ist kein Lemmel mehr in Chemnitz nachweisbar, so daß man annehmen kann, daß Jorge und Hans Lemmel abwanderten, zumal alsbald diese beiden Namen woanders wieder auftauchen: Hans 1512 in Schneeberg und Jorge 1534 in Platten.

 •  Im Schneeberger Berglehenbuch von 1503 ist kein Lemmel verzeichnet. [M.Möckel]

 •  1512 wird Hans Lemmel mit der Fundgrube Sankt Georg in Schneeberg belehnt.
[Bergarchiv Freiberg 234 c (3), Berglehenbuch Schneeberg 1509-1513 Fol.63b, laut Ernst Költzsch. Auch laut Willy Roch, und Herbert E. Lemmel, "Herkunft" S.217.]

 •  1512, 1519: "lemmerhans" bzw. Hans Lemmer, Erbvertrag mit Bartel Bleinitzer oder Plawnitzer zu Burckersdorf (halbwegs zwischen Schneeberg und Zwickau).

 •  1512: Bartel Bleinitzer zu Burckersdorff erhält Verzicht und Auflassung in die väterlichen Güter von Jorg Blenitzer, Hans Blenitzer, und lemmerhans und Michel Philipp wegen ihrer Weiber, und Barbara, eine Dienerin des Voits zu Hartmannsdorf Michel Pock. - Nicl Monch ist Richter. Zeugen sind: Symon Richter, Kylian Zußler, Nicl Schoman und Nicl Ditterich.

 •  1519: Partel Plawnitzer hat vergnügt und bezahlt an ihren Erbteil seine Schwäger Nickel(?) Pock gottsel., Hans Lemmer, Michael Philipp, Lorenz Frolich, sowie Hans und Jacoff Plawnitzer. Dabei ist Hans Kaufmann Richter in Kirchberg.
[Gerichtsbuch Kirchberg Nr.182 für 1491-1534 Fol.40b und Fol.73; laut E.Költzsch und K.Wensch]

→ In den drei Gerichtsbüchern für Kirchberg für die Jahre 1491-1552 (Nr.182-184) fand K.Wensch sonst keinen Lemmel/Lemmer/Limmer. E.Költzsch sah die selben Bücher durch sowie auch die weiteren bis 1574 (bis Nr.187) und fand außer den beiden obigen Einträgen ebenfalls keinen weiteren Namensträger.

→ Bei den genannten Orten sind die bei Schneeberg gelegenen und nicht die bei Chemnitz gelegenen gleichnamigen Orte gemeint:

→ Der hier genannte Hans Lemmer ist wohl identisch mit Hans Lemmel/Lemmer in Schneeberg, wo auch die Familien Richter und Philipp im Zusammenhang mit Lemmel vorkommen. Andererseits ist der hier genannte Hans Lemmer wohl auch identisch mit Hans Lemmel in Chemnitz, wo die Witwe Merten Lemelyne 1495/96 in Verbindung mit den Familien Philipp und Schumann genannt ist, die in obigen Regesten wieder auftauchen.

 •  In den Schneeberger Gewerkenverzeichnissen von 1515 und 1517, in denen ein Drittel der Gewerken Nürnberger sind, kommt kein Lemmel vor.
[Werner, MVGN Bd.60 S.153 ff]

 •  1521 Pest in Schneeberg. Darüber zwei Berichte:

 •  Von Gottes Wunder-Gerichten bey Sterbensläufften. Anno 1521 rumorte die Pest in Schneeberg also, daß etliche 100 daran auffgerieben wurden. Einige gute Schmauß-Brüder hielten sich damahls zusammen, waren lustig und guter Dinge in Hans Lemmers Hause und triebens also ohne Furcht der Seuche Tag und Nacht: und diese alle sind von der Pest unangetastet geblieben.

 •  Von denckwürdiger Gottlosigkeit und Frevelthat einiger rohen und losen Pursche: ... Nicht viel besserer Gattung mögen gewiß seyn die jenigen Bürschlein, welche in der Pest-Zeit ann 1521 in Hannß Lemmels Hauß sich zuusammen gefunden und die gantze Sterbens-Zeit über Tag und Nacht gefressen und gesoffen, lustig und guter Dinge gewesen und gleichwohl von der Seuche unangetastet und lebendig geblieben sind.
[Christian Lehmann: Historischer Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Ertzgebirge. Leipzig 1699, S.993.]
[Christian Meltzer: Historia Schneebergensis Renovata. Schneeberg 1716, S.1059.]

 •  1521 ist Hans Lemmel Vorsteher der Gemeinde in Schneeberg.

 •  1525/1530: Von des Bergmeisters Jurisdiction und Revier: Zur Verleihung hat der hiesige Bergmeister zu Schneeberg vom Churfürsten zu Sachsen ein Revier, "einer großen Berg-Meile, Circkelweiß umb den Schneeberg bekommen". Der Verlauf dieses Zirkels wird in einzelnen Meilen-Abschnitten beschrieben, darunter: "die sechste gegen der steinernen Marter oder Creutz uff der Straß bei Zwickau über, darauff man nemlich nach Zwickau gehet; die siebende hinter dem Eibenstock, und zwar fünff Schnur davon, gewesen, und durch Michael Hafftenstein, Bergmeistern (der von anno 1525 biß 1530 im Amt gewesen), Fabian Lobwassern und Nicol Zetzschen, Geschwornen, wie auch Hanß Lembl und Caspar Müllern gemessen worden seyn".
[Meltzer, Historia, S.178, 438.]

 •  Schneeberger Amtspersonen:

 •  1522 Amtsverweser Martin Huet, Richter Niclas Zetzsch (ein Schichtmeister), Schöppe Thomas Erler; Vorsteher aus der Gemeinde: Hanns Lemmel, Nicol Wagner, Wolf Thiel, Nicol Barthel.

 •  1526 Richter Hans Hirschberger; Schöppen Paul Wagner und Hanns Meusel; Vorsteher der Knappschaft: Hieronymus Neumann, Wolff Behemb, Hanns Lemmel; Vorsteher der Gemeinde: Cuntz Helffer.

 •  1529 Richter Ullrich Schön (= Ulle Fleischer); Schöppen Wolff Hainel und Hanns Lemmel; Vorsteher der Gemeinde: Hans Freytag und Hans Hetz (Müntz-Schmiedemeister).
[Carl Lehmann: Chronik der freien Bergstadt Schneeberg, Schneeberg 1837/38 Bd.1 S.125, 138, 145.]
[Meltzer, Historia, S.477, 475, 426.]

 •  1531 wird Hans Lemel in St.Ursula am Mühlberg belehnt.

 •  1535 wird Hans Lemell beim Fürstenstollen belehnt.

 •  1535 wird Hans Lemmell ufn Fürstenvortrag belehnt.

 •  1535 wird Hans Lemmel im schwarzen Behren belehnt.
[Bergarchiv Freiberg, Schneeberger Bergverleihbücher Bd.5 Fol.38b, Bd.6 Fol.83 und 90b. - Laut Ernst Költzsch]

 •  1534 oder 1535 ordnet der kurfürstliche Zehendner Paul Schmidt eine Befahrung der Schneeberger Zechen an. Daran nehmen teil: der Obersteiger Bernhard Freyberger; die Steiger Hanns Lämmel, Fabian Lobwasser, Wolff Naumann, Blasius und Wolff Richter; der Geschworene Wolff Böhm.
[Lehmann, Chronik, Bd.1 S.162.]

 •  1535 Hans Lemmels Kirchenstuhl neben Jorg Stroedels Stuhl.

 •  1538 5 gr von der Hans Lemlin für die frizu Lenauerin(?) [so laut Möckel] ... für der Fritz Leunerin Stand [so laut Költzsch]
[Kirchstuhlverzeichnis Schneeberg 1534-83 lt.M.Möckel u.E.Költzsch]

 •  1537, 1538: Hans Lemmel und Michel Pram nehmen Pittgeld ein.

 •  1541, 1543: die Hans Lemlin erhält als Hausarme je 1 gr 2 pf aus dem Kirchenkasten.
[Schneeberger Kämmerei- und Kastenrechnungen. - Laut E.Költzsch]

→ Hierzu schreibt E.Költzsch: Die aus dem Kasten Unterstützten gehören zu zwei Gruppen: 1.) Almosenempfänger, die besonders in Kriegs- und Notzeiten zahlreich waren, sowie Durchreisende: Vertriebene, Invaliden, fahrende Schüler u.a. 2.) Die "Hausarmen": das sind in Not geratene angesessene Bürger, deren Witwen und hinterlassene Kinder; sie wurden teils vorübergehend unterstützt, bis die Not behoben war, teils aber in regelmäßigen Zahlungen, die man als eine Witwenrente für verdiente Bürger ansehen muss.

→ Man muss also annehmen, dass Hans Lemmel zwischen 1538/1541 starb und seine Witwe ab 1541 gelegentlich Zuwendungen erhhielt - Das vermutete Sterbedatum wird auch dadurch bestätigt, dass der Sohn Jakob 1540 einen Kirchenstuhl löst, also wohl den des zuvor verstorbenen Vaters, dessen Kirchenstuhl 1535 erwähnt wurde. - Die Nennungen des Bergmannes Hans Lemmel in den späteren Jahren müssen also auf einen gleichnamigen Sohn bezogen werden, also einen Bruder des 1514 geborenen Berggeschworenen Jakob Lemmel.

 •  1563 zahlt der Kirchenkasten 3 gr "der alten Lemelin zu leuten".
[Einnahmen von Läutegeld der Verstorbenen, Schneeberg 1534-83, lt. M.Möckel u. E.Költzsch]
Ein Vorname ist nicht genannt, jedoch kann es sich kaum um eine andere als die Witwe des ersten Hans Lemmel handeln. [HDL]
Laut Möckel, jedoch nicht laut Költzsch, findet sich noch ein anderer Eintrag:

 •  1566 der alten lemlin zu leuten 2.11.1565 / der alten lemlin steur zu begräbnis post nat ma.

→ Der Eintrag von 1565/66 dürfte auf die zweite Ehefrau von Hans Lemmels Sohn Jakob zu beziehen sein (HDL).

Stammvater des Lemmel-Stammes Schneeberg «═══

→ Fehlerhinweis: Bei Herbert E. Lemmel ["Geschichte" Tafel 1 Blatt 11] wurden Vater und Sohn Hans Lemmel in Schneeberg irrtümlich als eine Person angesehen.


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