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Bleinitzer/Plawnitzer/v.d.Planitz um 1500


Auszug aus: E. Wülcker, H.Virck: Des kursächsischen Rathes Hans von der Planitz Berichte aus dem Reichsregiment 1521-1523, Leipzig 1899, Nachdruck 1979 Ohms Verlag Hildesheim. Aus der Einleitung S.xx.

... Der so begrenzte Landstrich war bis zum Jahre 1463 im gemeinschaftlichen Besitz der drei Brüder Friedrich, Georg und Hans von der Planitz. Bei der in diesem Jahr vorgenommenen Theilung des väterlichen Erbes erhielt Friedrich das Schloss Planitz mit den Dörfern Ober- und Nieder-Planitz, Rottmannsdorf und Cainsdorf, die beiden andern Brüder das übrige Gebiet mit dem Schloss Wiesenburg als Wohnsitz, das 12 Kilometer von Zwickau auf einer in das Muldethal vorspringenden Zunge der Hochebene lag. ... Hans starb auf einer Pilgerfahrt, die er im Jahre 1476 mit Herzog Albrecht von Sachsen zum Heilgen Lande unternahm. Georg wurde dadurch alleiniger Herr des bis dahin von den Brüdern gemeinschaftlich verwalteten Gebietes. Von diesem erhielten das im Süden gelegene Neustädtl und das an dasselbe angrenzende Dorf Grießbach für die Familie bald darauf eine hervorragende Bedeutung. Seit anfang der funfziger Jahre nämlich hatte auf dem zu jenen beiden Orten gehörenden Schneeberge der Bergbau begonnen. Bis zum Jahre 1470 war der Ertrag nur gering gewesen. In dem genannten Jahre aber wurden ganz außerordentliche reiche Silberadern entdeckt. Dieser Umstand lockte alsbald eine große Menge Leute herbei und führte in der Folge zu einer Ansiedelung auf dem Schneeberge, der schon im Jahre 1481 von den Herzögen Ernst und Albrecht städtische Rechte verliehen wurden. Es hatte das tiefgreifende Folgen für den Besitzstand der Grundherrn des Schneeberges, Georgs von der Planitz und seiner Söhne Rudolf und Hans. Denn durch das herrschende Bergrecht wurden die Rechte der Grundherrn nicht nur in mancher Beziehung geschmälert, sondern z. Th. spgar vollständig aufgehoben. Der Grundherr durfte die Schürfarbeiten auf seinen Besitzungen nicht hindern, ja konnte nicht einmal Ersatz für den hirdurch angerichteten Schaden beanspruchen. Er wurde hierfür auch nicht durch Antheil am Ertrage der Bergwerke entschädigt. Un mittelbaren Vorteil vom Bergwerk hatte außer den Zechenbesitzern vor allem der Landesherr. Ihm gebührte der Zahnte von der Ausbeute. Der Grundherr hatte nur, wenn er zugleich der Besitzer des Bodens war, Anspruch auf das sogenannte Ackertheil oder die vier Erbkuxe, d.h. es stand ihm zu, sich in jeder Zeche mit dem 32. Theil am Abbau zu betheiligen. Doch musste er vor dem Beginn der eigentlich bergmännischen Arbeiten vor Zeugen erklären, das er auf die auf ihn fallenden Beiträge zu den Betriebskosten leisten wolle. Erst wenn infolge des Bergbaues gewerbliche Einrichtungen wie Erzmühlen und Schmelhütten auf dem Gebiete des Grundherrn entstanden, oder eine größere Ansiedelung die Errichtung von Fleischbänken, Badestuben etc im Gefolge hatte, zog auch jener aus dem Bergwerl seinen Nutzen. Denn von allen diesen Einrichtungen war an ihn ein Zins zu entrichten.

.Kurfürst Friedrich von Sachsen thut kund, dass vor ihn gekommen ist Jurge, Friderich und Hans von der Plawenitz, gebruder ... und haben uns zu erkennen geben, das sie sich uß iren lehngutern, die sie von uns zu lehen haben, und ir vater seliger uff sie geerbet had, fruntlich und gutlich nach ir frunde rate und ir besserung wellen gesundert und erblich geteilt haben, also das Friderichen des slos Plawenitz mit dem kirchlehen das obir und niderdorff, Rotzmanstorff mit dem kirchlehen und Canstorff mit allen und iglichen iren zinsen ... zu sinem teil komen und gevallen ist. Und Jurgen und Hansen gebrudern von der Plawenitz semptlich das slos Wesemburg mit sinen forwergen, dorfern, nemelich die obir armeruge [d.i. das heutige Silberstraße], den Amißgraben den acker, item Kirchberg das stetlin mit dem krichlehen, item die dorfer mit namen Wilkow mit dem fischwasser, Kultzsch, nider und ober _Crinitz mit iren kirchlehn, fischwassern, wisen, Borckerstorff, Hartmannstorff, zu Cunerstorff funf menner, zu Sauppendorff funfzehen menner, item das dorf Nuwestetlin mit sinen friheiten, zcenewerken und kirchlehen, dazu den Wesenntberg mit dem zinsen und dorfern, nemlich die Schorle [Zschorlau], Lindenaw und Grispach, Bernewalde [Bärenwalde], Gigengrune, Wolffngrune, Lutelsbach [Leutersbach], Letterhofen [Lauterhofen] und zum harde in den dorfern, was sie dorin von rechte haben sullen mit zinsen ..., also ir vater seliger die uff sie bracht und geerbet had ... die alle uff Jurgen und Hansen gebruder teil komen und gefallen sind etc. Geben zu Liptzk 1463 an sant Dorotheantag [Februar 6]. Dresden Hauptstatsarchiv 7770a Or.


Das Gelände, auf dem Schneeberg mit seinen Bergwerken entstand, gehörte denen von der Planitz auf Wiesenburg. Ihnen gehörte auch das Dorf Grießbach, das die Planitzer denen von Uttenhof abgekauft hatten. Damals waren die Planitzer noch nicht adelig. Erst auf dem Reichstag zu Nürnberg 1523 wurde Doctor Hans v.d.Planitz zum Ritter geschlagen. Er war Rat von Kaiser Karl dem V. und Rat dreier sächsischer Kufürsten: Freidrich III. (der Weise †1525) , Johann (der Beständige †1532), Johann Friedrich (der Großmütige †1554).
[Melzer: Historia Schneebergensis S.3-4, Internet 2015]

Um 1505 heiratet Hans Lemmel aus Chemnitz eine Tochter Bleinitzer/Plawnitzer aus Burkersdorf, halbwegs zwischen Zwickau und Schneeberg, dicht bei Wiesenburg gelegen. Bald darauf ist Hans Lemmel in Schneeberg einer der Vorsteher  der Gemeinde, wird dort mit Stollen belehnt, und für seinen Sohn ist 1544 eine Erbschaft in Griesbach beurkundet, die wohl aus dem Besitz der Planitzer stammte..

Nach dem Gesagten muss der Name Bleinitzer/Plawnitzer eine Variante des Namens sein, der später von der Planitz lautet. Hans Lemmels Schwiegervater muss ein Vetter des Diplomaten Hans von der Planitz sein.


Pltz-26/a
..., auf Schloss Planitz, *?1390
1463 Erbteilung unter den Söhnen
   ┌─┴──┬─
27/f            27/g                   27/h
Friedrich     Georg Planitz         Hans Planitzer
*?1420        *?1423                  *?1425          
1463 erhält   Wiesenburg            Wiesenburg                             
er Schloss    Burkersdorf           Burkersdorf      
Planitz           │                    †1476      
   │              │                      │   
   │              │                    28/h
Rudolf d.Ä.   ┌─         ... Bleinitzer/Plawnitzer       
*?1450      Rudolf   28/g          *?1450, † vor 1512                    
aif Planitz *?1465   Hans          in Burkersdorf                          
            Wiesen Planitzer       1512 Erbverhandlung in Kirchberg                                  
             -burg   *1473           ┌─────┐                            
                   Wiesenburg,    Bartel  Jorg/   Hans  (Tochter)    (Tochter)  Barbara  (Tochter)                            
                   1523 Ritter    *?1480  Jacoff *?1490  *?1485      *?148o/90 *?1480/90 *?1480/90                              
                   v.d.Planitz, Burkers-  *?1485        ∞ mit Hans   ∞ Michael  ∞ Pock   ∞ Lorenz                           
             Rat von Ks.Karl V.    dorf                Lemmel/Lemmer   Philipp  Hart-     Frolich                               
                 und von sächs.                        in Schneeberg            mannsdorf                                                  
                   Kurfürsten                               │
                   ∞v.Schönberg                        Fritz Lemmel  
                                                       *?1505, unter     
                                                  Kurfürst Johann Friedrich,
                                               dann Wildenfelsischer Landrichter         
                                                            │
                                                       Hans Lemmel
                                                   *?1535, in Wildenfels

5.5.2018         ┘∞│†═ëç▲▼·ˑ ┌─┴─┘├─┼─┤└─┬─┐∞│†═ëç▲▼►◄ 

Diese Verwandtschaft des Schneeberger Hans Lemmel mit dem Diplomaten Hans v.d.Planitz klärt einen anderen Zusammenhang. In Diensten des Kurfürsten Johann Friedrich (der Großmütige, †1554) stand nicht nur Hans v.d.Planitz sondern auch ein Fritz Lemmel, dessen genealogische Einordnung bisher unklar war. Er war 1542 Vogt in Brambach  (im Südzipfel des Vogtlandes), während das Rittergut Brambach im Besitz des Hans v.d.Planitz war [Wikipedia]. 1533-1548 hatte Fritz als "Knecht" von Kurfürst Johann Friedrich einen Geleitsdienst in Buttelstedt bei Weimar inne. Als Kurfürst Johann Friedrich im Schmalkaldischen Krieg die Kurwürde verlor, verschwand Fritz Lemmel aus seinen Diensten und begab sich in die Dienste des Herrn von Wildenfels, wo er als Stadt- und Landrichter beurkundet ist. Wildenfels, wo dann Fritz Lemmels Sohn lebt, aber liegt unmittelbar neben Wiesenburg und Burkersdorf, den Wohnsitzen der Planitzer. Man muss also annehmen, dass Fritz Lemmel ein bisher unbekannter Sohn von Hans Lemmel und seiner Frau geb. Planitzer/Bleinitzer ist.